LNP091 Huxleying into the full Orwell

Einbruch der Dunkelheit – Snowden – Mobilfunk-Übergriffe in der Ukraine – DRM in HTML5 – Urheberrechtsabgabe – Focus-Kampagne – Redtube-Abmahnungen

Nach einer stilistischen Intervention kehren wir in dieser Ausgabe zum bewährten Format zurück und greifen aber auch ein paar Gedanken der letzten Ausgaben auf anlässlich der Veranstaltung "Einbruch der Dunkelheit", bei der Linus zugegen und gleichzeitig in der Lage war, ein paar Kommentare einiger Referenten einzufangen. Wir rätseln kurz über die innere Verfassung der ARD ob ihres merkwürdigen PR-Stunts mit dem Snowden-Interview, das wohl möglichst niemand sehen sollte und gehen ansonsten noch ein paar Nachrichten der letzten Wochen nach, die bisher liegenblieben.

Dauer: 1:17:36

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Einbruch der Dunkelheit

This week in Snowden

Mobilfunk-Übergriffe in der Ukraine

DRM in HTML5

Urheberrechtsabgabe

Focus-Kampagne gegen parlamentarische Kontrolle

Redtube: Aufhebung der Beschlüsse

 


In Zusammenhang mit dieser Ausgabe stehende Folgen

28 Gedanken zu „LNP091 Huxleying into the full Orwell

  1. Nunja. die Brandanschläge auf die BW sind schon ein etwas ernsthafteres, langanhaltenes und durchaus kostspieliges Thema, dem man mit dem verharmlosende Nebensatz “da wurde irgendwann vor zehn Jahren oder so mal ‘n Jeep angezündet.” wohl nicht so wirklich gerecht wird. Die letzte größere Aktion der “Menschenrechtsaktivisten” kostet den Steurzahl mal eben 10 Millionen Peanuts.
    http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/havelberg-zweistelliger-millionenschaden-bei-brandanschlag-auf-bundeswehr,20641266,23840988.html

  2. Hey, beim Schneiden ist der Teil der letzten Folge, in dem euch Sascha Lobo am Ende nochmal ausreden ließ, an den Anfang dieser Folge gerutscht.

    Der Gegenwert der Urheberrechtsabgabe ist das Recht auf Privatkopie.

  3. Wenn ich das richtig verstanden habe, plädiert Linus dafür alle Verbindungen mit SSL zu verschlüsseln.
    Gibt es da nicht trotzdem das Problem, dass man Vertrauen in die Zertifikat-Hierarchie haben muss?
    Zeigte nicht außerdem der zmap Vortrag auf dem 30C3, dass es vielen CA-Schlüsseln an Entropie mangelt?
    (Wieso sagt mein Safari, dass das CAcert auf events.ccc.de von einer unbekannten Instanz signiert wurde?)

  4. Schmutzkampagne gegen die Linken: Hab ja mittlerweile Spaß an Frag den Start und Abgeordneten Watch gefunden und finde jeder sollte seinen/seine Abgeordneten fragen, inwieweit sie sich mit den Aussagen des “Nachrichtenmagazin” Focus und Kollegen Bosbach identifizieren.

  5. Was ich mich auch immer mehr Frage, wann werden sich die “Rechtsaussen” CDUler abspalten und zusammen mit der CSU als “Partei DIE RECHTEN” neu Formieren?

  6. War es nicht so, dass die NSA nicht von allen Teilnehmern die Stragegien kannte, sondern das sie nur die dänischen Geheimdokumente bekommen haben? Dänemark war ja Ausrichtungsland und deshalb auch neutraler Botschafter auf dieser Konferenz. Im Falle eines Scheiterns sollte dann das entsprechende Dokument als Kompromissvorschlag und damit letzte Lösung herhalten. Dadurch, das die USA (und wohl auch China) die Dokumente kannten, konnten sie ihre jeweilige Strategie anpassen. Von daher war es ja fast wieder fair, schließlich wussten anscheinend ziemlich viele von den “geheimen” Dokumenten, die wohl analog streng überwacht, aber als Email unverschlüsselt übertragen wurden.
    Das macht in sofern einen Unterschied, als das die NSA nicht in der Lage zu sein scheint sich alle Dokumente der Verhandlungspartner zu beschaffen.
    Hatte sich so angehört, als hättest du gesagt.

    Btw: Zu Ukraine und Jauch sei die letzte WMR-Folge mit Marina Weisband empfohlen.

  7. DRM in HTML5 wurde schon in LNP060 angesprochen (anscheinend 30 Minuten lang, also ziemlich ausführlich). Und soweit ich mich erinnere, stand Tim dem damals eher aufgeschlossen gegenüber (hab es mir nicht nochmal angehört, aber die Kommentare dort scheinen das zu bestätigen).

    • Oha, da sehen wir langsam das Problem von lange laufenden Podcasts: irgendwann weiß man gar nicht mehr, was wir schon thematisiert haben. Ohne jetzt komplett nachgehört zu haben: mein Punkt war damals eher, dass DRM nicht unter grundsätzlich überall und immer schlecht sein muss, aber im Web finde ich hat es nichts zu suchen. Aber vielleicht habe ich mich noch unverständlicher ausgedrückt und rede mich um Kopf und Kragen :)

      • Wie wird diese Ablehnung eigentlich begründet?

        “Das WWW” ist im Grunde auch nur ein Transportmittel für Webinhalte. Ein geschützter Bezahlstream *ist*, wenn er in eine Webseite eingebettet ist, ein solcher Webinhalt.

        Insofern erschließt es sich mir nicht (und es wurde im Podcast auch nicht erläutert), warum das WWW keine geschützten Inhalte beinhalten soll. Sie mit der nicht begründeten Aussage “Das gehört da nicht rein” abzulehnen, ist ein bisschen zu einfach, finde ich.

        Es ist durchaus ein Vorteil, wenn geschützte Inhalte dort spezifiziert werden, wo sie auch genutzt werden, als einen speziellen Client außerhalb des Browsers nutzen zu müssen, der wieder anders bedient wird und zusätzliche Rechenzeit und RAM schluckt.

        Darüberhinaus gibt es geschützte Bezahlinhalte, die nur unter Windows (vielleicht noch auf dem Mac) laufen, wobei Linux ganz oft außen vor bleibt und man wieder seine Windows-Partition aktivieren muss, nur um den Stream gucken zu können.

        Ein Standard würde hier einen Schritt in die richtige Richtung gehen. IMHO.

        • Rechenzeit/RAM ist kein wirkliches Argument. Video im Browser ist immer aufwändiger, weil man das Bildmaterial nicht “direkt” aufs Display werfen kann, sondern noch den Rest des Dokuments, CSS, etc. beachten muss. (Es könnte ja sein, dass das Video 3d-transformiert wird, eine semitransparente Grafik darübergelegt ist, … und das alles dann auch noch animiert wird. Klar macht man das in der Praxis nicht, aber der Browser muss das können und das kostet Rechenleistung und Speicher).
          Ein Browser der eine statische Webseite anzeigt plus ein externer “DRM-Videoplayer” ist sicherlich weniger ressourcenfressend als ein im Browser integrierter DRM-Player (unter der Annahme, dass in beiden Fällen anständig optimiert wurde).

          Und dass man mit DRM in HTML5 solche Inhalte auch unter Linux anschauen werden kann, bezweifle ich stark: Da wäre es doch viel zu einfach, die entschlüsselten Daten abzugreifen (es sei denn, das Ding umgeht den ganzen Grafik-Stack und schreibt direkt auf die Hardware).

  8. Hab ichs überhört oder seid ihr tatsächlich mit keiner Silbe auf die intensiven Hörerreaktionen zur letzten Folge eingegangen? Schade!

  9. Mit der Urheberrechtsabgabe wird ja das Recht auf die Privatkopie recht teuer erkauft. Immerhin bekommen wir dadurch das Recht auf bis zu sieben Privatkopien (http://de.wikipedia.org/wiki/Privatkopie).

    Was fehlt wäre eine Software, die dieses Recht komplett ausreizt. Wenn man sich nun auf einen privaten Tracker befindet und eine Software verwendet, die pro Seed insgesamt nur 7 Peers zulassen würde, wäre das doch eigentlich rechtlich einwandfrei? Zugegeben man kann damit nicht nachweisen, dass der Seed auch eine Originalkopie hat, aber das müsste in dem Fall doch eigentlich der Kläger machen.

    • Naja, dass sieben Kopien erlaubt sind ist ja stark umstritten. Und dann darf man die auch nicht an wildfremde Leute verteilen, sondern nur im engen privaten Kreis (was auch immer das heißt).

    • “Teuer” ist relativ. Wenn ich 5 Freunden meine neue CD, die ich für 13,90 EUR gekauft habe, gebe, dann ist das eine Gesamt-Ersparnis für diese Freunde in Höhe von fast 70 Euro. “Im Gegenzug” erhalte ich dann von diesen Freunden vielleicht auch eine Kopie einer anderen CD. Wenn das jeder dieser Freunde macht, sind das wieder 70 Euro, also insgesamt nun 140 Euro bei nur 2 gekauften CDs. Ich finde das schon bemerkenswert. Man kann das natürlich mit “teuer erkauft” kleinreden.

      • Wenn du das wirklich so exzessiv betreibst mag sich das für dich sehr wohl lohnen. Dabei darf man aber auch nicht vergessen, dass auf Einen von deiner Sorte mindestens 10 wenn nicht 100 Andere von der Abgabe Betroffenen gibt, die das überhaupt nicht betreiben und für dich mitfinanzieren.
        Wenn ich total auf Wetten-Dass, die Tagesschau und die ganzen Polittalkshows stehe, mache ich mit der Rundfunkgebühr wahrscheinlich auch einen guten Schnitt. Das resultiert aber nur daraus, dass mein Mediengeschmack massiv von der Restgesellschaft subventioniert wird.

        Wenn man sich die Formulierung mit darf nur im “engen privaten Kreis” verteilt werden, drängt sich einen sowieso die Sichtweise auf, dass damit nur etwas legalisiert wird, was sowieso nicht vom Gesetzgeber verfolgt werden kann. Insofern hätte jedes öffentliche Projekt, dass versucht sowas irgendwie der breiten Masse verfügbar zu machen wahrscheinlich sowieso keine Chance..

      • Wie bereits oben in einem anderen Kommentar steht, bezahlt man mit der Abgabe NICHT für eine potentielle Verletztung des Urheberrechts, sondern für das Recht auf die Privatkopie. Ich finde das eigentlich ein recht elegantes Modell, dass zumindest eine Diskussion auf Faktenebene verdient.
        Wie die Verteilungsschlüssel der Verwertungsgesellschaft ist usw… ist eine andere Frage, aber im Grunde ist es eine Kulturflatrate im (sehr) Kleinen.

        • Ich antworte mal mit einer kruden Metapher:

          Also wenn die Kulturflatrate Sozialismus ist, dann ist das aktuelle Abgaben- und Verteilmodell der zentralistische Kommunismus.

          Alles wird von ein paar Akteuren (Moskau) entschieden, niemand schert sich im die Innovation der kleinen, das Geld landet nicht da, wo es erwirtschaftet wurde, sondern da, wo die Tonangeber es gerne sehen.

          Und auf meinen Dell Optiplex Numbercruncher, der keinen Bildschirm und keinen Lautsprecher hat, würde bei einem heutigen Neukauf auch die Urheberrechtsabgabe anfallen (Kulak!).

          So, jetzt habe ich das Diskussionsniveau so weit gesenkt, dass wir einfach alle aufgeben sollten.

          PS: ES GIBT KEIN RECHT AUF PRIVATKOPIE. Das ist eine sog. Urheberrechtsschrange, und wird somit im Zweifelsfall immer gegen uns ausgelegt. Wenn es ein ordentlich definiertes Recht auf Privatkopie gäbe, dann würde morgen jemand hergehen und einen Bittorrentklon bauen, der damit vereinbar ist und wir alle wären etwas weniger unfroh.

  10. zum Thema ‘Überwachung teuer machen’: ich habe den Eindruck, dass vielleicht nicht generell, aber auf jeden Fall in den USA die enormen Kosten und womöglich gar die Ineffizienz des Überwachungsapparats durchaus gewollt ist. Die privatwirtschaftlichen Verflechtungen und Interessen scheinen hier längst so ausufernd, dass es nicht einmal mehr nur um Sicherheit und Terrorabwehr gehen dürfte, sondern diese als Vehikel eben jener ökonomischen Interessen dienen. Ich will damit nicht sagen, dass der Aufruf Überwachung teuer und schwierig zu machen, überflüssig wäre, abe letzten Endes bedarf es einer politischen Lösung – wo sich dann, zugegebenermaßen, die Katze in den Schwanz beisst: what’re you gonna do now?

    • OMG. Bitte sprecht darüber. Mich macht das gerade wahnsinnig, da ich versuche eine Firma zu gründen die mit “Content” arbeitet und das LG Köln mir gerade die Creative Commons Lizenzen unterm Arsch weggeschossen hat.

      Wenn das Bestand hat, bzw. so lange es ungeklärt ist, muss in jedem CC-BY Bild der Urheber sichtbar drinstehen. Wenn man also mehrere Bilder zusammenfügt, macht man gleichzeitig noch eine Wordcloud.

      Außerdem bedeutet es, dass bereits das zweite CC-Symbol für Deutschland verbrannt ist. Es ist ja schon länger bekannt, dass CC-NC Zeugs in Deutschland nicht weiterverarbeitet werden kann wegen der beschissenen Definition von “kommerziell”.

      Jetzt ist auch ND kaputt. Denn was passiert denn, wenn man sich aus dem Ausschlandnetz ein CC-BY-ND Bild holt, um es im Blog oder sonstwo einzufügen?

      Wegen BY muss man den Namen des Urhebers reinschreiben. ABER WEGEN ND DARF MAN DAS NICHT. ARRRG!

      OH MANN. Ich bin Hesse und Europäer, lasst mich doch mit euerm Deutschland und seinen fliegenden Gerichtsständen in Ruhe!!!

      PS: Alle die das lesen, BITTEBITTEBITTE nehmt an der Konsultation der EU-Kommission zum Urheberrecht teil:

      http://ec.europa.eu/internal_market/consultations/2013/copyright-rules/index_de.htm

      Ich habe mal mit einem gesprochen, der da arbeitet, und der meinte, dass auch unvollständig ausgefüllte Bögen berücksichtigt werden und dass die Beteiligung (relativ) gering ist, so dass man sich sicher sein kann, dass der eigene Beitrag auch gelesen wird.

  11. Den Einspieler mit Marina hättet ihr euch sparen können. Sie plappert nur vor, was die breite Meinung bereits ist. Das Snowdon-Interview war ausreichend, sich eine Meinung zu bilden. Weit interessanter sind die Umstände, unter denen das Freihandelsabkommen zwischen EU und USA zustande kommen soll. Es ist übel, dass man (neben dem Privatleben) mit Verstand kaum noch den Ereignissen folgen kann. Entschuldigt bitte den harrschen Eingangton, ich bewundere Eure Arbeit hier.

  12. Ich finde das Statement von Bruce Sterling überhaupt nicht enttäuschend. Der sagt mit Humor, dass vielleicht die Frage falsch ist. Dass jeder Schritt für Schritt seinen eigenen Weg gehen muss (in seinem Fall jetzt ins Hotel) und man keine Autoritäten braucht, die einem sagen wo es lang geht. Und auch, dass es keine sofortige, totale Lösung gibt.

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