Logbuch:Netzpolitik
Einblicke und Ausblicke in das netzpolitische Geschehen
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LNP559 Nur die Liebe zählt

9/11 und Blinkenlights — Wahlen in Sachsen-Anhalt — Berlin-Hack — Autistici/Inventati — Jugend hackt in Gefahr — Termine

Nach unserem Live-Auftritt letzte Woche grasen wir die ganzen schlechten Nachrichten der letzten Woche ab. Nicht viel unterhaltsames dabei leider. Deswegen schwelgen wir ein wenig in Erinnerungen und Tim erzählt von Projekt Blinkenlights, was heute vor 25 Jahren zum ersten Mal aufleuchtete.

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Veröffentlicht am: 13. September 2026
Dauer: 1:41:54


Kapitel

  1. Intro 00:00:00.000
  2. Prolog 00:00:32.609
  3. 9/11 und Blinkenlights 00:01:27.664
  4. Korrektur 00:17:02.979
  5. Wahlen in Sachsen-Anhalt 00:17:32.404
  6. Berlin-Hack 00:36:45.506
  7. Autistici/Inventati 01:20:45.729
  8. Jugend hackt in Gefahr 01:31:33.566
  9. Termine 01:38:23.892
  10. Epilog 01:39:32.797

Transkript

Tim Pritlove
0:00:00
Linus Neumann
0:00:01
Tim Pritlove
0:00:03
Linus Neumann
0:00:09
Tim Pritlove
0:00:32
Linus Neumann
0:00:53
Tim Pritlove
0:01:05
Linus Neumann
0:01:23
Tim Pritlove
0:01:27
Linus Neumann
0:01:38
Tim Pritlove
0:01:41
Linus Neumann
0:02:25
Tim Pritlove
0:02:28
Linus Neumann
0:03:12
Tim Pritlove
0:03:17

Ja, aber auf einmal war es interessant. Und natürlich stürzen sich auch alle aufs Fernsehen, wo ja dann 24-7 eigentlich nur noch Flugzeuge fliegen in diese Türme und die Türme brechen zusammen, gezeigt wurde. Aber das Internet war halt irgendwie platt und so war das dann auch bei uns. Wir saßen dann halt da irgendwie im Büro und wollten gerade irgendwie die finalen Vorbereitungen machen oder haben die finalen Vorbereitungen gemacht für das ganze Event. Und es ging nur noch unser Text-Chat. Das war das Einzige, was man da irgendwie noch benutzen konnte. Aber so ein sonstiger Infrastruktur im Internet war nichts zu erreichen. Das war wirklich echt interessant. Naja, those were the days. Projekt Blinkenlights, also sozusagen dieses, wer jetzt noch gar nicht weiß, wovon ich überhaupt rede. Wir haben halt die Gelegenheit gehabt, im Haus des Lehrers in Berlin, diese Lichtinstallationen zu machen, indem wir dann diese 144 Fenster von innen mit alpiner Weißfarbe angemalt haben, Baustrahler dahinter gestellt haben, zehn Jahre alten 486er da angeschlossen haben, der ganz viele Relais hat, klickern lassen und dann waren wir halt in der Lage, da so monochrome Matrix-Animationen laufen zu lassen und das war irgendwie ein ziemlich cooler Hack, fand ich, weil wir haben das Ganze in fünf Wochen, von Von der ersten Idee bis es wirklich lief, hinbekommen mit relativ wenig Geld. Und man konnte dann halt auch Pong spielen. Und das ging dann erstmal ein bisschen unter natürlich bei dieser Nachrichten-Weltlage. Aber hat uns dann ein halbes Jahr ganz gut unterhalten, bis wir dann am Ende Februar des folgenden Jahres dann abgeschaltet haben. Aber so in dem halben Jahr ging es echt gut ab und das war eine schöne Zeit.

Linus Neumann
0:05:16
Tim Pritlove
0:05:30

Ja, also wie wir auf die Situation reagiert haben. Ja, genau. Ja, aber das war natürlich irgendwie eine merkwürdige Situation, dass genau in dem Moment, als auf einmal so diese Welt-Terror-Paare ausbrach und alle in so einem völlig, man kann sich, ich weiß nicht, wie du das damals wahrgenommen hast, aber es waren ja auch alle so super nervös dann, ne? Also es war so dieses so, oh Gott, fliegen jetzt überall Flugzeuge in Hochhäuser, sind wir jetzt hier als nächstes dran? Was passiert mit unserem Fernsehturm? Also das hat alle irgendwie völlig irre gemacht und natürlich hast du es dann auf einmal mit Befindlichkeiten zu tun. Und unser Modus war, wir hatten jetzt gerade mitten in Berlin, in der Hauptstadt, da stand ja auch noch kein anderes Haus davor, so direkt mit Blick auf den Alexanderplatz auf einmal so einen riesigen Lichtbildschirm, auf dem man ja nun im Prinzip beliebige Nachrichten hätte kommunizieren können. Und wir hatten dann diese Ausstellung eröffnet, wo dann die Leute selber so Filmchen machen konnten, weil man konnte sich ja so einen Blinkenlights-Editor runterladen auf seinen Mac und dann konnte man schön mit der Maus irgendwie so Bilder malen und dann so Frame für Frame sich seine Animationen zusammenbauen. Und du kannst dir natürlich vorstellen, was wir so für Animationen bekommen haben innerhalb kürzester Zeit. Und ich dachte mir nur so, die zeigen wir jetzt nicht, weil dann drehen alle total durch. Und eine junge Japanerin, die hat dann dieses Herz gemacht. Einfach nur zwei Frames blinkendes Herz.

Linus Neumann
0:07:04
Tim Pritlove
0:07:10

Genau, klein, groß, irgendwie babam, babam, einfach im richtigen Timing. Und das war auch, ich meine, Herzen kann man auf verschiedene Arten und Weise malen. Das stimmte einfach von den Proportionen. Und das wurde ja letztlich auch unser Logo. Und das war irgendwie so von all diesen Animationen, die da entstanden, das, was mich irgendwie sofort am meisten berührt hat. Und weil halt alle so crazy drauf waren, haben wir uns dann entschlossen erstmal eine Weile abends einfach nur dieses Herz blinken zu lassen. So nach dem Motto, Leute, es wird alles wieder gut. Ja. Peace, love, happiness. Irgendwie entspannt euch. Das mag euch jetzt alle extrem gestresst haben, was jetzt auf der Welt passiert ist, aber wir sind hier und kümmern uns darum, dass es euch wieder gut geht. Und das kam auch irgendwie, glaube ich, so an. Also viele Leute haben mir erzählt, dass sie das irgendwie enorm beruhigt hätte. Später haben wir dann natürlich diesen ganzen Animationskram, der uns geschickt wurde, dann Stück für Stück in die Playlist mit aufgenommen und dann wurde es halt immer lustiger und irgendwann haben die Leute dann auch ihren Humor wiedergefunden. Aber es war schwierig. Schwierig damit umzugehen, weil du auf einmal auch so eine komische Verantwortung spürst. Also mir ging das zumindest so. Man kann natürlich jetzt auch sagen, ich blase euch jetzt hier irgendwie voll mit unserem Kram, aber in dem Moment ging das irgendwie nicht. Dann später gab es dann auch noch so Demos, die dann auf dem Alexanderplatz stattfanden. Die haben wir dann auch mit passenden Einblendungen, so Pi-Symbole und sowas, graniert. Also man konnte auf einmal so das Geschehen kommentieren. Nachts zumindest. Und das war schon eine neue Rolle, in die man auf einmal schlüpfte. Also ja, es war schon eine irre Zeit und nach einer Weile wurde es dann auch als Kunstwerk, entdeckt und auch ernst genommen und gefeiert und wurde auch von Berlin schnell mental eingemeindet, sodass einige schon richtig entrüstet waren, als wir dann irgendwann angekündigt haben, dass es damit auch mal ein Ende hat, dass sie davon ausgegangen sind, das wäre jetzt immer so. Das wäre ja Berlin und das gehört so und das müsste so sein und natürlich bleibt das jetzt für immer so. Doch klar.

Linus Neumann
0:09:45
Tim Pritlove
0:09:49
Linus Neumann
0:11:22
Tim Pritlove
0:11:25
Linus Neumann
0:11:36
Tim Pritlove
0:11:42
Linus Neumann
0:11:45
Tim Pritlove
0:11:57
Linus Neumann
0:12:57
Tim Pritlove
0:13:00
Linus Neumann
0:13:10
Tim Pritlove
0:13:11
Linus Neumann
0:13:15
Tim Pritlove
0:13:16

Ja.

Linus Neumann
0:13:18
Tim Pritlove
0:13:19
Linus Neumann
0:13:26
Tim Pritlove
0:13:33
Linus Neumann
0:13:35
Tim Pritlove
0:13:46
Linus Neumann
0:13:50
Tim Pritlove
0:13:57
Linus Neumann
0:14:21
Tim Pritlove
0:14:38
Linus Neumann
0:14:39

Ja.

Tim Pritlove
0:14:40
Linus Neumann
0:14:43
Tim Pritlove
0:14:52
Linus Neumann
0:14:59
Tim Pritlove
0:15:00
Linus Neumann
0:15:26
Tim Pritlove
0:15:27
Linus Neumann
0:15:34
Tim Pritlove
0:15:36
Linus Neumann
0:15:45
Tim Pritlove
0:15:47
Linus Neumann
0:15:49
Tim Pritlove
0:15:53
Linus Neumann
0:16:06
Tim Pritlove
0:16:19
Linus Neumann
0:16:24
Tim Pritlove
0:16:38
Linus Neumann
0:16:39
Tim Pritlove
0:16:50
Linus Neumann
0:16:52
Tim Pritlove
0:16:56
Linus Neumann
0:17:03
Tim Pritlove
0:18:34
Linus Neumann
0:18:45
Tim Pritlove
0:20:28

Das ist leider so also ich meine vielleicht sollten wir mal hier so ein bisschen ein paar Zahlen sagen, was da jetzt eigentlich passiert ist, also was ja wirklich also dass die AfD, 43,8% vorläufiges Ergebnis steht hier, bekommen hat. Und damit sozusagen auch ihren Wahler-Anteil um die Hälfte vergrößert hat. Also verdoppelt hat. Das ist ja nur das eine. Das andere ist, dass die Wahlbeteiligung einen Rekordwert von 77,8% hatte. Das heißt. Da sind dann auch alle extra nochmal irgendwie aus der Scheune gekrochen gekommen, um überhaupt mal zu wählen. Also ein riesiger Nichtwähleranteil. Ich habe jetzt Wählerwanderungsanalysen, nicht gesehen, aber so ist es dann halt dann doch. Man denkt sich ja immer, hohe Wahlbeteiligung würde ja irgendwie dazu führen, dass sich dann irgendwie auch was Demokratisches durchsetzt. Aber offensichtlich ist einfach die Situation, ich hätte jetzt fast im Osten gesagt, aber zumindest jetzt erstmal in Sachsen-Anhalt, so deformiert, dass da einfach in den etablierten Parteien einfach für sie da keinerlei Option mehr gesehen wird. Und wenn man sich halt den Prozess unserer Politik so anschaut. Kann man das irgendwie nachvollziehen weil, es geht halt auch nichts voran das ist alles nur Gewäsch, und Business as usual und keiner traut sich irgendwas, nennenswertes mal anzugehen und wenn man halt März zuhört, wie er so Tag um Tag dokumentiert, wie er einfach keinerlei Kontakt eigentlich zu der Realsituationen im Land hat, dann muss man sich dann halt auch nicht mal groß wundern, weil das ist natürlich dann immer die Stärke der Rechtspopulisten, in solchen Situationen daraus Kapital zu schlagen. Und dann kann man natürlich tausendmal sagen, so ja, aber ihr wählt ja gegen eure eigenen Interessen. Ja, tun sie. Das ist das, was sie dann halt tun, weil es halt irgendwie, ja, fast schon mehr so ein Hilfeschrei ist. Ja, wir wählen jetzt einfach das, was am meisten Entsetzen bei euch auslöst. Einfach nur deswegen.

Linus Neumann
0:23:00
Tim Pritlove
0:23:14
Linus Neumann
0:23:16

Genau. Was der für einen, der hat halt einen Wahlkampf gemacht, wie ihn andere Parteien nicht mehr machen. Der ist da mit der Schwalbe schön übers Land gefahren. Der hat sich für die Menschen Zeit genommen, mit denen geredet, die ernst genommen, ja, zum Beispiel findet man, also man, also zumindest Deutsche oder nach seiner Auffassung Deutsche und sicherlich nicht deren Mehrheit hat er beschimpft, macht er einfach nicht, ne, also der hat halt seine eigene Wählerschaft nicht beschimpft. Als faul oder sonst was. Ganz im Gegenteil. Er hat. Sie halt in irgendeine Form von nie dagewesener Vergangenheit romantisiert und was nicht alles. Und dann halt massiven, natürlich ganz klar gesehen, ganz klar immer ein Bild davon, wer irgendwie schuld ist, aber er hat eine Aufbruchsstimmung versprüht. Und ich glaube, dass sehr viel von der, Magie, von der politischen Magie eben auch daherkommt, dass du die Leute mitnimmst. Dass du, ja, dass Leute sagen, okay, krass, da ist jetzt, Obama hatte das ja, ich glaube, in dem ersten Wahlkampf als Motto Change you can believe in. Also wir glauben daran, dass sich hier etwas ändert. Und wenn du das, also Also diese Aufbruchstimme oder irgend so ein Jo, geil, das bringt halt so ein März nicht mit. Und die anderen Parteien auch immer, also auch wirklich, keine Ahnung, ich kann jetzt auch keine Begeisterung dafür empfinden, wenn da irgendwie Lars Klingbeil wieder irgendwie erzählt, warum alles nicht funktioniert und dass das jetzt leider so ist oder so. Und wenn dann einer mit der Simson angeknattert kommt und sagt, pass auf, schmeißt ja alle Ausländer raus und dann geht das hier wieder ab. So, dann sagen Leute, okay, gut. der ist nett, der redet mit mir und der hat einen Plan, den ich verstehe.

Tim Pritlove
0:25:30
Linus Neumann
0:25:49
Tim Pritlove
0:25:50
Linus Neumann
0:25:55

Aber wir haben jetzt ja gerade schon einen random Soundbite von diesem Mann mal eingespielt, was der so dann von sich gibt, wenn man ihn mal reden lässt. Wir haben auch, man erlobt ja zum Beispiel auch dann YouTuber, die auf deren Wahlkampfveranstaltungen rumrennen und irgendwie beispielsweise, Journalistinnen dann da ansprechen, irgendwie beleidigen, filmen und deren Namen benennen. Ein Beispiel von Ann-Kathrin Müller, die beim Spiegel sehr viel über die AfD berichtet. Und das natürlich eben nach den journalistischen Standards des Spiegel. Die, sagen wir mal, nicht immer die, die, sagen wir mal, sich von den Titelbildern etwas unterscheiden. Das mit dem der gefährlichste Mann Deutschlands oder was sie da jetzt hatten beim Spiegel. Das war, glaube ich, ein Geschenk für den Sigmund. Das war wirklich ein Schuss in den Ofen, aber, ihre Arbeit ist eben journalistischer Natur und dann musste sie sich da von irgendeinem YouTuber da beschimpfen lassen und die Konsequenz davon ist natürlich, dass diese Menschen dann, eingeschüchtert werden, Droh-E-Mails und sonstigen Käse erhalten, weil es natürlich. Dieses Einschüchtern und Niedermachen eben ein Teil der Taktik ist, auch diese kritischen Stimmen eben zum Verstummen zu bringen. Und ich bin an diesem Abend, kurz nach dem Wahlergebnis, das war wahrscheinlich so eine Stunde danach, bin ich mit meinem Lastenrad durch Berlin-Marzahn gefahren. Jetzt auch keine Hochburg der progressiven politischen Kräfte. Und dann hielt so neben mir an der Ampel so eine so ein Shopper, so eine Harley, und hatte hinten eine Fahne dran, Und es war eine Pride-Flagge. Da ist dann halt so ein Motorradfahrer, der sich dann diesen Moment ausgewählt hat, um, in seiner Lederkluft mit diesem Shopper, hinten mit einer riesigen Pride-Flagge, da durch die Abendsonne zu fahren und mal eben Flagge zu zeigen, in einer solchen Situation, die sicherlich, auf einige Menschen, die jetzt vielleicht, andere Hintergründe haben als du und ich, sicherlich noch mal sehr viel mehr zusetzt, was Zukunftssorge, individuelles, persönliches Bedrohungsgefühl angeht und so weiter. Und das fand ich ein sehr schöner Moment in dieser Situation. Und dann haben wir uns kurz gegrüßt und dann war auch schon wieder grün und, der machte dann weiter seine Tour. Und das sind natürlich jetzt schon sehr wichtige Aspekte. Sich dann nicht zum Verstummen bringen zu lassen. Und ich bin dann so in mich gegangen und habe so gedacht, ja, hör mal. Warum hast du das jetzt eigentlich nicht? Warum hast du eigentlich nicht, warum zeigst du nicht auf? Warum trägst du das nicht offen zu jeder Zeit deine Positionierung, deine Stellung? Ich habe jetzt eine Frisur, die das größtenteils vermuten lässt, wie ich ungefähr politisch orientiert bin, aber ich. Und mir ist dann auch nochmal klarer geworden, wie wichtig das ist, eben in diesen Zeiten diese Sichtbarkeit zu bewahren und zu erhalten. Dass das eben nicht wegdringt und dass die Leute nicht durch eine Straße gehen und sagen, jo, alles klar, hier wählt die Hälfte AfD und das ist offenbar ganz normal. Ja, weil jeder, der und als ich dann so überlegt habe, war mir auch klar, ja, weil ich halt keinen Bock habe, dass irgendwann was weiß ich, meine, ich an der falschen Straßenecke auf die Fresse kriege, was ja früher, Gang und Gäbe war, dass ich wegrennen musste oder dass, was weiß ich, ein, Gegenstand von mir zerstört wird oder das Haus, beschmiert oder das Auto kaputtgekloppt oder was auch immer oder das Motorrad umgedreht oder was auch immer man so machen kann. Aber ich glaube, das war, insofern hat mich das halt auch so, zum Nachdenken angerichtet, weil man eben jetzt Flagge zeigen muss und das war ein sehr schöner Moment, den dieser Mann mir da beschert hat und die hat da auch einen Prozess angeregt bei mir.

Tim Pritlove
0:30:53
Linus Neumann
0:31:05
Tim Pritlove
0:31:13
Linus Neumann
0:31:22
Tim Pritlove
0:31:25
Linus Neumann
0:31:31

Ja.

Tim Pritlove
0:31:31
Linus Neumann
0:32:28
Tim Pritlove
0:32:48
Linus Neumann
0:32:49
Tim Pritlove
0:32:52
Linus Neumann
0:32:53
Tim Pritlove
0:32:55
Linus Neumann
0:33:37

Ja, vor allem auch, weil, wenn du dir mal anschaust, wo hast du stabile und zufriedene Gesellschaften? Das hast du da, wo du, Also ein starker Prädiktor von, da sind die Menschen zufrieden und das ist die Gesellschaft stabil, ist, je kleiner, die Spannbreite in der Durchschnittsbevölkerung ist, was das Vermögen angeht oder quasi den Reichtum. Also das heißt nicht, dass wenn alle gleich sind, sie am glücklichsten sind. Aber das heißt vor allem, wenn das in den Gesellschaften, wo undurchdringbare. Barrieren zwischen den sozialen Schichten sind oder so riesige Abstände dazwischen, Dass quasi das gesamte, Wohlstands- und Zugehörigkeitsversprechen, das dir die Gesellschaft, die dich umgibt, bietet, oder versucht zu machen, einfach lächerlich ist. Weil du weißt, es gibt hier der gesellschaftliche Wohlstand oder die nächste gesellschaftliche Stufe, auf der ich eigentlich sein möchte, in Form der Teilhabe, die ist so unglaublich überhaupt nicht erreichbar, dass du dann eben sagst, alles klar, dann scheiß doch auf diese Gesellschaft, warum soll ich die denn stabilisieren, wenn die mir als potenzielles Mitglied, kein attraktives Angebot der Teilhabe macht? Und dass das nicht passiert, das machen die linken Kräfte in einer Demokratie, die zusehen, dass man dem Kapitalismus innewohnenden Umverteilung von unten nach oben eine geringe Gegentendenz bietet. Um langfristig eben auch dafür zu sorgen, dass genug Leute an der ganzen Scheiße noch mitmachen. Und die dann über Jahrzehnte zu verteufeln und irgendwie als bläh, bläh, bläh, bläh, dann führst du eben in diese Gesellschaft, wo wir wahrscheinlich den Kipppunkt jetzt, sehr nahe haben und in Sachsen-Anhalt eben auch schon quasi erreicht haben, dass die Leute sagen, ist uns kackegal. Also Hauptsache nicht mehr diese Gesellschaft.

Tim Pritlove
0:36:16
Linus Neumann
0:36:58
Tim Pritlove
0:37:00

Ja.

Linus Neumann
0:37:01
Tim Pritlove
0:37:11
Linus Neumann
0:37:16
Tim Pritlove
0:37:28
Linus Neumann
0:37:59
Tim Pritlove
0:38:41
Linus Neumann
0:39:20
Tim Pritlove
0:39:35
Linus Neumann
0:40:16
Tim Pritlove
0:40:17
Linus Neumann
0:40:20

Genau, jetzt haben wir... Also, was ist passiert? die das Verwaltungsnetz, Der, ja, also der, das Bundes-, der Stadt Berlin wurde gehackt, wurde infiltriert von einer Ransomware-Gruppe mit den Namen, ich weiß nicht, wie sie sich aussprechen, man kommuniziert mit denen üblicherweise über Chat-Nachrichten, Rysida, Rysida, keine Ahnung, Rysida sage ich jetzt, ja, R-H-Y-S-I-D-A. Und was macht diese Gruppe? Die infiltrieren Organisationen, und machen genau das, was ich hier auch in dem Vortrag mit Kai Biermann hier in der Hacken Hackback Edition behandelt hatte. Ransomware-Gruppe, also die verschlüsseln Systeme und exfiltrieren Daten und drohen mit der Veröffentlichung der Daten. In diesem Fall, sind das relativ viele Daten, die wurden jetzt auch veröffentlicht, so viel sei gespoilert, 5,8 Terabyte haben sie dann exfiltriert und hatten von Berlin ungefähr 2 Millionen Euro in Bitcoin gefordert, um diese, im Gegenzug diese Veröffentlichung nicht durchzuführen. Vielleicht mal so ein bisschen, ich bin ja, also das ist ja mein Job, mich mit solchen Sachen zu beschäftigen. Und es ist sehr bitter, dass quasi diese Ransomware-Gruppen, die machen das jetzt seit ungefähr zehn Jahren ist das ein relativ großes Geschäft, genau das zu machen. Es ging los mit so locky, einfachen, im Prinzip simplen Kryptotrojanern, die. Einfach nur alle Dateien auf der Festplatte verschlüsseln und dann halt irgendwie so Forderungen im Bereich 500 bis 1000 US-Dollar gestellt haben für den Key, diese Dateien wieder herzustellen. Das ist so ein bisschen B2C-Model. Also da ist deine Zielgruppe, Einzelpersonen, irgendwelche Eltern, die jetzt gerade mal die ersten zwei Jahre ihres Neugeborenen in Fotos verloren haben oder so und die erpresst du um eine Summe, die sie schon irgendwie mobilisieren können und so weiter. Und dann hat sich das relativ zeitnah so weiterentwickelt, wo man halt festgestellt hat, naja, okay, wenn wir so einen Trojaner in ein Unternehmensnetz bringen, also vom B2C zu B2B, dann können wir natürlich auch ganz andere Summen befordern. Und wenn wir dann nicht nur einen Rechner übernehmen, weil da ist natürlich üblicherweise ein Unternehmen gut aufgestellt, also einen Rechner können die in der Regel verschmerzen, weil sie ja eine zentralisierte Infrastruktur betreiben mit einem File-Share, wo die Musik spielt oder vielleicht auch ein Backup oder vor allem einem Active Directory, was die ganze Flotte verwaltet oder vielleicht sogar noch eine Reihe an internen Services, wo wir gar nicht mehr. Sag ich mal, die Dateien hostage nehmen, sondern die Funktionalität, die Betriebsbereitschaft dieser Infrastruktur. Und da kann man natürlich dann sehr viel höhere Forderungen stellen. Eben nicht nur, was weiß ich, vielleicht mal 500 oder 1.000, vielleicht auch mal 2.000, sondern hier wie im Fall von Berlin 2 Millionen. Und ich habe in meiner beruflichen Tätigkeit schon auch sehr viel höhere Forderungen gesehen. Und dann haben sie irgendwann gesagt. So festgestellt, dass die Unternehmen immer seltener zahlen, weil sie dann vielleicht doch in der Lage sind, ihre Betriebsbereitschaft wieder herzustellen. Vielleicht kurz noch als Punkt, wenn das Unternehmen nicht funktioniert, verliert es Geld und zwar sehr viel pro Tag, die Sachen nicht laufen. Und der Wiederanlauf nimmt dann Zeit ein. Das heißt, da kann man sehr schnell sagen, hier, wir haben unmittelbare Abhilfe durch den Schlüssel, kostet halt jetzt. Deswegen kommen dann viele Unternehmen in die, in die Verlegenheit die Zahlung in Betracht zu ziehen oder eben auch zu tätigen. Aber das hat ein bisschen nachgelassen. Da haben sie irgendwann gesagt, naja, okay, wir haben ja außerdem noch hier Daten von den Unternehmen. Die merken auch nicht, wenn wir die exfiltrieren. Also drohen wir doch auch mal gleichzeitig mit der Veröffentlichung. Das ist ein relativ wichtiger Punkt, dass man diesen Unterschied versteht. Dieses Verschlüsseln bei einem Unternehmen oder bei einer Organisation in der Regel eben Betriebsbereitschaft. Da geht es also, ja, Sachen sind verschlüsselt, aber das konzentriert sich weniger darauf, dass es jetzt die Dateien sind, sondern dass es die Systeme sind. Und das drohen mit der Veröffentlichung von Daten, eben Anprangern, potenzielle Drittschäden, die damit einhergehen, sensible Daten, die veröffentlicht werden. Was, je nachdem wen du angegriffen hast natürlich ein, unterschiedliches Potenzial hat also was weiß ich, einige also jedes Unternehmen will in der Regel nicht seine Dateien veröffentlicht haben aber weiß ich nicht, wenn jetzt, keine Ahnung, nimmst du eine Arztpraxis oder so da hast du natürlich ein ganz anderes Potenzial an, wenn die jetzt da zum Beispiel Patientendaten oder sowas veröffentlichen, und so balancieren die Angreifergruppen eben diese beiden Droh-Szenarien kombinieren, die einfach in eins und so macht das dann eben Sinn, dass sie sagen, okay, ach so, die Betriebsunterbrechung tut dir nicht so weh, naja, was hältst du denn davon, wenn wir jetzt mal hier einfach alle diese Daten veröffentlichen, was im Fall von Berlin dann irgendwie Informationen über, Wasserversorgung, allerhand Personen, personalinterne Sachen und was nicht alles, ich habe das noch gar nicht alles durchlesen können, sind. So, wie haben sie es gemacht? Und üblicherweise willst du als Angreifer eine Schadsoftware, auf einen Rechner bekommen, der in das interne Netz angeboten ist. Und was sie hier machen, ist eine relativ interessante Social Engineering, das seit einiger Zeit, also Anfang 26 von Microsoft schon beschrieben wurde, ClickFix, wo sie Leute trickreich dazu bringen, das Windows Terminal zu öffnen und da drin ein PowerShell-Skript auszuführen. Und das tun sie, indem sie sich als ein Capture tarnen und dann sagen, ja, wir sind jetzt ein Capture, um weiterzumachen, musst du jetzt hier Windows X und dann Windows I und dann Windows Control V und dann Enter drücken. So, was bedeutet mit, ich glaube mit Windows X machst du halt das Terminal auf, mit Windows I machst du PowerShell, und dann mit Steuerung V machst du, pastest du halt ein PowerShell-Skript, was dir die Webseite vorher per JavaScript. In deine Zwischenablage reingetauen hat. Weil du kannst eben mit JavaScript, oder ich bin mir nicht sicher, ob das JavaScript direkt das da reinkopiert oder, ich glaube, das geht, ansonsten, schreiben sie es halt in ein Feld, was du nicht siehst, was markiert ist, wenn du Steuerung C drückst oder so. Aber ich meine eigentlich zumindest früher, als ich noch solche Scherzchen gemacht habe, konntest du einfach auch so per JavaScript da reinschreiben. Und, Das heißt, die Nutzerin oder der Nutzer denkt, dass sie ja gerade einen Capture lösen und dass das irgendwie komische Verrenkungen mit drück mal Windows X. Ein Hergeld ist jetzt noch nicht mal mehr überraschend.

Tim Pritlove
0:48:26
Linus Neumann
0:48:35

Und dann dieses PowerShell-Skript ist letztendlich ein Herunterladen der richtigen Malware und dann direktes Ausführen. Und gleichzeitig wird dann die Webseite, die manipulierte Webseite, bleibt im Vordergrund und, fordert dich zu weiteren Aktionen auf, damit du abgelenkt bist und nicht siehst, dass eben in diesem PowerShell-Fenster Dinge passieren. Und dann haben sie hier in diesem, das ist ja noch detaillierter analysiert, wo dann irgendwie eine Windows-Exe hast, wo eine DLL daneben gelegt wird, die dann über Side-Loading geladen wird, damit eine MyWare ist. Ich glaube, das geht jetzt zu sehr ins Detail. Aber so hast du quasi dann den initialen Vektor. Und meistens ist das dann eine letztendlich so ein Remote-Access-Control-Toolkit, also ein Trojaner, über den die Angreifer dann sagen, okay, jetzt schauen wir uns mal hier um auf dem Rechner, schauen wir uns mal um im Netzwerk. Ja, und was sie da dann vorgefunden haben, war dann, dass sie relativ schnell, Dateien mit Passwörtern in Plaintext finden. Andere Pfade, die du dann gehst, ist, du willst ja quasi von diesem einen Rechner, den du da jetzt hast, auf, du willst eigentlich die ganze Flotte übernehmen. Dein Ziel ist, die Backups zu zerstören. Dein Ziel ist, potenziell die administrative Kontrolle über die Serverlandschaft zu bekommen oder über das gesamte Environment. Und den meisten derartiger Netzwerke wird dazu eben Microsoft Active Directory genutzt. Das ist also im weitesten Sinne so ein flotten Management-System, kann man sich vorstellen. Wenn du jetzt ein Unternehmen bist mit, keine Ahnung, zehn, hundert oder tausenden Rechnern, dann willst du ja nicht Turnschuh-Administration betreiben, wo du zu jedem einzelnen Rechner gehst, sondern du willst quasi Konfigurationsänderungen an einer zentralen Stelle machen. Und dafür ist Microsoft Active Directory eben das zur Verfügung stehende Tool, um das zu tun. Deswegen meldet man sich eben in den Unternehmensnetzwerken in der Regel nicht an dem lokalen Rechner an, sondern an der Domäne. Ja, weil die Domäne eben der zentrale Punkt ist, der sagt, du bist ein User in dieser Firma oder nicht. Und das hat eine ganze Reihe an unglaublichen Vorteilen, so ein System. Aber ist eben auch ein zentraler Angriffspunkt und ist leider aufgrund seiner Komplexität relativ schwierig abzudichten. Deswegen findest du in der Regel irgendeinen Weg auf Tausenden, manche sehr einfache, manche etwas kompliziertere Wege, Administrationsrechte in diesem Active Directory zu bekommen und dann gehört dir eben die ganze Flotte. Dann kannst du halt den daran anhängenden Servern zum Beispiel sagen, verschlüsselt mal bitte, die Festplatten der virtuellen Server, die da liegen oder rollt doch mal bitte diesen Trojaner aus oder richtet doch mal hier noch einen Nutzeraccount ein, damit ich einfacher die Daten runterladen kann und so weiter und so fort. Und. Es ist ja jetzt etwas, was mich halt auch, dadurch, dass ich mich da sehr viel immer mit auseinandersetze, immer in so vielen Schadenfällen das Gleiche sehe oder in so vielen Red Teams in unterschiedlichen Organisationen die gleichen Fehler sehe, ist es halt wirklich auf eine Weise faszinierend, dass diese Angreifergruppen letztendlich so, ja, man könnte fast sagen, One-Trick-Ponys sind. Die kennen bestimmte Wege, die sie gehen. Und die funktionieren einfach auch. Als Conti sich zerlegt hat, weil Russland die Ukraine angegriffen hat und dadurch die Mitglieder von Conti auf einmal, starke Ansichten hatten, was diese Situation anging und sich die ukrainischen Mitglieder und die russischen Mitglieder nicht mehr, die konnten einfach keine Arbeitsebene mehr. Und dann wurden halt auch so Manuale geleakt, wo du dann wirklich so, weißt du, wie du dir das so vorstellst und jetzt klicke darauf und jetzt klicke darauf, weil es so verhältnismäßig immer gleich ist, dass du das eben überall machen kannst. Und was mich natürlich schon auch sehr fasziniert ist, dass wir nicht daraus lernen, als ITler, als Organisationen, als Unternehmen oder Sonstiges und ich habe lange darüber nachgedacht, warum das so ist und meine Erklärung ist eigentlich, dass diese ganzen IT-Sachen eben nicht, für die Menschen gemacht sind. Also die ITler bauen die pflegen halt eine IT, aber die wissen ja gar nicht, oder die versuchen natürlich auch aus gutem Grund sich nicht damit auseinanderzusetzen, was die Menschen mit dieser IT machen. Welche Prozesse sich darauf abbilden. Weißt du? Die sagen dann, nee, nee, hier nicht auf Link klicken, nicht auf Link klicken. Haben aber natürlich eine Infrastruktur dahin gebaut, die letztendlich abschmiert, wenn einer auf Link klickt. Statt sich, und wollen lieber natürlich gar nicht wissen, was die anderen Menschen, die arbeiten mit dieser IT machen. Und deswegen leben wir halt an so vielen Stellen in einer Welt, wo die Menschen unzufrieden sind mit der IT, die IT-Systeme. Vielleicht sicher ist, aber eben nicht gegen die Angriffsszenarien, die sie tatsächlich zu erwarten hat. Weil die Prozesse, die sich darauf abbilden, eben auch nicht geeignet sind für das, was die Menschen eigentlich erreichen wollen. Einige erinnern sich sicherlich an meine kleine Einlassung vor einiger Zeit, als es um KI ging, wo ich gesagt habe, keiner wollte jemals ein Programm oder ein Tool haben. Die Leute wollen eine Lösung haben. Und alles, was wir denen hinstellen, sind irgendwelche komplexen, historisch gewachsenen Scheiß-Interfaces. Und dann kommt einer und sagt, hier nicht drücken, hier nicht drücken. Nee, das darfst du nicht. Und das ist, glaube ich, mein aktueller Erklärungsansatz dafür, warum das in so gut wie jeder Organisation ab einer gewissen Größe so einfach funktioniert. Weil wir das nicht holistisch und vernünftig zusammendenken. Das war jetzt so ein bisschen der philosophische Gedanke. Das grundlegende Problem bleibt eine Komplexität und diese Komplexität kriegst du nicht gemeistert und nicht abgesichert, wenn du nicht verstehst, was die Menschen damit machen. Weil wenn du sagst, du machst hier Checklisten-Security, dann heißt das nicht, dass du dich gezielt auf das Angriffsszenario, was dir blüht, konzentrierst und das priorisierst. Zum Beispiel, einer unserer Clients ist infiziert und fängt auf einmal an, im internen Netz zu hacken. Wenn man weiß, dass das, wenn man auf dem Schirm hat, dass das ein Szenario ist, gegen das man sich schützen muss, dann könnte man so einfache Dinge machen, wie, hör mal, sobald ein Terabyte von uns ins Internet geschickt wurde, gucken wir mal, was da los ist. Um nicht irgendwie fünf Wochen später zu sagen, scheiße, jetzt haben wir es veröffentlicht. Das sind so einfache Dinge, die könnte man in den letzten Jahren mal gelernt haben. Klar, da musst du aber verstehen, wenn du jetzt, wenn du sagst, ich ziehe eine arbitriere Grenze, wie viele Daten jemand zugreifen darf, dann kann es eben sein, dass du bestimmte Prozesse störst. Deswegen brauchst du Kenntnis von den Prozessen, um zu sagen, alles klar, der darf das, der darf das nicht, wir cashen, wie auch immer. Aber du musst halt verstehen, was da abgeht. Und der Case, der Fileserver oder ein User schickt auf einmal 5,8 Terabyte irgendwo hin, der sollte irgendwo so eine kleine, sollte man sagen, da haben wir so eine kleine da haben wir so eine Detection, das würden wir dann wohl zumindest nach einem Terabyte mehr. Ja, und diese.

Tim Pritlove
0:56:32
Linus Neumann
0:57:19

Absolut. Also ich kann dir das in so gut wie jeder Krisensituation, in der ich, beinwohnen durfte, hast du immer jemanden von IT oder IT-Sicherheit, die sagen, ich habe vor 20 Jahren gesagt, wir sollen das machen. Und ich habe immer gesagt, das ist das Risiko, was wir hier eingehen und nie hat jemand hingehört. Das stimmt schon, natürlich. Also ohne Frage. Aber du hast gerade einen sehr wichtigen Satz gesagt mit dem alles richtig machen. Und du kannst halt nicht alles richtig machen. Deswegen musst du ja deine Verteidigung und dein Schutzkonzept priorisieren nach, was sind die Angriffsflächen, die wir haben, wie können wir die reduzieren? Was sind die Schadenspotenziale, die wir haben? Wie können wir die reduzieren? Und was sind die Wege, wie Angreifer uns angreifen? Wie können wir das gezielt das verhindern? Weil du kannst nicht alles richtig machen. Und das ist genau diese Checklisten-Security, die. Da habe ich ja letztes Jahr bei der Blackhead auch einen Vortrag darüber gehalten. Die ist der Grund, warum das alles so unsicher ist. Weil es gibt ja hunderttausend Standards und Checklisten und Zertifikat. Und hast du denn hier und das musst du noch machen und so weiter. Und das ist wie so ein Steuersystem, wo du versuchst, gesunden Menschenverstand in formale Regeln zu gießen. Und das geht halt nicht. Es gelingt nicht. Je mehr Regeln du schreibst, desto absurder wird das ganze Konstrukt. Und in dieser IT-Security-Regulierung kommen immer nur neue dazu. Und dann sitzen Leute da und müssen blind irgendwelche beschissenen Regeln umsetzen, statt zu sagen, alles klar, was will der Angreifer? Und was machen wir hier? Was müssen wir können? Welche Rechte müssen wir, welche Möglichkeiten müssen wir haben? Und wie können wir das, was wir hier versuchen, sicher abbilden? Und das ist ganz offensichtlich in Berlin dann nicht geschehen. Wahrscheinlich, weil die alle mit irgendeinem anderen Scheiß beschäftigt waren. Sicherlich auch, weil dafür kein Geld locker gemacht wurde. Ja. Und da gibt es immer irgendeine Erklärung, aber das Phänomen bleibt halt, jetzt haben wir den Salat. Und dann kommen natürlich noch diese Sachen hinzu, ja eine Investition in die Sicherheit ist ja eine Kostenstelle und wenn die Sicherheit gut ist, dann merkt das niemand, dann fangen die Leute an und sagen, jetzt wollen wir mal sparen, warum geben wir so viel Geld für Sicherheit aus, ist doch alles sicher. Also diese ganzen Sachen hast du auch noch. Aber es bleibt natürlich schon einfach, ein Grundproblem, dass so häufig Leute sagen, Sicherheit muss unbequem sein oder sowas. Oder Sicherheit eben, wenn du sagst, hier wir machen das sicherer, denken alle Leute sofort daran, ach scheiße, das wird jetzt kompliziert. Da muss ich jetzt wieder irgendwas klicken oder das stört oder jetzt kann ich keine E-Mail mehr schicken oder so. Und ich bin eigentlich inzwischen durch die vielen Dinge, die ich gesehen habe, eher davon überzeugt, dass, der gezielte Prozess ist derjenige, der sich auch sichern lässt, ohne behindernd zu sein.

Tim Pritlove
1:00:33
Linus Neumann
1:01:34
Tim Pritlove
1:01:57
Linus Neumann
1:02:15
Tim Pritlove
1:02:19
Linus Neumann
1:03:15
Tim Pritlove
1:03:18
Linus Neumann
1:04:01
Tim Pritlove
1:04:15
Linus Neumann
1:04:21
Tim Pritlove
1:04:47
Linus Neumann
1:04:52
Tim Pritlove
1:05:52
Linus Neumann
1:06:23
Tim Pritlove
1:07:17
Linus Neumann
1:07:20
Tim Pritlove
1:08:15
Linus Neumann
1:08:34
Tim Pritlove
1:08:46
Linus Neumann
1:09:07

Exakt. Und dieser Prozess lässt sich eben, das war so ein bisschen das, worauf ich eingangs hinaus wollte, dieser Sicherheitsprozess, den kannst du ja nicht getrennt von den ganzen in anderen Prozessen sehen, die halt mit dieser IT stattfinden sollen. Aber okay, wir werden zu philosophisch. Ja, okay, so Berlin, scheiße, kacke, 5,8 Terabyte, dann wurde auch eben wild diskutiert, okay, zahlt man jetzt dieses Lösegeld? Interessante Frage. Hier nochmal aus besonderen Aspekten. Erstens, wenn die das Lösegeld bezahlt hätten, wäre das Steuergeld gewesen. Gut, wäre jetzt nicht die erste Scheiße, wofür sie Steuergeld ausgeben. Wäre aber wahrscheinlich einer der wenigen Fälle, wo sie das direkt in die organisierte Kriminalität geben. Das machen sie meistens nur über Umwege. Aber die die, Man muss sich jetzt mal sehen, ob mit dieser Veröffentlichung ein Schaden von mehr als zwei Millionen einhergeht. Das ist ja die ökonomische Betrachtung, die dann da viele Organisationen an der Stelle haben. Wir nennen das ja, jetzt hätte ich es mich fast verfehlt also man kann da, wir nennen das so ein bisschen die Cowboy-Mentalität, ne wenn Leute sagen, okay. Wir zahlen unter keinen Umständen Lösegeld, ne und die meisten, oder ich kenne Fälle von Leuten die dann, die stehen dann da und sagen, ich werde niemals den Kriminellen das Geld geben, ne und dann sehen sie auf einmal so, okay, in welchen, auf welchen Schaden sie blicken und dass sie dann doch unter Umständen sehen, naja, okay, scheiße, die haben mich halt an der Hammelbeine und wohl oder übel muss ich jetzt hier in eine Verhandlung gehen und versuchen, noch, schlimmeren Schaden abzuwenden. Das Schadensausmaß durch diese Veröffentlichung wird ja jetzt, glaube ich, so ein bisschen gerade erst durch die Journalistinnen und interessierten Bürgerinnen. Er gründet, ja, was, und Sascha Lobo hat ja, glaube ich, ich habe es noch nicht gelesen, ich habe nur die Überschrift gelesen, dass er sagt, naja, was jetzt dieses Wissen, und das war, das ist ein bisschen ein Aspekt, der sich jetzt in den letzten Jahren geändert hat, ja, weißt du, diese Veröffentlichung, die Veröffentlichung von Daten, das von, was weiß ich, irgendwelchen Unternehmen oder so, wo du, das war, tatsächlich, und da bin ich jetzt auch, da trenne ich meine persönliche Werthaltung von dem, was man eben, wenn man da jetzt ökonomisch draufblickt, der Schaden dadurch ist häufig einfach nicht vorhanden. Es gibt einfach keinen Schaden durch diese Veröffentlichung. Wenn du dir anschaust, Kai und ich hatten das auch in unserem Vortrag, dieser Motel One Typ, Motel One ist das ja auch passiert, alle Motel One Kundendaten, zack, im Internet veröffentlicht. Alles, was der dazu kommentiert hat, war, leider hat es der Staat noch nicht geschafft, seiner souveränen Aufgabe nachzukommen und Bürgerinnen und Unternehmen, vor Cyber zu schützen. Wo du denkst, Junge, du bist Milliardär. Mit unseren Daten, musst du selber schützen, nicht der Vater Staat. Vater Staat hat ja auch schon die Corona-Hilfen irgendwie 100 Millionen von bekommen. Was soll der Staat denn noch alles für den tun? Auf der anderen Seite steht eben. Und wahrscheinlich ist durch die gesamte Veröffentlichung kein monetärer Schaden entstanden, der die Zahlung aufgewogen hätte. Erst recht nicht für Motel One, weil für die ist ja gar kein Schaden entstanden. Durch die Veröffentlichung jetzt, also sonst natürlich schon. Aber kein Schaden, den sie jetzt abwenden konnten, mussten oder sollten. Dann kann man Vater Staat die Schuld geben. Insofern ist häufig der Schaden durch Veröffentlichung eben nicht so groß, hier ist es potenziell anders weil eben, eine Reihe an internen Informationen da betroffen sind, die jetzt jetzt müssen sie 21 hartgecodete Passwörter ändern, überleg mal wie teuer das ist, das hätten sich die Dienstleister ja auch alles bezahlt lassen, wahrscheinlich hättest du damit schon die 2 Millionen am Ende gespart, ja wahrscheinlich Ja klar, meinst du, die schenken dir das jetzt? Okay, aber ich bin schon wieder zynisch. Was sich geändert hat, ist, dass du jetzt eben auch diese massenhaften Daten mit KIs scannen kannst. Und dieses, oh, guck mal, da sind 5,8 Terabyte, Ja gut, dann kaufst du dir halt ein paar, Festplatten und kopierst das da drauf und dann lässt du halt ein paar Skripts. Da durchrauschen, lässt du, was weiß ich, Audioaufzeichnungen, Transkript OCR und was nicht alles, suchst, nach Passwörtern und so weiter, kannst du sogar mit einer lokalen KI machen und so weiter und so fort. Du hast auf einmal Unmengen an Infrastruktur und Architekturinformationen, die du verwenden kannst. Und vor drei Jahren waren das eben häufig Datenmengen, wo es ein unglaublicher Aufwand gewesen wäre, sich dadurch zu wühlen. Und jetzt ist es eine Datenmenge, die du, naja... Es ist dir ja verhältnismäßig egal, wenn da irgendwie was weiß ich, dein, Amazon GPU Cluster oder dein Mac Ultra oder was, da mal ein paar Tage heißen Dampf macht, um diese Daten zu konsolidieren und da die Rosinen rauszupicken.

Tim Pritlove
1:14:54
Linus Neumann
1:14:57
Tim Pritlove
1:15:54
Linus Neumann
1:17:34

Ja.

Tim Pritlove
1:17:35
Linus Neumann
1:18:08
Tim Pritlove
1:18:19
Linus Neumann
1:18:22

Du kriegst ja auch so ein, guck mal, wir hatten mal, wie gesagt, wir betreuen das ja beruflich öfter, so was. Da war ja quasi ein anstehendes Leak und da wussten, wir wussten eben auch aufgrund der Cowboy-Mentalität, dass dieses Leak passieren würde und unsere Aufgabe war, oder die Aufgabe des Teams war, findet die Secrets da drin, damit wir die rotieren können. Und dann. Hat das Team eben auch gesagt, alles klar, wir machen jetzt eine Pipeline, die danach sucht, wir bauen uns Tools und so weiter, wir transkribieren zum Beispiel Aufzeichnungen, Zeichnungen, was eben alles so Sachen, die du jetzt seit einiger Zeit halt hast. Und wir machen eine Pipeline, die in Videos regelmäßig, wenn der Bildschirm sich ändert, Screenshots OCRen lässt. Und dann suchen wir wieder nach, wie sieht ein Passwort aus und so weiter. Und dann am Ende war das Ergebnis in diesem Fall, okay, ist so viel, wir rotieren einfach alles. Und das hat jetzt Berlin eben auch vor sich. Die müssen eben alle Passwörter rotieren, inklusive dieser 21. Fun Fact, wenn genau dieses Problem nicht zu haben, dafür ist so ein Active Directory ganz gut. Da kannst du nämlich an zentraler Stelle sagen, alles klar, das ist jetzt neu. Und okay, was jetzt es ist, es ist wie es ist, kauft Wasser, Berliner lagert Wasser ein, der Russe weiß, wo der herkommt und ähm. Ich warte immer noch darauf, dass es irgendwann mal jemand sagt, ach so, okay, da müsste man mal was machen, weil das mit diesem Cyber, das passiert ja wirklich. Ich. Aber wahrscheinlich haben die auch in Berlin noch gedacht, ja, wer sollte uns denn angreifen? Ich meine, die Hacker kriegen doch von uns die Sozialhilfe, die werden doch nicht irgendwie die Hand abbeißen, die sie füttert oder was auch immer, die sich da gedacht haben, weißt du?

Tim Pritlove
1:20:47
Linus Neumann
1:20:53

Ja, wir haben, Es ist ja jetzt schon fast eine Routine der USA geworden, Organisationen auf diese Terrorlisten zu setzen. Wir haben darüber berichtet, dass eben der Chefankläger und ich glaube weitere Mitarbeiter am Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte auf diesen Sanktionslisten sind. Wir haben auch darüber gesprochen, dass die Rote Hilfe und, was war das, Antifa Nordost oder was, randomly auf diesen Listen gelandet sind, die dann eben sehr, sehr schwerwiegende Konsequenzen haben für diejenigen, die draufstehen. Weil das eben unter anderem im Prinzip so gut wie jeder größeren regulierten Institution verbietet, mit diesen Menschen Geschäfte zu machen. Was eben dazu führte, hier bei dem Chefankläger vom Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte, dass der eben kein E-Mail mehr hatte, weil das bei Microsoft ist. Und Microsoft eben sagt, wir müssen diese Sanktionslisten befolgen. Oder dass eben dann die Banken der Roten Hilfe die Konten kündigen wollten, weil sie gesagt haben, wir müssen das tun. Und jetzt haben die USA auf die Terrorliste geschrieben, eine Gruppe mit dem Namen Autistici Inventati, haben sie also als globale Terroristen eingestuft und sagen, das ist also jetzt notwendig, um der wachsenden Bedrohung durch gewalttätige, linksradikale Terrorgruppen entgegenzuwirken. So, was macht ähm, Autistici Inventati. Die haben sich 2001 gegründet. 2001 war der G8-Gipfel in Genua. Autistici Inventati ist ja auch italienisch. So eine Gruppe aus Indymedia Italien, die dann gesagt hat, okay, wir, verschreiben uns dem Betreiben von freien Kommunikationsinfrastrukturen. Das machen die ehrenamtlich und stellen eben sozialen Bewegungen, E-Mail, Instant Messenger, selbstverwaltete Infrastruktur, Videokonferenzplattformen, solche Dinge. Da gibt es solcher Kollektive durchaus viele. Also RiseUp ist sicherlich auch sehr vielen bekannt oder SO36, einfach Tech-Kollektive oder auch viele Gruppierungen, die dann zum Beispiel Tor-Server betreiben oder so. da gibt es ja einfach relativ viele Kollektive. Was die auch bereitgestellt haben, war die Domain NoBlogs.org, wo du dann eben Blogs, wo du dir so einen Blog klicken konntest. Und, Ja, dann wurde diese Gruppierung eben als terroristische Vereinigung da benannt und ich glaube nach zwei Tagen war die Domain halt weg, weil keiner mehr sich getraut hat, im DNS diese Domain vorzuhalten, weil dir droht eben unmittelbar ungemacht, weil du eben. Eine Terrorgruppe unterstützt. Und die Gruppe hat sich anfänglich noch kämpferisch gegeben und haben dann aber jetzt am 6. September gesagt, okay, wir haben anfangs gesagt, dass wir so lange wie möglich dem widerstehen werden. Wir haben hier eine freie, privacy-friendly, Infrastruktur für politisch committete Leute bereitgestellt. Und wir haben aber jetzt festgestellt, dass wir als die ehrenamtlichen Betreiber dieser Infrastruktur eben in eine derartig fürchterliche Zukunft blicken, wenn wir... Also erstens können wir das gar nicht weiter betreiben, weil es gibt ja keine Domains mehr. Es werden auch sicherlich weitere folgen. Die haben sehr viel mehr Domains als jetzt nur Autistici. Und wir werden persönliche, legale und finanzielle Konsequenzen zu tragen haben und unsere Familien. Die wir nicht tragen können. Und deswegen machen wir das jetzt platt. Wir werden alles ausschalten. und die discontinue all of the services we provide. Und die haben halt für ein Vierteljahrhundert eben Blogs, E-Mails und sonst was bereitgestellt und was halt wirklich, das Irrsinnige ist, ist halt, weißt du, bei allergrößte, die die hatten, da waren schon, ich glaube, hunderte oder tausende Blogs, die sie dann über die Zeit da bereitgestellt haben, ja. Bei allergrößte, die die haben, ist es ja irrsinnig, dass sich irgendwie die US-Regierung mit irgendeinem italienischen Tech-Kollektiv, die da, weiß ich nicht, ein paar Server betreiben, auseinandersetzt und die auf die Terrorliste setzt. Und das krasse ist, was natürlich jetzt auch passiert. Das ist ja jetzt alles weg. Die tilgen damit eben auch einen großen Teil aus, sagen wir mal, von Kommunikationsinfrastruktur und sonstigen, die eine internationale, progressive Vernetzungsgesellschaft im Sinn hatten. Oder wo eben auch viele linke oder linksradikale politische Inhalte ihre Heimat gefunden hatten im Internet. Und das ist jetzt einfach weg. Per Dekret. Und was man auch sieht, ist, dass jetzt wirklich sehr verhalten, und da ist auch wieder so ein Aspekt, wo ich auch denke, da bin auch ich so, wo ich denke, boah, Alter, wenn ich jetzt den Kopf zu weit rausstrecke, bin ich der Nächste. Und genau das ist ja das, was so eine Aktion zum Ziel hat. Dass das nächste Tech-Kollektiv sagt, Alter, okay, vielleicht mal lieber nicht politischen Gruppen ehrenamtlich Infrastruktur bereitstellen. Wer weiß, ob wir dann noch unser Bankkonto behalten können.

Tim Pritlove
1:27:34
Linus Neumann
1:28:32
Tim Pritlove
1:30:07
Linus Neumann
1:30:43
Tim Pritlove
1:30:52
Linus Neumann
1:31:00
Tim Pritlove
1:31:19
Linus Neumann
1:31:25
Tim Pritlove
1:31:31
Linus Neumann
1:31:49
Tim Pritlove
1:31:50
Linus Neumann
1:31:54
Tim Pritlove
1:32:05
Linus Neumann
1:33:29
Tim Pritlove
1:34:49
Linus Neumann
1:34:53
Tim Pritlove
1:34:55
Linus Neumann
1:34:57

So, und dieses Demokratie-Leben-Förderprogramm, das sind eben diese, ja, wo man verschiedene Förderziele hat zum Unterstützen der Demokratie. Und einer davon war Vielfalt. Und die jetzige Familienministerin, Karin Die hat dann gesagt, ja, okay, Vielfalt ist jetzt kein staatliches Förderziel mehr. Und sie wollen sich eher auf Sportvereine konzentrieren als auf Demokratieprojekte. Sport lebt oder was ist das dann? es gab ja dann auch schon diese anderen Diskussionen in dem Bereich die sogenannte Extremismusklausel wo dann immer alle, Gruppierungen die da in der Förderung sind irgendwie nochmal genötigt wurden dass sie, sich distanzieren von allem dass sie sich genau auf die freiheitlich demokratische Grundordnung was auch, so unsinnige Sachen sind, und du kannst dich jetzt neu darauf bewerben, kannst du machen, aber es hat eben jetzt neue Bedingungen. Und Jugend Hakt sind nicht die einzigen, die darunter leiden. Es gibt auch so Organisationen wie die Amadeo Antonio Stiftung, HateAid und andere, die eben. Die da auch Förderungen hatten und die jetzt nicht mehr bekommen. Und unter anderem sagen sie, das soll jetzt immer bundesweit sein. Also sie möchten gerne bundesweite Projekte fördern, ja. Und damit schließen ja quasi schon sehr viele Kleine aus. Und jetzt kommt aber. Die Idee ist dann, wenn das für Lokale gerufen geht, dann geben sie die Förderung, das Geld der Kommune, die das dann verwaltet. Weil sie dann sagen, und die Kommune kann ja entscheiden, ob sie das annehmen. Und jetzt hast du natürlich Kommunen, wo jetzt, sag ich mal, CDU und AfD schon relativ stark sind. Wenn einer sagt, hör mal hier, der Demokratieleben hat sich überlegt, die wollen mal das alternative Jugendzentrum da fördern, dann sagt die Kommune so, boah, weiß ich gar nicht, ob wir uns den Aufwand, das Geld zu verwalten, ob wir das jetzt auch noch sehr eh schon alle hier hart überarbeitet. Und das heißt, gerade die Demokratieprojekte, die leiden jetzt darunter. Nochmal, das ist jetzt ein bisschen aus meiner Erinnerung und den Gesprächen mit anderen Gruppierungen. Und das kann im Detail falsch sein, insofern freue ich mich, oder gibt es sicherlich noch viele andere Gruppierungen, die betroffen sind, die zu ergänzen sind. Insofern freue ich mich auch hier über Ergänzungen in den Kommentaren, weil das eben auch so ein Ding ist, weißt du, wo so scheibchenweise diese Vollhirnies in einer Situation. Wo rechtsradikale, verfassungsfeindliche Organisationen in Richtung 50 Prozent in einem Bundesland marschieren, sagen die, ja, pass auf, da haben wir uns überlegt, Demokratie machen wir jetzt lieber im Sportverein, bevor da noch irgendwelche Leute kommen, mit politischer Demokratieindoktrination. Das haben wir hier nicht so gerne. Du kannst dir gar nicht vorstellen, in welche Hände wir dieses Land gegeben haben. Oh, das wird so... Wir müssen noch Termine, Termine. Komm, wir machen Termine.

Tim Pritlove
1:38:30
Linus Neumann
1:38:32
Tim Pritlove
1:39:34
Linus Neumann
1:39:41
Tim Pritlove
1:39:54
Linus Neumann
1:40:01
Tim Pritlove
1:40:02