LNP342 Coronaappdiskussionsorgien

Datenspende-App — Corona Tracing App — Quaratäne-App — Palantir

Auch in dieser Ausgabe nehmen wir besonders die Debatten rund um neue digitale Infrastrukturen auf und berichten vom aktuellen Stand. Der CCC hat eine ausführliche Analyse der vom RKI veröffentlichten Datenspende-App vorgenommen und der Wettbewerb um die "richtige" Lösung für eine Tracing App in Deutschland nimmt schrille Formen an. Neue Fragen werfen die losen Erwähnungen des Gesundheitsministers von Apps für die "Begleitung" von Quarantäne-Maßnahmen auf.

Dauer: 1:04:55

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Logbuch:Freiheit

Datenspende

Contact Tracing zentral vs. dezentral

Contact Tracing wird Exposure Tracing

Tracing App in Österreich

Quarantäne-App

Palantir in Hessen

35 Gedanken zu „LNP342 Coronaappdiskussionsorgien

  1. Zentral vs. dezentral
    Hat Linus in einer vergangenen Episode nicht mal gesagt, dass ein Unterschied der beiden Ansätze sei, dass mit zentralem Server die Entwicklung der Ausbreitung quasi in Echtzeit verfolgt werden kann, bei der dezentralen nur mit 14 Tagen Verspätung. Wenn dem so ist, dann hielte ich das schon für enormen Vorteil der zentralen Lösung. Warum findet dieses Argument keine Erwähnung mehr, beim Vergleich beider Ansätze. Ob das den Tradeoff mit dem Datenschutz rechtfertigt, steht auf einem anderen Blatt. Aber diesen Vorteil unter den Tisch zu kehren, hilft der Debatte nicht. Ich würde mich freuen, wenn dieser Aspekt noch einmal genauer technisch beleuchtet werden würde, um mir mal eine fundiertere Meinung zum Thema bilden zu können. Ansonsten auf jeden Fall mal großen Dank für all den Content zum Thema.

    • Überhaupt keiner der Ansätze erlaubt es, das Infektionsgeschehen zu beobachten, nicht in Echtzeit und auch nicht mit X Tagen Verzug. Das ist so, weil eine Tracking-App, egal ob zentral oder dezentral oder mit Blockchain und KI, nichts und niemanden testet, und Infektionsgeschehen nun mal nur durch Tests auf die Infektion nachvollzogen werden kann – und zwar bedingt durch die Generationszeit von 4 Tagen und Verzögerungen durch Testdurchführung, Auswertung, Meldung etc. erst bestenfalls 5-6 Tage nach erfolgter Infektion.

      Was eine Tracing-App vermag ist, Hinweise zu geben, wen man denn wann genau testen könnte. Aktuell testet man Leute erst, wenn sie Symptome zeigen, war nach den 4 Tagen ab Infektion meist noch ein zwei Tage dauert, dann noch die Zeit bis man sich durchgerungen hat das Gesundheitsamt oder den Arzt zu kontaktieren, bis der Test gemacht ist drauf und man landet bei den aktuell beobachteten etwa 10 Tagen Verzug zwischen Infektion und Niederschlag in der Statistik. Hier kann eine App helfen, indem sie Nutzern konkrete Hinweise gibt: “Du hattest x Stunden Exposure zu einem positiv getesteten Menschen! Lass dich testen und halte erst mal Abstand zu anderen Leuten!” Das kann dazu führen, dass diese Person nun noch vor Symptombeginn beim Arzt anruft, sagt “Hey, ich hatte längeren Kontakt zu jemandem mit Corona, ich hätt mal gern nen Test” und der Arzt fragt nun “Aha, woher wissen Sie das? Wir haben nicht beliebig viel Testkapazität…” und die Person “Na die Tracking App sagte mir das ich vor 2 Tagen diesen Kontakt hatte” woraufhin der Arzt sagt “okay, dann schicke ich in zwei Tagen jemandem vorbei der nen Abstrich macht, so lange bleiben Sie zuhause, und nen Tag später wissen wir dann ob hü oder hott” – die zwei Tage ergeben sich daraus, dass der Kontakt vor zwei Tagen war, und man die vier Tage Generationszeit abwarten muss um falls eine Infektion vorliegt auch sicher Viren im Rachen nachweisen zu können. Auf diese Weise kann der Verzug bei der Beobachtung des Infektionsgeschehens auf nahezu den minimal möglichen Wert von 4-6 Tagen gedrückt werden.

      Und jetzt kommt der Clou: das geht, egal wie die App funktioniert! Ob dezentral oder zentral ist wurst!

      Der einzige leichte Vorteil, den ein zentraler Ansatz hätte ist, dass man Schätzungen aus den zentral ermittelten Kontakten ableiten könnte, und das ginge nahezu in Echtzeit. Aber eine Schätzung ist halt keine Beobachtung des Infektionsgeschehens, denn nur weil das Tracing einen Kontakt meldet, heißt das noch lange nicht, dass da auch eine Infektion stattgefunden hat. Diese Klarheit ergibt erst ein Test.

      Und wenn man’s wirklich drauf anlegt, weil diese Schätzung so total wertvoll für irgendwas wäre (ich behaupte, das wird sie aufgrund zu vieler Kontaktmeldungen ohne wirkliche Infektion nicht sein, aber wer weiß, ich irre manchmal…) dann könnte man auch in ein grundlegend dezentral aufgebautes System eine anonyme Meldung der reinen Anzahl gefundener Kontakte an einen zentralen Server (ohne den der dezentraler Ansatz ohnehin auch nicht auskommt, “dezentral” heißt ja nur dass die Ermittlung der Kontakte dezentral auf den Telefonen der Teilnehmer erfolgt, es muss immer noch einen Server geben, an den IDs mit festgestellten Infektionen gemeldet werden, von dem die Teilnehmer alle dann die IDs runterladen können, mit denen sie ihre lokalen gesammelten Kontakte vergleichen – zumindest alle ernsthaft diskutierten dezentralen Ansätze derzeit sehen diesen Sammelpunkt vor, schon, um dem Spamming mit angeblich infizierten IDs Herr zu werden) einbauen, möglicherweise auch erst, nachdem ein Nutzer, bei dem Kontakte von seinem Telefon gefunden wurden, der statistisch relevanten Meldung der Anzahl bzw. Dauer dieser Kontakte (merke: nicht der konkreten IDs, mit denen die Kontakte stattgefunden haben) explizit nochmal zugestimmt hat.

    • Hat Linus in einer vergangenen Episode nicht mal gesagt, […] Warum findet dieses Argument keine Erwähnung mehr

      Wenn wir in jeder Sendung alles wiederholen würden, was wir in vergangenen Sendungen schon ausgeführt haben, kämen wir in der Debatte nicht weiter.

  2. Dass die Diskussion um die Corona-Tracing-Apps einen sehr unschönen Verlauf genommen hat, wird niemand in Abrede stellen. Dass diese Debatte vor zwei Wochen jedoch so viel besser gewesen sein soll, irritiert mich etwas.

    Vor zwei Wochen standen wir im Endeffekt an einem Punkt, dass niemandem so recht klar war, wohin die Reise geht. Es gab mit DP-3T eine Protokollspezifikation, die vielversprechend aussah und kurz darauf von Apple und Google etwas, was dem recht nahe kommt – wie wir seit gestern Abend wissen: wohl auch, weil sie sich hiervon inspirieren ließen.

    PEPP-PT galt jedoch als “der kommende europäische Standard” und niemand wusste, wie dieser aussehen sollte, denn entgegen früherer Ankündigungen war zu diesem Zeitpunkt weder von Spezifikation noch von Code eine Spur zu sehen.

    Der größte Vorwurf an PEPP-PT – und hinter diesem stehe ich noch immer – ist der der mangelnden Transparenz. Und gerade wenn Linus in einem seiner letzten Statements geradezu gewisse Sympathien für dieses “wir können die Fachdebatte nicht in der Öffentlichkeit führen” durchblicken lässt, die Chris Boos in der FAZ zur maximalen Zuspitzung gebracht hat, so war es der Mangel an Transparenz, doch Auslöser für das Misstrauen.

    Ja, ich erkenne PEPP-PT zu, dass der zentrale Ansatz Dinge ermöglicht, die dezentral nicht möglich wären. Aber bisher konnte mir insbesondere niemand erklären, was genau hiervon nicht auch ausreichend im dezentralen Modell nachgebildet werden kann. Und das muss schließlich zur Würdigung aller Vor- und Nachteile gehören.

    Die Gelassenheit jedenfalls, mit der Linus feststellt, dass diese Debatte ja keinerlei Rolle mehr hat, kann ich nicht teilen. Ja, Stand heute mag der dezentrale Ansatz von Google und Apple unumgänglich sein. Der fiel aber eben gerade nicht vom Himmel. Ich frage mich ernsthaft, wo diese Gelassenheit herkommt oder was genau Linus auf eine solche energische Forderung nach Transparenz – die immerhin den Ausstieg vieler Wissenschaftler und Forschungsinstitute zur Folge hatte – verzichten lässt. Im Zweifel muss ich die Frage stellen, ob Linus mehr Einblicke in die Arbeit bei PEPP-PT hatte?

    Mich lässt jedenfalls die Aussicht auf einen linkable Social Graph nicht ruhig schlafen und dabei mag PEPP-PT noch so viel besser sein, als irgendwelches Tracing in Südkorea oder Singapur. “Private Key as a Service”, wie es PEPP-PT vorsieht, ist für mich halt kein Schönheitsfehler, sondern fundamentally broken by design. Und bis gestern hätte ich meine Hand nicht dafür ins Feuer gelegt, dass uns das erspart geblieben wäre.

    PEPP-PT mag noch so sehr mit guten Intentionen gestartet sein. Die Verantwortung, die sich die Leute dort ans Bein gebunden haben, war so unglaublich riesengroß. Und dieser Verantwortung (z. B. dem zeitig versprochenen Code, aber vielleicht auch mal einen Entwurf zu zeigen, bevor man plant, seine Architektur festzuklopfen) sind weder diese Leute, noch ist die Regierung ihr gerecht geworden. Wir alle wissen hier doch, dass nur Transparenz am Ende für Vertrauen sorgen kann. Und an dieser Stelle müssen wir dann eben schauen, dass wir auch an dieser Stelle auf allen Seiten mit dem gleichen Maßstab messen!

    • Und gerade wenn Linus in einem seiner letzten Statements geradezu gewisse Sympathien für dieses “wir können die Fachdebatte nicht in der Öffentlichkeit führen” durchblicken lässt

      Ich will das mal verdeutlichen: In einer nationalen Notlage wurde Forschung und Wirtschaft ein Sack Geld hingeworfen, um eine App zu bauen. Als nächstes zanken sie sich auf Twitter und fahren die Karre in den Graben.
      Es sollte klar sein, dass das nicht der Sinn der Sache sein kann.

    • Naja, immerhin hat Sauron es geschafft per Palantir, Saruman umzudrehen und dem Regenten von Gondor dauerhaft Depressionen zu verpassen…. also zumindest „aktive“ Video Telefonie.

      • Jap, dass ist der ironische Kontext den Tim und Linus leider nicht parat hatten. Saruman war ursprünglich einer der Guten™ Zauberer und wollte den Palantir – der ihm alles zeigen konnte was ist und sein könnte – entsprechend nutzen. Sauron hatte allerdings über den Stein Spin Doctoring betrieben und ihn nur die Dinge sehen lassen die er Saruman wissen lassen wollte und damit sein Handeln beeinflusst. Dem eigenen Selbstverständnis nach war Saruman nach wie vor gut, und tat nur was er als das kleinere Übel ansah.
        Es fällt mir schwer zu glauben, dass Peter Tiehl dieser Hintergrund unbekannt war als sie auf Namenssuche waren.

    • Videotelefone hinter denen Sauron steht. Die Sauron überwacht und durch die Sauron Benutzer der Palantiri korrumpieren kann.

  3. Ich könnte mir noch einen weiten Beweggrund vorstellen warum Apple (&Google) hier keinen zentralen Ansatz fahren. Ich bin auch nur IT Dilettant, aber stellt euch die zentrale Variante vor kombiniert mit der Option zentral erfasste Kontakte noch mit zB MAC Adressen oder IP Nummern zur Zeit des Server-Client Kontaktes in Verbindung zu bringen. Wer sagt denn, dass dann nicht ein totalitären Staat oder selbst (ich weiß – sollte eher „wie zB“ heissen) die USA – zB mit Hilfe einer gerichtlichen Entscheidung per FISA Court – Apple (&Google) dazu zwingt die eingebaute Technik für ein paar weitere Apps freizugeben. Damit ließen sich doch vortrefflich Netzwerke von unliebsamen Bürgern erstellen. Oder von echten und sogenannten Terroristen, Kriminellen oder – wie in USA ja auch bei e.g. PRISM üblich – einfach vorsichtshalber mal von allen Nutzern der Mobilfunk Services. Mann weiß ja nie wann mann es mal brauchen kann.
    Ich erinnere mich dran das Apple sich den Begehrlichkeiten des FBI bzgl. der Inhalte von iPhones hartnäckig verweigert hat. Soweit ich weiß, mit dem Hinweis darauf, dass es schlicht im Moment technisch nicht möglich sei und dass der Einbau einer solchen Schnittstelle dann alle iPhones ‚inherently unsafe‘ machen würde.

  4. Wieso hat der CCC keine Gegendarstellung zum FAZ Artikel eingereicht. Das scheint mir deutlich sinnvoller, als diese leichte Korrektur des Artikels hinzunehmen, da Ihr dort den Text selbst besimmen könnt.

  5. Ich finde den Artikel in der FAZ übrigens viel mehr als nur belächelnswert.
    Ein kleiner Schreiberling diffamiert den CCC – der ja immerhin inzwischen sogar von unserem Staat immer wieder um technische Expertise gebeten wird – als Club erpresserischer IT Sicherheitsspezialisten, die ihre freiwillige kostenlose Arbeit quasi nur als Racheakt für nicht beauftragte IT Gutachten leisten.
    Die Tatsache das sich die FAZ hier vor den Karren von Thryve oder RKI spannen lässt. um deren offensichtlich nicht ausreichend professionelle und sichere Arbeit zu verteidigen ist erbärmlich ! Um so deutlicher wenn die FAZ wirklich VOR der Veröffentlichung der CCC-Beurteilungen diese von einer der betroffenen Parteien zugespielt bekommen hat.
    Vielleicht sollten die „Upstarter“ von Thryve einfach mal von vornherein bessere oder gar gute Arbeit machen, und nicht die gierigen Fingerlein nur nach Nutzerdaten strecken… vielleicht sollten die IT Spezialisten des RKI mal ihre Dienstleister kontrollieren oder mal ihre WordPress Installationen im Blick behalten und sich mit der gebotenen Sorgfalt um die Sicherheit der „gespendeten“ Gesundheitsdaten von Bürgern kümmern !
    Wie wir alle inzwischen wissen sollten sind Gesundheitsdaten weit wichtiger und Datenlecks hierbei als weit schlimmer zu bewerten, als peanuts wie Onlinebanking oder sonstige Userdaten. Passwörter kann man ändern, Kreditkarten kann man sperren, Gesundheitsdaten sind nicht zu ändern und wenn sie mal geleakt sind können Sie mir und sogar meinen Angehörigen über Generationen zum Nachteil gereichen.
    Aber wem sag ich das… hab ich schließlich fast alles hier oder vom CCC gelernt :-) …
    Die FAZ solltet ihr mE zur Veröffentlichung einer Richtigstellung zwingen.
    Dem RKI würde ich empfehlen Thryve nachbessern zu lassen und sich beim CCC zu entschuldigen – und mal ganz flott sicherstellen dass die Daten der Spender mit der gebotenen Sorgfalt gehandhabt werden.
    Thryve könnte sich mal flott für die geleistete Arbeit des CCC bedanken.
    Für mich ist der CCC der bessere Datenschutzbeauftragte, er füllt eine Rolle die „mein“ Staat leider nachweislich nicht in der Lage ist zu füllen. Danke dafür.

    • Es gehört zum Standardrepertoire von Verschwörungstheoretikern, durch Konjunktive Interpretationen und Unterstellungen nahe zu legen, ohne tatsächlich Tatsachenbehauptungen zu tätigen.

      Und genau mit diesen Mitteln arbeitet auch der Autor.
      Nach meinem Verständnis kann man sich nur gegen falsche Tatsachenbehauptungen wehren. Diese sind inzwischen aus dem Artikel entfernt und duch Konjunktive ersetzt.

      Speichert das Video schnell und ladet es wieder hoch, bevor es wieder gelöscht wird!!!!!!!!!

      • Konstantin Baron von Lijnden macht zusammen mit Corinna Budras den eigentlich sehr guten FAZ Einspruch Podcast. Bei Datenschutz und Co muss man aber abschalten, denn da ist Constantin gegen jede Regulierung, in etwa wie Peter Thiel.

        Ob aus vollkommener Verantwortungslosigkeit, Unkenntnis der Möglichkeiten der GAFA’s dieser Welt oder maßloser Überschätzung der sogenannten Eigenverantwortung der Nutzer hat sich mir allerdings noch nicht erschlossen. Schau was er auf Twitter schreibt und du weißt Bescheid. ^^

  6. Zentral vs Dezentral:

    Erstens bin ich gerade sehr froh, dass die Schweizer App auf dem DP^3T Ansatz aufbauen wird. Hier in der Schweiz gab kurz Diskussionen über die Art, wie die Schweizerbeteiligten an PEPP-PT das Konsortium verlassen haben, oder wahrscheinlich aus dem Konsortium geworfen wurden, weil diese sich für eine dezentrale Lösung stark gemacht haben.

    Ich frage mich, ob man nicht einige Nachteile eines Dezentralen Ansatzes mit Entsprechenden Datenspenden kompensieren möchten. Dabei müssten ja nicht die eingesammelten Codes gespendet werden sondern nur. Ich habe heute Anzahl XX Codes gesehen und Anzahl Codes die ich in den letzten 7 Tagen gesehen haben sind Positiv und bei einer positiv getesteten Person könnte allenfalls die Anzahl der Codes, die sie im Fraglichen Zeitpunkt gesehen hat mit publiziert werden. Wahrscheinlich würden diese eher unverdächtigen Daten für die Abschätzung des Infektionsgeschehens durchaus reichen. Ohne dass das Matching der Codes zentral geschehen muss und die Gefahr besteht, dass man die Identität der Personen aufdecken könnte.

  7. Hallo Ihr zwei,

    warum habt Ihr denn ncoh nciht die COVID ID App aus Südafrika benannt?

    Das wäre, nein, das IST die globale Lösung! Jede Wette und dafür braucht man auch nicht den “dezentralen” Ansatz von Goopple.

    Die Standardisierung wird zur Zeit über die OpenSource Community rund um die Sovirn Foundation getrieben.

    Ja, Evernym ist noch ein proprietäres Stück Software, welches von den Süd-Afrika Studenten verwendet wird, da jedoch der Hyperledger Aires Open Source ist, wird diese proprietäre Komponente in dem SSI-Techstack in Zukunft auch zugänglich gemacht.

    Schaut Euch mal den Elevator Pitch von Timoty Ruff (CEO von Evernym) an – Das wäre ein super Thema für in der nächsten Sendung mal durch zu deklinieren.
    https://medium.com/@rufftimo/when-explaining-ssi-start-with-the-wallet-bee5d2af6696

    BItte, bitte redet mal darüber oder sagt mir warum da bisher noch keiner drüber gesprochen hat? Was verstehe ich hier nicht?
    Es ist klar, dass dies keine Contact-Tracing ist, aber der Impact das Coronaproblem in den Griff zu bekommen wird viel größer sein.

    https://medium.com/coviid/covi-id-privacy-preserving-covid-19-status-verification-c11d59ec92f6

    VIele Grüße,

    Ein SSI Fanboy

    • Ketzerischer Versuch einer Erklärung, warum darüber niemand, der an echten Lösungen interessiert ist, redet: weil das offenbar Blockchain-Foo ist, und Blockchain-Foo hat abgesehen von einer unglaublich langsamen und teuren (aber zugegebenermaßen pseudonymen und daher manchmal nützlichen) Art, Geld übers Internet zu verschicken, lediglich tausende Get-Rich-Quick-Schemes und einen unglaublich teuren und unglaublich langsamen weltweiten Computer mit einem einzigen Thread, der zu 99% für Glücksspiele und grenzdebile Games mit Katzen verwendet wird, hervorgebracht. Die Wahrscheinlichkeit, dass Blockchain ausgerechnet jetzt tatsächlich und wirklich der Heilsbringer sein wird, ist…ähm…gleich null.

  8. Der Constantin van Lijnden ist übrigens nicht nur irgendein Schreiberling, sondern auch Host des FAZ Einspruch Podcasts. Dort hat er sich in der Vergangenheit schon öfter als “Datenschutzskeptiker” hervorgetan. Außerdem ist er der Prototyp eines weißes Cis-Mannes, der sich zum Maßstab aller Dinge macht und so funktioniert auch seine journalistische Arbeit. Er wird sich auch hier gedacht haben: “Könnte ich diese Schwachstelle für Hackerei ausnutzen? Nein. Also sind es keine echten Schwachstellen. Würde es mich stören, wenn meine Fitnessdaten einschließlich Klarnamen gemopst werden? Nein. Also sollen sich die Leute mal nicht so anstellen.”

  9. These: es geht hier um eine Platzhalterlösung für das globale Corona-Problem.

    Was ist das grosse Ganze?

    Empfehlung hierzu:
    Episode 16: Dealing with Hyperobjects
    https://privatecitizen.press/episode/16/
    “As a follow-up to the previous episode of the podcast where I dove into contact tracing apps in technical detail, this episode of the The Private Citizen is a wider discussion of such apps and their effectiveness as well as their effects on our society.
    For this, I’m talking to Jürgen Geuter, better known as tante, wo has been thinking and writing about technology and people for decades.”
    –> Die reden auch über nicht-technologische Aspekte.

    kam via:
    https://nitter.net/tante/status/1253608045302685696

    Yo, und jetzt konzentrieren wir uns mal wieder um andere Themen der Digitalisierung & netzpolitischen Defiziten:
    * Warum sind alle Gemeinderatssitzugen nun einfach ausgesetzt?
    * …

  10. Danke für den Thread auf Twitter. Die Argumentation bzgl. Nutzung von Differential Privacy zur Echt- oder zumindest Nahzeitverfolgung des Pandemiestatus finde ich nachvollziehbar genug um meine Meinung zu ändern.

  11. Ein Aspekt, scheint mir in der Besprechung der Google/Apple tracing API zu sehr unterrepräsentiert: Die Transparenz des Ansatzes.
    Während die API-Spezifikation offen ist, wir die konkrete Implementierung wohl proprietär sein. Bei Apple ist das ja leider nicht erstaunlich. Insbesondere bei Tim genießt Apple ja einen sehr großen vertrauensvorschuss (guter track record ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Transparenz). Aber auch Google will die Komponentent in ihre proprietären Play Services integrieren.
    Inwieweit, passt das zu den veröffentlichten Leitlinien des CCC? Das schnellere Ausrollen über die Play Services bei Android ist in diesem Fall auch nur ein Scheinargument, da mit den Play Services auch ein aus offenem Quellcode reproduzierbar gebautes binary ausgerollt werden könnte. Stattdessen wird die tracing API in die proprietäre Komponente integriert, die auch schon Googles location tracking Komponente beinhaltet.

    Dass Geräte ohne Googledienste (Huwei, LineageOS) dann auch nicht für contact tracing genutzt werden können, ist angesichts des geringen Marktanteil dann sogar nur das kleinere Problem. Für die Hersteller dieser erwägt Google zwar, eine ins System integrierbare Komponente bereitzustellen, will sich aber explizit nicht dazu äußern ob diese open source sein wird (also nein).

  12. Technisch ist jetzt zumindest halbwegs der Weg geklärt, das ist gut.

    Wir müssen uns aber auch damit auseinandersetzen was die personen(gruppen)bezogenen Lockdowns für Implikationen haben, das wird die Akzeptanz massgeblich mitbestimmen.

    Beispiel: Arbeitgeber werden massives Interesse daran haben das nicht genau ihre Firma halb wieder nach Hause muss. Verstehe ich richtig dass durch den gewählten Ansatz der/die Melder nicht identifizierbar sind?

    Weiteres Thema: Man nehme an ich bin ein Arbeiter der nicht aus dem Homeoffice arbeiten kann. Ich hätte dann Existenzängste, ohne App kann ich weiterhin arbeiten gehen, und die Folgen davon ignorieren. Enthält die Quarantäne eine volle Lohnfortzahlung/Krankschreibung obwohl ich nur in der Nähe einer Person war?

    Ich denke die App muss von einem Gesetz begleitet werden welches klarstellt dass die Nutzung einem keinen Nachteil verschafft, sonst wird die Akzeptanz marginal sein.

  13. Schätze, der Herr FAZ-Redakteur abstrahiert lediglich von ihm Vertrautem.
    Ein paar Aktien kaufen, HVs mit Stunk-Reden und Verfahrenstricks in die länge ziehen und sich Beim nächsten mal als „Berater“ engagieren lassen, ist zB eine nicht unübliche Praxis in der börsennotierten Wirtschaft.
    Von der ach so freien Automobil-Journalie will ich gar nicht erst anfangen…
    kann ja nicht angehen, daß es Menschen gibt die das aus Prinzip anders handhaben…

  14. Welcher Wochentag ist? Weiß ich immer, denn ich bin von Montags bis Freitags im Homeoffice tätig, wie auch viele andere. Damit bin ich Teil der Hälft der Bevölkerung, für die sich was die Arbeit angeht, gar nicht so viel geändert hat. Bei vielen anderen ist das sogar noch viel weniger – Verkäufern, Handwerkern, Beitragenden zur Produktion und Logistikketten, Leuten in den Gesundheitsberufen etc.
    Dieser Split der Gesellschaft in Leute, die in Zwangsurlaub geschickt wurden und denen, für die die 40-Stunden-Wochen weitergehen ist nicht wirklich ein netzpolitisches Thema, könnte aber durchaus mal kurz angeschnitten werden. Hört man ja sonst nichts dazu.

  15. Erstmal grosses Danke an das Logbuch Netzpolitik-Team, macht weiter so!

    Heute bin ich bei der FAZ über diesen Kommentar eines Journalisten gestolpert und erinnerte mich gleich an diese Logbuch-Folge.

    https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/warum-deutschland-nicht-auf-netzaktivisten-hoeren-sollte-16751307.html

    Ohne in Verschwörungstheorien abdriften zu wollen, kommt man nicht umher, der FAZ ein Narrativ zu unterstellen, oder zumindest den Versuch, eines aufbauen zu wollen (welches dann vielleicht in den nächsten Wochen abgearbeitet wird). Natürlich ist ein Kommentar kein ausführlicher Artikel, aber wenn man mehrere Zeitungen/Nachrichten und Euren Podcast verfolgt, dann merkt man schon, wie manche Dinge doch stark polemisiert und überspitzt dargestellt werden.

    Zitat: “Die Bürger unterscheiden oft nicht zwischen der Expertise und dem Aktivismus der Hacker. Das ist ein Grund, warum die Nerds in Deutschland so viel Macht haben. Ein anderer ist, dass sie als Herrscher des Internets gelten, und damit auch des Shitstorms. Sie können es regnen lassen. Mit solchen Leuten möchte man sich nicht anlegen.”

    Aber der David (FAZ) wird es zum Glück mit dem Goliath (Nerds) aufnehmen, das wird ja sicher Klicks generieren. Insofern verfolge ich gespannt und mit eingeschaltetem Adblocker, was die FAZ in der nächsten Zeit für Content generieren wird (das Prädikat Nachrichten werde ich dem vielleicht erst danach geben).

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