LNP190 Wenn die Katze aus dem Haus ist

Feedback — Sicherheit — Anti-Verschlüsselung — Staatstrojaner — Jacob Appelbaum — EMF Camp — SHA2017

Die Metaebene verlässt kurz ihren Urlaubszustand und greift mit einer neuen Ausgabe von LNP ins Geschehen ein. Wir berichten über die aktuelle Wahlkampf-getriebene Sicherheitsdebatte, neues zum Thema Staatstrojaner und dem Fall Appelbaum und berichten ausführlich vom EMF Camp in England und den Vorbereitungen für das SHA-Camp im nächsten Jahr.

Dauer: 1:48:27

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Feedback

De Maiziere: Plan zu Erhöhung der Sicherheit in Deutschland

Geplante europäische Aktion gegen Verschlüsselung

Staatstrojaner: FinFisher in der Hinterhand

Appelbaum Aftermath

EMFCamp

SHA2017 Field Day


In Zusammenhang mit dieser Ausgabe stehende Folgen

29 Gedanken zu „LNP190 Wenn die Katze aus dem Haus ist

  1. Das mit der Sicherheit ist nicht neu sondern das sollten wir aus der Geschichte kennen. Hier gab es mal das Reichssicherheitshauptamt. Das war die Behörde die dann mit Eichmann die „Endlösung der Judenfrage“ organisiert hat. Natürlich nur wegen der Sicherheit!

    Wir sollten mit diesem ganzen Zeug einfach aufhören. Keine Dronenmorde, kein Geld mehr für Überwachung oder Zäune an Grenzen. Nur, man kann eben damit Geld verdienen. Wenn man heute keinen Gegner mehr hat mit dem man Rüstungsausgaben rechtfertigen kann, dann redet man sich die Gegner eben herbei und zwar auch gleich solche Gegner die man nie besiegen wird, sprich durch die man endlose Ausgaben/Rüstungsindustrieförderungen rechtfertigen kann. Wir sind uns doch einig, dass es immer Extremisten geben wird die es zu überwachen gilt? Man könnte auch einfach das Geld dafür verwenden eine besser gebildete offenere zufriedenere Gesellschaft zu schaffen, aber das ist eben schlecht für die Wirtschaft wenn alle zufrieden sind.

  2. Re: Anzeige wegen Beleidigung des Amokläufers in München.

    Wenn ich mich da nicht sehr irre, wird Beleidigung nur verfolgt, wenn das Opfer, also hier der Amokläufer, das beantragt. Das dürfte aber schwierig werden, hat der sich doch in Anwesenheit von Polizisten erschossen. Ergo: Der Beleidiger wird wohl nicht bestraft werden.

  3. Die Landgewinnung in der Zuiderzee hat erst im 20. Jahrhundert stattgefunden und so richtig erst nach 1945. Die großen Städte entstanden dann auch erst ende der 1970er Jahre. Das Land ist also recht neu und nicht “mehrere hundert Jahre alt”, auch wenn die Pläne bereits im 17. Jahrhundert existierten. Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Zuiderzeewerke

  4. Approval voting ist sicher besser als das gegenwärtige Wahlsystem in den USA, aber frei von strategischem Verhalten ist es keineswegs und am Arrow-Theorem kommt es natürlich auch nicht vorbei. Ausführlich allen in https://en.m.wikipedia.org/wiki/Approval_voting
    Und in Kürze: wenn es drei Kandidaten Bernie, Hillary und Donald gibt und mit approval voting abgestimmt wird, würden sich die Bernie-Fans auch fragen müssen, ob sie glauben, dass die wahre Entscheidung zwischen H und D liegt und sie neben B auch H wählen, um D auf jeden Fall zu verhindern oder ob sie nur B wählen, weil er sonst sich nie gegen H durchsetzen kann.

  5. Ich möchte an dieser Stelle den Innenminister de Maizière mal herzlich danken.
    Niemand tut in Deutschland mehr für bessere Verschlüsslung und dem Umbau des Internet von den starren Provider Strukturen hin zu einem dezentralen Internet.
    International haben wir der NSA und Snowden den Startschuss zu immer besserer Verschlüsslung und den benötigten Audits zu verdanken aber National hält de Maizière und der BND die Flamme am lodern.
    Seit 2013 erscheinen immer neue “Krypto Messenger”, Alte Techniken wie XMPP bekommen eine bessere Verschlüsselung wie z.B. OMEMO. Projekte wie IPFS, Ring, Safemaiden, Tox oder Zeronet sorgen für mehr dezentrale Dienste. Der Linux Kernel bekommt mehr Sicherheitsfeature und es entstehen schöne Projekte um besser gegen Staatstrojaner gefeilt zu sein (Whonix, Tails, Cubes OS, Subgraph OS) Selbst auf EU ebene gibt es nun Geld für Audits von OpenSource Projekten.
    Auch im Darknet geht die Post ab. Tor ist so schnell wie nie. Viele andere Projekte wie I2P, GNUnet oder RetroShare gedeihen gut und werden immer mehr benutzt.
    Sollte nun die Bedrohung für ein Verbot von Verschlüsselungstechniken stärker werden, dann könnte es eine ähnliche starke Entwicklung im Bereich “Stenographie” geben. Um eine Nachricht entschlüsseln zu können muss man diese erst mal in einer Datei oder sogar im Netzwerk-Stream finden.

    Daher möchte ich hier noch mal dem BND, de Maizière, dem GCHQ, der NSA und allen anderen verkacker für ihren tollen Einsatz zu mehr Verschlüsselung, Anonymität und dezentralen Diensten danken!!!

    Btw: Es ist eine totale Katastrophe, dass diese Geheimdienst-Vollpfosten alle Verbrecher und Terroristen (natürlich auch den normalen Bürger und besonders Geheimnisträger) immer weiter aus dem gut zu kontrollierenden Internet (wenn man gezielt einzelne Personen überwacht) in anonyme und verschlüsselte Netze drängen.

  6. Zum Thema “Applebaum” möchte ich gerne ein paar Anmerkungen machen:

    * Dass bei einer Untersuchung, ein Vorwurf nicht bestätigt wird, bedeutet nicht, dass die Tat nicht erfolgt ist. Auch im Rechtswesen können Verfahren mangels Beweisen eingestellt werden, ohne dass die Unschuld bzw. das Nicht-Vorliegen einer Tat erwiesen wäre. Das folgt ja eben aus dem Axiom der Unschuldsvermutung. Gleichzeitig folgt daraus aber auch, dass aus Nicht-Verurteilung oder Einstellung nicht automatisch auf eine Falschaussage der Beschuldigenden zu schließen ist. Auch hier ist die Unschuldsvermutung anzuwenden.
    Die Tatsache, dass das TOR-Projekt in seiner Erklärung nicht auf den Vergewaltigungsvorwurf eingeht, kann durchaus damit zu tun haben, dass man juristischen Schritten (die A. ja bereits angedroht hatte) vorbeugen will. Die Untersuchung des TOR-Projekts hat keine Relevanz vor einem Gericht. Wenn man sich da mit Straftats-Behauptungen aus dem Fenster lehnte, könnte das gerade nach US-Recht teuer werden. Das Fehlen einer entsprechenden Aussage ist also mitnichten als Beweis zu werten, dass die Projektsangehörigen von der Unschuld A.s bezüglich Vergewaltigung überzeugt seien.
    * Der Veröffentlichung des Vergewaltigungsvorwurfs lag meiner Interpretation nie die Hoffnung zu Grunde, A. würde vor einem Gericht, das US-Recht spricht, verurteilt werden. Die Wahrscheinlichkeit, einen Täter nach bisheriger Rechtssprechung/Rechtslage verurteilt zu sehen, ist bekanntermaßen sowohl in den USA als auch der BRD mäßig, was ein relevanter Faktor für die niedrige Anzeigebereitschaft im Bereich sexualisierte Gewalt ist. Neben den Abhängigkeiten, die gegenüber Tätern häufig bestehen natürlich (Täter sind in der weiten Mehrzahl der Fälle im Nahumfeld, d.h. Familie, soziale Gemeinschaften, Arbeitsplatz etc. zu finden), denn es ist weiterhin erheblich wahrscheinlicher, dass Übergriffe Anklagende z.B. im Nachgang ihren Job verlieren als dass die Täter dies fürchten müssten. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung, die sich am angeblich riesigen Missbrauchspotential durch Frauen, die das Leben von Männern durch erfundene Tatvorwürfe zerstören wollten, abarbeitet.
    Der Sinn der Öffentlichmachung entsprechender Fälle wie A.s liegt darin, andere Menschen vor Gefahren zu warnen und Betroffenen überhaupt die Möglichkeit zu geben, sich gemeinsam vor Tätern zu schützen. Welches Alternativverhalten möchte man potentiellen Opfern demgegenüber aufrichtig vorschlagen, wenn klar ist, dass das als einzig legitim erachtete Verhalten (Anzeige/Rechtsweg), die Gefahrenlage weder für sie selbst noch andere auch nur annähernd zuverlässig verringert? Es könnte sich lohnen, mal Fälle imaginativ zu konstruieren, in denen man juristisch einwandfrei eine Vergewaltigung nachweisen kann, und sich dann mit den Realitäten sexualisierter Gewalt auseinanderzusetzen, die solchen “Idealfällen” schlicht nicht entsprechen. Was sollen Überlebende also stattdessen tun? Über eine erfolgte Vergewaltigung schweigen, wenn sie sehen, dass sie sie nicht juristisch einwandfrei nachweisen können? Wem das in die Hände spielt, sollte offensichtlich sein.

    * Zum Thema der Vergewaltigungsdefinition verweise ich auf dieses vielleicht schon bekannte Video: https://youtu.be/pZwvrxVavnQ
    Obwohl die meisten es nachvollziehen können dürften, muss klar sein, dass bis dato die wenigsten der dort dargestellten Formen von Vergewaltigung in vivo eine Verurteilung vor Gericht nach sich ziehen. Im Bereich der Sexualität scheinen viele dieser Formen der Öffentlichkeit weiter als “normal” zu gelten – auch für Betroffene! die schließlich inmitten dieses gesellschaftlichen Hauptnarrativs aufgewachsen sind. Das erklärt auch, warum die Person im Fall Applebaum vielleicht erst verspätet festgestellt haben könnte, dass ein Vorfall eigentlich eine Vergewaltigung war.
    * Die von Euch so stark betonte Differenzierung zwischen Vergewaltigung und vermeintlich minderen Formen sexualisierter Gewalt empfinde ich in dieser undifferenzierten Form ebenfalls kritisch. Juristisch ist diese Trennung möglicherweise erforderlich, es gibt aber eben noch andere Kategorien, im Rahmen derer solches Verhalten zu beurteilen ist. Aus Sicht der Betroffenen ist eine befürchtete Vergewaltigung ggf. nämlich nicht weniger schädlich als eine tatsächlich erfolgte: Die konkreten Konsequenzen einer Traumafolgestörung erfordern nicht, dass der Person etwas von katastrophalem Ausmaß passiert, sondern es reicht, dass sie davon ausgeht, dass es passieren wird (vgl. Waterboarding, vorgetäuschte Erschießung etc.). Insofern wäre es wünschenswert, dass der ggf. nicht komplette Vollzug einer Vergewaltigung durch Penetration nicht automatisch zu einer Bagatellisierung anderer sexueller Gewalt führt. Denn dies steht in keinem Verhältnis zu deren Auswirkungen.

    * Die Bewertung von J.A. in Hinsicht auf seine Integrität bzw. seine Gefährlichkeit für andere Menschen ist sicherlich nicht abhängig von der Frage, ob der juristische Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt ist. Die Frage, ob seine Entfernung aus dem Tor-Projekt gerechtfertigt war/ist oder ob er weiter auf irgendwelche Konferenzen eingeladen werden kann, sollte nicht davon abhängig zu beantworten sein, ob der Tatbestand der Vergewaltigung juristisch wasserdicht nachgewiesen werden konnte, sondern davon, ob erwartet werden darf, dass er die sexuelle Selbstbestimmtheit seiner Mitmenschen respektieren wird. Gibt es wirklich noch jemanden, der A. soziale Macht und Einfluss in die Hand geben will, unabhängig davon, ob er jemanden juristisch vollständig vergewaltigt hat oder nicht?! Die Vorbehalte und Vorwürfe gegen ihn pars pro toto für irrelevant zu erklären, weil einer der schwersten Vorwürfe nicht beweisbar war, erscheint mir unredlich, bequem und unsolidarisch den einzelnen Betroffenen gegenüber, die dadurch in ihrem individuellen Leiden nivelliert werden.

    Grundsätzlich aber Danke für Eure Berichterstattung und der Rest des Casts hat mir wie immer sehr gut gefallen :-)

    Liebe Grüße,
    Manuel

    • Die Vorbehalte [und Vorwürfe] gegen ihn pars pro toto für irrelevant zu erklären

      Genau das haben wir nicht getan. Aber dieser eine spezifische Vorwurf der Vergewaltigung ist offenbar nicht zu belegen, und das muss auch entsprechend gewürdigt werden.

      • Das stimmt. Allerdings klangt ihr für mich schon so, als würdet ihr die Veröffentlichungen auf jacobappelbaum.net für misslungen halten, weil der vermeintlich schlimmste Vorwurf (vermutlich) nicht belegt werden konnte. Aber vielleicht hab ich da zu viel “zwischen den Zeilen” gehört :-)
        Ich schrieb ja schon, dass ich für Eure Berichterstattung – und damit auch Würdigung solcher Umstände – durchaus dankbar bin. Ich nehme da schon die Bemühung um Ausgewogenheit bei Euch wahr und wertschätze das.

    • Also für mich hat sich an der Appelbaum-Geschichte eigentlich nichts geändert, weder durch diesen Zeit-Artikel noch die Äußerungen des Tor-Projekts.

      Kurz abgehandelt:

      Das Tor-Projekt hat meines Erachtens in seiner Außenkommunikation nie den Vorwurf einer Vergewaltigung erhoben. Also warum sollte es ihn überhaupt erwähnen?

      Die Schilderung des Vorwurfs erfüllt denke ich den Tatbestand einer Vergewaltigung. Ob das mutmaßliche Opfer das selbst zunächst anders bewertet hat, ist glaube ich letztlich nicht relevant.

      Bei den verschiedenen Organisationen hat sich relativ schnell der Konsens eingestellt, dass Jacob nicht tragbar ist und zwar ohne Einschränkungen wie Verweise auf einen vorläufigen Rückzug oder ähnliches, die es sonst oft gibt. Freilich heißt das nicht, dass die Vorwürfe zutreffen, nur dass er eben vorallem wegen seines sozialen Prestige toleriert wurde.

      Schließlich der Zeit-Artikel (wobei ich nur die Online-Version gesehen habe) belegt die behaupteten “starken Zweifeln” meines Erachtens nicht.

      Zur Erläuterung des letzten Punktes:

      Die ZEIT hat die Anklägerin ausfindig gemacht und mit acht Augenzeugen jener Tage und Nächte im Januar 2016 gesprochen, in denen die Tat passiert sein soll.

      Ich finde die Formulierung “jener Tage und Nächte im Januar 2016” auffällig. Was soll das heißen? Die Tat soll zu einem konkreten Zeitpunkt stattgefunden haben, wohl höchstens innerhalb von Stunden. Das deutet für mich darauf hin, dass einige der Zeugen nur das Verhalten des mutmaßlichen Opfers vor oder nach der angeblichen Tat bewerten. Danach könnte natürlich durchaus eine Rolle spielen, aber das sollte klarer kommuniziert werden. Und an dieser Stelle kann die Bewertung durch ein Opfer natürlich doch wieder relevant sein. Wer sich etwa selbst die Schuld am Geschehenen gibt, wird sich anders verhalten, als jemand, der das Fehlverhalten beim Täter sieht.

      Die Zeugen können weder bestätigen, dass River betäubt gewesen war, noch dass nicht-einvernehmlicher Sex stattgefunden habe.

      Wichtiger ich bin mir nicht sicher, dass es sich um Entlastungszeugen handelt. Ich meine, wir sprechen hier wohl nicht von einer Stehparty in hell erleuchteten Räumen mit Malzbier, sondern von einer schummerigen Sexparty mit Drogenkonsum. Ich kann mir also je nach Zahl der Anwesenden gut verstellen, dass sich zwei dutzend oder mehr Zeugen finden lassen, die nichts gesehen haben. Die entscheidende Frage ist, waren diese Zeugen in der Position etwas zu sehen. Und ob man unter diesen Bedingungen nicht-einvernehmlichen von einvernehmlichen Sex (letzterer wurde nicht ausgeschlossen) wirklich unterscheiden kann, erscheint mir auch unsicher.

      Natürlich kann ich mich täuschen, aber da der Artikel diese konkreten Zeugenaussagen im Vagen lässt und als monolithische Gruppe darstellt und man zusätzlich die Situation der Party nicht wirklich einschätzen kann, habe ich das Gefühl, dass einem hier Sand in die Augen gestreut wird. Die Zweifel sind meines Erachtens genauso groß wie vorher. Es steht also Aussage gegen Aussage. Inklusive des Problems, dass ein sexueller Übergriff unter diesen Umständen in eine Grauzone rückt. Deshalb bestehen Leute, die diesen Lebensstil verantwortungsvoller gestalten wollen, auf klaren Absprachen vorher und gehen vorsichtig mit neuen Teilnehmern um.

      Ich würde die Bewertung also nicht teilen. Wenn das geschilderte Szenario eines Schweigekartells so stimmt, dann haben es die Betroffenen wohl erfolgreich gebrochen. Ich denke nicht, dass sie jetzt schlechter darstehen. Wie der Preis, den Jacob Appelbaum dafür zu zahlen hat, im Verhältnis zu tatsächlichen Verfehlungen steht, ist eine andere Frage.

      • Ich habe auch nie den Eindruck bekommen, dass das Tor Projekt von einer bewiesenen Vergewaltigung gesprochen hat. Der Rauswurf basierte auf anderen, berechtigten und bewiesenen Verhaltensgründen von Jacob und hätte eigentlich schon viel vorher passieren. Für mich hat sich jetzt auch nichts daran geändert, gibt es Leute die sagen, dass Jacob sich nichts zuschulden hat kommen lassen und witerhin im Tor Projekt aktiv sein sollte? Die Ebene, dass er sich auch gerne mit fremden Federn schmückt und Leute fertig gemacht hat ist soweit ich informiert bin unbestritten.

        Das Zitat aus der zeit würde ich übrigens einfach so deuten, dass die Leute dort gerne Romanähnliche Stories schreiben. Da passt so eine Formulierung besser rein als mit genauen Daten.

  7. Als Innenminister sieht in der Verfassung offenbar so eine Art Ben Tre.

    Also nichts gegen ein Braille”tablet” und es ist wäre auch schön, wenn die Technik billiger wird. Aber hat eine Braillezeile nicht den tatsächlichen Vorteil, dass die Informationen immer an der gleichen Stelle zu finden sind. So kann man mit der einen Hand lesen, während man mit der anderen steuert, ohne dass die Hände ihre Position groß verlassen müssen. Eine Fläche muss man dagegen immer wieder absuchen. Also mir scheint das eher eine interessante Ergänzung zu sein als ein wirklicher Ersatz.

  8. Ja, die Zweifel an der Appelbaum-Geschichte sind groß, das bedeutet, die Zweifel an seiner Schuld, right? Wie kann es dann sein, dass seine Vernichtung schulterzuckend zur Kenntnis genommen wird? Ob das Tor-Project selber je von Vergewaltigung gesprochen hat oder nicht: Ohne den Vorwurf von River wäre diese komplette Ächtung nicht möglich gewesen. Niemand verliert alles, weil er eine halbnackte Frau, mit der er seit einem Jahr ein Verhältnis hat, in die Badewanne zieht.

    Spätestens die Jill-Bähring-Sache, in der lustigerweise seine ältesten Feinde als Augenzeugen auftraten, hätte doch auch den Voreingenommendsten in Erinnerung rufen müssen, dass es bei zwei beteiligten Menschen mindestens drei Sichtweisen gibt. Jacobs haben wir nicht einmal gehört.

    Stattdessen wird er auf Twitter nach wie vor serial rapist genannt und zum Selbstmord aufgefordert, die Website unter seinem Namen steht bei Google direkt hinter dem Wikipedia-Eintrag, ebenso viele Zeitungsartikel, die die Vorwürfe wiedergeben, nicht zu vergessen die Sache mit den Plagiaten, an der zwar nichts dran ist, aber die oben bereits erwähnte Augenzeugin behauptet das einfach weiter, und – hey – wenn wir schon gerade mit Dreck werfen! Hier liegt so viel davon rum.

    Nun da sich auch der Vorwurf der Vergewaltigung als nicht haltbar erwiesen hat, spielt es auf einmal keine Rolle mehr, ob er eine bewusstlose Frau gevögelt hat oder nur zu geschmacklosen Scherzen neigt? Job verloren, aus allen Communities ausgeschlossen, Hausverbot bei der CCC-“Family” – ist ja jetzt egal? Nervt auch langsam die Geschichte?

    Ich verstehe das nicht. Für mich stellt es sich so dar, als geschähe hier jemandem, der sich häufig nicht angemessen und manchmal wie ein Arschloch verhalten hat, krasses Unrecht. Und alle finden es ok.

    • “… der sich häufig nicht angemessen und manchmal wie ein Arschloch verhalten hat, krasses Unrecht. Und alle finden es ok.”

      Wer sich oft daneben benimmt, hat eben das Mitleid seines sozialen Umfeldes verspielt. Sollen jetzt Leute aus der Hacker Community öffentlich kundgeben “der ist zwar ein Arschloch, aber kein Vergewaltiger”?

      • > Sollen jetzt Leute aus der Hacker Community öffentlich
        > kundgeben “der ist zwar ein Arschloch, aber kein
        > Vergewaltiger”?

        Das Anerkenntnis, dass man ihm Unrecht getan hat, wäre ja schon mal was. Oder soll komplette soziale Ächtung im Ernst die Strafe für jemanden sein, der sich daneben benommen hat?

        > Wer sich oft daneben benimmt, hat eben das Mitleid seines
        > sozialen Umfeldes verspielt.

        Das muss eine Community aus unfehlbaren, niemals von der Norm abweichenden Menschen sein, die sich solche Standards erlauben kann!

        Ich meine, dass man vielleicht noch etwas Beinfreiheit im Grad der Verachtung lassen sollte, nur falls mal ein CIA-Agent dingfest gemacht wird – oder ein Serienvergewaltiger.

  9. Mal nicht so direkt zum Thema der Sendung. Aber zur Netzpolitik. Habe durch heute mich verleiten lassen auf Bild.de zu klicken um zu sehen wieviel Informationen dort trotz Bezahlschranke zu sehen sind. Und ich musste feststellen dass ich alles und auch alle anderen Artikel lesen konnte. Ist die Schranke gefallen ohne große Ankündigung?

  10. Zum Thema Polizeiverhalten:
    Ich war früher in den eher heftigeren Bereichen von Sozialarbeit beschäftigt und würde sagen, dass es täglich Todesopfer geben würde wenn meine Kollegen und ich mit Schusswaffen ausgestattet gewesen wären und so wie einige Polizisten gehandelt hätten.

    Wenn man sich die Todesopfer durch Schusswaffeneinsatz der Polizei ansieht fällt auf, dass viele Menschen mit psychischen Erkrankungen darunter sind. Oft waren es auch Menschen in für sie ausweglosen sozialen Stresssituationen, in denen sie in die Ecke gedrängt wurden. Polizisten sind selbstverständlich keine ausgebildeten Sozialarbeiter oder Psychiater und strahlen schon aufgrund ihrer Rolle etwas anderes aus, aber ich glaube, dass viele Todesopfer verhindert werden können. Es gibt z.B. sehr gute Deeskalationstrainings, die an sehr wenigen Tagen sehr viel Nützliches vermitteln und erfahrbar machen.

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