LNP086 Wir müssen Apple opfern

Schlandnet revisited – Keine Ermittlungsverfahren in NSA-Affäre – Digitale Agenda – Das Ende der Netzpolitik

Wir begrüßen ein zweites Mal in Folge einen Gast in unserer Sendung und auch er ist ein Wiedergänger: Gregor Sedlag begleitet uns durch die wöchentliche Themenlandschaft mit philosophisch-kulturellen Gleichnissen und Betrachtungen und macht damit auch aus dieser Folge eine metalastige Ausgabe des sonst primär nachrichtengetriebenen Programms. Könnte schlimmer sein.

Dauer: 1:19:47

On Air
avatar Linus Neumann Paypal Icon Bitcoin Icon Amazon Wishlist Icon
avatar Tim Pritlove Amazon Wishlist Icon Paypal Icon Bitcoin Icon
avatar Gregor Sedlag

Schlandnet Executive Summary

Wir fassen noch einmal die letzte Sendung zusammen, bevor Gregor uns auf die Metaebene hebt.

Kein förmliches Ermittlungsverfahren der Bundesanwaltschaft in der NSA-Affäre

Generalbundesanwalt Harald Range: “Mir ist bewusst, dass schon die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens im politisch-diplomatischen Bereich eine ganz schwerwiegende Nachricht sein könnte”

Digitale Agenda für Deutschland 2013 – 2017

Als in den letzten Wochen schon der kursierte Entwurf der Unterarbeitsgruppe Netzpolitik für den Koalitionsvertrag kursierte, rochen wir bereits den Verrat. In der finalen Version wurde dieser dann auch zementiert.

Das Ende der Netzpolitik (wie wir sie kennen)

Die Offenlegung der NSA-Aktivitäten markieren den eigentlichen Durchbruch des globalen Informationszeitalters. Netzpolitik als abgrenzbares Politikfeld gibt es nicht mehr. Politisches Engagement ist immer auch Netzpolitik.

33 Gedanken zu “LNP086 Wir müssen Apple opfern

  1. Da ich in der Energiebranche tätig bin, muß ich dem Vergleich zwischen Internet- und Stromnetzen doch wiedersprechen.
    Das erklärte Ziel der Bundesregierung ist nicht die Stromnetze zu kappen und keine Strom mehr zu ex- und importieren. Das Ziel ist u.a. weniger Atomstrom und stattdessen mehr erneuerbare Energien Strom zu produzieren. Bei diesem Ziel ist man auf einem guten Weg, unabhängig von anderen (meist betriebswirtschaftlichen) Problemen die das ganze aufwirft. Das Deutschland auf einmal viel Atomstrom aus Frankreich importiert ist auf alle Fälle nicht ganz richtig. Deutschland ist immer noch fleißiger Stromexporteur:
    http://www.ise.fraunhofer.de/de/downloads/pdf-files/aktuelles/stromproduktion-aus-solar-und-windenergie-2013.pdf
    U.a. Folie 20.

    Zustimmen würde ich aber dem Punkt das die Politik aktuell nicht in der Lage ist komplexe Themen sinnvoll zu managen.

  2. Mea culpa wg. Gazprom/WinGas!

    Das mit der Übernahme durch Gazprom stimmt schon, aber ein Insider sprach mich nach der Sendung an und ließ verlauten, daß gerade die kleine Glasfaser-Sparte explizit von diesem Deal ausgenommen wurde und jetzt irgendwo im BASF-IT Gewusel versinkt.

    Ich finde es interessant, daß die Russen die nicht dran wollten – oder konnten?!

  3. Das mit dem “Telekom-Zwang” für ISPs sehe ich übrigens nicht so. Ein ISP kann sich ja trotzdem “Transit” von einem größeren Anbieter einkaufen und dann, z.B. mit Hilfe von BGP-Communities alle “deutschen” Routen wieder rausnehmen und die sep. über private-Peerings bzw. diverse CIXe abfackeln.

    Auch ist ja von den Befürwortern nicht zu hören, daß die deutschen Bits niemals nie nicht in ausländische Hände (vulgo “Anbieter”) gelangen darf – sie sollen lediglich nicht deutsches Hoheitsgebiet bzw. den Schengen-Raum verlassen – wobei letzteres geographisch schon “spannend” ist. Also können die COLTs, die Level3s, die XXXXtels dieser Welt weiter am deutschen Leitungskuchen mitverdienen. (…und sich in ihren jew. Heimatländern dann mit “NSLs” konfrontiert sehen)

    Spannend -in diesem Zusammenhang- ist auch die generelle Frage: Was ist ein “deutsches” Netz, bzw. wann ist man Teilnehmer an einem solchen und wird damit durch IM Friedrich & Spießgesellen “beschützt”, d.h. exklusiv durch dt. Behörden bespitzelt? Was ist z.B. mit Leuten, die so doof sind, Datenverkehr mit ihrem deutschen SIM im Henndie im Ausland zu betreiben? Dieser Verkehr geht über das Heimnetz (da kommen auch die IP-Adressen, Policy, etc. her) und wird nur in das Fremdnetz “getunnelt”…

    Hach, da fallen mir noch 1003 andere Dinge zu ein, warum das alles (schon rein technisch, von politischen Aspekten mal ganz abgesehen) ein ziemlicher Murks ist…

    Immerhin: Die ganze Sache hat durchaus ein paar Leute sensibilisiert und man wird nicht mehr gleich als Spinner abgetan, wenn man sich irritiert darüber äußert, warum inner-berlinischer IPv6 Verkehr unbedingt über London gehen muß (Gruß nach Münster/Ulm, Ihr kleinen Racker da… ;-)

  4. ahoi ihr lieben,

    das kommt bei diesem Format ja wahrlich nicht oft vor, aber diesmal muss ich doch an der ein oder anderen Stelle vehement widersprechen:

    wie man angesichts der jüngsten Ereignisse/Enthüllungen ein “Primat der Politik” und am besten noch ein “Internetministerium” fordern kann, ist mir ehrlich gesagt absolut schleierhaft. Alles, aber auch wirklich alles, was am Internet gut ist und funktioniert ist abseits bzw. trotz politischer Einmischungen entstanden (wenn man mal von den natürlich initial politisch-militärisch motivierten absoluten Anfängen a la ARPA-Net absieht). Alles, was uns Kopfzerbrechen bereitet (fehlende Netzneutralität, Totalüberwachung, Schlandnet etc.) sind entweder direkte Ausgeburten der Politik oder kommen indirekt durch die Einflüsterungen diverser (Industrie-) Lobbies zustande. Ich bin absolut kein Verfechter des radikal freien Marktes ohne jegliche Kontrolle, aber in Sachen Internet und insbesondere angesichts der Überwachungs-Realitäten plädiere ich für so wenig Staat wie auch nur irgendwie möglich. Jetzt, da es ja plötzlich schon immer alle gewusst haben (insbesondere die Leute, die noch vor ein paar Monaten über diese verwirrten Aluhüte gelacht haben) ist das “die absolute Totalüberwachung droht”-Argument natürlich etwas abgenutzt, aber dadurch wird es nicht weniger richtig: hätte es 2009 ein “Internetministerium” gegeben (vermutlich mit IM Friedrich oder Söder als Chef), dann hätte man die Netzsperren vermutlich mit einer konzertierten Aktion innerhalb weniger Wochen durchgewunken. Das Schockierenste an der ganzen NSA-GCHQ-BND-Geschichte ist doch gerade, dass es offensichtlich einen politischen Konsens gibt, diese Maßnahmen abzusegnen, durchzuführen und vor allem geheimzuhalten und im Zweifelsfall zu lügen und zu dementieren, dass sich die Balken biegen. Angesichts des Erpressungspotentials, das die internationale Geheimdienstmafia ja offensichtlich über das komplette politische Personal des Planeten hat, wäre ein neues Ministerium, das auch wieder tausende Arbeitsplätze zu schützen und Aufgaben und Zuständigkeiten zu erfinden hat (hallo, CIA/NSA/BND), die absolute Bürgerrechts-Apokalypse. Angela Merkel wird vermutlich seit mindestens 10 Jahren 24/7 abgehört. Wie soll diese Frau (oder jemand in auch nur ähnlicher Position) jemals auch nur einen kleinen Finger gegen den Polizeistaat und seine teilprivatisierte Zulieferindustrie rühren? Selbstverständlich ist jeder Generalobermajor beim BND davon überzeugt, dass nur die möglichst allumfassende Bespitzelung möglichst vieler Individuen den immerfort drohenden Siegeszug islamistischer Terroristen verhindern kann…und außerdem will man ja nicht seinen Arbeitsplatz verlieren und die Kollegen sind doch eigentlich alle ganz nett. Selbstverständlich überwacht JEDER Innenminister im Zweifelsfall lieber 20 Millionen Personen zuviel als 2 Personen zu wenig und hey, wenn sich damit gleich noch ein schneidiges law-and-order-Profil geben kann, warum nicht? Daran wird kein Wahlergebnis und keine Regierung etwas ändern, solange die juristisch-institutionellen und politisch-medialen Realitäten so sind, wie sie eben sind. Die Lösung kann nur sein, staatliche (und damit dann auch wirtschaftliche) Macht einzugrenzen…und sie nicht noch durch irgendwelche neuen korrupten, kafkaesken Apparate auszudehnen und zu betonieren.

    Auf eine politische Lösung dieser Konflikte innerhalb des bestehenden Systems zu hoffen, ist meiner Ansicht nach geradezu gefährlich naiv und verkennt die eigentliche Aufgabe: den schnellstmöglichen, radikalen Umbau der kompletten politischen Entscheidungsprozesse.

    (an dieser Stelle ist angesichts der buzzword-Dichte vermutlich ein Gruß an Verfaschungsschutz, BND und Konsorten fällig)

    beste Grüße aber auch an euch, macht weiter so!

    Dagobert

      • Weil er noch Vertrauen in politische Entscheidungen und Teilnahme hat? Sollte der Podcast Deiner Meinung nach in “Logbuch: Erstmal-das-System-umbauen-und-dann-wird-im-Netz-auch-alles-richtig-gemacht” umbenannt werden?

        Das ist naiv.

    • Deine Analyse ist nicht schlecht. Mir stellt sich bloß die Frage was dieser radikale Umbau seien soll? Auch wenn ich kein Freund des aktuellen bestehenden Systems bin, wäre ich mit radikalen umbauten vorsichtig. Historisch betrachtet sind die selten gut verlaufen.
      Im Sinne des guten Colin Crouch wäre ich für eine Stärkung der Zivilgesellschaft aus sich selbst heraus. Welche sich wie die Konzerne auch stärker international aufstellen. Mehr bleibt uns auch nicht wie du richtig diagnostiziert hast. Politiker schaffen es nicht die Wirtschaft auch nicht. Da bleibt nur die Zivilgesellschaft.

  5. Hm, da waren ja einige steile Thesen dabei, also ein paar Anmerkungen.

    Der anti-nationalen Haltung in Deutschland kommt meiner Ansicht nach keine Bedeutung zu. Angela Merkels Politik lässt glaube ich wenig Zweifel daran, dass sie die deutschen Interessen vertritt und Punkt. Sieht man ja auch jetzt, Priorität ist Deutschland in den Spionageclub zu bekommen, der Rest von Europa ist auf sich allein gestellt.

    Internetministerium ist irgendwie schon vom Namen her zu wenig. Ich glaube ja, dass die Rolle des Internets ständig überschätzt und die immer breiter eingesetzter Computing-Anwendungen ständig unterschätzt wird.

    Der Charakterisierung des Völkerrechts stimme ich nicht zu. Das etablierte Recht ist durchaus nicht primitiv. Siehe zum Beispiel das Allgemeine Gewaltverbot in der Charta der Vereinten Nationen, an das sich in der Theorie alle Mitgliedsstaaten halten müssen. Es kann schlichtweg nur meistens nicht durchgesetzt werden, weil es eben kein übergeordnetes Gewaltmonopol für Staaten gibt. Stattdessen hat man wechselnde, interessengetriebene Koalitionen von sehr machtungleichen Staaten, die gelegentlich die Durchsetzung des Völkerrechts organisieren können. Meistens dann, wenn sich ein kleiner Schurkenstaat aus Versehen aus dem Schutz von einem der großen Blöcke herausbegeben hat.

    Also man korrigiere mich, aber der USA FREEDOM Act betrifft doch nur inländische Überwachungsmaßnahmen wie das Metadatensammelprogramm. Auch der Foreign Intelligence Surveillance Court beschäftigt sich ja nur mit Überwachung innerhalb der USA. Alle Korrekturen berühren Nicht-Amerikaner außerhalb der USA meinem Verständnis nach genau gar nicht.

    Zum Schluss eine Bitte, wäre es möglich die Benutzung des Begriffs “Schlandnetz” einzustellen? Ich kann ihn schon in Anführungszeichen kaum ertragen.

  6. Mit welchem relativen Aufwand wäre es verbunden, anstelle des “Schlandnetzes” ein Routing zu etablieren, welches dem vom TOR ähnelt?
    Konkret das Onion-Routing und eine Verschleierung des Zusammenhanges von Ein- zu Ausgangstraffic.
    Wie sähe die Performance aus, wenn solche Router in den großen Knotenpunkten eingesetzt werden würden?
    Kann das jemand abschätzen?

    Mir ist klar, dass ein solches System, wenn es funtktionsfähig wäre, dem Staat selbst die Überwachungsmöglichkeiten wegnimmt und dies die politische Durchsetzbarkeit marginalisiert…

    • Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Idee richtig verstanden habe.

      Die Idee von Tor ist, dass man durch mehrere Hoheitsgebiete routet, um damit der Überwachung eines einzelnen zu entgehen.

      Mit anderen Worten: Das Konzept kann keinen Schutz versprechen, wenn man in einem Land / Überwachungsgebiet bleibt.

      Falls du meinst, dass die Knotenpunkte sich wie Tor verhalten sollen, dann verstehe ich nicht, wie genau du dir das vorstellst…

      • Die Idee war eigentlich, dass wenn man tatsächlich etwas in seiner Macht stehende gegen Überwachung machen wollen würde, man wenigstens den ausgehenden Traffic aus seinem Einflussbereich nicht mehr seinen Ursprung ansehen kann.
        Wenn man dies natürlich nur in einer Jurisdiktion implementiert, ist im Bezug auf Überwachung durch Inlandsgeheimdienste noch nicht viel gewonnen, aber wenn die Struktur erweiterbar ausgelegt ist und so später andere Gebiete dieses adaptieren würden, könnte der Traffic auch wieder über mehrere Einflussgebiete geroutet werden.
        Und wäre bis dahin nicht ein hybrider Ansatz aus Großknoten und bestehender TOR Infrastruktur machbar?

        Im Grunde ließe sich die Idee damit zusammenfassen, dass man auch große Routingkapazitäten in den Knotenpunkten so aufbaut, dass sie sich an TOR beteiligen. Eventuell liegt dem ein Irrtum meinerseits zu Grunde, in dem ich mir die Struktur dieser Knotenpunkte oder des TOR Systems falsch vorstelle. In meiner Vorstellung sind das Ansammlungen spezialisierte Hardware, die auf möglichst hohen Durchsatz im Routing optimiert wurde. Wären solche Installationen z.B. für das TOR Protokoll nicht vorstellbar? Oder sind die größeren Routingknoten so wenige, dass eine Erhöhung der Bandbreite für ein Anonymisierungsprotokoll durch diese mit einem völligen Verlust der Verschleierungseigenschaften verbunden wäre?

        Andererseits wurde ja denke ich auch hier einmal erwähnt, dass die Benutzung von TOR für alle Datenverbindungen durch die individuellen Zugriffsmuster schnell zu einer Enttarnung führen kann. Ist das fest im Protokoll verbunden, oder gibt es da Lösungsansätze?

  7. @Linus: ich kann deine Frustration verstehen, jede Woche von neuen NSA-Enthüllungen und Snowden-Dokumenten zu berichten. Bitte bleibt trotzdem am Ball. Für mich ist euer Podcast die Hauptinformationsquelle dazu. Danke!

  8. Ich denke die Kommentare von Clemens aber insbesondere die von Gregor tun dem Podcast gut. Ansonsten macht ihr ein wenig zu viel Boulevard. Das große Aufregen um Snowden nd andere Leaks solltet ihr anderen überlassen und stattdessen das große ganze beleuchten (mit Gästen wie Gregor) und die technischen Details klären–was geht, was geht nicht (Clemens).

    Ich arbeite seit 25 Jahren mit US Amerikanern und kann viele Seitenhieber verstehen (besonders die von Clemens bzgl. US vs Intl Standards), sehe aber nicht, das man dort alles und jeden über einen Kamm scheren kann.
    Daher hier ein noch ein erweiterter Blick auf die Liga der US Intellektuellen.

    Die MIT Alumni Organisation, hat sich neulich mit dem Thema privacy/security befasst und das Video ist durchaus hörenswert.
    http://alum.mit.edu/learn/facultyforum/online/digital-privacy?destination=node/21684

    Privacy in the Digital Realm

    “For most Americans, handheld computing and smart phones are a daily necessity and have helped create a world of near-constant communication. One consequence of this interconnected society is privacy—or the lack thereof. Recent headlines about mass surveillance have highlighted problems with the infrastructure of virtual space.

    In the Nov. 2013 Faculty Forum Online broadcast, Professor Hal Abelson PhD ’73 discussed the challenges of digital privacy and how the flow of open information can be globally cultivated. After his comments, Abelson took live questions from the worldwide MIT community. Watch the webcast then the Slice of MIT blog and continue the conversation in the comments.”

    Hal Abelson ist übrigens der Professor den ganzen Generationen von abgebrochenen und nicht abgebrochenen Informatikern aus dem Abelson & Sussman (Structure and Interpretation of Computer Programs) kennen, oder aus seinem Vorsitz der Free Software Foundation oder der Tatsache das er einer der Erfinder von Creative Commons ist, oder das er Logo auf den Apple ][ gebracht hat.

    p.s.: Das einzig dumme ist, das US Firmen und Regierungen sehr selten auf das hören, was ihnen die US Intellektuellen sagen. Das ist in Deutschland aber nicht wirklich anders. Es geht im weltweiten Globalisierungswettbewerb am Ende darum, den gößtmöglichen Vorteil für das eigene Land zu sichern. Oh, well…

  9. Vielen Dank für die ergänzte Zusammenfassung bzw. das Fazit des letzten Teils.

    Trotzdem scheint mir die Alternative, auf die Gnade ausländischer Dienste und Gesellschaften zu hoffen immer noch unmöglicher, als sich der technischen Komplexität und dem finanziellen Aufwand eines Schland- bzw. Schengennetzes zu stellen.

    Immerhin war das der erste Vorschlag der CDU, etwas gegen die Überwachung der Bevölkerung zu tun. Das bedeutet für mich, dass das Problembewusstsein auch innerhalb ihrer Wählerschaft steigt.

    • “Immerhin war das der erste Vorschlag der CDU, etwas gegen die Überwachung der Bevölkerung zu tun.”
      wasn quatsch. allenfalls erschwert das schengennetz ausländischen oder außereuropäischen diensten, dein netzverhalten zu protokollieren, aber weder wird damit die gedeihliche zusammenarbeit vieler dienste unterbunden noch, daß stattdessen eben bundesbehörden deine mail etc abhorchen.
      im übrigen brechen, wenn du dich verdächtig benimmst, niemals russische, chinesische und wohl nicht einmal amerikanische polizisten in deine wohnung ein oder nehmen dich fest. du kannst dich drauf verlassen: im zweifel sind es deutsche behörden, die dein material gesichtet haben und tun, was mit dir zu tun sein wird. und vielleicht geht das am ende auch alles ein bißchen effektiver mit einem ordentlichen schengennetz.

      • Seh ich auch so. Wir (die wir das Internet nicht ausdrucken), sollten nicht weiter so blauäugig sein und auf irgendwelche Zuckungen bei den politisch Verantwortlichen hoffen. Die lachen uns für unsere Gutgläubigkeit aus, machen am Ende, so wie einige interessierte Stellen das wollen und schweren sich einen Dreck um Dinge wie Datenschutz, Informelle Selbstbestimmung, usw.

        Stichwort Koalitionsvertrag: Die VDS kommt wieder. Gefordert von der CDU. Völlig gleichgültig, dass da gerade Klagen am EuGH anhängig sind. Also von wegen, die CDU will nicht mehr so stark überwachen…

        Die entscheidenen Fragen hat Tim in einem der früheren Ausgaben mal gestellt:
        Wie schaffen wir es, dass die Problematik in der breiten Masse verständlich ist?
        Wie bekommen wir es hin, dass die “Ich hab nichts zu verbergen”-Fraktion kleiner wird?
        Wie kommen wir aus der Nerd- und Spinnerecke raus?
        Wie werden wir ernst genommen? Wir haben die Kompetenz aber keiner hört uns ernsthaft zu.

        • Wenn man die Vorschläge der Anderen – und seien es auch nur Strohhalme – als reinen Quatsch ablehnt, und ihnen nur schlechte Absichten vorwirft, wird das mit dem ernst genommen werden wohl noch etwas dauern. Meine Erfahrung.

          • Die von dir Vorschläge genannten Dinge sind Nebelkerzen. Nix anderes.

            Ein Beispiel: Die T-Com (bzw. ein Tochterunternehmen) entwickelt DE-Mail und nennt es sicher. Leute, die sich auf dem Gebiet auskennen weisen nach, dass das System nicht sicher ist und bringen Änderungsvorschläge. Diese werden in keinster Weise umgesetzt, man bestätigt nur “sich das mal anzuschauen”. Im aktuellen Koalitionsvertrag wird DE-Mail als sicheres Kommunikationsmittel bezeichnet.

            Es ist eine Hinhalte-Taktik. Man schlägt etwas vor, mit der Technik vertraute (CCC & andere) weisen nach, dass es Unsinn ist (Beispiele erspare ich mir) und zeigen Alternativen auf. Diese werden nicht beachtet, die Experten ignoriert oder eben als Spinner abgetan.

            Sag mir mal was zum Thema VDS: Das BVfG setzt VDS aus, weil nicht Grundgesetzkonform. Der EUGH befasst sich mit dem Fall (Klage eines EU-Landes). Es gibt Untersuchungen die keinen Mehrwert in der Strafverfolgung durch VDS finden können. Trotzdem will man es wieder einführen, aber natürlich “anpassen”. Wie soll ich nun Vertrauen haben, dass das schon richtig gemacht wird? Das sind keine Strohhalme (“Auf EU-Ebene werden wir auf eine Verkürzung der
            Speicherfrist auf drei Monate hinwirken”), das sind Nebelkerzen. Man will überwachen, nur klingt das halt doof wenn man das so schreibt. Also sagt, man “Sorry, wir müssen ja, die EU und so. Aber wir wollen da mal nachhaken ob man das nicht anders machen kann”.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *