LNP265 Bundesmysterium für Bildung und Frauen

Feedback — G20 — Digitalrat — Cyberwaffen — Maaßen — BAMF — Drachengames — Wahlen hacken — Staatstrojaner — Google — Hakenkreuze — Termine

Nach einer kurzen Sommerpause wieder volles Programm und eine entsprechend lange Sendung.

Dauer: 2:04:13

On Air
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Prolog

Ermittlungen gegen Mo eingestellt

Feedback: Hillary Clinton vs. Julio Assanchez

Feedback: Freie Rede vs. Freie Meinungsäußerung

G20 Gesichtserkennung

Bundesregierung beruft Digitalrat

Cyberwaffen-Agentur

Alternative für Maaßen

Algorithmengläubiges BAMF

Drachengames

Der Russe hackt mal wieder die Wahl

Verfassungsbeschwerden gegen Staatstrojaner

Google sammelt Standortdaten auch wenn man des Feature deaktiviert

Hakenkreuze in Videospielen 卍卍卍

Termine

61 Gedanken zu „LNP265 Bundesmysterium für Bildung und Frauen

  1. Oh Linus ist Triggert, lol

    Der Abschnitt über den Drachenlord ist ja peinlich. Die Demo und den Typen da persönlich anzugehen ist natürlich absolut wiederwärtig. Aber das Ziel ist nicht, das er aus dem Internet verschwindet, sondern das er sich aufregt und überschnappt. Die von Linus teilweiße unterstellte gutwillichkeit der “Haiter” ist vollig aus der Luft gergriffen, das ist nur ein “Spiel” ähnlich wie Poke the Pinguin. Man könnte auch schlicht und ergreifend Mobbing sagen.

    Wenn man jetzt darüber rumranted wie schlimm das ist und man soll sich doch sinvollere Beschäftigung suchen macht das “Spiel” nur noch mehr Spaß.

    satanist

  2. Was Linus’ da am Anfang zu der Legalität und Illegalität der ganzen Trump/Cohen/Schweigegeld-Geschichte erzählt, stimmt nicht. Der entscheidende Punkt ist, dass das Schweigegeld gezahlt wurde, weil eine Veröffentlichung der Stories der Frauen Trumps Wahlkampf geschadet hätte (hat Cohen so ausgesagt, und ist eh relativ naheliegend), und damit ist das technisch gesehen eine Wahlkampf-PR-Ausgabe. Damit muss sie a) aus Wahlkampf-Geldern bezahlt werden und b) unterliegt sie Transparenz-Regeln. Wenn Trump das Geld also, wie er sagt, von seinem privaten Geld zurückgezahlt hat, ist das illegal (er hätte das erst an seinen eigenen Wahlkampf spenden müssen, und der hätte das an Cohen zahlen und entsprechend offenlegen müssen). Wenn es doch aus den Wahlkampf-Geldern kam, ist das immer noch ein Wahlkampf-Kredit von Cohen, der entsprechend hätte dokumentiert werden müssen (und nicht wurde). Ein juristisches Problem gibt es da also auf jeden Fall.

      • Moin Linus,
        danke für die Antwort! Vielleicht kam das bei mir einfach nicht so an, wie du es gemeint hast. Die Formulierungen “nicht in irgendeiner Form juristisch bedenklich” und “absolut rechtens” haben mich nur etwas gestört – das ist meiner Ansicht nach halt nicht so. Dass Trump darüber stürzen wird, glaube ich auch nicht, da sind wir uns einig (das ist aber auch noch mal eine separate Frage).
        Lukas

        • Die Formulierungen “nicht in irgendeiner Form juristisch bedenklich” und “absolut rechtens” haben mich nur etwas gestört.

          LOL, na gut, wenn ich das tatsächlich so gesagt habe, muss ich wohl mal ordentlich zurück rudern! :-)

          Point taken!

    • Und da es offenbar vorsätzlich geschehen ist, muss das nicht mehr mit Bußgeldern oder ähnlichem durch die FEC geahndet werden, sondern kann strafrechtlich verfolgt werden.

      • sondern kann strafrechtlich verfolgt werden.

        Mag sein, aber Trump kann nicht strafrechtlich verfolgt werden, zumindest nicht unter den aktuellen Bedingungen.

        • Meinst du das jetzt wiederum im Sinne einer praktischen strafrechtlichen Verfolgung oder vom Gesetz her? Falls letzteres, soweit ich weiß, gibt es in der US-Verfassung keine klar formulierte Immunität gegen Strafverfolgung für den Präsidenten. Es gibt die Rechtsauffassung, dass er dagegen immun ist, eine Deutung der Existenz des Amtenthebungsverfahrens, wenn ich mich nicht irre. Sollte ein US-Präsident angeklagt werden, würde diese Auffassung vermutlich erprobt und dann im Zweifelsfall bis hoch vor dem Obersten Gerichtshof entschieden werden.

          Linus, du musst mal aufhören dich über diese rechten US-Nachrichtenquellen zu informieren. :D

  3. Kurz zur Hakenkreuzdebatte: Tim wirft die Frage auf, ob Videospiele Kunst/Bildung sind, aber das ist die falsche Frage. Denn natürlich muss dies immer im Einzelfall geprüft werden. Und genau das ist durch dieses Urteil überhaupt erst möglich geworden. Denn vorher bekam alles mit Hakenkreuz grundsätzlich keine Freigabe, ohne dass überhaupt geprüft wurde, ob im konkreten Fall die Sozialadäquanz-Klausel greifen könnte.
    Und das hatte z.T. sehr merkwürdige Auswirkungen, siehe z.B. hier:
    https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/netz-kultur/wolfenstein-the-new-colossus-nazis-skandal100.html

    Deshalb ist dies auf jeden Fall ein begrüßenswertes Urteil!

    • Finde es auch begrüßenswert, dass das Spiel anderen Kunstbereichen gleichgestellt wird und auch hier die Darstellung verfassungsfeindlicher Symbole erlaubt wird, im Rahmen der von euch genannten Bedingungen. Allerdings finde ich zudem, dass diese Intensionsberücksichtigung auch über die künstlerische und lehrende Funktion hinaus, auf Privatpersonen ausgedehnt gehört, da sich hier imo ein Rattenschwanz rechtlicher Probleme für die Spielenden eröffnet.

      Denn was die Kunst hier eingeräumt bekommen hat, gilt keineswegs für Privatpersonen. Spielvertreiber, wie etwa Steam bieten dem Gamer bequeme fest integrierte Funktionen, zur Veröffentlichung des eigenen Spielerlebens. So können etwa Screenshots aus den Spielen mit den Freunden innerhalb von Steam selbst, auf Facebook, oder mit der Twittergefolgschaft geteilt werden oder auch das Spielerlebnis unmittelbar auf Twitch gestreamt, und somit veröffentlicht werden. Bei einem Steamer wäre es jetzt noch Streitbar, ob die Auseinandersetzung mit einer beispielsweise dystopischen Vergangenheitsfiktion, in der die Nazis den Krieg gewonnen haben, wie es in Wolfenstein der Fall ist, selbst wiederum nicht Kunst ist, und damit die selben Freizügigkeiten genießt. Schwerer wird das jedoch beim dem unbedarften Gamer, der einfach nur mal so ein Bild teilt, welches dann womöglich ein verfassungsfeindliches Symbol einfängt.

      Natürlich wäre es von meinem gesunden Menschenverstand her idiotisch, jemanden der ohne böswillige Absichten so ein Bild mit einem Hakenkreuz teilt, dafür zu belangen. Unsicher bin ich mir aber, ob der ein oder andere Staatsanwalt, diese für mich doch absolut nachvollziehbare Ansicht teilt, und nicht stupide das geltende Recht Umsetzt, welches Privatpersonen die Veröffentlichung solcher Bildinhalte untersagt.

  4. Der Aufreger über die Unwissenschaftlichkeit der Wahrscheinlichkeit in % (konkret 63 % Türkisch) beruht wohl auf der psychologischen Vorbildung von Linus (bei der viel mit p-Werten hantiert wird) und einer zweideutigen Übersetzung. Wahrscheinlichkeit meint hier nicht probability sondern likelihood. Der erste Absatz im Wikipediaartikel zur likelihood function [1] beschreibt dies ganz gut: “Probability in this mathematical context describes the plausibility of a random outcome, given a model parameter value, without reference to any observed data. Likelihood describes the plausibility of a model parameter value, given specific observed data.”

    Die likelihood ist eine üblich Methode, um die “Güte” eines (mathematischen) Modells, gegeben bestimmte Daten, abzuschätzen. Bei dem von euch verlinkten Artikel ist dem Headerbild ein Analyseergebnis gezeigt. Dort sind LLR (log likelihood ratio) angegeben, was mich in meiner Vermutung bestärkt.

    Das macht es natürlich nicht besser, wenn diese Werte von Laien interpretiert werden sollen, die Behauptung der Unwissenschaftlichkeit wollte ich dennoch nicht so im Raum stehen lassen.

    [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Likelihood_function

    ~Stefan

    • Aber die 63% sind ja nicht der log Likelihood, sondern irgendeine Wahrscheinlichkeit, da der log likehood nicht in Prozent ausgegeben wird. Also wo kommen die 63% her? Am Ende müsste man sich den Test mal direkt ansehen, der da gefahren wurde.

    • Ich habe eine Frage zu Statistiken im Allgemeinen.
      Ist es zulässig, dass man im Einzelfall mit Wahrscheinlichkeiten argumentiert? Ich bin auf dem Gebiet kein Experte, aber ich dachte immer die Aussagekraft von Statistiken ist in einem konkreten Einzelfall gleich Null. Wenn dem tatsächlich so sein sollte, dann ist es doch etwas befremdlich, wie oft im Alltag Wahrscheinlichkeiten mit Gewissheiten verwechselt werden.

  5. Zu dem Thema ISP und dem Unterschieben von kompromitierender Software. Ich habe unlängst innerhalb von VMs ein wenig Malware analysiert und diese auch absichtlich “nach hause” telefonieren lassen. Was bekam ich tags drauf von der Telekom? Eine wichtige Sicherheitswarnung. Das was als theoretisch diskutiert wurde, ist längst Realität.

    Mittlerweile mag ich gar nichts mehr ohne Prüfsummen bei Dateien herunterladen und reagiere verschnupft, wenn Leute mir unverschlüsselt Mails zu senden.

  6. Also, bei 2001 (dem Film) sind mir auch schon zwei oder drei Leute auf halber Strecke eingepennt. Da bist du nicht allein, Tim. :-)

    Bzgl. Hakenkreuz schreibt ein Spiegel-Artikel:

    “Deshalb haben Friedrich und Schulz zur kommenden Spielemesse Gamescom der USK sofort eine spielbare Version vorgelegt, die die verfassungswidrigen Symbole zeigt. Das habe man im Eilverfahren gemacht, was einen deutlichen Aufpreis mit sich bringt.”

    Da zahlen also Leute einen Aufpreis, um die Hakenkreuz-Version spielen zu können. Weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Bin zudem sehr skeptisch gegenüber der Proposition, dass das Töten von Nazis in einem Videospiel eine kritische Auseinandersetzung mit dem historischen Stoff sei. Bin gespannt auf das erste Spiel, das sich auch aus Sicht der Nazis spielen lässt. Im richtigen Kontext lässt sich das bestimmt auch irgendwie als kritische Auseinandersetzung verkaufen. Vor dem Hintergrund des allgemeinen Rechtsrucks und der Tatsache, dass wir gerade Faschisten im Bundestag haben, macht mir die Meldung große Bauchschmerzen, weil sie irgendwie ganz gut zum Trend passt.

    Und weil mal wieder von dezentralen sozialen Netzwerken gesprochen wurde, würde ich gern auf Scuttlebutt hinweisen. Diaspora, Mastodon etc. immitieren in erster Linie FB/Twitter + ein bisschen Föderation. Aber Scuttlebutt ist ganz anders: peer-to-peer, lässt sich offline nutzen weil du alles auf der Platte hast (bissl wie git vs. svn), du siehst Leute im selben lokalen Netz, Daten verbreiten sich entlang des sozialen Graphen, PMs werden auf dem Client verschlüsselt. Kernidee ist, dass niemand auf den kompletten Graphen Zugriff hat, sondern nur auf die transitive Hülle des eigenen Bekanntenkreises, so wie in der “echten” Welt. Ist natürlich auch kein Facebook, aber wenn das spannend klingt, einfach Patchwork (Scuttlebutt-Client) runterladen, mit ein paar Pubs verbinden, und hallo sagen, z.B. in #LNP.

    • Ohne mich jetzt als Hakenkreuzfan hervortun zu wollen, da ich dieses Thema hier zweimal kommentiere, was daher kommt, das mir die Affigkeit des Ganzen, als Gamer in der Vergangenheit des öfteren zudenken gegeben hat:

      Wolfenstein mag sich im alten Titel, den man aus DOS Zeiten kennt durchaus dadurch hervorgetan haben, dass stupides Abknallen von Nazis, die einzige Distanzierung von der NS-Ideologie dargestellt hat, doch die neueren Teile aus dem Hause Besethsda (leider von denen nicht bezahlt, auch wenn man einen anderen Eindruck gewinnen könnte ;.) ) haben einen weitaus weiteren lkünstlerischen Anspruch , als das gerne persiflierte Abknallen von Nazis suggeriert. Wolfenstein wird in diesem Kontext nur imo gerne herangezogen, weil diese ganze Debatte sich um ein recht fragwürdiges Urteil des OLG Frankfurt aus dem Jahre 1992 bezieht. Diese umstrittene Entscheidung, die ähnlich der „Killer-Spiel-Debatte“ den Spieler dahingehend entmündigt eine distanzierte Position gegenüber des Dargestellten einzunehmen, wenn er selbst Teil des Narratives ist, hätte auf einer gerichtlich höheren Instanz recht leicht gekippt werden können. Dummerweise war es für Spielehersteller nur deutlich billiger alternative Texturen für Deutschland zeichnen zu lassen, anstatt diesen Rechtsstreit auszufechten.

      Es bedarf in dieser Entscheidung einer Einzelfallbeurteilung, welche befindet, ob ein Spiel die NS-Ideologie verherrlicht, wie auch schon in der Vergangenheit gegeben, etwa der KZ-Manager, oder etwa wie bei Wolfenstein, sich davon distanziert, Ein generelles Verbot, wie die Darstellung von Hakenkreuzen, wird hier immer Unrecht produzieren, über dass man sich dann auch zurecht aufregen kann.

      Ich verstehe absolut deine Besorgnis wegen des Rechtsrucks in der Gesellschaft, aber diese kann nicht auf eine oberflächliche Betrachtung von Hakenkreuzen in der Spielindustrie zurückgeführt werden. Auch die im angegebenen Artikel beschriebenen zusätzlichen Kosten für eine deutsche Version mit Hakenkreuzen, würde ich weniger als einen monetarisierten Hype gegenüber dem Symbol begreifen, als einen finanziellen Mehraufwand den der Entwickler hatte um in kürzester Zeit eine unzensierte Version, nochmal einzusprechen, entwickeln und vertreiben zu lassen.

    • Auf die Gefahr hin, mir jetzt einen whataboutism-Vorwurf einzufangen: was genau macht Videospiele weniger geeignet für die kritische Auseinandersetzung mit der Nazivergangenheit als z.B. ein “Inglorious Basterds” oder “Der Untergang”? “Der Untergang” ist nicht einmal wirklich kritisch, sondern eher dokumentarisch gehalten. Es will einfach in meinen Kopf nicht rein, warum man hier immer noch einen generellen Unterschied sehen will.

      Für den genannten Aufpreis ist im Übrigens allein die bescheuerte bisherige Praxis verantwortlich. Die sinnvolle Neuregelung wird so etwas in Zukunft nicht wieder geschehen lassen.

      • Naja, stimmt eigentlich. Wenn das Symbol in Unterhaltungsfilmen gestattet ist, dann sehe ich auch keinen Grund dafür, warum es in Computerspielen nicht gestattet sein sollte. Das ist dann ein bisschen absurd. Da habt ihr beide schon recht.

  7. Also, bei 2001 (dem Film) sind mir auch schon zwei oder drei Leute auf halber Strecke eingepennt. Da bist du nicht allein, Tim. :-)

    Bzgl. Hakenkreuz schreibt ein Spiegel-Artikel:

    “Deshalb haben Friedrich und Schulz zur kommenden Spielemesse Gamescom der USK sofort eine spielbare Version vorgelegt, die die verfassungswidrigen Symbole zeigt. Das habe man im Eilverfahren gemacht, was einen deutlichen Aufpreis mit sich bringt.”

    Da zahlen also Leute einen Aufpreis, um die Hakenkreuz-Version spielen zu können. Weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Bin zudem sehr skeptisch gegenüber der Proposition, dass das Töten von Nazis in einem Videospiel eine kritische Auseinandersetzung mit dem historischen Stoff sei. Bin gespannt auf das erste Spiel, das sich auch aus Sicht der Nazis spielen lässt. Im richtigen Kontext lässt sich das bestimmt auch irgendwie als kritische Auseinandersetzung verkaufen. Vor dem Hintergrund des allgemeinen Rechtsrucks und der Tatsache, dass wir gerade Faschisten im Bundestag haben, macht mir die Meldung große Bauchschmerzen, weil sie irgendwie ganz gut zum Trend passt.

    Und weil mal wieder von dezentralen sozialen Netzwerken gesprochen wurde, würde ich gern auf Scuttlebutt hinweisen. Diaspora, Mastodon etc. immitieren in erster Linie FB/Twitter + ein bisschen Föderation. Aber Scuttlebutt ist ganz anders: peer-to-peer, lässt sich offline nutzen weil du alles auf der Platte hast (bissl wie git vs. svn), du siehst Leute im selben lokalen Netz, Daten verbreiten sich entlang des sozialen Graphen, PMs werden auf dem Client verschlüsselt. Kernidee ist, dass niemand auf den kompletten Graphen Zugriff hat, sondern nur auf die transitive Hülle des eigenen Bekanntenkreises, so wie in der “echten” Welt. Ist natürlich auch kein Facebook, aber wenn das spannend klingt, einfach Patchwork (Scuttlebutt-Client) runterladen, mit ein paar Pubs verbinden, und hallo sagen, z.B. in #LNP.

  8. Zur Bamf Diskriminierungs-Software könnte man zusätzlich zu Brazil noch das berühmte “Computer says no” von Little Britain nennen:
    https://www.youtube.com/watch?v=AJQ3TM-p2QI
    https://www.youtube.com/watch?v=0n_Ty_72Qds
    Wenn man sich jetzt noch eine deutsche Beamtenmentalität vorstellt, die sich an der Macht über einen Menschen urteilen zu können aufgeilt, mit feindlicher Grundstimmung gegen Menschen die anders als sie selbst sind …

    Zum Thema Hutbürger bzw. Ist Fotografieren auf einer Demo eine „Strofdood“? gibts hier eine kompatente juristische Beurteilung:
    http://www.kanzleikompa.de/2018/08/24/ist-fotografieren-auf-einer-demo-eine-strofdod/

  9. Zum Widerstreit Tatsachen/Meinungen (Sektion “Freie Rede”, Causa ruebezahl) gibt es ein Urteil 1 BvR 917/09 was mir auch logisch scheint; immerhin gehen ja die Meinungen darüber, was eine Tatsache ist und was nicht oft weit auseinander.

    Man findet in fast jedem politischen Streit Uneinigkeit darüber, was die Tatsachen sind, nicht nur unterschiedliche Bewertungen unstrittiger Tatsachen. Es wäre m.E. nicht wünschenswert jede pol. Auseinandersetzung vor Gericht auszutragen, das dann den Tatsachenkorridor verbindlich bestimmen würde, von dem auszugehen ist. Hier müssen sich die Bürger in unklarer Gemengelage eine eigene Meinung bilden.

    Absurd erscheint mir die Argumentation Eures Hörers, in heutiger Zeit sei freie Rede eine Falle. Printmedien und kommerzieller Rundfunk unterlagen auch schon immer den Marktgesetzen. Da gab es noch viel weniger Gegenrede. Ich kenne die US-Gesetze nicht gut, aber es würde mich überraschen, wenn dort das Recht auf freie Rede davon abhinge, dass in jedem Einzelfall eine Möglichkeit der Gegenrede existiert.

    Wir haben hier ein Henne-Ei-Problem: Der mündige Bürger, der sich selbst aussucht, welche Medien und Quellen er auswählt, setzt die Fähigkeit einer reifen Entscheidung schon vorraus. Im Endeffekt stimmt er aber über Wahlen und Abstimmungen über den Kurs der Demokratie ab und betüttelte Konsumbürger, die auf dem Niveau von Kleinkindern operieren – wie sollen die eine angemessene Entscheidung zw. Parteien treffen können, wenn ihnen das in konkreten Einzelfragen nicht zugetraut werden kann?

    Diese Position atmet m. E. einen klar antidemokratischen, autoritären Geist.

    Ich denke die ganzen Besserwisser, die anderen vorschreiben wollen, was sie lesen und hören dürfen und was nicht, sollen sich fragen, wieso, wenn sie alles so genau wissen, sie nicht wissen, wie sie der Wahrheit im Streit der Ideen zum Durchbruch verhelfen. Müsste sie nicht einen Startvorteil haben?

    Überzeugen ist schwieriger als verordnen, aber zu oft wird vergessen, dass der pol. Gegner die Kultur der Verordnung ebenso leicht für seine Zwecke instrumentalisiert.

    Leute, lernt überzeugen! Nichts übt eine größere Anziehung aus, als der zwanglose Zwang des besseren Arguments.

    Wie würde man die Behauptung der Massenvernichtungsmittel des Iraks beispielsweise aus der Welt bekommen, nachdem dies offiziell von Gerichten bestätigt und der Zweifel daran zum strafbewehrten Tabu geworden ist?

  10. Malware in den Autoupdates wurde in Security Nightmares schon besprochen. Die Leute machen jetzt schon keine Updates weil Microsoft ständig antifeatures und spyware da mit rein packt.

  11. Zu Punkt des Staattrojaners gab es gestern ein Radiointerview mit Peter Welchering im Deutschlandfunk [1], außerdem gestern von Peter Welchering erschienen ist ein Artikel auf der Seite des ZDF “Staatstrojaner sind ziemlich überflüssig” [2].
    Er bringt hier in beiden Beiträgen den Punkt, dass die aus einem Trojaner gewonnen Daten unter Umständen nicht gerichtsfest seinen könnten. Aus diesem Grund haben die Ermittlungsbehörden wohl im Fall der “Oldschool Society” “Endgeräte auf den Account des Verdächtigen angemeldet” (leider gibt es hier keine weiteren Informationen).
    Kennt Ihr den Fall, habt ihr eventuell mehr Informationen zu dem Vorgehen?

    [1] https://www.deutschlandfunk.de/spaehsoftware-staatstrojaner-liefern-nicht-in-jedem-falle.676.de.html?dram:article_id=426349
    [2] https://www.zdf.de/nachrichten/heute/buergerrechtler-klagen-gegen-staatstrojaner-100.html

  12. Hallo liebe Metaebene!

    Es ist das erste mal das ich mich in eurer Kommentarspalte melde und möchte einfach nur mal ein Dankeschön los werden.
    Linus hat mir in dieser Folge aus tiefster Seele bezgl. des “Drachenlords” gesprochen. Habe da ein wenig das Gefühl das ich mit ihm (das erste mal!!!) emotional auf gleicher Ebene liege.
    Mir ist es auch absolut unverständlich wie Menschen soviel Zeit und Energie in den Hass, gegen einen Menschen der offensichtlich geistig nicht ganz auf der Höhe ist investieren können. Wie Linus auch schon angedeutet hat darf man z.B. die Aussage bzgl. des Holocaustes nicht ernst nehmen. Wer den Original mitschnitt kennt sieht und weiß das er gar keine Ahnung hat von dem was er da redet und nachdem er im Chat darauf hingewiesen wurde seine Aussage revidiert.
    Irgendwie hat die Verrohung extrem zugenommen und viele Leute verstecken sich hinter einem Nickname im Internet. Ich persönlich finde es sehr traurig zu sehen das Menschen auf jemanden treten der eh schon am Boden liegt.

    Ich danke euch einfach nochmal für eure Einschätzung und Meinung zu diesem Thema.

    Generell – macht weiter so, ich kann es grundsätzlich nicht abwarten bis eine neue Folge rauskommt! DANKE

  13. Bezüglich des Einspielens von Staatstrojanern über Updates besteht auch die Gefahr, dass das Vertrauen in Updates an sich verloren geht und die Leute aufhören ihre Programme und Systeme auf dem aktuellsten Stand zu halten, was dann natürlich auch wieder die IT-Sicherheit insgesamt schwächt, weil Sicherheitslücken nicht mehr flächendeckend geschlossen werden. Das wäre dann wohl sogar noch problematischer als bei eingekauften Sicherheitslücken, weil das im Falle der nicht durchgeführten Updates auch öffentlich bekannte und vom 14-jährigen Timmy ausnutzbare Sicherheitslücken betrifft.

  14. Hi linus,

    Ich befürchte du musst keine ein, zwei Jahre mehr auf ein Gesetz warten, dass diesen neuen Ansatz einer Bundestrojaner Infektion über Kopperation mit den Herstellern einführt. Letzte Woche hat das kanadische Innenministerium das „Assistance and Access Bill“ vorgestellt. Das geht stark in diese Richtung. Darin wird zb eingeführt
    1) Haftungs- und Straffreiheit für freiwillige Herausgabe von technischen Informationen
    und 2) Verpflichtende Hilfe bei der Infektion von Zielpersonen, wobei dabei keine neuen Sicherheitslücken geschaffen werden dürfen. Das Gesetz ist noch nicht verabschiedet.
    Brave new world.

    https://www.homeaffairs.gov.au/about/consultations/assistance-and-access-bill-2018

  15. Breitband, die Sendung im Deutschlandfunk, hat einen Rückblick auf die GamesCom in Köln gesendet: http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2018/08/25/rueckblick_auf_die_gamescom_in_koeln_drk_20180825_1335_8517e8a9.mp3
    Das Spiel „Through The Darkest Of Times“ ist wohl ein Strategiespiel, was im Untergrund der Nazizeit spielt. Man muss haushalten, welche Ressourcen man gegen die Besatzer einsetzt. Ein völlig anderer Hintergrund als Wolfenstein. In Battlefield 1942 konnte man die Achsenmächte oder die Alliierten spielen, da ergab es wenig Sinn die Hakenkreuze frei zu geben.

  16. Nochmal Thema Rundfunk:

    Die Öffentlich-Rechtlichen setzen durchaus Themen, allerdings nicht ihren Nachrichtensendungen Tagesschau, Tagesthemen und Heute, sondern die haben dafür eigene Formate, wie z.B. Monitor oder Frontal21.

    Und ich möchte auch nochmal darauf hinweisen, dass die Öffentlich-Rechtlichen den Anspruch haben “Binnenpluralismus” zu praktizieren. Das ist auch ihr Auftrag und Teil ihrer Existenzberechtigung. Einseitig berichtende Medien gibt es am Freien Mark genug.

    Deswegen reagieren Verfechter des ÖR auch so allergisch auf den Vorwurf, dass der ÖR “tendenziös” sei, weil man ihn da in seiner “Kernkompetenz” kritisiert, und zwar in dem Fall auch noch mit einem schmähenden Begriff.

    Und wenn ihr auch empfehlt, seine Nachrichten nicht nur vom ÖR zu beziehen, dann habt ihr ja auch wenig vertrauen in den “Binnenpluralismus”.

    • Du verstehst da etwas miss. Kritische Beiträge zu einzelnen Themen zu machen, in denen vielleicht sogar auch eine Forderung formuliert wird, ist nicht “Themen setzen”. Linus hat bewusst die Bild und netzpolitik.org als Vergleichsbeispiele herangezogen, die Kampagnen fahren und Themen längerfristig verfolgen, um sie in die Öffentlichkeit zu bringen. Das ist bei den von dir genannen Formaten oder auch bei den zahlreichen sehr guten kritischen Radiofeatures nicht der Fall.

    • Das “Echo der Zeit” hatte früher immer zwei Beiträge, die augenscheinlich weder mit der Tagesöffentlichkeit, noch mit der Schweiz etwas zu tun hatten. Ich bin mir sicher, das hatte einen grossen Effekt auf die Bildung der Leute.

      Die Schweizer Tagesschau versucht das über “Kunst”, die sich visuell gut abbilden lässt – also regelmässig schwachsinniges modernes Theater für die kleinste Elite oder irgendwelche Installationen, die 99.9% der Schweiz nie besuchen werden und das meistens sich auch nicht leisten (wollen/können). Das Gestänkere im letzten Jahrzehnt hat jedoch etwas bewirkt, heute berichten sie nämlich über die Streetparade oder das Eidgenössische. Jedes Jahr, immer wieder, genau gleich, in derselben Tonlage.

      Der eine, absichtlich erratische, aber höchst informative Beitrag wurde vom Medienwandel und der SRG geschliffen, der andere ist immer noch voll dabei. Die Richtung meiner Meinung dazu lässt sich an den in diesem Kommentar verwendeten Adjektiven ablesen.

      • “sondern die haben dafür eigene Formate, wie z.B. Monitor oder Frontal21.”

        oder z.B. Zapp, Die Anstalt

        In losem Zusammenhang ÖR podcasttipps:
        mediasres, Aus Kultur und Sozialwissenschaften, Breitband, Computer und Kommuniktation, Dok5 – das Feature, Hintergrund – Deutschlandfunk, hr2 Der Tag, Medienmagazin, Leonardo – Hintergrund, Töne Texte Bilder, Wissenschaft im Brennpunkt

  17. Zur Algorithmengläubigkeit noch eine kleine Ergänzung:

    Linus hat ja betont, dass die Angabe unwissenschaftlich sei und auf die übliche Darstellung eines alpha-Fehlers – der Wahrscheinlichkeit die Nullhypothese fälschlicherweise abzulehnen – hingewiesen. Noch problematischer finde ich, dass hier auf eine Zahl reduziert wird und der viel wichtigere beta-Fehler – die Wahrscheinlichkeit die Nullhypothese fälschlicherweise anzunehmen – völlig unter den Tisch fällt. Eine Betrachtung nur des alpha-Fehlers gibt mir Informationen darüber, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Person die jeweilige Sprache nicht spricht, obwohl der Computer dies vorhersagt. Gerade im BAMF-Szenario ist doch aber viel entscheidender: mit welcher Wahrscheinlichkeit liegt der Computer falsch und ich werfe folgend jemanden aus dem Land, obwohl seine Angaben stimmen. Da findet eine Fixierung auf falsch-positiv bewertete Asylanträge statt, obwohl ja die falsch-negativ bewerteten Anträge ein viel größeres Problem darstellen.

  18. Hallo,
    ich möchte ein paar Sachen zu dem Thema “automatische Sprachzuordnung” sagen. Bevor man überhaupt zu den technischen Problemen (Datenmenge etc) kommt, gibt es konzeptuelle Probleme, die hier wohl komplett ignoriert werden. Ich kann das gerne wenn gewünscht theoretisch herleiten, aber ein paar Fallbeispiele verdeutlichen das Problem “Was ist eine Sprache, wer spricht sie, und wie nennt man sie?” vermutlich besser.

    1) Wenn Günther Oettinger den Mund aufmacht, ist das, was da rauskommt dann deutsch? Würde Oettinger den BAMF-Test mit Target “deutsch” bestehen? Das Trainingskorpus ist ja vermutlich Standarddeutsch.

    2) Die Sprache, die Linus spricht, nennt man “deutsch”, auf englisch aber “German”. English “Dutch” wird auf deutsch “niederländisch” genannt. “Pennsylvania Dutch” ist aber kein Dialekt des Niederländischen, sondern wird von den Nachkommen deutscher Auswanderer gesprochen. Man kann also nicht davon ausgehen, dass der Name einer Sprache ein besonders guter Hinweis darauf ist, wie diese genealogisch oder geographisch einzuordnen ist.

    3) Ich habe mich im Jahr 2011 mal mit der Sprache eine Minderheit aus Erbil beschäftigt. Erbil liegt im irakischen Kurdengebiet, in der Nähe der Region, wo der Islamische Staat gewütet hat. Also die Region, die für die jüngsten Flüchtlingsbewegungen sehr relevant ist. Wenn man jetzt nachweisen kann, dass man diese Sprache spricht, hat man vermutlich gute Karten im Asylverfahren. Leider hat man im akademischen Westen aber sehr wenig Ahnung von der Sprachgeographie der meisten Regionen der Welt. Die meisten Sprachen haben mehrere Namen, und ein gleicher Name kann für sehr verschiedene Sprachen verwendet werden (Siehe Punkt 2 oben).

    Die Sprachgruppe aus Erbil nennt ihre Sprache “türçe” (mit [tsch]). Die Sprache der Türkei heißt auf türkisch “türkçe”, und man könnte auf die Idee kommen, dass in Erbil (Norden des Irak) halt ein türkischer Dialekt gesprochen wird, so wie im Norden von Italien, in Südtirol, ein deutscher Dialekt gesprochen wird. Das findet man dann auch ein einigen Zeitungsartikel, wo von der “türkischen Minderheit im Irak” gesprochen wird. Erdogan ist das natürlich recht, denn so kann man ggf. Gebietsansprüche geltend machen.

    Wenn man sich die Sprache genauer anschaut, stellt man fest, dass sie sich eigentlich deutlich vom Türkischen unterscheidet. Die Araber nennen die Leute “Turkoman”. Das wird dann mit “Turkmenen” übersetzt, die Leute reden dann turkmenisch und sollen irgendwas mit Turkmenistan zu tun haben. Das ist kompletter Unfug.

    Linguistisch handelt es sich wohl um einen Dialekt des Süd-Aserbaidschanischen, der als Selbstbezeichnung halt “türçe” verwendet. Da wäre man jetzt nicht sofort draufgekommen…. (Das Süd-Aserbaidschanische wird übrigens nicht in Aserbaidschan gesprochen, sondern im Iran, aber das nur am Rande, um noch mehr Verwirrung zu stiften)

    So. Und jetzt nehmen wir im BAMF unseren Computer mit der Verwaltungsfachkraft, die den Test abnimmt. Die fragt dann: “Frau Bayram, wo kommen Sie denn her und was sprechen sie zu Hause?” Frau Bayram sagt “Irak, Türçe”, wird in “türkisch” einsortiert, macht den Test und fliegt raus. Danach vielleicht noch ein zweiter Versuch mit turkmenisch, den sie logischerweise auch nicht besteht. Resultat: sie gehört offensichtlich nicht der “türkischen Minderheit im Irak” an. Und da haben wir noch gar nicht von der Qualität der Trainingskorpora, den mathematischen Methoden und der Programmierung angefangen, sondern das ist einfach das Problem, dass auf die falsche Sprache getestet wird.

    4) Das Problem wird dadurch erschwert, dass nationalistische Regime wie die Türkei ihre linguistische Diversität herunterspielen und die offiziellen Angaben über die in einem Land gesprochenen Sprachen häufig stark von der Realität abweichen. Ebenso häufig haben die Regierungen selber aber auch keine richtige Ahnung, und im Zweifelsfall ist es ihnen egal. Wem das jetzt noch nicht verwirrend genug war, dem kann ich versichern, dass die linguistische Lage im Vergleich zur ethnologischen Lage ein Traum an Klarheit ist. Zum Abgewöhnen kann man sich mal mit der ethnologischen Einordnung der Zaza auf der Nordseite der Grenze, also in der Türkei beschäftigen: https://de.wikipedia.org/wiki/Zaza#Emische_Perspektiven

  19. Die Agenda des ÖRR ist stark von der Parteienpolitik bestimmt auch wenn es kein direkt staatlicher Rundfunk ist. Er hat deshalb eine Agenda und auch ein Agenda-Setting. Das zu bestreiten ist denke ich falsch. Man kann als ÖRR nicht kein Agenda-Setting betreiben. Die Frage ist deshalb immer, welcher Agenda sich der ÖRR unterwirft. Darüber sollte diskutiert werden, denn die Quote und die Parteienpolitik haben vielleicht ein zu starke Gewichtung in der Themenauswahl und in der Art der Berichterstattung.

  20. Hey liebe Logbuchende,

    Kleine redaktionelle Anmerkung: Es handelt sich beim BMBF um das Bundesmysterium für Bildung und FORSCHUNG – nicht zu verwechseln mit dem Bundesmysterium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. ;)

    Liebe Grüße und macht weiter so!

  21. Hallo Ihr beiden,

    Ist nur ein kleiner Teil in eurer Sendung gewesen, aber trotzdem. Ich kann mir viele der amerikanischen Latenight Sachen nicht mehr so richtig ansehen. Bei sehr vielen ist das einfach jeden Tag dasselbe. Klar, die Witze sind irgendwie lustig und so, aber mir bleibt das Lachen immer mehr im Halse stecken, denn was ändert sich denn? Trump beseitigt nach und nach alle möglichen Errungenschaften einer zivilen Gesellschaft, benimmt sich wie der letzte Prolet / Despot / Wahnsinnige und das einzige was sich ihm in den Weg stellt scheinen ein paar Latenight Talkshowhost zu sein, die über ihn Witze reissen.
    Man könnte es auch anders betrachten: Stephen Colbert und Co. haben sich so sehr daran gewöhnt, dass alles scheisse ist und sich alles noch verschlechtert und, dass sie Witze darüber machen, dass sie gar nicht so wahnsinnig daran interessiert sind, die Situation zu ändern.

    Ich vermisse Jon Stewart. Heute, ohne das “Gegengewicht der Vernunft” könnte ich ein Colbert Report nicht mehr verkraften. Ich glaube Colbert’s konservative Satirefigur hat nur im Gegengewicht zu Jon Stewart funktioniert. Bei Stewart hatte ich immer noch das Gefühl, dass er ab und zu mal inne hielt und erklärt hat, dass bestimmte Dinge nicht in Ordnung sind. Ich erinnere Mich da noch an solche Aktionen wie die “Rally to restore sanity”. Inzwischen hab ich das Gefühl, Colbert hat es sich bequem gemacht in dieser Rolle.
    Das ist alles an für sich in Ordnung.
    Mein problem ist, dass ich glaube, dass Millionen Menschen heute nicht mehr darüber nachdenken, wie sie Dinge ändern könnten. Stattdessen schalten sie jeden Abend in diverse LateNights und machen sich über “die doofen Republikaner” lustig. Ach wie lustig das doch ist, dass doch ist den einen Widerling immer als Schildkröte zu bezeichnen. Das ist alles für einen Lacher gut. Es bewirkt meiner Meinung nach, dass die ganzen schlauen linken vor dem Fernseher sich selbst auf die Schulter klopfen können, auf der Richtigen Seite zu stehen und viel schlauer zu sein, als die ganzen Hinterwäldler.
    Aber leider verpufft da auch jedwede Energie, irgendwas dagegen zu machen.
    Wie viele politische Comedy-sendungen gibt es heute? Es gibt deutlich mehr, als zu Zeiten von Jon Stewarts Daily Show. Das macht Quote und es schafft Arbeit.

    Ich weiß, ihr seid nicht die unkritischsten, wenn es um Fefe geht. Aber eines hat er mal mit Frank besprochen, dass ich mir bis heute gemerkt habe: Wenn fefe diktator wäre, würde er alle Satiriker gewähren lassen. Solange alle über das Regime lachen, solange Putschieren sie nicht.
    Ich glaube etwas ähnliches passiert in Amerika. Wie ihr schon sagt: Am Ende wird Trump wahrscheinlich nicht über ein bisschen Wahlkampfinanzierungskriminalität stürzen.

    Es gab mal einen schönen artikel über David Foster Wallace und seine Ideen zu Ironie. Er war der Meinung, dass uns Ironie alle am Ende kaputtmachen wird. Und er hat irgendwie Recht. Ironie war das Mittel gegen das Establishment. Ein Mittel, um dem Establishment die eigene Bigotterie vor Augen zu führen. Das war vor etwa 40 oder so Jahren.
    Heute _ist_ Ironie das Establishment. Sogar die CDU hat die Merkelraute, mit der wir uns über sie lustig gemacht haben als Ihr Symbol übernommen. Merkel ist ganz offiziell “Mutti” geworden. Der letzte CSU Ortsvorstand von hinterm Berg twittert selbstironischen in der Gegend rum. Ironie ist eine Sackgasse hat DFW gesagt.
    Zuerst machen wir uns mit Ironie über die Leute lustig, die sich selbst als die “guten” bezeichnen, aber selbst voller schlechter Eigenschaften sind. Das hat ne Weile gut funktioniert. Aber heute hat sich Ironie meist zu Zynismus verkrustet und wir machen uns in der selben Weise über die Menschen lustig, die tatsächlich was ändern wollen. Leute die so naiv sind, daran zu glauben, das sich tatsächlich was verbessern könnte. Diese Leute bekommen von uns Ironie-Weltmeistern die gleiche Überheblichkeit ab. Wir haben es alles gelernt in den Late Night shows.
    Wenn man das Problem begreifen kann, dann muss man sich einfach die schlechten Kopien der Daily Show angucken. Die Heuteshow zum Beispiel. Da wird aus jedem Witz die Schadenfreude herausgepresst. Ich sehe nur nie diesen Moment, in dem Mal Pause gemacht wird und angesprochen wird, wie wir die Situation tatsächlich verbessern könnten. Das vermisse ich einfach bei Jon Stewart.

    https://www.youtube.com/watch?v=LcP1mSkuDds

    https://www.salon.com/2014/04/13/david_foster_wallace_was_right_irony_is_ruining_our_culture/

    • Stimme dir zu. Vermisse Jon Stewart auch. Kann mir das ganze Late Night Zeug nicht mehr anschauen, weil es mir zum Hals raushängt, insbesondere das Trump-Thema. Colbert ist immer noch geistreich und witzig, aber nach dem Wahlsieg von Trump fühlt sich das Gelächter des Publikums nicht mehr aufrichtig an, sondern eher ein bisschen gezwungen und verzweifelt. Comic relief funktioniert für mich nicht mehr in dem Format, weil jetzt offenbar ist, was vorher schon hätte klar sein sollen: Humor und Satire sind keine politische Aktion, sondern lediglich Unterhaltung. Jon Stewart hat das gelegentlich erwähnt.

      Ich finds aber auch wichtig zu verstehen, dass Stewart, Colbert, John Oliver etc. Repräsentanten einer Küstenelite sind, die von den gesellschaftlichen Missständen in den USA nie ernsthaft betroffen war und auch nicht unbedingt den klarsten Blick auf diese Missstände hat. Der eigentlich wertvolle politische Diskurs in den Staaten findet viel weiter links statt und hat weder in den politischen Parteien noch in den etablierten Medien eine Repräsentation.

  22. So ein schöner freudscher Versprecher:
    “… eine Anfrage an das Innenministerium gestellt, dass ja für das Bundesamt für Verfassungsschutz tätig ist”
    Aber vermutlich war das gar kein Versprecher und Linus ist einfach nur ein böser Zyniker.

  23. Zum Digitalrat “Unbequeme Fragen in bequemen Hosen”: die Sitzungsfrequenz von zwei Mal im Jahr entspricht in etwa der Aktualisierungsgeschwindigkeit von Software-Updates der deutschen Automobilindustrie.

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