LNP305 Influencer-Influenza

Innenminister vs. Crypto — Klarnamenpflicht — Influencer und der Zeitgeist — Assage — Datenleck der Woche

Abgesehen von den gängigen schlechten Nachrichten und Berichten aus der Dystopie, nehmen wir uns heute mal die Zeit, wieder mal ein wenig über die Vorgänge als solches zu sprechen und nehmen vor allem das ganze Geschehen rund um die CDU vs. YouTube "Debatten" auseinander und geben unseren Senf dazu. In dem Zusammenhang sprechen wir auch im Epilog noch mal über unser eigenes Verhältnis zu Monetarisierung und Zielgruppenlogik.

Dauer: 1:35:58

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Seehofer vs. Crypto

AKKlarnamenpflicht

Influencer, Zeitgeist und die neue politische Öffentlichkeit

Auslieferung: Assange

Datenleck der Woche

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Epilog

25 Gedanken zu „LNP305 Influencer-Influenza

  1. Ich finde es gut, dass sich die Einsicht über den Niedergang der Digitalisierung schön langsam durchsetzt. Vermutlich ist unsere informationstechnologische Geschichte im SF-Epos von Frank Herberts bereits beschrieben. In die Höhlen müssen wir aber nur dann zurück, wenn wir den Stecker zu spät ziehen …

  2. Im Abschnitt über die Regulierung von Influencermarketing kam für mich hauptsächlich die Aussage an, dass dort quasi keine Regulierung gelte. Das kollidiert mit dem, was z.B. in der Folgen 52 der Rechtsbelehrung (https://rechtsbelehrung.com/influencer-marketing-rechtsbelehrung-folge-52-jura-podcast/) dargestellt wurde, wonach die Kennzeichnungspflichten von Werbung unabhängig vom Medium gelten. Auch “Schleichwerbung” scheint keinesfalls unreguliert zu sein (https://rechtsbelehrung.com/schleichwerbung-rechtsbelehrung-folge-24-jura-podcast-grosse-faq/). Vielleicht wäre es empfehlenswert sich zu dem Thema mal einen Gast mit entsprechenden Fachkenntnissen einzuladen?

    • Wenn wir noch weiter zurückschauen wollen: Ende der Achtziger haben wir im Usenet über Klarnamen debattiert, und bereits in der Mailboxszene wurde diese Frage diskutiert. Um Linus’ und Tims Eindruck zu bestätigen: Es ist in über 30 Jahren kein neues Argument dazugekommen – nur Leute, welche die bisherige Diskussion verpasst haben und sich jetzt daran beteiligen wollen.

      • Nicht nur das!

        Mich wundert es, dass ausgerechnet Tim als “alter Haudegen” die Zeiten von Usenet und frühen Webforen offenbar komplett ausgeblendet hat. Ich selbst bin locker 15 Jahre jünger als Tim, trotzdem habe ich das Usenet noch kennen gelernt, wenn auch bereits auf dem absteigenden Ast.

        1) Klarnamen-Diskussion: Im Usenet hieß das “Realname-Diskussion”. Als ich hinzu stieß, gab es bereits etliche FAQs und Interpretationen der Netiquette. Schon damals war bereits alles gesagt worden, nur noch nicht von jedem.

        2) Doxing: Ebenfalls im Usenet hin und wieder vorgekommen. Eng verbunden mit Realname-Diskussion: die meisten Betroffenen waren solche, die unter Pseudonym unterwegs waren und von irgendwem als unangenehm und bekämpfenswert empfunden wurden. Da das Usenet ein verteiltes Netz ist, sind Löschungen solcher Daten kaum möglich. Es gibt einen speziellen “Supersede”-Header, den man für so etwas missbrauchen kann, aber das hat eigene Probleme.

        3) “Stahlbad Internet”: Das Usenet ist ein offenes Netz. Niemand hat für einen den Dreck herausgefiltert, außer man konfiguriert entsprechende Filterlisten in seinen eigenen Client (bzw. kopiert sie sich von Freunden). Jeder, der mutigerweise kurz seinen Filter deaktiviert, erhält die volle Bandbreite dessen, was anderswo nur bei Moderatoren aufschlägt.

        Ich möchte also behaupten, dass auch die nicht ganz so junge Generation durch das “Stahlbad Internet” gehärtet wurde.

  3. Beim “Angriff des Innenministeriums auf verschlüsselte Kommunikation” gibt es noch zu beachten, dass selbst bei end2end verschlüsselter Kommunikation der Messagesystem-Betreiber bzw. Mail-Provider immer die Meta-Daten „sehen“ kann. Und wenn der Betreiber auch noch aus einem Land kommt, bei dem staatliche Institutionen immer das Recht haben, auf alle Daten zuzugreifen (wie z.B. amerikanische Unternehmen), selbst wenn die Server in Europa stehen, dann ist heute schon end2end-Verschlüsselte Kommunikation nur teilweise geheim oder anonym.

    Allerdings gibt es jetzt schon Kommunikations-Lösungen wie die TrutzBox, die wie Linus postuliert, heute schon ihren Traffic über Tor-Hidden-Services austauschen und somit bei der Mail- und Messaging-Kommunikation auch die Metadaten unsichtbar macht.

    • Ich glaube nicht, dass in den USA “staatliche Institutionen immer das Recht haben, auf alle Daten zuzugreifen”, inwieweit sich Geheimdienste daran halten, ist natürlich fraglich. Aber unabhängig davon gibt es technische Ansätze, um genau dieses Problem einzudämmen, z. B. bei Signal (https://signal.org/blog/sealed-sender/).

  4. ok, klarnamengegen suana umsonnst und abhörsicher steuerlich geförderd als privateinbau…und baut dann auch gleich die bremsen aus den autos um sie zum langsam fahrn zu zwingen….
    ich verlange satisf*ktion

  5. Wir brauchen Tox & Co, komplett dezentral ohne Serverinfrastruktur. Auf die Software selbst wird die Bundesregierung wohl keinen Zugriff erlangen.

    Ich gehe noch weiter als Linus, ich würde nicht nur die Systemfrage stellen, wenn die Regierung die Verschlüsselung kaputt macht, ich würde das Gesetz nicht nur ignorieren, sondern mich aktiv für Verschlüsselungssoftware engagieren. Meine Kommunikation ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt und das wird sich auch nicht mehr ändern.

  6. “Stahlbad” als Bild für die Diskussionskultur, in der die Jugend gehärtet wurde, so etwa 1h04.

    Ernst Jünger gefällt das, oder so. Stahlgewitter hätte sich auch als Sendungstitel angeboten. Die Metapher sprang mich aber auch gleich an.

    Kein Vorwurf, evtl. ist der BegriffvStahlbad auch besser als der Shitstorm?

  7. “hold my Äppelwoi” – großes Kino, ich musste laut lachen :D Trotz der wie meistens unerfreulichen News eine sehr unterhaltsame Sendung, vielen Dank euch beiden!

  8. ist sehr offtopic aber ich überdenke gerade meine passwort-strategien und habe da mal eine frage:
    wenn ich mich richtig erinnere benutzt ihr, bzw. du linus, 1password als passwortmanager. der ist ja schon ziemlich gut gemacht aber meine passwörter auf deren server pusten? oder macht ihr es über wlan-sync? würde mich echt interessieren wie ihr das seht.

    nutze aktuell enpass mit webdav im lokalen netz bzw. vpn, was gut funktioniert aber die ui schmerzt zum teil etwas.

  9. Ich habe noch eine Anmerkung zur Klarnamenspflicht. Natürlich ist das Argument das bei polarisierenden Themen es für viele besser ist seine Argumente anonym vortragen zu können, wahrscheinlich eines der wichtigeren. Aber was meines Erachtens das häufigere Szenario ist, wäre ein Beitrag in ganz normalen themenbezogenen Foren dessen Themen nicht Polarisieren (HiFi-Anlagen, Schminktipps, Kochrezepte). Wenn ich da für jeden Kommentar mich mit Klarnamen registrieren muss, führt das dazu, dass eine Menge personenbezogener Daten entsteht der für die Werbung von großer Interesse sein wird. Ich setzte damit ja so zu sagen mein eigenes Cockie auf jede Seite. Dies führt meiner Meinung dazu, dass ich mir dreimal überlege, ob ich auf eine Frage antworte. Mich nervt es ja jetzt schon, dass ich jedes Mal eine temporäre E-Mail Adresse zur Registrierung brauche.
    Zweitens würde ich dann aber auch eine Klarnamenspflicht in der analogen Welt fordern. Jeder sollte auf seiner Kleidung Namen und Anschrift gutlesbar tragen. Schließlich ist die analoge Welt kein Rechtsfreier Raum, und ich will wissen, wer mich da auf der Straße anpöbelt …

  10. Kurz zum Influenzer Marketing Gedöns.

    Da ich selbst betroffen bin, ein paar Korrekturen / Denkansösse:
    – Es zählt schon als Werbung (und selbst da sind die Juristen nicht einig), wenn man Produkte (selbst gekauft) testet und dann Affiliate Links in die Videobeschreibung setzt.
    Also: Man probiert verschiedene aus, verlinkt alle (!) und das zählt als Werbung.
    – In der Folge markiert man einfach alles als “Dauerwerbesendung” (Übermarkieren ist nicht strafbar), was den Sinn der Kennzeichnung wieder konterkariert. Das bringt genauso wenig, wie die Cookie Hinweise.
    – Fiese Falle: Alte Posts / Videos können nicht überarbeitet werden. Youtube erlaubt seit 1 Jahr nicht mehr, nachträglich Einblendungen ins Video zu setzen (früher konnten Schriften gesetzt werden mit Korrekturen).
    Nachträglich (wegen geänderter Rechtslage) notwendige Markierungen sind nicht möglich. Es gibt nur einen “Haken” den man für “bezahlte Inhalte” setzen kann. Sollte das dem Gesetz nicht genügen, kann man alte Videos nur noch löschen.
    Ich sehe das nicht als Problem für die eindeutigen Fälle, aber für die oben genannten “Graufälle” (selbst gekaufte Ware), landet man schnell auf der dunklen Seite der Legalität, je nach Schwanken der Gesetzeslage.

  11. Ihr beiden Lieben,

    ich höre Eure Sendung sehr gerne und finde, Ihr seid häufig am netzpolitischen Puls der Zeit. Im Abschnitt über YouTuber_innen widerspricht Ihr Euch aber in meinen Augen selbst. Zu Beginn habt Ihr Euch ein wenig abfällig über YouTuberinnen geäußert, die Schminktipps geben. Was ist denn daran verwerflich? Wenn Tim bspw. in der Freak Show (die ich auch sehr gerne höre) über Technik-Themen spricht, geht es dabei auch nicht immer nur um hochgeistige Politik. Muss es ja auch nicht. Wenn Ihr Euch derart über die Netzkultur der jüngeren Generation auslasst, rückt Ihr Euch für mich in eine Nähe von Jasper von Altenbockum, was ja bestimmt nicht Euer Ziel ist.

      • Nein, explizit habt Ihr das nicht gesagt. Ich habe einfach nicht verstanden, weshalb Ihr Euch genau darüber lustig macht. Besser: Mir kam es so vor, als würdet Ihr Euch darüber lustig machen (kam mir eben beim zweiten Mal hören weiterhin so vor). Schließlich geht es Euch ja bei vielen Themen darum, dass Menschen überall ihre liberalen Nischen finden. Weshalb also nicht auch Schminktipps für Frauen*, die ja auch mit den alltäglichen patriarchalen Strukturen zurechtkommen müssen? Will da auch nicht zu lange drauf rumhacken, gehe sonst bei quasi allem mit, was ihr geagt und wie ihr es gesagt habt. Ist mir nur aufgefallen.

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