Feedback — Chatkontrolle — Social Media Sucht — Altersbegrenzung Social Media — Digitale Gewalt Derailing — Palantir und biometrische Fahndung — Ransomware-Erpresser — Hackereien — Informationsfreiheit in Berlin
Ein bunter Themenstrauß erwartet Euch und wir klären Euch auch endlich auf, was es mit den Elfen auf sich hat, damit ihr endlich mitlachen könnt. Diese Sendung analysiert Euch Hörerinnen und Hörer grundlegend und wir wissen jetzt richtig Bescheid. Daher auch keine guten Nachrichten für Euch, damit wir Euch ordentlich bei der Stange halten. So lautet das Gesetz. Dafür ganz viel Bonusmaterial. Das habt Ihr Euch verdient.
Für diese Episode von Logbuch:Netzpolitik liegt auch ein vollständiges Transkript mit Zeitmarken und Sprecheridentifikation vor.
Bitte beachten: das Transkript wurde automatisiert erzeugt und wurde nicht nachträglich gegengelesen oder korrigiert. Dieser Prozess ist nicht sonderlich genau und das Ergebnis enthält daher mit Sicherheit eine Reihe von Fehlern. Im Zweifel gilt immer das in der Sendung aufgezeichnete gesprochene Wort. Formate: HTML, WEBVTT.
Transkript
Shownotes
Prolog
- chrrp: chrrp — what are you doing?
Feedback
Windchill/FlexPLM
- Logbuch:Netzpolitik: LNP549 Schrödingers Katzenmusik – Kommentar von Jan aus Bielefeld
- Logbuch:Netzpolitik: LNP549 Schrödingers Katzenmusik – Kommentar von Hendrik
Chatkontrolle
- heise online: Aus für Chatkontrolle: Brüssel macht Tempo für Dauerlösung
- heise online: Chatkontrolle: EU-Parlament sagt auch beim zweiten Mal „Nein”
- digitalcourage.social: Patrick Breyer (@echo_pbreyer@digitalcourage.social)
Social-Media-Sucht
- DZPG – Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit: Social-Media-Sucht: Junge Generation besonders gefährdet
- Die Nachrichten: Womöglich wegweisendes Urteil in den USA – Instagram und YouTube verlieren Prozess wegen Social-Media-Sucht
- www.mdr.de: Nach Urteil von US-Gericht: Klagen wegen Social-Media-Sucht auch in Deutschland wahrscheinlich | MDR.DE
- www1.wdr.de: Klage in den USA: Instagram und Youtube wegen Social-Media-Sucht zu Schadenersatz verurteilt
- tagesschau.de: US-Gericht macht Google und Meta wegen Social-Media-Sucht haftbar
- tagesschau.de: Instagram und YouTube: Was das US-Urteil gegen Online-Plattformen bedeutet
Altersbegrenzung Social Media
- www.spiegel.de: Social-Media-Verbot: Australien ermittelt gegen Techkonzerne wegen Verstößen
- netzpolitik.org: Jugendschutz-Leitlinien: EU-Kommission gibt klares Jein zu Alterskontrollen
- eur-lex.europa.eu: DSA
- www.gesetze-im-internet.de: Grundgesetz
- cdn.netzpolitik.org: Zur Beschränkung und zum Verbot von Social-Media-Plattformen [PDF]
Digitale Gewalt Derailing
- DIE ZEIT: Schutz vor Cyberkriminalität: Justizministerin plant Speicherung von IP-Adressen für drei Monate
- Ars Technica: OkCupid gave 3 million dating-app photos to facial recognition firm, FTC says
- DIE ZEIT: Friedrich Merz: “Wir haben eine explodierende Gewalt in unserer Gesellschaft”
- LinkedIn: Linke fordert Maßnahmen gegen digitale Gewalt | Anne Roth
- radiocorax.de: Gesetzesentwurf gegen sexualisierte Übergriffe im Netz – Radio CORAX
- Fun Facts: Nu(h)r Zweifel säen: Die Männer-Masche im Ulmen-Fall | Fun Facts mit Marlo Grosshardt
Palantir & biometrische Fahndung
- UKW: UKW143 Iran: Verstärktes Doomscrolling
- heise online: Mutmaßlicher US-Angriff auf Schule in Iran: Palantir-System rückt in den Fokus
- www.ccc.de: Gemeinsame Stellungnahme im Rahmen der Verbändebeteiligung zu den Gesetzentwürfen zur Stärkung digitaler Ermittlungsbefugnisse in der Polizeiarbeit sowie zum Gesetzentwurf zur Stärkung digitaler Ermittlungsbefugnisse zur Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus [PDF]
- www.ccc.de: CCC | CCC lehnt Palantir-Gesetze und biometrische Rasterfahnung ab
- Wikipedia (de): Brazil (1985)
REvil: Ransomware-Erpresser “identifiziert”
- media.ccc.de: Hirne hacken: Hackback Edition
- YouTube: 37C3 – Hirne hacken: Hackback Edition
FBI-Chef: E-Mail-Hack
Ex-BND-Vize: Signal-Hack
- www.spiegel.de: Phishingversuche bei Signal: Behörden warnen vor Hackerangriffen auf Politiker und Journalisten
- www.spiegel.de: Spionage: Ehemaliger BND-Vize von Cyberangriff betroffen
- www.spiegel.de: Hackerangriffe auf Journalisten und Politiker – niederländische Geheimdienste beschuldigen Russland
Informationsfreiheit Berlin
- Verfassungsblog: Kahlschlag bei der Informationsfreiheit
RIP FX
- Wikipedia (de): Felix Lindner (Hacker)
- blog.recurity-labs.com: Farewell, Felix · The Recurity Lablog
- phenoelit.de: TTL exceeded – In memory of FX
- Berliner Zeitung: Pionier der Hackerkultur: Felix Lindner mit 49 Jahren in Berlin gestorben
- CRE: Technik, Kultur, Gesellschaft: CRE022 Windows Security
- alternativlos.org: Alternativlos #25 mit Felix „FX“ Lindner
Termine
Hackover
- hackover.de: hackover.de
- talks.hackover.de: 100 Years Of Hackover – The Grand Anniversary Gala
Epilog
Bonus Tracks
Merz leck Eier
- taz.de: „Merz leck Eier“-Banner an der TU Berlin: Doch nicht das Gelbe vom Ei?
- x.com: Link to x.com
- taz.de: Schulstreiks gegen die Wehrpflicht: „Wir wollen nicht für irgendwelche Politiker sterben“
- YouTube: VITA – MERZ LECK EIER
Eure Schmähkritik bezüglich Herrn Merz ist ein bischen sehr unter der Gürtellinie. Woher kommt er nur, dieser Hass im Netz? HateAid, übernehmen Sie. Ich für meinen Teil schalte ab.
https://youtu.be/zcBEupFOllo?is=_Mq6JWOaUt-TGGut
https://youtu.be/jcB4zu4KX10?is=qyQvfAebO8vR8kiD
https://www.youtube.com/watch?v=KSbwgmBfbcw
https://www.youtube.com/watch?v=ruDKw3Uck8Y
Merz ist nur eine Einzelperson. Wieso wird sie zu Rate gezogen, für Dinge, die kollektiv falsch laufn? Wenn die Bundeswehr kein Personalmangel offiziell begründen darf, was bleibt ihr anderes übrig?
Das mit den Eier lecken ist aber schon ein bisschen witzig und bisschen gay.
Der ZTa Atrikel ist auch Qualitätsjounalismus:
„Ob „Merz leck Eier“ eine unwahre Tatsache oder eher eine nachdrückliche Aufforderung ist, liegt wohl im Auge des Betrachters, “
– > es ist wirklich schwrierig, was da gemeint sein könnte. vielleicht brauchen wir eine umfrage. wenn der krieg im iran vorbei ist, warum treffen sich die leute nicht in der usa?!
Die implizierte Homophobie in „Merz leck Eier“ stößt wirklich unangenehm auf, wenn das eine Beleidigung sein sollte.
Das kann eine Beleidigung sein und muss trotzdem nicht homophob sein.
Das kann auch einfach meinen er wäre ein Schleimer.
also du meinst, merz sollte einfach mal wieder mit seinem charme ein wenig übers ziel hinausschießen? und man fordert ihn damit zu etwas auf, was er schon macht? unsicher
du hast aber auf jeden fall recht, da es ja ausschließlich menschen mit eiern gibt. biofrauen haben millionen von eiern.
würdest du sagen, dass jeder schleimer auch ein eierlecker ist? man muss es halt auch irgendwie vom eierlikör trennen
Immer mit der Ruhe, weder ist damit irgendetwas anderes als das Gesagte impliziert, noch wurde behauptet, „es gäbe nur Menschen mit Eiern“.
Ich habe lediglich !eine! weitere Möglichkeit der Interpretation benannt, wie beim aufmerksamen Lesen an der Phrase „muss trotzdem nicht“ deutlich geworden sein sollte. Gerne aber noch expliziter: „[…] muss trotzdem nicht [zwangsläufig/unbedingt/zwingend/…] homophob sein“
Also du meinst, es kommt eher davon?
https://de.wikipedia.org/wiki/Leck_mich_im_Arsch
Für mich persönlich reicht das, dass es eine homophobe Konnotation gibt.
Wenn es eine Beleidigung sein soll, und sie nicht homophob ist, dann muss mit Eier-lecken etwas negatives gemeint sein, was nicht im Zusammenhang steht mit Männern und Geschlechtsverkehr steht. Es könnte um die Ostereier gehen.
https://en.wikipedia.org/wiki/Teaching_grandmother_to_suck_eggs
Ich versuche ja nur die Jugendsprache zu verstehen
Wir müssen wieder lernen das Menschliche vom Politischen trennen zu können.
Beispiel Islam: Seit drei Generationen Teil dieses Landes, doch radikale Predigten hauptsächlich ausländischer Imame in Moscheen erschweren vielen Liberalen ihre persönliche religiöse Praxis hier. Das ist politisches Versagen über lange Zeit und alle Milieus hinweg. Erst seit Kurzem wird dieses Problem angegangen: https://mediendienst-integration.de/bevoelkerung/muslime-in-deutschland/imamausbildung-in-deutschland/
Wären alle Menschen nur politisch motiviert, wäre der Islamismus ein viel größeres Problem. Die links-liberalen Kreise sollten ihr Veragen hier auch anerkennen, stattdessen reagieren sie oft weiterhin zu naiv. Rechtskonservative Fremdenfeindlichkeit ist dadurch nicht zu entschuldigen; es ist gut, dass ihr das benennt und euch mittlerweile darum bemüht, dass Diskussionen sachlich geführt werden.
Unsere Stärke liegt im Austausch zwischen Progressiven und Konservativen, basierend auf Dialog, Respekt und besseren Argumenten. Vorpolitisch sollten wir klären, welche Menschenbilder unsere Debatten prägen um wieder einen klareren Blick zu entwickeln.
Ist das egentlich wirklihc der Ernst der Linken, dass sie sich ausdrücklich für die Chatkontrolle aussprechen?! Weil genau das ist das was digitale Gewalt bekämpft.
Ich verstehe, das Privatsphäre ein riesengroßer Markt ist und dass man sich da eine Scheibe abschneiden möchte.
Aber die Leute, die gegen Gewalt im Netz sind, sind ironischer Weise nicht links sondern rechts. Das ist gruselig. Sie können sich ja dann auch rechts nennen, wenn sie unbedingt meine Freiheit beschneiden möchten um mich zu beschützen :D Will die Linke sich nicht lieber Afd nennen?
> Ist das egentlich wirklihc der Ernst der Linken, dass sie sich ausdrücklich für die Chatkontrolle aussprechen?!
Quelle?
Das dies nachweislich Hass im Netz bekämpfen würde wäre erstmal zu beweisen. Bislang ist das nur eine in den Raum gestellte Behauptung.
Die Sabotage des Berliners IFG, wird ja vermutlich mit dem Stromausfall in Berlin begründet. Es wurde ja schon ausreichend besprochen dass man scheinbar sehr leicht erkennen konnte dass die Kabelbrücke ein kritischer Punkt ist – auch ohne IFG-Informationen.
Ist der Ansatz jetzt Security by Oscurity?
Aber zu Linus Einleitung: Wurde denn in dem Zug jetzt auch das parlamentarische Fragerecht zu KRITIS eingeschränkt?
Endlich kann ich „mal in LNP zitiert werden“ auf meiner Bucket-List abhaken :-)
FunFact zum Thema PLM: Ich habe in der IT eines Lebensmittelkonzerns die PLM-Einführung begleitet.. der Firmeninhaber wollte bei Microsoft einfordern, die Screenshot-Funktion in Windows zu deaktivieren. Begründung: Damit könne man ja die in der Anwendung gespeicherten Rezepturen „abfotografieren“ und aus dem System rausholen… ;-)
Aber gut, mittlerweile haben wir Smartphones Apps, die sich weigern, gescreenshottet zu werden.. also war er damals vielleicht doch einfach ein bisschen der Zeit voraus :-)
Deutsche (Kartoffeln) sind faul und arbeiten nicht genug.
Sieht aus als würden CDU/Merz und Linus doch auch mal eine Meinung teilen.
Bzgl. Des Bonus-Tracks „Merz leck Eier“ : das war ein Schild auf einer Schulerdemo gegen die Wehrpflicht. Die Polizei beschlagnahmte das Schild und leitete Ermittlungen gegen den 18-jährigen Schüler wegen Beleidigung ein. Als das bekannt wurde (Streisandeffekt) gab es verschiedene Aktionen, u.a. Das Plakat an der TU und der Song…
„Bei einer Demo gegen die Wehrpflicht beschlagnahmt die Polizei ein provokantes Merz-Plakat. Nun droht ein Verfahren.“
https://www.bz-berlin.de/berlin/18-jaehriger-zeigt-eier-plakat-gegen-merz-polizei-ermittelt
Hinweis: Der folgende Kommentar wurde zuvor als Thread im Fediverse veröffentlicht, weil ich zu dem Zeitpunkt die Kommentarmöglichkeit hier nicht kannte.
https://social.tchncs.de/@cark/116357517463455572
—
In dieser Episode (550) geht Linus ab 00:33:00 ausführlich auf das Thema (kaputte) Diskussionskultur ein. Das hat mich sehr gefreut.
Weil ich dieses Meta-Thema für äußerst wichtig für das Fortbestehen der freiheitlich demokratischen Grundordnung halte, möchte ich seine Gedanken mit einer aus meiner Sicht etwas tiefer gehenden Analyse ergänzen und darauf aufbauend zarte Lösungsansätze zur Diskussion stellen:
Das Einstiegszitat aus der Episode:
> […] häufig, wenn solche Themen diskutiert werden, beobachtet man leider, leider, leider, so ein Derailing der Diskussion. Da gibt es also irgendwie toxische Mechanismen, die es verhindern, dass eine nüchterne, zielgerichtete Debatte den Konflikt würdigt.
Soweit gehe ich absolut mit.
Allerdings bleibt die Analyse dann bei der Feststellung stehen, dass Akteure wie #FriedrichMerz daran Schuld und eine Fehlbesetzung sind. Das kann man so sehen, verkennt aber die tieferen systematischen Ursachen. Auch wenn er morgen wundersam aus der Öffentlichkeit verschwände, wäre die Debattenkultur nicht besser. Dass ein:e Politiker:in versucht, aktuelle Ereignisse für eigene Zwecke zu instrumentalisieren, ist kein Bug sondern ein Feature dieses Berufs. Ziel ist es nicht, Probleme zu lösen, sondern die eigene Macht zu vergrößern oder mindestens zu erhalten. Wer das nicht macht, kommt gar nicht erst in relevante Positionen oder wird schnell wieder abgesägt.
Das Gute an der Demokratie sind grundsätzliche Anreizstrukturen, die „Machterhalt“ und „Probleme-lösen“ einigermaßen auf eine Linie bringen, z.B. durch eine wahrnehmbare Opposition, kritische Medien und relevanten öffentlichen Druck.
Durch die Fragmentierung des Mediensystems, Filterblasen etc. funktionieren diese Mechanismen aber immer schlechter.
Politische Akteur:innen können ihr eigennütziges Framing immer besser direkt und ohne kritische Einordnung an ihre Zielgruppe ausspielen. Auf Kritik muss nicht mehr eingegangen werden, sie wird stattdessen ignoriert, oder wenn es sein muss im eigenen Framing delegitimiert. Und dieser Modus der Unerreichbarkeit für inhaltliche Kritik erlaubt natürlich auch wildere Ursprungs-Takes, die ganz auf die eigene Zielgruppe zugeschnitten sind.
Um nicht missverstanden zu werden: Moralisch ist die Kritik an den Akteur:innen IMHO absolut gerechtfertigt, aber damit alleine lösen wir das Problem nicht und wenn wir es dabei belassen, verschleiern wir zudem die eigentlichen Ursachen.
Wie also lösen wir das Diskussionskultur-Problem?
1. Indem wir es als systematisches und strukturelles Problem verstehen. Das erfordert von konkreten Inhalten und Akteuren zu abstrahieren. Linus sagt dazu:
> ich will gerade gar nicht über die Inhalte selber reden, sondern einfach nur um, dass eine derartige Diskussionskultur, die kann nicht zu einem guten Ergebnis führen.
Volle Zustimmung, aber leider passiert das zumindest an dieser Stelle nicht. Es geht dann doch hauptsächlich um die Akteure, was sie gesagt haben, wie doof das ist und dass @anneroth die Person ist, der man besser zuhören sollte.
Ich bin mir übrigens nicht sicher, ob meine obige Analyse („Politik = Machterhalt“) in die richtige Richtung geht. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass wir eine fundierte Analyse des Diskussionskultur-Problems brauchen, und die muss tragfähig sein, unabhängig von konkreten Inhalten und von politischen Präferenzen (innerhalb des demokratischen Spektrums).
2. Indem wir die fundamentale Bedeutung des Diskussionskultur-Problems anerkennen.
Zitat Linus:
> das gesamte Spaltungspotenzial, was in dieser Gesellschaft die ganze Zeit zunimmt und zu einer Gefahr, längst eine der großen Gefahren wirklich für die Stabilität der Demokratie und der Zivilisation geworden ist
Unsere Gesellschaft steht vor massiven objektiven Herausforderungen: Geopolitik, Klima, KI-Disruption, Demographie, Verteilungsgerechtigkeit, Ressourcenknappheit, Migration, … Um diese zu bewältigen, müssen unvermeidlich viele kontroverse Detailprobleme gelöst werden, für die es keine triviale Lösung gibt (Bsp.: CO2-Besteuerung ist gut fürs Klima aber belastet Haushalte).
Solche Lösungen zu finden ist schon unter Idealbedingungen nicht einfach, es wird aber immer schwerer, wenn kein vernünftiger Austausch von inhaltlichen Argumenten möglich ist, sondern alle Beteiligten versuchen, ihr subjektives Framing auf die Debatte zu pressen.
Umgekehrt gilt: Wenn es gelänge, die Diskussionskultur zur fixen, würde das automatisch zu wesentlichen besseren Lösungen in allen gesellschaftlichen Bereichen führen, weil dann eben der zwanglose Zwang der besseren Argumente zur Geltung kommen würde, anstelle von Falschinformationen, Schein-Argumenten und Lobby-Kampagnen.
3. Indem wir aktiv werden!
Es gibt wichtigen zivilgesellschaftlichen Aktivismus für alle möglichen Detailthemen: Chatkontrolle, Klimaschutz, Wehrpflicht, Fahrradwege etc. Es gibt aber bisher keinen nennenswerten Aktivismus für eine gute Diskussionskultur. Dabei sollten zwei Einsichten ziemlich offensichtlich sein: a) Verbesserungen der Diskussionskultur, sodass sachliche Argumente mehr Einfluss auf die Entscheidungsfindung haben, vereinfachen massiv die eigentliche inhaltliche Arbeit der Zivilgesellschaft (siehe Punkt 2) und b) solche Verbesserungen werden sich nicht von alleine einstellen, sondern müssen mit Kreativität und Mühe, erdacht, erprobt, verbessert und ggf. erstritten werden.
Der erste Schritt ist in jedem Fall: Das Problemfeld „Diskussionskultur“ braucht deutlich mehr Aufmerksamkeit – und das ist die Herausforderung dabei – als eigenes Thema, unabhängig von inhaltlichen Aufhängern.
Gedanken wie diese mache ich mir schon eine ganze Weile. 2023 habe ich dann einfach mal die Initiative für „Konstruktive Digitale Diskussionskultur“ @kddk gegründet. Daraus sind ein Positionspapier, prototypische Software und eine Reihe von Vorträgen entstanden [1], aber für den großen Wurf fehlen die Ressourcen. Auch hier: Man kann die KDDK-Aktivitäten sicher als dilettantisches Amateurwerk einstufen. Aber das eigentliche Problem ist, dass es die Zivilgesellschaft nicht auf die Kette kriegt, das Problem professionell anzugehen.
[1] https://kddk.eu/
Was nun?
Wenn dieser Kommentar bei dir Zustimmung auslöst, wäre es konsequent, wenn du dazu beiträgst, dem Themenkomplex „Diskussionskultur“ zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, z.B. indem du mit andren darüber sprichst, insbesondere mit Multiplikator:innen.
Bei KDDK gibt zudem es zwei konkrete Projekte („Selbstverpflichtung“ und „Git-basierte sachliche Online-Diskussionen“), die Feedback und Testpersonen gebrauchen könnten. Und ganz allgemein könnte die Gruppe als Vernetzungshub für Leute dienen, die sich für das Thema interessieren – zumindest bis es was besseres gibt.