LNP243 Auch ohne Regierung machen wir keinen Fortschritt

Feedback — Koalitionsvertrag — Verfassungsschutznovelle in Hessen — John Perry Barlow

Für die heutige Sendung haben wir uns rote Nasen aufgesetzt und zeigen uns wie gewohnt von unserer witzigsten Seite. Eine Feuerwerk der Spritzigkeit und gnadenlosen Belustigung.

Dauer: 1:39:44

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Deepfakes

John Perry Barlow


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36 Gedanken zu „LNP243 Auch ohne Regierung machen wir keinen Fortschritt

  1. Hallo ihr beiden, super Sendung, hatte mich schon sehr darauf gefreut. Zum Thema Deepfakes fällt mir etwas ein, was schon in einem Film behandelt worden ist, müssen wir jetzt zu jeder Zeit eine Alibie-Nachweis saven, damit wir belegen können, dass das Bildmaterial ein fake ist oder nicht und wie kann ich sicherstellen das meine Daten auch kein Fake sind… Wahnsinn was da noch auf zu kommen wird.

  2. Ich las heute gerade die Zusammenfassung der Innenausschuss-Sitzung in Hessen bei netzpolitik.org. Als ich eben den Podcast hörte, fiel mir auf, dass Linus’ Zusammenfassung sehr ähnlich war. Hätte ich fair gefunden, Anna Bisellis Artikel zu verlinken. Vielleicht ist es aber auch nur Zufall.

    • Sehr gut aufgepasst!
      Der Link hat es irgendwie nicht in die Shownotes geschafft. Habe ihn hinzugefügt und bin ganz erfreut, dass sie Shownotes so genaue Beachtung finden :-)
      Danke für den Hinweis!

  3. Dieses “schnelle Internet” was hier gerade gebaut wird und in den nächsten Monaten hier verfügbar wird mit 20.000mbit/s angepriesen.

    Dafür braucht es keine Abgeschnittenen Regionen, Ostdeutschland oder Dunkeldeutschland.

    Das ist in Hamburg (sogar Hamburg Mitte). Hilft nur Umziehen und Haus verkaufen.

    Bisher haben wir übrigens offiziell 2Mbit/s, davon kommen so 700kbit/s an. Über Funk gibts Wetterabhängig so 0-3Mbit/s

    Also hört auf mit Abgelegenen Gegenden, das gibt es Überall. Nur muss man nicht so weit wegziehen wie in anderen Landstrichen um wenigstens irgendein Internet zu bekommen.

  4. Der von Linus erwähnte Fall, bei dem fremde DNA durch einen Zollstock an einen Tatort gebracht wurde, war wahrscheinlich der Fund von Uwe Bönhardts (einer der Täter des NSU) DNA am Leichenfundort von Peggy Knobloch (2001 entführtes Mädchen, Fund des Skellets Mitte 2016).
    Artikel dazu: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-10/fall-peggy-dna-uwe-boehnhardt-spurensicherung-tatort-verunreinigung

    Bei der Diskussion ist auch das “Heilbronner Phantom” erwähnenswert: Die Polizei sucht 2 Jahre lang nach einer Frau, deren DNA an mehreren Tatorten gefunden wurde. Stellt sich raus, dass die Wattestäbchen kontaminiert waren.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Heilbronner_Phantom

  5. Ich sag mal so: Wenn der Videobeweis dank Deepfakes unbrauchbar wird, sparen wir uns wenigstens die Debatte um Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen.

  6. Zum Thema Digitale Bildung würde ich euch gerne mal eine Wasserstandsmeldung aus der Praxis geben:
    Ich bin Lehrer an einer beruflichen Schule in Baden-Württemberg, habe Berufsschüler aus dem klassischen Handwerk, Meister und Techniker, bin Quereinsteiger und war vorher 6 Jahre in der Industrieforschung. Als ich an die Schule kam war EDV-Unterricht noch “Internetrecherche”, Powerpoint oder eben CAD-Schulung und etwas für Technikfreaks im Kollegium. Heute fast eineinhalb Jahrzehnte später hat sich das kaum geändert. Noch immer findet der “IT-Unterricht” in viel zu kleinen PC-Räumen statt, die knapp sind, gebucht werden müssen und deren Aufssuchen, Hochfahren und Starten wertvolle Unterrichtszeit kostet. Gleichzeitig haben alle Schüler ihr Smartphone mit prallen Leistungsreserven und allen ihre Persönlichkeit erweiternden Apps jederzeit ohne Zeitverzögerung zur Hand. Und wir Kollegen verschwenden Zeit ihnen diese smoothe Schnittstelle aus der Hand zu nehmen und sie in die kabelgebundene EDV-Steinzeit zurück zu zwingen, währen wir und die Schüler fleißig per Whatsapp kommunizieren – aber nur unter uns, denn Schüler-Lehrer-Kommunikation per kommerzielle soziale Medien ist in BaWü verboten.
    Andererseits bin ich froh, dass unser Gigabit-Netz überhaupt läuft, denn wir (ich) adminstrieren es selbst (mit 9×45 min pro Woche) Also inkl. Beschaffung, Einrichtung, Updates, Lizenzmanagement, Servermanagement, .. Dafür wurden wir als Netzwerkberater 1 Woche geschult und haben alle 2 Monate einen Tag Nachschulung und drei engagierte Hotliner in Stuttgart am Landesmedienzentrum. Natürlich geht der konkrete Unterricht vor – aber nur wenn nicht gerade ein Kollege Probleme hat..das macht die Qualitätssicherung….anspruchsvoll.
    Was dadurch aber wirklich zu kurz kommt ist es, die didaktischen Potenziale der Digitalisierung zu erschließen, sie nutzen zu lernen und sie in den normalen Standardunterricht einzubinden, geschweige denn die Schüler auf ihren Kanälen abzuholen und sie durch den digitalen Dschungel wenigstens ein Stück weit zu führen.
    Dabei sind die Werkzeuge dafür alle vorhanden (Wie zb. die freie Lehr- und Lernplattform moodle, die auch in BaWü von unserem staatlichen Provider BelWue für jede Schule auf Anfrage gehostet wird – aber ob das eine Schule in Anspruch nimmt oder so eine Instanz selbst wenn vorhanden im Unterricht zum Einsatz kommt, hängt nur von der Schule oder im Zweifel gar nur von der Aufgeschlossenheit des Kollegen ab. Und der technischen Möglichkeit im Unterricht ohne großes Rumgerenne darauf sauber authentifiziert zugreifen zu können. Und dazu braucht es ein professionell gemanagetes WLAN, mit dem man die Mobilgeräte der Schüler (BOD) für solche Browserbasierte Lösungen nutzen, die Nutzung anderer Dienste aber auch unterbinden kann. Und es braucht eine Internetanbindung, die beim beim SD-Streamen von 200 Nutzern nicht komplett hängen bleibt.
    Was es aber am meisten braucht, sind Lehrer, die mit der sozialen Nutzung des Internets aufgewachsen sind und diese bei allem Problembewusstsein über Datenschutz, Anonymität, Datensparsamkeit und Netzneutralität als eine echten Mehrwert erfahren haben und ihn so auch authentisch und begeistert mit den Schülern erschließen wollen, anstatt sich von “diesem Dreck, den kein Mensch braucht” nur selbstgerecht zu distanzieren. Das Problem ist, dass man so eine Einstellung schlecht schulen oder gar verordnen kann. Man kann nur zu überzeugen versuchen und gleichzeitig die technischen Vorraussetzungen bereitstellen, damit der unerfahrene Kollege (ob nun 25 oder 65) nicht gleich frustriert aufgibt, “weil es einfach nicht läuft…”
    Dafür eine Bresche zu schlagen – dazu möchte ich euch beiden unbedingt weiter ermutigen.

    • Ach es gibt da noch einen ganz anderen Faktor: ich rate allen jungen Menschen in Deutschland: studiert keine Informatik! Das erste was deutsche Firmen outsourcen ist die Programmierung, also die wissensintensivste Tätigkeit. Die Projekte werden dann zu Tagessätzen im unteren Bereich in Indien, China, oder sonstwo entwickelt und das erklärt auch die Qualität der entstehenden Software. Am Ende läuft dann alles irgendwie, aber schön ist meist anders. Ich wette Atos hat das ganze Anwaltspostfach auch irgendwo zu niedrigsten Tagessätzen entwickeln lassen. Im Management fehlt immer jedwedes Verständis wieso das ganze Outsourcing-Setup ein Problem sein könnte. Und *alle* machen es genauso, also muss es richtig sein…

      • Oh ja, den Spaß habe ich auch schon mitgemacht.

        Outsourcing weil ein rumänischer Anbieter gesagt hat “wir schaffen das in 1 Jahr für 100k € mit 5 Entwicklern”. Nach 3 Jahren und weiteren versenkten Hunderttausenden ging es dann vor Gericht.

        Und auch jetzt gibt es immer mal Probleme wenn man auf IT Outsourcing trifft. Gerne auch mit Atos. “Ja wir müssen da erst einen Change anstoßen und auf die Kollegen in Land XY warten und dann…” 1 1/2 Wochen später, noch immer nix geklärt. Mit eigener IT geht es meist mit einem Anruf und in 1-2 Tagen.

        Aber deutsche Entwickler/Admins sind ja einfach zu teuer. Wobei ich noch immer Diejenigen suche, die auch mal wirklich so viel bekommen, wie Statistiken von Focus, Spiegel und Konsorten immer behaupten..Da muss es ein paar wenige geben, die die Gehaltsstatistik massiv nach oben treiben und vermutlich bei den Unternehmen für Panik sorgen :)

      • Deine Gründe lesen sich eher als welche dafür, kein Programmierer/keine Programmiererin zu werden. Informatik ist ja nun doch etwas mehr. Auch das sich anschließende Berufsbild ist deutlich reichhaltiger. Ich würde jedem, der sich für Computer, Netzwerke, Logik und Berechenbarkeit erwärmt, durchaus ein Studium der Informatik nahelegen, auch und vielleicht gerade wenn sie oder er kein Programmierer/keine Programmiererin werden möchte.

    • Vielleicht dazu ergänzend: Die Politik stolpert ja zunehmend über ihre eigenen Verfehlungen und Missplanungen in diesem Bereich. Ein Beispiel: Da wird (aus SPD-nahen Kreisen) der Calliope Mini gepriesen und an die (Grund-!!)Schulen forciert. Dort kennt sich aber genau keiner mit “so etwas Digitalem” aus, die meisten sind richtig dagegen, solche Geräte einzusetzen.

      Nun versucht man gegenzusteuern. Beispielsweise versucht mant, Lehrer zu Fortbildungskursen zu motivieren. Aber zurück an den Schule stellen dann selbst die motiviertesten Lehrer fest — jene, die also die Dinger wirklich einsetzen wollen –, dass der Editor ( http://pxt.calliope.cc/index.html ) online ist. Ihn zu laden, für 20 PCs, dauert hier aber länger als eine Schulstunde… Und die offline-Version, die dankenswerterweise in einem GitHub zur Verfügung gestellt wird, darf man gar nicht auf den Schulrechten installieren (und die Rechte dazu lägen sowieso bei einem externen Dienstleister). Zum Haare raufen.

      Bis an unseren Grundschule hier alles bereit ist — aufgeschlossenes Lehrpersonal und eine hinreichende Infrastruktur — ist die Digitale Transformation schon rum und die derzeitigen Kinder schon im PostDoc-Alter…

      • Man muss auch ein bisschen bei den Schularten differenzieren. In der eher technikaffinen beruflichen Bildung, sind viele Schulen schon recht weit, zumal solche wo der IT-Nachwuchs ausgebildet wird. Da gibt es schon fächendeckendes WLAN, ganze Tabletklassen, Elektronische Stundenpläne auf den Schülersmartphones und Klassenbücher auf den LehrerLaps und viele digitale Zusatzangebote, Kursräume und natürlich begnadete Admins, die genau wissen was sie tun.
        Dann gibt es mäßig technisch orientierte Schulen, wo es eine solide Grundausstattung gibt, die aber durch die immerhin zentral geplante Schulgrundsoftware (die sg. Musterlösung mit weitreichender Virtualisierung) für eingelernte Amateure wie mich noch handelbar ist. Viel dünner wird es dann schon bei den allgemein bildenden weiterführenden Gymnasien und Realschulen (wo z.B. meine Töchter bis auf ein bisserl ppt kaum noch digitale Angebote oder gar didaktisch fundierte Lernplattformen kennenlernen) und viele Grundschulen haben noch nichtmal die Hardware um eine Klasse it-mäßig zu beschulen.
        Bisweilen wird der Digitalisierung des Unterrichts auch die didaktische Wirksamkeit abgesprochen und da ist sicher nicht alles Gold, was glänzt, funkelt oder blinkt. Und wie immer macht die Dosis auch hier das Gift. Nur ist die Digitalisierung des gesamten Lebens außerhalb der Schule längst ein so fundamentales Faktum, dass wir unseren Schülern kaum die Welt erklären können, wenn wir uns genau diesem Teil der Welt in unserer eigenen Domäne dogmatisch verschließen. Nur wenn ich Foren- Messenger- oder Chatkommunikation im Unterricht selber mit den Schülern praktiziere, kann ich mit ihnen Netiquette, Argumentieren mit Quellenangaben, zitieren, aber auch das bloße Formulieren von Fragen, deren Illustration und vor allem die eigene Beteiligung am gemeinsamen Prozess näherbringen und vielleicht ein kleines bisschen dazu beitragen, dass sie keine Netzpsychopathen, sondern angenehme Mitbewohner des globalen Dorfes werden.

  7. Sehr schön! Mir gefällt die (Allgemein-) politischere Ausrichtung der letzten Monate echt gut – das macht das Format noch besser.

    Zur Bundesregierung kann man sagen : Man kann scheinbar tatsächlich nicht viel falsch machen als Kanzler(in) da das das Ganze quasi von selbst läuft – Wie ein dicker fetter Benz auf Autopilot. Da muss man sich schon echt anstrengen das Ding gegen die Wand zu fahren.

  8. thema deepfake: also wird man sich daran gewöhnen dass auch videos immer zweifelhaft sind es sei denn sie tragen irgendeine authentifizierung. ist doch ein schönes neues arbeitsfeld: zertifikate für videos, vielleicht per blockchain. wunderbar!

  9. Zum Thema deepfake gibt es eine Folge vom Podcast Radiolab, die aufzeigt, dass die Verfälschung von Videos durch das Reinschneiden von fremden Köpfen nur der Anfang einer ganz neuen Verfälschungskunst ist…es ist heute schon möglich, in Echtzeit ein Video in der Art zu manipulieren, dass mit der (computergenerierten) Stimme der gezeigten Person ein neuer Text gesprochen wird – und die Mundbewegungen passen sich auch in Echtzeit an!
    Radiolab hat ein Beispiel erstellt, findet sich hier: http://futureoffakenews.com/
    momentan mag die Technik noch in den Kinderschuhen stecken und solch ein Video sehr leicht als manipuliert erkennen lassen – aber wie sieht das in 30…ähhh….wenigen Jahren aus?!?

    Ich finde das echt unheimlich und weiß nicht, ob ich in einer Zukunft, in der es keine Wahrheit mehr zu geben schein, zurecht kommen werde…

    Die Podcastfolge “Breaking News” von Radiolab findet sich hier:
    http://www.radiolab.org/story/breaking-news/

    • Erstmal an Tim & Linus: Danke für eure Sendung. Wie immer interessant und wie meistens auch witzig (auch wenn einem das Lachen eine Sekunde später ja oft im Halse stecken bleibt — aber Tims Lachmuskelkrampf war unschuldig erheiternd [Menschen in S-Bahnen schauen einen echt seltsam an, wenn man mit Kopfhörern auf plötzlich laut ‘mitlacht ;)]).

      Zum Thema. Auch ich sehe die Hauptgefahr in den neuen Möglichkeiten darin, dass zukünftig alles als Fake denunziert werden kann. Ein systematisches Untergraben der Glaubwürdigkeit jedweder Medien wird die teils vorhandene Filter-Bubble-induzierte Teilung der Gesellschaften weiter vorantreiben. Jeder wird ‘gute Gründe’ haben, die Quellen ‘der Anderen’ für zweifelhaft zu halten.

      Wie dem auch sei, hier eine direkte Ergänzung zu Katrin Xs Beitrag.
      Ich habe vor knapp einem Jahr meinen Studierenden (ich halte jedes Jahr an der Universität des Saarlandes eine Vorlesung mit dem Titel “Ethics for Nerds”) das beängstigende Szenario entgegengeschleudert, das überzeugende Audio- und Video-Fakes für jedermann generierbar werden — gepaart mit der damals brandaktuellen Frage, was Politiker wie Trump dann wohl daraus machen werden (“Alles Fake außer mein eigenes Fake auf FoxNews!”) und was das für unser kollektives Vertrauen in Medien bedeuten würde. Dass das so schnell möglich sein würde, hatte ich allerdings nicht erwartet. Jedenfalls hier aus meiner Recherche von damals noch ein paar Forschungsergebnisse, die im Zusammenspiel solche Next-Gen-Fakenews ermöglichen:

      *) Fürs Faken der Mimik inkl. Mundbewegungen:
      https://www.youtube.com/watch?v=ohmajJTcpNk
      (offizielle Website: http://niessnerlab.org/projects/thies2016face.html )
      Wie man sieht: sogar (essentially) made in Germany.

      *) Für die Stimmensynthese:
      https://deepmind.com/blog/wavenet-generative-model-raw-audio/
      ( https://arxiv.org/pdf/1609.03499.pdf )
      Respektive kommerziell: https://de.wikipedia.org/wiki/Adobe_Voco

      Auch die US-Medien stellen mittlerweile die Verbindung her: https://www.theverge.com/2018/2/8/16990076/ai-fakes-deepfakes-video-media
      Und nicht zu letzt versucht Trump und sein Umfeld noch immer Zweifel zu säen, ob denn die “Grab ’em by the pussy”-Aufnahme wirklich Trumps Stimme enthalte… Brr

      Noch ein Gedanke in diesem Zusammenhang, den ich interessant fand, der aber natürlich weniger politischer Natur ist, (sondern viel mehr forschungsethischer Natur): Was soll man eigentlich mit seinen Forschungsergebnissen tun, wenn sie solch Potential für Missbrauch enthalten? Bzw. sollte man das Zeug a) erforschen und b) seine Resultate später auch veröffentlichen? Ich glaube, ja. Aber natürlich dauerte es von Face2Face nur Wochen und Monate, bis jemand aus der Idee ein Programm für Jedermann erstellt hat. Dennoch, die Möglichkeit nicht zu erforschen oder entsprechende Ergebnisse nicht zu veröffentlichen hilft ja nun auch nicht. Erstens macht es sicherlich bald jemand anders (okay, für gewöhnlich keine gute Rechtfertigung). Und zweitens, selbst wenn nicht, macht es die NSA im Hinterzimmer. Dass die Öffentlichkeit dann vielleicht denkt, ein solcher Grad an Fake News sei unmöglich und weiterhin mehr oder minder alles glaubt, was man auf (exemplarisch) Fox News sieht, macht es ja nicht unbedingt besser. Falsches (aka ungerechtfertigtes) Vertrauen will man ja auch nicht. Also plädiere ich für Veröffentlichen + gleichzeitiges Anregen einer öffentlichen Debatte.
      Apropos: Hat der CCC eigentlich eine Schnittstelle für sowas? Also eine Stelle, an die sich Wissenschaftler einfach wenden können? Auf die schnelle zumindest nichts Passgenaues gefunden (für eine Antwort, auch gerne per Email wäre ich dankbar, dann würde ich diese Kontaktstelle nämlich in meine kommende Vorlesung mit aufnehmen).

      Was man jetzt braucht, wie bereits weiter oben von Marc schon angeregt, sind signierte Videos/Audio, die eine Nicht-Modifikation der Aufnahme verifizierbar machen. Aber das muss natürlich schon bei der Erstellung passieren, nicht in der Postproduction ;) Das wird alles kompliziert — und im ersten Moment, wenn gerade etwas durch die Medien getrieben wird, wird es auch nicht helfen. Aber wenigstens in der anschließenden Forensik.

  10. Weiss nicht, ob der Vergleich von Ende-zu-Ende mit einem Direktflug so perfekt ist, es gibt tatsächlich Flüge mit Zwischenlandung (ohne Umsteigen, oft mit Sitzenbleiben, manchmal aber auch mit Aus- und wieder Einsteigen), die leider als “Direktflug” verkauft werden.

  11. Für Beamte gibt es die gesinnungsprüfung natürlich immer noch. Bevor ich vereidigt wurde, musste ich https://www.stmelf.bayern.de/mam/cms01/wald/forstverwaltung/dateien/fragebogen-pruefung-der-verfassungstreue.pdf ausfüllen. Und regelmäßig werde ich auf meine Verpflichtung zur Verteidigung der freiheitlich demokratischen Grundordnung erinnert. Mit der Begründung soll ich mich zB von Social Media fernhalten. Hat mir ernsthaft das Innenministerium in einem Rundschreiben empfohlen. Und natürlich Menschen, die nicht ihr ganzes Gesicht auf Unigelände zeigen, an das verschleierungsverbot erinnern.

  12. Der „Digitalpakt für Schulen“ – dafür sollen in den nächsten 5 Jahren 5 Milliarden € ausgegeben werden. Das macht bei etwa 50.000 Schulen in Deutschland rund 20.000 Euro pro Jahr und Schule. WOW

  13. Moin,

    Vielen Dank für die mal wieder gelungene Sendung.

    Ich wollte mal das Thema “Techlash” einbringen. Dabei gehts um die Überlegung, dass die großen Internetfirmen (GAFA) entweder deutlich stärker reguliert oder in Einzelteile zerschlagen werden könnten/sollten.
    Des ist vielleicht auch nur so ne Wunschvorstellung und Disskussion aus den Redaktionen. Nur man könnte das schon bei Konferenzen wie der DLD hören und danach auch an anderen Stellen lesen (Economist, SZ), dass es an der Zeit ist in die Richtingg was zu tun. Was denkt ihr?

    https://www.economist.com/news/briefing/21735026-which-antitrust-remedies-welcome-which-fight-techlash-against-amazon-facebook-and?frsc=dg%7Ce

  14. Auch von mir, vielen Dank für eine weitere tolle Folge eures Podcasts!

    Ihr habt auf den Fall der Verstrickungn des hessischen Verfassungsschutzes mit dem NSU Mord an Halit Yozgat in Kassel erwähnt. Seit kurzem hat die Initiative “NSU Watch” einen eigenen Podcast https://www.nsu-watch.info/2018/02/neu-aufklaeren-einmischen-der-podcast-von-nsu-watch/. Könnte man vielleicht bewerben oder bei thematischer Überschneidung mal einladen.

  15. @Linus @Tim
    Habt ihr das tolle Lob mitbekommen, das Stefan und Thilo im Aufwachen-Podcast für euch und euren Ösi-Gast hatten?

    Zumindest Thilo ist doch in Berlin – wollt ihr nicht mal ein 3-5köpfiges Podcast-Gipfeltreffen machen? Das wäre der Hörgasmus des Jahrzehnts!

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