Logbuch:Netzpolitik
Einblicke und Ausblicke in das netzpolitische Geschehen
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LNP425 Der Geist von Horst Seehofer

Ein Logbuch:Netzpolitik Spezial zu Frag den Staat

Frag den Staat ist eines der umtriebigsten Projekte der deutschen netzpolitischen Bubble und hört nicht auf, Staub aufzuwirbeln. Daher dachte wir uns, unterhalten wir uns doch noch ein weiteres Mal mit Arne Semsrott und blättern ein wenig in den Aktivitäten der letzten drei Jahre.

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Veröffentlicht am: 15. März 2022
Dauer: 1:15:34


Kapitel

  1. Intro 00:00:00.000
  2. Prolog 00:00:32.662
  3. HTTP Status Code 425 00:02:57.170
  4. Volksentscheid Transparenzgesetz 00:06:33.018
  5. Anfragen 00:13:35.695
  6. Klagen 00:23:25.230
  7. Kampagnen 00:34:02.519
  8. Journalismus 00:46:07.850
  9. Freiheitsfonds 00:54:45.327
  10. Zukünftige Entwicklungen 01:06:35.317
  11. Epilog 01:13:21.659

Transkript

Tim Pritlove
0:00:00
Linus Neumann
0:00:00
Tim Pritlove
0:00:02
Linus Neumann
0:00:05
Tim Pritlove
0:00:32
Linus Neumann
0:00:44
Tim Pritlove
0:00:46
Arne Semsrott
0:01:08
Tim Pritlove
0:01:10
Arne Semsrott
0:01:24
Linus Neumann
0:01:32
Arne Semsrott
0:01:43
Linus Neumann
0:01:47
Tim Pritlove
0:02:24
Arne Semsrott
0:02:27
Tim Pritlove
0:02:41
Linus Neumann
0:02:45
Tim Pritlove
0:02:48
Linus Neumann
0:02:52
Arne Semsrott
0:02:53
Tim Pritlove
0:02:57
Arne Semsrott
0:03:15
Linus Neumann
0:03:19
Tim Pritlove
0:03:20
Linus Neumann
0:03:53
Tim Pritlove
0:04:43
Linus Neumann
0:04:44
Tim Pritlove
0:05:02
Linus Neumann
0:05:15
Tim Pritlove
0:05:22
Linus Neumann
0:05:29
Tim Pritlove
0:05:41
Linus Neumann
0:05:48
Tim Pritlove
0:06:04
Linus Neumann
0:06:06
Tim Pritlove
0:06:11
Linus Neumann
0:06:25
Tim Pritlove
0:06:27
Linus Neumann
0:06:28
Tim Pritlove
0:06:30
Arne Semsrott
0:07:15
Tim Pritlove
0:08:19
Arne Semsrott
0:08:24
Tim Pritlove
0:09:36
Arne Semsrott
0:09:43
Linus Neumann
0:10:29
Arne Semsrott
0:10:50

Na das Interessante bei bei ja Informationsfreiheitsgesetzen und Transparenzgesetzen ist, dass das, Gesetze sind die erstmal so der Verwaltung und den Interessen entgegen laufen. Also in der Innenverwaltung und ist immer die Innenverwaltung, also auch auf Bundesebene das Innenministerium, zuständig ist. Das hat natürlich kein Interesse daran, dass ganz viele interne Dokumente auf einmal online sind. Ähm. Genau die Verwaltung sind dann aber zuständig dafür, einen Gesetzentwurf zu prüfen und möglicherweise einen eigenen zu machen und da kann man sich dann ja ausrechnen, was dabei rumkommt. Das ist, so wie wenn die Banken sich selbst das Gesetz zur Bankenregulierung schreiben würden, ja was sie. Ja genau und genauso ist es. Also ist das Gleiche wie im Bankenwesen im Prinzip. Ähm bei der Informationsfreiheitsgesetzen auch. Also im Prinzip richtig wäre, wenn das Parlament ähm so einen Gesetzentwurf macht oder halt die Zivilgesellschaft und das dann vom Parlament verabschiedet. Die Innenministerien erstmal so einen ersten Aufschlag machen, dann sind da in der Regel die kleinen Vießheiten schon alle drin und was man zum Beispiel in Berlin versucht hat mit dem eigenen Entwurf, so eine Identifizierungspflicht einzuführen. Also das ist das, was das Innenministerium vielleicht mit einer E-Perso-Pflicht oder so versuchen würde, hatten da dann reingeschrieben, dass man ähm halt Name und Adresse angeben muss bei bei einem Informationsantrag, dass dann diese Daten an Dritte weitergegeben werden dürfen in bestimmten, Fällen, das heißt die haben schon direkt, ähm ja die Informationsfreiheit in die andere Richtung interpretieren und haben sich gedacht, ja wir wollen dann erstmal ordentlich was darüber wissen, wer uns da eigentlich anfragt und dieses Grundprinzip alle können anfragen, müssen keine Begründung geben, damit dann schon mal ausgehebelt, und gleichzeitig und das merkt man so in solchen, Gesetzgebungsverfahren. Da werden dann alle möglichen anderen Ressorts gefragt. Die anderen Senatsverwaltungen, die anderen Ministerien, ja was haltet ihr denn davon? Und dann sagen die finden wir super, finden wir super, aber bei uns, sollte dieser Bereich auch noch ausgenommen werden. Also so ein so ein klassisches Nimbi, ne, Transparenz finden alle immer toll, aber wenn's dann um sie selbst geht, dann gibt's gute Gründe dafür, warum jetzt dieser eine Teil jetzt auch noch eine extra Ausnahme kriegen sollte und. Dementsprechend war das dann auch ein ziemlicher Fleckenteppich, wo dann letztlich für jeden Bereich, also die die Bildungsverwaltung in Berlin wollte dann die Schulen einmal komplett ausnehmen zum Beispiel, damit nicht rauskommt, was die da für eine Miss. Die Justizverwaltung wird dann die Stiftungsaufsicht rausnehmen und so weiter und so weiter. Ähm das war dann ein so schlechter Entwurf, da muss man sagen, ja ist eigentlich ganz gut, dass letztlich nix aus irgendwas geworden ist. Das wäre nur noch schlimmer geworden als es jetzt.

Tim Pritlove
0:13:32
Linus Neumann
0:13:33
Tim Pritlove
0:13:35
Arne Semsrott
0:13:58

Ja, also bei Folge 2hundertsechsundfünfzig waren wir ja bei zehntausend Personen, glaube ich, die Anfragen gestellt hatten und wir hatten 1,3 Stellen, weil fragt den Staat, die das irgendwie versucht haben zu managen. Jetzt sind wir bei 100.000 Personen auf 15 Stellen. Also beides hat sich ungefähr verzehnfacht. Ähm überfragt den Staat sind jetzt, in den letzten zehn Jahren insgesamt hundert ja genau 100tausend Leute haben über 200.000 Anfragen gestellt ähm und das, zeigt so glaube ich schon ganz gut, was sich entwickelt hat, dass es nämlich immer normaler wird, überhaupt den Staat zu fragen. Also wenn wir uns so ein bisschen die Anfangszeit, Dieses Projekt fragt den Staat anschauen, da war das ja sehr lange ziemliche Nische, ne? Also ich glaube, so die. So Leute ausm CCC Umfeld haben von Anfang an. Viel fragt den Staat genutzt und dann Dokumente befreit und es gab ja auch ein Vorgängerprojekt beim CCC, befreite Dokumente. Ähm da war das schon lange bekannt, aber. Diese Nische dann ein bisschen zu erweitern und dann auch, Leute aus anderen zivilgesellschaftlichen Bereichen für diese Möglichkeiten zu begeistern, mehr Journalistinnen, mehr einfach Privatpersonen dazu zu kriegen wirklich anzufragen. Das ist uns, glaube ich, inzwischen ganz gut gelungen. Ähm und das führt dazu, dass. Informationsfreiheit auch in die Breite geht. Das ist also im Prinzip in jeder Kommune in Deutschland inzwischen, ein paar Leute gibt, die was anfragen und dementsprechend sich die Verwaltung damit beschäftigen muss. Also es kommt niemand mehr drum herum, so ähm. Und das hat dann glaube ich gegenteilige Auswirkungen. Das kann zum einen dazu führen, dass, ist tatsächlich auch so eine neue Generation gibt in der Verwaltung, ein paar jüngere Leute, die für die Transparenz ein bisschen normaler ist und die dann vielleicht auch, lieber mal was rausgeben und das führt aber andererseits natürlich auch dazu, dass. Der Hass auch fragt den Staat teilweise noch noch stärker geworden ist und und so die Versuche dann Informationsfreiheit zu umgehen noch stärker geworden.

Tim Pritlove
0:16:14
Arne Semsrott
0:16:27
Tim Pritlove
0:17:47
Arne Semsrott
0:18:01
Tim Pritlove
0:19:15
Arne Semsrott
0:19:38
Tim Pritlove
0:20:33
Arne Semsrott
0:20:56
Tim Pritlove
0:21:05
Arne Semsrott
0:21:08

Also ich ich glaube was. Theoretisch ja eine Plattform des Staates machen könnte, wenn sie wollte. Wäre wirklich für ganz viel Transparenz darüber ähm. Sorgen wer gerade innerhalb einer Behörde zuständig ist für was? Und wer gerade was bearbeitet und wann etwas abgeschlossen ist. Also wenn jetzt nicht, frag den Staat einfach nur E-Mails verschicken würde, sondern mit einer, Schnittstelle irgendwie verbunden wäre mit einem Verwaltungssystem von der Behörde. Dann könnte man natürlich da mit einbauen, dass man quasi live der Anfrage nachfolgen kann und dann nachschauen kann, in welchem Referat wird das denn intern jetzt beantwortet? Ähm da sind wir nicht, weil die Behörden das nicht wollen, aber, so die Frage, welches Referat ist denn für was zuständig? Glaube ich, ist so eine ganz, zentrale und wichtige, die eine Behörde sehr ungern rausgibt und ich glaube, dass man dafür, sehr viel mehr interessante Transparenz sorgen kann genau nachvollziehen zu können, wer ist denn jetzt eigentlich genau zuständig? Also klar am Kopf so einer Behörde ist dann Horst Seehofer dann Olaf Scholz aber, Beamtenapparat mit 1tausend Leuten dahinter, der natürlich sehr viel mehr entscheidet und der ganz viele Grundlagen legt, der sollte ein bisschen transparenter auch gegenüber der Öffentlichkeit machen, zu welchen Themen jetzt welche Person tatsächlich, arbeitet und um diesen Bereich geht's. Habe ich das wage und abstrakt genug gemacht. Äh Lillit, schreib's in die Kommentare.

Tim Pritlove
0:22:51
Arne Semsrott
0:23:02
Linus Neumann
0:23:06
Tim Pritlove
0:23:10
Arne Semsrott
0:23:14
Tim Pritlove
0:23:16
Arne Semsrott
0:23:49
Linus Neumann
0:24:05
Tim Pritlove
0:24:08
Arne Semsrott
0:24:11

Äh dann war das da. Ähm seitdem ähm äh das ging aber am Anfang nicht so wahnsinnig stark los, weil wir das immer noch mit dem selben Team gemacht hatten und wir nun alle, keine Juristen sind oder gewesen sind, sondern nur die Horst Seehofer sich selbst genannt hat, eine Erfahrungsjuristen. Ähm, wir haben dann ähm aber tatsächlich vor. Zwei Jahren ähm den ersten Juristen bei uns im Team gehabt und inzwischen haben wir ein größeres äh Team von Juristin bei uns direkt mit drin. Ähm und wir sind inzwischen in der Lage im Prinzip, innerhalb von äh zwei, drei Tagen, wenn wir wollen, eine Klage aufzusetzen und das das verändert so ein ganzes Spiel natürlich und wir sind inzwischen bei knapp 120 Klagen, die wir eingereicht haben und die Hälfte davon ist jetzt schon durch und wir arbeiten auch grad an einem, Untätigkeitsklagengenerator. Also daran tatsächlich so ein bisschen Ligal-Tech-mäßig, das treibt den Staat einem, wenn man ähm nicht rechtzeitig eine Antwort bekommt, dann eine Klage vorformuliert automatisch und die kümmern sich dann, ausdrucken oder wir haben auch mit Faxfunktion tatsächlich, wir gehen mit der Zeit ähm man kann auch die per Fax dann die Klage idealerweise beim beim Verwaltungsbericht direkt einreichen. Er hat die die Grundidee des Ganzen ist, dass wir. Irgendwann erkannt haben, dass zwar mehr Leute anfragen, aber das nicht unbedingt dazu führt, dass man mehr Infos bekommt und wenn man da so einen gewissen Credibal Fred aufbauen kann und zeigen kann, ja? Immer dann, wenn hier wirklich grotesk irgendwie was nicht rausgegeben wird, was rausgegeben werden müsste, Klagenbehalt und wir unterstützen auch Userinnen von Frag den Staat, wie wir's nicht kriegen und klagen, dann verändert das so ein Spiel noch mal ein bisschen, weil dann natürlich die möglichen Kosten für die Gegenseite deutlich höher sind.

Linus Neumann
0:26:04
Arne Semsrott
0:26:39
Linus Neumann
0:27:38
Arne Semsrott
0:27:54
Tim Pritlove
0:28:08
Arne Semsrott
0:28:27

Das ja das variiert ziemlich. Also das sind zum einen manchmal. Eher kleine Klagen, dann auch teilweise eher in den Kommunen, die dann idealerweise sehr schnell einen Erziehungseffekt haben, also ähm eine Stadtverwaltung, die. Mit einer absurden Argumentation dann ein kleines Dokument nicht rausgeben will. Da hilft dann eine Klage sehr häufig, sehr gut dabei, dass dann die Stadtverwaltung sich mehr mit dem Recht auseinandersetzt und in Zukunft das besser macht. Das machen wir. Dann gibt es, die größeren strategischen Fälle, also wir hatten das Innenministerium zum Beispiel verklagt auf Zugang zu deren Twitter, Direktnachrichten, weil wir vermutet hatten, dass der. Twitter-Account vom Innenministerium, Innen-Twitter-Direkt-Nachrichten, Verwaltungsarbeit macht, also da dann bestimmte Abstimmungen macht, die eigentlich in der Akte sein sollten, und dann über diese Twitter direkt Nachrichten ähm so die Transparenzpflichten umgeht. Das haben wir so als strategischen Fall angelegt von Anfang an, haben damit dann gewonnen vom Verwaltungsgericht, haben verloren vom Bundesverwaltungsgericht und haben jetzt Verfassungsbeschwerde eingereicht dagegen, Das ist so ein größerer Fall, wo es dann grundsätzlich darum geht, muss nur was rausgegeben werden, was in einer Akte ist, wirklich. Oder es ist egal, wo es ist, Hauptsache es ist eine staatliche Info und wenn die jetzt bei Twitter ist oder bei WhatsApp oder so, ist egal, muss trotzdem rausgegeben werden. Das wäre so ein größerer Fall. Und dann haben wir immer wieder aktuelle Fälle, die jetzt einfach gerade, wichtig sind. Also jetzt diese Tage hoffentlich noch morgen, übermorgen irgendwie so ähm geht eine Klage raus gegen das Bundeskanzleramt, wo es um die ähm, die den Terminkalender von Gerhard Schröder geht äh in den letzten Jahren. Gerhard Schröder, der ähm, Ist ja eben nicht privat man, sondern ist tatsächlich als Bundeskanzler außer Dienst, weiterhin jemand, der Steuergelder bekommt, der ein eigenes Büro hat ähm von Steuergeldern finanziert, die seine repräsentativen Ausgaben äh äh seine repräsentativen Aufgaben, Aufgaben ähm. Regeln sollen und dieses repräsentative Büro hat nun aber Lobby-Termine gemacht für Schröder. Und äh wir wollten diesen Terminkalender haben, haben den nicht bekommen ähm und klagen jetzt in so einem Eilverfahren. Ähm und das ist ein ganz spannendes Verfahren, weil noch nie jemand zu einem Kanzler, außer Dienst irgendwie äh geklagt hat, und auch sehr praktisch ist das ein sehr interessantes Verfahren, weil das gesamte Büro von Schröder gekündigt hat vor kurzem und deswegen gar nicht klar ist, wer uns denn eigentlich die Anfrage beantworten. Müsste dann notfalls halt Schröder selbst machen. Ähm das sind dann also die schnellen Klagen. Das heißt so die kleinen, die großen und die schnellen Klagen, das ist eigentlich was wir versuchen.

Tim Pritlove
0:31:21
Arne Semsrott
0:31:30
Tim Pritlove
0:32:19
Arne Semsrott
0:32:43
Tim Pritlove
0:34:01
Arne Semsrott
0:34:29
Tim Pritlove
0:34:31
Arne Semsrott
0:34:41

Also so eine klassische frag den Startkampagne ist letztlich eigentlich eine eine Massenanfragenkampagne. Also wir, versuchen und das immer zusammen mit anderen ähm zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen und so ein Themenbereich rauszusuchen, in dem. Viele Anfragen von vielen Leuten dazu führen, dass Infos von sich aus veröffentlicht werden. So einer, an der man das, glaube ich, ganz gut. Festmachen kann ist topsecret eine Kampagne die wir mit mit Foodwatch seid inzwischen drei Jahren machen, wo es darum geht, Hygienekontrollberichte von den Lebensmittelaufsichtsbehörden anzufragen. Ähm heißt ganz konkret, ich will wissen, das Restaurant um die Ecke, da äh, immer ein bisschen komisch. Ich will wissen, ist es da eigentlich sauber? Dann kann ich über top secret über so eine Kartenanwendung wie dieses Restaurant aussuchen, ähm kann dann, Automatisiert äh eine Anfrage stellen an die zuständige Aufsichtsbehörde und die müssen wir dann die Kontrollberichte schicken, das ist eine Kampagne, die letztlich dazu führen soll, dass Kontrollberichte vom Staat von sich aus veröffentlicht werden, wie das in vielen anderen Ländern der Fall ist, ähm und das ist eine Kampagne, die, wahnsinnig viele Leute interessiert, hätte ich vorher nicht gedacht. Ist nicht so mein Thema, aber da sind knapp 50.000 Anfragen über diese Kampagne schon gegangen in ganz Deutschland, was zum Beispiel dazu geführt hat, dass in Berlin jetzt ab nächstem Jahr äh so ein Gesetz gibt, wo diese Berichte und die Ergebnisse davon an den Ladentüren ausgehängt werden müssen, und was letztlich dazu führt, dass es dann topsecret dort nicht mehr braucht. Das ist so eine, so eine klassische Art, solche Kampagnen machen. Das haben wir mit wissenschaftlichen Dienstgutachten beim Bundestag gemacht. Das haben wir mit ähm. Mit so Gesetzgebungsentwürfen, äh Gesetzentwürfen von von äh Bundesministerien gemacht, die jetzt jeweils alle öffentlich sind, und das, ja? Äh führt dazu, dass er auf jeden Fall mehr Anfragen gibt, aber bei vielen dieser dieser Kampagnen auch dazu, dass dass der Staat das idealerweise dann von von sich aus macht und muss nicht mehr.

Tim Pritlove
0:36:51
Arne Semsrott
0:37:14
Tim Pritlove
0:38:00
Arne Semsrott
0:38:07
Tim Pritlove
0:38:20
Arne Semsrott
0:38:30

Also eine, die tatsächlich jahrelange ähm. Auch Rechtsstreit nach sich gezogen hat. Das war eine, in der es ums Urheberrecht oder wir sagen dann Zensurheberrecht. Geht, das war ähm eine Kampagne, die auch, großen Massenanfragenanteil hatte. Da ging's um das Bundesinstitut für Risikobewertung. Das ist ein staatliches Institut, von dem wir vor, Ich glaube inzwischen auch drei Jahren ähm vor der Pandemie auf jeden Fall ähm ein Gutachten angefragt hatten zu äh Glyphosat, also dem, Pflanzenschutzmittel das möglicherweise krebserregend ist und wir hatten dann ein internes Kurzgutachten zu angefragt zur Frage, ob es denn krebserregend ist, Auch bekommen und haben's dann veröffentlicht und dann hat das äh Bundesinstitut dann hat letztlich also die Bundesregierung indirekt, uns dafür abgemahnt und letztlich auch verklagt wegen Urheberrechtsverletzungen. Wir haben also gesagt, diese staatlich finanzierte von Beamten geschriebene Gutachten, dass ähm dürft ihr zwar haben nach dem Gesetz, aber veröffentlichen dürft ihr das nicht, weil wir das Urheber. Und das war erstmal juristisch eine sehr interessante Sache. Also darauf muss man ja erstmal kommen, dass der Staat tatsächlich ein Urheberrecht hat auf sowas. Ähm was von uns allen bezahlt ist, Das ist aber was, da sind wir tatsächlich in der ersten Instanz beim Landgericht im einsweiligen Verfahren ähm erstmal auf die Nase gefallen. Das hat nämlich gesagt, wir sollen dieses Gutachten runternehmen. Ne, Staat hat einen Urheberrecht, haben die gesagt. Haben wir uns gedacht, okay, wenn wir das aber angefragt haben und das veröffentlichen vielleicht nicht ging, aber das Anfragen schon, dann kann ja jede Person was anfragen, haben da so ein kleines Tool gebaut, über das man das so mit anfragen konnte und das haben 45.000 Leute gemacht innerhalb von zwei Tagen. Und das hat dazu geführt, dass letztlich 45.000 Leute dieses Gutachten privat bekommen haben. Veröffentlichen durfte man's nicht, aber ähm 45.000 Leute hatten das dann, Das hat dann wiederum ähm vor Gerichten sehr interessanten Impuls gegeben, weil wir dann vor Gericht argumentieren konnten. Dieses Gutachten ist ja quasi schon veröffentlicht. Wenn 45.000 Leute das haben, Da haben wir's ja viel mehr gelesen, als wenn man's auf die Website getan hätte. Und das war eine Argumentation, die hat vor Gericht auch gezogen und wir sind jetzt über die über die Jahre ähm, Landgericht bevor es, Oberlandesgericht und jetzt noch vorm äh Bundesgerichtshof BGH gekommen, ähm weil das Bundesinstitut das nicht akzeptieren wollte. Die haben da über 200.000 Euro für Anwälte ausgegeben, ähm haben aber in jeder Instanz verloren. Ähm und äh. Bald verkünden wir das auch, verdammt. Das ist noch gar keine News, ne? Okay, ihr habt's zuerst gehört bei Logbuch.

Linus Neumann
0:41:16
Arne Semsrott
0:41:17
Tim Pritlove
0:41:43
Arne Semsrott
0:42:13
Tim Pritlove
0:42:23
Arne Semsrott
0:42:34

Ja äh den Prinzenfond, den haben wir gegründet vor. Vor der Pandemie, oh Gott, ich sage das so oft, ne, äh vor zwei Jahren oder so. Ähm das war eine Reaktion darauf, dass ähm Herr Prinz von Preußen, Georg Friedrich Prinz von Preußen, der der Thronfolger, ähm in der Debatte um mögliche Entschädigungsforderungen und äh auch die Frage der, der äh Rolle der Hohenzollern während der Nazizeit ähm angefangen hatte ganz viele Journalistinnen und äh Wissenschaftlerinnen ähm abzumahnen und zu verklagen für Äußerungen. Der hat. Viele viele Dutzend, wahrscheinlich über 1hundert Leute ähm abgemahnt ähm und hat dazu letztlich, Ganz viel beigetragen, dass viele sich nicht mehr getraut haben, sich öffentlich zu äußern. Ähm was, was ein Wahnsinnseingriff letztlich dann war in in so eine freie Debatte, weil ganz viele Wissenschaftlerinnen, die dazu eigentlich geforscht hatten, sich nicht mehr getraut haben, dann öffentlich was dazu zu sagen. Und wir haben in Reaktion da auch den Prinzenfond gegründet, der letztlichen Rechtsschutzfond ist für Betroffene und wir haben dann aus diesem Prinzenfond ähm Journalistin und WissenschaftlerInnen finanziert und beraten und Anwälte gestellt, damit die dann in solchen Verfahren, nicht direkt eine Unterlassenserklärung unterschreiben müssen, einfach aus finanziellen Druck, sondern ganz entspannt vor Gericht gehen können und dann das da ausfechten können, was dann auch viele gemacht haben und was letztlich, Das hat sich so grad in den letzten Monaten gezeigt, dazu geführt hat, dass der Prinz eigentlich ähm in den meisten Fällen verloren hat und ähm. Wir zumindest auch kein neuer Fall mehr bekannt ist, wo irgendwie so eine Abmahnung jetzt passieren würde, weil der ganz schön äh auf die Krone bekommen hat. Äh vorm vorm Kammergericht und vor vorm Landgericht, ähm. Glaube ich auch die die Öffentlichkeit ganz gut mitbekommen hat, dass jemand, der äh Wissenschaftler die ganze Zeit verklagt, vielleicht nicht eine Person ist, die jetzt irgendwie noch Entschädigungszahlungen kriegt.

Tim Pritlove
0:44:37
Linus Neumann
0:44:42
Arne Semsrott
0:45:02
Tim Pritlove
0:46:07
Arne Semsrott
0:47:04
Tim Pritlove
0:47:19
Arne Semsrott
0:47:21

Also ich habe auch einen Presseausweis. Es ist schon auch journalistische Arbeit, die wir machen und wir haben auch Journalistinnen im Team, aber natürlich ist frag den Staat, irgendwie dazwischen. Also von von Anfang an waren Journalistinnen große Zielgruppe von dem Projekt und so die ursprüngliche ein bisschen optimistische Idee war, nutzen einfach alle frag den Staat und dann können wir viel besser noch nachvollziehen wie Journalistin arbeiten und denn Ergebnisse werden viel transparenter und dann steht im Spiegel nicht mehr, Dokumente, die uns vorliegen, sondern die Dokumente sind direkt veröffentlich, Das war die Idee und das hat nur sehr begrenzt funktioniert, weil wir gelernt haben, dass grad so die etablierten Medien, eigentlich wenig Interesse daran haben, ihre Recherchen dann im Nachgang irgendwie offen zu legen und es gibt natürlich eine eine Ausnahme eines Mediums, dass das sehr vorbildlich macht. Das ist Netzpolitik Punkt org, Da sind im Prinzip alle Redakteurinnen sind bei Frag den Staat User und stellen Anfragen darüber ob Maka, sehr gut nachvollziehen in der Regel, was was Infos sind und wie sie da rangekommen sind und kann sich davon was abgucken, wenn man das selbst auch machen will. Und wir sind aber auch dazu übergegangen tatsächlich bei uns einer Journalistin anzustellen, weil wir gemerkt haben, einfach nur Infos irgendwie durch unsere Anfragen rauskriegen und die dann ein Medium geben, dass. Nicht so, wie wir uns das vorstellen. Wir wir haben irgendwie einen anderen Anspruch an an Recherchen, wie sie funktionieren sollen, und ähm wir haben jetzt zwei Journalistinnen bei uns im Team, Vera Delia Ottco und die das sehr konsequent machen und jede größere Recherche bei uns immer in Kooperation mit einem anderen Baby, Also wir veröffentlichen eigentlich nichts selbst, nur sondern machen's immer mit anderen zusammen. Damit die dann so ein bisschen auf den Geschmack kommen, so zu arbeiten, vielleicht wie wir, damit wir natürlich auch mehr Reichweite bekommen. Haben letztes Jahr vier Sendungen zusammen gemacht mit dem ZDF-Magazin Royal von Jan Böhmermann. Ähm ich glaube die haben bisher mehr Reichweite, als es der frag den Startblock so hat. Ähm aber das sind total bereichernde Kooperationen. Ich glaube, für beide Seiten, weil wir da ganz viele Dokumente liefern können, die. Journalistin sonst ganz häufig so nicht haben, und wir dann aber auch nochmal anders über äh die Inhalte reden können und grad so ein Format wie das Magazin Royal, das bietet sich total an für die Arbeit äh die wir so machen, finde ich. Ähm deswegen machen wir da auch gerne noch ein bisschen mehr von in nächster Zeit.

Tim Pritlove
0:49:51
Arne Semsrott
0:50:07

Genau, also Böhmermann, also eine größere, die letztes Jahr auf jeden Fall mit mit der Sendung waren die Frontex Files, die wir im Februar letzten Jahres gemacht, da ging's um die Zusammenarbeit von Kontext, also der EU-Grenzpolizei mit ähm Rüstungslobbyisten und wir konnten da über Anfragen ganz gut zeigen, dass die, gelogen hatten dazu, lange gesagt hatten, sie haben sich nicht mit denen getroffen ähm und wir haben dann aber die Präsentation sogar irgendwie von Lok und Heckler und Koch und so veröffentlichen können äh und konnten da ganz gut zeigen, wie wie aufgerüstet wird. Aufrüstung jetzt ja auch wieder ein großes Thema, diese Tage. Ähm Frontex haddit first. Ähm und wir ähm. Lass mich mal kurz schauen selbst. Ähm wir haben jetzt gerade mit äh Korrektiv zusammen eine Recherche gemacht zu zur Versorgung ähm mit Schwangerschaftsabbrüchen. Da lagen dann letztlich knapp 250 Anfragen an alle öffentlichen Krankenhäuser der Recherche zu Grunde über die man dann rausfinden konnte. Wer nimmt denn eigentlich überhaupt noch Schwangerschaftsabbrüche vor? Das geht bundesweit zurück. Es sind immer weniger. Ähm wir haben. Ähm im Oktober letzten Jahres zusammen mit RBB Kontraste und mit eine ähm Recherche gemacht zu Visavergaben und wir konnten zeigen wie das Auswärtige Amt, ähm so eine Strategie fährt. Dass sie ähm den Familiennachzug äh also den Nachzug von Angehörigen systematisch verzögert. Da hatten wir dann ein paar Dokumente bekommen, ähm das Fernsehen RBB Kontraste, die haben dann noch mal Betroffene interviewt dazu und so kommen dann die verschiedenen, Stärken der einzelnen Medien zusammen und so kann man das dann in verschiedenen Medien ganz gut ausspiel.

Tim Pritlove
0:51:52
Arne Semsrott
0:51:59
Tim Pritlove
0:53:04
Arne Semsrott
0:53:06
Tim Pritlove
0:53:12
Arne Semsrott
0:53:54
Tim Pritlove
0:54:45
Arne Semsrott
0:55:12
Tim Pritlove
0:56:01
Arne Semsrott
0:56:42

1935 wurde das äh eingeführt dieses Gesetz, genau. Ähm was dazu führt, dass Leute, die sich halt die was weiß ich, zwei, drei Euro fürs Ticket nicht leisten können, sich natürlich das erhöhte Beförderungsentgelt 60 Euro auch nicht leisten können. Irgendwann eine Anzeige kassieren von der BVG oder einem anderen Verkehrsbetrieb und dann letztlich nach Vorurteilung, viele hundert oder sogar 1tausend Euro zahlen müssen und wer sich die drei Euro am Anfang nicht leisten kann, der kann sich natürlich auf die 1000 Euro am Schluss nicht leisten ähm, Und das führt dann wiederum dazu, dass, ähm der Gesetzgeber vorgesehen hat, wer eine Geldstrafe nicht zahlt, muss in Haft. Das ist die Ersatzfreiheitsstrafe. Ähm was letztlich dazu führt, dass jedes Jahr ein paar tausend Leute, Mit so einer Ersatzfreiheitsstrafe in den Knast kommen, weil sie die drei Euro am Anfang nicht zahlen konnten. Und das sind Leute, die. In der Regel keinen Job haben, auch schon lange kein, häufig die keinen festen Wohnsitz haben, die vielleicht auf der Straße leben, Leute mit äh psychischen Krankheiten häufig, also die vielleicht gar nicht in der Lage sind Post aufzumachen, wenn sie welche kriegen. Ähm Leute, die in in vielen Krisen sind, die schwer krank sind, die müssen dann in den Knast ähm und, Idee vom Freiheitsfond ist die Leute freizukaufen aus dem Knast. Was nämlich äh eine Möglichkeit ist in diesem System ist, dass man, Leute befreit, indem man diese ursprüngliche Geldstrafe bezahlt. Also wenn ich mir jetzt die 1000 Euro Geldstrafe nicht leisten kann, dann muss ich dafür wahrscheinlich drei Monate in den Knast, kommt so ein bisschen auf den Einzelfall an, wie hoch das jeweils ist. Ähm. Wenn aber diese 1000 Euro dann von der Person oder von jemand anderem bezahlt werden, kann die Person in dem Moment den Knast wieder verlassen. Ähm und das führt dann natürlich dazu, dass man im Prinzip alle Menschen, die in Deutschland im Knast sind, wegen so einer Geldstrafe, wegen Fahnen ohne Fahrschein, befreien kann, einfach indem man deren Geldstrafe zahlt. Und das ist die Idee vom Freiheitsfond. Letztlich in großer Form mit Geld drin, um Leute freizukaufen. Aus dem Knast und das machen wir seit Anfang Dezember, sind also jetzt so knapp bei knapp drei Monaten ähm und haben, Stand heute, 293 Menschen bundesweit aus dem Knast.

Tim Pritlove
0:59:05
Arne Semsrott
0:59:20
Linus Neumann
0:59:50
Arne Semsrott
0:59:58
Tim Pritlove
1:00:39
Arne Semsrott
1:00:40
Linus Neumann
1:01:21
Arne Semsrott
1:01:26
Tim Pritlove
1:01:33
Arne Semsrott
1:01:44
Linus Neumann
1:02:13
Arne Semsrott
1:02:27
Tim Pritlove
1:03:34
Arne Semsrott
1:03:40
Tim Pritlove
1:04:31
Arne Semsrott
1:04:39
Tim Pritlove
1:04:54
Arne Semsrott
1:05:42
Tim Pritlove
1:06:32
Arne Semsrott
1:06:53

Also hier und da so ein bisschen. Wir hatten ein Brüsseler Büro gegründet letztes Jahr. Ich glaube das kann ein bisschen größer werden, aber ich glaube so für. Für so eine Teamdynamik ist ist so fünfzehn, 16 Leute ganz gut eigentlich als Teamgröße. Ich glaube, was was jetzt so die Aufgabe ist von frag den Staat, ist. Ein bisschen Schutzschild für andere zu werden. Also ich erinnere mich noch vor drei Jahren haben wir Frontex verklagt und haben verloren und Frontex wollte dann so 5undzwanzig000 Euro von uns und ich habe mir da tatsächlich angeschaut. Macht man das jetzt eigentlich mit Privatinsolvenz und so, weil wir einfach das Geld nicht hatten und ich auf diesem Klage-Dings mit drauf stand und ich meine einfach anschauen musste. So und in der Situation sind wir jetzt zum Glück nicht mehr. Sondern fragt den Staat ist jetzt groß genug, dass wir solche Risiken ohne. Privatinsolvenzrisiko angehen können und ich glaube äh das ist jetzt so ein bisschen unsere Aufgabe, dass wir einfach Risiken eingehen und uns vielleicht noch ein bisschen mehr verklagen lassen vom Staat, ein bisschen mehr Selbstklagen, und so ein bisschen die Grenzen austesten. Ähm von dem, was denn eigentlich, Informationsfreiheitsmäßig drin ist und was die die neue Regierung so mitgehen will oder was auch nicht, und und das kostet ganz einfach Geld. Also solche Klagen sind halt einfach teuer und ähm ich glaube. Noch so ein paar aggressivere Projekte, das steht an ähm. Ja und sonst so ein paar größere Recherchen, paar größere Kampagnen ähm. Und einfach noch noch ein bisschen mehr wirksamer werden, dass äh ist so das Ziel und so gegen die eigene gefühlte Ohnmacht kämpfen. Das geht dann immer so mit.

Tim Pritlove
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