LNP374 Ein alter weißer Mann ist passiert

Ein Logbuch:Spezial zu Anti-Corona-Maßnahmen in Taiwan und anderen asiatischen Ländern

Wir unterbrechen unser Programm und legen den Fokus mal auf eine Metadebatte rund um die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und schauen dazu mal ganz konkret nach Taiwan. Dafür begrüßen wir Katharin Tai, die vor ein paar Wochen in Taipeh angekommen ist und uns zunächst einmal von den Quarantäne-Maßnahmen berichtet, die sie nach Ankunft durchlaufen musste und die überhaupt die Situation im Land in Bezug auf Corona ist. Dabei untersuchen wir auch die angeblich existierenden "digitalen Maßnahmen", die in Deutschland und Europa immer wieder diskutiert werden und prüfen, was da eigentlich dran ist.

Dauer: 1:31:51

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Katharin Tai

Katharin Tai ist Doktorandin in Politikwissenschaft am MIT und freiberufliche Journalistin. Ihre akademische Forschung konzentriert sich auf die chinesische Internetpolitik, sowohl im Inland als auch im Ausland. Als Journalistin schreibt sie sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch über die Schnittmenge von Aktivismus, Technologie und Politik in China, Taiwan und Hongkong. Außerdem ist sie Mitleiterin von Fernostwärts, Deutschlands ältestem Podcast über Ostasien und dem einzigen deutschsprachigen Newsletter über Ostasien.

Taipei Quarantäne

Schutzmaßnahmen

Erster Fall nach 253 Tagen

Digitale Maßnahmen und “Datenschutz”

  1. Quarantäne-Überwachung erfolgt mithilfe der Mobilfunkanbieter
  2. Diese Überwachung gilt nur für Mobiltelefone von Personen in Quarantäne
  3. Taiwan hat kein digitales Contact Tracing
  4. Es ist nicht wahr, dass Taiwan mithilfe von GPS die Bevölkerung tracken würde
  5. Es ist nicht wahr, dass Taiwan weniger Datenschutz anwende, als Deutschland. Beim Contact Tracing durch Behörden wird Datenschutz in beiden Ländern untergeordnet.

Fazit:

  1. Mit Disziplin in Fragen der Hygiene, frühen Schließungen und strenger Quarantäne für Einreisende scheint es Taiwan gelungen zu sein, seine Zahlen im kontrollierbaren Bereich zu halten.
  2. Nur wenn es wenige Ausbrüche gibt, kann Contact Tracing durchgeführt werden
  3. Deutschland hat diesen Punkt schon lang überschritten
  4. In Fragen des Datenschutzes gib es keine nennenswerten Unterschiede.
  5. Quarantäne wird in Taiwan streng überwacht. Um das auch in Deutschland zu fordern, müsste man nachweisen, dass das Brechen von Quarantäne nennenswert für das Infektionsgeschehen verantwortlich wäre. Bei über 30.000 Fällen pro Tag ist das unwahrscheinlich.
  6. Nicht durch Datenschutz, sondern durch inkonsequente, halbherzige und deshalb auch viel zu lange Maßnahmen hat es Deutschland versemmelt.

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48 Gedanken zu „LNP374 Ein alter weißer Mann ist passiert

  1. Der Unterschied der mir die letzten Tage immer mehr ins Auge fällt ist die Sicht der Leute auf sich selbst.

    In D (EU,GB etc) denken alle sie sind ja NICHT infiziert. Deshalb wollen sie noch schnell Freunde treffen, daher diese “der Staat verbietet mir was” Haltung. Daher die bescheuerte Antwort in irgendeinem Videoclip “ich flieg nach xyz da ist die Inzidenz ja nur bei 35… da ist das Risiko ja geringer”. Dieser Mensch hat völlig ausgeblendet dass ER selber hier das Risiko für andere und alle Menschen am Ort xyz ist. Selbst bei Interviews mit einsichtigen Leuten scheint das immer wieder durch. Ich bin sicher ein grosser Teil zieht eine Maske auf um SICH zu schützen (und dann halt auch die anderen, ok – aber ICH habs ja nicht). Ich hab ewig nicht kapert wie man so blöde sein kann immer nur das sein zu lassen was grade explizit verboten ist, aber wenn ich davon ausgehe daß ich ja zu 100% gesund bin macht das (ein bisschen wenigstens) Sinn oder ?

    Die eigentlich angebrachte Haltung wäre natürlich, sich so zu verhalten als ob man/frau – auch ohne es zu wissen – den Virus schon in sich trägt. Dann ziehe ich die Maske auf um meine Familie Freunde Umwelt etc. zu schützen, dann plötzlich versuche ich aktiv Abstand zu halten (und erwarte das nicht von den anderen). Und es klingt so (wobei ich hab wenig Ahnung von Asien) also ob daß halt auch eher die Grundhaltung in Taiwan ist. Ich meine jetzt nicht gegenüber frisch Zureisenden die in Quarantäne gehen, da liegt der Verdacht erstmal auf der anderen Seite. Aber auch wenn Leute (prä Corona) bei Erkältungen von selber eine Maske aufsetzen. Das macht in D wirklich keine oder ?

    So richtig klar wurde mir das auch erst nachdem neulich die Frau eines Kollegen positiv getestet wurde. Er war dann negativ also nix passiert, ABER wir hatten uns am Tag zuvor gesehen, natürlich nur Ellbogen Begrüssung, Abstand gehalten, aber in der Schreinerwerkstatt dann halt auch mal ohne Maske (2m + Abstand) und zur Brotzeit alle an einem Tisch (auch unter 1,5m Abstand)… als ich danach in meinem persönlichen Umfeld quasi private Kontaktrückverfolgung betrieben habe und die Leute alle angerufen habe fiel mir erst auf daß ich eigentlich deutlich “distanzierter” hätte sein können (und sollen)…

  2. Was ich auch schon zu hören bekam wenn ich Asien als Beispiel anbrachte war so etwas wie (sorry! bewusst rassistisch) “Der Chines hat uns das doch eingebrockt und du willst jetzt sagen die sollen wir uns als Beispiel nehmen?”

  3. Ein großes Dankeschön für Eure ganze Arbeit zu diesem Thema. Ich habe Herrn Nida-Rümelin in der Sendung gesehen und war irritiert über seine Aussagen. Ihr habt dieses Gefühl mit harten Fakten unterlegt und leider meine Irritation bestätigt.

    Keep up the good work! Bleibt gesund und genießt die Feiertage so gut es geht!

  4. Hallo Linus und Tim,
    ihr habt heute einen großen Teil der Sendung diesen dubiosen Aussagen bei Anne Will gewidmet. Nüchtern, sachlich und IMHO korrekt – weiter so! Allerdings ist das in etwa so, wie der Prof, der in der Vorlesung an die Studierenden appeliert, dass mehr Studierende in die Vorlesung kommen sollen.
    Daher eine Frage an euch: Bekommt ihr (oder Leute aus dem CCC-Umfeld) aktuell eigentlich Einladungen von den einschlägigen TV-Sendungen und lehnt sie ab oder fragt man euch gar nicht? Linus wäre mit dem technischen Background eigentlich prädestiniert und Tim als Journalist, der sich mit Technik und COVID19 öffentlich medial auseinandersetzt, ebenfalls hervorragend qualifiziert.

    Ich gehe einfach davon aus, dass die Journalisten der öffentlich-rechtlichen Sender ein großes Interesse daran haben, die Qualität ihrer Sendungen hoch zu halten. Durch die von euch hier thematisierten Aussagen wird die Qualität jedoch stark gemindert und ich würde jetzt ganz naiv erwarten, dass man dann auch gegensteuern möchte. Mich würde es auch sehr wundern, wenn die Journalisten nichts davon mitkriegen, dass in ihrer Show ziemlicher Mist erzählt wurde.

    Zum Abschluss noch etwas persönliches:
    Vielen Dank für dieses LNP-Jahr! Mir hat es unglaublich gut getan, dass ihr auf eure unterhaltsame Art alle möglichen Themen besprochen habt, die auch oft nichts mit dem dominaten (und ohne Frage wichtigen) Thema COVID19 zu tun haben. Ich freue mich auf hoffentlich viele weitere Folgen, hoffe aber erstmal, dass ihr die Tage nutzen könnt, um auch wieder Kraft zu tanken und eventuell auch Zeit mit der einen oder anderen Person verbringen könnt, die ihr sonst nicht so oft seht. Alles Gute, frohe Weihnachten und bleibt gesund! Ich freue mich auf LNP in 2021.

    • “Ich gehe einfach davon aus, dass die Journalisten der öffentlich-rechtlichen Sender ein großes Interesse daran haben, die Qualität ihrer Sendungen hoch zu halten.”

      Nein, es geht um Unterhaltung statt um Journalismus. Je kontroverser und gegenläufiger die Positionen, umso besser. Die Gäste die dort hingehen wissen auch dass sie nur eine Rolle spielen.

      • Das ist leider auch mein Eindruck.

        Meine Infos habe ich konkret aus dem Drosten Podcast und aus der Metaebene geholt. Der sonstige ÖR bleibt doch sehr auf der Oberfläche.

      • Aber bis zu einem gewissen Punkt sind Unterhaltung und Qualität keine konkurrierenden Ziele. Natürlich kommt irgendwann die Gabelung, wo man sich entscheiden muss, ob man eher in Richtung BILD (mir zu doof) oder eher in Richtung Deutschlandfunk (mir zu langweilig) arbeitet. Aber bis man dort angekommen ist, kann man auch viele sinnvolle Standpunkte unterhaltsam debattieren lassen. Man könnte auch diese Gegenfrage stellen: Wenn Linus und Tim ihre Standpunkte schon unterhaltsam austauschen können, wenn sie sich weitgehend einig sind, warum sollten sie das nicht in einer konstruktiven Diskussion tun können, in der sich die Leute uneinig sind?

    • Daher eine Frage an euch: Bekommt ihr (oder Leute aus dem CCC-Umfeld) aktuell eigentlich Einladungen von den einschlägigen TV-Sendungen und lehnt sie ab oder fragt man euch gar nicht? Linus wäre mit dem technischen Background eigentlich prädestiniert und Tim als Journalist, der sich mit Technik und COVID19 öffentlich medial auseinandersetzt, ebenfalls hervorragend qualifiziert.

      Ich war 2x zu Markus Lanz eingeladen und komme – meist als Vertreter des CCC – relativ regelmäßig in Nachrichtensendungen oder Investigativmagazinen zu Wort.
      In diesem konkreten Fall hat sich zumindest Anne Will gemeldet: “…Aber wir werden uns wieder damit beschäftigen, dann gerne mit Ihrer Expertise…”

  5. Vernunft ist keine Ware, deshalb geht sie nicht.

    “Man muss nicht alles in Asien nachmachen, es gibt viele Aspekte einer erfolgreichen Strategie. Aber vorausschauend zu agieren, um Katastrophen zu verhindern, gehört dazu – und hat nichts mit Temperatur, Geografie, politischem System oder Kultur zu tun.”
    … mit Sozialcharakter allerdings schon – und zwar nicht dem nur halluzinierten von leeren Projektionsflächen sondern dem eigenen. Dem Deutschen (einen Kollektivsingular zu gendern wird gleich doppelt falsch) ist alles recht, solange er eine Ausrede findet [ https://de.wikipedia.org/wiki/Rationalisierung_(Psychologie) ] um sich die totale Abwesenheit von Vernunft mit nichts als blödem Verstand rational (verständig) und verständlich zu machen, d.h. ex post ein (mehr oder weniger) ehrenwertes – oder wenigstens gewinnbringendes – Motiv in sie hineinzugeheimnissen … und der Nationalsport Täter-Opfer-Umkehr funktioniert. Wer seit dem 20. Januar 1942 der Geschichte der Menschheit Nichts von kulturhistorischer Bedeutung mehr hinzugefügt hat, ist eben notwendig unfähig zur Selbstreflexion.

    Wahrheit (wer heute nur das Wort benutzt, gilt schon als Dogmatiker) ist längst durch Meinung ersetzt, Ergebnis ist die globale Talkshow.
    Die Berechtigung zum Meinen ist nichts anderes als die Pflicht,
    es damit auch bewenden zu lassen. Denken um die Fähigkeit zur Wahrheit zu verkürzen und es als Agenten erst des gesunden Menschenverstandes, dann des nicht minder strotzenden Volksempfindens zu rekrutieren: d.h. der Zwang zum Pluralismus des “geistigen Tierreichs” – oder mit Hegel, ‘Wer sein Denken aufs Meinen verkürzt, bricht mit der Menschheit und löst das Billet ins “geistige Tierreich”’
    Also, nicht wahr, das Nähere regelt das Geschwätz. Jene Sorte Selbstkritik, zu der Deutsche allein fähig sind, zur Manöverkritik unter Kumpeln, Inbegriff der weinerlich eingeforderten sog. konstruktiven Kritik, einer “Kritik”, die darauf abzielt, das nächste Mal nicht sich erwischen zu lassen.

    Was Radfahrersyndom ist, weiß kein Mensch mehr, arbiträre Quelle: https://www.ueber-die-mauer.de/wp-content/uploads/2014/08/Rezension_Djassemy_Verfolgende_Unschuld.pdf (ansonsten hat Karl Kraus schon alles Notwendige zur verfolgenden Unschuld gesagt; besser geworden ist seither wenig und auch nur vorübergehend – nur bis zur vollständigen Wiedergutwerdung d. Dt.) ich empfehle https://vimeo.com/202823522 zur Vergegenwärtigung, ein gutes Gegenmittel (i.S.v. womit man sich dabei gemein macht) gegen diesen hier immer mehr wuchernden Fetisch des Politikmachens.

    P.S.: Sich aufs Rechtgehabthaben zurückzuziehen ist größtmögliche Resignation.

    … in Wahrheit geht es ja auch nur noch ums Recht BEHALTEN (zB auf persönliche E2EE) also das Bisschen schalen Rest nicht auch noch hergeben zu sollen/müssen/dürfen … wollen.

  6. Frage an Katharin:

    Ich besitze kein Handy. Wenn ich jetzt nach Taiwan reiste, hätte ich ein Problem mit der Quarantäne? Besteht eine Handybesitzpflicht oder reicht es, wenn man ein Tischtelefon im Hotelzimmer hat?

    Nicht, daß ich ausgerechnet jetzt gerade nach Taiwan reisen möchte, aber neugierig bin ich doch. Vielen Dank im Voraus für die Beantwortung der Frage!

    PS: Ein Hotel, wo man die Fenster nicht öffnen kann? Ich hatte in Taiwan ein Hotel neben einem Tempel und ein wunderschöner, bunter, hölzerner Drache schaute mir die ganze Zeit ins offene Fenster :-)

  7. In einem Punkt würde ich euch “challengen” wollen:

    Sowohl im Frühling, als auch vor dem November-“Lockdown” gab es massive juristische Bedenken, ob die angeordneten Schließungen und Einschränkungen eigentlich legal sind. (Und zwar durchaus auch in ernstzunehmenden Medien.)

    Die Stimmen hört man inzwischen seltener; aber heißt das nicht, dass ein rechtzeitiger Lockdown juristisch gar nicht möglich wäre? Ist unser Rechtssystem überhaupt in der Lage, auf eine Pandemie angemessen früh zu reagieren?
    Oder hängt es vom Sachverstand der entscheidenden RichterIn ab?

    • Würde mich tatsächlich auch mal interessieren. Ist das in D juristisch möglich, eine Quarantäne wie in Taiwan per Sim-Karte zu überwachen und dann auch noch durchzusetzen?

      Zum Sachverstand der Richer
      Richter haben in der Regel keinen eigenen Sachverstand (außerhalb der Juristerei), sondern gründen Ihre Urteile auf Sachverständigengutachten sowie beurteilen die logische / juristische Konsistenz der Begründungen. Hängt also von der Qualität der Gutachten ab.

      • Laut §16 des Infektionsschutzgesetzes “können von der zuständigen Behörde personenbezogene Daten erhoben werden; diese dürfen nur von der zuständigen Behörde für Zwecke dieses Gesetzes verarbeitet werden”

        Ob sich dies auch auf Überwachung per SIM-Karte bezieht, würden wohl die Gerichte entscheiden müssen. Gesetzlich explizit ausgeschlossen ist es allerdings wohl nicht.

  8. Hi Linus,
    na träumst Du immer noch davon, dass Dein Internetprovider Dich fragt:
    “Herr Neumann, wollen sie 1 GBit up/down, oder lieber gleich 10 GBit?”

    aint gonna happen, man :-)

    ach verdammt, jetzt hab ichs auch noch verbockt. In Südkorea konntest Du schon 2016 bis 52 GBit bekommen. Ich hab dann mal aufgehört zu suchen, das ist einfach zu deprimierend.

    Du rettest Dich ja auch schon in Sarkasmus…

  9. Hallo Linus und Tim,

    Erstmal danke für die interessante Folge. Die Informationen von Katharin waren sehr interessant. Schade, dass mir auch bei euch aufallen muss, dass der südliche Teil des amerikanischen Kontinents nicht einmal Erwähnung findet. Es werden alle Kontinente verglichen, und Amerika mit den USA gleichgesetzt.

    • Zumindest wenn man stichpunktartig guckt, ist die Aussage, dass die Situation in Taiwan klimatisch spürbar anders ist als hier nicht falsch: Die mittlere Temperatur in Taipeh ist fast 10 °C höher als in Köln und es gibt keine Frosttage in Taipeh. Das ist schon ein signifikanter Unterschied, der durchaus spürbaren Einfluss auch auf Infektionsgeschehen haben könnte.

  10. Sehr interessante Folge. Das „Argument“, der Datenschutz würde uns ausbremsen, habe ich noch nie ernst genommen. Trotzdem muss man sagen, dass es schon verfängt, wenn in den Talkshows und Nachrichten dies nie wirklich hinterfragt wird. Man kommt dann ins Grübeln und denkt: „Was ist, wenn doch was dran ist?“. Und wenn es diese Wirkung schon bei einem Menschen wie mir, der sich sehr ausgiebig mit Datenschutz, Bürgerrechten und den Coronamaßnahmen beschäftigt, gibt, wie mag es dann auf die Leute wirken, die dafür nicht so viel Zeit aufwenden.

    Die Folge hat mich sozusagen wieder etwas geerdet und neue Argumente geliefert um dem Blödsinn entgegentreten zu können. Vielen Dank dafür!

    Viele Grüße von einem Android User aus Stuttgart

  11. Wie würde denn diese Strategie in Deutschland aussehen? Grenzen dicht, ist ja klar, aber was macht der Pendler, der im Nachbarland arbeitet? Ok, persönliches Pech, kann man vermutlich noch akzeptieren. Aber wie soll denn der LKW Verkehr geregelt werden. Das ist doch einfach Blödsinn. Man kann die auch nicht “nur” für 3 Tage in Quarantäne stecken. Das funktioniert vielleicht mal für 2-3 Wochen harten Lockdown, aber das ist doch keine Dauerlösung. Und natürlich macht es einen Unterschied, ob man eine Insel ist oder ein Land mit 9 Nachbarländern, wo es faktisch keine Grenze mehr gibt. Also müsste wenn eine europäische Lösung her, aber das ist ja komplett unrealistisch wenn man das schon innerhalb von Deutschland nicht geregelt kriegt.
    Tim hat in jeder Folge über die CWA betont, wie wichtig das ist, dass sie grenzübergreifend funktioniert. Zumindest das Problem hat sich damit ja dann erledigt. Mir persönlich wäre es übrigens egal, wenn man die Grenzen dicht macht, wenns hilft. Ich sehe aber nicht, wie das umsetzbar sein soll.

    • Du kannst an den Grenzen in jedem Fall Corona-Schnelltests machen und Fieber mit IR-Thermometer messen. Das wäre dann zumindest mal viel besser als Nichts (Was der aktuelle Zustand ist).

      • Klar, es hilft, Infektionsherde frühzeitig zu erkennen.
        Da wir aber davon ausgehen müssen, dass uns so Infektionen durchrutschen, entlastet uns das nicht von den Maßnahmen im Inland. Den beschriebenen Zustand wie in Taiwan werden wir damit nicht erreichen.

      • Es gibt allein jeden Tag mehrere Hunderttausend Grenzpendler aus und nach Deutschland.
        Selbst wenn man es schafft für jeden Test nur ca. 30 min zu brauchen (mit allem drum und dran), würde der Grenzverkehr wie im Frühjahr zusammenbrechen. Zudem müsste man das an jeder Dorfstraße die über die Grenze führt machen oder selbige sperren.
        Klar kann man sicher alles machen, hieße eben nur für die meisten, die nicht stunden an der Grenze warten wollen, faktisch geschlossene Grenzen.
        Es gibt nach meinem Kenntnisstand keine Evidenz dafür das Fiebermessen an Grenzen, Flughäfen, Läden, Nahverkehr irgendeinen Nutzen bringt. Die Daten für SARS-1 und Influenza waren in jedem Fall eine komplette Katastrophe und für SARS-Cov2 sieht es wohl nicht besser aus.

    • Kann man einen LKW nicht auf einen grenznahen Parkplatz fahren, und da an eine andere Zugmaschine koppeln? Die Fahrer müssten verpflichtet werden mit ausreichend Sprit einzureisen und nur zu diesen Umkoppelparkplätzen zu fahren, dort mit AHA abzukoppeln, evtl. einen anderen Anhänger im Gegenzug ankoppeln, und wieder zurück.

      Würde die Waren natürlich etwas teurer machen, aber dann würde sich zeigen, was den Leuten wichtig ist, für die extra Cent pro Kilo Transportgut.

      • Können wir das nicht auch nach Corona immer so machen? Dann müssten die armen Fahrer nicht auf Autobahnparkplätzen in ihren LKWs übernachten sondern wären abends zu Hause.
        Aber klar, die Mehrkosten werden das unattraktiv machen. Wenn der Abholer dann ewig warten muss, weil der Bringer im Stau steht, gibt es sofort Kettenreaktionen.

  12. Vielen Dank für die Sendung – wie immer, aber diesmal besonders!

    Zur Piloten-Story möchte ich noch eine ergänzende Perspektive einbringen:

    So wie Katharin es dargestellt hat (und so wie ihr den Titel gewählt habt), hat auch die nicht-taiwanesische Herkunft des Piloten dazu beigetragen, dass er zum meistgehassten Mann in Taiwan wurde. So verständlich das auf den ersten Blick sein mag, so ist es auch ein Indiz dafür, dass die Pandemie auf der ganzen Welt xenophobes Denken hoffähig gemacht und teilweise zu realer Diskriminierung geführt hat. Visual minorities wurden fast überall zur Projektionsfläche für mangelnde kulturelle Angepasstheit und fehlenden Gemeinsinn und zu Sündenböcken für die Verbreitung des Virus. Man denke an den Rassismus gegen asienstämmige Menschen, der sich seit Ausbruch der Pandemie in vielen westlichen Ländern verstärkt hat, oder die Diskussion um “Türkische Hochzeiten” in Deutschland.

    Aber in manchen Ländern gab es auch diskriminierende staatliche Maßnahmen: Japan beispielsweise – um mal ein Land aufzugreifen, das für sein Corona-Management immer gelobt wird – hat für alle Ausländer einfach die Grenzen geschlossen. Dass keine Touristen einreise durften, kann man vielleicht noch nachvollziehen, aber auch ausländische Studierende mit gültigem Visum, die die Frühlingsferien in der Heimat verbrachten, durften nicht wieder einreisen. Und damit nicht genug: Auch Menschen mit Arbeitsvisum und festem Wohnsitz in Japan und sogar solchen mit unbefristeter Aufenthaltsgenehmigung wurde die Wiedereinreise verwehrt. Wer es nicht rechtzeitig vor der Grenzschließung nach Japan geschafft hatte, war mehrere Monate von ihrer/seiner Familie getrennt und musste auf die Gnade ihres/seines Arbeitgebers hoffen, durfte aber freilich allen finanziellen Verpflichtungen in Japan nachkommen.

    Wenn es für alle gegolten hätte, wäre ein so striktes Grenzregime ja im Prinzip in Ordnung. Das war allerdings nicht der Fall, denn Japaner durften aus- und wieder einreisen, wenn sie sich an die Quarantänevorschriften hielten. Als Ausländer in Japan hätte man zwar ausreisen, nicht aber wieder einreisen dürfen. Viele Menschen ohne japanischen Pass standen vor der Wahl, ihrer japanischen Heimat auf unbestimmte Zeit den Rücken zuzukehren oder darauf zu verzichten, sich von ihren im Ausland lebenden Nächsten zu verabschieden. Als Beleg mal ein Artikel:
    http://www.asahi.com/ajw/articles/13565050

    Warum schreibe ich das? Mir wäre wohler, wenn wir Unvorsichtigkeit, Mutwille und Blödheit in Bezug auf das Virus anhand von Praktiken bewerten und nicht als Folge einer ethnischen Zugehörigkeit, Kultur oder Hautfarbe deuten, sonst spielen wir nur denen in die Hände, die das Virus als Beleg dafür feiern, dass nur die Nationalstaaten und geschlossene Grenzen uns retten können.

    [Ich bin aber froh, dass ich die Pandemie in Japan erlebe und mich nicht mit Maskenverweiger:innen und sonstigen Spinnern rumärgern muss.]

  13. Das war super interessant, endlich mal eine Antwort auf die Frage, warum es in manchen Ländern Asiens so viel besser klappt … eine lange Antwort eben, wie Katharin meinte. Tolle Frau, übrigens. Vielen Dank dafür!
    Viele Grüße von einer Hörerin, die gar nicht aus eurer Szene kommt und oft nur die Hälfte versteht …

  14. Überwachungsmaßnahmen nur auf Nachfrage?

    Ich hätte mir über Taiwan eine objektivere Betrachtung gewünscht. Insbesondere das Frau Thai die Sache mit der Telefonortung und den Kontrollanrufen scheinbar nicht erzählen wollte und nur auf Nachfrage darüber berichtet hat erschien mir etwas merkwürdig, insbesondere in Verbindung mit der anekdotischen Erzählung, dass “eine taiwanesische Freundin” unsere App “creepy” genannt haben soll. Seit Ihr sicher, dass Frau Thai nicht nebenbei für das taiwanesische Tourismusministerium arbeitet? :-))

    • Frau Tai erklärt das völlig richtig. Das Handy wird über die besondere SIM Karte getrackt und die Kontrollanrufe sind notwendig auch um die Temperatur abzufragen. Das Digital Fence System ist absolut konform mit der Taiwanesischen Verfassung, da man sich ja in der Quarantäne befindet. Nur wenn man Quarantäne ernst nimmt funktioniert sie auch. Was wir machen ist Pillepalle. Kleine Einschränkungen für 2 Wochen für wenige Personen, ermöglichen allen Menschen ein freies Leben ohne Einschränkungen. Tourismus ist in Taiwan momentan überhaupt nicht erwünscht, man bekommt als normaler Tourist überhaupt kein Visum.

  15. Sie kann ja Gott sei Dank rüber gehen, wenn sie Masken so supi findet. In den Maskenträgerinnenstandardstaaten liegt aber offenbar ein größeres Problem mit individueller oder gesellschaftlich propagierter Angst/Ehre- psychose vor, als solidarische Opferbereitschaft. Ich wäre ganz froh, wenn sich unsere Gesellschaft außerhalb von Covid nicht zu solchen Selbstkasteiungen zum vermeintlichen Schutz anderer vor eigener Schwäche hinreißen ließe. Leisten wir uns doch lieber gute Gesundheitssysteme. Den Mitmenschen ins Gesicht schauen zu können, auch wenn es häufig schwer fällt, ist imo zurecht zeitlos envough.

    • Eigentlich hatten wir ja in der Sendung ja durchaus behandelt, dass das nichts mit einer von dir behaupteten “individuellen oder gesellschaftlich propagierten Angst/Ehre-Psychose”, oder “Selbstkasteiungen zum vermeintlichen Schutz anderer vor eigener Schwäche” zu tun hat.
      Insofern überrascht mich dein Kommentar jetzt schon etwas.

      Tut mir leid, dass das Schweinesystem so unmenschliche Opfer von dir verlangt.

  16. Hallo Katharin, Tim, Linus,

    vorweg vielen Dank für diese erfrischende und erhellende Sendung. Kathatrins Ausführungen zum Grund für den Erfolg der Strategie Taiwans in der Pandemiebekämpfung leuchten ein und rufen im Mitteleuropäer in der Tat ein wenig Wehmut hervor.

    Ich hätte mir eine Begründung gewünscht, warum die Insellage Taiwans (und der übrigen genannten Länder) mit ihrer jeweils überschaubaren und technisch gut zu überwachenden Zahl von Einfallstoren für den internationalen Personenverkehr als begünstigender Faktor so kategorisch ausgeschlossen wird.

    Ferner hätte ich gerne erfahren, wie es zu der Einschätzung kommt, dass die CoViD-Pandemie im wesentlichen ein europäisches und nordamerikanisches Phänomen sei. Ich vermute, der Hase liegt im Pfeffer der Sehschwäche der deutschen Mainstream-Nachrichtenkanäle im Bezug auf die übrigen Regionen der Welt (außer bei schlechten Nachrichten; z.B. Brasilien).

    Euch allen viele Grüße und einen gesunden Start ins neue Jahr!

    Uwe

    • Ich hätte mir eine Begründung gewünscht, warum die Insellage Taiwans (und der übrigen genannten Länder) mit ihrer jeweils überschaubaren und technisch gut zu überwachenden Zahl von Einfallstoren für den internationalen Personenverkehr als begünstigender Faktor so kategorisch ausgeschlossen wird.

      Weil man das selbe Muster auch in anderen südasiatischen Staaten beobachten kann, wie Vietnam z.B.

      Trotzdem hast Du natürlich recht, dass es ein Vorteil ist, aber der ist bei falschen Maßnahmen auch schnell verspielt. Auch Großbritannien ist eine Insel und eher das Gegenteil von Zero Covid.

      • Mir ist unklar wo deiner Meinung nach der Unterschied von Vietnam zu Taiwan sein soll?
        Vietnam hat ebenfalls sehr früh seine Grenzen geschlossen und bis heute dürfen Ausländer nur mit Sondergenehmigung einreisen.
        Diese paar wenigen müssen dann vergleichbare Maßnahen wie in Taiwan durchführen (Test, Quarantäne, usw.).
        Die Landgrenzen zu China ,Laos und Kambodscha sind meines Wissens für den Personenverkehr weiterhin geschlossen.
        Damit hat sich Vietnam trotz Landgrenzen, ähnlich konsequent wie Taiwan, Südkorea, Australien, Neuseeland vom Rest der Welt abgeschottet.

        Diese Abschottung um lokale Erfolge erhalten zu können erscheint mir unverzichtbar und ist etwas das alle erfolgreichen Staaten eint.
        Das umherreisen auch aus Hotspots wie in Europa und den USA, zwischen (Bundes)Staaten mit zum Teil sehr unterschiedlicher Inzidenz hat sich hingegen eher nicht bewährt.

      • Wenn man sich mal anschaut wie viel getestet wird stellt man fest das grob über den Daumen gepeilt in Deutschland 2020 mehr SARS-CoV2 PCR-Tests durchgeführt wurden als auf dem kompletten afrikanischen Kontinent und die USA allein erheblich mehr als Afrika und Südamerika zusammen getestet haben.
        Zumindest nach den öffentlich verfügbaren Daten.

        Seltsamerweise haben die beiden afrikanischen Staaten die am meisten testen auch die höchsten Zahlen

        Hier mal der Anteil positiver Tests an ein paar Beispielländern:

        Südafrika: 30%
        Namibia: 25%

        Argentinien: 32%
        Bolivien: 39%

        Was ich sagen möchte, man kann sicher feststellen das einige ostasiatische Staaten (+ Australien und Neuseeland) die Pandemie deutlich besser im Griff haben als Europa und Nordamerika.
        Für eure sehr mutige Aussage gibt aber keine belastbaren Daten und das was es gibt deutet in meinen Augen in eine andere Richtung.

        Quelle: https://ourworldindata.org/coronavirus-testing

  17. Das Problem sehe ich eher darin, dass der Staat dabei ist, seine letzte Glaubwürdigkeit zu verspielen. Und mit der Glaubwürdigkeit auch die Akzeptanz der Maßnahmen. Warum?
    1. Dtl. hat viele Großdemonstrationen erlaubt, etwa von “querdenken” [sic], obwohl klar war, dass sich die Demonstrierenden weder an Abstands- noch Hygieneregeln halten würden. Die Polizei hat auch nicht eingegriffen, sondern ist teilweise gleich mitmarschiert. Aber bei wöchentlich neuen rechten Netzwerken, die in der Polizei auffliegen, verwundert mich das kaum.
    2. Die Schulen hätte man viel früher in den Notbetrieb setzen müssen (und nach dem 10.01. auch im Notbetrieb belassen). Je nach Schätzung sind Schüler:innen für 38-48% aller Infektionen (vor striktem Lockdown, versteht sich) verantwortlich. Da erschließt sich mir nicht, warum ein Geschäft mit Abstand und Hygieneregeln, die viel Geld dafür und für Plexiglastrennwände ausgegeben haben, nicht öffnen darf, aber mehr als 30 Kinder den ganzen Tag auf engstem Raum in einem Zimmer eingesperrt bleiben sollen. Noch dazu, dass sie vor und nach der Schule und in Öffentlichen Verkehrsmitteln keinerlei Abstand einhalten – Das gilt auch für die Eltern, die ihre Kinder nach der Schule abholen und zu mehr als 30 dicht an dicht auf dem Schulhof stehen.
    3. Die Ausgangssperre: Wer glaubt denn wirklich, dass man sich nur nach 20 bzw. 21 Uhr treffen kann? Dank Homeoffice kann man sich morgens um 10 zur Coronaparty treffen und Abends arbeiten. Sachlich gut begründet sieht anders aus.
    Das Problem ist allerdings: Wenn die Leute die Regeln (wegen solcher dummer Fehler) nicht mehr beachten/akzeptieren, und sich beliebig mit Leuten treffen, dann hat man verloren. Und das hätte nicht sein müssen, hätte man besser gehandelt.

    • zu 2:
      Das zusätzlich (zu den vollen Räumen) tragische an den Schulen ist, dass man hier große Ansammlungen von vielen Menschen in einem Raum zulässt (sogar erzwingt), bei denen ein Ausbruch i.d.R. erst bei den Infizierten des nächsten Levels (d.h. den Eltern) bemerkt wird, weil die Schüler häufig keine Symptome haben.

      Wenn man nun bedenkt, dass die trotz Infektiösistät verzögerten oder ausbleibenden Symptome wohl der Hauptgrund für die pandemische Verbreitung sind (und diese Zusammenhänge sind schon seit dem Frühling bekannt), macht dies die geöffneten Schulen umso fataler.

  18. Danke für den Podcast. Was ich nicht ganz verstehe:

    Quarantäne-Überwachung erfolgt mithilfe der Mobilfunkanbieter

    In Fragen des Datenschutzes gib es keine nennenswerten Unterschiede.

    Soll das heißen, das auch in Deutschland eine Quarantäne-Überwachung mithilfe der Mobilfunkanbieter möglich wäre / den deutschen Datenschutzgesetzen nicht widersprechen würde?

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