LNP379 Spezial: Digitale Bildung

Ein Logbuch:Netzpolitik Spezial zur Digitalisierung der Bildung

Wir unterbrechen das normale Programm und machen ein Spezial zum Thema der Digitalisierung der Schulen. Dafür unterhalten wir uns mit Steini, der aus Frust wegen der undigitalen Zustände an der Schule seiner Kinder eine Initiative mit dem Namen cyber4edu gegründet hat, die noch vor der Pandemie eigene Infrastruktur im Netz aufgebaut hat, die Fernlernen und digital unterstützte Abläufe erleichtern soll. Diese auf Open Source Komponenten bestehende Infrastruktur hat dann nach Beginn der Pandemie natürlich besonderen Nutzen gehabt, doch stellt sich natürlich auch die Frage, wie es hier nach einer möglichen "Normalisierung" weitergeht. Darüber unterhalten wir uns ausführlich.

avatar
Linus Neumann
avatar
Tim Pritlove
avatar
Andreas "Steini" Steinhauser

Für diese Episode von Logbuch:Netzpolitik liegt auch ein vollständiges Transkript mit Zeitmarken und Sprecheridentifikation vor.

Bitte beachten: das Transkript wurde automatisiert erzeugt und wurde nicht nachträglich gegengelesen oder korrigiert. Dieser Prozess ist nicht sonderlich genau und das Ergebnis enthält daher mit Sicherheit eine Reihe von Fehlern. Im Zweifel gilt immer das in der Sendung aufgezeichnete gesprochene Wort. Formate: HTML, WEBVTT.


Transkript
Tim Pritlove
Guten Morgen Linus. Logbuch Netzpolitik Nummer dreihundertundneunundsiebzig in äh rapider Folge auf die dreihundertachtundsiebzig, denn es ist äh erst der einunddreißigste Januar und wir sind trotzdem schon wieder dabei Und äh ja, heute heißt es äh Hälfte raus, Klassenarbeit, Linos.
Linus Neumann
Digitale Bildung, eine ist der oder also digitale Bildung und Bildung soll heute unser Thema sein. Eines der beiden Themen, die dich in vergangenen Folgen schon gesagt habe, ja, das werden wahrscheinlich einige bei uns vermissen. Und äh bei so einem Thema, das machen wir nicht allein, sondern da holen wir uns einen Experten dazu für. Bereich. Und das ist Steini. Vielen äh Hörerinnen bestimmt bekannt durch seine Vorträge bei den Kongressen. Über, was heißt aber, Relativitätstheorie und äh Quantenphysik und das Universum und den ganzen Rest. Hallo Steini.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja moin, na.
Tim Pritlove
Ja, schön, dass du äh dabei bist. Ähm heute, Ist das eigentlich ein Spezial heute? Ja, ist ein Spezial, ne? Genau, ein Lochbuch Netzpolitik Spezial für euch. Denn ähm es gibt Aspekte äh zu diskutieren.
Linus Neumann
So ist das. Und zwar, was machen wir mit unseren, mit unseren Kindern, äh die ja irgendwie mündige Bürgerinnen, sollen. Das ist ja das Versprechen der Bildung oder Steini. Ähm was ist eigentlich überhaupt? Warum machen wir das mit dieser Bildung? Ich glaube ja, wir machen das, damit wir hm die Kinder klar kriegen für den Arbeitsmarkt, damit die unsere Rente ran schaffen.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja, genau. Ja, ich freue mich schon. Ähm nee, äh also zunächst mal äh Experte, ne, das ähm das äh fühlt sich immer ganz schlecht an.
Tim Pritlove
Du, heute ist mein äh Experte, wenn man irgendwie einen ganzen Satz bilden kann. Das das geht ganz schnell.
Andreas "Steini" Steinhauser
Aufmerksamkeitsspannung von mehr als zehn Sekunden, ja. Ich verstehe. Ähm äh also äh kurz mal, damit da niemand was falsch versteht. Ich bin jetzt also weder ausgebildeter Pädagoge noch äh, irgendwie äh ne äh Spezialist für digitale Bildung und Konzepte oder so, aber äh ich habe Kinder und äh ich beschäftige mich jetzt seit doch einigen Jahren mit dem Thema Bildung. Unterrichte selber jetzt also nicht klassisch als Lehrer, sondern ich versuche eher Kindern was beizubringen. Ähm ohne Lehrplan und ähm, beschäftige mich jetzt auch seit drei, fast drei Jahren damit äh dass äh die ja Digitalität Einzug in Schulen hält, insbesondere erstmal den Schulen meiner Kinder und dann eben, Ja, darüber hinaus. Und dabei ähm erfährt man einen großen Haufen lustiger Dinge und äh na ja, vielleicht macht einen das dann irgendwann zu einem Experten, kann's schon sein.
Linus Neumann
Also aus Notwehr, Experte aus Notwehr.
Andreas "Steini" Steinhauser
Experte aus Notwehr, genau. Das trifft es.
Tim Pritlove
Kinder jetzt in welchem äh Alter und wie lange betreibst du das jetzt schon so?
Andreas "Steini" Steinhauser
Na ja ähm äh meine meine Kids sind so zehn und, siebzehn jetzt und die älteste, die ist schon raus, die äh da hat's Abi hinter sich studiert, aber äh ich mache das jetzt seit, ja, vier Jahren intensiv und, ungefähr so lange auch äh mit ähm nachher drei Jahren Chaos macht Schule immer in Schulen gehen, mal Kindern was erklären und in dem Zeitraum auch unterrichtig programmieren für Mädchen, hauptsächlich, eigentlich nur noch, äh Roboter programmieren, Nico Controller programmieren, Blüten so ein Zeug, weil ich glaube einfach, so lange äh, Wie viel ähm äh Verschwinden denn einstelligen Prozentsatz an Studienabgängerinnen im Fachbereich Informatik, und so haben, brauchen die Jungs meine Hilfe nicht.
Tim Pritlove
Also bietest es nur für Mädchen an oder melden sich nur Mädchen?
Andreas "Steini" Steinhauser
Nee, ich bitte das nur für Mädchen an, Äh ich habe das vorher in in gemischten Zusammenhängen gemacht und das äh führt in ganz vielen Altersgruppen zu ganz schwierigen Situationen. Und meistens dazu, dass die Jungs irgendwie am meisten Bock haben, irgendwas kaputt zu machen, und alles besser wissen. Ist ein bisschen anstrengender. Da hatte ich dann keinen Bock mehr drauf, weil ich mache das ja freiwillig und ehrenamtlich und dann, äh finde ich, unterstütze ich die, die da auch Bock drauf haben und die das auch ähm ja, die einfach das das funktioniert mit Mädchen besser, wenn die das unter sich machen, dann kommen die sich nicht doof vor und das macht unheimlich viel Unterschied. So, das heißt nicht, dass nicht auch Jungs sowas lernen sollen und müssen und dürfen, darum geht's gar nicht, aber, das das Gemisch zu machen halte ich zumindest in einem in so einem, das ist jetzt so siebte Klasse oder so ganz schwieriges Alter, Pubertät. Da sollen Leute eigentlich überhaupt nicht in die Schule gehen, da sollen die sich irgendwie äh mit Abenteuern durch die Wildnis kämpfen und. Das Überleben lernen oder sowas, aber noch nicht in der Schule, sitzende Dinge tun.
Tim Pritlove
Tja, da gibt's aber leider keine Alternative zu.
Andreas "Steini" Steinhauser
Nee, da haben wir Schulpflicht, ne? Ja.
Tim Pritlove
Genau. Selbst selbst mit Corona.
Andreas "Steini" Steinhauser
Selbst mit Corona, ja, ja und das ist ja auch ein bisschen schwierig und äh deswegen haben wir ja auch ähm ja. Äh eigentlich äh hätten wir schön zeitig anfangen können, dürfen und müssen uns damit zu beschäftigen, wie ähm Bildung auch digital funktioniert und dass so was wie eine Schulpflicht so eine Sache ist. Der man immer zu präsent sein muss, aber ja, hey. So ist es erstmal noch und es wird auch noch ein bisschen so bleiben, staatliche Schule bewegt sich langsam.
Tim Pritlove
Wie hast du dich denn da so äh also was war einerseits der Trigger und äh auf welche Art und Weise hast du denn das äh gemacht üblicherweise ist es ja auch so, dass wenn man da äh vorstößt, dass man dann nicht unbedingt mit große, herzigen, warmen Umarmung empfangen wird.
Andreas "Steini" Steinhauser
Oh ja, also das ging los eigentlich damit, dass ähm an der ESBZ äh, einem meiner Töchter ist ähm muss meine Eltern.
Tim Pritlove
Was heißt das? ISBZ.
Andreas "Steini" Steinhauser
ESBZ eher evangelische Schule Berlin Zentrum. Ist eine freie Schule freie Tägerschaft. Es ist jetzt halt eine evangelische Kirche, aber äh ich kann das weg ignorieren. Ähm und äh da muss man Elternarbeitsstunden machen und äh ich gucke da halt, ja was gibt's jetzt hier äh an digitalen Themen. Es gab. Eine eine AG digital und äh es war nicht sehr einfach, die haben sich jetzt nicht sehr hervorgetan, dass man sie leicht findet. Es hat mich also viel forschen und stöbern gekostet, um die zu finden. Und dann da mitzumachen und äh Leute kennenzulernen und dann festzustellen, so ja, hier werde ich gebraucht. Hier kann ich was äh äh einbringen. Weil ähm ja, da war zwar schon ein bisschen was da, aber auch noch eine Menge zu machen. Und so fing's dann an, so habe ich dann äh da habe ich äh Micha kennengelernt, mit dem ich auch zusammen und Mel noch den Verein gegründet habe, Cyberforedo und äh so ging's los und ähm. Haben wir dann ähm festgestellt, dass man wirklich, wirklich, wirklich bei Adam und Eva anfangen muss, wenn man versuchen will, Digitalisierung in der Schule, voranzubringen, weil das ja ein Thema ist, mit dem wirklich niemand außer ein, zwei, drei Leute an so einer Schule schon mal irgendeinen Kontakt hatten und deswegen auch überhaupt kein Gefühl dafür, dass es wichtig sein könnte, sich damit zu beschäftigen. So ging das los und so haben wir dann ähm einem kühnen Plan folgend, einen fast ein Jahr langen Prozess angeschmissen, bei dem's einfach nur darum ging. Mal ein, wir haben das digitales Manifest genannt oder halt ein. Ähm ein ein sozusagen die die Grundlage dessen. Worauf wir äh unsere Arbeit basieren wollen. Also das digitale Leitbild der ISBZ ist da auch auf der Webseite irgendwas verlinken, könnt ihr dann schicke ich den Link noch rum.
Tim Pritlove
Klar, klar.
Andreas "Steini" Steinhauser
Da haben wir ein Leitbild verfasst. Das musste jetzt natürlich so ein bisschen äh der, der, die Headline musste jetzt evangelische Kirche angehaucht sein, aber das könnt ihr einfach weg ignorieren. Und ähm in dem in dem Manifest. Ist einfach nur mal beschrieben, was man gut finden könnte, wenn's um Digitalisierung an Schule geht. Und das war, glaube ich, die wichtigste Entscheidung, die wir überhaupt getroffen haben, dieses Manifest, diese dieses Leitbild dann auch durch die Schulgremien ging und es war auch so verfasst. Und so erklärt und in der Sprache geschrieben, dass man das verstehen und gut finden kann, dass man sagen kann, ja das das sind so verschiedene Säulen, auf die wir, den digitalen Umgang an der Schule aufsetzen wollen. Und äh verschiedene Ebenen, die man beleuchten will, das ist ein bisschen länglich, aber man kann das, wenn man sich das durchlest, gut äh ohne Weiteres gut finden. Und dann wurde das in den ganzen Schulgremien verabschiedet.
Tim Pritlove
Kannst du uns mal diese äh die Highlights und die äh wichtigsten Punkte dieses Manifest vielleicht mal so darlegen? Also was ist sozusagen die Management-Zamerie.
Andreas "Steini" Steinhauser
Zusammengefasst, grob zusammengefasst geht es darum, dass erstmal klar ist, äh es wird erstmal beschrieben in dem Manifest, dass ähm. Digitalisierung, eine riesige Chance und ein riesiges Problem gleichzeitig ist. Ja, also äh und zwar wie selten eins? Ähm und äh im Großen und Ganzen geht's jetzt äh bei den Risiken, ist klar, äh darum äh Privatsphäreverlust der Privatsphäre. Es geht darum, äh dass äh mit Fortschreiten von äh. Deep Learning und so weiter äh eine Menge Jobs verloren gehen werden durch Automatisierung, durch Robotik et cetera. Ja, dass die Jobs in Zukunft alle anders aussehen werden, man sich nicht drauf verlassen kann, das gelernt, dann habe ich ja einen Job und den mache ich.
Tim Pritlove
Aber jetzt nicht spezifisch in der Schule.
Andreas "Steini" Steinhauser
Nee, nee, nee, nee, es geht erst mal nur darum, was was kommt auf die Kinder zu? Also wir reden hier auch von Kindern, die sind dann irgendwas zwischen sechs und achtzehn Jahren.
Tim Pritlove
Okay, also du, das heißt, die Aussage ist, sagen wir mal, jetzt eine gesamtgesellschaftliche Aussage und nicht im Bezug auf Schule.
Linus Neumann
Bildung muss doch auch äh gesamtgesellschaftlich verstanden werden oder nicht, also dass deswegen.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja, natürlich. Ja, absolut. Sehe ich auch so. Also, vor allem die Kinder, die schlittern da ja überhaupt erst drauf zu. Ja, also ich bin da ja schon fast wieder raus auf eine Art, und äh aber die Kids haben das alles vor sich und äh äh für die ist das relevant, ja. Die haben nicht eine Zeit irgendwie äh äh was weiß ich, dreißig äh Jahre, vierzig Jahre ihres Lebens verbracht, ohne dass irgendjemand Daten gesammelt hat, sondern die verbringen ihr ganzes Leben damit, dass jemand, wo überall nur er nur Content Daten über sie gesammelt hat. Ist eine ganz andere Voraussetzung.
Tim Pritlove
Hört ihr das auch total unstrittig. Ich wollte dir das einfach nur mal klarstellen, dass jetzt diese Aussage des Manifest nicht sich jetzt zunächst einmal an diesem Punkt auf die Schule bezieht, sondern es ist eine eine generelle Aussage über.
Andreas "Steini" Steinhauser
Generelle Aussage, diese Welt verändert sich drastisch schnell und äh äh in in einem Bereich, in dem die wenigsten Menschen. Kinder nicht, die Lehrkräfte nicht, die Eltern nicht im Schnitt, ja? Natürlich gibt's überall mal ein paar, die das schon überblicken, aber im Großen und Ganzen äh kapieren's die Kinder noch am besten, aber so einen richtigen Überblick. Kaum mehr darüber wohin hier eigentlich die Reise geht. So und das erstmal hinzuschreiben und zu sagen, das ist eine Welt, auf die wir zugehen. Gleichzeitig aber hat die auch eine Menge Chancen. Eine Menge Möglichkeiten, ja? Äh einen irrsinnig großen Raum zur kreativen Entfaltung äh Freiräume, sich selbst zu darzustellen, äh dass das, was man auch zu lernen, so ein also was wir für Möglichkeiten haben durch äh die Vernetzung äh der Menschen untereinander äh grandios. Muss man ja auch so sehen, was wir für Werkzeuge haben, da habe ich als Kind, als Jugendlicher nur von geträumt. Ja, das las man in Science-Fiction und das gibt's jetzt alles.
Tim Pritlove
Feucht, feucht geträumt.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja, aber hallo, ja? Und äh äh und jetzt wachsen meine Kinder mit solchen Werkzeugen auf und äh, solchen Möglichkeiten, das ist ähm ja, abgefahrene, kriegt Gänsehaut. So und äh in in diesem in in diesen Zwiespalt, ja, zwischen irrsinnigen Möglichkeiten und irrsinnigen Risiken, bewegen sich jetzt unsere Kinder und äh. In einem Bildungssystem, in einem Schulsystem, in dem sie davon eigentlich nichts mitkriegen, so Recht. Also die Schule hat in der Regel weniger Bandbreite als so ein Kind in der Hosentasche hat. Und die PCs, die da stehen, haben vielleicht ein Fünftel der Leistungen, die die Smartphones heute so haben, die man so dann mit so hat. Und ähm das ist die Realität, in der es dann um die es in der Schule geht und äh. Ja, da kann man sich schon mal überlegen, äh ginge das nicht vielleicht auch besser und kann da mal so ein paar Ziele beschreiben, wo man eigentlich hin will. Und ich äh wir nannten das so ein bisschen die digitalen Ethyten, also die Fingerübungen, ja, also erstmal verstehen, womit haben wir's eigentlich zu tun. Was ist eigentlich äh wie funktioniert ein Smartphone, ein Telefon, so ein Handy. Funktioniert groben Computer, wie funktioniert eine Programmiersprache, das ist so die die Fingerübung. Aber dann geht's ja auch viel weiter und dann geht's um die Fragen, äh was ist eine digitale Identität und wie kann ich die pflegen und worauf muss ich achten. Damit mir da kein Scheiß passiert, Da ging's jetzt nicht darum, also in dem in dem äh Leitbild geht's eben darum zu beschreiben, dass die Schule sich damit beschäftigen möchte. Ja, da geht's doch gar nicht um eine Antwort wie, sondern nur darum, das sind Werte, mit denen wir uns beschäftigen wollen, wir möchten also die, dass die Kinder in der Schule, auch in der digitalen Welt zum mündigen Bürgern heranwachsen. Die Möglichkeit haben, äh. Diese Dinge zu beurteilen und sich frei zu entscheiden. Ja, heutzutage, äh, wenn du durch eine normale Schule gehst, hast du gar nicht die Möglichkeit, frei zu entscheiden, welchen Weg du im digitalen Leben gehen willst, weil da gibt's genau einen, ja? Und der heißt Microsoft, WhatsApp und Google Dogs oder so. Hochkommt, ja? Und dann gibt's nur noch die Apple-Welt und das war's dann.
Linus Neumann
Und das finde ich finde ich so wichtig, weil Entschuldigung, wenn ich da mal gerade ganz kurz rein äh grätsche, weil du halt sagst, ne, hier was ist ein Computer, was ist ein Smartphone, wie funktioniert das? Weil ich. Ist mir irgendwie graust vor der Vorstellung, dass da jetzt Kinder groß werden, die mit ja wirklich leuchtenden Brettern, äh aufwachsen, denen sie ihre Aufmerksamkeit schenken, ohne Kabel irgendwie alles Mögliche drin passiert, ja? Also ich finde das so fasziniert, wenn du dir junge Kinder anschaust, die können nicht lesen, die wissen nicht genau, was da los ist, aber denen kannst du ein iPad in die Hand geben, die finden da auf YouTube und die wissen, wo die Baggervideos sind, ne? Und können sich damit stundenlang auseinandersetzen. Die können nicht viel mehr Worte als Bagger sagen, aber die können schon mit diesem Brett interagieren. Was für ein magisches Instrument in den Händen eines aufwachsenden Menschen und, wie wahnsinnig das sein muss, wenn das also diese Konsumentenbretter ohne Keyboards, ja, wo du wo sie überhaupt gar keinen Einfluss haben, wenn die da nicht ein Fundament für bekommen, damit umzugehen. Also ich finde das so, du du sagst es so daher, ne, das muss man denen erklären, ne, das ist ja auch total richtig. Das Krasse finde ich halt so, wenn du das nicht tust, wo kommen wir dann hin? Also wie wie was für eine Welt in was für eine Welt blicken diese Menschen dann? Wie lernen die das, ne? Wahnsinn.
Andreas "Steini" Steinhauser
Das ist das der wichtige Punkt, ja? Und das ist auch was, was wir im Leitbild auch so beschreiben, nämlich dass es einen wesentlichen Unterschied zwischen Konsumieren und Produzieren gibt, ja? Und dass ein, Tablet ist nicht einfach nur ein Tablett, ein Tablet, das ist eine Bibliothek, das ist ein Kino, das ist eine Musikbox, das ist ein ein eine Spielhölle, das ist äh ja, das ist ein eine so eine eine gigantische Fülle von Dingen, die sich aber alle grob in zwei Hälften zerteilen lassen und das eine ist konsumieren und das andere ist produzieren. Und und da muss man, denke ich, äh äh und und das haben wir halt so überlegt gemeinsam, darauf hinzuwirken, dass es eine Balance gibt Weil natürlich hilft es auch nicht, wenn alle nur noch produzieren und keiner konsumiert mehr.
Linus Neumann
Nicht alle Influencer sein, das ist ja für die Kinder grade der der Hauptberufswunsch.
Tim Pritlove
Das der Job ist.
Andreas "Steini" Steinhauser
So, aber diese diese Balance eben äh hinzukriegen, zu sagen, auch auch äh für sich zu entscheiden, die äh damit beschäftige ich mich jetzt mal nicht, ne? Und äh aber wir schweifen so ein bisschen ab, darum geht's in dem digitalen Leitbild und der wichtige Punkt daran ist, wenn man so ein Leitbild hat. Und alle haben ja dazu gesagt, weil's plausibel klingt und weil's vernünftig klingt, weil sie dann auch verstanden haben, dass das Team sind, mit dem man sich beschäftigen will, dann kannst du und nur dann kannst du im nächsten Schritt, dann so Entscheidungen getroffen werden an so einer Schule zu bestimmten Dingen sagen, ja aber Moment mal. Lasst doch mal überprüfen, ob das irgendwie da Chor geht mit unserem digitalen Leitbild, Und auf Basis dieses Leitbild wurde dann, haben wir gemeinsam an der Schule einen Ausschuss digitale Agenda, heißt der, gegründet und das könnte man nennen, die Ethikkommission der digitalen Welt. Ja, an dieser Schule. Das heißt, wer immer da was machen will im im mit digitalen Werkzeugen. Ähm mit äh mit mit Kindern muss quasi erstmal durch diese Ethikkommission, muss also erklären, was er oder sie will. Und äh wie das aussehen soll, welche Tools dafür verwendet werden soll, um sich mal einen Rat zu holen, mal äh auch eine Aussage zu holen, weil ist ja klar, die allermeisten Menschen können, Selbst wenn sie das verstehen, dass sie das sollen, nicht beurteilen, ob das, was sie da machen, vernünftig und gut ist oder gerade massiv äh Schaden verursacht, weil's die Privatsphäre der Kinder mal Freihaus nach USA liefert irgendwo hin. Wo, woher willst denn das wissen.
Linus Neumann
Was halt irre ist, weil du es halt also das Interface ist ja in beiden Fällen auch gleich, ne? Du siehst es der Sache ja wirklich nicht an, ob du jetzt irgendwo deine also ob's jetzt die Clubhausdebatte ist oder ne, ob's das Microsoft Word auf deinem Rechner ist oder das äh Microsoft Word, mit dem du irgendwie besser zusammenarbeiten kannst, weil's dreihundert äh fünfundsechzig heißt. Ne, das, Also wie's da drunter aussieht, ja, siehst du ja von vorne nicht.
Tim Pritlove
Nochmal zum Verständnis äh Steiniger mit, dass klar ist. Du sagst ja jetzt, äh wir haben also äh mit diesem Leitbild, das habt ihr jetzt im Rahmen eurer Initiative entwickelt oder das war jetzt erstmal etwas, was so spezifisch für diese Schule gemacht hast und damit auf die Schule zugegangen bist.
Andreas "Steini" Steinhauser
Genau, nee, das haben wir in der Schule gemeinsam mit der Schule entwickelt. Also die Schule äh schreibt sich Großpartizipationen auf äh auf einen Zettel, und habe mir gedacht, na gut, jetzt sind wir hier äh ähm AG digital und dann machen wir doch mit. Partizipieren wir halt und haben dann eben einen eine Gruppe gebildet aus Eltern, Schülerinnen, Lehrerinnen äh und der Schulleitung. Das gemeinsam erarbeitet hat.
Tim Pritlove
Das hat die Schule auch von vorne rein akzeptiert, gut gefunden oder musste da erst Überzeugungsarbeit geleistet werden. Wie war das?
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja, es hilft schon, wenn man ein bisschen hartnäckig dabei bleibt, das zu erklären. Wie schon sagte, es hat fast ein Jahr gedauert, bis wir da waren. Da muss man schon äh es ist schon Überzeugungsarbeit, dass es die größte Arbeit, die zu tun ist, ist überhaupt das zu erklären, dass es hier was zu tun gibt. Das wissen die meisten gar nicht. Das ist so wie wie bis vor Kurzem die meisten Menschen gar nicht wirklich wussten, dass wir eine Klimakatastrophe haben und der Planet zum Teufel geht. Das muss man denen erst mal erklären.
Tim Pritlove
Und bist du da von unten über die Lehrer eingestiegen oder von oben mit der Schulleitung, also was ist da der Ansatzpunkt gewesen?
Andreas "Steini" Steinhauser
Das ist schwer zu sagen. Also wir haben, es ging, es geht am besten über glaube ich zumindest in dem Fall, ging's am besten über interessierte Lehrerinnen. Da auch Bock drauf hatten, sich damit zu beschäftigen und äh es war halt ähm ja, weiß ich auch nicht, mühsam, kann ich nicht anders erklären. Also die ESBZ ist jetzt war zu dem Zeitpunkt auch nicht besonders bekannt, dafür ursprünglich, sich mit diesen Themen besonders gut und viel auseinanderzusetzen, aber, Das hat schon geholfen äh die Schule ist sehr offen, solchen Ideen gegenüber. Das hilft ungemein. Und äh ich glaube aber für andere Schulen ist es einfacher, weil die können sich jetzt ja dieses von uns ausgearbeitete Manifest, also dieses Leitbild nehmen, können es auf ihre Zwecke anpassen und sagen, guck mal, hier gibt's schon was, das ist irgendwie funktioniert das eigentlich schon mal ganz gut, äh bauen wir jetzt so um, dass es für uns auch passt. Weil an jeder Schule gibt's irgendwie zwei, drei Leute, die das verstehen.
Tim Pritlove
Kannst du nochmal kurz, dass wir äh klarstellen, wer wir ist, wenn du wir.
Andreas "Steini" Steinhauser
Wir ist im Großen und Ganzen also äh der Micha, also der Micha, heißt er, nennt er sich, Michael, Äh und und der äh und ich und äh dann an der Schule noch waren's damals zwei Lehrkräfte und äh zwei eine Schülerin, ein Schüler.
Tim Pritlove
Und der Micha hat auch Kinder auf der Schule.
Andreas "Steini" Steinhauser
Genau, der hat auch eine Tochter auf der Schule und unsere Kinder sind inzwischen eng befreundet. Das war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht der Fall.
Linus Neumann
Wie siehst du das denn, also wenn das. Ist das denn jetzt irgendwie für euch ein ein wünschenswerter Zustand, dass man irgendwie zweitausend oder waren ja oder zwanzig neunzehn, wenn ihr damit angefangen habt, dass dass das jetzt an jeder Schule eine Initiative aus der Elternschaft sein muss äh um irgendwie da ein digitales Leitbild hinzukriegen oder gäbe es auch andere Institutionen in der Bundesrepublik Deutschland oder im Land Berlin, äh die diese Aufgabe sich hätten annehmen. Können.
Andreas "Steini" Steinhauser
Hat das immer ganz schwierig, ne, hätte Fahrradkette. Ähm das setzt ja voraus. Jemand ähm der in so einer Verantwortung möglicherweise ist, selber in der Lage ist, zu verstehen, zu begreifen, dass das echt ein Problem werden kann und wird. Also das nicht zu tun äh ist ja erstmal nicht anders, als es die ganze Zeit schon ist, ja? Also vor vor was weiß ich, zwanzig Jahren gab's das alles nicht. Und sich da nicht drum zu kümmern war kein Verlust. Ja und äh so wie heute noch die meisten Menschen glauben äh, was vor in den siebziger, achtziger Jahren über sogenannte Drittweltstaaten erklärt wurde, was schon lange nicht mehr so stimmt, so glauben die Menschen ja das noch, was sie selber vor Jahren vielleicht selber in der Schule oder, kurz danach erfahren haben über die Digitalisierung an Schulen und so weiter Ja, also äh will sagen, wenn du jetzt ähm im Kultusministerium sitzt oder äh in Berlin, im Bildungssenat und so weiter, dann bist du ja nicht automatisch Expertin oder sowas. Für diese Themen, ja? Und äh du bist ja da nicht automatisch äh äh mit mit äh, ja Visionären, Ideen gesegnet und und weißt, was alles passieren wird. Insofern ist das schwer zu sagen, ob man hätte müssen, ja, natürlich hätte man müssen. Man hätte auch vor vierzig Jahren äh mit dem ganzen Umweltscheiß aufhören müssen. Jetzt kann man hinterher sagen, ja wussten wir doch alle. Hätte man wissen können die Wissenschaft hat's ja gesagt. So, aber es reicht ja nicht, ne. Man muss es auch verstehen und man muss es auch überhaupt erstmal ja, sich dafür interessieren wollen.
Tim Pritlove
Ich glaube Lidos Frage ging so ein bisschen auch in die Richtung. Gibt es irgendwelche anderen Organisationen, äh die in irgendeiner Form sich jetzt äh ähnlich als Ansprechpartner für Schulen anbieten.
Andreas "Steini" Steinhauser
Gute Frage. Weiß ich, also gibt's bestimmt ein paar. Also äh Chaos macht Schule, wird ja ganz oft angefragt. Da geht's jetzt eher im Momentaufnahmen. Das mache ich ja auch schon seit einigen Jahren, dass wir dann von Schulen angefragt werden und das passiert tatsächlich relativ häufig. Wir hatten jetzt vor äh Corona hatten wir, Na ja, das sind dann schon äh äh vier, fünf manchmal sechs äh Vorträge pro Monat in irgendwelchen Schulen. Ähm aber wenn du guckst, wie viel Schulen es wirklich gibt, ist das jetzt auch nicht so viel. Da bin ich jetzt auch nicht so äh kann ich dir nicht sagen, wer wer sich da alles noch drum kümmert, aber ich merke, wie groß das Interesse an dem ist, was wir tun und, sagt mir schon, dass da ein großes Vakuum ist. Da auch äh ja ein ein Bedarf ganz offensichtlich ist und wir jetzt Dinge tun, von denen inzwischen mehr und mehr Leute begreifen, dass die unbedingt getan werden wollen. Und äh.
Tim Pritlove
Ja, also ich könnte auch nochmal ein Beispiel äh einwerfen. Es gibt ja zum Beispiel diesen Bundeswettbewerb Informatik, oder ist es äh das ist auch schon vielen Schulen überhaupt nicht klar dass sie sich da mal problemlos einklinken können und sagen können, hier wir wollen uns als Schule am Bundeswettbewerb Informatik teilnehmen und unseren Schülern die Möglichkeit äh, an diesen Wettbewerben teilzunehmen.
Andreas "Steini" Steinhauser
Wettbewerbe gibt's ganz viele, also äh Lego-Roboter, äh Robotik, Programmierwettbewerbe und alles mögliche, aber darum geht's, glaube ich, in der Digitalisierung von Schule gar nicht, Ja natürlich, das ist eine Komponente, ne. Computer benutzen, um damit irgendwie äh äh Programme zu schreiben und sich mit solchen Dingen zu beschäftigen, ist sicherlich eine Fähigkeit, aber das so ein bisschen wie CBU um sich über Funk, über Funkgeräte zu unterhalten.
Tim Pritlove
Ja gut, ich wollte das jetzt nicht als Universallösung anpreisen. Es hat nur festgestellt, dass in dem Moment, wo man sie darauf hinweist, die überhaupt erstmal realisieren so, ah, so was gibt es, sowas sowas, da kommt was von außen, da gibt es Angebote, die man auch tatsächlich ohne Weiteres jetzt mal zur Anwendung bringen kann, ne? Das ist schon oft nicht bekannt.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja genau und es es gibt aber und das versuchen wir ja. Es gibt irgendwie keinen Ort, wo du das mal konzentriert findest, ja? Auch die Frage, die kriegen wir ganz oft, weil wir haben an der Schule, so hat's ja angefangen, erstmal gemeckert. Irgendwie Microsoft geht natürlich überhaupt nicht klar und also meckern ist immer ganz leicht. Und dann kommt natürlich dann aber irgendwann berechtigterweise auch die Frage, ja was nehmen wir denn stattdessen. Dann fängst du halt an, hier open Source Tools und wissen schon und Datenschutz und dann kriegst du erstmal große Augen, ja und wie mache ich das? Und dann dann wird's natürlich schwierig, Und so haben wir dann auch, äh, nachdem wir das an, an der Schule da gemacht haben, äh, auch festgestellt, dass das für viel mehr Leute, viel weiter trägt, Ja, dass wir äh das auch einfach mal alles hinschreiben können. Ein Fragenkatalog einfach bearbeiten können und sagen, na ja äh gucken wir uns doch die Software mal an und formulieren einfach mal die Fragen, die man stellen müsste, bevor man an der Schule eine Software einsetzt, ja? Und idealerweise geben wir dann auch die Antworten dazu. Das können wir gemeinsam tun und, Arbeit ist, die für jede Schule Sinn ergibt. Haben wir uns dann halt überlegt, na dann lasst doch mal einfach einen Verein gründen und gucken, ob wir Leute finden, die da auch Bock drauf haben und das haben wir dann gemacht äh zweitausendneunzehn aufm Kongress war das, genau. Gegründet und überraschend schnell eine doch sehr kompetente und, Gruppe von Menschen zusammen äh gekriegt, die jetzt sich da seitdem und das ist seitdem kein einziges Mal ausgefallen, jeden Dienstag trifft. Und äh konkret an Dingen arbeitet. Also ziemlich geil auch. Macht auch richtig viel Spaß. Gibt auch ein offenes Treffen immer Dienstag einundzwanzig. Nee, jeden zweiten Dienstag, einundzwanzig Uhr. Kann man gerne vorbeikommen. Äh äh Cyberforido Punkt ORG gibt's einen Link zu da findet man ihr auch relativ viele Informationen auch zu zu fragen, warum jetzt Zoom scheiße ist und sowas.
Tim Pritlove
Was heißt äh was heißt in in pandemischen äh Zeiten vorbeikommen?
Andreas "Steini" Steinhauser
Big Blue Button.
Tim Pritlove
Also online Konferenz, hm, okay.
Andreas "Steini" Steinhauser
Genau. Ja, ja, genau. Das ähm das ursprünglich war das natürlich anders gedacht, aber äh na ja, uns alle hat dann äh die Pandemie heimgesucht. Und äh eigentlich waren wir zu dem Zeitpunkt auf dem Weg äh uns um Next Cloud und Messaging zu kümmern. Eigentlich war klar, wir müssen WhatsApp aus den Schulen rauskriegen, es geht gar nicht. Es war so eigentlich unser erster Showcase zu sagen, warte mal. WhatsApp, das Kann nicht sein, dass das der Standard-Klassen-Chat ist und dass die Lehrer in den Klassen dann sagen, ey liebe Kinder, ich darf's euch nicht empfehlen, weil eigentlich ist es verboten, aber hm, vielleicht ermacht ihr doch mal auf WhatsApp einen Klassenchat. Und äh das war eigentlich unser erstes Thema, mit dem wir uns beschäftigen wollten und dann äh. Gewaltig und zwar klar, jetzt brauchen wir Video-Conferencing. So und dann haben wir an an unserer Schule erstmal ein hochgezogen. Das war ein wüster Ritt mit so einer kleinen äh Passwortgeschützen Wordpress davor, weil einfach war ja, es war ja nichts da, ne? Also nix, womit man jetzt auch äh die Schülerinnen hätte erreichen können, Ja, du weißt, in in ein, zwei Wochen ist hier Lockdown und dann hast du ein Riesenproblem, das dir nicht irgendjemand hinten runterfällt und du musst die alle erstmal dazu kriegen, äh da darf wieder vorbeizukommen und die zu erreichen, So und das war halt dann eine Kombi aus Wordpress und Jitzi. Auf dem Wordpress haben wir dann für diese zwei Wochen in Vertretungsplan geschaltet. War äh gern genommen. Den gab's nämlich bis dahin auch noch nicht. Und da konnte man dann gucken, ob äh sich's überhaupt lohnt morgens aufzustehen.
Tim Pritlove
Ja. Ich will lass mir das mal kurz ein bisschen äh sortieren, dass wir hier nicht zu viel Fachbegriffe unerklärt im Raum stehen haben. Also nachdem ihr sozusagen euren ersten Move gemacht hat und dieses äh Manifest, dieses Leitbild entworfen habt, darüber dann auch die Schule mal in die Diskussion bekommen habt. Äh ist das dann, wenn ich das richtig verstanden habe, äh schnell in so eine Bestandsaufnahme mit was brauchen wir denn jetzt eigentlich wirklich, um das auch konkret voranzubringen. Jetzt wo wir quasi das erste Mal eine Bereitschaft spüren. Und dann war klar ohne eine Infrastruktur funktioniert das nicht und da ist jetzt nicht nur die Infrastruktur in den Schulen relevant, also klar, es müssen irgendwie Devices äh in irgendeiner Form vorhanden sein, Computer mindestens aber es muss eben in irgendeiner Form auch 'ne Infrastruktur, Cloud geben und da halt natürlich irgendwie nicht bei den kommerziellen Anbietern, sondern ihr habt dann eben Open-Source-Lösungen genommen. Big Blue Button hast du erwähnt, das ist also, in so eine integrierte Lern und Konferenz äh Oberfläche, ne?
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja, ist eine Videokonferenz mit ein paar extra Tools dazu, genau.
Tim Pritlove
Genau, mit so Whiteboards und so weiter, nur um das mal so ein bisschen einzusortieren, äh.
Andreas "Steini" Steinhauser
Genau. Und auch, ist auch ein Video.
Tim Pritlove
Genau, ist konkret dann eben Videokonferenzing und Next Cloud, hast du ja auch erwähnt, ist eben äh eine Open-Source-Lösung, die so, Dropbox Funktionalität hat, also Falls tauschen, äh et cetera und andere Infrastruktursachen, Kalender, äh diese Sachen.
Andreas "Steini" Steinhauser
Genau, Adressbuch, Notizen et cete.
Tim Pritlove
Mhm, genau.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja genau, also Kollaboration im weitesten Sinne.
Tim Pritlove
Das heißt, ihr habt mit Cyber Foredu habt ihr sozusagen im Prinzip eure eigene Schulklaut aufgebaut, wenn ich das mal so sagen.
Andreas "Steini" Steinhauser
Angefangen, genau. Also wir haben das für die Schule an der Schule gemacht und äh äh in in der Pandemie eben, um dem Laden äh. So ein bisschen am Laufen zu halten und ähm das gab so einen ganz lustigen und total abgefahrenen Effekt zwischen den äh Lehrerinnen und uns das hat sich gegenseitig so hochgeschaukelt. Form von Herausforderungen, die plötzlich allen Spaß machte. Und daraus sind Dinge geworden, die so, weil sie, weil sie alle merken, wow, das funktioniert, ja, dieses äh Videokonferenzing geht wir können die Kids erreichen, wir können weiter unterrichten und daraus sind dann, da ist die gibt's auf auf Spotify, so da gab's jeden Morgen einen Podcast. So einen guten Morgen-Podcast der Schule für alle Schüler er nimmt, das war der absolute Knaller. Ja, also, Die sind morgens aufgestanden, ich bin mit aufgestanden, weil ich den Podcast hören wollte, weil es absolut gut war. Ja haben äh, denn äh zwei Lehrer gemacht aus der Schule und dann immer äh die die Schülerinnen haben dazu Content geliefert, dann gab's digitalen Sportunterricht, Also es wurde immer kreativer, immer abgedrehter. Und äh alle waren total begeistert und nach ein paar Wochen, am Anfang hat's tierisch geruckelt und alles war schlimm, bis für die Technik im Griff hatten. Und äh nach ein paar Tagen funktioniert es dann und nach ein paar Wochen hatten wir da morgens vierhundertfünfzig Schülerinnen äh im Gitzi. Ne, jeden Morgen. Und äh die hatten Bock drauf, ja, die wollten dann die Leute, die sind dann auch nicht zu spät gekommen, weil das war interessant und spannend, was da passiert ist. Es war eine Experience und äh.
Tim Pritlove
Wo habt ihr denn die diese Ressourcen hergenommen jetzt so was aufzubauen? Ich meine so Videokonferenz für vierhundertfünfzig Leute ist ja jetzt äh auch nicht mal so eben gemacht.
Andreas "Steini" Steinhauser
Nee, das stimmt. Äh teils Eigeninitiative, teils Elternverein würde ich so sagen. Also der der Elternverein ist relativ äh aktiv an der ESBZ. Und der hat dann auch Server finanziert und äh da kam eine Menge zusammen, sagen wir mal an an äh ja. In der Menge Menschen, die auch gesehen haben, hier muss jetzt wirklich was passieren. Wir haben einfach eine fette Krise und äh, Wenn wir jetzt in dem Bereich was tun können, dann machen wir das. Und äh ja, dann haben wir halt Server gemietet und äh ganz interessant, weil äh ich glaube, die wichtigste Komponente an der Stelle war, dass die Schulleitung, weil wir vielleicht auch ein bisschen, weil wir das Manifest, das Leitbild hatten. Keinen Zweifel daran ließen, dass sowas wie Zoom oder Teams und so ein Zeug einfach nicht in Frage kommt, weil es entspricht nicht dem Leitbildpunkt. An ganz vielen Schulen äh habe ich äh dann äh äh gesehen um mich rum, dass dann jede Klasse das irgendwie anders gemacht hat, Ja, weil es gab keinen kein äh kein klares Statement. Es gab keinen Weg, der von vorne rein vorgegeben war. So wird's gemacht, Punkt. Wenn's Scheiße ist, müssen wir es besser machen, sondern es war so, ja, es wurde viel rumprobiert und alle haben irgendwas anderes gemacht und da gab's dann was weiß ich, äh, von Teams alles Kuddelmuddel, reih um und äh. Ein riesen Durcheinander. Und das war tatsächlich da nicht an der Schule, sondern da gab's überhaupt keinen Zweifel, das wird so gemacht. Fertig.
Linus Neumann
Das ist natürlich mit diesem Teams und Zoom muss man eher vielleicht auch sagen, auch teilweise halt so eine, ja, vielleicht nicht Notwehr, aber. Ja Not Notstandssituation, die man da häufig findet, ne, dass jetzt also nicht jede Schule kann auf eine, freiwillige und engagierte und kompetente zurückgreifen, die das dann hinkriegen und ich sehe, höre das dann schon an allen Ecken und Enden, dass die Leute sagen, komm, dann machen wir's jetzt halt mit Teams oder mit Zoom mit immer der gleichen Begründung, ne? Das funktioniert wenigstens und das finde ich natürlich. Also es ist natürlich auch ein, also die Falle, in der man sich ja dann da befindet, ist klar, du kannst ihnen einerseits sagen, okay, das, was ihr da macht, ist, sicherlich keine Weise Entscheidung, aber solange du nicht mit einer gangbaren Alternative aufwarten kannst, ähm bist du natürlich auch in der Falle. Äh jetzt ist bei euch halt eine glückselige Situation, ne?
Andreas "Steini" Steinhauser
Nee, aber so ganz stimmt das nicht, was du sagst, weil ich finde, da müssen wir uns auch erstmal drüber unterhalten, über welche Grundwerte wir uns einigen. Und wenn einer der Grundwerte ist, um an der Schule Unterricht zu machen, wir halten uns an geltende Gesetze. Und und das geltende Recht in Deutschland, dann kannst du das halt nicht machen. Also du kannst doch den Kindern jetzt auch nicht empfehlen, klaut euch bitte ein Notebook, das ist dann viel geiler, viel besser und damit könnt ihr richtig gut am digitalen Unterricht teilnehmen und es kostet auch nichts. Doch auch nicht empfehlen. Ist halt verboten, ja und?
Linus Neumann
Finde ich äh ich finde's super, dass du das ja, ja, nein, richtig. Ich finde es super.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja, das, das können wir doch nicht machen. Wir können doch nicht an der Schule unterrichten, ey come on, wir scheißen auf geltendes Recht. Es geht doch nicht. Und und oder sogar oder sogar finde ich fast noch schlimmer, gar nicht wissen, dass es geltendem Recht widerspricht, das zu tun. Ja, da finde ich, muss man sich schon ein bisschen, da es ist dann auch schon eine Hohlschuld. Da müssen sich die Leute schon, bevor sie das machen, auseinandersetzen, ob das okay geht. Ja? Und ähm natürlich äh hat hatte jetzt die Schule den Vorteil, dass wir uns drum gekümmert haben und da auch einen Ausschluss hatten, der sagte, nee, Freunde, geht nicht. Und du bist ganz schnell in der Querulanten Position, ne? Ganz schnell bist du der ewige Nein-Sager und deswegen ist es so wichtig, dass dann auch gute Vorschläge kommen, Und genau daraus ist dann ja auch entstanden zu sagen, da werden wir das für eine Schule können, können wir das auch für viel mehr. Weil, kannst auch als eine Schule gar nicht jetzt äh zwei Admins, finanzieren, die das machen. Da will ja auch mal jemand in Urlaub und so, ne. Du kannst als so eine Schule gar nicht die Arbeit machen, die erforderlich ist, um eine Schule komplett digital zu betreiben. Wir mussten ja erstmal ein Netzwerk aufbauen und und Wifi Adapt an die Wand schrauben und so ein Zeug. Und äh deswegen aber zehn Schulen oder fünfzehn Schulen zusammen können sich sehr wohl zwei Admins leisten. Und äh äh dann dachten wir na gut, was jetzt an der einen Schule funktioniert, funktioniert an der nächsten auch, da sind wir äh zur Schule meiner jüngsten Tochter. Und haben denen dann auch einen BigBlue-Button installiert und Grundschule, ne? Ganz anderer Schnack. Und äh, da hat's auch zwei, drei Tage geruckelt und dann kommt immer dasselbe, ja, die Eltern sofort nehmen würde, alles toll funktionieren. Und auch da wieder ganz klar die Schulleitung sagt, nee, kommt nicht in Frage, weil äh es entspricht halt nicht geltendem Recht und außerdem ist es ein Problem, aus ganz vielen Gründen und ist dann einfach stur geblieben und es war gut und richtig. Und ich glaube, da da kommt's auch drauf an, dass man einfach ist so eine moralische Aspekt, Arsch in der Hose hat zu sagen, kann ja sein, dass es besser funktioniert, technisch gesehen oder irgendwie, aber es geht halt nicht, weil es die Privatsphäre der Kinder, das ist ein wirklich immens wichtiges Gut, ja? Mit so doll mit Füßen tritt, Das ist das nicht wert ist. Ja, genauso könnte man sagen, ja, wie äh wie soll ich denn jetzt nach Bank kommen, wenn ich nicht fliegen soll. Wegen Klimakatastrophe. Ja und die Antwort ist na ja gar nicht. Also geht halt nicht.
Tim Pritlove
Ganz normal, damit wir das nicht einfach nur so im Raum stehen lassen. Dann sind wir mal so ausführen, warum jetzt eine äh die Nutzung von Zoom gegen recht verstößt, also gegen welches Recht verstößt es den äh konkret und warum denkst du nicht, dass solche pragmatischen Ansätze mit, ich nehme jetzt etwas, was sofort überall verfügbar bevor ich auf äh die größere Lösung warte, warum das nicht für angemessen hältst.
Andreas "Steini" Steinhauser
Okay, also äh Zoom in Spitze. Erstmal klar äh du hast du hast hier mit Zoom und das ist ein Platzhalter für die anderen Dinger auch, äh du installierst ja eine Application auf dem PC der Kinder. Kann das Mikro anmachen, die kann äh die Kamera anmachen, die hat Zugriff auf den Desktop, das Pfeilsystem, das ist die perfekte Wanze, die da im Kinderzimmer steht. Jetzt kann man sagen, ja, aber äh äh die äh wären das schon nicht mit Missbrauchen. Und dann stellst du aber fest, dass nach dem Patchwork-Act jedes amerikanische Unternehmen, egal, wo es auf der Welt Business macht und ganz egal, was es da, wo, wie, welche Verträge unterschrieben hat, schlichtweg verpflichtet ist, den amerikanischen Diensten, wenn die das wollen, unbemerkten Zugang zu all diesen Staatenströmen zu verschaffen. Das ist geltendes Recht in USA. Amerikanische Unternehmen muss zum Beispiel der NSA diesen Zugang äh Zugang geben. Und die Großen haben das auch alle immer. Und die haben keine Möglichkeit rauszufinden, ob die NSA da jetzt grade was tut oder nicht oder es gibt auch noch andere Dienste in USA, die das tun, Und dann gibt es äh europäisches, geltendes Recht, dass die Datenschutzgrundverordnung, die verbietet genau das. Die sagt, dass Menschen äh die Gewalt über ihren eigenen Datenstrom haben müssen und zu jedem Zeitpunkt im Stande sein dürfen, zu wissen, was wo und äh äh wie es gespeichert ist. Verwendet wird und das widerspricht sich einfach voll umfänglich. Deswegen hat der Europäische Gerichtshof auch beschlossen, dass der das sogenannte Privacy shielt. Das war ein Vertrag zwischen äh Europa und USA, nichts anderes getan hat, als äh zu sagen, äh äh ja, amerikanisches Recht entspricht zwar nicht der DSGVO, aber wir beschließen jetzt einfach mit diesem Vertrag, dass es trotzdem in Ordnung ist. Also das amerikanische Systeme, trotzdem europäischem Recht entsprechen, obwohl sie das gar nicht tun. Und äh der Europäische Gerichtshof hat, nachdem jemand drei Jahre lang geklagt hat, dass dann auch gekippt. So, deswegen.
Linus Neumann
Max Schrenz äh haben wir auch eine Folge zu haben wir zweimal hier äh in der Sendung gehabt in den machen wir da noch. Für diejenigen die das vertiefen möchten muss ich ganz kurz hier Werbung zwischen Spielen.
Andreas "Steini" Steinhauser
Unbedingt. Also.
Tim Pritlove
Linus in unserem Podcast, Mensch. Aber äh Steini ist, ist aber nun auch so, dass das äh komplette Universitäten derzeit irgendwie ihren Unterricht über Zoom abliefern. Also, ich meine, so ganz äh kann das ja nicht hinhauen.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ich weiß. Doch, doch, das ist äh ja, das ist halt nicht in Ordnung und in dem Moment, wenn sich jetzt ähm äh in Berlin zum Beispiel, wenn sich in Berlin jemand, und das können eben nur Betroffene, Wenn sich da jemand beschwert bei der Berliner Datenschutzbeauftragten, äh dann äh geht die dem eigentlich normalerweise nach, und äh untersagt das dann. Und deswegen gibt's da auch äh eine Liste von äh Tools, die okay sind und welche, die nicht okay sind und bei denen, die alle so eine rote Ampel haben, ne, ist eben Zoom und Teams und äh, und so weiter dabei. Aus genau diesem Grund. Und das ist auch völlig richtig so. Ja, das ist äh nur weil es gut funktioniert, heißt das ja noch lange nicht. Dass wir Privatsphäre der Kids Richtung USA kippen. Und dann äh ja äh der nächste schwierige Präsident. Plötzlich irgendwelche Ideen hat, was man mit den Datensätzen machen kann, um andere Nationen unter Druck zu setzen, wenn die Kinder mal älter geworden sind. Ist halt einfach nicht so eine gute Idee. Und äh was auch nicht eine gute Idee ist, ist, dass du in all diesen äh Unternehmen, Kultur findest, die uns Konsumentinnen schon, zigmal belogen haben. Ja, also wie oft hat uns Microsoft belogen, darüber, was mit den Daten passiert? Ja, da gab's also einen Skandal nach dem nächsten Zoom, hat uns belogen, ja, da flossen dann äh, Informationen direkt an Facebook ab und so weiter, ohne dass sie das zugegeben haben, das musste ihnen dann erst bewiesen werden, dann hieß es, das sei aus Versehen gewesen, na ist klar, da ist also aus Versehen Code drin. Der dazu führt, dass Daten nach Facebook fließen. So und so weiter. Und das ist so ein bisschen das Problem, wenn wenn das Unternehmen gibt, die uns einfach schon X mal beschissen haben und belogen haben, wenn die dann irgendwann sagen, ja, na ja, jetzt machen wir's aber ordentlich, ne? Also natürlich wird Microsoft sich jetzt drum bemühen, zu sagen äh äh wir machen jetzt äh Server in Deutschland. Ja, das ist immer so dieses Deckmännliche mit der Telekom, haben sie auch schon mal probiert. Wir machen jetzt äh Server in Deutschland. Ja das hilft nur genau nix. Ja, davon wird jetzt äh äh das der der ähm Patriot Act immer noch nicht weg. Die sind immer noch verpflichtet, die Daten abfließen zu lassen. Jemand möchte und das kannst du nicht verhindern. So, das sind alles Deckmäntelchen über ein gigantischen Businessmodell, das im wesentlichen darauf beruht, äh große IT-Unternehmen gerne noch größer sein möchten und das äh beste Mittel, das du dazu haben kannst, ist möglichst viel über möglichst viele zu wissen. Und äh ich meine, das äh habt ihr ja nun auch schon hinreichend oft. Und äh äh das ist ja auch wirklich so. Ja, also Information ist ein immens wertvolles Gut und äh je mehr du über jemanden weißt, umso besser und je früher du also anfängst, Leute was rauszufinden, umso besser für dich, wenn das dein, deine Idee ist. Und äh. Davon äh zu schweigen, dass du natürlich auch so ein Login äh äh Syndrom kriegst, ja, dass du also wenn du hier äh an den Schulen mit Microsoft machst, ja, dann können die auch nur Microsoft. Das ist doch Productplacement, ja? Ich meine, Schule hat doch äh da wird jetzt drüber diskutiert, welche Geräte äh äh denn da angeschafft werden, damit da eine Diversität entsteht und dann haben sie aber auf allen Microsoft drauf. Ist ja auch ein Problem. Also können wir nicht, können wir nicht versuchen, möglichst viele verschiedene Tools zu zeigen, damit du als Kind dann auch, wenn du später mal, äh äh im Job, irgendwas willst möglichst viel davon kennengelernt hast, dass du dich entscheiden kannst. Wäre ja auch eine gute Idee, oder? Mal ganz ab von dem, äh rein rechtlichen Aspekt.
Linus Neumann
Also das hat ja auch so einfach mal nur so einen ganz einfachen Aspekt, der ja Autonomie, die da mit einhergeht, auch also wer jetzt nicht pathetisch klingt, aber eben auch wenn du an diesem Moment, als als Schule oder als Bildungssystem aufgibst und sagst, alles klar, wir wir machen hier ein Product Placement und wir lehren äh unseren Kindern mit der Muttermilch, ja, diese Microsoft-Produkte zu nutzen, brauchst du dir jetzt auch keine großartigen Hoffnungen zu machen, dass da jetzt noch irgendwie, na? Dass du jetzt noch dass du noch mehr bist, als äh das Öl des einundzwanzigsten Jahrhunderts äh statt vielleicht die, um das jetzt mal so zu strapazieren, ne? Also ich denke ja Es geht ja wirklich auch um die Zukunft und das auf dem das Fundament, auf dem die Kinder dann irgendwann einmal stehen als Bürgerinnen der Gesellschaft.
Andreas "Steini" Steinhauser
Absolut und vor allem ist es ja auch ein immenser Vorteil, wenn du als Kind in der Schule gelernt hast, dass Privatsphäre einen schützenswertes Gut ist, wenn du gelernt hast, wie du mit deinen persönlichen Identitäten im Netz umgehst, wie du die auch schützt, ja, wie du dich äh nicht ausspionierbar machst, weil das ist eine Qualifikation, die kannst du dann irgendwann, egal welchen Job wirklich gut gebrauchen. Ja, weil auch äh also äh äh Industriespionage ist ein immens großes Problem.
Linus Neumann
Die die Lehre zu ziehen, äh lass uns lieber die die US-Dienste nehmen, wo wir mit unseren Daten bezahlen, die funktionieren besser, als wenn wir jetzt es selber versuchen, weil wir es nicht können. Das wäre halt eine katastrophale Lehre in dem Alter zu ziehen, ne.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja ja und ja vor allem, genau. Und du kennst da nichts anderes. Ja, du. Sagen andere, na aber du musst ja dann auch mit äh Microsoft Word und äh äh MS dreihundertfünfundsechzig umgehen können. Ja ähm äh auf eine Art stimmt das wahrscheinlich, aber das wäre für mich dann was, wo man sich's halt mal unter kontrollierten Bedingungen gemeinsam anschaut, und vielleicht auch lernt, aber bitteschön in der Umgebung, wo Microsoft auf gar keinen Fall erfährt, was das jetzt wie der Mensch heißt in welcher Klasse er ist, welche Noten er hat, oder sie und so weiter, ja? Und das ist ja gängige Praxis im Augenblick. Ja, dann kommen gehen Notenkonferenzen äh online äh über Excel in der Cloud, Hallo.
Tim Pritlove
Okay, lass uns mal nicht weiter äh darüber reden, was alles nicht geht, sondern lass uns vielleicht nochmal kurz darüber äh reden, was eigentlich wirklich erforderlich ist und wie man das herstellen kann. Ich meine, diese äh Kombination, die du da äh aufgeführt hast, mit et cetera, Teilaustausch, das ist ja alles so ganz grundlegende äh Dienste, die man benötigt, gar keine Frage, ne. Wenn man sie denn dann auch wirklich auch in einer, praktischen Art und Weise zusammengestellt bekommt. Ich habe jetzt ähm also, an der äh Schule eines meiner äh Kinder, da wird dann dieser HPI Schulcloud genommen. Weiß nicht, ob du dich mit damit auch ein bisschen äh beschäftigt hast. Ich stecke da jetzt nicht zu tief drin, aber ähm was auf jeden Fall ja erforderlich ist und was zumindest von dieser Software, zumindest in Teilen äh abgedeckt ist, dass sie halt auch einen tatsächlichen Arbeitsprozess der Schule abbildet. Also allein so banale Sachen wie Hausaufgaben, äh Aufgaben, die zu erledigen sind, das Einreichen derselben, dass man sehen kann was äh ist denn überhaupt noch zu tun? Bis wann muss es denn getan werden et cetera, was was fehlt mir noch? Also auch so eine To-do-Liste quasi. Äh das ist ja jetzt durch die Tools, die du bisher aufgezählt hast, äh überhaupt nicht abgedeckt. Was, Habt ihr denn da jetzt sozusagen gemacht und oder habt ihr da schon was gemacht in dieser Hinsicht oder ist das denkst du, das ist nicht euer Ding.
Andreas "Steini" Steinhauser
Doch auf eine Art schon. Also zunächst mal haben wir ja erstmal Pandemie bedingt uns äh jetzt fast ausschließlich mit Big beschäftigt. Einfach damit die Kinder sich weiter sehen können und miteinander reden können und den Kontakt zu ihren Lehrerinnen nicht verlieren und so weiter. Ähm, das Ganze reicht natürlich nicht, ist klar und äh, HPI Schuhcloud hast du schon genannt das heißt auch so 'ne Lernmanagementplattform die eigentlich aus den Unis kommt. In Berlin auch äh für die ganzen, also es steht zur Verfügung für alle ähm öffentlichen Schulen, also staatlichen Schulen. Und ist halt ein Lernmanagementsystem, in dem ja, solche Prozesse abgebildet werden. Ist ein sehr, sehr mächtiges Tool. Das macht's mitunter auch äh nicht ganz trivial äh das äh äh gerade in der Grundschule zu benutzen, aber äh dient schon sehr direkt dieser Aufgabe und kann all das abbilden und äh, Wird auch eines der nächsten Dinge sein, die wir, äh die wir umsetzen. Und ähm wir dann auch Schulen anbieten werden. Aber jetzt haben wir erstmal äh big blue button zusammen mit äh im im Betrieb, also infan ist Cyber Fuido ist sozusagen der Verein, der sich um die Schulen kümmert und infra wann äh wird sollen eine Genossenschaft werden Äh ist jetzt erstmal eine GmbH, weil das schneller ging. Äh die sozusagen den IT- und Technikbetrieb macht, äh damit sich eben möglichst viele Schulen äh möglichst äh, ein paar sehr fähige Adminsteilen, wenn du sie willst Also infraren macht auch nicht nur Schulen, sondern auch IT-Betrieb für äh äh ja, gute Projekte, coole Projekte und so weiter, äh nicht profitgetrieben, sondern eher, Technik interessiert und für die gute Sache, ne? Man muss halt wirtschaftlich trotzdem funktionieren, aber äh. Läuft schon ganz gut. Also derzeit haben ein ein äh satter fünfstelliger Anzahl Videokonferenzen jeden Tag finden da statt, zur Schulzeit. Auf den zum Beispiel. Und da sollen jetzt eben Models dazukommen, dann kommt sich ja irgendwann Next Cloud, also die Kollaborationsplattform dazu, die eher für Lehrkräfte taugt und. Wir machen relativ gute Erfahrungen mit dem Matrix Instant Messenger. Matrix Element, das passt so ganz gut zusammen, das wäre so ungefähr das das Technik, auf das wir uns da abzielen, sage ich mal.
Linus Neumann
Matrix Messenger setzt ihr dann für die für die Kids auf und die Elterngruppen kommen da auch rein, also die, die, die, die, die sprichwörtliche WhatsApp-Elterngruppe, konntet ihr die auch schon dadrauf migrieren oder.
Andreas "Steini" Steinhauser
Nee, Matrix, wir momentan, wie gesagt, haben wir wirklich im Betrieb nur Button, weil das einfach wahnsinnig viel Arbeit ist, so einen Bick Club Button so zu betreiben, dass es nicht nur funktioniert, sondern auch safe ist einigermaßen. Weil das auch einfach eine sehr schnell jetzt in letzter Zeit gewachsene Software ist, wo Features im Vordergrund standen.
Linus Neumann
Dass du dann also, die wird auch wahrscheinlich also die wird gerade auch noch lebhaft entwickelt, ne? Also neue Sachen reingebaut, äh neue Probleme entstanden, dann ist wahrscheinlich immer so das typische Witze, die neue Version jetzt installieren äh und das Feature haben oder äh berichten die Leute, mit denen Probleme, also so das typische. Die typischen Herausforderungen einer vitalen, eine vitale Software zu hosten.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja, ja, genau. Ja, vor allem hat hier eben auch äh eine Menge Bugs noch, ne und Sicherheitslücken, wo du dann drumrum schiffen musst und dann äh sind irgendwelche Pakete uralt, die da drin sind und dann musst du die erstmal auseinanderpflücken und aktuelle Softwareversionen reintun, So, das wird jetzt auch gerade schnell besser, insbesondere, weil das auch inzwischen eine große Community gibt, äh von der wir auch Teil sind, die sich auch direkt mit ähm der Firma, die das hauptsächlich treibt, in Kanada, äh, äh ja austauscht und das äh vorantreibt, also das funktioniert inzwischen auch sehr gut, aber es ist halt einfach wirklich viel Arbeit. Gut zu machen und es ist auch das, was gerade am dringendsten gebraucht wird. Und deswegen machen wir das.
Tim Pritlove
Ja. Ist es nicht eigentlich so eine Tätigkeit, von der man sagen könnte, euer Ziel müsste die Selbstauflösung sein? Also.
Andreas "Steini" Steinhauser
Genau das es ist nicht unser Job, es wäre eigentlich äh der, der grade bei staatlichen Schulen ein Staatsjob Ist die Aufgabe der Kultusministerien dafür zu sorgen, dass Schulen anständig äh mit diesen Themen umgeht. Das ist das die Aufgabe derer, die den Lehrplan machen, dafür zu sorgen, dass es einen Unterrichtsfach gibt, das sich mit digitaler Identität und Privatsphäre im Internet beschäftigt. Das ist zwingend erforderlich Also du kannst doch die Kids nicht einfach so, ja, das Kids, du brauchst äh äh Aufklärung über Cybermobbing und und über die Frage, äh was geht eigentlich alles wohin, wenn ich hier äh Office-Produkte oder Google Dogs oder sonst irgendwas benutze, Also das, was wir machen, wenn wir so eine Schule gehen als Chaos macht Schule und und da erklären äh über die Datenschleimspur, ja, das muss es als Unterrichtsfach geben. Ist klar, dass die Leader wissen das auch nicht, stehen Lehrerinnen vor uns mit großen Augen und haben die meisten Fragen nach so einem Vortrag von uns. Und hätten die auch nicht geglaubt. Woher sollen sie's auch wissen?
Linus Neumann
Ja genau, woher sollen sie's wissen? Ja, woher sollen sie's wissen? Von der aus ihrem Studium an der Universität, also ich äh ich, verstehe, ich ich rechne dir hoch an, dass du jetzt sehr äh diplomatisch mit diesem Missstand umgehst und dass du vor allem zielorientiert daran bist, ne und sagst, okay, das Problem ist da und wir gehen jetzt oder der Micha und du spezifisch, gehen jetzt in eurem, äh fangt erstmal in dem Vorgarten an, in dem eure Kinder spielen und konzentriert euch dann darauf da zu zeigen wie es geht und weiterzumachen. Ich ich rechne euch das hoch an, dass ihr auch wirklich toll, dass das digitale Ehrenamt hier durchzuführen. Aber dieser Missstand ist doch, Also der ist doch wirklich jetzt seit Jahrzehnten gezüchtet und es kommen auch heute noch ähm nennen die Promovieren oder schließen äh Lehrerinnen, die Ausbildung zum Lehramt ab, ohne derartige Qualifikation als Grundvoraussetzung zu haben. Und so landest du dann in einer äh in einer Situation, wo es jetzt ein paar glückliche Kinder auf dieser evangelischen Schule in Berlin Mitte gibt, die, ja das große Glück hatten, dass ein dass ein in einigen Familien anderer Kinder, die dazu sich ein paar Leute gefunden haben, die das jetzt wuppen. Und eine Straße weiter oder vielleicht fünf Block weiter ist eine andere Schule, wo du diese Kompetenzen nicht vorfindest und diese das dem Zufall zu überlassen, ist doch eine ganz fürchterliche Katastrophe.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja, natürlich, aber das hilft ja nichts, dazu braucht's gute Beispiele, weil in den Gremien, die das eigentlich zu entscheiden hätten, kannst du ja nicht auch automatisch erwarten, dass da Leute drin sind, die das wissen. Und die das können, das ist ja einfach nicht zwangsläufig so, Ja, äh und das ist ja auch jetzt kein Einstellungskriterium oder kein kein äh Kriterium für die Mitarbeit, ne? Und das ist halt ein Prozess und der Prozess ist leider verglichen mit der Geschwindigkeit, mit der sich diese digitale Welt entwickelt, extrem langsam. Ja, wenn du dir überlest, wie lange es gedauert hat jetzt so ein bisschen flexibler zu werden, auch mal in Anfangszeiten von so einer Schule und das ist ja noch ganz in den Kinderschuhen, obwohl alle Wissenschaft seit Jahrzehnten sagen, es es gibt Menschen, die sind einfach, die soll man nicht morgens um acht in die Schule setzen, das bringt nix. Und es gibt da gute Lösungen und so und äh das ist einfach ein wahnsinnig langsamer Prozess und äh ganz oft muss sowas auch erst aussterben langsam, ne? So, aber äh gleichzeitig könnte man ja auch mal beschließen, dass es wichtig ist und natürlich musst du dann einfach an Schulen zwangsläufig Leute einstellen, die das können, vieles reicht ja nicht dass da irgendjemand im Kultusministerium das weiß sondern du brauchst an jeder Schule genauso wie du, Physiklehrerinnen brauchst, genauso wie du Mathelehrer in Braut, du kannst auch von von Lehrkräften, die Deutschunterrichten nicht erwarten, dass sie äh Fragen in der Quantenphysik beantworten.
Linus Neumann
Aber ich kann von jeder Schule, auf die ich ein Kind sende, im Prinzip ein, ja, vergleichbares Bildungsniveau in den Fächern Deutsch erwarten oder im Fach Mathematik, da gibt's einen Lehrplan, ja, dann dann ist der jetzt, da gibt's ja noch diesen Heckmeck mit, dass das irgendwie Ländersache ist und so, ne? Aber am Ende ist es so desto mit natürlich auch nochmal Qualitätsschwankungen im in der in im Unterricht und, Passung und wie nett die Lehrerin jetzt ist zu deiner Tochter oder nicht, ne? Da gibt's immer noch Schwankungen, aber am Ende kannst du sagen, okay, du hast eine, also du kannst eine ein Abitur machen oder ein, Schulabschluss und da sind bestimmte Pflichtfächer dabei und in denen kannst du werden dir Basiskompetenzen vermitteln. So, das haben wir doch hingekrieg.
Andreas "Steini" Steinhauser
Und jetzt müssen wir beschließen, dass wir neue Basiskompetenzen brauchen, weil in den letzten zwanzig Jahren hat offensichtlich niemand mitbekommen, äh dass sich da was tut, was sich nicht in einem Unterrichtsfach namens Informatik abbilden lässt. Das ist ja das Problem. Das ist ja das, wovon wir reden, betrifft letztlich jedes einzelne, ich finde Fächer ja sowieso doof. Ja, aber es betrifft ja letztlich jedes einzelne Fach, jeden einzelnen Bereich. Des Lebens und damit natürlich auch des Unterrichts an so einer Schule, äh äh betrifft es. Und äh damit muss man sich auseinandersetzen. Das ist ja eher so ein Fach wie Ethik, ja? Oder so, das ist eben übergreifend, da geht's um Fragen, die ich immens wichtig in unserer Zeit finde, wo uns über die Frage mal unterhalten können, wozu dient Bildung eigentlich ja ganz bestimmt nicht, um den Kindern irgendwie Wissen zu vermitteln, Das ist vielleicht ein Teilaspekt, aber in erster Linie geht's doch darum, mal ähm ja, ein, ein, ein, ein Bewusstsein, ein Selbstbewusstsein zu, fördern Fähigkeiten zu vermitteln, sich Dinge anzueignen und vor allem mal äh Grundwerte zu erkennen, ja? Und das, die verlieren wir gerade. Mit der ganz großen Kanne und zwar wegen der Inkompetenz des Umgangs mit diesen digitalen Medien. Wir unterrichten müssten als Pflichtfach an Schulen ist sowas wie äh ja äh Sinn von Unsinn und unterscheiden. Also wie wie entlarfe ich, wie erkenne ich äh Schwurbler? Ja, woran äh mache ich fest, dass mir gerade jemand Schwachsinn erzählt?
Linus Neumann
Gab's das nicht irgendwie.
Andreas "Steini" Steinhauser
Es fehlt, weil das Internet ist voll davon.
Linus Neumann
Lebenskunde oder so was.
Andreas "Steini" Steinhauser
Überhaupt kein Gemeinsames Gefühl dafür, mehr, was eine glaubhafte Quelle ist. Und die Schule ist es auch nicht mehr. Und das ist ein wirkliches Problem. Und dazu brauchen wir eigentlich ein neues, ein eigenes wieder Selbstverständnis. Gab's mal, ist vollständig abhanden gekommen.
Linus Neumann
Und wenn wir heute zwanzig einundzwanzig darüber sprechen, dass wir das brauchen. Das heißt, dann können wir eigentlich immer noch davon ausgehen, dass es nochmal, unter best günstigsten Umständen mindestens zehn Jahre dauert, bis die ersten Kinder in den Genuss dessen kommen, weil Lehrinhalte definiert werden müssen, die Lehrerinnen ausgebildet werden müssen, äh Anstellungen finden müssen und dann können wir in wenn es richtig flott geht in zehn Jahren, kann die erste Schülerin in den in den Genuss kommen, und es gibt trotzdem keine Bewegung in die Richtung.
Andreas "Steini" Steinhauser
Nein, das stimmt ja nicht ganz. Es gibt ja sehr viel mehr Schulen, außer nur die eine, bei denen das jetzt schon so ist und es gibt zwischen auch eine Menge staatliche Schulen. Da es sind ja die überwiegende Mehrheit der Menschen ist ja nicht scheiße. Ja, sie wissen's nur nicht und es spricht sich aber rum. Und das Gefühl dafür äh nimmt natürlich zu, wie auch das Gefühl für äh die Klimakatastrophe zunimmt. Und dass das eben auch, dass man sich darum kümmern muss. Ich glaube, es geht schneller. Ich bin da optimistischer, weil wir überall, wo wir hinkommen, äh auf Leute treffen, die sagen, ja das ist aber geil und deswegen kämpfen wir ja auch nicht mehr zu zweit oder zu dritt, sondern jetzt mit zwanzig, fünfundzwanzig, dreißig Leuten inzwischen im Verein, ne? Und äh äh das das ist ähm und es gibt ja noch es gibt ja noch viel mehr Initiativen überall, bei denen das auch so passiert und ich kenne, eine Schule, wo es, wenn's darum geht, jetzt die pauschal Einverständniserklärung für die Verwendung der Daten äh äh einfach so abzugeben, wo es nicht ein, zwei Leute gibt, die dagegen sind. Das ist nicht viel Aber das ist ein Anfang. Ja und natürlich wirst du noch mit großen Augen angeguckt, wenn du sagst, nö, Microsoft erlaube ich nicht. Für mein Kind, aber ähm ja, das ist halt ein langer Weg. Was soll man machen? Hilft ja nix.
Tim Pritlove
Jetzt gibt es ja durchaus schon Länder, die auch eigene Infrastrukturen gestartet haben. Ich habe da jetzt äh grade keinen echten Überblick. Vielleicht hast du einen, aber ich meine mich äh äh zu erinnern, dass Thüringen oder Sachsen war's, ich weiß nicht ganz genau, zumindest so eine Modelinfrastruktur oder sogar auch Big Blue Button. Also es gibt hier, Ja genau, es gibt ganz viele. Äh wie läuft das und was äh denkst du, womit wären die Länder generell jetzt beraten, äh zu tun.
Andreas "Steini" Steinhauser
Also äh äh Nudel weist sich zufällig ziemlich gut. Die äh gibt's in Baden-Württemberg. Äh äh heißt das. Dann gibt es ähm, Lernsachse in Sachsen, dann gibt es äh in äh Bayern. On-Campus macht es für Hamburg äh in Berlin äh gibt es den Lernraum Berlin, Äh das sind alles Models, die ähm quasi im staatlichen Auftrag betrieben werden. Ne, also im ähm Lernraum Berlin sind, von den dreihundertsechzigtausend Schülerinnen, zweihundertdreißigtausend mit 'nem Account, also es ist jetzt auch nicht so, dass da gar nichts passiert, Aber und dann gibt's eben noch die vorhin schon zitierte HPI Schuls äh Cloud, die jetzt teilweise auch äh in Bundesländern grundsätzlich als solches angeboten wird. Und auch verfügbar ist. Das müssen nicht alle Schulen machen, das ist freiwillig. Ne, aber es steht immerhin zur Verfügung, und äh das ist ja schon mal ein guter Ansatz und äh was jetzt halt passieren muss und das haben jetzt alle in der Pandemie gemerkt, äh. Ja äh äh dass wenn dann plötzlich im Lockdown alle Kinder auf einmal kommen, dann äh werden diese äh, Services weit außerhalb ihrer Spezifikation betrieben, ja? Dafür waren die so nicht in der Architektur vorbereitet. So, das können die nicht oder nur ganz, ganz schlecht, weil das sind meistens relativ monolithische Architekturen. Weil das wichtig ist, dass die Schulen das nicht selber administrieren müssen. Das können die gar nicht. Und deswegen sind das meistens äh, monolithische äh äh Models, die jetzt zentral verwaltet werden, aber wenn dann irgendwann morgens um Punkt acht, ja, äh dreißigtausend Kinder gleichzeitig kommen, dann qualmt's halt.
Linus Neumann
Das ist genau der der Zustand, weshalb ich all diese Plattform Namen kenne, weil äh auf dem, Presseanfragenaccount des CCC, wo ich ja eine der Personen bin, die den betreut, da habe ich die alles schon gelesen wo dann irgendeine Zeitung oder auch ein überregionaler oder hier die Landesfernseheranstalt sich dann meldet und sagt, wir haben hier was du gerade sagst, ne Lernsaxt, Lernraum und wie die alle heißen. Äh das funktioniert nicht, können sie uns als CCC sagen warum. Du weißt, dass Steini, weil ich dir ja diese äh fragen in letzter Zeit gerne weitergeleitet habe, du beantwortest sie dann, ne? Und daher kenne ich diese Namen, also man kann jetzt man muss schon sagen, die laufen dann eben mit. Schwierigkeiten.
Andreas "Steini" Steinhauser
Na klar. Na klar, weil die, weil ich meine, das ist das gleiche Präventionsparadox, das du auch hast bei der Pandemie, ne? Also ist völlig klar, äh hätten wir beim beim ersten Anschein, dass es irgendein Unbekanntes Virus geben könnte sofort vor Lockdown erklärt, wäre das alles nicht passiert. Ja? Aber äh dann hätten natürlich alle gesagt völlig überzogen, völlig überzogen, ja? Und äh so äh und das sagen ja heute noch, ne, also nach wie vor ist es so, ja, äh nur um das Beispiel nochmal zu bemühen, wir haben ein neues, offensichtlich, wesentlich infekteres äh Virus. Und das wissen wir jetzt seit fünf Wochen, sechs, ich weiß gar nicht, acht, dass das das erste Mal aufgetaucht ist irgendwo, jetzt gestern haben sie die Grenzen geschlossen und du denkst dir, ja Freunde, was ist denn das? Dass also, ja, man hätte präventiv sofort wieder zack. Machen müssen und full Lockdown erklären, präventiv. So und genau das gleiche Problem an Macht ist natürlich nicht passiert. Warum nicht? Weil ja, du kannst damit keinen Blumentopf gewinnen. Alle sind sauer. So und äh was man also hätte machen müssen, nachm ersten Lockdown beispielsweise, all diese Plattformen hätten jetzt richtig Fett investieren müssen, und sagen müssen, der nächste Lockdown kommt bestimmt und der wird schlimmer. Und dann kommen noch viel mehr, weil dann hatten alle Zeit, sich drauf vorzubereiten. Und dann platzt uns das System. Kann man jetzt nachher im Nachhinein sehr gut sagen. Man hätte, äh kann also super sagen, ja, hätte, hätte man machen müssen. Das hätte richtig viel Geld gekostet und hätte äh ja, alle hätten gesagt, ja aber hä? Wozu jetzt das? Funktioniert doch? Präventionsparadox. So und äh äh dann knallt's. Es muss halt zuerst wehtun, bevor wirklich was passiert, weil äh du hast keinen Vorteil davon, wenn du es verhindert hast, weil niemand wird wissen, dass du es verhindert. Alle werden nur sehen, hä, die haben da Riesenmenge Geld zum Fenster rausgeschmissen und irgendwelche teureren Experten bezahlt. Und wofür.
Tim Pritlove
Ja, ich würde, ich würde ganz gerne es noch ein bisschen praktisch äh äh, wollen und vielleicht kannst du ja jetzt einfach mal aus der bisherigen Erfahrung sagen Monbal ist, lassen wir einfach mal weg, was alles versäumt wurde und so weiter. Ich denke, wurde schon so viel immer versäumt, dass es irgendwie schon fast müßig das in diesem Podcast noch zu wiederholen. Das das wissen wir einfach so, ne? Und äh da kann man sich natürlich jetzt auch lange drüber beklagen, aber damit kommen wir ja irgendwie auch keinen Schritt weiter. Jetzt habt ihr diese Infrastruktur betrieben. Äh es ist halt eigentlich eine Tätigkeit, die ihr gar nicht machen wollt. Ähm was sind, sagen wir mal so äh fünf Schritte. Ich ziehe mir jetzt mal so eine griffige Zahl aus dem Kopf heraus, die eingeleitet werden müssten Einerseits welche Aktivität sollten Schulen deiner Meinung nach entwickeln? Es ist ja auch glaube ich oft Maßnahmen können ja zwar von oben beschlossen werden, aber man merkt ja auch teilweise, dass sie einfach gar nicht. Angenommen werden, dass es da Widerstände gibt et cetera. Also es muss ja irgendwie von allen Seiten kommen. Also was sollte sozusagen in Schulen geschehen? Auf der einen Seite und was sollte auf der politischen administrativen, Länderebene wahrscheinlich, weil wir nun mal Bildung, Landes orientiert organisiert ist in Deutschland, an der Stelle, konkret passieren, dass du mit dem Projekt komplett arbeitslos wirst.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja, okay, fangen wir, fangen wir da finde ich gut. Wir da an ähm es äh das, das, was wir als Leitbild entworfen haben könnte von den Ländern äh in den Lernplan mit aufgenommen werden in irgendeiner abgewandelten Form. Und einfach äh äh per Gesetz als das wollen wir vermitteln. Ja, in Schulen, das ist äh Pflichtstoff. So, ähm äh wie man's macht, muss man entwickeln, dauert lange, aber erstmal beschließen, dass man's will. Wäre ja schon mal eine gute Idee. So, nächster Schritt, jede Schule hat einen Hausmeister und genauso braucht jede Schule einen digitalen Hausmeister. Es braucht also jemanden, der dafür bezahlt wird an der Schule und zwar ordentlich bezahlt wird, dass er einen guten Job machen kann und zwar Vollzeit, dessen Aufgabe es ist, das zu tun, dessen Aufgabe es ist, zu machen, dass es da ein funktionierendes Netzwerk gibt, dass es da funktionierende Geräte gibt, dass äh die Infrastruktur gewartet ist, äh der im Stande ist, äh Menschen dabei zu helfen, äh wenn ihnen Accounts verloren gegangen, Passwörter verloren gegangen sind und so weiter. Also einfach eine Stelle. Mindestens, ja? Bei großen Schulen vielleicht zwei. Ein Mensch, der einfach dafür da ist, sich genau darum zu kümmern. Momentan sind das äh Lehrkräfte, die sich äh dadurch hervorgetan haben, dass sie äh äh ein paar Fähigkeiten haben, die dann Stunden dafür kriegen, dass sie das machen dürfen. Das sind dann ein paar Stunden in der Woche. Das reicht einfach hin und vorne nicht. Punkt, das geht nicht. So und das das wären so die die ersten richtigen Schritte und dann äh klar, jede Schule, jede Schule braucht anständiges Internet. Also ich rede von anständigem Internet, ich rede von einer Glasfaser mit zehn Gigabit-Synchron. Warum denn nicht? Wo ist das Problem technisch? Gar nicht. Kein Problem. Ja? Damit man überhaupt mal anständig damit äh wir aus der Situation rauskommen, dass es daran scheitert. Wir können Stand heute kein Hybridunterricht machen, mit einem Teil der Schülerinnen zu Hause und die anderen in der Schule, weil dann müssten die aus der Schule streamen, aus jeder Klasse, das geht gar nicht technisch, unmöglich. Ja. Das sind so die die da, damit würde ich mal anfangen. Erstmal die Basis aufbauen, Technik am Laufen haben, jemand der sich drum kümmert, dieser ganze äh Digitalpakt mit Milliarden äh ist jetzt dafür da, dass Geräte gekauft werden und niemand kümmert sich darum, wie die verwaltet und gewartet werden, ne. Du musst, du kannst ja nicht Tablets kaufen und dann gehen die, Wer denkt sich denn so was? Nee, du musst musst dir überlegen, wie die werden die verwaltet, was müssen jetzt Leute unterschreiben, wenn sie eins bekommen? Äh wie werden die überhaupt, wie kommt da Software raus? Wie kommen da Firmenwehrabties drauf? Und so weiter. Das muss jemand machen, musst du finanzieren und das ist am Ende des Tages äh ja, meiner Meinung nach wichtiger als die Geräte selbst, weil die Geräte sind ja in drei Jahren wieder alt. So, aber die Leute, die müssen eben äh mit diesen mit den Schulen sich entwickeln und mit der Technik sich entwickeln und müssen den Fokus haben, genau das tun, die müssen weitergebildet werden. Damit sind wir beim nächsten Punkt. Alle Lehrerinnen und Lehrer brauchen kontinuierlich Fortbildung in genau diesen Bereich. Weil Digitalisierung betrifft jeden Bereich der Lehrerinnen und Lehrer. Äh alle Fächer, alle Bereiche und deswegen musst du im Prinzip. Wie äh äh im Medizinbereich äh müssen die müssen alle kontinuierlich so und so viel Fortbildungsstunden pro Jahr nachweisen, wenn sie weiter lehren wollen. Und dazu sollte das ein Pflichtteil sein. Äh kann nicht sein, dass die äh dass die Lehrkräfte den Kindern empfehlen, nehmt doch WhatsApp. Dann läuft auch was falsch. So und wenn wir, wenn wir das haben ne, wenn wir an der Stelle sind, dann äh bin ich schon mal total happy. Dann können wir uns eigentlich noch um äh so Dinge, ja, äh inhaltlich dann diskutieren. Dann können wir schon anfangen über Fragen zu diskutieren, was wollen wir eigentlich an Bildung vermitteln. Und was äh wie geht's welche Werte wollen wir vermitteln und so. Das sind dann Details, aber das wären die wichtigen Punkte.
Tim Pritlove
Okay, aber Infrastruktur ist hier jetzt erstmal rausgelassen, ne? Also was, was äh was sollten äh Länder jetzt für Infrastrukturen aufbauen und bereit halten?
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja okay, äh ich ich finde, äh Länder sollten grundsätzlich dazu verpflichtet sein, äh äh per Gesetz, ausschließlich Open Source Software anzubieten, Datenschutzrechtlich geprüft ist. Ja? So und äh äh finde ich finde ich irgendwie plausibel mit öffentlichen Geldern auch nur äh offene Software zu fördern und nicht irgendwelche Firmen reich zu machen, die hier nicht mal anständig Steuern zahlen. Also zu sagen ähm äh wir wir fördern mit, Öffentlichen Geldern nur solche Software, die dann auch wieder allen grundsätzlichen und immer zur Verfügung steht, da wird doch ein positiv Selbstläufer drauf draus, ja? Ich ich könnte mir also ohne Weiteres vorstellen, dass man jetzt einen guten Teil des Geldes nimmt und zu sagen Muddel hat eine etwas in die Jahre gekommene Nutzeroberfläche, die Userexperience ist, nicht optimal, dann äh. Werfen wir da mal äh äh in verschiedenen Projekten Geld drauf und gucken mal, äh wo was vernünftiges so rauskommt, wo wir sagen, das passt jetzt zu dem, was wir brauchen. Wäre mal wichtig, ja? Also, Wenn du so willst, Fördergelder, die gezielt dahin gehen, Open Source Software im Schulbereich, äh konsequent weiterzuentwickeln. Das ist ja mit der HPI-Schuld genau so passiert. Die ist ja genauso entstanden. Auch gut und richtig.
Linus Neumann
Stichwort an der Stelle Public Money, public code, ähm Forderung, ich glaube, Kampagne so zwanzig siebzehn müsste das gewesen sein, äh oft, glaube ich, die auf die FSFE zurück. Wie du gerade schon sagst, ja, ich finde das so schön, wie du es auch einfach mal da schätzt. Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, ne, dass jetzt irgendwie die öffentlichen Gelder nicht in irgendwelchen Privatunternehmen versenkt werden, sondern dass da eine Infrastruktur, unterhalten wird, die dann wiederum auch, ne, durch ihre Öffentlichkeit anderen zur Verfügung steht. Wenn du in Open Source investierst, investierst du ja halt ja, in eine Infrastruktur, die anderen zur Verfügung steht und das läuft halt alles dann sehr viel schöner, ne? Also.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja, vor allem in eine nachhaltige, also in ist doofes, ne, nachhaltig, aber eine eine, die sich dann selbstständig, die von alleine besser wird, in einem selbst verbessernden Prozess. Momentan haben wir einen sich selbst verschlechternden Prozess. Das kann's ja nicht sein. Ne?
Tim Pritlove
Aber wenn jetzt die HPI-Schuld auch so ein Open Source, also ich meine, das ist so ein, ne, das besteht ja auch teilweise aus äh äh Mode und so weiter und hat dann irgendwie nochmal eine andere Oberfläche oder.
Andreas "Steini" Steinhauser
Nee, nee, das äh die ähm ich glaube, die Idee war erst ausmute, was zu machen, dann kam aber raus, zumindest äh Gerücht, von dem ich weiß, äh dass das Mudel äh hübsch zu machen schwierig sein würde, ist einfacher als neu zu machen. Das ist eine andere Software. Dahinter hängt dann auch ein big blue button äh im Betrieb als Videokonferenz sozusagen als Plugin, aber HPI Schulcloud ist eine eigene Open-Source-Software, die ich auch, okay finde, äh schwierig finde ich noch, dass aber das äh muss man auch verzeihen, äh äh es ist nicht so Open Source, dass wir es jetzt als Infarun auch wirklich betreiben könnten, davon ab, dass wir gerade gar nicht Zeit dafür hätten, aber äh äh ist zumindest letztens Stand, als wirkten, ist es jetzt nicht in einem Zustand, wo wir sagen, okay, hier ist alles, was wir brauchen, um's zu installieren und dann läuft's. So, das das wäre vielleicht noch ein Anspruch, den man noch erfüllen müsste, sollen, müsste, es müsste auch klar sein, dass alles AGPL drei Punkt null oder besser, damit es auch so bleibt, ne? Und äh also es es ist offene Software und es bleibt freie und offene Software Das wäre eine Forderung, die ich auch wichtig finde und dann finde ich gut, wenn es davon viele verschiedene gibt. Es gibt einige Initiativen, die gerade was entwickeln. Da passiert viel. Das Problem, das ich sehe, Viele von denen ähm ja. Auch noch nicht so richtig kompetent sind, das so zu machen, dass es dann auch die äh wirklich für die Privatsphäre ein Gewinn ist. Ne, weil das ist einfach schwierig. Das heißt, wir müssten uns dann auch darauf einigen, dass Software, die im schulischen Bereich eingesetzt werden will. Quasi geprüft ist. Daraufhin, ob sie die Kriterien erfüllt, die wir gemeinsam an Privatsphärenschutz äh haben. Das heißt, es muss staatlich finanzierte Pantests und Audits geben. Und und quasi ein Stempel drauf von unabhängigen, kompetenten Menschen, die sagen, ja. Entspricht dem Stand und das müssen wir wie überall einmal im halben Jahr machen, weil. Ja die Software wird ja durch neue Erkenntnisse schlechter, ja? Also war nicht jetzt wieder in Sudo ein Fehler entdeckt, mit dem sich äh mit dem man ruht werden konnte, also auch alte, abgehangene Software hat ja noch Fehler. Ne, also. Staatlicher Audit auf äh solche Software. Einmal im halben Jahr oder vielleicht noch öfter, müssen wir gucken. Äh einmal im Quartal prüfen, ob die noch okay ist. Und dann äh äh mit staatlichen Geldern weiterentwickeln. Ja und dann haben wir ganz schnell einen Bereich, wo wir äh schön winken können und sagen, äh, nö äh äh Microsoft dreihundertfünfundsechzig brauchen wir gar nicht mehr. Auch übrigens im Businessbereich nicht mehr, weil wir haben Open Source Software. Die funktioniert viel geiler, oder mindestens genauso gut und alle unsere Schülerinnen und Schüler können damit umgehen und wenn die dann an der Uni sind, können die das auch benutzen und wenn die dann in Firmen sind, können die das auch benutzen, ja wozu brauchen wir nochmal Office dreihundertfünfundsechzig.
Linus Neumann
Jetzt gibt's natürlich, also diesen Versuch gab's doch mit dieser Bestrebung dem. Ja, also dem. Die Stadt München, ich bin mit dem Fall jetzt nicht mehr, ich hab den nicht mehr so hundert Prozent präsent, aber du wirst ihn vielleicht besser noch aufm Schirm haben und dass die Stadt München sich, wirklich bemüht hat, eben auf eine Lynox-Umgebung umzusteigen und äh in der Verwaltung mit Open Office und so zu arbeiten. Wenn ich das richtig erinnere, ist das ein bisschen äh gescheitert, ähm auch am Widerstand der Leute und wahrscheinlich auch also der Angestellten und wahrscheinlich auch ein bisschen an der halbherzigen Umsetzung. Ähm wie wie beurteilst du das?
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja, kann ich nicht genau beurteilen. Ich glaube, es ist am ehesten gescheitert an der Lobbyabteilung von Microsoft.
Linus Neumann
Das äh sehr gut möglich, ja.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ganz im Ernst, also ich zumindest, was ich höre, gab es jetzt keine fachlichen inhaltlichen oder sachlichen Gründe. Die jetzt zwingend dafür sprachen, das Projekt aufzugeben und wenn ich richtig informiert bin, ist tatsächlich auch wieder auf dem Zettel es doch womöglich wieder zurückzuholen. Also ganz schöner Hick. Aber dann ist halt so. Immer noch besser ist es nicht zu tun.
Linus Neumann
Also dafür zu bezahlen, dass man die eigene Kompetenz ja verliert und sich in eine Abhängigkeit begibt, ist halt wirklich schwer zu verargumentieren, ne? Also ist als du hast gerade jetzt schon gesagt, eine nachhaltig ist es nicht, aber es ist so du du denkst du schiebst vielleicht auch nur ein Problem mal kurz auf die lange Bank oder vertagst es auf morgen, wenn wir den größeren Topf, haben, aber diese Bank, diese lange Bank auf dieses Schiebs ist halt so lang, dass du's irgendwann dass du dann irgendwann den Anschluss verloren hast, ne.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja, vor allem hast du ein Login? Das ist genau wie wir jetzt die Querts-Tastatur haben und die nicht wieder loswerden. Weil, weil alle lernen Querz und dann ist es halt querts, obwohl das maximal ineffizient ist. Das werden wir nie wieder los.
Linus Neumann
Ja und die Lehrerinnen sagen den Kindern in der Schule, nimm doch die Querzastatur. So, so so geht's doch los.
Andreas "Steini" Steinhauser
Genau. So und deswegen und dann da dürfen wir da wir stecken schon viel zu tief drin und deswegen ist es jetzt schon ein Kraftakt da wieder rauszukommen. Ist genau wie die Klimakatastrophe. Das war alles gar nicht nötig, viel von dem Scheiß brauchen wir gar nicht und kämen wir auch ohne aus, aber jetzt haben wir uns so hart dran gewöhnt, dass wir gar nicht wissen, wie's anders geht. Nicht alternativlos, dass wir jetzt da sind, wo wir sind, sondern wir haben uns nur drauf eingelassen, weil's halt bequem war, So und jetzt geht's halt nicht mehr ohne ernsthafte Änderungen da wieder raus. Und die ernsthafte Änderung müsste sein, zu sagen und das ist übrigens auch Gesetz, Stand heute in Deutschland Gesetz, ihr dürft Microsoft, dreihundertfünfundsechzig und Zoom und. Und wie sie alle heißen, an Schulen nicht benutzen. Auch wenn's weh tut. Ja? Das kann ja nicht sein, dass wir nur, weil wir uns die ganze Zeit äh einfach einen Scheiß drauf gegeben haben, jetzt sagen, na ja, jetzt ist halt so, jetzt können wir's auch nicht ändern Ja, also mit der Begründung geht die Welt zum Teufel, ja. Ich nehme immer den Beispiel zum Bezirk Klimakatastrophe. Das wird halt nix. So. Deswegen, lasst doch mal machen und es ist ja auch nicht ist ja auch nicht so, dass es gar nicht geht. Die Welt dreht sich ja auch ohne Office dreihundertfünfundsechzig weiter. Ja, ist ja nicht so, dass es überhaupt keine Alternativen gibt. Nur müssen die Leute lernen, dass es sie gibt. Und sie müssen lernen, wie die funktionieren und schon die zweite Generation wird sagen, hä, Microsoft, nee, benutze ich nicht, kann ich nicht, will ich nichts komisch.
Linus Neumann
Also das Jahr von Lynux auf dem Desktop wird ja schon äh regelmäßig ausgerufen, also man muss schon sagen, dass es jetzt nicht ganz so also ich ich stimme dir zu, dass es, möglich. Ist und auch möglich gemacht werden muss und der Grund, dass es nicht möglich, dass es sich nicht manifestiert, dass es nicht passiert, das sind wir, ne? Die Menschen, die äh sich in diese Abhängigkeiten begeben und die diese Geschäftsmodelle füttern und die uns irgendwie, uns unsere Computer wegnehmen lassen, ja? Oder unsere digitale Autonomie wegnehmen lassen. Aber es ist nicht so, als wäre, also man muss ja schon sagen, es es erfordert schon einen Kraftakt ne? Also es ist jetzt nicht so als läge das alles bereit und wäre ähm. Diese tolle Welt wäre da und wir wir sind alle nur zu blöd, sie zu sehen. Wir sind nur, glaube ich, zu blöd, sie uns zu bauen, ne?
Andreas "Steini" Steinhauser
Nee, das ist ganz harte Arbeit, weil wir es zu langsam schleifen lassen. Wieder die Parallele zur Klimakatastrophe. Das wird nur schlimmer, Je länger wir es weiterschleifen lassen. Nix wird besser, wenn wir nicht jetzt massiv damit anfangen. In beiden Bereichen, ja? Und nur als Beispiel, es kommt dann immer, ach, Open Source Software und funktioniert ja nicht, ja? Gesamte IT-Welt funktioniert fast ausschließlich auf Open Source Software, man auch noch mal sich vor Augen führen, ja? Die Amazon Cloud, die Google Cloud, die Microsoft Cloud Alle Services, alle Server, die auf denen du den lieben langen Tag bist, Facebook, whatever, alles funktioniert mit Open Source Software. Das gäbe es nicht, ohne diese Open Source Software in dieser Form.
Tim Pritlove
Betrifft aber auch wirklich nur das Backend, ne? Also es ist wirklich Open-Source hat die Cloud erobert, weil es eben spezifische Vorteile auch hat. Ja, also, Qualität, es ist immer so eine Sache und ich. Auch nochmal vielleicht ein bisschen unpopulär nochmal so eine andere Perspektive einnehmen, weil ich kann halt auch ganz oft Leute gut verstehen, wenn sie sagen äh, mich interessiert dieser ganze Datenschutzscheiß an dieser Stelle, einfach mal einen Scheißdreck, weil, Ich will gerne was benutzen, was auch äh funktioniert im Sinne von, dass ich's auch verstehe, dass ich's wirklich benutzen kann und dass es irgendwie performt und dass es irgendwie auch auf meinem langsamen Computer noch in der Lage ist, irgendwie mir eine Videokonferenz mit dreihundert Leuten bereitzustellen. Und das äh sind auch valide Gründe. Ich finde, das muss man auch akzeptieren. Und äh so so sehe ich dafür äh äh bin, äh im Idealfall alles Open Source zu machen, weil das macht natürlich für eine staatliche Infrastruktur für eine Bildungsinfrastruktur, insbesondere einfach super Sinn, weil wir kennen ja alle dieses Problem in dem Moment, wo man äh Muckellösungen von irgendwelchen mittelständischen Unternehmen hat, ja. Ich meine, wer garantiert, dass die morgen noch da sind, ne? Wer, wer investiert in irgendwelche Lösungen? Und wenn sie dann lange bleiben und lange supportet werden, dann haben die dann meistens auch äh relativ selten einen Grund, sich zu ändern und anzupassen und in irgendeiner Form fortschrittlicher zu werden, weil natürlich dann auch so dieser kommerzielle Druck äh wieder raus ist. Wenn man eben konsequent auf äh auf eine Open-Source Entwicklung setzt, aber eben auch sagt, wir. Die Open Source alleine ist nicht die einzige Bisslatte und wenn es Open Source ist, dann ist es super, weil guck mal, wie geil das hier der DSGVO entspricht, sondern es muss halt auch sein. Äh es muss performant sein, es muss irgendwie auch den Sicherheitsentsp äh ähm Empfehlungen entsprechen. Und es muss auch in der Lage sein, man native Lösungen zu machen, die also auf den Computern, die die Leute benutzen, nicht immer alles nur im Webbrowser läuft, weil das natürlich auch wieder tausend Probleme mit sich bringt.
Andreas "Steini" Steinhauser
Voll. Ich stimme dir hundertprozentig zu Die Frage ist nur, wie kommen wir dahin, so, dass wir am Ende des Tages sagen können, ja, okay. Damit kann ich leben und dazu ist es erforderlich, dass wir sicherstellen, dass die uns nicht verarschen. Ja, dass die, die diese kommerzielle Software uns anbieten, uns nicht verarschen und da nicht irgendwas im Code drin steckt, von dem ich nicht will, dass es auf meinem Rechner läuft. Mir einen anderen Weg, wie wir das machen, äh äh ohne Open Source und wir können drüber reden. Das Problem ist nur, du kannst ja auch nicht hinstellen und sagen, ja, das wird dann TÜV geprüft. Ja
Tim Pritlove
Ich ich sage nicht, ich sage nicht, ich sage nicht, kein Open-Source, ich sage nur nicht nur Open-Source und das Open-Source-Willen. Sondern eben mit den selben Ansprüchen, ne? Und vielleicht auch hingehen und sagen, so hier, ihr seid doch in der Lage, Commercial Great Software zu machen, jetzt macht das mal bitte einfach in Open Source, dafür bezahlen wir euch jetzt auch, ne? Also, dass man auch den Level hochsetzt und dass man auch, ich meine, das bedeutet ja auch in der Regel, bereit sein, eben nochmal sehr viel mehr Geld in die Hand zu nehmen. So wirklich, um kompetitiv zu sein, ja? Und äh das ist, glaube ich, etwas, was wo wir die Mentalität noch nicht haben. Ich meine, wir geben, ohnehin als Staat in Deutschland relativ wenig für die Bildung und für die Schulen aus im Vergleich zu anderen Ausgaben ne? Und äh ich glaube, das ist einfach eine eine generelle Mentalität, die sich ändern muss und das hat viel damit zu tun, dass die Leute einfach keine, Erfahrung haben, weder in den Schulen, noch an anderen Stellen.
Linus Neumann
An dieser Stelle, die du gerade benutzt, da kann man aber doch wirklich auch von den Unternehmen lernen, was Steini gerade sagte, dass sie, ne, oder was ihr gerade auch gesagt habt, die Cloud läuft auf, Facebook ist einer der großen. Eines der großen beitragenden Unternehmen in der LENUX Entwicklung und das läuft alles auf Lenux. Sie hat diese Unternehmen haben ja nicht die Entscheidung getroffen, ey lasst uns auf Open Source Software, unsere Server fahren, weil die sich gedacht haben, yo, wir sind geile Hippies, wir wollen irgendwie Open Source machen, sondern die haben festgestellt, wir wollen Facebook betreiben, wir brauchen Server dafür, was ist der beste Weg, das zu tun und der beste Weg bedeutet für die mit dem geringsten Kosten, die beste Performance zu haben. Und wenn es für die in irgendeiner Weise auch nur annähernd sinnvoll wäre, dass mit Microsoft-Servern zu machen, dann würden die es tun. Aber natürlich sagen die sich, nein, wir betreiben diese Infrastruktur auf dem bestmöglichen Wege und das ist eben im, in einem Linux-Ökosystem in einem Ökosystem, weil sie da die Verbesserung, die andere bauen, noch frei Haus mit dazu kriegen. Und das ist auch der Grund, warum die jetzt nicht irgendwie, sondern sagen, jo, alles, was wir hier irgendwie kontriuen, in diese in dieses Open-Source-Ökosystem, sei es, ne, was auch immer sie da nutzen, aber insbesondere nehmen wir einfach mal nur den, was wir basteln, das Kontributen wir auch zurück, damit das dadrin weiterlebt und wir nicht immer das wieder reinpatschen müssen. Das heißt, die haben genau das verstanden, und ähm ne, es hoffentlich passiert jetzt nicht, dass das Deutschland sagt, okay, wir bauen uns irgendwie die Deutschland schulklaut, sondern hoffentlich passiert so etwas, ich mein ich hab jetzt auch wirklich keine besonders herzlichen Erinnerungen an Mudel, was sich äh was es bei uns an der Universität damals schon äh gab, ja. Ähm. Natürlich ist es sinnvoll auch staatenübergreifend international in eine Bildungsplattform oder in eine Videokonferenz hinlösung wie, Zeit zu investieren und zu wissen, okay, von mir aus habe ich da jetzt mal was reingebaut, aber das lebt dadrin weiter. Facebook kommt übrigens auch nicht zu uns und sagt, hör mal, dieses schöne, haben wir aber gebaut, seid uns mal dankbar dafür, dass ihr die auch benutzen solltet. Jetzt wird's mal Zeit, dass ihr was Schönes da reinbaut. Sondern die formen das äh, in der Richtung, in der sie es brauchen und sind froh, wenn die, wenn der Rest der Welt mit, partizipiert. Und ich glaube, also ohne das jetzt zu kennen, wahrscheinlich, kann Deutschland noch relativ viel in Mode kontriuen, bevor wir irgendwann Angst haben müssen, dass uns da jemand nennenswert, von dem profitiert, was wir geleistet haben, ohne was ohne selber was beigetragen zu haben. Und dieser Gedanke muss da einfach mal rein in alles, was öffentliche Infrastruktur ist.
Andreas "Steini" Steinhauser
Und wenn schon. Also ich würde jetzt ja sagen, ey, lasst doch mal alle Staaten zusammenliegen und alle Patente für diese Corona-Impfstoffe einfach befreien, Das ist am Ende viel billiger, als wenn wir jetzt alle dafür bezahlen äh die ganzen Firmen dafür bezahlen, äh äh dass sie Impfstoffe produzieren, Da können wir einfach zusammenschmeißen und sagen, ist jetzt freies Wissen. Ja, weil es dient, es dient uns allen. Und genauso könnten wir sagen, wir schmeißen jetzt zusammen kaufen kaufen kaufen die Lizenz ab und machen sie auch im. Ich mein wir würden überrascht sein wie viel Open Source Software da drin steckt in Zoom, ne? Es besteht fast ausschließlich aus Open-Source-Software mit einem Päckchen drum rum.
Tim Pritlove
Ich denke nicht, dass man das frei kaufen muss. Ich denke, das ist halt einfach äh nur die Anstrengung erforderlich ist, zu sagen, wir bauen jetzt ein Team auf, was halt einfach professionelle Clients produziert für jede Software, die wir brauchen. So und das ist dann dann macht man eine Analyse, was sind die relevanten Plattformen da gibt's derzeit im Wesentlichen so äh vier und wenn man Linus auf dem Desktop noch mit dazuzählt, dann äh sind es fünf so und damit hast du's im Prinzip abgedeckt und klar kostet das eine ganze Menge Geld. Native Kleins zu entwickeln und äh, aufrechtzuerhalten und gutzuerhalten. Aber es wäre halt auf jeden Fall ein wertvoller Move, um einfach mal von diesen ähm na ja um auch einfach kompetitiv zu sein. Das ist das, was ich meine, ja? Also darauf will ich hinaus. Ich äh nur Open-Source, äh weil's Open-Source ist und weil's so schön dem Datenschutz entspricht, dass das alleine reicht nicht, sondern der, bruch muss eigentlich noch sehr viel höher sein und sagen, nee, wir wollen einfach generieren und dann machen wir das eben auf EU-Ebene, dann ist auch genug Kohle da fertig.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja. Ja, du brauchst dann aber halt hunderte Leute in der QA, ne? Und du brauchst Prozesse, die das abbilden. Und so. Und das muss, das kostet halt.
Tim Pritlove
Ja, hunderte, ja, gut, aber hunderte Leute für Bildungs äh Infrastruktur, für die komplette EU ist jetzt einfach mal nix.
Andreas "Steini" Steinhauser
Eben. Genau. Und dann musst du halt aber auch in Summe vielleicht auch anfangen, Kriterien definieren, die erfüllt sein müssen. Da soll man's vielleicht vorher drüber äh einig sein, bevor wir's anfangen, Damit wir dann äh eben auch klar haben, äh hilft ja nichts, wenn's Open Source ist und es hat trotzdem Kinder reingeguckt, ob's äh äh jede Menge Zero Days hat. Ne, es muss also auch gewissen Standards entsprechen und es muss dann auch äh diverse äh Male neu geschrieben werden wieder. Also wir brauchen einen Prozess dahin, der äh sagt, okay, so wie damals sich der technische Überwachungsverein gegründet hat, weil uns ständig äh Dampfkessel um die Ohren geflogen sind. So brauchen wir jetzt eigentlich, auch so was äh um um eben diese Software entsprechend in in Standards zu bringen.
Tim Pritlove
Ein Bildungsüberwachungsverein brauchen wir.
Linus Neumann
Damit haben wir ein, ja, also wir sehen, die Probleme unserer Gesellschaft. Vererben wir in diesem Bildungsbereich und das ist das, was mich die ganze Zeit so nervös macht und ja, ich äh habe ja schon gemerkt, dass du Stein, die da äh, ja, vielleicht auch ein bisschen desillusionierter, aber gleichzeitig konstruktiver bist als ich, weil ich könnte einfach nur auf den Tisch steigen und schreien, wenn ich das alles sehe, weil mich das so ärgert, weil das so lange. Sich so lange schon abbildet und so lange klar war, dass diese Probleme da sein würden und wir die haben würden. Aber jetzt vielleicht zusammenfassend am Ende. Wo stehen wir und was würdest du aus deiner Erfahrung sagen, ist jetzt der richtige Weg nach vorne.
Andreas "Steini" Steinhauser
Ja, ich würde grob zusammengefasst sagen, wir stehen noch ganz am Anfang, nicht mehr ganz, ganz am Anfang, aber noch ziemlich weit vorne. Ich glaube, die erkennen jetzt gerade, dass es ganz schön was zu tun gibt und eine Menge Menschen erkennen grade, wow, das aber doch auch ganz schön viel, aber und das ist, glaube ich, auch der der positive Aspekt daran, es äh wir sind aber auch äh als Gesellschaft ganz schön viele. Und äh was wir halt tun müssen ist, gemeinsam dafür ein Verständnis entwickeln, dass das erforderlich ist, dass dies das Bildungssystem äh das Wichtigste ist, was wir an, Systemen für ein gemeinsames Zusammenleben auf äh äh als Gesellschaft haben, weil da werden all diese Dinge vermittelt und deswegen muss es, aus meiner Sicht Priorität Nummer eins sein, weil alles andere leitet sich daraus ab und wenn wir, solange wir das stiefmütterlich behandeln und solange wir das totsparen, ist alles doof. Und ich glaube äh da da muss was draus werden, äh wo wir als Gesellschaft erkennen, na ja, wenn's jetzt äh der Staat, den wir gewählt haben, also dass das, was wir gewählt haben, nicht macht, dann müssen wir vielleicht andere wählen oder wir müssen's halt irgendwie anders finanzieren, aber es kann nicht, nicht gemacht werden. So und ähm. Ich sehe, wie das wächst. Ich sehe, wie das äh sich sehr schnell entwickelt und wo überall solche Projekte rauskommen. Und ich würde mir da mehr Struktur, mehr Organisationen wünschen. Und äh aber das ist ein guter Anfang, und ein weiter Weg und äh ja, wir brauchen dafür ganz viele Leute, die mitmachen und ganz viel Geld um das Ziel finanzieren, aber es ist am Ende viel, viel, viel billiger, Wenn wir das ganze Geld den großen Konzern in den Rachen schmeißen, also würde sagen, lass mal anfangen.
Linus Neumann
Und die. Vorbereitung für das digitale Leben ist das nur so eine Infrastrukturfrage oder wie siehst du die ja die Situation der Lehrerinnenausbildung oder des Lehrplans? Weil da.
Andreas "Steini" Steinhauser
Naja, das das haben wir ja ausgiebig diskutiert. Na klar. Ausgiebig diskutiert, dann da müssen wir bei, das muss Bestandteil äh des des äh Alltags an Schule sein, eigentlich müssen wir da noch ganz viele andere Sachen ändern, aber lass mal da kurz bei bleiben und äh lass mal, lass mal Schule geil machen, ja. Ich habe ich sage immer, wenn ich gefragt werde, was ist eigentlich dein Kriterium für eine gute Schule. Und das erste Kriterium, das mir einfällt, ist auch das Wichtigste ist, dass meine Kinder gerne hingehen, mehr brauche ich fast nicht und dann muss ich nur noch sicherstellen, dass da kein Scheiß passiert mit dass sie nicht verletzt werden, dass sie nicht dass die Privatsphäre nicht verletzt wird ja und und der Rest ist eigentlich schon wurscht, wenn die wenn die Kinder gerne hingehen, dann war's geil, weil dann liefert's alles das, aber wenn sie kategorisch verleidet kriegen, Spaß da zu haben, dann ist eh schon doof, ne? So, also lasst doch einfach mal einen Fokus auf und nicht nur als Aufbewahrungsstation, damit die Eltern arbeiten gehen können und, lass da mal was Tolles draus machen, wo Kinder gerne hingehen, wo die Bock drauf haben und wo sie sagen, wow, äh, ich ich will nicht zu Hause bleiben, Oder ich will, ich will von mir aus auch digital und online. Ich will da wieder hin. Ich will morgens aufstehen, um das zu machen, weil ich da Bock drauf habe, Die meisten Kinder, die stehen in den Ferien früher früh auf oder an den Wochenenden und wenn Schule ist, dann oh nee, muss ich. Das das läuft falsch und äh das lassen wir machen und das ähm, hat natürlich auch damit zu tun, dass wir die Lebenswahrheiten der Kinder äh berücksichtigen und die ist viel, viel, viel digitaler noch als unsere.
Linus Neumann
Das stimmt. Ach, vielleicht ist es gar nicht so schlimm. Vielleicht lernen die Kinder es ja trotzdem selbst. Wir haben's ja irgendwie auch selber gelernt. Ohne die Schule.
Tim Pritlove
Wir haben geschummelt.
Linus Neumann
Du hast geschummelt, Tim, wie hast du geschummelt?
Tim Pritlove
Na ja, ich hab's mir halt trotzdem angeeignet, obwohl alles dagegen stand.
Linus Neumann
Du bist Programmierer des des Monats irgendwie gewesen in der in den Achtzigerjahren in irgendein Reiseheft hast du mir erzählt. Das ist doch nicht schummeln, das ist.
Tim Pritlove
War ich sogar noch in der Schule.
Linus Neumann
Okay. Steini, ich danke dir, dass du zu so später Stunde äh so so früh am Morgen ähm uns zur Verfügung gestanden hast, um aus deinen Einblicken in den, die Statusquo und die Probleme und guten Ziele der digitalen Bildung zu sprechen. Ich denke, äh wir grüßen an der Stelle nochmal, den Micha, der sicher mit dir äh in diesem Bereich so breit engagiert hat und ähm.
Andreas "Steini" Steinhauser
Mel und all die anderen kriegt die gar nicht alle aufgezählt jetzt.
Linus Neumann
Chaos macht Schule.
Andreas "Steini" Steinhauser
Und überhaupt alle, die da mit uns kämpfen.
Tim Pritlove
Und seid ihr noch bereit, äh jetzt von Anfragen überschüttet zu äh werden oder äh habt ihr die Schnauze voll?
Andreas "Steini" Steinhauser
Nee, nee, alle her. Wir brauchen viele Unterstützung. Kommt und helft uns. Alleine schaffen wir das nie im Leben.
Tim Pritlove
Alles klar. Gut, dann sage ich vielen Dank und ähm da sind wir schon durch mit unserer Sendung, oder?
Linus Neumann
Wir sind durch mit der zweiten Sendung diese Woche. Toll!
Tim Pritlove
Wenigen Tagen und wieder fast zwei Stunden. Dann machen wir's hier mal äh jetzt ganz kurz und äh ich sage Das war's jetzt erstmal hier mit dem Logbuch Netzpolitik Spezial. Demnächst geht's natürlich wieder weiter mit normal. Vielen Dank an Steini, vielen Dank fürs Zuhören. Wir sagen tschüss und bis bald.
Linus Neumann
Tschau, tschau.
Andreas "Steini" Steinhauser
Danke, tschüss.

Shownotes

LNP379 Digitale Bildung

Weitere Vorträge von Steini

102 Gedanken zu „LNP379 Spezial: Digitale Bildung

  1. Hallo Tim, Linus, Steini,
    Ich höre begeistert eure Podcasts und bin immer wieder begeistert von dem hohen Niveau und eurem unermüdlichen Bemühen, die Themen ausgewogen zu präsentieren. Auch wenn man bei manchen Themen versucht ist, einfach mal loszupöbeln, gebt ihr euch doch immer wieder Mühe, professionell und sachlich zu bleiben. Meinen großen Respekt dafür.
    Das digitale Thema hat mich dann aber doch ein bisschen geärgert. Ich beschreibe meine Stimmung beim Zuhören mal etwas übertrieben: da sitzen drei digitale Vollprofis und erzählen sich, wie einer von ihnen an einer Schule eine digitale Idealumgebung geschaffen hat, nach dem Motto „und dann haben wir erstmal eine Jitsi hochgezogen“ und rümpfen die Nase über Zoom etc. nach dem Motto „geht ja gar nicht“ und merken gar nicht mehr, wie sehr sehr sehr privilegiert sie mit ihrem Wissen und Können diesbezüglich sind. Sorry, aber ich höre mir nur ungern an, wie sehr „geht-ja-gar-nicht“ ich bin, wenn ich mit einfach zu beschaffenden Schlimm-Mitteln als unterprivilegierter Normal-Laie versuche, in kurzer Zeit den digitalen Notwendigkeiten eines Lockdowns beizukommen. Ich fühlte mich hier nicht mehr mitgenommen.
    Grüße,
    Euer Blaui

    • Hallo Blaui,
      ich entnehme, dass du ein Lehrer bist, der sich aufgrund der mangelnden zur Verfügung stehenden Mittel selbst helfen muss und das (im Gegensatz zu einigen Kolleginnen) auch macht. Um unterrichten zu können.
      Das ist gut, richtig und wichtig, dass du das machst.
      Was falsch ist, ist dass DU es machen musst, weil dir keine entsprechende Infrastruktur gestellt wird. DAS ist in meinen Augen das Problem. Ein Schulgebäude, Klassenzimmer etc. bekommst du ja auch gestellt.
      Das ist der Missstand, den wir anprangern.
      Ja, in diesem Fall sprechen wir von einem konkreten ehrenamtlichen Engagement. Dass genau das aber nicht die Lösung sein kann, habe ich an mehreren Stellen versucht zu betonen.
      Es tut mir leid, wenn wir das nicht ausreichend klar gemacht haben.
      Den Lehrerinnen und Lehrern ist als letztes ein Vorwurf zu machen.

      • Wir Pauker, müssen JETZT unseren Schülern das geben, was sie JETZT brauchen, um JETZT ihr Abitur, ihre Berufsschulabschlussprüfung oder JETZT ihre Meisterprüfung überhaupt irgendwie bestehen zu können. Und bei letzteren wird auf das verkorkste CoronaJahr überhaupt keine Rücksicht genommen, denn Offiziell haben wir ja seit September ja wieder Vollunterricht gehabt….
        Keiner dieser Schüler hat sich über das unbestreitbare kommerzielle Interesse der Onlinemeetinghersteller beschwert… keiner… bei uns. in der beruflichen Bildung. Alle waren nur froh, dass wir innerhalb von 2 Tagen ein Lauffähiges System am Start hatten.

  2. Bei eurem Gast hörte es sich so an als wenn die (lokale) BBB-Instanz die meiste Aufmerksamkeit erfordert und der derzeit wichtigste Baustein in der Kommunikation von Lehrern und Schülern darstellt.
    Dazu will ich nur kurz erwähnen, dass auf Berliner Ebene mittlerweile für alle Schulen BBB zur Verfügung steht. Meiner Meinung nach eine sehr gute Nachricht im Sinne der Sendung.
    Im Januar lief es, als Übergangsphase, noch parallel zu Webex. Ab Februar sollten alle Schulen, die den Berliner „Lernraum“ (Moodle-Plattform) benutzen, nur noch BBB für Videokonferenzen benutzen.

    Neben den schulinternen Konferenzen haben die Lehrer mittlerweile auch die Möglichkeit, über https://bbb.lernraum-berlin.de/ mit Eltern und anderen Leuten, die keinen Account auf die Lernraum-Plattform besitzen, zu sprechen. (Diese Konferenzen sind logisch/technisch aber von den schulinternen getrennt.)
    Damit müssten alle Szenarien abgedeckt sein und der Druck, auf anderen Plattformen ausweichen zu müssen, gering sein.

    • Sicher ist dir nicht entgangen, dass bbb.lernraum-berlin.de und das BBB innerhalb des Lernraums von infra.run (also von uns) bereitgestellt wird. Und wie ich schon sagte, das ist seeehr viel Arbeit

  3. Lieber Tim, Linux und Steini,

    ich bin in der sehr glücklichen Lage, Lehrer an einer Schule zu sein, wo wir schon seit einigen Jahren ein Fach namens „Informatik & Soziales“ verpflichtend für alle Schülerinnen und Schüler des achten Jahrgangs anbieten, in dem wir genau darüber nachdenken, was die Digitalisierung mit uns macht.

    Das fängt dabei an, dass wir darüber nachdenken, welchen Wert Privatheit hat, wie beispielsweise Tracking und Scoring funktionieren, was all diese Cookie-Banners sollen und geht dann soweit, dass die Schülerinnen und Schüler spielerisch auch einfache Algorithmen in der grafischen Entwicklungsumgebung Scratch entwerfen, um ein ‚Gefühl‘ dafür zu entwickeln, wie Computer arbeiten.

    Mehr Infos zu unserem Weg der Digitalisierung findet ihr auch hier: https://www.gbgseelze.de/unterricht/lernangebot/iuk-schulung/

    Zudem ist uns auch ein bewusster Umgang mit Ressourcen wichtig, sodass wir überwiegend mit gebrauchter Hardware arbeiten und so derzeit etwa 200 zentral verwaltetet Linux-Laptops am Start haben:

    https://netzpolitik.org/2020/mit-linux-rechnern-zur-digitalen-nachhaltigkeit/

    Das alles geht, weil wir ein tolles Kollegium haben, was diesen Weg mitträgt, aber es ist auch verdammt viel Arbeit und geht nur mit sehr vielen (weitestgehend unbezahlten) Überstunden.

    Herzliche Grüße aus Seelze

    Felix

  4. Alter, wenigstens von Linus hätte ich erwartet, dass er Steinis Sexismus am Anfang, bei dem er nicht nach *Verhaltensweisen* sondern einfach nach Geschlecht aussortiert, korrigiert. Wäre ja einfach: du machst was kaputt oder hast ne große Klappe? Dann bitte raus aus dem Kurs.

    Lasst uns doch bitte einfach *niemanden* wegen *irgendwelcher* Äußerlichkeiten diskriminieren.

    • Bei Sexismus geht es nicht pauschal um die Unterdrückung eines beliebigen Geschlechtes durch ein beliebig anderes. Sexismus bezeichnet vielmehr eine Reihe von Phänomenen die einen ungleichen Status von Männern und Frauen zur Folge haben basierend auf einer Jahrtausende währenden Vergesellschaftung dieser Ungerechtigkeit und Ungleichheit. Rate, wer hier im Vorteil ist und wer im Nachteil. Es ist einfach lächerlich von Sexismus zu sprechen, wenn ich mich persönlich entscheide nur noch Mädchen zu unterrichten, weil die in allen Bereichen der IT zu wenig gefördert werden und Jungs nicht mehr zu unterrichten weil mit das zu anstrengen ist, insbesondere im gemischten Kontext. Kurzum, es ist kein bisschen sexistisch, nur Mädchen im Programmieren zu unterrichten aber sehr wohl, nur Jungs im Programmieren zu unterrichten. Zumindest so lange da keine Chancengleichheit existiert. I mean it.

      • Finde es toll, dass du Schutzräume beim lernen für Mädchen (oder hoffentlich inklusiver FLINTA* Personen) bietest. Was mir so ein bisschen aufstößt ist, dass du von Trennung sprichst bzw. gemischt geht gar nicht. Es sollte umgekehrt keine Jungsgruppe geben in der keine FLINTA* Personen teilnehmen dürfen, das schafft nur doofe Männer- (in der Alter eher Jungs-)bünde.

        • Natürlich beziehe ich FLINTA Personen ein, ist mir bisher nur noch nie im konkreten Schulkontext vorgekommen. Ich vermute auch, dass es eher selten sein wird, dass 14-16 jährige Menschen sich da schon so klar drüber sind. Gängige Praxis ist da, dass du in einem gemischten Kurs 90% Jungs hast die sich auch zumindest oberflächlich genau so auch verstehen und verhalten. Leider verschwinden dann die Mädchen sehr schnell aus dem Kurs oder verlieren die Lust und werden untergebuttert und für doof erklärt und das obwohl sie meist engagierter und interessierter sind. In reinen Mädchenkursen ist die Quote eher 50% die dabei bleiben und wirklich Spass dran entwickeln.

      • Finde es auch toll, dass Du hier mit besonderem Einsatz versuchst, auch mehr Mädchen für die IT zu begeistern. Ich finde es sehr schade, dass nicht viel mehr in die Technik allgemein gehen, denn vielfach ist wirklich großes Potenzial vorhanden, das merke ich auch im Unterricht. Und tatsächlich wirken sich pubertierende Jungs hier oft nicht sehr positiv aus.

        Ach ja, mal ab vom Thema: Ich liebe Deine Vorträge! So, das musst ich auch noch loswerden. :)

    • 1. Alles, was Steini dazu gesagt hat, stimmt.
      2. Alles, was Steini dazu schreibt, stimmt.
      Einer benachteiligten Gruppe oder einer Gruppe mit „anderen“ Lernbedingungsanforderungen gerecht zu werden, ist kein Ismus sondern das Gegenteil.
      Dass es dabei nicht um Äußerlichkeiten geht, erklärt Steini auch sehr klar mit einer nachvollziehbaren sachlichen Begründung, warum er sich so und nicht anders ehrenamtlich engagiert.

      • Mal angenommen, eure aussagen stimmen. Kümmern wir uns dann in 20 Jahren in ebenfalls exklusiven, ausschließenden Gruppen um schüchterne Kinder mit CS fernen Familien, die unglücklicherweise mit penis geboren wurden?

        Das Problem ist nicht, dass ihr bestimmte Leute ausschließt. Das Problem ist, dass ihr Leute allein aufgrund von Äußerlichkeiten ausschließt. Das ist einfach nur Diskriminierung.

        • Um es kurz zu machen, das was du da beschreibst ist kein Problem und wird auch nie eins sein.

          Weil andere Menschen das schon mal besser gesagt haben als ich es jetzt auf die schnelle könnte, zwei Absätze aus diesem (https://kritische-maennlichkeit.de/schutzraum-queer-heteronormative-raume/) Text:

          Viele cis Frauen und vielleicht noch mehr trans* Personen werden andauernd aus öffentlichen Räumen durch verschiedene Mechanismen ausgeschlossen. Sei es durch dumme Fragen, beleidigende Sprache, Redeverhalten / Mansplaining, Manspreading, unangenehme Blicke, (die Gefahr von) sexualisierten und anderen Übergriffen usw. Diese Dynamik fällt cis Männern in der Regel gar nicht auf. Zudem gibt es jede Menge Statements von Feminist*innen, die ihre Perspektive zu FLINT*-only Räumen erklären. Wenn ihr euch also fragt, was das soll mit den FLINT*-only Räumen, lest am besten solche Erklärung anstatt zu erwarten, dass es euch erklärt wird.

          Wenn cis Männer dann plötzlich durch feministische Türsteher*innen am Einlass in FLINT* Räume gehindert werden, liegt der Eindruck natürlich nahe, dass es sich um etwas wie „Diskriminierung“ aufgrund des Geschlechtes handeln könnte. Die These ist absurd und habe ich schon an verschieden stellen besprochen. Dass sich Männer derart ungerecht behandelt fühlen, liegt insbesondere an ihrer Privilegiertheit (bzw. Privilegienignoranz) und daran, dass sie die sexistische, trans*feindliche, homophobe und anti-feministische Dynamik schlicht nicht mitbekommen, der FLINT* Personen ihr Leben lang ausgesetzt sind.

        • Wie ich schon sagte, ich höre damit auf, wenn 50% der Studienabgänger:innen im Fachbereich Informatik Frauen sind. Und nein, bitte nicht jetzt das „Argument“ die würden das ja vielleicht gar nicht wollen. Oder obwohl, warum nicht… eigentlich freu ich mich schon bisschen drauf.
          Und noch mal ganz klar und unmissverständlich, ich entscheide selbst was ich in meiner Freizeit mache und wie ich mich engagiere. Ich diskriminiere durch meine Arbeit niemanden, ich fördere Menschen die nachweislich und massiv diskriminiert werden. Wenn Dir das nicht klar ist möchte ich Dir raten Dich damit etwas intensiver zu beschäftigen und wir reden dann weiter. Du gehst übrigens nicht auf das Problem ein über das ich gesprochen habe, nämlich dass Mädchen und FLINTA Personen massiv benachteiligt sind und werden in Bereichen Naturwissenschaft und Informatik sondern du fragst, was mit den Jungs ist. Das ist „whataboutism“. Ich frag mal andersrum, sollten Mädchen in Knabenchören singen dürfen? In der Hoffnung, dass Dich das jetzt ein bisschen triggert, ich finde sie sollten das dürfen und das ist überhaupt kein Widerspruch. Der neue Leiter der Regensburger Domspatzen fand das übrigens auch und wurde dann massiv unter Druck gesetzt sodass er jetzt die Meisterschaft im Zurückrudern gewonnen hat. Und wo ist eigentlich die gemischte Bundesliga?
          Ich sag mal so, ich freu mich, wenn du in welchem Kontext auch immer und für wen auch immer ehrenamtlich IT-Kurse anbietest und Kompetenz vermittelst. Das ist auf jeden Fall ne gute Sache, egal für wen ;-)

          • Steini, grossartige Arbeit, di Du/ihr da leistet!!! Und dass Du Mädchen (- + FLINTA-Personen) – only Kurse machst, finde ich total geil. Leider scheinen viele es noch immer nicht kapiert zu haben, dass das mit „Sexismus“ absolut nichts zu tun hat, eine Haltung, die leider auch im (sonst so aufgeklärten) CCC-Umfeld weit verbreitet ist…

          • Steini, ich kenne mich beim Singen wirklich nicht aus, aber ich glaube, der Knabenchor ist ein großartiges Beispiel für genau das, was ich meine.

            Schließt du Menschen (hier: Mädchen/Frauen) allein aufgrund ihres äußerlich erkennbaren Geschlechts aus (Stichwort: Männerschützenverein) ist es Sexismus, also Diskriminierung aufgrund eines äußerlichen Merkmals.

            Schließt du sie aufgrund ihrer tatsächlichen, im Einzelfall geprüften Stimmeigenschaften aus, ist das keine Diskriminierung aufgrund eines äußerlichen Merkmals. Vergleiche, wie viel Sinn es ergibt, Menschen mit sehr tiefer Stimme im Sopran mitsingen zu lassen.

            Genau das ist meine ursprüngliche Beschwerde. Du darfst nicht Menschen aufgrund von rein äußerlichen, nicht im Einzelfall überprüften Feststellungen ausschließen. Auch nicht in deiner Freizeit. Denn Männerschützenvereine sind ebenfalls Diskriminierend und sexistisch.

            • Vielen Dank für deinen Beitrag, deine Meinung ist uns wichtig.
              Ich denke, du hast jetzt deinen Punkt gemacht und kannst dich weiteren Horten der schreienden Ungerechtigkeit zuwenden.
              Viel Erfolg bei deinem Kampf für die Gleichstellung!

  5. Nichts gegen eure Bestrebungen, Medienkompetenz und Informatikwissen an der Schule zu vermitteln, aber…

    „Das kann ja nicht sein, dass wir nur [weil wir in den letzten Jahren keine eigene Lösung gebaut haben] jetzt einfach [Zoom benutzen].“

    Leider ist der „Datenschutz“ gerade nicht unser einziges Problem, wir müssen auch den Unterricht sicherstellen, und zwar Remote, Pandemie und so weiter. Denkt ihr tatsächlich es wäre besser, den Unterricht ausfallen zu lassen oder im physischen Klassenraum durchzuführen?

    Diese abstrakte Angst vor Datenschutzproblemen ist einer der Gründe, warum Deutschland in der Digitalisierung so hinterherhängt, und warum es kein guter Markt für Neugründungen ist.

    Leute hören FUD von den Datenschutzenthusiasten und nehmen es vor allem als technikkritische Einstellung auf, denn die meisten verstehen die Details nicht. So kommt es dazu, dass sich die Gesundheitsämter wegen „Datenschutz“ nicht trauen, für Impfeinladungen die Melderegister um Amtshilfe zu bitten.

    Klar ist es cool, eigene Dienste zu betreiben, aber es ist eben nicht unter allen Gesichtspunkten die beste Entscheidung. Nicht alle können es, es ist ein großer Aufwand, und in den meisten Fällen ist die Qualität der Dienstleistung geringer als bei kommerziellen Anbietern. Warum? Abgesehen von Entwicklertools gilt auch bei Software „you get what you pay for“. Mit dem Geld werden Designer, Produktmanager und Entwickler bezahlt, deren Beruf es ist, etwas gutes zu bauen.

    Werbefinanzierte und kundenfinanzierte Dienste unter einen Hut zu stecken ist albern. Natürlich kann es sein, dass ausländische Geheimdienste irgendwie mithören, aber das hält uns ja auch nicht vom Telefonieren oder Einkaufen ab. Das Risiko durch Geheimdienste ist doch ein komplett anderes als z.B. das der Polarisierung der Gesellschaft durch individualisierte „Feeds“ für maximales „Engagement“, oder das der Auswertung von Finanzdaten durch die Schufa.

    Oder Payback ;-) Denn wenn der Alman für die Daten kostenlosen Aufschnitt an der Edeka-Wursttheke bekommt, passt es natürlich wieder.

    • Es gibt viele Gründe weshalb Deutschland in digitalen Fragen hinterherhinkt, aber Datenschutz ist wirklich keiner davon.

      Das Narrativ vom bösen Datenschützer der all diese tolle Technik, Lösungen und Startups klein hält ist ein Märchen das wirklich schnell alt geworden ist und auch nie wirklich lustig war.

      Man kann ähnliche Meinungen wie die von Friedrich Merz und Co. natürlich super toll finden, aber warum diese sehr uninformiert und irreführend sind wurde hier im Podcast bereits ausreichend behandelt.

      Als Logbuch Netzpolitik Hörer feiere ich das Segment der Guten Nachricht. Warum tue ich das? Weil sie so unglaublich selten vorkommen, weil eben NIE auf die bösen Datenschützer gehört wird.

      Du sagst „Leute hören FUD von Datenschutzenthusiasten“, kannst du dennen ein Beispiel nennen wo Datenschützer FUD, womit du ja Desinformation meinst, verbreiten und infolge etwas sinnvolles blockieren?

      • +1 für den Kommentar.

        Ich bin es auch leid, Datenschutzvergehen immer damit zu begründen, sonst wäre aktuell kein Unterricht möglich. Man kann sich das Leben natürlich mit solchen Argumenten einfach machen und mag einem auch sein vielleicht doch vorhandenes schlechtes Gewissen nehmen, aber es ist dennoch nicht richtig.
        Zudem erleichtert es der Politik ja weiter den Datenschutz mit Füßen zu treten, weil es so viele als in Ordnung abtun, wegen der Kinder und so.

    • An dieser Stelle möchte ich gerne das Wort der Berliner Datenschutzbeauftragten Maja Smoltczyk, Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit und Prof. Dr. Dieter Kugelmann, Landesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Rheinland-Pfalz überlassen, die das, wie ich finde, extrem gut auf den Punkt bringen und ich bin froh, dass die den Job an dieser Stelle so gut machen. Kurz zusammengefasst ist die Parallele zur Klimakatastrophe wieder sehr treffend. Du Argumentierst gerade, dass wir aus wirtschaftlichen Gründen die Welt zum Teufel gehen lassen sollen. Das ist aber ganz interessanter Weise auch aus wirtschaftlichen Gründen ne ganz doofe Idee. Erstens ist es schon mittelfristig ein wirtschaftlicher extremer Vorteil auf vielen Gebieten, sowohl den Klima- und Umweltschutz als auch den Datenschutz im Griff zu haben. Es werden alle nämlich laut und zurecht lamentieren, wenn China seine komplette Wirtschaft in Windeseile und mit massiven Investitionen auf erneuerbare Energien umgestellt haben und unabhängig von fossilen Brennstoffen sein wird weil das dann ein wirtschaftlicher extremer Vorteil sein wird (mal ganz davon abgesehen, dass es jede Menge Umwelt-Folgekosten spart). Das Gleiche haben wir im Datenschutz. Es wird ein extremer Vorteil sein, den Datenschutz im Griff zu haben (es sei denn man ist Freund von Diktaturen, Monarchien oder anderen Autokratien).
      Demokratie ist ohne Geheimnisse nicht möglich und Datenschutz ist ein Treiber von Innovation und tatsächlich vermutlich der Punkt an dem die chinesische Autokratie scheitern wird, obwohl ich ihnen zutraue das auch noch in den Griff zu kriegen.

      https://www.datenschutz-berlin.de/fileadmin/user_upload/pdf/pressemitteilungen/2021/2021-BlnBDI-LfdRLP-Standpunkt_Attacke_auf_Datenschutz.pdf

  6. Hallo Tim, Linus und Steini,

    vielen Dank für Euren Beitrag. An den Kommentaren hier erkenne ich, wie sehr auch ich immer wieder dem Pragmatismus nachgeben und halbrichtige Lösungen präferiere. Trotzdem ist es wichtig immer wieder auch die Maximalforderung zu verinnerlichen, die die DSGVO nun mal manifestiert.
    Als Entscheidungsträger in der IT für Baden-Württemberg habt ihr mir wieder einmal ins Bewusstsein gerufen, wie wichtig es ist, sich seiner Werte bewusst zu sein und diese auch im alltäglichen Kampf zu vertreten – manchmal auch wenn es schwer ist.
    Wenn ich kein Geld, keine Skills und keine Werte habe, nehme ich eben MS Teams für meine Schule, aber wenn ich Werte habe, versuche ich wenigstens, da irgendwie wieder raus zu kommen, so wie der erste Kommentator Blaui. Natürlich frustriert das zuerst aber die Tatsache, dass er hier (regelmäßig) zuhört zeigt, dass er auch Werte vertritt, die sich mit Euren decken ind damit finde ich, ist der erste und wichtigste Schritt gemacht. Wenn alle anderen Verantwortlichen so handeln würden wie Blaui wäre die Welt schon etwas besser, denn nur durch das wissen um bessere Lösungen kann man auch ins Handeln kommen um diese Einzuführen. Darum Danke noch mal an Euch und auch an Blaui. Euer Diskurs alleine bewirkt schon etwas!
    schappi

    • Die Frage scheint mir, wie die Werte, die fast alle engagierten Menschen im Bildungssystem haben, priorisiert sind. Als Lehrer, der sich zu allererst dem Bildungserfolg seiner Schüler verpflichtet sieht, aber auch gerne noch das nächste Jahr ohne Covidfolgeschäden erleben will, steht Pandemieschutz vor Bildungsschutz und dieser in der Not auch vor Datenschutz.
      Was nicht heißt ihn komplett über Bord zu schmeißen, sondern nur seine wohlbegründeten Maximalforderungen in der Notsituation des Lockdowns nicht über die schulpflichtbewehrten Bildungschancen der aktuellen Abschlussklassen zu stellen.
      Diesen wurden durch das letzte Jahr je nach Schulausstattung und Vorbereitung der Kollegien auf digitalen Unterricht ein so erheblicher Teil an Stoffvermittlung genommen, das die Abschlussprüfungen in 3-3,5 jährigen Lehrberufen für viele Teilnehmer im letzten Herbst signifikant schlechter gelaufen sind, zumal deren Aufgabenstellungen ohne jegliche Abstriche aus der Vorpandemiezeit stammten und das Ausbleiben von Stoffvermittlung im entscheidenden halben Jahr vor der Prüfung einfach ignoriert wurde.
      Das illustriert vielleicht, warum im in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen beruflichen Schulwesen mit seine kurzen und teilweise sogar von den Meister- und Technikerschülern selber zu zahlenden Bildungsgängen, die Notwendigkeit, den Schülern sofort eine adäquate Unterrichtsversorgung auch unter Zuhilfenahme kommerzieller Angebote bereitzustellen, viel größer ist und diese von vielen beruflichrn Schulen daher trotz mulmigem Datenschutzgewissen in dieser Notsituation eingeführt und von vielen Schülern und Betrieben auch dankbar angenommen wurde.
      Dass das KM seinerzeit die Nutzung dieser Dienste zumindest zeitweilig ermöglichte, war daher aus meiner Sicht kein Sündenfall, sondern der akuten Not geschuldeter Pragmatismus. Bessere Lösungen brauchen Zeit, wie das ELLA-Fiasko vor drei Jahren ja leider in BaWü unrühmlich gezeigt hat. Engagierten KollegeInnen, die es mit Teams oder Zoom in der Not geschafft haben ihren teilweise nur einjährigen Vollzeitschülern (1.2.20-31.1.21) ihren Lebenschancen zu erhalten nun als oberste Priorität zu verordnen, „wenn ich Werte habe da so schnell wie möglich wieder rauszukommen“, finde ich schon sehr an der Realität vorbei….

  7. Bei der Erklärung von ‚Zoom geht gar nicht‘ hätte ich mir weniger emotionales Hochkochen und mehr Erklärungen, Erläuterungen, Fakten und Diskussion gewünscht. Ich höre Euch nicht, um Haltung und Meinungen zu kopieren, sondern ich möchte mir eine eigene Meinung bilden können. Dieser Aspekt kam etwas zu kurz. Auch einen Link auf die Liste der Software die ‚geht‘ hätte ich interessant gefunden. Habe ich das richtig verstanden: die Kombination von ‚closed source‘, kommerziell und US-amerikanisch gehört nicht in Kinderhand?

  8. Steini, Du hast die First Lego League erwähnt, die meiner Erfahrung nach unglaublich inspirierend für die Entwicklung von Kindern ist. Hast Du Erfahrungen damit? Passt es zu Deiner Agenda (meine Vermutung „nein“), gibt es eine Alternative?
    (Falls du interesse hast, könnte ich eine kleine Materiale Spende machen)

  9. Lieber Linus, lieber Tim, lieber Steini,
    vielen Dank für euren Input. Tolles Engagement von Steini!!

    Interessante Tipps für Lehrkräfte gibt es auch von digitalcourage (https://digitalcourage.de/kinder-und-jugendliche/schulen) und dem Medienkompetenz Team Karlsruhe e.V. (https://medienkompetenz.team/unsere-projekte/digitale-bildung/)

    Zum Weiterweinen – auch das ist Alltag:
    Unser SCHULADMIN nutzt Discord im Unterricht und Whatsapp für die Kommunikation in der Abteilung…
    Von den versprochenen Dienst-Laptops ist noch nicht einer geliefert worden, … dafür haben wir ganz viele OHPs

    • Hi extrazahn,
      > Von den versprochenen Dienst-Laptops ist noch nicht einer geliefert worden

      Meinst du den Dienst-Laptop für 1000€ pro Lehrer welches von oben an die Kommunen weitergegeben wurde und jede Schule nun selbst entscheiden kann was davon gekauft wird und wo 250€ für Verwaltung abgezogen werden und dann somit 750€ für ein Gerät zur Verfügung stehen was dann ja auch mal ca 3 Jahre halten soll und auch noch kein Monitor/Maus/Tastatur etc. dabei ist?
      Naja, besser als nichts. :-)

  10. Hallo Tim, Linus und Steini,

    vielen Dank für wieder eine tolle sehr interessante Sendung.
    Selbstverständlich ist es wichtig den Grundlagen bei Kindern zu legen. Ich frage mich dann nur, „Was ist mit den Menschen die sowas nicht in der Schule vermittelt bekommen haben und kein (abgebrochenes) Informatikstudium hinter sich haben“ sind sie eine „Lost Generation“?
    Es gibt sicherlich viele Seiten (oder Bücher) in denen wir uns selber dieses Wissen aneignen können. Vielleicht könnt ihr zu diesem Thema vielleicht ein paar Tips geben wo man hingehen kann um die Grundlagen richtig zu verstehen. Leider hat nicht jeder einen Erfa-Kreis in der Nähe.

    Ich freue mich schon auf die nächste Folge.

    Viele Grüße

    Worjust

  11. Habe die Folge heute morgen gehört und im Laufe des Morgens ist mir dann noch das hier über den Weg gelaufen (https://www.youtube.com/watch?v=oc_ZPt-LVBQ). Eine Y-Kollektiv Produktion darüber, wie Leute beauftragt via Telegram, Instagram usw. den Unterricht stören. Natürlich easy, wenn es nur globale Zugangsdaten gibt und die Konferenzsysteme „relativ offen“ sind. Da stimme ich im Nachgang dem Steini nochmal zu, dass auch Zoom + Co. einfach keine guten Alternativen sind und einfach auch nicht den Anforderungen von Unterricht entsprechen, besonders hinsichtlich Datenschutz – wozu man diesen Beitrag vom Y-Kollektiv meiner Meinung nach aus sehen muss. Fatal, dass Leute Zugänge weitergeben können und das sensible Daten von Schüler*innen da in die Öffentlichkeit oder an Dritte geraten. Davon abgesehen, dass an anderer Stelle Medienkompetenz endlich in die Ausbildung und zu dem Mitteln und Ressourcen einer jeden ausgebildeten Lehrkraft gehört. Ich denke auch, dass sich jetzt die Kosten von Zwangsdigitalisierung zeigen, die so lange aufgeschoben wurde und sehr schöne Projekte wie die von dem Steini, vernünftig, solide und deutschem Datenschutzbedürfnis entsprechend Einzug erhalten und hoffe nur es fällt nicht der privaten Wirtschaft in die Hände.

    • Hallo Marjan,
      das Flashmobbing von Videokonferenzen, das es der ersten Welle als „Zoombombing“ zu öffentlicher Aufmerksamkeit ( und einem eigenen Eintrag in der englischen Wikipedia) gebracht hat, funktioniert mit allen Plattformen, die einen Gastzugang anbieten.

      Diese datensparsamste aller Zugangsformen ist mit Zoom genau so möglich wie mit BigBlueButton oder JitsiMeet, wenn man die Einladung fahrlässig handhabt.

      Zoom hat es auch deshalb zu einem so schnellen Wachstum gebracht, weil seine Gast-Zugänge einfach, niederschwellig und viral teilbar waren. Das war ein großer Vermehrungsvorteil gegenüber den klassischen Datenkraken, die erstmal die Kontaktdaten aller Einzuladenden wissen wollen, um dieselben per eMail einzuladen und mit individuellen Zugangscodes zu beliefern. In der ersten Schrecksekunde der Pandemie zählte vor allem die schnelle Ausbreitung. Später, nachdem der invasive Zoom-Download auf genügend Endgeräten etabliert war, hat Zoom dann Warteräume und Pin-Codes eingeführt als „Sicherheitsverbesserung“, was jedoch keine echte Sicherheit gibt, wie in dem Video von Y-Kollektiv gezeigt wird. Wer den Gastlink fahrläsig teilen kann, wird das auch mit dem Pin-Code tun. Als Gast plausible Namen auszuwählen zur Überwindung der Warteraum-Türe fällt leicht in Szenarien wie im Video geschildert.
      Schultauglich wird der Einsatz von Videokonferenz erst dadurch, dass auf solche längerfristig gültige Gastzugänge verzichtet wird.
      Datensparsam wird der Einsatz von Videokonferenz dadurch, dass man die Schülerdaten nicht dem Videokonferenzsystem überantwortet, sondern nur dem Learning Management System (LMS) der Schule. Dort sollen sich die SuS ausweisen, und wenn sie innerhalb des LMS eingeladen sind, sehen sie auch den Zugang für den eigenen Namen. Sie kommen so mit einem individuellen, nur einmalig gültign Fahrschein ins Konferenzsystem, wo sie unter ihrem Namen sichtbar werden.

      Die Aussage im Video, dass sich so ein Missbruch „kaum verhindern“ lasse, ist also Quatsch. Es braucht nur eine saubere Integration zwischen LMS und Konferenzsystem mittels einer (LTI- oder API-) Schnittstelle, bei der keine personenbezogenen Daten außer einem Namen übergeben werden.
      Letzteres ist mir wichtig , weil Systeme wie Zoom und Teams die Personendaten-Verwaltung auch dann noch auf den eigenen Servern machen, wenn sie von einem Moodle-Plugin oder per LTI gesteuert werden, das zu diesem Zweck die Personendaten überträgt (eigentlich kein Zweck, der eine Rechtsgrundlage zur Übertragung darstellt, denn Systeme mit echter LMS-Integration trennen die Stammdaten im Schulsystem von den Verkehrsdaten im Konferenzsystem).

      In dem Video wird auch auf das Problem hingewiesen, was die meisten LuL dazu verleitet, trotzdem mit Gastlinks zu arbeiten: Man will für externe, temporäre Besucher[innen] des Unterrichts keinen extra Account auf dem Schulsystem anlegen müssen.
      Bei dieser Anforderung ist es allerdings nicht notwendig, den Gastlink gleich an die Schülerschaft zu verteilen. Nicht desto trotz besteht ein Risiko, dass der Link bei der Übermittlung unabsichtlich veröffentlicht wird.
      Als Lösung haben wir einen Voucher Generator im Einsatz, der nur einmalig verwendbare anonyme Links für eine konkrete BBB-Session erzeugt. Wer einen solchen Link an dritte weiterreicht, riskiert es, selbst nicht mehr rein zu kommen.

      Zoom kommt dagegen für den sicheren Betrieb in der Schule nicht in Frage, obwohl es ein Integrations-Plugin für Moodle und andere LMS gibt
      https://moodle.org/plugins/mod_zoom
      Hier stimmt das Fazit aus dem Video, dass sich ein Missbrauch dieser Art (Schüler gibt absichtlich den Gastlink weiter an Störer) kaum verhindern läßt. Das Problem:
      In jeder Zoom-Session werden links oben die Gast-Zugangsdaten samt Passwort und Telefon-PINcodes angezeigt. Solange dieser Anreiz zur weiteren viralen Verbreitung von Zoom durch spontanes Einladen Dritter aus der Konferenz heraus nicht abschaltbar gemacht wird, ist diese Software nicht schultauglich: Warum sollten Schüler externe Gäste einladen dürfen?

      Am Ende braucht ein zünftiges Flashmobbing mit Einspielen von Pornografie und dergleichen jedoch nicht nur den Zugang durch Einladung (oder von Google indizierten Gastlinks im Netz): Es braucht genügend Teilnehmer-Rechte um zu stören.
      Hier hatte sich Zoom hervorgetan durch eine zeigefreudige Standardeinstellung, die es sämtlichen Anwesenden erlaubt hat, jederzeit den eigenen Bildschirm zu teilen. Dies hatte Zoom im Zuge seiner „Sicherheitsinitiative“ letzten Sommer geändert , wonach Lehrkräfte die Software nicht mehr so einfach finden, weil sie was bedienen müssen, damit einzelne Auszubildende vorübergehend den eigenen Bildschirm teilen dürfen.

      An dieser Stelle des Videos
      https://www.youtube.com/watch?v=oc_ZPt-LVBQ&t=9m34s
      frage ich mich schon, was noch passieren muss, damit das aus der Not geborene Provisorium beendet wird, Business-Videokonferenzsysteme ohne ein Mindestmaß an kindgerechter Ausstattung und ohne hinreichende Fortbildung für die Aufsichtspersonen einfach so auf Minderjährige loszulassen. Derartigen Ärger hat unsere leidgeprüfte Lehrerschaft wirklich nicht verdient.

      Definiere Virtueller Klassenraum:
      Ein Videokonferenzsystem mit differenzierter Rechtevergabe bei der Interaktion, das die Teilnehmer-Authentifizierung ganz einem externen LMS überlässt und den Gastzugang nur bedarfsweise der Lehrkraft anzeigt.

      • hallo – zoom hier. dieser artikel
        https://arxiv.org/pdf/2009.03822.pdf
        beschreibt, warum das verhindern des meeting-bombings so schwierig ist – und warum die zoom-lösung mit unique join links die effektivste ist. zitat: „Zoom requires participants to log in, and checks if the unique link is the same that was sent to that email address as a calendar invite. We encourage other meeting platforms to adopt similar access control measures to protect their meetings from insider threats.“

  12. Hallo,

    danke für eine weitere sehr interessante Folge. Ich kann in der Theorie Steini mit seinen Ideen nur zustimmen, möchte allerdings kurz mal meine Erfahrung in der Praxis schildern:

    Wir sind im Oktober 2019 nach Spanien gezogen mit 2 kleinen Kindern im Grundschulalter, die Kinder sind dann von Deutschland hier in die Schule gekommen. Im März 2020 kam dann Covid mit dem entsprechenden Lockdown. Ich habe nach wie vor guten Kontakt zu der deutschen Schule und bin in den entsprechenden Eltern Whatsapp Gruppen, habe also einen recht guten Vergleich.

    Hier in Spanien gab es ohne größte Diskussionen ab dem ersten Tag improvisierten Unterricht über Whatsapp video Calls, Webex, Google Meet/Hangout usw., alles in Eigenregie von der Lehrerin zusammengeschustert, technisch halt nicht besonders toll aber sehr engagiert und irgendwie funktionierend. Hausaufgaben wurden per Whatsapp rumgeschickt, ausgedruckt, wieder abfotografiert, es gab täglich Sozialkontakt usw., alles sowohl für die Schüler als auch die Eltern ohne technischen Sachverstand leicht verständlich und umsetzbar. Für uns natürlich umso wichtiger weil die Kinder ja die neue Sprache lernen mussten, neue Sozialkontakte knüpfen etc.. Datenschutz war dabei nie ein Thema, hier ist der Umgang damit kulturell aber auch anders, es ist auch total üblich Fotos und Videos von Schulfeiern o.ä. bei z.b. Facebook oder Youtube für die Eltern zugänglich zu machen. In Deutschland wurde eine CD/DVD gebrannt und der Reihe nach weitergegeben (ja wirklich, im Jahr 2019). Seit den Sommerferien ist hier jetzt wieder „normaler“ Unterricht, von Anfang an mit durchgehender Maskenpflicht, Abstand, vielen anderen Hygiene Maßnahmen.

    In Deutschland gab es genau gar nichts, außer einer Mail das die Schulleitung „an einem Konzept“ arbeitet. Dieses Konzept war dann irgendwann ende April erstellt, dann wurde kommuniziert das sie an „einer technischen Lösung“ arbeiten. Dann wurden provisorisch Aufgaben Zettel per Mail verschickt (wobei ich jetzt bei den normalen unverschlüsselten Freemailern von der Privatsphäre das verschlüsselte Whatsapp fast noch für sinnvoller halte, aber das nur am Rand). Bis Juni gab es dann so gefühlt 10 pdfs, dann waren Sommerferien. Dann ging im Herbst der Unterricht wieder los, alle in den Schulbus, ohne Maske, 20 Kinder pro Klasse, bis zum Weihnachts-Lockdown. Jetzt gibt es in Niedersachsen für die Grundschüler „Wechselunterricht“, also halbe Klasse, jeden 2. Tag. Die anderen Tage sind quasi frei, es gibt dann so eine Art Hausaufgabe auf Zettel, weil nach wie vor wohl keine technische Lösung benutzbar und fertig ist, nach fast einem Jahr, und man ja (gesetzeskonform) die anderen Alternativen nicht nutzt.

    Ich muss sagen das ich natürlich in meiner Idealvorstellung die Ideen von Steini richtig finde, aber bevor quasi gar nichts passiert – was in der Praxis jetzt leider auch an vielen anderen Schulen in Deutschland ähnlich gelaufen ist – sollte man vielleicht pragmatisch die ungeliebten Services als Brückentechnologie nutzen und die fiese Datenschutzkröte temporär schlucken, bis da was benutzbares ausgerollt ist, zur nächsten Pandemie dann ;) .

  13. Hallo Euch Dreien!
    Habe noch nicht reingehört, aber mit großem Interesse schon mal hier die Kommentare gelesen.
    Wir nutzen bei uns den Schulmanager-online.de und das dort verfügbare Modul Videokonferenzen mit BBB.
    Wir hatten bislang nur Teams zur Verfügung, das ich nun schon länger nicht mehr nutze, da die didaktischen Möglichkeiten in BBB einfach vielfältiger sind und eine Aktivierung von Studierenden, die im Präsenzunterricht eher zurückhaltend bis stumm sind, gelingt damit hervorragend.
    Immer wieder klagen allerdings Studierende, dass die Konferenzen mit Teams (v.a. Audio) stabiler seien, als mit BBB… Kann es sein, dass BBB hier mehr Bandbreite zieht/benötigt?
    Diese Woche habe ich übrigens eine Vorlesung mit 80 Personen über BBB abgehalten, hat sehr gut funktioniert…
    Was mich interessieren würde: Wann werden denn neue Versionen von BBB bei cyber4edu freigeschaltet? Da gibt es ja doch einige neue Features, die in den Betaversionen entwickelt werden..
    Viele Grüße

    Fabian

    • Hallo Fabian,
      die Bandbreite, die BBB zieht, hängt im Wesentlichen an der Anzahl aktiver Webcams und der Auflösung beim ScreenSharing. In den neusten Versionen von BBB sind ein paar Verbesserungen drin, die den Bandbeitenbedarf sicherer eingrenzen (Senken der Bildqualität mit der Bildgröße, aufteilen der Cams auf mehrere Seiten).

      Ob man die Zoom-Strategie bis zum Ende gehen soll, (die Bildqualität bei vielen parallelen Cams so richtig grottenschlecht zu machen und auf der Empfängerseite wieder künstlich aufzuhübschen, damit das weniger auffällt) ist umstritten. Eigentlich will man ja nonverbale Signale sehen und keine krass geschminkten Botox faces.
      Andererseits halten es einige für Quatsch, in BBB die „höheren Bildqualitäten“ überhaupt anzubieten, weil die niedrigste meist den Zweck erfüllt, den die Nutzerinnen verfolgen, die auf „ständig alle sehen wollen“ stehn. Wir haben bei uns die Definition von „hohe Qualität“ deutlich runter geschraubt auf Zoom-Niveau ;-)

      Wer noch mit älteren Versionen von BBB arbeitet, sollte sich mit der Option vertraut machen, den Gebrauch der Webcam auf die Moderationsrolle zu beschränken, zumindest, solange man seinen Bildschirm teilt.

      Die Stabilität des Tons, die definitiv der wichtigste Qualitätsparameter bei Videokonferenzen ist (korrekter formuliert: die „Sprachverständlichkeit“), hängt teilweise auch an der Konfiguration der in BBB eingebauten „Telefonanlage“. Das ist ja so eine Besonderheit beim BBB: der Knopf mit dem „Knochen“, mit dem Du quasi Dein Audio auflegen kannst, obwohl der Rest verbunden bleibt. (Diesen Neustart der Tonverbindung durch kurz mal auflegen und wieder abheben bringen wir übrigens Allen gleich am Anfang bei, weil man das von anderen Videokonferenzsystemen nicht kennt, wo man komplett neu starten muss)
      Diese Telefonanlagen Architektur bringt einerseits coole Features wie zB das Reinhören in Gruppenräume, macht allerdings immer wieder Hakeligkeiten in einzelnen Versionen, die eine Version später wieder weg sind.

      Viele BBB-Admins schwören dagegen auf so Voodoo-Tricks und organisieren sich in letzter Zeit immer besser in diversen Foren, um Erfahrungen auszutauschen. Unsere Fachfrau läßt zB die Telefonanlagen von BBB jede Nacht neu starten). Soll aber alles besser werden, weil die Techniker[innen] sind informiert und bei OpenSource können wir auch handeln, ohne erst ein großer Key-Kunde zu werden, der genug Geld berappt hat :-)

      Natürlich drängt sich die Frage auf, warum das mit Teams und Zoom in Teilen besser läuft. Das liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass BBB im Browser läuft, anstatt Dir ein in seiner Funktionalität vollständig intransparentes Programm aufzu spielen, das erheblich mehr Rechenleistung (und evtl. auch ein paar Privatsachen) von Deinem Rechner abrufen kann. Wählst Du nämlich konsequent die Webversionen vonTeams und Zoom, um Dein System sauber zu halten, sind auch die Performance-Vorteile dieser Produkte deutlich reduziert.

      Was mir bei fast allen Konferenzsystemen auffällt. Ich höre in Aufzeichnungen von „Tonstörungen“ häufig die akustischen Artefakte von überforderten Freisprech-Algorithmen, (Blubbern, Digitalkracher, Verschlucken von Silben). Die haben gar nix mit der Übertragung zu tun, sondern kommen von der Bequemlichkeit, Lautsprecher laut aufzudrehen neben eingebauten Mikros, anstatt ein Headset zu benutzen. Ob das gut geht, hängt vor allem von der Raumakustik ab, die sich zB. durch Vorhänge verbessern lässt. Gemeinerweise ist der Verursacher der Einzige, der den Ärger nicht zu hören kriegt. Ist es der Dozent („iPad aufn Tisch muss reichen, hab ja eine laute Stimme“), geht stumm schalten eher nicht und die SuS zuhause sind genervt, sobald einer sein Mikro an macht.
      Ich freu mich schon darauf, wenn BBB endlich eine „Push-to Talk“ Taste kriegt, bei der man nur noch Geräusche verbreitet, solange man die Sprechtaste drückt.

      Zur Update-Roadmap von infra.run kann ich nix sagen. Ganz sicher werden sie keine instabilen Entwicklungsversionen ausrollen, egal wie geil die neuen Features sind (sind sie!). Ich rechne aber mit dem großen Update zu Ostern, einfach weil es sich operativ anbietet, sowas während der Schulferien zu tun.

  14. Hallo zusammen,

    da ihr ja auch ganz kurz die Hochschulen angesprochen habt, habe ich das Bedürfnis, an dieser Stelle auch mein Herz auszuschütten. Während es allmählich tatsächlich zu gelingen scheint, die Schulen zu erstaunlich großen Anteilen mit Jitsi- und BBB-Instanzen zu versorgen, steht die Uni, an der ich studiere, ironischerweise kurz vor der flächendeckenden Einführung von Zoom. Bisher hatten wir uns mit BBB durch die Pandemie gehangelt. Die Begründung: Unser BBB ist mit Ressourcen aus dem Boden gestampft worden, die eigentlich nicht dafür zur Verfügung stehen. Außerdem ist BBB nunmal für Schulunterricht entwickelt worden und für Vorlesungen nur bedingt geeignet. Soll heißen, wirklich große Veranstaltungen lassen sich damit nicht realisieren, da einerseits die Lastverteilung serverseitig Probleme bereite und andererseits die schwächeren Clients nach einigen Kameraübertragungen in den Streik gehen. Zoom kommt damit ja anscheinend problemlos zurecht. Außerdem stehen die Kosten für die Lizenzen (zum aktuellen Zeitpunkt) wohl in keinerlei Verhältnis zu dem Aufwand und den Ressourcen, die man vor Ort in BBB stecken muss.

    Die Einführung von Zoom bei uns wird von zwei neueren Entwicklungen begleitet: Einerseits biete Zoom seit kurzem wohl Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an (diesmal wirklich; es gibt dazu ein White Paper – https://github.com/zoom/zoom-e2e-whitepaper) und zum anderen besitzt Zoom jetzt wohl Server innerhalb Deutschlands (dazu kann ich leider keine Quelle anbieten, das wurde mir halt so gesagt) und bietet geeignete Verträge, um die DSGVO- und Privacy-Shield-Probleme zu lösen. Meiner Meinung nach wären das schon Gründe, um die Situation neu zu bewerten. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist schließlich eine Ansage, bei der andere Videokonferenzsysteme soweit ich weiß noch nicht wirklich mithalten können. Und es ist ein ganz entscheidendes Feature wenn es um die Frage geht, ob ich meine Kommunikation einem externen Anbieter anvertrauen möchte. Und mit Servern in Deutschland ließe sich das Angebot ja theoretisch tatsächlich so gestalten, dass auch keine Metadaten nach Amerika oder Sonstwohin abfließen.

    Nun fällt es mir ganz schön schwer, eine Haltung zu dieser Geschichte zu entwickeln und zu vertreten. Ich bin mit unserer bisherigen Online-Lehre über BBB eigentlich ganz glücklich gewesen und habe mich vor allem sicher und geborgen gefühlt; es ist also definitiv nicht so, dass Uni über Open-Source-Videokonferenzen nicht realisierbar wäre. Andererseits erkenne ich die Argumente der Uni-IT an; ich weiß, dass von einigen Personen Features schmerzlich vermisst werden, und vor allem, dass bei uns gerade genügend Bereiche (auch die IT) unterfinanziert sind, sodass man sich schon mehrfach überlegt, ob eine eigene Videokonferenzlösung der erste „Luxus“ ist, den man sich leisten möchte, solange es vertretbare Alternativen gibt.

    Entscheidend ist wohl jetzt, wie die beiden Versprechen „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“ und „Server in Deutschland“ in der Praxis ganz konkret umgesetzt werden – das kann ja an genügend Stellen schief gehen. Wenn ich mich im Internet zu informieren versuche, aus welchen Gründen Zoom problematisch ist, stoße ich hauptsächlich auf Artikel aus dem Frühling oder Sommer, als Zoom wegen Sicherheitslücken und Privacy-Problemen eine Schlagzeile nach der anderen machte. So lese ich beispielsweise auch die Empfehlung von Steini auf cyber4edu. Aktuelle Beurteilungen, welche meinen Sachstand aufgreifen, scheint es noch nicht so viele zu geben.

    Ich fürchte, hier mir gerade kaum jemand darin weiterhelfen, den Datenschutz durch Zoom in Bezug auf unsere Uni zu beurteilen. Aber vielleicht hat in der Community ja jemand gute Lesetipps für Artikel, Reviews oder ähnliches, die sich mit Zooms aktuellen Vorstößen zum Thema end-to-end-encryption beschäftigen? Irgendeine Meinung Dritter zum Thema zu haben, ob das Konzept irgendwas taugt, oder wie sich die Verschlüsselung im Praxistest schlägt, fände ich sehr bereichernd.

    Mir geht es in Bezug auf Zoom ein bisschen wie Ekkehard; in meinem Umfeld ist man gerne dabei, auf Zoom herumzudreschen, was erst einmal ja auch ok ist, aber wenn ich versuche, die Argumente herauszudestillieren, finde ich nicht so viel, was aktuell ist und auf meinen Anwendungsfall zu passen scheint. Im Bezug auf die Sicherheitslücken aus dem Frühling ist soweit ich weiß auch bekannt, dass diese stets zügig behandelt wurden. Ich frage mich, inwieweit ich anerkennen muss, was Zoom als Marktführerin hier aufgebaut hat und ob das nicht vielleicht einfach nur Leute sind, die sich bemühen, ein gutes Produkt gegen Geld anzubieten. Alle übrigen kritischen Punkte wie Closed Source, Public-Money-Public-Code, die Abhängigkeit von kommerziellen Unternehmen, welches Geschäftsmodell hinter den kostenlosen Accounts für Einzelkunden steckt, wie sich Zoom politisch gegenüber zweifelhaften Staaten verhält und so weiter, bleiben natürlich unberührt und bestehen weiter. Aber was dahinter zurückbleibt ist viel Open-Source-Ideologie, die ich persönlich zwar toll finde, mit der man aber an vielen Stellen und in vielen Situationen vor die Wand fährt. Und das muss man dann auch akzeptieren.

    Liebe Grüße und Entschuldigung an alle, die den Roman bis hierhin gelesen haben
    Hilde

    • Ich habe deinen Erfahrungsbericht mit großem Interesse gelesen, weil bei uns in BaWü die BBBMeetings für die Schulen meist schon bei mehr als 10 Webcams ins Stocken geraten und in der Stoßzeit morgens zwischen 8 und 9 mit bis zu 180 000 eingeloggten Nutzern, selbst bei reiner Tonübertragung von 25 Schülern und einem Lehrerdesktop immer mal wieder Tonstörungen auftreten, während mit gleicher Hardware zum gleichen Nutzungszeitraum bei Zoom 25 Webcams flüssig laufen.
      Das ist schon signifikant.

      Und noch ein privater Vorteil:
      Wir machen in meinem Gospelchor seit Mai die Proben mit Zoom, weil man hier sehr weitgehenden Zugriff auf die Audioverarbeitung hat und so Musik oder Gesang nicht von vornherein als Störgeräusch herausgefiltert wird, was bei anderen Systemen zu einer völligen Nichteignung für musikalische Anwendungen und damit natürlich auch den Musikunterricht führt.

  15. Eine Sache, die z. B. dem Lernraum Berlin fehlt, ist der Stundenplan, der zentral für unsere Schülerinnen und Schüler ist. Er gibt die Tagesstruktur vor und befreit nebenbei die Kinder von häuslichen Pflichten. »Tut mir leid, ich kann gerade nicht den Müll runterbringen, denn jetzt ist Unterricht«.

    Am Gymnasium Steglitz haben wir ein eigenes System am Start, das Nextcloud, Jitsi und Lernraum Berlin miteinander verbindet. Die Software ist quelloffen und hier zu finden: https://github.com/specht/schul-dashboard

    Eine kurze Einführung für Nerds gibt es hier: http://www.youtube.com/watch?v=n_n6gJdkBxY

    Also: ausprobieren, Server aufsetzen und dann viel Spaß beim »schulisch angeleitetem Lernen zu Hause« (saLzH)!

  16. Wenn wir das jetzt mit der Schul-IT alles so ordentlich machen nehmen wir den Kids doch den ganzen Spaß.

    Die IT an meiner Schule war toll. Es gab Zufallspasswörter aus vier Kleinbuchstaben und einer Zahl, die insbesondere die Lehrer*innen nie geändert haben. Es gab einen XAMPP-Server der als Domänenadmin lief mit dem wir PHP programmieren sollten …

    Das war wirklich ein Schlaraffenland.

  17. Hallo Tim und Linus,

    Ein wesentlicher Punkt, der z. B. dem Lernraum Berlin fehlt, ist der Stundenplan, der für unsere Schülerinnen und Schüler den Tag strukturiert: »Nein, ich kann jetzt nicht den Müll runterbringen, denn ich habe Unterricht.« Im Lernraum muss ich erst meinen »Kurs« suchen und dann seitenlang scrollen, bis ich zur richtigen Woche komme, um zu sehen, was zu tun ist.

    Am Gymnasium Steglitz haben wir ein eigenes System aufgebaut (das Schul-Dashboard), das NextCloud und Jitsi (beides auf eigener Infrastruktur) und den Lernraum Berlin miteinander verbindet. Wir haben mehr Jitsi-Unterricht, als manchen Eltern lieb ist. Da wir komplett auf externe Anbieter verzichten, haben wir dabei auch kein Datenschutzproblem. Schüler:innen machen ihr Handy an, gehen auf unser Dashboard und sehen sofort ihren aktuellen Stundenplan und was gerade los ist. Das ist super einfach und funktioniert.

    Das System ist quelloffen und liegt auf GitHub (Suchwort »schul-dashboard«, ich glaube mein erster Kommentarversuch wurde gelöscht, vielleicht wegen des Links).

    Also, wer noch Luft nach oben sieht an der eigenen Schule in Bezug auf »schulisch angeleitetem Lernen zu Hause« (saLzH) und Wert auf Datenschutz und Spaßfaktor legt, kann sich gern mal anschauen, wie das ganze aussieht.

    Viele Grüße und weiter so,
    Michael Specht.

  18. „Da muss man auf Teams, Zoom und wie sie alle heißen jetzt eben mal verzichten, auch wenn‘s weh tut.“
    Blanke Ignoranz in pandemischen Lockdownzeiten:
    Denn weh tut das genau den drei Gruppen von Menschen, die unverschuldet in eine echte Notsituation gekommen sind:
    • Überforderten Eltern schulpflichtiger Kinder, die von Emailarbeitsaufträgen ihrer Lehrerzentrierten Kinder überschwemmt werden.
    • Schülern, die noch jede Menge Anleitung und Führung benötigen oder direkt vor Abschlussprüfungen stehen und ganz besonders Migranten, die mit Schriftdeutsch ohne persönliche Ansprache völlig überfordert sind.
    • Lehrern von Abschlussklassen oder Berufsschulklassen, die großteils keine Erfahrung im Lernplattformunterrichten haben, aber jetzt ihre Schüler durch einen Lehrplan unterrichten müssen, ohne dessen Abarbeitung sie in ihren nicht coronaangepassten Ablussprüfungen sang- und klanglos durchfallen werden.
    Wie es da gerade in den Familien und Kollegien zugeht, kann man sehr gut in dieser Deutschlandfunk-Kultur-Reportage nachhören:
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/lernen-im-lockdown-jetzt-praesenzunterricht-waere-der.3991.de.html?dram:article_id=491244

    Diese drei Gruppen brauchen jetzt sicher funktionierende Onlinemeetings auf sicher funktionierenden intuitiv bedienbaren Geräten, deren Netzzugang in ihrer heimischen und schulischen Infrastruktur so einfach und verfügbar wie möglich gewährleistet werden kann.
    Und sie brauchen einen bewährten Unterrichtsstil, um in der ohnehin schon stark erschwerten Unterrichtssituation nicht auch noch Lehreffektivität durch nicht beherrschte Unterrichtsmethoden einzubüßen. Frontaler Tafelunterricht wird von Lehrern und Schülern am sichersten beherrscht. Daher sind Arrangements mit Ipad, Pencil, Notiz/Tafelapps und native IpadOS Onlinemeetingapps so unglaubliche hilfreich, um die akute Not zu überbrücken. Damit schaffen es sogar altgediente Dauerfrontallehrer mit völliger Digitalaversion ihren Unterricht nach wenigen Tagen Eingewöhnung wie gewohnt (durch Schreiben mit dem ApplePencil auf die Ipadtafel und teilen derselben im Onlinemeeting bei mündlichem Gesprächskontakt mit ihren Schülern) weiterzuhalten. Diesen aber auf eine digitale Lernplattform „umzumoodlen“ und deren teils noch sehr experimentelle kollaborative Tools auch sicher zu beherrschen, dauert hingegen selbst bei dafür vorhandener Ausstattung Wochen und Monate und fordert sehr hohe mentale Flexibilität, Mut und Gelassenheit von allen Beteiligten – also genau das, was in der pandemieinduzierten Dauerstresssituation am wenigsten vorhanden ist.

    Das ist nicht schön, überhaupt nicht visionär und ganz klar ein Armutszeugnis so sollte digitaler Unterricht im 21 Jh. nie sein – aber es ist vollkommen realistisch und damit ein gangbarer Weg in einer Notsituation. – Der auch wieder verlassen und korrigiert werden kann, wenn diese beendet ist und die Länder und Gemeinden, Eltern, Schülern und Lehrern eigene Cloudinfrastukturen, eigene Vollzeitadmins und eigene OpenSource Lernplattformen mit eigenen auf die pädagogischen Bedürfnisse hin entwickelten Tools auf industriellem Verfügbarkeitslevel bereitstellen und dauerhaft pflegen können.
    Bis zu diesem Zeitpunkt können wir froh sein, dass kommerzielle Dienstanbieter in den Schulen eine Zukunft sehen und ihre Produkte in Notzeiten fast unentgeltlich bereitstellen, um die Not zu lindern und sich eine gute Wettbewerbssituation zu verschaffen. Und genauso haben wir es an meiner Schule auch gemacht: 3 Monate haben wir den gesamten Unterricht mit Ipad und GotoMeeting für alle Klassen nach Stundenplan hinbekommen und somit allen beteiligten Schülern, Eltern und Betrieben genau das geliefert, was unser gesetzlicher Auftrag war. Als dann aber das Land und eine im Wortsinne Handvoll engagierter Kollegen Moodle und BigBlueButton soweit hatten, dass sie diese Aufgabe übernehmen konnten, haben wir gewechselt – auch wenn damit der Aufwand und Frust auf Lehrerseite nochmal angestiegen sind, weil nun zwischenzeitlich einiges nicht mehr so glatt läuft, wie mit der kommerziellen Software.

    Nichts ist in Stein gemeißelt, da die Lösungen immer nur einen Mausklick entfernt liegen. Aber es müssen eben echte Lösungen sein – und keine Utopien.
    Aber natürlich fragen sich jetzt viele Kollegen, Schüler, Eltern und Betriebe, warum wir besonders im beruflichen Bildungswesen nicht mit Plattformen weiterarbeiten können, die in den Betrieben absolut regulär im Einsatz sind und mit denen unsere Berufsschüler, Meister und Techniker in der industriellen Praxis, für die wir sie ja ausbilden, ständig zu tun haben.
    Wenn nun mal MS365 in Industrie und Handwerk fast schon Standard ist und Betriebe ihren Azubis Tablets auch unter der Annahme finanzieren, dass sie in der beruflichen Schule lernen, mit diesen Geräten effektiv zu arbeiten, fällt es ziemlich schwer, eben diesen Dualpartnern nun zu erklären, dass genau das nun gerade ausgeschlossen sein soll – obwohl die Alternativen nicht einmal mit gleicher Usability auf eben diesen Geräten nutzbar sind.

    Denn das an sich sehr schöne BigBlueButton läuft nicht als native IOS-App auf dem Ipad, was dazu führt, dass Kollegen die letztes Jahr mit einem Zoom, Teams, gotoMeeting oder sonst einem Onlinesystem direkt ihre mit dem Apple-Pencil analog zur Tafel geschriebenen GoodNotes-Unterichtsaufschriebe direkt an ihre Schüler streamen konnten, dafür nun mit dem OpenSource-System noch einen zweiten PC brauchen, auf den sie via AirServer ihr Ipad mit WLAN-verstopfender Bandbreite streamen, um es von diesem via BBB nochmal WLAN-verstopfend dann an die Schüler weiterzureichen.
    Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht – und der Kommentar der netzpolitisch korrekten Kollegen ist dann auch noch :“ selber Schuld, wenn man solche Single-Purpose-Geräte einsetzt und auf IpadOS-Apps angewiesen ist! “ – und erklären einem dann auch noch feixend, wie blöd es ist, zu Hause kein Netzwerkkabel verlegt zu haben..
    Aber da haben wir es wieder auf dem Punkt: wir haben JETZT Pandemie und Lockdown und wir haben JETZT eine Infrastruktur im Homeoffice und JETZT Ipads die wenigstens in so großer Zahl an einigen Schule zur Verfügung stehen, dass wir sie schlecht ausgestatteten Schülern auch JETZT dauerausleihen können – und diese angeblich so unglaublich digitalaffinen Schüler (im beruflichen Schulwesen) damit auch klarkommen. JETZT

    Und noch was zu Linus‘ Satz , von wegen Moodle war ja auch schon damals auf der Uni doof. Moodle hat sich in den letzten 20 Jahren wie alle anderen OpenSource-Projekte mit weltweiter Nutzergemeinde ganz erheblich weiterentwickelt und wie es aussieht, habt ihr euch nicht mal die Mühe gemacht, auf der deutschen Moodleseite
    https://docs.moodle.org/310/de/Hauptseite
    auch nur mal nachzusehen, was da mittlerweile alles möglich ist.
    Manches ist derzeit ein absoluter Segen für die Kollegen und Schüler: Aufgabenmanagement, Dateiverteilung, Automatische mit Scriptsprache erzeugbare Tests, Terminverwaltung, Spiele , Umfragen, Feedbacks, Videos, Audios, Forenkommunikation, Wikis, Glossare, gemeinsame Aufgabensammlungen, kooperative PDF und Textdateien, die Einbindung von Nextcloud, die Anbindung an Teams, H5P,… mannigfaltige Import und Exportmöglichkeiten. ..
    Anderes funktioniert aber auch nicht so richtig fluffig angefangen von Bildern die sich nur als Dateien aber nicht über die Zwischenablage einfügen lassen – bis hin zu Text oder Tabellendateien, die bei jeder Änderng neu gespeichert werden müssen und einer MoodleApp, die nur die Hälfte der Aktivitäten beherrscht, die die Webversion kann – da wäre die Hilfe von Supernerds bei der Verbesserung hochwillkommen…
    Macht doch nicht bitte in einem Atemzug MS365/Teams runter und tut dann so, als hätte Moodle dem auch nichts entgegenzusetzen. Das hat es nämlich durchaus. Nur leider ist der Einstieg in dieses sehr mächtige den Schulbetrieb in seiner Gänze abbildungsfähige System eine Aufgabe die Wochen und Monate dauert. Und die Administration ist nichts für Laien, sondern muss auf Serverseite von echten Profis bewerkstelligt werden, wie z.B. vom Hochschulprovider BelWue in Stuttgart, der tausenden von Schulen dann ihre Moodleinstanz in voll DSGVO-kompatibler Konfiguration am laufen hält. Nur wenn das sicher verfügbar läuft, können die pädagogischen Admins ihre Schule darin abbilden und ihren Kollegen und Schülern dann sicher zu handhabende Werkzeug bereitstellen. Und da hängt es dann meist, da es dafür ein paar freiwillig begeisterte KollegInnen an einer Schule und eine sie fördernde Schulleitung braucht, um das Kollegium auch mitzunehmen und nicht völlig zu verschrecken. Fehlen diese, weil jeder weiß, dass dieser Job derzeit das höchste Burnoutpotenzial aufweist – dann bleiben nur kommerzielle Standardttools, um JETZT und auf die Schnelle Schüler, Lehrer und Eltern nicht komplett im Regen stehen
    Und die kann man wie gesagt, ja auch wieder außer Betrieb nehmen, wenn die Not vorbei ist – sei es nun auf Virusseite oder auf Verfügbarkeitsseite…

  19. Hello,

    ich bin euch super dankbar für diesen Beitrag. Der deckt sich mit vielen von meinen Beobachtungen und interessanter weise auch mit den Positionen, die meine Dozent:innen in der Ausbildung zum/r Waldorflehrer:in vertreten haben: Z. B. wir brauchen leistungsstarke Open Source Software und einen digitalen Hausmeister. (ja, wir haben Medienpädagogik und warum benutze ich kein WhatsApp in der Ausbildung).

    Nun bin ich an einer Schule, die ihr Problem mit der mangelnden Digitalisierung schon eine Weile kämpft und die Kontaktbeschränkungen als Kick-Off genutzt hat. Dazu haben wir die Schulplattform von EduPage zu itslearning gewechselt und sind seid Beginn dieses Jahres immer mal wieder im Hybridunterricht. Dabei haben wir nun ein halbes Jahr versucht, Jitsi zu nutzen und haben auch in Zusammenarbeit mit den Entwickler:innen von itslearning versucht, die auftretenden Probleme zu beheben. Als das Home Schooling im neuen Jahr nun flächendeckend begann, haben wir uns zwei Tage lang angeguckt, wie kaum ein Unterricht abgehalten wurde, weil Jitsi nicht funktioniert hat. Auf Eigeninitiative der Lehrer:innen und Eltern wurde schließlich immer Zoom genutzt, sodass wir Zomm jetzt leider offiziell nutzen. Einige SuS verweigern deshalb, sich zu zeigen. Deswegen können wir teilweise keine Anwesenheit überprüfen.

    Wenn man davon ausgeht, dass eine Lehrkraft als Mittler:in zwischen alter und neuer Generation fungiert, bin ich sehr gespannt, welche Generation einen kompetenten Umgang mit digitalen Medien an unsere Schulen bringt.

    Grüßis und Dankeschön

  20. Hallo Tim, Linus und Steini,
    soweit ich weiß ist Moodle nicht die einzige Opensource Lösung. Meine Hochschule in Aalen, nutzt seit einiger Zeit als Lernplattform Canvas https://de.wikipedia.org/wiki/Instructure.com welche unter AGPLv3 läuft. bin jetzt nicht mega sattelfest in opensource Lizenzen. Die UI ist relativ aufgeräumt und wäre wahrscheinlich die sinnvoller erweiterbare Lösung für das Problem. Ich bin bei Opensource Lizenzen nicht wirklich sattelfest, also wenn ich nen groben Denkfehler mach klärt mich gerne auf.
    Grüße Lukas

    • Lieber Lukas, Moodle ist nicht das einzige OpenSource Learning Management System, das im deutschsprachigen Raum eine eigene Fangemeinde hat.

      Einige große Unis hatten sich für die Kölner Entwicklung ILIAS entschieden, die spezielle Bedürfnisse unserer akademischen Lernkultur fokussiert. Wo man es übersichtlicher braucht, werkelt oft das LMS stud.IP. In der Schweiz ist die dort entwickelte Plattform openOLAT besonders populär.

      Alle diese Tools sind im außer-Europäischen „Education Business“ ziemlich unbekannt.

      Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl spezialisierterer LMS (Chamilo, Docebo et.al.) für klar umrissene Zwecke. In manchen Firmen-Akademien, die sich nach MOOC-Art nur dem „Verteilen von Lernvideos mit Quiz am Ende“ widmen , reicht auch oft ein Bündel von WordPress- oder Joomla-Plugins.

      Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass einige pädagogische Thinktanks schon vor 16 Jahren das Ende des monolithischen Learning Management Systems eingeläutet haben und auf sozial kollaborative Netzwerk-Lösungen wie Elgg setzten. Heute sind da die Grenzen fließend und jedes LMS ergänzt sich prima mit NextCloud, einem Multichannel-Chat und e-Portfolios, wenn es keine eigenen Module mitbringt. Aufgeräumter wird die Oberfläche dadurch allerdings nicht.

      Canvas ist vor 10 Jahren in Nordamerika mit OpenSource-Ideen und einem Freemium-Geschäftsmodell als David gegen den EDU-Goliath Blackboard angetreten und hat dort eine ständig wachsende Fangemeinde. Blackboard Inc., der weltweite LMS Marktführer, der in DACH selten mal einen Fuß in die Tür gekriegt hat, konterte Canvas damit, dass sie in den USA eine eigene Moodle-Variante mit einem ähnlichen Freemium Modell betrieben haben.

      So hat Canvas in Übersee ein ähnliches Gewicht wie Moodle,
      https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/53/LMS_market_share_graphic_2016.jpg
      hat aber hierzuland ähnlich wenig Verbreitung wie Blackboard.

      Canvas hatte Grenzen bei der Erweiterbarkeit. Zwar ist die Community Edition AGPL, aber dort fehlten lange Zeit einige wichtige Plugins, die das Unternehmen nicht frei gegeben hat, zB die meisten Integrationsmodule.

      Ohne einen freien SCORM Adapter hast Du in Zeiten von „Open Educational Ressources“ erstmal schlechte Karten.
      https://github.com/instructure/canvas-lms/wiki/FAQ#are-there-any-code-differences-between-the-open-source-and-hosted-offerings

      Das mag sich inzwischen geändert haben, ist aber ein evolutionärer Nachteil für die Reife der Open-Source-Gesamtlösung, wenn man keine Enterprise-Add-Ons dazu kauft. Noch ein Beispiel:

      Eine freie Implementierung für das besonders wichtige LTI-Interface (standardisierte Integration externer Lerntools) ist bei Canvas vor grad mal 16 Monaten alt https://github.com/ChalmersLibrary/nodejs-lti-canvas-groups

      Mit einer funktionierenden LTI Schnittstelle hat man uA die Wahl zwischen mehreren Virtual Classrooms (Meine Definition: Videokonferenzsysteme, die auch eine LTI Schnittstelle haben ;-)

      Ich traue Canvas zu, in einem passenden Ökosystem für eine Schule oder Hochschule zu funktionieren, genauso wie ich dem LMS it’slearning zutraue, in einer Microsoft Sharepoint Cloud Umgebung gut zu funktionieren

      Nein Microsoft 365 Education ist kein LMS ! Das fällt aber nur denen auf, die schon mal mit einem gut aufgesetzten LMS gearbeitet haben.

      Sicher kann man Canvas vernünftig betreiben, was vor allem eine Frage der Support-Infrastruktur ist, die eine Hochschule eher stemmen kann als ein Schulträger.

      Wenn das KnowHow einer lebendigen Community da ist, könnte es eine Alternative sein, eines der schlankeren open Source LMS als Musterlösung für den Schulbetrieb zurecht zu schnitzen. Allerdings ist aufgrund der Notlage grad nur der Ist-Stand solcher Alternativen relevant, wie viele hier schon angemerkt haben.

      Unterm Strich hat Moodle zwei große Vorteile gegenüber allen anderen Open Source Lösungen:

      1. Es hatte hierzulande schon eine stabile User-Basis, lange bevor es Canvas gab. Wenn Du all die Bücher und Online-Handreichungen zur Nutzung von Moodle zusammen zählst, wirst Du es wohl plausibel findent, dass eine Kompetenz-Entwicklung in der Fläche deutlich leichter skaliert als bei einem „aufgeräumteren“ UI, das kaum jemand kennt.

      Die Microsoft-Fans in der Verwaltung hoffen ja auch darauf, dass ihnen das ganze Fortbildungsproblem abgenommen wird dadurch, dass ihre Mitarbeiterschaft eh schon Office im Privaten gelernt hat. Jede frischgebackene Online-Lehrerin sollte doch jemand kennen, die „weiß wie Microsoft geht“, träumt man dort weiter. Ein Dienstherr, der in der deutschen Verwaltungsrealität fern von selbsterlebtem Learning Management und lebenslanger Erwachsenenbildung strategische Entscheidungen treffen muss, ist anfällig für die schillernde Vision, dass die „Software Markführerschaft an sich“ das Qualifizierungsproblem unentgeltlich in Echtzeit aus der Welt schaffen könnte.

      Das kann es jedoch im Falle von Microsoft Education nicht, weil 365 gar kein Learning Management System ist. Die Lernkurve für die methodisch-didaktische Eroberung von Moodle ist deshalb höher als bei 365, weil damit viel mehr geht als die Methoden, die auch in Büro-Hochhäusern und Verwaltungsetagen nützlich sind. Um so wichtiger ist es, dass sich der Umgang mit einem echten LMS dadurch erlernen läßt, dass man neben den vom Dienstherrn zu stellenden Handreichungen auch Best Practises in einer kollektiven kollegialen Beratung zur Verfügung hat.

      Den Aufbau einer solchen Support-Infrastruktur stelle ich mir für Canvas eher schwierig vor und keineswegs in deutscher Sprache käuflich zu erwerben.

      2. Moodle ist flexibel anpassbar an jede Nische und hat damit das Zeug zur Standardlösung, die man mit etwas Ahnung passend machen kann. So ein Baukasten zu verwenden ist vor allem dann clever, wenn noch gar nicht klar ist, wo die Reise langfristig hingehen soll (mE eine Standardsituation)

      Diese Anpassung muss man halt tun. Das ist derzeit ein Problem ist für alle, die als Individuen in diese Welt geworfen sind.

      Das „Instructional Design“ einer aufgeräumten Oberflläche, die genau das Gewünschte anbietet und die Komplexität nicht benutzter Bausteine versteckt, ist im Bereich der beruflichen Bildung, wo ich mich meistens bewege, längst zu einer arbeitsteiligen Aufgabe geworden.

      Insofern ist langfristig Teamwork im virtuellen Lehrerzimmer angesagt, was in meiner Welt der etablierten Hierarchien selten ohne externe Begleitung funktioniert.

      Wo die SchulentwicklerInnen in so einer akuten Notlage herkommen sollen, das frage ich mich schon und empfinde deshalb das ganzheitliche Konzept von Cyber4EDU als wegweisend.

  21. Servus!
    Genau bei solchen Aus-Prinzip-Nein-Argumenten aus der Elternschaft bewundere ich engagierte Lehrer, die trotz aller widrigen Umstände auch in diesen Zeiten meinen Kindern etwas vermitteln wollen.
    Auch bin ich froh, dass die österreichische Ausprägung der DSGVO den Einsatz von MS-Teams zuließ und wir im März innert eines Tages einen vernünftigen Unterricht im Lockdown hatten.
    Gruß

  22. Man merk richtig wie sich Tim Pritlove(kenn ich auch persöhnlich) ,so richtig windet wenn es um Open source Lösungen geht, So als Apple Fanatiker(Als das er sich selbst NIE bezeichnen würde, /Apple Podcast) wirkt es richtig lustig. Danke für den Podcast!

    • Als über 30 Berufsjahre eingeschliffener Windowsmensch und Lehrer, fand ich das Ipad vor 4 Jahren so eingeschränkt und unnötig, wie einen Kropf.
      Aber seitdem man für ca. 500 € ein performantes Multimediagerät mit hervorragender Stifteingabe und spotbilligen aber extrem ergonomischen Apps bekommt, die sich durch völlig unproblematische MDM-Lösungen mit minimalem Aufwand administrieren und mittels AppleTv strippen- und Adapterlos in jedem Raum auf einen Beamer spiegeln lassen, während man völlig frei damit durchs Klassenzimmer läuft und Kontakt zu den Schülern hält, anstatt sich hinter seinem PC zu vergraben, habe ich und viele meiner Windowsveteranen IpadOs im Unterricht zu schätzen gelernt.
      Und die Schüler verlernen dank des Pencils nicht das haptische lerneffektive handschriftliche Schreiben, lernen es aber durch Handschrifterkennung und Volltextdurchsuchbarkeit auf moderne Weise nutzen.
      Und das Beste ist die praktisch 100%ige Verfügbarkeit: Klappe auf, TouchID-Entsperrung und los.
      Und auch hier können Kollegen mit Schubladen voller guter Arbeitsblätter einfach digitalhandschriftlich weitermachen, in dem sie diese als PDFs per Moodle zur Verfügung stellen.
      Und experimentierfreudige Kollegen, die Schüler Videos, Podcasts, kollaborative Dokumente anferigen lassen wollen odee der Gruppenarbeit in Gruppenmeetings initiieren oder AR-Gamification für die Schüler nutzen wollen, können auch das, wegen der sehr guten Kamera bzw. Display.
      Und wenn dann das WLAN der Schule doch mal wieder hängt oder noch gar nicht installiert ist, dann kann man mit Airdrop und AppleClassroom auch schon ziemlich weit kommen.
      Von der Möglichkeit mit Touch-ID die offene Eingabe von Logins und Passwörtern im (leicht von Schülern abfilmbaren Präsenzunterricht) sicher zu unterbinden, ganz zu schweigen
      Zeigt man den Schülern und Kollegen dann noch, wie sie ihre Email-, Moodle-, und O365-Accounts mit 2FA-Authentisierung und einer AuthentificatorApp auf Vordermann bringt, die dann wieder ihrerseits den Fingerabdruckscanner nutzt, hat man ja auch schon richtig was fürs Leben gelernt ;-)

    • Ich habe auch nur darauf gewartet, den beiden (Tim und Linus) ein schnippisches „sagen zwei Typen mit iPhone“ um die Ohren hauen zu können.
      Aber die beiden haben sich gut darum herum gewunden. ;-)

      • Ach, weißte.
        Ich habe das große Glück, dass wir in meinem persönlichen Umfeld Leute danach beurteilen, was sie mit Ihren Geräten MACHEN.
        Und nicht danach, was für Geräte dafür ihre persönliche Präferenz sind.
        Unsere gemeinsamen PC-Wahl- und Finfisher-Analysen hat ths zum Beispiel auf einem Windows-Rechner gemacht.

        Solche „Der hat aber ein iPhone!“-Sprüche wirken auf mich ehrlich gesagt immer etwas kleingeistig, auch wenn das jetzt leider etwas überheblich klingen mag.

  23. Hallo zusammen,

    vielen Dank für diese Sendung. Ich möchte noch ein, zwei Anmerkung zur Situation in Baden-Württemberg machen:

    1) Die Moodle Infrastruktur wurde in den 10 Pandemiemonaten durchaus aufgerüstet, die Presseberichte zum Start am 11.1. waren sehr reißerisch. Es gab da zwar Probleme am Morgen des ersten Tages, für fast alle Schulen/Schülerinnen waren diese aber nach etwa 2 Stunden weitgehend behoben. Die Schlagzeilen lasen sich dennoch so, als könne man mit Moodle nicht unterrichten, das ist wirklich ärgerlich.

    2) Was ich wiederholt schade finde, ist dass die vom Land Baden Württemberg finanzierte BBB Infrastruktur in BaWü im Chaos irgendwie generell hart ignoriert wird.

    Hier hatte ein Lehrer im Frühjahr eine brilliante Idee gehabt („Wir brauchen BBBs als Ergänzung zu Moodle“) und hat in einem Team aus einigen (inzwischen 5) Lehrer:innen angefangen, mit Unterstützung von Teilen der Kultusverwaltung BBBs „at scale“ für die Schüler:innen des Landes zur Verfügung zu stellen. Seit Weihnachten sind das mehrere hundert Server und jeden Tag finden dort 60.000 Konferenzen statt, zum Teil mit 190.000 gleichzeitigen Benutzern. natürlich gab es im Ansturm des 2. Lockdowns auch hier Probleme, inzwischen läuft das aber wieder sehr gut.

    VG

  24. Schulpflicht ist Staatsterror.
    Sicher hat der Staat Bildungsangebote bereitzustellen, stellt sich nur die Frage: Wenn so ehrenwert, warum Zwang?

  25. Lieber Tim, lieber Linus, lieber Steini,

    ein herzliches „Ja!, aber ..:“ und vielen Dank für eure Folge. Ohne jetzt auf die konkrete Technik oder Krisensituation einzugehen – das tun andere Kommentare schon genügend -, ist es immer wieder schön, wenn engagierte, leidenschaftliche Menschen Interesse daran entwickeln das Bildungssystem zu ändern! Es hat es schließlich auch dringend nötig, in Deutschland, wie ihr ausführt, ebenso wie Österreich. Der Mangel an digitaler Bildung, die strenge und künstliche Trennung nach Fächern (beides von euch genannt), die starren Zeiteinheiten mit schnellen Wechseln, die Beurteilung nach Schwächen, nicht nach Stärken, die Hierarchien – die Liste der Probleme könnte man lange fortführen.

    Genau darin liegt aber, aus meiner Sicht als fast-schon-Ex-Lehrer, auch eines der grundlegenderen Probleme: Schule wird einfach enorm überfrachtet und jede Gruppe meldet hier an, was alles als Wichtigstes noch in der Schule gelehrt werden MUSS!!1! Digitale Technik und deren Konsequenzen, finanziell-wirtschaftliche Grundlagen, Einführung in wesentliche Gesetze, Sexualkunde, gesunde Ernährung und Psychohygiene sind alles nur einige tatsächliche Beispiele, von denen ich immer wieder mal höre, dass sie doch in der Schule gelehrt werden müssten (und da reden wir noch nicht von all den politischen Rahmenbedingungen). Und für alles davon gibt es zwar auch einzelne engagierte Lehrkräfte, die das gut machen. Tatsächlich glaube ich aber, dass wir Bildung neu denken müssen, indem wir nicht alles der Schule aufzubürden, sondern mehr externe Initiativen und Stellen einbinden sollten. Wenn Kinder und gerade Jugendliche auch von Werkstätten, zivilgesellschaftlichen Gruppen und spannenden Menschen mehr lernen könnten, hätten sie vielleicht ein umfassenderes Verständnis von der Welt außerhalb der Schulmauern und Schule müsste auch nicht alles auffangen, ausgleichen und bieten.

    Lehrer:innen sind mit dem „Pflichtteil“ nämlich, meiner Erfahrung nach, eh gut ausgelastet und haben schlicht von vielen fachfremden Inhalten auch kaum Ahnung. Ich hoffe also, wie Steini auch, auf mehr solche Initiativen und ein anderes Verständnis von Schule insgesamt, das nicht nur ein Aufbewahrungsort ist. Denn die Schulen alleine können halt keine wirklich umfassende Bildung bieten, das können wir nur gemeinsam. Fragt deshalb vielleicht mal nach, wie auch ihr helfen könnt*!

    (*Und denkt bitte an Steini: nur sagen: „Ist blöd“ kommt schlecht an. Hört eher tatsächlich mal zu oder bietet an.)

  26. Das Internet exitiert jetzt 30 Jahre und je älter ich werde, desto bekomme ich ein Gefühl, dass wir es hier mit einem kuturellen Problem zu tun haben.
    Ich rede nicht von Weiterbildungen, sondern von einem Allgmeinverständnis eine Informationstechnologie nicht nur zu konsumieren, sondern auch verstehen zu wollen.

  27. Hallo Linus, hallo Tim, hallo Andreas,
    danke, dass ihr euch diesem Thema gewidmet hat. Rießiges Dankeschön an Andreas für die netten Vergleiche: „Klaut euch bitte ein Notebook…“. Danke, dass es solche Kollegen wie dich gibt!

    Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob eine Uni oder eine Schule MS Teams verwendet. An der Schule sind Minderjährige, die evtl. heute mal ein bösartiges Statement z.B. über Donald Trump oder Black Lives Matter raushauen und in fünf Jahren dann in den USA studieren oder sich später auf einen Job bewerben wollen. Sollen sich die Schüler heute in der Schule diesbezüglich Gedanken machen müssen, was sie zukünftig vor haben und ob die Möglichkeit evtl. vom Charakter des nächsten US-Präsidenten abhängt? Die Daten Minderjähriger sind eben besonders schützenswert. Dazu gibt es noch eine Schulpflicht, der man nicht auskommt. An einer Uni schreibt man sich freillig ein. Ok, mittlerweile sind die Erstsemester auch oft noch minderjährig.

    Auch die kurz erwähnte Datenschutzeinwilligung zu MS Teams in Schulen ist in den meisten Fällen nicht das Papier wert:
    https://dsgvo-gesetz.de/erwaegungsgruende/nr-43/

    Ein Lehrer darf sich keinen Sitzplan mit Bildern ausdrucken, aber man hat keinerlei Informationen, was mit den Schülerdaten in MS Teams geschieht.
    Hier die Vorlage aus Bayern:
    https://www.km.bayern.de/download/23526_MS-Teams_Elterninformation_Einwilligung_Nutzungsbedingungen_200728.docx
    mit dem Zusatz fast ganz unten: „Im Übrigen können Kundendaten und personenbezogenen Daten, die Microsoft im Auftrag der Schule verarbeitet, auf der Basis der EU-Standardvertragsklauseln auch in Länder außerhalb der Europäischen Union („Drittstaaten“, z. B. USA) übermittelt werden, um die Onlinedienste bereitzustellen.“
    Das betrifft dann auch die Daten aus dem psychologische Gutachten über einen Schüler, das natürlich auch mit Microsoft 365 verarbeitet wurde.

    Bzgl. des Einsatzes auch an Unis, finde ich es höchst problematisch, wenn andere Regierungen prinzipiell die Möglichkeit haben, ohne größere Schwierigkeiten auf einem zentralen System abrufen zu können, wer bei uns z.B. die besten Nachwuchs-Naturwissenschaftler sind.

    Viele Grüße und macht weiter so,
    Axel

    • Ich halte Steinis pauschales „das ist aber einfach illegal“ auch für nicht korrekt. Man möge mich aber gerne korrigieren, dann aber auch bitte auf die folgenden Punkte eingehen.

      Was hier geschieht, ist im Rahmen der DSGVO eine Auftragsdatenverarbeitung. Dank Privacy Shield ist es dabei auch unerheblich, dass das jetzt MIcrosoft mit seiner USA-Mutter macht und nicht der mittelständische IT-Dienstleister des jeweiligen Bundeslandes.

      Natürlich wird der Privacy Shield genauso einer Schrems-Klage (no pressure ;-) ) zum Opfer fallen wie Safe Harbor. Das auch völlig zurecht, primär wegen des von Steini angeführten Patriot Act.
      Aktuell dient er jedoch allen Beteiligten (inkl. der Datenschutzbeauftragten) als guter Deckmantel, hier nicht einzugreifen und die EDV-Grundlagen des gesamten Landes stillzulegen.

      Sollte dem nicht so sein, freue ich mich auf entsprechende Klagen und Hinweise an die Datenschutzbeauftragten aus bekannten Organisationen.

  28. Zum Thema Limux,

    kurze Zeit nach der Entscheidung der Stadt München, von Limux zurück auf MS zu wechseln ist die Deutschlandzentrale von MS vom Vorort Unterschleissheim zurück nach München gezogen …

    Ein Schelm …

    • Zeit für ein LinUnterschx ;-)
      Will sagen: Es könnten sich ja auch mal ein paar andere Städte, oder vielleicht ganze Bundesländer, darum kümmern.

  29. Euer Gast hat mich wirklich begeistert. Für mich ist das der beste Podcast seit langem von euch.

    Der Widerspruch, der teilweise in den Kommentaren steht, ist das übliche (neurechte) Störfeuer oder wie auch erwähnt die Lobbyabteilung von MS.

  30. Hey,

    ich habe euren Podcast gehört und habe echt gemischte Gefühle.

    Meine 5 Cent:

    – Auf die Schulen einzudreschen, weil sie wegen Corona im Rahmen der Sicherstellung der Lehre dem Zweck die Mittel unterordnen, halte ich für falsch!
    Die Plattformen müssen den Schulen zur Verfügung gestellt werden! Wenn die Schule, der Schulleiter, die Lehrer sich Gedanken machen müssen, ist das Kind bereits im Brunnen. Die Schulen gehen davon aus, dass die Wandfarbe keine Schadstoffen enthält und dass die Kreide ungiftig ist.
    Warum sollen sie sich über die zur Verfügung gestellten Mittel in Sachen Fernlehre über Datenschutz & Co Gedanken machen? Das ist Aufgabe des Schulträgers, der denen die Accounts und Rechner einrichtet.
    Alle Kritik muss also in diese Richtung gehen, kein Victim-Shaming. Denn Lehrer sind auch Opfer ihres Schulträgers.

    – Eltern, die zu Zeiten der Pandemie merken, dass die DSGVO ein Thema ist, dass wichtiger ist, als die Sicherstellung der Lehre, dürfen das gerne tun.
    Aber nur diejenigen, die sich oder ihrem Kind nicht selbst schon ein Profil bei Amazon, Google, Facebook, Twitter & Co erstellt haben. Eltern, die Ihrem kleinen Paul-Theodor ein Google-Phone kaufen und die Facebook-Dienste nutzen lassen, weil da kann man die lieben Kleinen ja so gut kontrollieren, kann ich nicht ernst nehmen.

    – Steine, so sehr das alles stimmt, was Du erzählst: Du machst den Eindruck eines Brandschutzbeauftragten, der mitten während eines Brandes durch die brennende Hütte rennt und seine Kritik lauthals herauströtet. Können wir uns erst mal aufs Löschen konzentrieren und dann vielleicht bei der Nachbetrachtung Lehren ziehen und umsetzen?
    Und nein: Wenn die Hütte brennt, lösche ich auch mit dem illegalen Löschwasser.

    Erst Feuer aus, dann analysieren!

    • Danke, für die Feuer-Analogie. Oder, weil die Klima-Vergleiche in der Sendung so beliebt waren:

      Wir akzeptieren auch Beatmungsgeräte mit Kohlestrom und Rettungswagen mit Diesel.
      (Vergleich hinkt, weil diese Mittel auch vorher schon da waren.)

  31. Scheingefecht: OS um des OS willen

    Tim meinte ja mit Nachdruck: kein „Opensource um den Opensources willen“

    Und erzählte dann etwas von competitiv und „Level hochsetzen“, etc.
    Fakt ist aber, dass genau die Prinzipien freier Software die Messlatte für
    Software in der Schule setzen sollten, ja was denn auch sonst!

    Klar, dass die Software dann auch bestimmten Qualitätsanforderungen genügen muss, darauf hatte Steini vorher schon ja einige male hingewiesen.

    Aber mit dem Vorschlag, dass man die Unternehmen dafür bezahlen sollte Opensource Software zu entwickeln, hat dann Tim doch wieder die Kurve gekriegt. :)

  32. Sehr geehrte Herren,

    vielen Dank für diese wieder einmal sehr spannende und informative LNP-Folge!
    Vielen Dank auch für Eure erneute deutliche Betonung, wie wichtig und geboten (und eigentlich auch naheliegend) es wäre, öffentliche Gelder in freie Software zu investieren, statt sich damit von (US-) Konzernen abhängig zu machen.
    Mit genau diesem Ansatz war ja damals auch das von Euch erwähnte Münchner LiMux-Projekt gestartet, zu selbigem ein paar Anmerkungen:
    Ich würde das Projekt nicht als gescheitert bezeichnen, vielmehr war es gerade erfolgreich abgeschlossen, als sich bei der Kommunalwahl im Frühjahr 2014 der politische Wind gedreht hat.
    Die bis dahin regierende Rot-Grüne Stadtrats-Mehrheit wurde durch Rot-Schwarz abgelöst und neuer Münchner Oberbürgermeister ist seit dem Dieter Reiter (SPD).
    Dieser war in den Jahren davor in seiner Funktion als Wirtschaftsreferent offenbar maßgeblich daran beteiligt gewesen, die Deutschland-Zentrale von Microsoft nach München zu holen, wo sie seit 2016 residiert, und er selbst bezeichnet sich öffentlich als Microsoft-Fan.
    Aus Sicht von so manchem Stadtrats-Mitglied der traditionell lobbyhörigen und stramm ideologischen CSU wiederum dürfte es sich bei OpenSource eher um eine linke Utopie statt um ein zukunftsweisendes Konzept handeln, das schon allein deshalb bekämpft gehört.
    In der Folge wurde mit Falschmeldungen Stimmung gegen das LiMux-Projekt gemacht, jegliche IT-Probleme egal welcher Art wurden diesem zugeschoben, und ein mehrtägiger Zusammenbruch eines Email-Servers Ende 2014 brachte das Fass dann zum willkommenen Überlaufen, obwohl die Server-Seite mit LiMux insofern nichts zu tun hatte, als es sich bei LiMux um eine Desktop-Umgebung und Desktop-Anwendungen handelte. Es gab dann noch irgendein Gutachten von irgendeiner Firma, und per Stadtratsbeschluss gab man schließlich 2017 das LiMux-Projekt auf und beschloss die komplette Rück-Umstellung auf Microsoft-Produkte bis 2020, ungeachtet der Kosten.
    Es kursiert das Gerücht, dass jener zusammengebrochene Email-Server der letzte verbliebene Windows-betriebene Server gewesen sei. Ob das zutrifft, weiß ich leider nicht.
    Die Beendigung des LiMux-Projekts war also schlicht eine politisch-ideologische Entscheidung ohne Begründung in der Sache.
    Und ich glaube, dass genau diese politisch-ideologische Komponente allgemein stark dazu beiträgt, dass OpenSource-Software eine Grundskepsis entgegengebracht wird, mit der proprietäre kommerzielle Software nicht in demselben Maß zu kämpfen hat.

  33. Was ich auch schon öfters als ein Problem gesehen habe: Irgend jemand mit Halbwissen frickelt eine Lösung für ein Teilproblem hin (beispielsweise „Videokonferenzen mit 30 Teilnehmern dürfen nicht ruckeln“), und wenn dieses Teilziel erreicht ist sagt man „So, fertig! Bloß nicht mehr anfassen!“. Das Thema „Sicherheit“ wird gar nicht erst erwähnt und gleich niedergebügelt, wenn man es dann doch mal tut: „Läuft doch! Mehr ist nicht in meinem Universum.“

  34. Vielen Dank für diese interessante Folge. Das Bundesland Bremen setzt seit Januar landesweit auf WebEx als „professionelle und datenschutzkonforme Videokonferenzlösung”. Damit wird die bisherige Lösung mit MS Teams abgelöst. Gibt es doch eine Möglichkeit, WebEx rechtskonform einzusetzen, oder verstößt die Bildungsbehörde damit nun wiederum gegen geltendes Recht?

    • Leider kann man keine Deiner beiden Frage derzeit mit einem einfachen „Ja“ beantworten. WebEX hat in der deutschen Debatte über DSGVO-konforme Anbieter von Videokonferenzplattformen eine Sonderstellung erreicht durch die Hinweise der BlnBDI zu Anbietern von Video-Konferenzdiensten vom Juli 2020
      https://www.datenschutz-berlin.de/infothek-und-service/pressemitteilungen
      Die hat ein Ampelsystem eingeführt, das praktisch allen US-Anbietern eine rote Karte gezeigt hatte. Das ging durch die Presse und seither galt die Berliner Behörde als Hardlinerin in Sachen Datenschutz, an deren Ansage sich viele orientiert haben, die es gern „rechtsicher“ hätten.

      Die Kritik der BlnBDI hatte nichts mit pauschalen Vorbehalten gegen US-Anbieter zu tun (Schrems II war zum Zeitpunkt der Fertigstellung im April 2020 noch gar nicht abzusehen). Das Verdienst ihrer „Kurzprüfung“ liegt in der detaillierten Auflistung von Mängeln in den jeweiligen AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag) , den Du als Schulträger zwingend abschließen musst, um die DSGVO einzuhalten.

      Einzige Ausnahme bei den US-Angeboten war die mit „gelb“ bewertete Variante „Cisco WebEX über Deutsche Telekom“, die deshalb kein rot gekriegt hat, weil die BlnBDI es dem deutschen Vertragspartner Telekom offenbar eher zutraut, die festgestellten Mängel im AVV zu beseitigen als bei den europäischen Niederlassungen der US-Konzerne.

      Ob die Mängel inzwischen beseitigt wurden, weiß ich allerdings nicht. Das wäre eine konkrete Nachfrage wert bei Eurer Landesdatenschutz-Behörde mit Verwes daraus, dass die Berliner Hinweise zeitlich lange vor dem Schrems II Urteil entstanden sind und alle Anbieter seithe nachgebessert haben dürften.

      Ich hatte beim Durchlesen der Berliner Hinweise zu dem gelben WebEx Produkt erhebliche Zweifel.

      Die Telekom hatte ihren ersten AVV vom Januar 2020 am 16.4.2020 nochmal nachgebessert, um bei dem Berliner Shootout besser abzuschneiden. Auch zu diesem AVV2 wurde jedoch grundsätzliches bemängelt: Z.B enthalte er „nicht alle Datentypen und Betroffenen, deren Daten im Auftrag verarbeitet werden“. Es fehlten „jegliche Angaben zum Ort der Verarbeitung“ und Angaben zum „Ort der Leistung“ der „Unterauftragsverarbeiter“ seien „widersprüchlich…auch in Drittstaaten ohne angemessenes Datenschutzniveau“. Mitteilungen von Verantwortlichen (der Telekom?) an die Behörde, dass „angeblich für WebEx Meetings die Datenverarbeitung auf EU und Großbritannien beschränkt sei“, würden im AVV „nicht abgebildet“.
      Ein wichtige Zusatzvereinbarung, die regeln soll, ob sich auch Unterauftragsnehmer an EU-Standard Datenschutzklauseln halten müssten, „lag uns nicht vor“. Dieses Dokument sei vor einem Einsatz „durch die Verantwortlichen kritisch zu prüfen“.

      Das klingt für mich nach einem mit heißer Nadel gestrickten Nachbesserungsversuch der Telekom, und ziemlich beunruhigend für verantwortliche Entscheider, aber ich bin kein Jurist. So staunte ich estwas über den letzten zusammenfassenden Satz, der die Ampel von rot auf gelb schaltet:
      „Der AVV – weniger der AVV2 – enthält insgesamt eine Reihe kleinerer Fehler und Unklarhei-
      ten, die … vor einer Nutzung beseitigt werden müssten.“

      Da es aus anderen Bundesländern keine ähnlich plakativen Empfehlungen gab, die was anderes sagten oder offene Fragen besser beantworteten, haben sich seither viele Entscheider[innen] auf die einzig gelbe Ampel eines BigPlayers gestürzt und bei der Telekom des Produkt WebEX bestellt.

      Sicher kann ich Dir also nur so antworten, dass es keine gute Idee ist WebEX von jemand anderem zu ordern. Das Schwert der Rechtsunsicherheit schwebt auch beim WebEX Reseller Telekom weiterhin über uns Laien, es wiegt nur nicht so schwer wie bei einem Einkauf beim Direktvertrieb eines US-Herstellers.

      Für diejenigen IT Entscheider in Kommunen, Land und Bund, die „Rechtssicherheit“ im Sinne von „Hide my Ass“ verstehen, reicht sicher der Erwerb eines Ablassbriefs von der zuständigen Landesdatenschutzbehörde. Alle anderen verweise ich auf den Kommentar von schappi.

  35. Ich möchte auch mal einen Standpunk dazu beitragen. Zum Hintergrund: ich entwickle beruflich selbst Software im Bereich E-Learning, für eine eher kleine/aber feine Sache, die sich auf genau einen Studiengang spezialisiert. In so fern, kann ich manches schon etwas beurteilen was da so durch den Podcast ging.

    Ich beginne mal mit einigen Fragen, die ich gleich mal Google gestellt habe.

    1. These 1 Admin/Computer Person/Vollzeitstelle pro Schule. Google: Wie viele Schulen gibt es in Deutschland?

    ‚Insgesamt gab es im Schuljahr 2019/2020 in Deutschland 32.332 allgemeinbildende Schulen# (laut Statista).

    Wenn ich mir den Arbeitsmarkt im Bereich IT und den Willen zur Ausbildung bei den Unternehmen so ansehe, dann wird das schon zur Herausforderung. Wenn man mal davon ausgeht, dass 2 Personen jeweils 2 Schulen betreuen, dann haben wir 32.000 offene Admin/Techniker Stellen. Wenn wir das mal mit einem Jahresgehalt von 60K Euro hochrechenen, dann sind das 1.9 Milliarden Kosten pro Jahr.

    Dazu einen Kosten von 1000 Euro für einen beheizten Arbeitsplatz, ein Laptop und so anderen Kram pro Monat: 384 Millionen

    Wir addieren nochmal eine Milliarde für den Verwaltungswasserkopf auf das ganze. Die Menschen managen sich nicht von alleine.

    Wie speichern mal ca. 3.3 Milliarden

    2. 10 GB Glasfaseranschluss für jede Schule.

    Auch hier wieder die selbe Rechnung, gehen wir einfach mal von 15.000 Euro Erschliessung durch einen Pinken Telefonriesen aus. Das Die Kupferkom lässt sich das ja gerne bezahlen (War ein Angebot was ich erhalten habe, in unserem Falle zur ‚Überquerung‘ einer Strasse). Lassen wir die Verträge dann mal das 10 Fache (700 euro) meines ca. Gigbit Glasfaser Anschluss kosten, dann sind wir bei 480 MIllionen + ca. 270 Millionen für den Uplink. Dazu kommt noch ordentliche WIFI und Netzwerk Infrastruktur.

    Das kann ich nicht beziffern, ich lass mal einfach eine 2 Milliarden da.

    3. Moodle neu Schreiben. Google: Wie viele Zeilen Code hat Moodle?

    In diesem Fall ‚Quelle Internet‘: 800.000 Zeilen PHP und 94.00 Zeilen Javascript. Kommentare und Leerzeilen nicht mitgezählt.

    Google: Wie viele Zeile Code schreibt ein Entwickler Pro Tag?

    As we can see, a new developer will probably write about 100 lines of code a day, or about 25,000 lines of code in a given working year. In contrast, a more senior engineer is probably writing about 20 lines of code a day, or about 5,000 lines of code in a given working year.

    Rechnen wir mal mit 1 Mio zeilen code sind dann 40 Mannjahre Juniorcode und 200 Senior-Developer Jahre. Lassen wir es am Ende 120 Mannjahre Softwareentwicklung und nochmal 50 Mannjahre Management zu wieder 60.000 Euro sein, dann sagt Adam Riese schlappe ca. 10 Millionen Euro Entwicklung. Dazu dann 10 Euro pro Jahr und Schüler Betrieb.

    Was mich aufhorchen lies, war der Teil mit der ‚Moodle‘ ist zu monolithisch aufgebaut Nummer. Ja, das mag sein, aber so ein Aufbau macht es halt auch einfacher viele problem zu lösen. Z.B.: Darf dieser User das hier in diesem System lesen. Es ist schon anzunehmen, dass ein ’skaliertes‘ Moodle, dann nicht einfacher, sondern komplizierter wird (Anmeldedaten z.B.nicht in der selben Datenbank bzw. im selben System wie die Lernresultate zu speichern z.B.). Wenn man mal schaut, was es da so in europa gibt, dann darf man da auch einiges selbst basteln oder halt solche Applikationen bei Google, Amazon oder Microsoft in der Cloud entwickeln. Es gib hier leider keine Europäischen Versionen. Und nein, ein self hosted k8s (Kubernetes) ist keine Lösung. Wer sich die ‚Gaia Cloud‘ anschaut, der weiss auch, dass wir den Klimawandel gefixt bekommen, bevor Europa sowas wie eine einheitliche Cloudplatform hat.

    Unser Glück: So eine Software kann man nur Open Source schreiben, wir haben ja alle mit dem ‚elektronischen Anwaltspostfach‘ gesehen wie ‚gut‘ Softwareentwicklung als Resultat von Ausschreibungen funktioniert.

    ich veranschlage mal 50 Millionen für alles in allem. Die Corona Warnapp hat ja auch mal schlappe 20 mio gekostet.

    4. Laptop Pro Schüler: Das wäre ne sinnvolle Sache. Hier könnte man einfach mal pro Jahr immer Notebooks kaufen und verteilen, mit Economy of Scale würde man sicher für 1500 Euro sinnvolle Geräte beschaffen können (mit Linux kommst du durch alle Schulaufgaben). Das sind nur 48 Millionen und es bleiben auch viele Geräte für den Wiederverkauf. Die Einnahmen hierfür nehmen wir einfach für den Support und so.

    Zusammenfassung:

    1. Techniker für jede Schule: 3.3 Milliarden
    2. Glasfaser und Netzausbau Schule 2 Milliarden
    3. Lernsoftware schreiben 50 Millionen
    4. Laptop für die Schüler 50 Millionen /Jahr

    Also so ca. 5 Milliarden dürften es doch sein. Das entspricht doch so ca der Größe des Digitalpaktes. Ich vermute mal, das Geld wird wieder mal bei den üblichen verdächtigen liegen gelassen, mit den großen Ausreden (öffentliche Ausschreibung) und mal wieder irgendwo versenkt. Das wäre gute Forderungen, nur wird es schwer da wirklich was zu machen. Die Politik ist einfach über alle Minsterien nicht interessiert, die Wirtschaft will nur die Politik über den Tisch ziehen. Eigentlich ne Sendung die mich ganz schön wütend gemacht hat.

    Danke für den Einblick, aber das war ganz schön frustrierend. Für mich sieht es so aus, als hätte sich Deutschland ganz gut damit abgefunden mit deiner Position als digitales Schlusslicht und die eher konservativen Regierungen sehen das wohl auch gar nicht so als Problem. Dieser Status Quo lässt sich ja recht einfach erhalten.

    • Anmerkung .. es gibt 9 Millionen Schüler in Deutschland. Bei 10 Euro Betriebskosten pro Account und Jahr sind das nochmal 90 Millionen.

      • Moodle neu schreiben muss gar nicht sein – aber die australische Moodle-Foundation würde sich über regelmäßiger Unterstützung sehr freuen und implementiert damit auch immer wieder Neues und macht es dann auch gleich noch weltweit verfügbar.
        Leider beteiligen sich unsere KM bisher überhaupt nicht, während nur die Unis ernsthafte Programmierbeiträge machen, wie zB. den in SafeExamBrowser.
        Aber es stimmt, wenn man da nur einen Bruchteil des Geldes draufwerfen würde, was in die Corana-Warn-App fießt, hätte man in wenigen Monaten richtig gute Lösungen auch bei BigBlueButton, Jitsi und den anderen chronisch unterfinanzierten OS-Projekten.

    • Hallo,

      ich möchte eine verbreitete Fehlvorstellung korrigieren: Die 5 Milliarden EUR des Digitalpakts müssen nach den Planungen der Weise unserer Regierung für 5 Jahre reichen. Und anschließend gehts dann wahrscheinlich wieder umsonst.

      Da kommt dann zwar noch Geld der Länder und Kommunen dazu, aber 5MRD/Jahr wird nicht werden.

      Quelle z.B. dort: https://km-bw.de/Kultusministerium,Lde/Startseite/Schule/Digitalpakt

      Die dort erwähnten Programme „Sofortausstattungsprogramm“ und „Programm Administration“ sind erst während Corona nachgeschoben worden, zunächst waren (in BW) praktisch alle Geräte, die die Schule verlassen und jede Art von Personalkosten nicht förderfähig.

  36. Ich finde ihr habt die Problematik insgesamt hervorragend beleuchtet – Vielen lieben Dank! Steini, mal unabhängig von inhaltlichen Detailpositionen demonstrierst du hier ein ein prima Vorbild für viele Merkmale, mit denen wir meiner Meinung nach unsere Kinder auf dem Weg zum Erwachsenwerden ausstatten sollten: Haltung und Mindset (Wertorientierung, Selberdenken-Kompetenz, Offenheit), soziales Engagement, Selbstwirksamkeitsbewußtsein, Optimismus. …Solche Eigenschaften sind wohl Sand im Getriebe eines Systems, das in erster Linie auf Stoffvermittlung und -Verarbeitung getrimmt ist, und in dem die Kompetenz Auswendiggelerntes-wiedergeben-zu-können belohnt wird. (Empfehlung dazu: Precht Vortrag „Bildung versus Wissen“).

    Der schwierigste Teil scheint mir die Schaffung eines allgemeinen, gemeinsamen und klaren Problembewußtseins zu sein: Was ist eigentlich Privatsphäre in einer allvernetzten Welt? Warum ist informationelle Sebstbestimmung wichtig und ein Wert? Für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft als Ganzes. Warum und wie ist sie bedroht? –> Hier fehlen aus meiner Sicht kompakte und eingängig kommunizierbare Geschichten, die das abstrakte (akademische?) Problem zu einer direkt gefühlten Bedrohung werden lassen. Erst dann kann ich meine Schwiegermutter überzeugen, die „ja selbst nichts zu verbergen hat und die sich sicher ist, dass mit ihren Daten sowieso Niemand was anfangen kann, weil sie sich selbst als immun gegen Werbeeinflüsse empfindet“. Erst dann wird die Lehrerin aus dem Beispiel aufhören unter der Hand Whatsapp zu empfehlen (prima Beispiel, da hier das Argument fehlender funktionierender oder schwer einzurichtender Alternativen nicht zieht).

    Technik, Know-How-Vermittlung, Skalierung, Finanzierung, politische Widerstände – das sind aus meiner Sicht sekundäre Probleme; sobald es ein gesamtgesellschaftliches Problembewußtsein (und eine Bewegung) gibt, können die gelöst werden. Leuchtturmprojekte, wie das von Steini, sind immens wichtig zur Orientierung und Motivation.

  37. BigBlueButton kenne ich als Studi aus dem einen- oder anderen Modul. Leider wird es lange nicht überall verwendet, sondern viele Lehrende halten ihre Vorträge via Zoom. Prüfungen finden auch über Zoom, oder Teams statt. Wie ist das jetzt an den Unis? Sind da die Lehrenden dafür verantwortlich welche Software sie für ihre Lehre verwenden?

  38. Ihr Lieben,
    vielen Dank für Euren Podcast, den ich gerade auf einem Waldspaziergang hörte. („Denk ich an deutsche Bildung in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“) Ich möchte ich diesem Zusammenhang daran erinnern, dass der Einsatz von Microsoft-Software nicht nur in dem bei Euch besprochenen Sinne gegen geltendes Recht verstößt, sondern in ganz Europa auch gegen geltendes Beschaffungsrecht und dass das gar nicht oft genug thematisiert werden kann. Daher mein Hinweis auf den tendenziös richtigen Film, der – nicht mehr ganz taufrisch – schon 2018 das „Dilemma Microsoft“ thematisiert hat: https://www.youtube.com/watch?v=_ZaDuinGf2o
    Macht weiter so!
    LG Bill

  39. Ich wohne in Bayern und habe u.a. eine Tochter in der 5. Klasse Gym und einen Sohn in der 3. Grundschule. Beide Schulen verwenden Moodle/Mebis und BBB. Mit Moodle läuft inzwischen alles soweit rund. Detailprobleme, wenn Lehrer dann opus-Audio reinstellen, dass niemand abspielen kann, aber gut. Wir kommen klar.

    BBB ist an beiden schlimm. In den Grundschulkonferenzen fliegt mein Sohn mit dem iPad 15-20 mal pro Stunde raus, wenn mehr als 5 oder 6 Kinder ihre Kameras an haben. Jedes Mal nach dem Neuladen der Seite wieder der zeitraubende Mikrofon ja/nein/Echotest-Prozedur, und dann ist ne Minute Unterricht verpasst. Das 20 mal pro Stunde, das geht einfach nicht. Mit einem aktuellen Laptop passiert das seltener, aber das brauchen eigentlich wir Eltern zum Arbeiten.

    Am Gymnasium gibt es fähige und motivierte Admins, das BBB läuft etwas runder, aber auch da nur dann, wenn fast niemand die Kamera an hat. Trotzdem fliegen ständig Schüler(innen) raus, sind 35mal im Chat vertreten usw, und damit die Kinder sich alle mal sehen können mussten sie zusätzlich einen wöchentlichen Jitsi-Call einrichten.

    Von so Details, dass die aktuelle Release-Version von BBB ein Ubuntu 16.04 und kein anderes voraussetzt, das in 3 Monaten den Support verliert, will ich gar nicht anfangen.

    Das Gym hat dann geschrieben, dass sie keine weitere Chance mehr sehen, da noch viel zu verbessern, und will auf MS Teams umsteigen. 880 von 890 Eltern hatten binnen 1 Woche schon ihr Einverständnis gegeben. Ich bin von Steinis Einwänden und Argumenten überzeugt, aber ich sehe faktisch keine Möglichkeit, den Unterricht anders durchzuführen aktuell. Wir haben es versucht, und es ging nicht gut genug. Ich kann meinen Kindern den Frust nicht länger zumuten und habe auch zugestimmt. Sorry.

    • Ich glaube, du musst Dich bei niemandem rechtfertigen oder entschuldigen, dass Du am Ende zugestimmt hast zu MS Teams. Das ist vor dem von Dir geschilderten Hintergrund sehr verständlich.
      Die Schulleitung tut sich vergleichsweise leicht, auf MS Teams zu setzen, nachdem ja in Bayern MS Teams offiziell vom Kultusminister zum Einsatz in Schulen freigegeben wurde. Das kann und muss man kritisieren, aber derzeit ist das offenbar die Weisung von „ganz oben“.
      Aus eigener Erfahrung als BigBlueButton-Admin kenne ich die von Dir angesprochenen Punkte. Da besteht erheblicher Konfigurationsbedarf, bevor BBB stabil läuft, gerade wenn die Teilnehmer Bandbreiten- oder Performance-Einschränkungen haben (was in Deutschland ja gelegentlich vorkommen soll). Das ist bei BBB eine Wissenschaft für sich, in die man sich nach und nach einarbeiten muss, um an den richtigen Stellschrauben optimieren zu können.
      Aber ein Vorschlag: wäre es nicht für Deine beiden Schulen einen Versuch wert, die BigBlueButton-Dienstleistung von Steinis Non-Profit-BBB-Hosting-Service https://infra.run/ in Anspruch zu nehmen? Die haben das ja offenbar inzwischen darauf optimiert, vielen Teilnehmern standzuhalten, und soweit ich das auf der Website verstehe, ist die Nutzung ja nicht grundsätzlich auf Berlin beschränkt.

  40. Lieber Tim, lieber Linus, lieber Steini,

    vielen Dank für diese Utopiesendung zum Thema Digitalisierung der Schulen. Auch ein dickes Dankeschön an alle Menschen wie Steini, die sich für eine datenschutzkonforme Digitalisierung an Schule engagieren. Leider sind Fälle wie die hier Podcast geschilderte Situation an der Berliner Schule Einzelfälle und nicht auf die Allgemeinheit übertragbar.

    Daher finde ich auch, dass eure Sendung leider völlig an der Realität vorbeigeht. Ja, es stimmt, dass die Digitalisierung schon vor der Pandemie hätte voran getrieben werden sollen. Das Internet gehört in die Schulen, damit wir auch im Bildungsbereich endlich im 21. Jahrhundert ankommen (inklusive der Datenschutzbestimmungen). Diese Sendung wäre vor der Pandemie großartig gewesen. Jetzt sind uns die in der Sendung angesprochenen Probleme auf die Füße gefallen.

    Aber: Die angesprochenen Probleme sind nicht gelöst worden und so bietet sich vielen Schulen eine Realität die mit dem, was ihr besprecht, nichts zu tun hat. Deshalb scheint mir Steini, auch wenn sein Engagement absolut lobenswert ist, für die gegenwärtige Situation nicht der richtige Gesprächspartner zu sein. Er sagt von sich selbst, dass er nur mit Schülerinnen arbeitet, weil ihm die Jungs zu anstrengend sind. Er arbeitet an einer kirchlichen (und damit nehme ich an: privaten?!) Schule, die von vorne herein noch einmal andere Möglichkeiten hat, als die durchschnittliche staatliche Schule. Auch sieht man, dass Steini nicht in den Kategorien denkt, die Schule ausmachen. Wenn er beschreibt, dass es ein Erfolg ist, das 350 SuS morgens pünktlich online den Podcast hören, dann hört sich das erst mal gut an. In der Realität ist aber der Anspruch einer jeden Schule dass alle Schülerinnen und Schüler immer morgens pünktlich und arbeitsbereit sind. Wenn die besprochene Schule nur 350 Schülerinnen und Schüler haben sollte, dann entfällt diese Kritik ;) 

Nun versetzt euch bitte einmal kurz in die Situation eines Schulleiters/einer Schulleiterin, der/die

    … entweder auf die obskure, aber vermeintlich datenschutzkonforme Lösung mit unklarer Supportsituation zurückgreift, die ihm von einem vermeintlich kompetenten Außenstehenden (Eltern, Steini, …) angeboten wird…

    … oder auf eine bekannte, einigermaßen verlässliche Microsoftlösung mit entsprechendem Support aber zweifelhaftem Datenschutz.

    Wenn mein oberster Auftrag (und das ist der primäre Job eines Lehrers/einer Lehrerin, eines Schulleiters, einer Schulleiterin) lautet, das System Schule am laufen zu halten und den Unterricht sicherzustellen, dann würde ich da nicht zwei mal drüber nachdenken und die Microsoftlösung wählen. 

Den Datenschutz hier als absolute Forderung hinzustellen und dafür ggf in Schulen ohne entsprechendes technischen KnowHow das Recht auf Bildung hinten anzustellen finde ich höchst fragwürdig (stay tuned). Eine ernsthafte Abwägung dieses Dilemmas kann ich in eurem Podcast nicht finden.

    Jetzt mal zu (meiner) Realität: Ich bin Lehrer für Englisch und Sport an einer Gesamtschule in NRW. Wir unterrichten mit den MS-Produkten und der Unterricht läuft. Beschwerden bezüglich des Datenschutzes haben wir keine, was mich in meiner Haltung, dass die Datenschutzbedenken im Moment eher zweitrangig sind, bestärkt. Die Eltern zeigen sich größtenteils sehr dankbar, dass unserer Schule diesen Weg eingeschlagen hat und der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern aufrecht erhalten wird. Aus Gesprächen mit Kollegen und Kolleginnen an anderen Schulen weiß ich, dass dort die Dinge wesentlich weniger rund laufen, da hier auf die landeseigenen (moodlebasierten) Lösungen gesetzt wird, die seit 3 Monaten nicht oder nur eingeschränkt funktionieren. Teams schützt uns zudem davor, dass die Videokonferenzen gesprengt werden, wie es in den Medien gelegentlich von den von euch favorisierten Lösungen zu lesen ist.

    Die eigentlichen Probleme mit der Digitalisierung der Schulen und der Utopie, dass Schülerinnen und Schüler vielleicht nur virtuell am Unterricht teilnehmen, werden übrigens derzeit besonders deutlich und bei euch kaum angesprochen. Hier mal ein paar Beispiele:

    – Sportunterricht erfordert zwingend Präsenz, da sonst kein Versicherungsschutz gewährleistet ist (Als Sportlehrer steht man sowieso gefühlt permanent mit einem Bein im Knast, weil die Sicherheitsvorgaben , die eingehalten werden muss, damit ein Versicherungsschutz besteht, so hoch sind). Dementsprechend gibt es in einer Zeit, in der die SuS täglich bis zu 8 Stunden am Bildschirm sitzen, keinen praktischen Sportunterricht.
    – Viele Schülerinnen und Schüler erreichen wir garnicht mehr. Wenn die Betreuungssituation zu Hause nicht stimmt (desinteressierte/abwesende Eltern) nehmen die Kids auch nicht am digitalen Unterricht teil. Die Pandemie und der Digitalunterricht (auch wenn er technisch einwandfrei stattfindet) verstärken hier massiv die sowieso schon krassen Ungleichheiten, die wir sonst im Präsenzunterricht abmildern können.
    – Praktisches Arbeiten (auch abseits vom Sportunterricht), findet kaum noch statt. Experimente und den Naturwissenschaften lassen sich halt digital nicht durchführen. So verlieren viele Fächer einen Großteil ihres Reizes. 

    – Die Schulabschlüsee vieler Schülerinnen und Schüler sind in Gefahr. Es findet ja in diesem Schuljahr quasi ohne Unterbrechung „vollwertiger“ Unterricht statt. Das heißt (zumindest bisher), dass die Prüfungen wohl wie geplant und ohne Einschränkungen stattfinden werden. Deshalb ist für uns Lehrer eine zuverlässige Lösung für den digitalen Unterricht zwingend notwendig, um unsere Schülerinnen und Schüler angemessen vorbereiten zu können.


    Abschließend finde ich es schade, dass ihr aus eurem Informatikerelfenbeinturm uns Lehrern unseren Einsatz (ich arbeite derzeit etwa 10 Stunden mehr pro Woche) und unseren (zumindest gefühlten) Erfolg mit Datenschutzbedenken und “Microsoft geht garnicht, Patriot Act, die Amerikaner sind böse” kaputt redet (auch wenn ihr grundsätzlich damit Recht habt), bzw. mit keinem Wort würdigt. Ein anderer Gesprächspartner mit mehr Einblick in den normalen (Digital-)Schulalltag, der auch den Zwängen des Schulsystems unterliegt, hätte eurem Gespräch sicherlich gut getan.

    • Eine kleine Ergänzung fällt mir noch ein:

      Zu sagen, dass vor allem die Kapazitäten und Kompetenzen rund um Videokonferenz-Software schon vor der Pandemie hätten aufgebaut werden müssen, ist Unsinn, bzw. mal wieder an der Realität vorbei.
      Unser Schulsystem hat so viele drängende Probleme (Ungleiche Bezahlung von Lehrkräften, Verfestigung sozialer Ungleichheiten, Inklusion, marode Gebäude, Lehrermangel, Föderalismus, ein veralteter Fächerkanon, Internetanschlüssen an den Schulen, …) die alle dringend mit Zeit und Geld beworfen werden müssten. Da eine datenschutzkonforme Videokonferenzsoftware zu installieren, die im Alltag nie genutzt wird, macht wenig bis keinen Sinn.

  41. Ihr alle da oben könnt Eure Einwände gegen Steinis Vorschläge darlegen, wie ihr wollt:

    Wenn Ihr genau zugehört hättet, würdet ihr feststellen, dass er so gut wie alle Einwände dargestellt, vorweggenommen und widerlegt hat. Er hat niemandem Vorwürfe gemacht, sondern eine Situation beschrieben. Das wurde alles schon tausendmal diskutiert und ständige Wiederholdung macht ihr es nicht richtiger.

    Steini hat in allem Recht! Am Anfang die Agenda, Vergabe nur an Open-Source-Lösungen, ab jetzt halt richtig machen …

    Ich weiß das, weil ich das so mache.

    (und, sogar das mit den Jungs: Jungs sind unter 25 nicht zurechnungsfähig. Ich weiß das; ich hab zwei. – Mädchen können unter sich lernen, ohne dass auch nur ein Junge dadurch vernachlässigt wird.)

    Im 3. Lockdown dann im BBB!

    • Open-Source gibt die vielleicht nicht immer, was du willst, aber das was du brauchst!

      You can’t always get, what you want …

      Kein Mensch braucht Zoom.
      Kein Mensch braucht Word.
      Kein Mensch braucht Windows.
      Schwärzt eure Schulen bei der Datenschutz-Aufsicht an!
      Ich habe noch nie jemanden getroffen der Word kann. Ich habe noch nie jemanden getroffen der Excel wirklich kann.

  42. Kleiner Einblick (von der Seite) auf den Online-Unterricht:

    (Bitte missinterpretiert das nicht als Kritik an Steini oder anderen engagierten Menschen. Ich will nur den aktuellen Zustand so beschreiben, wie ich ihn heute vorgefunden habe.)

    Der Aufschlag in der Realität in Berlin war hart. Erster Schultag nach den Winterferien, die BBB-Konferenz unter Lehrern vor 8.00 Uhr lief noch problemlos.
    Aber nach acht war an Unterricht erst einmal nicht zu denken.
    Wenn die Schüler die erste Hürde genommen hatten, und trotz Überlastung die Konferenz betreten konnten, war unklar ob sie im gleichen Raum wie der Lehrer landen. Aus ihrer Sicht fehlte also der Lehrer und sie warteten ab…

    Über andere Kanäle wurde man irgendwann auf das Problem aufmerksam und versucht die Schüler in den richtigen Raum zu lotsen, was die Last weiter erhöht und reines Glücksspiel ist. Irgendwann sieht man ein, dass man nie alle zusammen in einen Raum bekommt, und startet die Ersatzkonferenz über Webex. Mittlerweile sind 15 Minuten vergangen.
    Man wartet weitere 5 Minuten, in der Hoffnung dass sich doch noch alle Schüler einfinden. Ein Teil geht verloren und hat eine Freistunde. Ein Schüler hat heute seinen ersten Tag in dieser Klasse/an dieser Schule. Seine Begrüßung und Vorstellung wird in der Hektik vergessen…
    Aber immerhin läuft es. Ohne Webex hätte gar kein Unterricht stattgefunden.
    Die anwesenden Schüler sind durch den Stress eigentlich nicht bereit für den Unterricht. Als sich das ändert, neigt sich die Doppelstunde dem Ende entgegen.

    Drei Stunden später stand die nächste Doppelstunde an und die Probleme waren die gleichen.

    Das Fazit dass ich daraus ziehe ist, dass wir es ein Jahr nach Beginn des Online-Unterricht nicht schaffen den Lehrern eine stabile Plattform für ihren Unterricht zu geben.
    Die datenschutzkonforme Lösung heißt derzeit also leider Unterrichtsausfall.

  43. Anecdata zum Thema Chancengleichheit: ein Bekannter und ich bieten seit Jahren eine AG „Internet“ in der 4. Klasse der örtlichen Grundschule an. Zuerst war alles wie gewohnt: 9 der zehn Plätze waren durch Jungs belegt. Dann sind wir auf die Idee mit der Quote gekommen, und seither sind die fünf Plätze für Mädchen _immer_ belegt.

  44. Kleiner Hinweis an dich, der du noch eine Heldengeschichte aus deinem Corona-Schützengraben hier reinschreiben willst:

    Es geht in dieser Podcast-Folge darum, wie man digitales Leben an der Schule organisiert und „geil macht“. Punkt.

    Und nicht darum, dass du mal eine verkackte Jitsi-Sitzung hattest und deswegen jetzt Zoom nimmst.

  45. Ich möchte den Blick auf etwas lenken, das leidergar nicht erwähnt wird obwohl es irrsinnig wichtig ist. Die Barrierefreiheit der Software, die eingesetzt wird. Oft wird der Datenschutz gesehen aber nicht die Folgen, die ein solcher Wechsel effektiv hat. Mit der Auswahl eines Tools muss gewährleistet sein, dass ALLE zu beschulenden die Möglichkeit haben, sie es zu nutzen.

    Dabei ist Barrierefreiheit kein gegner von Datenschutz. Auch wenn es gern mal so hingestellt wird. Mein Argument ist in keinem Fall auf Datenschutz und Open Source zu verzichten, sondern Barrierefreiheit als ebenso zentrales Gut anzusehen und von vornherein mit zu denken, wie es beim Datenschutz und bei der digitalen Selbstbestimmung der Fall ist. Denn was bringt es, wenn das tolle neue datenschutzfreundliche System gewählt und implementiert wird und auf einen Schlag die schulische Inklusion von beispielsweise blinden Menschen einen Rückschritt um 25 Jahre macht?.

    Zugegebenermaßen sehr provokant formuliert. Die Open Source Communities bieten dabei beste Voraussetzungen, für alle Menschen nutzbare und produktive Lösungen zu finden. Lasst und bitte also alle Menschen mit denken. Selbst blind profitiere ich natürlich auch davon. Und natürlich helfe ich gerne auch da, wo ich es kann. Dass es grundsätzlich geht zeigen beispielsweise Big Blue Button oder rocket.chat, die beruflich zum Einsatz kommen.

    • versteh ich nicht. Das ist doch so. steht im gesetz, so wie du sagst.

      da wird nichts gegeneinander ausgespielt. Hat hier schon mal jemand eine Ausschreibung gemacht? Leistungsbeschreibung? Hält sich hier jemand an Gesetze? Habt ihr keine Verwaltung, die Euch die Vergabe-Verfahren erklärt?

      • Ich glaube du hast mich missverstanden. Ich sagte nicht, dass etwas gegeneinander ausgespielt wird sondern, dass das Thema Barrierefreiheit viel zu oft einfach nicht mitgedacht und bestenfalls im Nachgang schnell noch rein gefrickelt wird. Das aber nur, wenn es unbedingt sein muss.

        Der Punkt um den es mir geht ist, dass das Thema Barrierefreiheit mindestens genau so hoch zu bewerten ist, wie beispielsweise die informationelle Selbstbestimmung. Denn was bringt mir das datenschutzfreundlichste Open-Source-Tool, wenn ich von der Nutzung kategorisch ausgeschlossen bin?

        Im Kontext Schule wäre es dann faktisch so, dass im schlechtesten Fall von einer zugänglichen Software auf eine gewechselt wird, die auf einen Schlag alle Menschen ausschließt, die nicht perfekt funktionieren. Nicht, weil die Entscheidung böswillig getroffen wurde sondern, weil Barrierefreiheit – so meine Wahrnehmung als selbst Betroffener mit Berufserfahrung in dem Bereich – schlichtweg nicht von Anfang an mit bedacht wurde.

        Nochmal: Daraus mache ich Niemanden einen Vorwurf und man kann sehr lange darüber debattieren, wie es rechtlich aussieht. Gesellschaftlich und insbesondere auch in netzpolitischen Fragen gehören der Kampf gegen Barrieren oder noch besser im Vorfeld die Vermeidung von Barrieren genau so dazu, wie es der Kampf für ordentlichen Datenschutz, gegen Diskriminierung (denn letztlich ist es nichts Anderes) und Bildungsgerechtigkeit tut.

  46. Hallo,
    eigentlich wollte ich hier auch sehr viel schreiben, aber es ist leider wie überall, dass es scheinbar sehr viele gibt, die da sehr viel beitragen wollen, aber es kaum Lösungsansätze diskutiert werden.

    Daher hier nur ein paar Tatsachen aus der Praxis:
    An meiner Schule ist ein Lehrer alleine für die Verwaltung der AD mit über 2000 Nutzern zuständig, dazu kommt ein O365-Tenant mit 1500 Nutzern. Dazu kommen 60 Klassenzimmer mit jeweils PC, Beamer (inkl. Fernbedienung und Batterien), Dokumentenkamera, Drucker (inkl. Toner/Patronen), Webcam, 10G-Netzwerkinfrastruktur, viele Lizenzserver für Industriesoftware, Labors für Automatisierungstechnik, Labors für 3D-Druck und CNC-Fräsen. Dazu kommt Stundenplanungssoftware mit Webservern und die ganze Verwaltungssoftware. Das alles macht einer alleine für 6 Stunden pro Woche…

    Im berufsbildenden Bereich fordern Ausbildungsbetriebe die Verwendung von bestimmter Software, die nur unter Windows läuft. Die IHK prüft in MS Office.

    Auf allen Geräten läuft Windows, weil es die Verwaltungssoftware (WinSV) nur dafür gibt und diese von staatl. Stelle vorgeschrieben ist.

    Dass Windows problematisch ist, wissen wir seit https://www.bsi.bund.de/EN/Topics/Cyber-Security/Recommendations/SiSyPHuS_Win10/SiSyPHuS_node.html

    Und jetzt soll dieser eine Lehrer, der nebenbei noch sich um den Datenschutz kümmern muss, irgendwie schauen, dass man von O365 wegkommt???
    Den Kampf kann er nur verlieren, wenn er gegen Betriebe, IHK, Kollegen und Staat antritt.

  47. Zumindest bei uns in Baden-Württemberg würde ich übrigens unterstellen, dass die Ministerin gar nicht möchte, dass der digitale Unterricht ein Erfolg wird. Ich kann zwar nicht sagen, wie es mit den Mitteln für Belwue aussieht, aber zumindest ihr vehementer Einsatz für möglichst schnelle Rückkehr in den Präsänzunterricht spricht eine deutlich Sprache. Denn ein erfolgreicher Onlineunterricht mit Moodle und Big Blue Button würde ja schon die Frage aufwerfen, ob die von ihr vehement vorangetriebene Einführung von MS Teams an den Schulen überhaupt notwendig ist.

  48. Hallo Tim, Linus und Steini,
    LNP379 wieder mal ein grandioser LNP Podcast!! Danke dafür!
    Die Diskussion ist interessant.
    Ausgehend von unserm föderalen System entscheidet und verantwortet auch in Hessen das Kultusministerium den digitalen Ausbau.
    Das ist grundsätzlich ein politischer Prozess, insbesondere sind notwendige parteipolitische Überlegungen und die politischen Machtverhältnisse in den Ländern nicht zu unterschätzen.
    Der „digitale Ausbau“ einerseits, sowie die didiaktische Ausgestaltung (inkl. der LehrerInnen Aus- und Weiterbildung) sind wesentliche Entwicklungsfaktoren.
    Die Thematik digitaler Unterricht im 21 Jhd. ist aus verschiedenen Blickwinkeln sehr interessant.
    Ihr habt das sehr gut aufgefächert.
    Da die länderspezifischen Bedingungen und insbesondere die Priorisierung von Bildung allgemein ebenfalls länderspezifisch sehr unterschiedlich und komplex sind, bleibt den engagierten Menschen innerhalb der Schulgemeinde (in einer Schule) meist nichts übrig als selbst aktiv zu werden und weiterhin „anzutreiben“ und sich aufzuopfern! Das geht meist nur so lange bis die ehrenamtlichen Akteure ausgebrannt sind. Das ist keine gute Basis.
    Die Bildungs-Akteure an einen Tisch zu bringen ist also enorm wichtig.
    Die politischen Konstellationen sind hierbei immer im Blick zu haben. Veränderungen „von unten“ sind möglich, aber mühselig. Aber gemeinsam Schule udn Bildung gestalten bleibt unser aller Aufgabe!
    Eine Einmischung in die politischen Entscheidungen muss stattfinden, was auch nicht alle wollen und können.
    Und da braucht es so Menschen wie Uns und den CCC, LNP, etc.
    Das förderale System ist m.E. auch in Bildung und Forschung unabdingbar!

    Habt ihr eine Studie, bzw. einen ausführlichen Bericht von einer „best-practice-Schule“ in Deutschland (oder einem Land mit vergleichbarem föderalen Schulsystem) an der man sich exemplarisch orientieren kann?
    Daran könnten sich viele orientieren.
    Oder muss ich mich doch mal wieder auf die Reise durch unsere Schullandschaft begeben (wie bei der Einführung neuer IuK Medien) und von jeder Schule ein „Best-Of“ extrahieren, um eine „optimale Schule im digitalen Zeitalter“ zu bauen?
    Das wäre m/ein Thema!
    Vorschlag an dieser Stelle: Ich suche interessierte Menschen (SchülerInnen, HausmeisterInnen, SekretärInnen, LehrerInnen, SchulleiterInnen, VerwaltungsleiterInnen, PädagogInnen, PolitikerInnen, Eltern, IT KolegInnen), die eine solche Schule konstruieren und auch bauen wollen!
    Wir konstruieren/bauen solch eine Schule, die allen Anforderungen an eine zeitgemäße Bildungsinstitution genügt!
    Wer Interesse hat, kann sich gerne an mich wenden. Förderaler Grundgedanke und politisches Bewusstsein und vor Allem IDEEN sind Grundvoraussetzung. Ich habe noch keinen Verein, oder Initiative in Hessen (gefunden), aber ich bleibe da dran und freue mich auf Anfragen.

  49. Hallo,

    ich hätte mal eine inhaltliche Frage:
    irgendwann in der Folge rutscht ein Halbsatz heraus, dass die QWERTZ-Tastatur wohl ineffizient sei.
    Auf welchen Gesichtspunkten beruht diese Aussage?
    Ich das nur so ein GeschweifteKlammer-Ding für Informatiker oder gibt es da noch andere Aspekte?

    Vielen Dank

    • Zitat:
      Andreas „Steini“ Steinhauser
      Ja, vor allem hast du einen Login. Das ist genau wie wir jetzt die Querzastatur haben und die nicht wieder los werden.Alle lernen querz und dann ist es halt Querz, obwohl das maximal ineffizient ist. Das werden wir nie wieder los.

  50. Hi,
    ich möchte mich an der Stelle bei euch (Tim&Linus) bedanken. Die Pandemie hat mir nicht gut getan und wurde jetzt nach 3 Monaten Behandlung wegen Depression entlassen worden. Ihr habt mir da die Zeit erträglicher gemacht. Danke.
    An alle andere die damit ringen, holt euch hilfe. No shit, das hilft wirklich. Anfangs habe ich es auch nicht glauben wollen aber tut es!

  51. Danke euch dreien für diesen guten Podcast.

    Einzig bin ich etwas unzufrieden, dass ihr, wie viele andere, in Bezug auf OSS nicht erwähnt, dass man FIRMEN (inkl. AV-Vertrag) dafür engagieren kann sich um die Infrastruktur der OSS-Lösungen der Schulen zu kümmern.

    Das wird im Zweifel besser und scheller funktionieren als aus eigenen Stellenausschreibungen eine Kompetenz hochzuziehen. Hier sollten dann eher die Audit-Kräfte zu finden sein, welche die Firmen und die Infrastruktur regelmäßig überprüfen.

    Und hiermit ist dann noch ein weiterer Vorteil herauszustellen. Sollte der Dienstleister nicht gut genug liefern, kann man auf einen anderen Dienstleister wechseln.

    Das ist im übrigen kein „esoterisches OSS-Gefasel“ ™ sondern gelebte Praxis in vielen IT-Dienstleistungsbereichen, wie z. B. E-Commerce. Warum sollte das nicht genauso gut im Schulwesen funktionieren?

    Just My 2 Cents

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.