LNP160 Krisennummer

Terror in Frankreich — Anonymous — Abgeordnete und die BND-Selektoren — Tor — Facebook — Nachrichtendienstegesetz CH — Termine

Die jüngsten Anschläge in Paris rufen wie zu erwarten war die üblichen Verdächtigen mit ihren immergrünen Vorschlägen zu Gesetzesverschärfungen auf den Plan. Wir versuchen die Dinge wieder im Kontext der Realität zu verorten und berichten ein wenig vom NSA-Untersuchungsausschuss und anderen Ereignissen.

Dauer: 1:26:01

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Terreur en France

Anonymous

Abgeordnete erhalten Einblick in BND-Selektoren

Universität greift Tor für FBI an

Facebook-Datenschutz in Belgien

Nachrichtendienstgesetz Schweiz

IT-Gipfel: Ende zu Ende Charta

Termine

28 Gedanken zu “LNP160 Krisennummer

  1. @Tim: Man sollte aber auch nicht mit verallgemeinernden Halbwissen streuen und sich auch die andere Meinung zu den Anschlägen anschauen/hören/diskutieren. Es ist keine bunte Welt in der die Medien und Regierungen die Wahrheit sagen. Hier geht es wieder um Ressourcen und Geld. Das ist geschichtlich schon darlegbar. Das perverse ist doch die ständige Panikmache der Medien.

  2. zum dem Part der “Social Media Sperren” die anonymous angeblich herbeigeführt hat passt folgender Absatz, dessen Zitat irgendwann aus dem Sommer oder Herbst 2014 von Abu Qatadah, einem der deutschen Extremisten, die nach Syrien ausgewandert sind und es innerhalb des IS nach sehr weit oben geschafft haben, stammt:

    “„Das Problem ist, dass wir keine offiziellen Medien mehr haben. Twitter sperrt andauernd unsere Accounts. Wir haben versucht, auf andere soziale Netzwerke auszuweichen, aber da passiert im Grunde das Gleiche. Die werden täglich, manchmal auch stündlich gelöscht. Momentan haben wir kein Medium, über das wir Ihren Besuch offiziell ankündigen können.“

    Auszug aus: Juergen Todenhoefer. „Inside IS – 10 Tage im Islamischen Staat.“

    Natürlich will ich nicht abstreiten, dass anonymous die Sperrung eines Accounts um 5 Minuten beschleunigen konnte, dass sie dafür verantwortlich sind würde ich auf Grund obigen Absatzes anzweifeln, weil die IS ja schon 2014 kaum in der Lage waren ihre Accounts vor Sperren zu bewahren

  3. Zu Selektoren: Die Klage der Opposition zur Veröffentlichung der NSA Selektoren steht auch weiterhin. Was jetzt an die Obleute (übrigens inzwischen an alle, nicht nur die “Task-Force”) gegeben wird sind die BND eigenen Selektoren. Da sind zwar wohl auch welche mit dabei, die von der NSA sind, aber dann nur weil der BND die für sich selbst interessant fand.

    Die NSA Selektoren sind aber immer noch ultrageheim, bzw. nur von Graulich eingesehen. Das Argument war ja, das die USA der veröffentlichung widersprochen haben, haben sie aber garnicht. Nächstes Argument war, dass die unter Urheberrecht stehen (das hat auch Graulich so verteidigt). Ist natürlich nochmal entlarvender abstrus, wenn der BND sich tatsächlich Selektoren bei der NSA ausgeborgt hat.

    Zu der Frage ob mand die Selektoren nicht Spionageziele nennen könnte. Fänd ich auch besser das nicht so abstrakt zu halten, aber es wär nicht ganz richtig. Da gibt es allerdings auch so einige Ablenkungsnebelkerzen weil die Verantwortlichen den Begriff je nach Laune unterschiedlich verwendet. Eigentlich sind Selektoren nur einzlne Merkmale, also eine Email, Name etc. Umd daraus ein Spionageziel zu generieren, werden aber mehrere Selektoren zusammengefasst die eine Person identifizieren sollen.

  4. Ende-zu-Ende Verschlüsselung verhindert ja übrigens auch nicht die Massenüberwachung, nur um das hier nochmal zu erwähnen. Schliesslich fallen ja immer noch Metadaten an, weshalb ich Leuten inzwischen auch erstmal empfehle lieber einen guten Emailprovider (Posteo, Mailbox, …) zu suchen bevor sie sich mit der Verschlüsselung herumquälen.

    ABER, ich find die Lösung von Web.de/GMX übrigens auch immer ncoh eine ganz gute Sache. Auch wenn Linus bisher auch darauf eher herumgehackt hat (http://logbuch-netzpolitik.de/lnp151-lesezirkel-im-keller#comment-87198)

    Schliesslich machen die ja auch nicht nur Mailvelope Plugin (den Mailpile Versprecher haste wohl intus ;)) sondern auch ein einigermaßen schönes GUI drumherum. Das funktioniert zumindest so gut, dass ich Leuten die von Technik echt keine Ahnung haben sagen kann “Hey, wenn du diese Email bekommst sollte da ein Feld mit ‘XX läd sie zur verschlüsselung ein, klicken sie hier um darauf einzugehen’ kommen, mach das doch mal dann können wir verschlüsselte emails benutzen”

    klar, das ist nicht das gelbe vom ei, wie genau das ganze funktioniert wissen die leute meist trotzdm nicht und keymanagement ist halt mal sone sache, aber hey, erst mal ist das zwischen uns!

    Und ich finde, das könnte man auch von der Profiseite mal ein bisschen mehr fördern dass die das gemacht haben. Diesen speziellen Punkt, wenn man gleich dazu sagt, dass das die ganzen anderen Probleme (Bestandsdaten, Metadaten, Werbung, schlechtes ssl etc. etc. bei den Anbietern nicht löst)

  5. Anmerkungen:

    In den USA gibt es einen Flickenteppich von Regularien zum Schusswaffenbesitz: Sowohl “concealed carry” als auch “open carry” können verboten, erlaubt oder genehmigungspflichtig sein. Der Trend geht zum “constitutional carry” würde ich sagen, das ist Neusprech für keine Regeln.

    Facebook eine größere Ausspähreichweite als Google zuzubilligen, ignoriert aber Google Analytics, eingebundene Youtube-Videos, Karten und Captchas, Googles Werbenetzwerk und technische Dienstleistungen durch irgendwelche Google APIs und Fonts, die ich regelmäßig in meiner Filterlist sehe. Ich gehe davon aus, dass alle diese Kanäle für Tracking von Internetnutzern verwendet werden.

    Ein typisches Motiv für die Aneignung der Anonymous-Maske ist, dass man kollektiven Widerstand ausruft gegen einen Misstand, der von allen (in der eigenen Filterblase) als Problem erkannt ist, aber gegen den niemand etwas tut. Hier ist es die Organisation Islamischer Staat, von der man sich einig ist, dass sie zerschlagen werden muss, und unter dem Eindruck der Anschläge in Paris herrscht das Gefühl vor staatliche Akteure versagen in ihrem Kampf gegen IS. Also genau die skizzierte Konstellation. Die Inszenierung des Anonymous-Kollektivs dient hier meines Erachtens als eine Selbstermächtigungsphantasie, die die empfundene Ohnmacht ein Stück weit bekämpfen soll, auch wenn bzw. gerade weil das, was man von zu Hause am Rechner beitragen kann, doch sehr begrenzt ist.

    Krude Verschwörungstheorien: Das Problem ist unsere Welt ist nunmal voll mit Verschwörungen. Von der organisierten Kriminalität und Wirtschaftskriminalität über Geheimdienste bis zu politischen oder militanten Widerstands- bzw. je nach Sichtweise Terrornetzwerken. Geostrategische Spiele inklusive Finten und Proxykonflikte, Rechtsabteilungen von Großkonzernen die tiefere Einblicke in Wirtschaftsabkommen haben als gewählte Volkvertreter oder gekaufte Gefälligkeitsforschung. Da muss man schon einen guten inhaltlichen Überblick und ein hohes Maß an Skepsis und kritischer Distanz haben, um nicht in irgendeinem vermeintlich einfachen Erklärungsansatz ins Netz zu gehen.

    Jedes Mal wenn ein SPD-Minister umfällt, wird ein neues Sicherheitsgesetz geboren.

  6. Zum Tor-Angriff sollte man immer Bedenken: Das Software Engineering Institute ist ein “Federally Funded Research and Development Center (FFRDC) sponsored by the U.S. Department of Defense”. Zu diesen zählen auch so Institute wie das Los Alamos, Oak Ridge, Sandia oder Lawrence Livermore – also die Institute die auch sehr stark in der Atomwaffenforschung aktiv waren/sind.

    Das ist somit kein völlig normales Uni-Institut. Damit widerspricht es Tim’s These ein wenig, dass damit jeder der Security-Forschung mit einem Subpoena belegt werden kann und Linus Behauptung, dass es ein “unabhängiges Forschungsinstitut” ist. Es ist das Gegenteil einer unabhängigen Forschungseinrichtung, es ist eine US Bundeseinrichtung, die halt an die CMU angegliedert ist. Ähnlich wie das MIT Lincoln Lab.

  7. Guten Tag,

    ich möchte doch mal darauf hinweisen das Ihr stellenweise viel zu gutmütig seit, beispielsweise im Bezug auf das Gesetz zum Besitz vom Schusswaffen in den USA.

    Das es mit mehr Waffen bzw liberaleren Gesetzen zum Waffenbesitz mehr Gewalt gibt, DASS IST DOCH SONNENKLAR. HALLO ??? Darüber braucht man doch überhaupt nicht diskutieren geschweige denn mit historischen Argumentationen versuchen diese These zu überlegen.

    Ansonsten Super Podcast, macht weiter so!

    Liebe Grüße,
    Rafael

    • wieso ist das sonnenklar? mal canada und usa vergleichen, beide haben aus europäischer sicht liberale waffengesetze, aber ganz unterschiedliche kriminalitätsstrukturen.

      es gibt gute gründe, auf liberale waffengesetze zu verzichten, aber “ist doch sonnenklar” ist keiner.

      • es gibt noch ein anderes gutes beispiel: in der schweiz hat jeder wehrfähige mann ein sturmgewehr zu hause im schrank und manche noch eine pistole. bisher ist die schweiz nicht durch “mehr gewalt” bspw. zur brd aufgefallen, oder?

  8. Zum Thema Waffen:

    Was ist es denn für eine inkonsistente Aussage sinngemäß zu behaupten „Mit Waffen konnte man noch nie Frieden schaffen!“???

    Was ist das für eine Anspruchshaltung an Waffen?

    Warum gibt es denn Waffen? Weil die Menschen gewalttätig sind und schon immer an irgendwelchen Punkten ein Interesse daran hatten, anderen mit physischer Gewalt physischen Schaden zuzufügen. Waffen setzen also Gewalt voraus.

    Die Menschen kommen nicht aus ohne Gewalt.

    Und Waffen dienen nicht dem Frieden, Waffen dienen der Gewalt.

    Frieden wäre nach meiner Ansicht nur ohne Menschen möglich.

    Und jetzt den Anspruch zu haben, mit Waffen Frieden zu sichern ist ungefähr auf dem Level der Unlogik, wie bei der nächsten Bundestagswahl die Grünen zu wählen, um Angela Merkel zu verhindern. Oder die Grünen zu wählen, weil man gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr ist.

    So krass unlogisch (wie die Grünen nun mal sind) ist dieser Anspruch mit Waffen Frieden schaffen zu wollen.

    Denn auch bei der Gruppe von Menschen, die sich Waffen anschaffen oder anschaffen wollen, um sich zu verteidigen, müssen Gewaltbereit sein und Gewalt auch anwenden. Sonst bringen Waffen a priori rein gar nichts.

    Polizieibeamten wird in regelmäßigen Trainings die Hemmung abtrainiert, auch auf Unbewaffnete Gewalt anzuwenden. Denn normal Denkende, mit normal funktionierendem Gehirn haben ein gewaltiges Problem damit, anderen Gewalt anzutun. Extremfall eben bei der Polizei, die vielleicht gut aussehenden Blondinen mit Dreadlocks, mit ihren Tonfas auf die Unterarme und Unterschenkel schlagen- und ihre Gesichter mit Pfefferspray zu ballern müssen, um die Sitzblockade zu räumen, wo sie im privaten Leben lieber nach der Handynummer fragen würden.

    Aber auch Menschen die Angst haben ausgeraubt zu werden und sich unüberlegt ein Messer in die Tasche stecken (aus vielen Gründen eine schlechte Idee!) stellen dann fest, dass sie nicht in der Lage sind ihr Messer zu benutzen, wenn sie dann doch mal angegriffen oder ausgeraubt werden. Es ist unglaublich schwer einem Mitmenschen schwere Verletzungen beizubringen, auch wenn es um das eigene Leben geht, wie in einer Notwehrsituation.

    Und gerade aus diesem Umstand heraus, dass Menschen mit Gewalt weder theoretisch noch praktisch zurecht kommen, werden hier gesellschaftlich viele falsche Entscheidungen getroffen!

    Mein nächster Punkt:

    Sinngemäß: Wenn dann da Cowboys im Publikum wären, die zurück schießen, dann eröffnen die aber auch bei jeder dritten Gelegenheit das Feuer, z.B. wenn die mit Bier überschüttet werden.

    Interessant. Dafür gibt es glaube ich mehrere zu Grunde liegende Gedankenkonstrukte:

    Die Waffe hat eine Art magische Wirkung auf den Besitzer. Sie lässt ihm jede Moral und anerzogenen, friedlichen Umgangsformen im Miteinander vergessen und zum Monster werden, dem das Leben seiner Mitmenschen egal geworden ist.

    Aber wie kommt man darauf? Glaubt man von sich, dass wenn man selbst einen Rucksack mit Pistole und 500 Schuss Munition findet, selbst leicht zum Täter zu werden? Glaubt man vielleicht aus Unwissenheit, den Abzug zu drücken wäre einfacher als ein Messer zu benutzen? Und projiziert man sein gewaltiges psychologisches Problem dann auf seine Mitmenschen?

    Oder glaubt man, man selbst würde die Waffe abgeben, aber ein anderer könnte im Gegensatz zu einem selbst leicht zum Täter werden? Dann müsste man sich immer noch die Frage gefallen lassen nicht vielleicht paranoid zu sein. Denn dann geht man ja von potentiell schlechteren und gewalttätigeren Mitmenschen aus als man selbst ist.

    Oder glaubt man, dass Leute die sich Waffen anschaffen wollen generell so verdorben sind und aus verdorben Gründen heraus erst den Waffenbesitz anstreben?

    Da kommen Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen: Gewalttäter fühlen sich zu Schusswaffen hingezogen. Das ist tatsächlich so, betrifft aber in erster Linie den illegalen Waffenbesitz. Da sind die Gesetze egal.

    Und zu legalen Waffenbesitzern gibt es auch Studien. In Deutschland kommt das Institut für Rechtspsychologie an der Uni Bremen zu dem Schluss, dass deutsche legal-Waffenbesitzer psychisch und sozial gefestigter, sowie verantwortungsbewusster seien als ein vergleichbarer Querschnitt der Bevölkerung. In anderen Ländern kommt man zu ähnlichen Schlüssen, wenn man sich die Verteilung von illegalen und legalen Schusswaffen bei Straftaten anschaut. Selbst in den USA.

    Es gibt keinerlei Statistik, Studie oder sonstige Untersuchung, die wissenschaftlichen Kriterien standhält und belegen würde, dass der legale Zugang zu Schusswaffen die Verbrechensrate erhöht und dann die Leute anfangen sich gegenseitig zu erschießen, wenn man mit Bier überschüttet wird. Die Waffe macht nicht den Täter. Ein Täter sucht sich seine Waffe. In der Kriminologie ist das schon lange bekannt. Erst kommt der Tatentschluss, dann die Wahl des Tatmittels.

    Hatte nicht einer von euch Psychologie studiert? Wie kann man dann solchen Unsinn verwenden um seine Argumentation zu stützen?

    Ein weiterer Punkt von mir ist „sich der Geschichte bemächtigen“.

    Gerne.

    Australien 2001. Verschärfung des Waffengesetzes mit dem verbundenen einsammeln von Schusswaffen. Dort gab es nach dieser Gesetzesänderung innerhalb von weniger als einem Jahr einen rasanten Anstieg der Gewaltverbrechen, auch mit Todesfolge. Der Anstieg bewegte sich im unteren zweistelligen Prozentbereich. Die Straftaten mit Schusswaffen gingen zwar zurück, aber die Gewalt ist angestiegen. Weil Schusswaffen eben keine Täter machen und Gewaltverbrechen sich mit dem Verbieten von Schusswaffen nicht verhindern lassen.

    Großbritannien 1998. Verbot aller Kurzwaffen nach einem Amoklauf an einer Vorschule. Die Schusswaffenmordrate ist nach diesem Verbot innerhalb kürzester Zeit auf einen Höchststand geschnellt. Das Risiko nach dem Verbot Opfer von Schusswaffenkriminalität zu werden war viel höher, als vor dem Verbot.

    Warum ist das so?

    Vielleicht weil man mit Verboten und Gesetzen nur die Menschen erreicht, die auch bereit sind sich an Verbote und Gesetze zu halten? Also nur die potentiellen Opfer, nicht die kriminellen Täter, die kriminell sind, weil sie sich ja nicht an Gesetze halten.

    Selbst Scotland Yard in London kam zu dem Schluss, dass Schusswaffenverbote kein geeignetes Mittel seien, um Schusswaffenmorde zu verhindern.

    Im Gegenteil, die Täter wissen nun um die Wehrlosigkeit ihrer Opfer.

    Nachvollziehbar?

    Drittes Reich. Das totale Schusswaffenverbot nur für Juden und die Entwaffnung der Juden in Deutschland vor deren industrialisierten Völkermord und dem Holocaust in Deutschland. Klar, wehrhafte Opfer konnten die Nazis nicht gebrauchen.
    Und auch heute fällt eine Korrelation auf zwischen sehr strikten Waffengesetzen und der Unfreiheit von Gesellschaften auf. In China sind Waffen für Privatleute komplett verboten. Und wir in Deutschland haben auch ein Waffengesetz, dass eigentlich Waffenverbotsgesetz heißen sollte. Waffen sind grundsätzlich verboten, dann gibt es Ausnahmen. Warum? Weil wir unser Waffengesetz fast 1:1 von den Nazis abgeschrieben haben. Ebenso wie das heutige, deutsche Jagdrecht, das im Wortlaut zum Großteil noch von Hermann Göring stammt (der war auch der oberste Reichsjäger, oder Reichsförster oder so).

    Und die Opfer in Paris waren bestimmt froh, als auf sie geschossen wurde, dass 2 Kilometer weiter ein paar Polizisten mit Schusswaffen da waren.

    Was für ein Glück.

    Komisch, dass solche mass shootings mit richtig vielen Opfern immer nur da stattfinden, wo Schusswaffen verboten sind. Ob in US Amerikanischen Schulen, Universitäten und Kinos, in deutschen Schulen, auf norwegischen Inseln, oder französischen Konzerthallen (an den Unis in den USA, wo Studenten und Dozenten Schusswaffen tragen dürfen, gab es noch keinen Amoklauf mit mehr als 4 Opfern).

    Täter, die einfach nur Menschen töten wollen gehen erstens dahin, wo sie nicht mit Gegenwehr rechnen brauchen und zweitens hält sie kein Gesetz oder Verbot der Welt auf.

    Aber keine sorge, das Waffenrecht soll jetzt nach Paris EU weit extrem verschärft werden. Ist ja auch gut so. Damit zeigen wir es den Terroristen, die ihre Waffen von außen herein schmuggeln! Irgendwann sind die bestimmt gelangweilt vom Erschießen wehrloser und unbewaffneter Schafe (oder Bürger?) und so erschöpft, dass die schon von alleine damit aufhören.

    Und wer lebt nicht gerne in einer Gesellschaft, in der die Polizei, das Militär und Kriminelle Schusswaffen haben. Nur gesetzestreue Bürger nicht.

    Man sieht ja in den USA wohin das führt!

    Dass es in Kanada und der Schweiz ähnlich hohe legale Waffendichten im Volk gibt und die dort total friedlich sind, dass die Ursachen von Gewalt in sozialen Problemen und Spannungen zu finden sind, wie in den USA, wo 50 Millionen der 300 Millionen Einwohner so Arm sind, nicht regelmäßig drei Mahlzeiten am Tag zu haben, und ohne Gesundheitsversorgung und sozialer Absicherung über die Runden kommen müssen, ja das blenden wir jetzt aus. Ebenso, dass die USA kein Problem mit legalen Schusswaffen haben, sondern mit illegalen Schusswaffen! Dass es Bundesstaaten mit den liberalsten Waffengesetzen innerhalb der USA gibt, mit einer Mordrate unter der von Deutschland! Oder in Afrika, wo ganze Massaker nur mit Macheten verübt werden und es auch ohne Schusswaffen geht. … Das alles blenden wir aus!

    Aber was interessieren uns Fakten, nicht wahr?

    Waffen sind das Problem, wurde erst letztens in den RTL II News und auf netzpolitik.org behauptet.

    Also muss das stimmen!

    Ich glaube das Hauptproblem hier ist die verzehrte Wahrnehmung der Realität. In Deutschland hat die Mehrzahl der Menschen keinen Kontakt zu Schusswaffen und kennt sie nur im Zusammenhang mit dem ARD Tatort am Sonntagabend. Dort haben nur Kriminelle Waffen, am Anfang stirbt Einer und dann kommen immer die guten Polizisten mit Schusswaffen, retten ein weiteres Opfer und jedem ist klar: Schusswaffen gehören nicht in Privathand!

    Und nicht vergessen die Grünen zu wählen, dann wird endlich alles gut.

    Sorry für die triefende Polemik und dass der Text nicht gegendert ist. Blutdruck senkende Maßnahme meinerseits.

    Beste Grüße

    Florian

    • Ich schließe daraus, du hättest gerne eine Waffe. :D

      Interessehalber woher hast du deine Informationen? Ich nehme an, die wurden nicht in Einzelrecherche erschlossen. Kommen diese Argumente direkt aus einem Leitfaden von Schusswaffenbefürwortern oder von einer Quelle, die sich als neutral darstellt?

      • Und das zu beurteilen fällt vielen schwer.

        Wo es mehr Waffen gibt kommen auch mehr Menschen damit um. Bestreite ich nicht. Aber ist das bei genauerer Betrachtung ein Problem?

        In den USA erschießt die Polizei massenhaft Verdächtige => Gun Deaths
        In den USA gelingen Selbstmorde sehr gut mit den Schusswaffen => Gun Deaths
        In den USA gibt es viel mehr erfolgreiche Notwehrhandlungen gegen Angriffe => Gun Deaths

        Für mich hat das aber keine Aussagekraft und ist kein Argument gegen Schusswaffen. Warum?

        Dass die Polizei so beschissen in agiert liegt an deren Ausbildung dort und der geistigen Einstellung. Ein paar Wochen bis 6 Monate militärischer Drill reichen nicht in meinen Augen um einen Polizeibeamten gut auszubilden.

        Selbstmorde: Tatentschluss, Wahl des Tatmittels. Bekommt man ohne Schusswaffen weder weg noch reduziert. Es springen auch richtig viele Selbstmörder von den vielen hohen Brücken in den USA. Hat da mal jemand gefordert die Brücken abzureißen und wieder Fähren zu benutzen?

        Notwehrhandlungen: Für mich auch kein Problem. Und alle die sich darüber aufregen sollten sich mal die Rechtsprechung bei uns und dort drüben anschauen. „Stand your ground“ uhhhh diese Barbaren! Ist aber nur in 30 Bundesstaaten der Fall, in den anderen muss man zurückweichen wenn es geht und einem rechtswidrigen Angriff so ausweichen, ohne dem Gegenüber Schaden zuzufügen.

        Ist neu da drüben, bisher galt dieser Grundsatz fast überall.

        Aber wie sieht es in Deutschland aus? Hier gibt es den Notwehrparagraphen. Danach ist ein rechtswidriger Angriff bereits gegenwärtig wenn er unmittelbar bevorsteht. In Deutschland reicht es also sich bedroht zu fühlen + der begründeten Annahme, dass ein Angriff nun auch unmittelbar bevorsteht.

        Man muss also nicht warten bis man tatsächlich angegriffen wird.

        Und dann gibt es da noch den Rechtsgrundsatz „Recht braucht dem Unrecht nicht weichen.“

        Stand your ground in Germany. Seit Jahrzehnten der Fall bei uns.

        Niemand braucht fliehen wenn er es könnte, er darf bleiben und Notwehr ausüben (mit starken Einschränkungen bei unter Drogen stehenden und Kindern).

        Und die Verhältnismäßigkeit? Kommt im deutschen Gesetz bei Notwehr nicht vor. Urteile vom BGH geben Aufschluss, wenn Opfer frei gesprochen werden, die unbewaffnete Angriefer erstochen oder erschossen haben. Oder nur davon ausgehen mussten in Gefahr zu sein. Wie der Hells Angel in Niedersachsen, der einen Polizeibeamten durch seine Haustür hindurch erschossen hatte.

        Auch wenn man das nicht pauschalisieren darf, da gibt es enge Grenzen!

        Nur in den USA werden den Bürgern auch die Mittel zugestanden sich zu verteidigen. Die Deutschen finden es aber viel schöner sich entweder umbringen zu lassen, oder eine Weile an Krücken zu laufen, anstatt das Gegenüber in die Notaufnahme zu schicken. Kann man ja alles machen, nur ist das kein Argument gegen Schusswaffen.

        Verbietet man Waffen, dann veringert man keine Verbrechen oder Todesfälle. Die Toten tauchen dann einfach in einer anderen Spalte der Statistik auf, wenn es um die Tatmittel geht.

        Gewalt hat seine Ursache in gesellschaftlichen Problemen! In Deutschland schätzt man die illegalen Waffen auf 20 – 40 Millionen, je nach Quelle. 20 Millionen + 5,5 Mio legale Schusswaffen in Deutschland. Irgendwo in Privathand. Warum passiert hier dann nicht so viel wie in den USA? Vielleicht weil wir uns noch einen letzten Rest an Sozialstaat erhalten haben und die Verzweiflung im Durchschnitt geringer ist? Oder ist das zu kompliziert? Okay, nur die Schusswaffen sind Schuld!

        Ich habe meine Pistole neulich nach dem Training gereinigt und dann vor mir auf dem Tisch liegen lassen. Und da ist etwas unglaubliches passiert. Die ist nicht einfach zur Tür rausgehüpt und hat jemanden erschossen, nein! Die ist einfach da so liegen geblieben wie ich sie dahin gelegt hatte. Unfassbar.

        Waffen töten nicht, Menschen töten.

        Z.B. wären Amokläufe mit anderen Tatmitteln effektiver als mit Schusswaffen. Bomben oder Brandbeschleuniger an der richtigen Stelle und viel weniger könnten fliehen. Dann aber könnte der Täter nicht so persönlich Macht über seine Opfer ausüben und hätte vor allem nicht dieses postume Medienecho, was auch eine wichtige Rolle für diese Versagertypen spielt. Daher gab es von Psychologen den Vorschlag keine Namen mehr der Täter zu nennen. Denn für das Publikum bringt ein Foto und der Name nichts. Aber dann könnten die Medien nicht mehr so gut masturbieren, und das wollen wir ja auch nicht.

        Über Amokläufe mit Messern, Schwertern, Benzin und mit selbst gebauten Flammenwerfern hört man nichts, erst recht nichts aus anderen Ländern. Daher sind für uns wieder nur die Schusswaffen Schuld, und nicht die Menschen die sich teils sehr lange darüber Gedanken gemacht haben wie und wo sie töten können.

        Warum gab es eigentlich in Israel noch keinen Schulamoklauf? Die Waffendichte ist dort mit am höchsten auf der Welt. Könnte es eventuell daran liegen, dass dort alle Lehrer bewaffnet sind?

        Also zusammengefasst: Schusswaffenverbote machen nicht weniger Tote, sie verschieben die Statistik was die Tatmittel angeht, mehr nicht. Für den hohen Preis nun eine wehrlose Befölkerung zu haben. Das ist schon alles was man damit erreicht.

        Und warum hat ein Europa ein Problem mit Schusswaffen wie es letzte Woche auf netzpolitik.org stand?
        Z.B. werden in Deutschland pro Jahr 5 Menschen mit legalen Schusswaffen ermordet. Gäbe es diese legalen Waffen nicht, dann hätte der Täter eben ein anderes Tatmittel genommen, meine Behauptung.

        Aber selbst wenn sich diese 5 Morde mit einem Verbot verhindern ließen, warum ist das dann ein Thema?

        Es sterben 40 000 Menschen pro Jahr in Deutschland am Alkoholkonsum. Und die bringen sich nicht freiwillig um. Die werden abhängig und können nicht anders. Warum reden wir nicht darüber? 40 000 Menschen sterben durch Behandlungsfehler und mangelnder Hygiene in Krankenhäusern?

        700 Menschen ersticken pro Jahr an Fischgräten…. Usw.

        NEIN ich will NICHT darüber diskutieren und ablenken, das wäre ein fauler Trick, ich wollte auf die verzehrte Wahrnehmung aufmerksam machen!

        Wir haben kein Problem mit Schusswaffen. Das ist komplette Einbildung.

        Und ich staune immer wieder. Ich bin umgeben von intelligenten Menschen, die sich um Objektivität bemühen, weil sie selbst nicht dumm sein wollen. Viele davon auch Naturwissenschaftler (wie ich) die gelernt haben wie man schlüssig denkt und argumentiert. Sonst könnten sie ihren Job nicht. Sie können wunderbar logisch denken und durchdringen auch das Thema Flüchtlingskrise und geben unserer Außenpolitik die Schuld, nicht den Flüchtlingen.

        Aber wenn das Thema Schusswaffen aufkommt, Gehirn aus, Schublade mit den Vorurteilen raus, und dann erzählen sie einem was über amerikanische Rednecks…. Traurig.

    • Also ich kann nur insofern zustimmen, dass es in Deutschland nach meiner Wahrnehmung kein wirkliches Problem mit Schusswaffen gibt, weil halt kaum jemand welche hat. Ich würde aber ungern in einer Umgebung leben, wo das der Fall ist, besonders wenn es um das regelmäßige Mitführen von Waffen geht. Das ist nochmal eine andere Frage als der reine Waffenbesitz gut gesichert zu Hause und Verwendung für Sportschießen. Das würde ich neben anderen Faktoren auch für einen der wichtigen Unterschiede zwischen den USA und Ländern wie Kanada oder der Schweiz halten. Ich gebe zu, da mich die Diskussion nicht wirklich betrifft, habe ich natürlich auch die Argumente nicht tief nachgeprüft. So ist das eben. Tatsächlich kenne ich das ganze nur aus dem US-amerikanischen Kontext und da fallen die Schusswaffenbefürworter, jedenfalls die lautesten unter ihnen, auch durch andere sehr problematische Ansichten auf. Ein Teil der Argumente, die du gebracht hast, inklusive so semantische Spielereien wie “Waffen töten nicht, Menschen töten”, kenne ich von dort, wobei das noch nichts über ihre Validität aussagen muss. Die Gegner dieser Leute können aber genauso ihre Statistiken vorweisen und haben plausible (oder plausibel klingende) Argumente wie, wenn der Schusswaffenbesitz in der Bevölkerung hochgeht, führen auch Kriminelle mehr Schusswaffen und damit steigt die Wahrscheinlichkeit zum Einsatz letaler Gewalt bei Gewaltverbrechen. Wie gesagt mich interessiert die Diskussion dann doch nicht so sehr, dass ich mich jetzt auf die Suche nach neutralen Betrachtungen, so es diese denn gibt, machen werde. Insofern magst du mit “Vorurteilen” recht haben. Meine Präferenz ist nunmal möglichst wenige Schusswaffen in der Gesellschaft zu haben. Und da wie du dargelegt hast, es ganz andere Gefährdungsquellen gibt, “braucht” man ja auch keine. Mit dem Restrisiko sollten wir genauso leben wie mit Terroranschlägen und lieber die dahinter liegenden Ursachen angehen. Natürlich kann man auch Maßnahmen der Schadensbegrenzung angehen, aber ein gefährliches Instrument zur Minimierung eines kleinen Risikos überall zu verbreiten, erinnert mich daran an jeder Straßenecke Überwachungskameras hinzustellen, für den Fall, dass mal etwas passiert.

  9. ich stimme euch zu, dass es nicht opportun ist vorschnelle schlüsse aus den attentaten in paris zu ziehen. ich frage mich aber, warum linus sich dann schon jetzt so sicher sein kann, dass alle attentäter inländer waren und die offenen grenzen keine rolle spielten. das scheint mir doch sehr verfrüht, zumal man bei der wikipedia zum thema folgendes lesen kann:

    “In der Nähe der Leichen der Täter am Stadion wurden ein ägyptischer und ein syrischer Pass gefunden.[116] Der ägyptische Pass konnte einem Opfer des Sprengstoffanschlages zugeordnet werden.[117] Der syrische Pass auf den Namen Ahmad Almohammad war laut den französischen Behörden eine Fälschung.[118] Die Fingerabdrücke des Passinhabers konnten einem der Täter zugeordnet werden.[96] Der Täter war am 3. Oktober 2015 als Flüchtling auf der griechischen Insel Leros registriert worden.[119][120] Der Täter folgte dann dem Migrantenstrom über Athen nach Mazedonien und Serbien, wo sich seine Spur verlor.[118]”

    offene diskussionen, sind das beste mittel, den hetzern den wind aus den segeln zu nehmen. und es ist nie richtig für die richtige sache das falsche zu tun.

  10. Jetzt habt ihr zwar eure Sendung in Anlehnung an die Rede von Thomas de Maizière benannt, aber zu dem Wortwechsel zw. ihm und Frank Rieger nichts weiter erzählt. Ist das geheim oder war Riegers Replik doch nicht so dolle?

  11. bei 60 min, die Massenhaften Seiteaufrufe beziehen sich nicht unbedingt auf hunderte Seitenaufrufe auf Facebook, sonder irgendwo – dank dem Cookie … ein Neustart mit XY Tabs erzeugt das auch schonmal …
    davon ab, erzeugt der insofern – zu deren Ehrenrettung – eine Möglichkeit die Wahrscheinlichkeit das ein User korrekt sich einloggen will erhöht. Weil der sich in der Vergangenheit valide mit dem Browser angemeldet hat. Wenn man sehr sehr nett sein wollte, könnte man das eine verdeckte 2 Factor Auth nennen.
    Ich mag Facebook und deren Cookie gebaren schon lange nicht mehr und hab mich und einem nicht kleinen Teil aus dem Facebook Universum herausgerettet – schon vor einiger Zeit

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