LNP237 Gemächtvergleich im Internet

Feedback — 34C3 — Netzneutralität — Backdoors — Überwachung

Die letzte Sendung des Jahres ist nach einer kurzen Produktionspause dann auch gleich wieder etwas länger geworden, damit ihr unter dem Weihnachtsbaum genug zum Ablenken vorliegen habt. Wir gehen dieses Mal recht umfangreich auf das Feedback ein und blicken außerdem auf den kommenden Congress in Leipzig.

Dauer: 2:18:00

On Air
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Feedback: Bilderkennung

Feedback: Uber-Hack

Feedback: Zentrum für politische Schönheit

34C3 in Leipzig

Netzneutralität in den USA

Telekom klagt gegen BnetzA

De Maizière: Hack the world

Reporter ohne Grenzen ./. BND

Mirai-Entwickler verknackt

“LNP Einhornstandarte”-Sticker beim Congress

Bonus Track

30 Gedanken zu „LNP237 Gemächtvergleich im Internet

  1. Kleine Präzisierung…

    Trump hat den FCC Chairman Ajit Pai nicht ins Boot geholt, nur die Beförderung zum chairman lief unter seiner Ägide.

    Ajit Pais Sitz in der Commission an sich ist leider noch ein Überbleibsel aus der Obama Ära, er wurde dort als Mitglied (und als vorheriger Verizon Anwalt) 2012 ins Boot geholt.

    http://www.washingtonexaminer.com/donald-trump-jr-mistakes-ajit-pai-for-obamas-fcc-chairman/article/2643590

    “Pai, who led the agency’s vote Thursday to repeal Obama-era net neutrality regulations, was appointed to the commission by Obama in 2012, but it wasn’t until this year that he was elevated to chairman by President Trump.”

  2. Wie wäre es mal mit Alternativen zu Verlinkungen auf Amazon (wie bei “Amazon: The Master Switch”)?
    Ich vermute sehr, dass ihr euch die lokalen Läden und kleinen Strukturen ebenso am Herzen liegen wie mir. Ich habe grade mal gesucht und bin gestoßen auf https://www.buchhandel.de/ das macht einen sehr guten Eindruck als Alternative.

    zu Tim Wu: The Master Switch -> https://www.buchhandel.de/buch/Der-Master-Switch-9783826692734

    Danke für die Sendung! Und eine erholsame Auszeit dir Linus!

    Grüße
    Timm

  3. Ihr vergesst beim zero-rating, dass die Anbieter beim video streaming drosseln und nur SD-Qualität durchlassen, ca. 1Mbit (bzw. sie wollen gerne drosseln, das wurde ihnen jetzt aber durch die Bundesnetzagentur verboten und sie müssen erstmal klagen). Eure Annahmen über das Datenvolumen, dass sie damit quasi zur Verfügung stellen, sind deshalb viel zu hoch.

    Durch das zero-rating + drosseln halten sie die benötigte Bandbreite in ihren Netzen niedrig.

    Desweiteren ist es immer ein Ziel von Unternehmen, eine “Marktsegmentierung” durchzuführen. Diese Tarife mit niedrigem Datenvolumen und zero-rating sind für viele einfache Internet-Nutzer erstmal ausreichend. Darüber kann man dann noch teurere Volumentarife platzieren und damit Poweruser, die mit den zero-rating Diensten nichts anfangen können, richtig abkassieren.

  4. 34C3 in Leipzig: Ist es wahr? Kann es sein? Hat sich ‚unser‘ Timmey endlich durchgesetzt? Ich habe eine Träne im Auge. Die Fahrplannummerierung beginnt mit der EINS, statt dieser unsäglichen Null. Das ich das noch erleben darf *(Vampir-)heul*. Endlich ist der Non-Sense dieser shitty Pointer-Logik-zählweise weg. Der Verstand hat gesiegt! Jetzt muss es nur noch 35 Jahre Bestand haben, um die Scharte auszuwetzen, die der Autismushirnschiss verursacht hat.

    Zur Reinwaschung der Informatik, der Wissenschaften mit und am Computer, der Mathematik, des klaren Verstandes und aller Zahlen sehe ich mich gezwungen die Fahrplandokumente hier und jetzt laut vorzu‚lesen’:

    1.html,
    2.html,
    3.html,
    4.html.
    Hahahahahahaaaa *Blitze — Donner — Blitze — Donner*

    Und für Freunde des Papierdrucks:

    1.pdf,
    2.pdf,
    3.pdf,
    4.pdf.
    Hahahahahahaaaa *Blitze — Donner — Blitze — Donner*

    Herzlich willkommen in der Zukunft!

  5. Punkt 1: Ich stimme Timm (dem Kommentator weiter oben) vollkommen zu. Amazon kann als eines der boykottwürdigsten Unternehmen schlechthin angesehen werden, und wenn es 2 Leute gibt, die das noch viel besser wissen als alle anderen, dann sind das Tim Pritlove und Linus Neumann. Ich gönne euch von Herzen jede Unterstützung für euren Podcast, der manches runfunkgebührenpflichtige Medienerzeugnis in den Schatten stellt und somit durchaus auch pekuniäre Anerkennung verdient. Ob man dafür allerdings das eitrige Furunkel am Arsch des Kapitalismus liebkosen will, sollte man sich durchaus nochmal überlegen. Sicher beschert es dem ollen Jeff kaum Alpträume, wenn die Metaebene plötzlich auf Affiliate-Links verzichtet. Aber manchmal ist es auch einfach nur cool, seinen Enkeln später erzählen zu können, welchen Lack man NICHT mitgesoffen hat.

    Punkt 2: Die Strategie der Netzbetreiber ist vollkommen klar; künstliche Verknappung eines begehrten Gutes (also Bandbreite) um a) die Preise hoch zu halten und b) sich nicht selbst Konkurrenz zu machen. Immerhin bieten die ja auch alle noch ihr räudiges Festnetz-DSL an, das bei suffizienter LTE-Konnektivität auf einmal völlig obsolet würde.

  6. Gute Folge !
    Wobei ich mir mitlerweile immer gut überlege wann ich euren Podcast höre …bin schon nach 20min zuhören meist so geschockt über die Neuigkeiten das ich dann immer mal zwischendurch pausieren muss um Luft zu holen.

    Danke für Eure Mühe !

  7. Zur Frage, warum sogenannte “Marktliberale” gegen funktionierende Märkte arbeiten: Die einfachste Erklärung ist, dass Politiker, die ihr Handeln mit einer Form von Wirtschaftsliberalismus begründen, nicht primär eine ideologische Position vertreten sondern die Interessen wirtschaftlicher Akteure. Wirtschaftsliberalismus dient lediglich als Legitimation. Ich zweifle allerdings daran, dass ich da irgendjemandem etwas neues erzähle, war die Frage also eher rhetorisch?

    Man kann auch nochmal kurz daran erinnern, dass auch Obamas FCC-Vorsitzender Tom Wheeler ein Lobbyist für die Netzbetreiber gewesen ist und die Netzneutralität einschränken wollte. Der Unterschied ist, dass einerseits die Demokraten empfänglicher für Proteste und aktivistische Aktionen waren und andererseits Silicon Valley einen größeren Einfluss auf die Partei und insbesondere die Regierung von Barack Obama hatte.

  8. Cool dass ihr auf das Feedback zum ZPS eingeht.

    Vielleicht richtig. Geheimdienste können schützen, wenn sie „richtig gemacht“ sind – z.B. transparent und demokratisch legitimiert.

    Das ZPS ist demokratisch legitimiert weil Kunst? Ok.

    Es stellt Transparenz her, weil es zeigt, dass die Überwachung mit selbstgebasteltem und nicht funktionierendem Equipment nur vorgetäuscht ist? Ok.

    Aber: Das Papprohr auf der Theaterbühne ist dort erstmal in der Illusion eine echte Kanone. Und Jud Süß (ein Nazi-Propagandafilm) war auch nur ein Film mit Pappmache-Kulissen und gar nicht echt. Jepp.

    Sie haben eine erfolgreiche Reaktion von überdrehten Extremisten bekommen? Super. Das hilft bestimmt, das AfD-Problem in den Griff zu bekommen. Hat ja bisher auch so gut geklappt. Immer wenn die sich als Nazis entlarvt haben, sind ihnen Wählerprozente weggebrochen. Nein, stimmt nicht. Sagt ihr ja selbst. Schöne Bühne für die AfD. (Die Aktion vom ZPS hat die AfD übrigens genau zu dem Zeitpunkt zurück in die Medien gebracht, als sie da gerade kaum mehr vorkamen.)

    Schön auch, dass die Höckes jetzt wissen, dass man mit Rechtsmitteln Leuten verbieten kann, sich an bestimmten Plätzen aufzuhalten. Man kann sich gut vorstellen, wie jetzt dieses Mittel bei diversen Stammtischen diskutiert wird, um gegen benachbarte Flüchtlingswohnheime vorzugehen. Wieder was gelernt.

    In gewissem Sinne ist das „inhaltliche Avantgarde“. Prima Beitrag zum Diskurs.

    Der Punkt ist: Ironie scheint mit dem Netz irgendwie kaputt gegangen zu sein. Sie funktioniert nicht in Emails, nicht auf Twitter, nicht auf Facebook. Sie funktioniert noch in speziellen Intellektuellen-Kontexten. Diese Kontexte sind aber kleiner als bisher gedacht und die politische Schlagkraft bewegt sich immer weiter weg von dort. Es ist der perfide Trick des ZPS, den Intellektuellen die eine Botschaft zu senden – zumindest glauben sie “Ironie-bereit”, diese zu empfangen –, während die viel größere Botschaft eine ganz andere ist: Die Verherrlichung von extremen Gewaltmitteln. Aus letzterer Botschaft aber erklärt sich der mediale Erfolg.

    Ziemlich deprimierend zu hören, dass ihr dem ZPS beim 34C3 die Bühne bietet, ihre antidemokratischen Gewaltphantasien und Verstärkungen solcher dem positiv aufgeladenen Hackerumfeld zum Feiern vorzuschlagen.

    • Vorweg: Was Links / Rechts angeht stufe ich mich selber als eher unpolitisch ein.

      Ich stimme Ihrem Beitrag zu.
      Für mich hat die Aktion eigentlich nur zwei Botschaften:
      a) Linke sind Leute, welche demokratisch gewählte, politische Gegner zu Hause in einer Art und Weise belästigen, dass dagegen sogar einstweilige Verfügungen genehmigt werden.

      b) Der einzige Zweck eines Mahnmals besteht darin, Menschen zu ärgern.

      Ich glaub, dies schafft der AfD sogar noch Stimmenzuwachs, da sie sich jetzt als Opfer von linkem “Mobbing” und “Stalking” bezeichnen können.

      Und zu Linus: Da du mehrfach meintest, dass du bei Kritik an der ZPS prüfst, was die Kritiker bisher für Aktionen lieferten, stellt sich für mich eine Frage: “Meines Wissens warst du noch nie Staatsoberhaupt. Warum kritisiert du also Trump? Der hat wenigstens was gemacht und ist Präsident geworden.” -> Gleiches Argument.

      • betreffs Stimmenzuwachs: guckt man sich mal die Reaktionen in der Nachbarschaft an, kann man davon ausgehen, da gabs nichts mehr zu verschlimmern.

        “Menschen zu ärgern”: Weiß jetzt nicht auf welches Mahnmal sich das bezieht. In Bezug auf die Kunstaktion ist die Aussage doch genau das, was auch erreicht werden sollte. Und die Anrufe der “Totenkopfstandarte” zeigen doch bestens, dass genau diese Provokation das wahre Gesicht der AFD-Anhänger, Pedigisten und sog. Rechtspopulisten aufzuzeigen vermag. Vielleicht lehnt man sich auch nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man aus der einstweiligen Verfügung etwas über die regionale Rechtsauffassung der Justizapparate zu lernen meint.

  9. Zum Thema Stream-On: einer der Vorteile (für die Provider) von Stream-On und den Pässen war ja, dass die Provider dieses extra Datenvolumen nur im Inland geben konnten. Wenn Sie einfach das gesamte Datenvolumen anheben müssten Sie es auch beim Roaming tun. Das würde entsprechende Kosten verursachen.
    Ausserdem schaut jetzt auch kaum jemand, ob es im Ausland günstigere Provider gibt, denn so etwas könnten die auch nicht Leisten.
    Eigentlich müssten also auch die ausländischen Provider wegen Wettbewerbsnachteile klagen.

  10. Guten Morgen Linus, guten morgen Tim ;)

    StreamOn:
    Die Telekom teilt durch ihr Zerorating das Internet künstlich in zwei Klassen auf. In Tarifen zweiter Klasse erhält man eine (Download-)Flatrate, mit der man allerdings nur wenige Dienste erreichen kann. Damit kommen ggf. viele Leute aus (nach dem Motto “besser als nichts”), die sich ohnehin keinen teuereren Tarif geleistet hätten. Es ergibt sich hier also ein neues Ventil für den Konkurrenzdruck zwischen den ISPs.
    Wer echtes Internet benötigt (z. B. VPN zum Arbeitgeber), soll mehr zahlen (eine echte Flatrate kostet bei der Telekom 200 Euro / Monat, künftig ggf. mehr). Ggf. hofft man auch darauf dieses Modell auf Festnetzanschlüsse übertragen zu können.

    Die ISPs teilen die Herde (InternetnutzerInnen) also in zwei Gruppen auf, die große Gruppe der Youtube/Netflix-User und die kleine Gruppe der Menschen, die höhere Preise bezahlen müssen, weil sie nicht anders können (z. B. Fernwartung von Maschinen, VPN zum Arbeitgeber usw.).

    Nebenbei wird die Telekom zum Gatekeeper, weil man sich a) für StreamOn anmelden muss und b) von der Telekom nicht jede Technologie zugelassen wird (Peer2Peer-Angebote bekommen wohl keine Zulassung).
    Insb. der Aspekt, dass man sich als Anbieter für StreamOn anmelden muss, ist m. E. kein Verstoß mehr gegen die Netzneutralität sondern eine Abkehr vom Prinzip Internet.

  11. Hallo Ihr beiden! Habt vielen Dank (zusammen mit euren Gästen) für ein weiteres Jahr an wichtig detaillierter Information und lustiger Unterhaltung.

    @Linus Auszeit kann ich total gut nachvollziehen. Als ich hier aufm Dorf noch kein Freifunk hatte, war das durchaus auch eine sehr schöne Entschleunigung vom Alltag. Und manchmal muss man einfach Stecker ziehen. Also dann, hab einen schönen Urlaub und lass das Netz einfach bits und bytes sein :-)

  12. Zum Thema “warum spricht der von Freiheit, es hat doch damit nichts zu tun?!?”:

    Ich denke, hier muss man zwei unterschiedliche Kulturen, genauer zwei verschiedene Freiheitsbegriffe, verstehen – dann ergibt es, zumindest im Verständnis, eher Sinn. Heißt nicht, dass man ihm dann zustimmen muss.

    Back 2 Topic: Der deutsche Begriff von “Freiheit” ist tendenziell immer eine Freiheit -vor-. Also beispielsweise Freiheit vor Repressalien des Staates, Freiheit vor Kartellen oder Monopolen, und so weiter.

    Der amerikanische Freiheitsbegriff impliziert fast immer eine Freiheit -zu-. Auch dazu, marktbeherrschende Stellung zu erlangen und zu nutzen.

    Beide beinhalten zwar das gleiche Wort “Freiheit”, sind aber historisch und kulturell in den jeweiligen Nationen verankert und unterschiedlich konnotiert.

    Wenn wir also so etwas wie “Internet Freedom” lesen/hören, tun wir das ja immer noch durch unsere Brille. Für konservative Amerikaner, bei denen die Freiheit “beliebig” zu wirtschaften ein historisch gewachsener Wert in sich ist, klingt das, was der Herr von der FCC da sagt, viel schlüssiger, als für uns.

    Just my 2 cents.

  13. Unnützes Wissen 1:
    – LNP Folge 3 startete als erste Folge mit “Guten Morgen, Linus” – “Guten Morgen, Tim”
    – LNP Folge 5 enthielt zum ersten Mal die Themen Vorratsdatenspeicherung, Quick Freeze, Online-Durchsuchung, Internet-Grundversorgung (von 6 Mbit/s, lol), es ging um den “netzpolitischen Leitbeschluss der Grünen”

    PS: Ja, es ist wahr, was ihr immer sagt: Die Folgen werden auch in 100 Jahren noch gehört und ich will jetzt alle alten Folgen durchhören. Das ist äußerst interessant, schließlich ist alles noch präsnowden. Bin v. a. gespannt, was ihr dazu gesagt habt.

  14. Das Zentrum für politische Schönheit darf nur kritisieren, wer selbst schon mal ne Kunstaktion gestartet hat, Linux? Ehrlich jetzt?

    Das ist nur eine der sehr fragwürdigen Aussagen, die in dieser Folge aufgestellt wurden. Bitte, bitte, Linux – ich mag dich super gerne, aber du machst häufig den Fehler, Dinge zu sagen, nur weil sie gut klingen. Ohne genau darüber nachzudenken. Tu das bitte nicht. Die Leute sind keine Nazis, nur weil sie die Überwachung von Höcke problematisch finden.

    Und seht die rege Diskussion zur letzten Folge doch als Bestätigung, dass ihr ein wichtiges Thema getroffen habt. Bei euch klingt das eher nach “wenn ihr nichts lobendes zum ZPS zu sagen habt, haltet lieber den Mund”.

    Ihr steht wahrscheinlich mit einem Bein in der Hackerszene, die offenen Meinungsaustausch und Objektivität hochhält, und mit dem anderen in der linken, feministischen Berliner Szene, die eben auch gerne mal Blocklisten und Internetpranger aufstellt und unliebsame Meinungen und Kritik bannt, statt sich mit ihr zu beschäftigen. Das sieht man bei “weltpolitischen” Folgen ja immer wieder. :D

    Ihr macht das trotzdem super. Vielen Dank auch für diese Folge und alle weiteren. <3 <3 <3

  15. ALARMSTUFE ROT

    @ Linus & Tim:

    Habt Ihr das auf dem Schirm?
    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Neue-EU-Geldwaescherichtlinie-Die-Privatsphaere-faellt-praktisch-weg-3931149.html

    Es kommt (von der Öffentlichkeit mal wieder kaum beachtet) eine neue Konto-/Finanz-Mega-VDS auf uns zu.

    1. Alle Konto- und Transaktionsdaten (alle Buchungen wie Überweisung, Lastschrift, Kartenzahlung etc.) sollen bis zu 10 Jahre nach Ende der Geschäftsbeziehung (bisher bis zu 10 Jahre nach Geschäftsvorfall) gespeichert werden.
    2. Die Daten sollen nicht bei den Banken, sondern auch zentral beim Staat (!) von einer sog. FIU (Financial Intelligence Unit) gespeichert werden (in Deutschland zuständig: das Zollkriminalamt).
    3. Die Zugriffsmöglichkeiten und Nutzungszwecke sind sehr weit gedehnt (u.a. kein Richtervorbehalt).

    Während wir uns bei der Telko-VDS darüber beschwert haben, dass “nur” 6 Monate Telekommunikationsverhalten “nur” bei den Providern gespeichert, und teilweise “nur” nach Richtervorbehalt von den Behörden abgerufen wurden, so haben wir bei der neuen Finanz-VDS alles doppelt so schlimm wie bei der inzwischen stark wackelnden Telko-VDS.

    Beispiel:
    Eine Person wechselt über Jahrzehnte nicht die Hausbank. Jede Buchung (z.B. Überweisung, Lastschrift, Kartenzahlung) wird über Jahrzehnte nicht gelöscht (bisher: 10 Jahre nach der jeweiligen Buchung). Es entsteht somit ein jahrzehntelanges Persönlichkeits-, Bewegungs- und Interessenprofil aller Aktivitäten mit Finanzbezug (d.h. alles, das nicht bar abgewickelt wurde; in der heutigen Zeit kostet sehr viel, was man so macht und tut, Geld). Dies wird nicht nur bei der eigenen Hausbank, den Zahlungspartnern/Händlern, bei den Banken der Zahlungspartner/Händler und unzähligen zwischengeschalteten Zahlungsdienstleistern gespeichert, sondern zentral vom Staat. Staatliche Behörden (Zoll-FIU, alle anderen befugten Polizei-/Geheimdienst-/Steuer-/Sozialbehörden) können ohne Richtervorbehalt, ohne nennenswerte Beschränkungen und ohne wirkungsvolle Aufsicht/Kontrolle auf diese finanziellen Lebensprofile zugreifen.

    @ Tim & Linus
    Was ist da los? Bitte nehmt Euch dieses Thema vor. Was mach die GFF und der CCC? Sind irgendwo Klagen dagegen in Sicht?

    Wenn die Telko-VDS in der im Vergleich schon moderaten Form nicht haltbar zu sein scheint, wie kann dann die neue Finanz-VDS auch nur ernsthaft in Kraft bleiben?

  16. Zur Telekom:

    Meine Vermutung ist dass die Telekom erstmal die Kunden konditionieren will. Jetzt gibt es StreamOn noch gratis. In einem Jahr (oder Zeitraum X) kommt dann von der Telekom “ja leider sehr teuer, aber für nur 5€ jetzt weiter StreamOn nutzen”. Eventuell noch mit anderen Paketen analog zu Portugal. Jetzt hat man als Nutzer natürlich kaum eine Wahl sofern man die entsprechenden Dienste weiter nutzen möchte.

  17. Zu Ajit Pai:

    Er war bis 2003 bei Verizon. Ich glaube nicht, dass das eine ideologische Frage bei ihm ist.

    Die von ihm so oft erwähnte Einführung der Netzneutralität 2015 ist übrigens nur eine Halbwahrheit, 2015 wurde die Netzneutralität lediglich tiefergehend definiert (sog. Title II ), es gab sie allerdings schon vor dieser Änderung.

    Empfehle zu dem Thema den Humanist Report Podcast

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