Digital Omnibus — Netzneutralität — Chatkontrolle — Altersverifikation — DigiD — Vorratsdatenspeicherung — Innenstadtüberwachung — Verfassungsklagen Österreich
Tim hat sich auf die andere Seite des Erdballs verkrümelt und Thomas ist zu Gast. Wenig überraschend widmen wir uns der EU, Österreich und ein paar anderen Kurzmeldungen und machen uns Gedanken darüber wie man die Zeiten erträgt und was die Pinguine darüber denken.
Für diese Episode von Logbuch:Netzpolitik liegt auch ein vollständiges Transkript mit Zeitmarken und Sprecheridentifikation vor.
Bitte beachten: das Transkript wurde automatisiert erzeugt und wurde nicht nachträglich gegengelesen oder korrigiert. Dieser Prozess ist nicht sonderlich genau und das Ergebnis enthält daher mit Sicherheit eine Reihe von Fehlern. Im Zweifel gilt immer das in der Sendung aufgezeichnete gesprochene Wort. Formate: HTML, WEBVTT.
Transkript
Shownotes
Prolog
- YouTube: Antarctica – Encounters at the End of the World. Documentary
- Know Your Meme: Penguin Walking Toward Mountain / Nihilist Penguin | Know Your Meme
Digital Omnibus
Netzneutralität in Gefahr: Digital Networks Act
- epicenter.works: The EU Commission Is Gutting Net Neutrality
- epicenter.works: Link to epicenter.works [PDF]
- courthousenews.com: EU threads needle on telecom, cybersecurity overhaul
- Shaping Europe’s digital future: The Digital Networks Act
- eur-lex.europa.eu: Regulation – 2015/2120 – EN – EUR-Lex
Chatkontrolle Update
- netzpolitik.org: Trilog zu Alterskontrollen: Warnung vor „Ausweispflicht für weite Teile des Internets“
Altersverifikation: Vorschlag von epicenter.works
- epicenter.works: Altersverifikation neu gedacht: Ein möglicher Lösungsansatz
- Electronic Frontier Foundation: Age Verification and Age Gating: Resource Hub
- ORF ON: Koalition prüft Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige – ZIB 2 vom 28.01.2026
DigiD droht an die USA verkauft zu werden
- taz.de: Digitale Souveränität: Die Niederlande haben Angst um ihre Daten
- www.digid.nl: IT supplier Solvinity in the news: what does this mean for DigiD? | DigiD
D und EU planen wieder VDS
- bundestagszusammenfasser.de: BTZusFas: IP-Adressenspeicherung (Vorratsdatenspeicherung)
- bundestagszusammenfasser.de: Link to bundestagszusammenfasser.de [PDF]
- heise online: Justizministerin Hubig will Vorratsdatenspeicherung für drei Monate
- heise online: Aus für digitale Anonymität? Hubig wagt riskanten Vorstoß zur IP-Speicherung
- heise online: CCC vs. Dammbruch: Regierung muss Recht auf anonyme Internetnutzung retten
- heise online: EU-Staaten fordern umfassende Vorratsdatenspeicherung bis 2026
- www.ccc.de: CCC | CCC fordert, die VDS endgültig zu begraben
Österreich: Innenstadtüberwachung
- epicenter.works: Große Demo vor SPÖ-Zentrale – Protest gegen aufgerüstete Innenstadtüberwachung
- epicenter.works: Innenstadtüberwachung mit Echtzeitzugriff der Polizei
Österreich: 2 Verfassungsklagen eingebracht
- epicenter.works: Bundestrojaner beschlossen – und jetzt?
- epicenter.works: Untersuchungsaussch(l)uss verletzt Verfassung
- chaos.social: epicenter.works (@epicenter_works@chaos.social)
- news.ORF.at: Pilnacek-U-Ausschuss: NGO ruft für Liveübertragung VfGH an
- DER STANDARD: Antrag auf öffentliche U-Ausschüsse scheiterte am VfGH – NGO will es nochmals versuchen
- help.ORF.at: Messenger-Überwachung: FPÖ und Grüne gehen zum Verfassungsgericht
Epilog
- YouTube: Nihilist penguin (Werner Herzog)
- YouTube: Nihilist Penguin (Werner Herzog)
Apropo Europa. Ich habe bei ttps://www.deutschlandfunk.de/interview-alexandra-geese-gruene-mdep-zu-grok-untersuchung-100.html (ungefähr bei 5:40) von https://www.eurosky.tech/ gehört. Würde mich freuen, wenn ihr das einmal behandelt.
Hallo Tim bzw. insbesondere Thomas,
Zum Thema Altersverifikation:
1) Thomas‘ Vorschlag, einfach die Geräte der Kinder im Internet zu flaggen ist natürlich (datenschutz-)technisch sehr elegant, als Vater in einem „Nicht-Akademiker-Stadtteil“ frage ich mich allerdings, ob diese Lösung zu einem hinreichend guten Ergebnis führen wird. Ich sehe schon in der Kita, dass Eltern Ihren Kindern das Handy in die Hand drücken, Hauptsache es ist Ruhe. Wenn dann im Ergebnis 10 von 30 Kindern in der Schulklasse ein Gerät ohne Kinderflag haben, ist das irgendwie auch sinnlos. Ich bin mir relativ sicher, dass Ihr das bei eurem Vorschlag schon mitgedacht habt, vermisse das aber in eurem Gespräch.
2) Ich ärgere mich jedes mal wieder, wenn ich ein besch***nes Video-Ident Verfahren über mich ergehen lassen muss, vor allem weil es schon sehr gut funktionierende Beispiele für die Integration der eID gibt (das letzte mal in der DHL-App gesehen – auch wenn es eine Schweinerei ist, dass die Post meine Adresse wissen möchte, nur weil ich was im Internet bestelle!!1!). Roast me, aber dazu mein Verständnis: Die eID besteht aus den Faktoren Personalausweis bzw. dem darin enthaltenen Chip („Haben“) sowie dem Passwort („Wissen“), welches nur der Eigentümer des Ausweises kennt. Welche Daten bei einem Identifikationsvorgang mit der eID abgefragt werden, ist individuell anpassbar(?). Es wäre also möglich, eine Alterskontrolle im Internet so zu gestalten, dass ich meinen Ausweis ans Handy halte und die Social Media App einzig und allein mein Geburtsdatum (noch eleganter wäre natürlich „aktuelles Alter“ oder sogar nur „Über 16 Ja/Nein“) abfragt und dies speichert. Meinetwegen auch alle drei Monate o.ä. aber das wäre doch ggü. dem ganzen KI-Unsinn oder Big-Tech speichert unsere Personalausweise erstmal noch irgendwie eine erträgliche Ausgestaltung…?
Ganz anderer Vorschlag zur Altersverifikation:
Man kann den Spieß auch umdrehen und die Anbieter in die Pflicht nehmen. Wann oder wo immer, egal auf welcher Platform kinder- und jugendgefährdende Inhalte gezeigt werden, wird die ganze Platform stillgelegt – mindestens eine Woche.
Beispiel:
– auf TikTok wird eine Köpfung gezeigt – 6 Monate Stilllegung
– auf X wird eine Schülerin via KI nackt gezeigt – 3 Monate Stillegung
– auf Instagram wird gemobbt – 1 Monat Stillegung
Zu 100%, die ganze Platform, weltweit. Drakonische Durchsetzung mit Haft, Entschädigungen in Millionenhöhe bis hin zur entgültigen Schließung. Es gibt einen roten Knopf, der sofort (z. B. Staatsanwaltschaft) gedrückt werden kann.
Jedes Kraftwerk hat einen solchen Knopf. Jedes Restaurant wird geschlossen, wenn eine Maus über den Boden flitzt. Gebäude dürfen nicht betreten werden, wenn es wackelt oder rissig wird. Die Filter, die soetwas erkennen, sind schon lange vorhanden; sie schaffen es schließlich auch den kleinsten Busenhüpfer zu erkennen – bspw. Youtube ist ganz vorne dabei. Dann geht das auch bei soetwas.
Hallo Henri,
1) Device Sharing wird so gut wie jede Form von Altersverifikation umgehen. eID basiert Lösungen sind ziehen die dem Alter zugrundeliegende Identität ja ebenso vom Smartphone (der Eltern). In unserem Vorschlag gibt es auch einen Absatz explizit zur Realität des Device Sharing’s innerhalb von Familien: https://epicenter.works/en/content/a-potential-solution-to-the-dilemma-of-age-verification
2) Vorsicht, Datensparsamkeit bei der Verifikation löst das Problem nicht. Das nennen wir den lösbaren Teil der Thematik. Es bleiben aber zu viele offene Probleme wie gesellschaftliche Ausschlüsse, flächendeckende Kontrollinfrastruktur, Über-Identifikation, etc.
Lg
Folding Ideas hatte neulich auch was zum Pinguin.
Moin, ich hinke etwas hinterher, aber … Termine
Easterhegg 2026
Die 23. Ausgabe der Easterhegg unter dem Motto The Bunny is a Lie findet vom 03. bis zum 06. April in Koblenz statt.
https://eh23.easterhegg.eu/
Der Call for Participation ist eröffnet: Reiche gerne deinen Vortrag/Workshop bis zum 14.02.2026 ein!
LG
Vielen Dank für die lehrreiche Folge in der sogar fast keine Personengruppe herabgewürdigt oder instrumentalisiert wurde. Auch spannend wird, wie sich die KI Reallabore für Innovation und Complaince entwickeln werden. zB das Pilotprojekt aus Hessen https://hessen.de/presse/start-des-pilotprojektes-zur-simulation-eines-ki-reallabors
Ich denke hier gibt es Bedarf das qualifiziert zu begleiten und Öffentlichkeit zu schaffen.
Hallo Henri,
1) Device Sharing hebelt so gut wie jede Form von Altersverifikation aus. eID basierte Lösungen ziehen die dem Alter zugrundeliegende Identität ja ebenso vom Smartphone (der Eltern). In unserem Vorschlag gibt es auch einen Absatz explizit zur Realität des Device Sharing’s innerhalb von Familien: https://epicenter.works/en/content/a-potential-solution-to-the-dilemma-of-age-verification
2) Vorsicht, Datensparsamkeit bei der Verifikation löst das Problem nicht. Das nennen wir den lösbaren Teil der Thematik. Es bleiben aber zu viele offene Probleme wie gesellschaftliche Ausschlüsse, flächendeckende Kontrollinfrastruktur, Über-Identifikation, etc.
Lg
PS: jetzt mit weniger typos ;>
Indirekte Sprache drückt nicht nur in Österreich Höflichkeit aus, sondern auch in Deutschland. Genauer genommen sogar in jeder Sprache und Sprachregion (AFAIK). Dazu gibt es eine ganz spannendes Paper aus den 1980ern, in dem die von Thomas angesprochene Variante als „conventionalized indirectness“ beschrieben wird:
Brown & Levinson (1987): Politeness: Some Universals in Language Usage
Der Grundgedanke der Conventional Indirectness ist, dass sie aus pragmatischer Sicht zwar eindeutig ist, aber zumindest eine theoretische Alternative offen lässt, etwa: „Könntest du mir den Tee reichen?“ „Sorry, kann ich leider nicht.“ Je indirekter man wird, desto mehr Spielraum lässt man dem anderen: „Hui, von dem ganzen Gerede bekommt man ja einen ganz trockenen Hals!“ – da ist es schon realistischer, die Bitte zu ignorieren.
Kleines Caveat: Manche Sprachen wie z.B. Japanisch haben noch andere Komplikationen, die von diesem Modell nicht abgedeckt werden. Hier kann man z.B. keine grammatikalisch korrekten Sätze bilden, die nicht schon etwas über den eigenen Status im Vergleich zum Gesprächspartner aussagen. „Dies ist ein Stift.“ könnte man zum Papst, Kanzler, oder Obdachlosen sagen, und sie könnten alle antworten: „Das ist kein Stift“. In Japan variiert dieser Satz je nach eingeschätztem jeweiligen Status (z.B. „pen da“ [in der Familie] „pen desu“ [Standardhöflich] „pen de gozaimasu“ [Respektform/erhöhte Höflichkeit]. Im Deutschen gibt es zwar auch das Du und Sie, aber das kann man oft durch Passivkonstruktionen vermeiden.
Hey Tim, hey Linus,
weiß grad nicht mit dem Link, Freakshow oder hier:
– https://www.youtube.com/watch?v=ps7kqEXkwEs
Es geht um … OpenClaw ( / MoldBot / ClaudBot )
Ein lokales LLM mit Vollzugriff. Denke das wir noch lustig in der nächsten Zeit (1-2 Jahre) wenn DAUs via LLM alles können außer Security.
Wegen der Netzpolitik/Security-Implikation hab ich den Link hierhin abgeladen:
Wenn Schnitttstellen von „Security by Obscurity“ zu „Hi, ich bin dein Telegram-Bot und ich habe Vollzugriff, was willst du wissen“ wechseln. ô.O
LG
P.s.: Jetzt Popcornvorrat aufstocken ;-)
Hallo Tim & Linus,
zum Thema VDS lief gerade auch eine Aufforderung zur Stellungnahme an die Telco Branchenverbände. Dort ist man sich einig, dass man keine VDS will. Zunächstmal aus Kostengründen – logisch.
Tatsächlich würden sich bei einer VDS im Zusammenhang mit CGNAT „Probleme“ ergeben, die das Ganze wieder zu Fall bringen können: Provider nutzen mittlerweile überwiegend Symmetric-NAT, um höhere NAT-Ratios zu erzielen. Das heisst für jede Verbindung wird ein Port für Quell- UND Ziel-Server benötigt.
Angereichert mit dem Zeitstempel werden hierdurch werden tonnenweise Daten für jeden Anschluss angehäuft. Durch die vorgesehene Speicherdauer von 3 Monaten wird dass zu einem massiven Kostenfaktor.
Und – rechtlich viel besser angreifbar: Die zusätzliche Speicherung der Zieladressen geht über die aktuelle Rechsprechung (EuGH C470/21 v. 30.04.2024) eindeutig hinaus.
Mich wundert mittlerweile gar nix mehr. Die so genannten Progressiven sind ja mittlerweile auch Freunde der so genannten „Meldestellen“ gegen so genannten „Hass und Hetze“ im Netz. Autoritäre Ambitionen scheinen vor allem auch bei so genannten „Linken“ mittlerweile en vogue zu sein… :(
Telegram hat gestern alle seine Nutzer in Spanien mit folgender Warnung benachrichtigt:
Die Regierung von Pedro Sánchez treibt gefährliche neue Regulierungen voran, die Ihre Internetfreiheit bedrohen. Die erst gestern angekündigten Maßnahmen könnten Spanien unter dem Deckmantel des „Schutzes“ in einen Überwachungsstaat verwandeln. Hier erfahren Sie, warum sie ein Warnsignal für Meinungsfreiheit und Privatsphäre darstellen:
1. Verbot der Nutzung sozialer Medien für Minderjährige unter 16 Jahren mit obligatorischer Altersverifizierung: Es geht hier nicht nur um Kinder – die Plattformen müssen strenge Kontrollen durchführen, wie z. B. die Vorlage von Ausweisen oder biometrischen Daten.
⚠️ Gefahr: Es schafft einen Präzedenzfall für die Verfolgung der Identität JEDES Nutzers, untergräbt die Anonymität und öffnet Tür und Tor für die massenhafte Datenerfassung. Was mit Minderjährigen beginnt, könnte sich auf alle ausweiten und den offenen Diskurs ersticken.
2. Persönliche und strafrechtliche Haftung für Plattformverantwortliche: Werden „illegale, hasserfüllte oder schädliche“ Inhalte nicht schnell genug entfernt, drohen den Verantwortlichen Gefängnisstrafen.
⚠️ Gefahr: Dies wird zu übermäßiger Zensur führen – Plattformen werden alles auch nur im Entferntesten Kontroverse löschen, um Risiken zu vermeiden, und so politische Opposition, Journalismus und alltägliche Meinungen unterdrücken. Ihre Stimme könnte die Nächste sein, die zum Schweigen gebracht wird, wenn sie den Status quo in Frage stellt.
3. Kriminalisierung der algorithmischen Verstärkung: Die Verstärkung „schädlicher“ Inhalte durch Algorithmen wird zu einer Straftat.
⚠️ Gefahr: Regierungen diktieren, was Sie sehen, unterdrücken abweichende Meinungen und schaffen staatlich kontrollierte Echokammern. Freie Ideenfindung? Vorbei – ersetzt durch gezielte Propaganda.
4. Erfassung der „Hass- und Polarisierungsspuren“: Plattformen müssen überwachen und darüber berichten, wie sie „Spaltung schüren“.
⚠️ Gefahr: Unklare Definitionen von „Hass“ könnten Kritik an der Regierung als spaltend brandmarken und zu Betriebsschließungen oder Geldstrafen führen. Dies kann ein Instrument zur Unterdrückung der Opposition sein.
Das sind keine Schutzmaßnahmen, sondern Schritte hin zur totalen Kontrolle. Wir kennen dieses Vorgehen bereits – Regierungen missbrauchen „Sicherheit“, um Kritiker zu zensieren. Bei Telegram legen wir Wert auf Ihre Privatsphäre und Freiheit: starke Verschlüsselung, keine Hintertüren und Widerstand gegen Übergriffe.
zum intro: tim kennt oesterreich besser als thomas, es gibt durchaus den „feber“. sprachwissenschaftlich wuerde man den wohl als „altertuemlich“ bezeichnen, in der praxis folgt auf den „jaenner“ (nach wie vor typisch) meist der „februar“, aber ja, den „feber“ gibts.