LNP159 Das Gesetz verstößt gegen die Geheimdienste

Graulich im NSAUA — Routerzwang abgeschafft — Netzüberwachung in Großbritannien — CCC TV vs. Apple TV — VDS — Leistungsschutzrecht

Wenn ihr auf der Suche nach Ermunterung seid können wir Euch diese Woche kaum helfen. Mit Ausnahme der Abschaffung des Routerzwangs ist die Nachrichtenlage geprägt von der Reaktivierung altbekannter Zombies: Vorratsdatenspeicherung, Crypto Wars und Leistungsschutzrecht werden wieder ausgegraben und selbst die schamlose Selbstverteidigung des BNDs in Form des "Sonderermittlers" Graulich verwandelt sich erstaunlicherweise beim Kontakt mit Sonnenlicht nicht zu Staub.

Dauer: 1:31:08

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Prolog

Graulich im NSAUA

Routerzwang abgeschafft

Netzüberwachung in Großbritannien

CCC TV vs. Apple TV

Bundesrat billigt VDS

Leistungsschutzrecht auf EU-Ebene?

Epilog


In Zusammenhang mit dieser Ausgabe stehende Folgen

37 Gedanken zu “LNP159 Das Gesetz verstößt gegen die Geheimdienste

  1. Was mir beim Verfolgen der Sitzung mit Herrn Graulich via Twitter aufgefallen war ist, dass er offenbar sehr vehement und wiederholt betont hat, wie unabhängig und unbeeinflussbar er als “gelehrter Jurist” doch sei. Entsprechend abstrus sei es zu unterstellen, der Ort der Untersuchung, die ausschließliche Beratung durch BND-Personal (incl. Zeugen des NSAUA) etc. pp. hätte ihn in irgendeiner Weise beeinflussen können.
    Ich würde als Laienpsychologe folgende These aufstellen (und mich über einen Kommentar des Herrn Dipl Psych Neumann sehr freuen ^^): Je mehr jemand davon überzeugt ist, dass er SO über allen Dingen schwebt, dass nichts und niemand ihn je wird beeinflussen können – umso einfacher ist es, genau das zu tun. Denn einerseits wird er sein Denken und Handeln nicht kritisch reflektieren, andererseits wird er alles was er z.B. in diesem Bericht veröffentlicht hat legitimieren, weil er den Gesichts- und Reputationsverlust fürchtet. (“Leider” ist letzterer sicherlich unvermeidbar eingetreten – in der Akademia wird den doch jetzt niemand mehr ernst nehmen. Wobei es mich eh immer schon gewundert hat, wie man auf die Idee kommt, ein VERWALTUNGSjurist sei in dieser Situation eine adäquate Besetzung – offensichtlich reicht die Nennung “BUNDESverwaltungsrichter” um eine allgemeine Kompetenz zu unterstellen…$Medienrant)

  2. Der Kontrollwahn der Plattformbetreiber (Apple, Google, Facebook, Microsoft, Amazon usw.) sollte wirklich niemanden überraschen. Was mir nur auffällt, ist dass der Großteil der Podcast Szene, dem gebaren dieser Unternehmen bislang sehr unkritisch gegenübersteht und wenig über alternativen berichtet, die es ja am Markt gibt. So wie ich das sehe, sind gerade die Technik Podcasts ja Dauerwerbesendungen für Apple und Co.

    • Sehe ich auch so… muss immer innerlich grinsen, wenn ich in Berliner Kreisen, aber auch auf dem Congress, Leute beobachte, die sich stramm antikapitalistisch geben und sich für die technologische Avantgarde halten, sich dann aber ohne zu zucken von Apple vorschreiben lassen, wann ihr teures Device, von weiteren OS Updates abgeschnitten, bitte durch ein neues ersetzt werden soll. Ihr wollt Nerds sein?

    • Nur weil es niemanden überraschten solte, ist es trotzdem nicht akzeptabel. In wie weit ist es in Apples (oder irgendeinem anderem Hardwareanbieter) verantwortung welche Inhalte über das Gerät angesehen werden können.
      Es kann doch nicht sein, dass Apple (oder wer auch immer) auf die Inhalte einer App einfluss nemen kann.
      Das problem ist nicht, dass der App-Store eingereichte Apps auf gewisse Richtlinen (z.B. Sicherheit) hin überprüft, sondern dass diese Richtlinen einen zu Großen einfluss für Apple schaffen und dadurch Apple die Legislative, Exekutive und Judikative ist.

      Das Argument wir wusten doch alle worauf wir uns einlassen find ich auch etwas schwach. Diese Einschränkungen sind tief in AGBs versteckt und ist nur einem kleinen Teil der Nutzer bewust. Außerdem ist eine normale Teilname an der Geselschaft nur noch schwer möglich ohne sich auf solche Gatekeeper einzulassen.

      Philipp

      • Hallo,

        Ich sehe da einen sehr großen Unterschiet. Google, Facebook, Apple und Amazon sind keine Hardware oder Gerätehersteller, es sind Plattformbetreiber, die sehr wohl bestimmen können, was auf den von ihnen betriebenen Plattformen angeboten werden darf und was nicht. Da nützen die AGB’s wenig, denn die lassen sich schnell ändern (Facebook macht das ja öfters) und daher nützt mir das Verständnis an der Stelle als Verbraucher wenig.
        Was ich als Verbraucher verstehen muss ist das Geschäftsmodell und die Absicht und die mögliche Weiterentwicklung dieses Geschäftsmodells. An dieser Stelle, verhalten sich auch alle Anbieter in meinen Augen gleich, auch wenn die derzeitige Monetarisierung des Geschäftsmodells noch sehr unterschiedlich wirkt.

    • Danke @Puddingpulver und @Odergatter, Ihr sprecht mir aus der Seele! Apple verhält sich schon lange (immer) so. Aber erst jetzt, wenn man selbst direkt betroffen ist, sickern die Konsequenzen langsam auch in die Szene-Köpfe.

      • Das ist im Prinzip der Hauptgrund warum ich Android nutzte. Man braucht sich ja nur ein paar Folgen FreakShow anhören um zu merken welches Opfer ich da bringe.
        Ich weiß nicht mal ob Google ähnliches macht, aber ich bin hier in der Lage weitere App Stores zu installieren oder direkt die APK Herunterzuladen und zu installieren. Ganz ohne Developer Tools.

        Datenschutz-Technisch ist das zwar immer noch Horror, aber da kann man wenig gegen machen. Es gibt kein vollkommen sauberes brauchbares Smarthphone OS.

  3. Der Unterschied zwischen den EU-Verhandlungen zum Datenschutz und denen zur Netzneutralität ist, dass die Berichterstatterin bei letzterem nicht wirklich hinter dem Parlamentsbeschluss stand. Ich hoffe mal, das führt zu einem besseren Ergebnis beim Datenschutz.

    Der Podcast Technische Aufklärung hatte in der Folge zur Befragung von Kurt Graulich die Äußerungen von SPD und CDU gegenüber der Presse reingeschnitten. So oft wie die betont haben, dass Herr Graulich unabhängig ist, war gleich klar, dass es damit nicht sehr weit her sein kann. Es ist wirklich lächerlich von Unabhängigkeit zu sprechen, wenn Mitarbeiter, der Institution von der Herr Graulich unabhängig sein soll, Texte, die Teil seiner Bewertung des in Frage stehenden Sachverhalts sind, geschrieben haben.

    Ob Amazon die Gebühr für die Nutzung meiner Postanschrift mit dem Kaufpreis verrechnen würde?

  4. Ihr kritisiert die diversen Appstores? Schon mal tanken gewesen? Schon mal versucht, Aral-Benzin an einer Shell-Tankstelle zu bekommen? Was ist mit dem neuen Geschäftsmodell

  5. Jetzt wollte ich euch zu dem CCC-App-Thema schon fast loben aber dann wird es trotzdem als Zensur bezeichnet. Immerhin, ihr schlagt da deutlich weniger auf Apple ein als viele andere, und das ist auch gut so, es sollte viel öfter vor Lock-In gewarnt werden. Danke dafür!

    Sonst:
    Der Store gehört Apple, was die da machen ist deren Sache, sie haben kein Monopol, die könnten Apps auch ohne Begründung ablehnen. Macht doch euren eigenen Store auf! Wie ihr habt euch Geräte eingetreten die nur an den einen Store gebunden sind? Ihr seid schon so tief im Lock-In? Tja … Zeit das zu ändern!

    Wie ist das bei normalen Läden? Als Hersteller von Klopapier kann ich auch nicht von Aldi fordern, dass die mein Produkt vertreiben. Und das ist gut so, denn ich will auch nicht von Irgendwem gezwungen werden Zeug von anderen das mir aus $Geschmacksgründen nicht gefällt über meine Plattform anbieten zu müssen. Macht eure eigene Plattform auf! Schafft euren eigenen Kundenkreis, bitte! Gerade aus Sicht des CCC würde es mich sehr freuen wenn es mehr in diese Richtung ginge.

    Das Problem ist aber ein anderes, das ist der Mensch. Der ist bequem und genau das wird genutzt. Überall, in der Politik und eben auch jetzt beim Appstore. Die Jugend von Heute baut kaum noch Homepages weil Facebook das eben deutlich bequemer anbietet. Die nutzen alle eine Cloud weil eigene Datenverwaltung und Sicherung mühsam ist. Wir brauchen einen Sinneswandel und genau da könnte der CCC ansetzen.

    Was Linus dann dazu sagt ist genau mein Punkt! Sehe ich exakt genau so. Danke!
    Aber: Nein, bitte nicht regulieren! Ja regulieren ist bequem, weil das macht dann die Regierung, hat aber auch den krassen Nachteil, dass jeder Einzelne dann weiterhin nicht sein eigenes Verhalten überdenken muss. Der kann dann weiterhin den Store nutzen und hat ein gutes Gewissen weil “ist ja reguliert”. Daher bitte nicht regulieren sondern einen Sinneswandel bei den Leuten hervorrufen damit die von sich aus den Lock-In vermeiden.
    Ja, das ist schwierig und grenzt an die alte Frage:

    In wieweit muss der Mensch vor den Folgen seines eigenen Verhaltens geschützt werden? Der ist doch mündig, oder?

  6. Unbeachtet der Probleme, die Spezialdienste bringen dürften, könnten sie nicht auch technische Innovation auf Seiten der Startups bewirken? Dezentralisierung, sparsamere Datentransfers, Verschlüsselung, oder so? IMHO lassen sich viele Beispiele für “Verbesserung durch Beschränkung” finden: Demo-Szene, Filesharing, etc.

      • Da sind wir uns einig, aber ich halte es trotzdem für möglich, dass die Beschränkungen, die Diensten durch den Verlust der Netzneutralität entstehen, letztendlich zu interessanten Umgehungsstrategien und technischem Fortschritt führen.

        Aufruf also an App-Entwickler & Diensteanbieter: Funktionalität unter widrigen Bedingungen gewährleisten!

  7. Bei allem berechtigten Lob an AVM: die machen bei dieser Zwangsroutersache selbst mit.

    Ich habe hier nämlich von Unitymedia/KabelBW ein Zwangs-Fritzbox, bei der etwa die Hälfte der Einstellungen verdongelt ist, und bei der die Softwareupdates nur vom Provider installiert werden können. Und genau die Lücke, die Ihr angesprochen habt, stand deshalb bei mir etwa einen Monat lang scheunentorweit offen.

    • Ja, aber das liegt in dem Fall eben nicht an AVM sondern an dem Kabelprovider, der Dir dieses Gerät eben bereitstellt. Mit der neuen Regelung wirst Du Dir das Gerät selbst bereitstellen können und dann hast Du vermutlich auch den Zugriff auf mehr Optionen (und Software-Updates).

      • Du hast natürlich recht, dass es jetzt wohl besser wird, aber wenn AVM so etwas ernst meinen würde, dann würden sie auch keine eingeschränkten Router an KabelBW verkaufen.

        (Und dann müsste ich mit diesem Technicolor-Dings leben, das wäre auch nicht schön, aber es geht ums Prinzip.)

    • Ich bin auch unitymedia Kunde und muss das xxxteil Technicolor TC7200 nutzen. Was (nicht nur) ich damit im Zus.hang mit dem katastrophal aufgestellten Support von UM für einen Ärger hatte, ist kaum in Worte zu fassen. Wer mag einfach mal nach online nach “TC7200 unitymedia” suchen.

      Liebend gerne hätte ich eine Fritzbox genommen, aber dafür hätte ich 5 Euro pro Monat mehr zahlen müssen, um dann eine Leistung zu bekommen, für die ich schon zahle…

  8. Was bedeutet die Abschaffung des Routerzwangs in konkreten Möglichkeiten?

    Muss mir mein Provider die Zugangsdaten nennen oder darf er die Updates Routers nicht mehr kontrollieren?

  9. Zum Thema Öttinger siehe auch die lustigen Anagramme auf “Oettinger Taliban”:
    Agitator lebt inne,
    Trottel Angaben II,
    abgleiten anti TOR,
    intrigante Oblate,
    Beitrag total nein,
    (… noch viele mehr)
    Quelle: https://de-de.facebook.com/lustige.anagramme/posts/935659039801214:0

    Anlass: Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, hat in einer öffentlichen Dikussion gesagt: “Was die Netzneutralität betrifft, da haben wir gerade in Deutschland Talbian-artige Entwicklungen.” Damit hat Oettinger den letzten Beweis für seine absolute Inkompetenz geliefert.
    Siehe hierzu einen Beitrag von netzpolitik.org mit dem Oettinger-Video:
    https://netzpolitik.org/2015/guenther-oettinger-netzneutralitaet-toetet-befuerworter-sind-taliban-artig/

  10. jetzt hat mir Linux zum Schluss doch nochmal diese Sendung gerettet, ich war ja zwischendurch schon innerlich am rant-en was das “gejammere” über Apples Verbot betrifft. Aber trotzdem, auch wenn es schon mehrfach gesagt wurde hier nochmal: Ihr Käufer-innen seid auch dafür verantwortlich das Apple sowas macht und sowas machen kann. Ihr kauft die Geräte, bezahlt einen irrsinnigen Preis (30% wenn ich mich nicht irre sind purer Gewinn, bzw. Kosten für den Namen Apple?) und legtitimiert auf diese Weise Apples Geschäftspolitik. Schön dass ihr immer davor gewarnt habt sich in diese Ökonomien zu begeben, aber wie ernst soll man das nehmen wenn ihr selbst dann mit euren Gadgets rumspielt? Ich bin wirklich dankbar für euren Podcasst und was ich dadurch lerne, aber irgendwie nervt es mich dann schon eimmer wieder, wenn ich merke dass ihr mir Wasser predigt aber selber Wein trinkt. Und jetzt ist der Wein mal ein bisschen sauer geworden. Mh naja. Ungefähr ähnlich wie die Sache mit der Verschöüsselung für die ihr regelmäßig plädiert, aber hier bei euch selbst gibt es immer noch kein https.

    Aber zu Apple, natürlich machen die das, ihr legitimiert dieses Verhalten ja mit eurem Kauf der Produkte. Es ist nunmal einfach Fakt: Wenn man politisch bewusst leben will dann kann man halt nicht immer gleich wieder auf den nächsten gadget Zug aufspringen

  11. Das war’s glaub ich mit den Erfolgsaussichten gegen die VDS.
    Gerade sehe ich schon die ersten eindringlichen Forderungen im WDR doch bitte einzusehen das Wir gerade jetzt nach den Anschlägen in Paris die VDS brauchen da wir ja alle wissen wollen was den diese 8Attentäter was ,wo so beqautscht hätten.(Name von dem Eumel ist mir entfallen). Es ist zum Kotzen. Das eigentlich mieseste aber ist die mittlerweile schleichende Abgeklärtheit gegenüber der ganzen Beobachterei die ich nicht nur an mir selber sondern auch an den Äußerungen und dem Verhalten von Tim in seinen unterschiedlichen Podcasts heraushöre.Kann natuerlich sein das ich mir das einbilde.Inwieweit dieser Kommentar jetzt sinnvoll war weiss ich nicht so recht aber irgendwie musste das raus heute vormittag. Thanks für eure Arbeit.Schönes WE mit leichtem morgendlichen Ausnahmezustandsgeschmack.

  12. Nachtrag.Hatte Jonas Kommentar noch nicht gelesen und muss da zustimmen . Genau dieses Gefühl habe ich auch schon jetzt seit einiger Zeit.Manche Sprüche von Tim bezogen auf Apple wie ” Mir ist das aber frei genug ” und andere Dinge die so vor einigen Jahren nicht bei Ihm zu hören waren lassen mich echt oft ein wenig sprachlos und resigniert zurück. Was soll der ganze Scheiss wenn selbst die Macher der Podcasts im Alltag so leben das der Spass an der Technik einfach über allem anderen steht und keiner bereit ist davon abzulassen? Gibt es natuerlich keine schnelle Antwort drauf und ist einfach nur so wie es ist . Und Fakt ist doch auch wenn Apple irgendeinem von uns ein gutes Jobangebot machen würde .Wer würde denn nein sagen ? Diese ganzen Zweifel und innere Zerrissenheit haben bei mir zumindest während des Hörens der letzten Sendungen überhand genommen. Das stelle ich einfach mal nur so fest.Und das ist schade weil vor ein paar Jahren fast jede Folge frische Widerstandsgeister in mir geweckt hat.

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