LNP344 Klarnamenpflicht bei der FAZ

Tracing Support Apps — Nerdrepublik Deutschland — Gesetzt verstößt gegen die Polizei — Immunitätsausweis — Haftbefehl vs. Russian Hacker

Corona, Corona, Corona. Auch in dieser Folge ist es wieder das Leitmotiv, denn an allen Stellen brechen alte und neue Diskussionen auf. Wir gehen auf die teilweise übersteigerte Erwartungshaltung an Tracing Support Apps ein, klopfen uns selbst ein wenig auf die Schulter, grübeln wozu die Polizei Zugriff auf Infektionsdaten braucht und haben sogar eine gute Nachricht. Es war nicht alles schlecht in Coronazeiten.

Dauer: 1:29:54

On Air
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Prolog

Feedback: Tracing Support Apps

Feedback: Logbuch:Freiheit

Feedback: Nerdrepublik Deutschland

LNP Corona Avantgarde Rückblick

Rechtliche Regelung von Contact Tracing

Polizei greift auf Infektionsdaten zu

Immunitätsausweis am Testballon

Gute Nachrichten: .org bleibt unabhängig

Haftbefehl gegen russischen Hacker

Epilog

24 Gedanken zu „LNP344 Klarnamenpflicht bei der FAZ

  1. Schade, nach Google Youtube folgt nun mit Microsoft Github die nächste Datensammelkrake. Eine eigene Gitea Instanz wäre auch schön gewesen.

    • Lieber Tom,
      deine klugen Kommentare bereiten mir so viel Freude, dass ich bei der nächsten Gelegenheit alle mir zur Verfügung stehenden Tracker in die Webseite Logbuch-Freiheit einbauen werde.
      Ich habe jetzt schon mal im Webserver das Logging eingeschaltet und werde die Logs manuell bei Google Analytics hochladen, damit du das nicht sperren kannst.
      Um für eine Ausgewogenheit zu sorgen, sende ich jeden Zugriff auch live an Facebook.
      Für Apple habe ich noch keine Lösung gefunden. Daran arbeite ich.
      Das geile daran ist: all das werde ich bei Github veröffentlichen und du kannst dann keine Pull Requests anlegen, um das wieder raus zu patchen :-P

      • Ach Linus, nun es freut mich ja zu sehen, daß Du wenigstens den Teil meiner Kritik beherzigst und die MP4 Dateien auch zum direkten Download anbietest. Dafür ein Lob! Es tröstet zumindest ein wenig darüber hinweg, daß die Seite nur mit einem schwachen “C” Rating im Mozilla Observatory Test abschneidet. Handwerklich ist da noch Luft nach oben was CSP und ein paar Header anbetrifft. Was aber schmerzt sind Infos zum Datenschutz. Ausgerechnet auf einer solchen Seite. Ich persönlich fände es ja zumindest erwähnenswert dem interessierten Besucher mitzuteilen, daß seine IP und Browserdaten zusammen mit seinem dokumentierten Interesse an zwei Hosts in die USA gepetzt wird. Und alles nur wegen einem CC Logo bzw. Tracker, das nicht lokal eingebunden und verlinkt wird. Was sagt die Volljuristin im Team zu der fehlenden Datenschutzerklärung? Denn Serverlogs erstellst Du mit Sicherheit auch.

        Und damit dein angekündigtes Repo von Anfang ein wenig Stoff hat: Warum hast Du auf Deinem Webserver die SMB und MSRPC Ports 135, 139 und 445 offen? Sieht mir nach einer nicht aktivierten Firewall aus…

        Teilst Du mir die github Adresse Deines Vorhabens mit? Dann lege ich direkt einen Mirror auf meine eigene gitea Instanz vong Verhaltensdaten bei Microsoft her.

        In diesem Sinne viel Erfolg!

        • Warum hast Du auf Deinem Webserver die SMB und MSRPC Ports 135, 139 und 445 offen? Sieht mir nach einer nicht aktivierten Firewall aus…

          Oha, da hast du entweder den falschen Host gescannt, oder das Ergebnis deines Portscanners falsch verstanden. Kein Problem, ich erkläre dir gern, wie du einen Portscan machst:
          1. IP-Adresse herausfinden. Zum Beispiel mittels nslookup:

          nslookup logbuch-freiheit.de

          2.Portscan machen. Zum Beispiel mit nmap:

          nmap 78.46.39.37

          3. Ergebnis verstehen. Wenn zum Beispiel an den Ports 135, 139 und 445 “filtered” dran steht, dann bedeutet das: Filtered means that a firewall, filter, or other network obstacle is blocking the port so that Nmap cannot tell whether it is open or closed.
          In diesem Fall übrigens schon von Seiten des RZ aus :-)

          Portscanner sind ein wichtiges Tool – nach ein bisschen Einarbeitung kann man damit auch interessante Sachen herausfinden.
          Happy Hacking!

  2. Ein Anhang wird nicht angehangen, sondern angehängt. Und weil es aus Podcasters Munde leider noch immer gelegentlich wehtut, zu hören (ohne Bezug zu dieser Episode; höre gerade noch): auf “insofern (…), als” folgt nicht auch noch ein “dass”. Die verantwortlichen Gewalttäter werden gebeten, umsichtigere Menschen zu werden.

    • Dies ist Timotheus von Nigerien. Ich spreche für Prinz Corona und machen Ihnen Angebot von besonderen Schwere die nicht ablehnen können bringen ihnen ausnehmende Paket mit Inhalt von Reichweite und Ausmass wo nicht bekannt war vorher in ihre Land. Antworten auf diese Kommentar und erhalte 1000 Bitcoin SOFORT mit Ausfüllen von angehangene Datei!

  3. Ich habe den großen Fehler begangen, die letzten Folgen LNP nicht direkt zu hören, und möchte daher noch kurz einen Hinweis zur letzten Folge anbringen, weil ich mal davon ausgehe dass er hier besser aufgehoben ist.
    Ihr habt zu Beginn der letzten Folge ein Szenario eröffnet, in dem man vereinfachten Zugang zu einem Corona Test bekommen könnte, wenn man durch die App auf einen Kontakt mit einer zertifiziert infizierten Person hingewiesen wurde – man würde salopp gesagt einen QR Code bekommen, mit dem man direkt zum Corona Drive in fahren dürfte.
    Das widerspricht auf mehrere Weise dem vom CCC geforderten Diskriminierungsverbot. Erstens würde man dann doch für die Installation der App indirekt bevorzugt. Gleichzeitig gibt es in diesem Land mittlerweile viele Menschen ohne Auto und Führerschein. Aber ganz realistisch: Wenn man von einer Freiwilligkeit als höchstem Gut ausgeht, darf es weder solche Anreize, noch Anreize zur Autorisierung durch Vorzeigen des eigenen Handys – Träger äußerst sensibler personenbezogener Daten – oder sonst etwas geben. Die einzig legitime Forderung ist ein Ausbau der Testkapazitäten und -Geschwindigkeiten, um in jedem Fall möglichst schnell und präzise handeln zu können. Auch bei meiner Oma, die ohne Handy einkaufen geht.

    • Ich sehe da nicht wirklich eine Kollision. Zugang zu Corona-Tests muss nicht diskriminierungsfrei bereitgestellt werden – wird er auch jetzt nicht, denn es gibt Kriterien, nach denen Tests vorgenommen werden (z.B. Kontakt zu einem nachweislich infizierten Individuum – na, klingelt’s?). Und da besteht auch kein Diskriminierungsproblem, so lange es jedem offen steht, diese App zu nutzen (und dadurch von Kontakten zu Infizierten zu erfahren, die Grund für einen Test sein könnten) und die Kriterien für Tests auf jedermann gleich angewendet werden (hier sehe ich in der Praxis völlig abseits einer App eher Diskriminierung bei diesem mysteriösen Zugang zu Tests, den Promis seit Beginn der Pandemie über irgendwelche Kanäle zu haben scheinen…).

      Problematische Diskriminierung bestünde, wenn die Installation der App und das Nichtvorhandensein einer Warnung als Kriterium für Zugang zu ansonsten öffentlichen Orten herangezogen würden. Dass das verhindert werden muss, da geh ich mit. Aber einen per App nachgewiesenen Kontakt als ausreichenden Grund für die Allokation eines Corona-Tests zu betrachten und diesen Prozess z.B. mit der Bereitstellung eines “Freigabe-Codes” zur Vorlage an einer Teststelle bestmöglich zu beschleunigen und zu automatisieren hat mit Diskriminierung nichts zu tun. Sehr wohl allerdings mit Maximalisierung des Nutzens einer Contact-Tracing-App im Sinne der öffentlichen Gesundheitsfürsorge, weswegen ich stark hoffe, dass etwas derartiges in der Mache ist.

    • Das widerspricht auf mehrere Weise dem vom CCC geforderten Diskriminierungsverbot. Erstens würde man dann doch für die Installation der App indirekt bevorzugt. Gleichzeitig gibt es in diesem Land mittlerweile viele Menschen ohne Auto und Führerschein.

      1. auch heute schon bekommst du Tests einfacher (oder gar nur) wenn du einen konkreten Anlass für einen Verdacht vorweisen kannst. Das ist keine Frage der App, sondern heute schon Realität.
      Dass Leute kein Auto haben ist ebenfalls ein Problem, das außerhalb des Bereichs einer App liegt; es soll aber angegangen werden: Test-Taxi ist das Stichwort.
      Natürlich ist ein Ausbau der Test-Kapazitäten das wichtigste.

  4. Würde gerne auf iOS den YouTube Inhalt von Linus abonnieren. Geht das?
    Ich war auf dieser github Seite. Sehe weder einen rss link noch einen subscribe Knopf.
    Ich bitte meine technische Inkompetenz zu entschuldigen. Ich bin ein Hacker im geiste aber nicht am Keyboard

  5. Der Angriff auf das Team des ZDF macht mir – insbesondere wegen der Heftigkeit – Sorgen. Ich fürchte das die Saat, die mit “Lügenpresse” gesät wurde, jetzt mit dem “Dünger” COVID-19 aufgeht, und wir noch mehr davon sehen werden.

    Die sogenannten Hygienedemos, was in der Sache ein Sammelbecken für Nazis, (linker) Querfront, Esoteriker*Innen, Verschwörungstheoretiker*Innen ist, erinnern mich erschreckend an den Film die Mondverschwörung von Thomas Frickel. In diesem Film von 2011 wird der fließenden Übergang von Esoterik hin zu (rechten) Verschwörungstheorien dokumentiert.
    Vor dem Hintergrund kann ich Hippies die Corona irgendwie “weg tanzen” wollen, nichts Positives abgewinnen. Leider noch nicht mal mehr auslachen.

  6. Eurer Podcast ist im Bereich Netzpolitik eine der wichtigsten und IMHO besten Podcasts den ich kenne. Vielen Dank Linus, Tim und alle SupporterInnen für Eure viele und gute Arbeit!
    Die Reichweite von Logbuch-Netzpolitik kenne ich nicht, aber es gibt wohl sog. Blacklists in Unternehmen die u.a. auch Logbuch-Netzpolitik sperren. Ein Aufruf der Domain logbuch-netzpolitik.de ist somit oft gar nicht möglich. Was da genau dahinter steckt (pöse pöse verdächtige Domain, oder allgemeine Einstellungen der secOp) weiss ich noch nicht, werde ich aber bei Gelegenheit mal nachfragen.
    Ihr bedient nunmal nicht die mainstream Kanäle und das ist auch gut so wie ich finde. Dann ist es aber auch nur logisch, dass die Reichweite medial etwas begrenzter ist. Aber ihr bleibt so authentisch, seriös und eurer Policy treu. Subs und sonstwelche Loots zur Monetarisierung braucht/wollt ihr nicht und ich hoffe ihr packt das auch so …

  7. Zum Thema “Gesundheitskarte”: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es einen solchen “Immunitätsnachweis” geben wird, da es zum jetzigen Zeitpunkt medizinisch nicht 100%ig ausgeschlossen werden kann, dass eine Neuinfektion mit SARS-CoV-2 ausgeschlossen ist und derjenige nie mehr an Covid-19 erkranken kann. Es gibt bei La Roche wohl einen Test, der nachweist, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 vorgelegen hat. Wenn es denn (hoffentlich) irgendwann mal einen Impfstoff gibt und eine Impfung vorgenommen wird, dann wird diese Impfung in das vorhandene Impfbuch eingetragen. Das sollte jedeR haben und damit ist dann zumindest ein Nachweis der Impfung vorhanden. Um dieThematiken der Nachweise einer Impfung und Immunität (bzw. der Nachweis einer Immunität) gegen SARS-CoV-2 wird es gehen, wenn wir wieder Großveranstaltungen haben wollen. Ohne diese Nachweise wird es m.E. keine Großveranstaltungen mehr geben können, bzw. nur noch denjenigen Einlass gewährt die diesen Nachweis erbringen (können). Corona-Hotel wird da nix nützen. Es muss eine staatlich anerkannte Stelle sein, welche diese Nachweise (so diese denn zertifiziert ausgestellt werden können) amtlich bestätigt. Ohne einen Impfstoff wird es dann keine herkömmlichen Großveranstaltungen geben.

  8. Heyo,
    danke für die immer wieder guten Podcasts, die ich immer wieder ganz oben in meine Podcast-Queue einsortiere, sobald sie rauskommen.

    Ich habe eine Ergänzung zu den hirnverbrannten Hippies und Corona-Vollpfosten (min 35:30). Das Problem ist glaube ich ernster, als es auf den ersten Blick aussieht.

    Hier geht es ja im Kern um Dissonanz im öffentlichen Diskurs: Menschen kommen trotz gleicher Datengrundlage zu unterschiedlichen Rückschlüssen über die Welt (siehe Klimawandel, Tempolimit, etc).
    Der in der Forschung dominierende Erklärungsansatz für solches Verhalten ist “motivated reasoning” – zielgerichtetes Interpretieren der Datengrundlage. So ein Ziel kann ‘Gruppenzugehörigkeit’ sein – es kann für eine Republikanerin “rational” sein den Klimawandel zu Leugnen, wenn das bedeutet, dass sie ihren Freundeskreis behält. Und es war für den Chemiegiganten DuPont “rational” die Ozonlochkrise klein zureden, weil sie mit den verursachenden FCKW gutes Geld verdienten.

    Ich denke im Netz beobachten zu können, dass auch die gegenwärtige Dissonanz auf ‘motivated reasoning’ zurück zuführen ist: Die Menschen sind hochmotiviert aus ihren Häusern zu kommen und ihre Freunde zu sehen. Dementsprechend kann es wirklich sein, dass weite Teile der Bevölkerung gerade deutlich empfänglicher für Verschwörungsschwurbel sind. Die Quacksalber bekommen Aufwind, denn sie sagen, was die Leute hören wollen: “Die Maßnahmen sind übertrieben und müssen sofort beendet werden!!!11!” Das Problem ist halt, dass sich diese Gewissheit nur mit Verschwörungsschwachsinn begründen lässt, weil wissenschaftliche gesicherte Erkenntnisse bisher schlicht keine gewisse Aussagen zulassen – keine wissenschaftliche Position befriedigt die Motivation.

    Ich vermute, dass Tim recht hat, wenn er mutmaßt, dass jetzt gerade viele in die Fänge von rechten Spinnen geraten und sich mitreißen lassen. Zu den Leuten, die, wie Linus sagt, jetzt einfach nach oben schwimmen, gesellen sich wohl nicht nur Spinner, die bisher privat vor sich hin gesponnen haben, sondern eben auch Leute, die bisher unpolitisch waren und dank ihrer dadurch geringen Medienkompetenz ein gefundenes Fressen sind.

  9. Zur (Un-)Sinnhaftigkeit von Immunitätsausweisen:
    Die Immunität müsste man ja irgendwie nachweisen. Dafür kommen meines Erachtens nur Antikörpertests in Frage, da der (sehr zuverlässige) PCR-Test nur 1-2 Wochen nach der Ansteckung funktioniert.

    Antikörpertests haben aber aktuell für einzelne Personen nur eine Zuverlässigkeit von 50% wie folgende Rechnung zeigt:

    Aktuell haben geschätzt 2-3% der Bevölkerung Covid-19 durchgemacht (und sind wahrscheinlich immun) gleichzeitig haben Antikörpertests eine Falsch-positiv rate von ebenfalls 2-3%.

    Wenn wir also 100 Millionen Menschen testen, dann sind 2-3 Millionen tatsächlich positiv und noch einmal 2-3 Millionen falsch positiv. D.h. jeder einzelne positiv getestete hat eine 50% Chance falsch positiv zu sein.

    Unter diesen Voraussetzungen hat ein Antikörpertest (und somit auch ein Immunitätsausweis) für jeden einzelnen so gut wie keinen Wert, da das Risiko falsch positiv zu sein viel zu hoch ist.

    Antikörpertests sind also im Moment nur für epidemiologische Studien (und das dazugehörige Marketing) zu gebrauchen.

    Sobald es eine Impfung gibt und ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist, würde auch ein Antikörpertest für den Einzelnen wieder zuverlässig sein (da dann die Chance positiv zu sein deutlich höher ist als die falsch-positiv Rate der Tests). Dann kann man aber auch gleich (wie auch bisher üblich) den Impfausweis benutzen.

    tl/dr: Statt dünner Spähnchen zu bohren und Immunitätsausweise auszustellen sollte man lieber einen Impfstoff entwickeln und dan existierende dicke Bretter (Impfausweise) verwenden.

  10. Moin!
    Ergänzung zum Thema Impfpass/Immunitätsausweis:

    Es gibt im Impfpass bereits die Kategorie der Antikörpertests für Röteln und Virushepatitis A und B. Hier werden neben dem Datum Methode, Titer und “Schutz vorhanden” (Röteln) bzw. Datum, Test und Ergebnis (Hepatitis A/B) erfasst. Diese Informationen sind für jedes der Viren jedoch anders zu interpretieren: Der Antikörpertest bei Röteln kann unterscheiden zwischen akuter Infektion und Immunitätsstatus nach Impfung bzw. durchstandener Erkrankung. Für Hepatitis A bedeutet ein positiver Antikörpertest, dass eine mit hoher Wahrscheinlichkeit lebenslange Immunität gegen das Virus vorliegt. Im Fall der Hepatitis B ist es komplizierter. Aus dem Antikörperstatus lässt sich kein Immunitätsstatus ableiten, sie dient der Verlaufsbeurteilung einer Infektion sowie der Ansteckungsgefahr, die selbst bei vorliegenden Antikörpern noch gegeben sein kann. Selbst bei diesen lange bekannten und gut erforschten Virusinfektionen lässt sich aus dem Antikörperstatus im Impfpass für die Laiin also nicht ohne Weiteres eine Immunität ablesen.
    Über Immunität gegen SARS-CoV-2, also wie lange sie bestehen und wie vollständig sie sein kann, wissen wir aktuell noch viel zu wenig, als dass ein entsprechendes Dokument zum Antikörperstatus mindestens in den nächsten Monaten wirklich sinnhaft umgesetzt werden kann.

    Die datenschutzrechtlichen Implikationen eines solchen Dokuments über den Antikörperstatus gegen SARS-CoV-2 und das zweifelsohne hohe Diskriminierungspotential dessen stehen natürlich auf einem anderen Blatt.

  11. Falls Interesse besteht: Die Situation zur Schweizer Contact Tracing App (“Swiss PT-APP”) könnt Ihr hier etwas nachlesen: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov/situation-schweiz-und-international.html#-329265180

    Offenbar dezentral aufgegleist, die technischen Hintergründe habe ich (noch nicht) nachgelesen. Das Rad wird dabei aber kaum neu erfunden werden. Ein schönes Faktenblatt zur App gibt’s hier: https://www.bag.admin.ch/dam/bag/de/dokumente/cc/kom/covid-19-faktenblatt-swiss-pt-app.pdf.download.pdf/BAG_Faktenblatt_Coronavirus_Swiss-PT-App.pdf

  12. Datenschutzrechtliche Anforderungen an “Contact Tracing Applications” und deren Datenverarbeitung formulierte kürzlich der Europäische Datenschutzausschuss, der Zusammenschluss aller europäischen Datenschutzaufsichtsbehörden. Es ist anzunehmen, dass diese Guidelines die Grundlage der Bewertungen aus datenschutzbehördlicher Sicht sein werden.[1][2]

    Es bleibt festzuhalten, dass die Wirksamkeit der fortwährend erwähnten Studie auf einem mathematischen Modell unter der Annahme bestimmter, hier kaum umsetzbarer Bedingungen beruht (siehe Verweis der Studie auf einen Artikel der NYT über das chinesische Modell). Nach wie vor existieren keine evidenzbasierten Analysen zur Wirksamkeit und nach wie vor sind einige Punkte offen. Das bestätigte G.Fettweis (Inhaber des Lehrstuhls für mobile Nachrichtentechnik der TU Dresden und Mitentwickler von PEPP-PT) am 08.05. in einem Podcast, der verschiedene Aspekte der App aus epidemologischer und technischer Sicht erläutert.[3]

    In letzter Zeit vermisse ich eine sachlich differenzierte Betrachtung der Äußerungen anderer. Auch Linus gibt nur seine Meinung in seinem Podcast wieder; auch Drosten hat nur seine Meinung zur App-Idee der Studie geäußert. Wo also ist das Problem, wenn andere dies ebenfalls tun? Das Bestreben, Virologen/Epidemologen vergleichen oder präferieren zu müssen, befremdet. Denn ausschlaggebend ist, mit welchem Schwerpunkt welche Informationen vermittelt werden, ob diese Informationen korrekt sind und ob sie vom Gegenüber verstanden werden. Man kann sich übrigens beide anhören/anlesen und eine Menge dabei lernen. Ad personam Taktiken hingegen überzeugen nicht – egal ob das Ziel ein Virologe oder FAZ-Redakteur ist, dessen Name bei Tante Wikipedia nachgeschlagen werden kann, und gleichgültig, ob dieser Unsinn erzählt/schreibt. Oder sollte man darüber nachdenken, welche der Veröffentlichungen von Linus ihn dazu befähigen, psychologische Ratschläge für einen Lockdown zu geben? Die zuletzt gehäuften Unsachlichkeiten in Linus’ Ausführungen enttäuschen und sind schließlich Grund dafür, dass ich mich vorerst aus dem Hörerkreis verabschiede.

    [1] Guidelines 04/2020 on the use of location data and contact tracing tools in the context of the COVID-19 outbreak,
    https://edpb.europa.eu/our-work-tools/our-documents/guidelines/guidelines-042020-use-location-data-and-contact-tracing_en
    [2] Guidelines 03/2020 on the processing of data concerning health for the purpose of scientific research in the context of the COVID-19 outbreak,
    https://edpb.europa.eu/our-work-tools/our-documents/guidelines/guidelines-032020-processing-data-concerning-health-purpose_en
    [3] https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/kekule-corona/tracing-app-fettweis-100.html

  13. Hallo,

    wie ist das eigentlich, wenn man als Corona-Genesener Langzeitschäden in der Lunge mitnimmt und eine Immunität nicht wirklich stattfindet, ist man dann nicht Risikogruppe in der 2. Welle?

    Der Impfpass kann also auch in die andere Richtung wirken…

    Viele Grüße
    Erich

  14. Zu der Datenweitergabe an die Polizei.
    Mich würde es interessieren woher Linus die max. 4 Tage Infektiosität hat? Das RKI geht von 8 Tagen nach Symptombeginn aus. Sie beziehen sich auf eine Studie in Nature bei der bis 8 Tage nach Symptombeginn replikationsfähiges Virus nachgewiesen wurde. Diese Erkenntnisse sind ausserdem noch sehr vorläufig es kann sich auch noch gut zeigen das Menschen länger (oder kürzer) infektiös sind.
    Ich fände es ehrlich gesagt albern wenn jemand der frisch nachgewiesen Covid19 positiv ist, festgenommen würde und die Polizei nicht wissen darf das der Mensch möglicherweise infektiös ist. Das dient ja nicht nur dem Schutz der Beamten sonder auch dem anderer Festgenommener.

    Den Einwand das die Polizei sich ja sowieso immer schützen sollte ist in meinen Augen eher Realitätsfern, weder Klinikpersonal läuft den ganzen Tag in voller persönlicher Schutzausrüstung rum (die wird nicht nur zum Spaß “Minisauna” genannt), noch habe ich mitbekommen das die Polizei das tut. Es mach im Alltag schon einen Unterschied ob jemand Verdachtsfall/bekannt Positiv ist oder nicht.
    Das RKI gibt auch Empfehlungen für Einsatzkräfte heraus um solche Personen zu erkennen und sich dann ggf. schützen zu können.

  15. “Die unteren Klassen konnten diesen Zustand nicht ertragen und sahen, den unsinnigsten Gerüchten Glauben schenkend, in den getroffen Maßnahmen nur Mittel zu ihrem Verderben. … denn die aufgeregte Menge stand, von einigen Unruhestiftern irre geleitet, in dem Wahn, dass man die Cholera und ihre Sicherungsmaßnahmen nur gebrauche, um den “gemeinen Pöbel auszurotten'”.
    Fr.Friede, Chronik der Stadt Stettin, 1849, Seite 919

    https://books.google.de/books?id=E_wAAAAAcAAJ&pg=PA916&lpg=PA916&dq=fr.+thiede+cholera&source=bl&ots=5jEkdE6PrT&sig=ACfU3U2TL7qsHJ40JrCZRPJaHi-1OhnF8A&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwiXlMPw-JbpAhUEyaQKHWu7BXoQ6AEwA3oECAgQAQ

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