LNP303 Halt mal meinen Pflaumenschnaps

Europawahl — AKK — Cyberabwehr — Seehofer will hacken — Julian Assange — Huawei — Klarnamen — PNR — DSGVO

In der heutigen Ausgabe besprechen wir gleich zweierlei Union, den unangenehmen Teil etwas ausführlicher. Ansonsten wieder der übliche Ritt durch den Wahnsinn aber mit ein paar positiven Ausklängen.

Dauer: 1:25:09

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Europawahlergebnisse

AKK

Aktive Cyberabwehr

Seehofer will Journalisten hacken

Julian Assage drohen 175 Jahre Haft

Huawei-Boykott

Klarnamenpflicht

PNR

DNS Hijacking

DSGVO nicht abmahnbar

30 Gedanken zu „LNP303 Halt mal meinen Pflaumenschnaps

  1. Ich weiss nicht ganz ob Tim sich mit seinem Kommentar zu Open Source auf dem Desktop nur und rein auf das beschränkt was der Endnutzer am Ende klickt, aber er lässt da schon einiges weg:

    Beide grosse Browser. Electron (so schade diese Entwicklung auch ist) findet sich auch als Grundstein von gefühlt jeder modernen Endnutzer Applikation und beginnt dort langsam den Markt gänzlich zu dominieren (Slack, Discord etc.).

    VLC stellt den GoTo Videoplayer für viele durchschnitts Nutzer dar, und Blender ist ebenfalls 100% Konkurrenz zu proprietärer 3D Software, auch im professionellen Bereich, aus dem ich selbst komme.

    Das sind aufgezählt nicht viele Beispiele, aber doch sehr prominente und gefestigte.

    • Krita scheint sich auch zu entwickeln. Und mit der Godot Game Engine scheint sich auch schön langsam was zu tun, auch wenn das jetzt nicht so ganz typisch Desktop-Applikation ist und jedenfalls nicht für Endnutzer. Aber Audacity verwenden auch viele Endnutzer.

  2. Richard Stallman scheint ihr ja nicht sonderlich zu mögen. Aber, was die kommerzielle Vermarktung anbelangt, schätzt ihr den offensichtlich sehr falsch ein. Stallman ist dafür! Tatsächlich bewerten die Software, die nicht kommerziell vermarktet werden darf, sogar als unfrei.
    https://www.gnu.org/philosophy/selling

    Stallman ist allerdings ein Hardliner in der Ablehnung unfreier Software.

    • Richard Stallman scheint ihr ja nicht sonderlich zu mögen.

      Es geht hier nicht um Sympathie und ob wir ihn persönlich mögen oder nicht ist völlig egal für das Argument, dass Open Source Software, insbesondere Linux von den Tech Giants voran getrieben wird.

      Und wenn Du von „kommerzieller Vermarktung“ sprichst, erliegst du genau der Fehleinschätzung, die ich im Podcast anspreche.

      • Stallman ist in jedem Fall kein Antikapitalist. Ich erinnere deinen genauen Wortlaut nicht, aber das wäre ne falsche Feststellung. Bin nicht mal sicher ob man den grob links einordnen sollte.

  3. Hinter den Klagen gegen die PNR Richtlinie steckt übrigens das Projekt https://nopnr.eu von der GFF und epicenter.works. Unser gemeinsames Ziel ist das Überwachungsgesetz in ganz Europa vor dem EuGH zu Fall zu bringen. Gefördert werden die Klagen vom Digital Freedom Fund.

  4. Ich bin froh, dass es euren Podcast gibt, deswegen will ich nicht allzu kleinkariert rummeckern, but:

    Hab mich etwas über euren Assange-Beitrag geärgert. Ihr bezeichnet Assange (indirekt) als Journalisten, den Urheber des Strache-Videos als Whistleblower und vergleicht dessen Veröffentlichung mit den Panama-Papers und WikiLeaks. Das find ich problematisch, weil:

    1. Anders als Assange sind Journalisten in der Regel in der Lage, ihre Quellen zu schützen.
    2. Anders als Assange veröffentlichen Journalisten das Material von Whistleblowern nicht ungefiltert im Internet – aus gutem Grund. Etwa, um Menschenleben nicht zu gefährden.
    3. Ein Whistleblower ist per definitionem jemand, der Missstände (in der Regel an seinem Arbeitsplatz) öffentlich macht – wie bei den von euch erwähnten Panama-Papers und den von Mannings geleakten Dokumenten des US-Militärs. Die Urheber des Strache-Videos hingegen haben einen Politiker mit geheimdienstlichen Methoden bewusst in eine Falle gelockt, weil sie monetäre und konkrete politische Ziele verfolgten. Insofern sind sie – meiner Meinung nach – vielleicht aktivistische Privatdetektive, aber keine Whistleblower.

    • 3. Ein Whistleblower ist per definitionem jemand, der Missstände (in der Regel an seinem Arbeitsplatz) öffentlich macht – wie bei den von euch erwähnten Panama-Papers und den von Mannings geleakten Dokumenten des US-Militärs. Die Urheber des Strache-Videos hingegen haben einen Politiker mit geheimdienstlichen Methoden bewusst in eine Falle gelockt

      Wenn du den Fall verfolgt hast, dann weißt du, dass hier „Missstände am Arbeitsplatz öffentlich gemacht“ wurden.

    • 1. Anders als Assange sind Journalisten in der Regel in der Lage, ihre Quellen zu schützen.

      Nenn bitte mal eine Quelle die Wikileaks hat auffliegen lassen.

      2. Anders als Assange veröffentlichen Journalisten das Material von Whistleblowern nicht ungefiltert im Internet – aus gutem Grund. Etwa, um Menschenleben nicht zu gefährden.

      Auch hier bist du falsch informiert. Wikileaks hat immer verantwortungsvoll gearbeitet und Namen gefiltert. Es wurden ein paar mal durch Fehler externer Journalisten mit denen Wikileaks zusammengearbeitet hat Daten versehentlich vollständig veröffentlicht. Zudem hat Wikileaks das Pentagon um Hilfe bei rausfiltern von Namen gebeten, dies wurde aber abgeleht (obwohl sie das bei anderen Journalisten in der Regel tun).

      • Trotzdem kein Grund, unbearbeitete Depeschen zu veröffentlichen. Durch die “paar Fehler” wurden – wie gesagt – Menschenleben gefährdet.

        Unabhängig davon, ob WikiLeaks nun direkt dafür Verantwortung trägt, dass Manning in den Knast musste: Dass Informanten der US-Diplomaten in aller Welt bloßgestellt wurden, ist Fakt. Ähnliche Fälle sind mir von (echten) Investigativ-Journalisten nicht bekannt.

        • Wenn man sich nicht wie ein Idiot über andere äußert, muss man sich keine Gedanken machen dass man wie ein Idiot darsteht wenn die Kommunikation verlustig geht. ISt halt wie bei Strache…

    • …also, äh – wenn der Vizekanzler versucht, Landesverrat zu begehen, ist das kein Missstand? Das ist ein Missstand in der Regierung, an dem die Bevölkerung ein starkes Interesse hat. Man will nämlich eigentlich als Bürger eines Landes nicht, dass die Regierung bereit ist, die freie Presse kaputtzumachen.

      Ein Gedanke dazu noch: Eigentlich wäre es ja der Job von Verfaschungsschutz und Co, das aufzudecken. Wer auch immer das Video gemacht hat, hätte das eigentlich über die machen können. (Vielleicht hat er es versucht, werden wir nie erfahren). Der Verfaschungsschutz ist ja besser kontrolliert und legitimiert als ein aktivistischer Privatdetektiv, deshalb ist es besser wenn er das macht. (okay, jetzt ist meine Ironie für heute aufgebraucht). Wenn man sich über die Privatsphäreverletzungen aufregt, muss man mE gleichzeitig einräumen: Hätte der Verfaschungsschutz den Ruf, seine Arbeit zu machen, wäre das nicht passiert. Wenn man es denn schlimm findet.

  5. Zur Europawahl @ Tim:
    Leider ist es in den Niederlanden so, dass zwar die PVV von Geert Wilders stark verloren hat, dafür hat das Forum voor Democratie mit Thierry Baudet 11% bekommen. Ich würde da keine Entwarnung geben.
    2014 hatte die PVV 4 Sitze, nun hat das Forum 3 Sitze. Kein wesentlicher Unterschied, insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass die PVV immer noch 4.1 % bekommen hat.
    Quellen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Forum_voor_Democratie
    https://de.wikipedia.org/wiki/Thierry_Baudet
    https://de.wikipedia.org/wiki/Partij_voor_de_Vrijheid

  6. Guten Tag die Herren,
    als Wahl-Laupheimer muss ich gestehen, dass ich überrascht war, zu hören, dass ausgerechnet hier bei uns derartige “Kunststücke” geleistet werden. Am mangelnden Internet kann es nicht liegen, immerhin versorgt mich eine 16GB Leitung seid ca. Folge 75 mit diesem Podcast.
    Vielleicht liegt es eher daran, dass wir hier tief in CDU Land sind (50% sind hier eher Standard als Ausnahme).
    Die Frage die sich mir stellt ist, warum die hiesige Wahlkommission zu diesem Plan gekommen ist. Aber vielleicht klärt sich das in Kürze, das Thema scheint nämlich auch hier für Interesse zu sorgen.
    Vielen Dank für die vielen informativ, dystopischen Stunden!
    Stefan

  7. Ich bin doch sehr überrascht, dass ihr eine Bevölkerungsgruppe in die Urne stecken wollt, weil euch die Wahlergebnisse nicht passen. Bin über 60 und habe nie CDU gewählt. Soll ich jetzt Harakiri begehen, weil ich vielleicht noch 18 Jahre lebe und CDU wählen könnte?
    Hört Euch den Beitrag “Europawahl” nochmal an und stellt euch vor, ihr seit etwas älter als jetzt.

    • Das bezog sich wohl auf die Forderung der Partei Die Partei. Diese hat das Wahlrecht kritisiert (Wählen erst ab 18) und hat das überspritzt getan mit der Forderung, dass Menschen in ihren letzten 18 Jahren auch nicht wählen sollen dürfen.

      Niemand will, dass sich jemand das Leben nimmt. Wir kritisieren nur, dass Menschen aufgrund ihres Alters vom Wahlrecht ausgeschlossen werden. Wieso darf ein z.B. 16 Jähriger nicht über seine Zukunft entscheiden, ein 90 Jähriger der bald hops geht aber schon (überspitzt!!!). Ich war als Wahlhelfer bei der Wahl dabei. Bei manch einem dachte ich die Person kommt nicht lebend aus der Kabine heraus. Bj 193x war keine Seltenheit.

  8. Öfter habt ihr was gegen Rentner oder verarscht die pauschal. Ich höre Euch seit Folge 180 und bezahle auch regelmäßig dafür. Würde Piraten wählen wenn möglich und hab grün gewählt. Bin 81 und bin sehr oft Eurer Meinung. LNP und LdN Sowie Forschergeist höre ich gerne. Danke. Es gibt Rentnergeister wie Amthor und Leute wie ich.
    Merkt Euch das. Ihr werdet auch mal Rentner.

    • Das Problem ist leider die Demografie. Es geht überhaupt nicht darum ob es auch unter den Rentnern Piraten, Linke oder Tierschutzpartei Wähler befinden. Es geht darum, dass die Altersgruppen im Vergleich zum Rest immer größer wird, leichter zu mobilisieren ist, und einfach aus dem Standpunkt “Früher war alles besser” eher konservativ wählen werden. D.h. der Einfluß der Gruppe Ü70 auf unsere Gesellschaft wird immer stärker.

  9. Huawei ist übrigends auch in anderen Sektoren mit einem immer höheren Marktanteil vertreten.
    Im Markt für PV-Wechselrichter hatten die 2018 einen Anteil von 22%.
    https://16iwyl195vvfgoqu3136p2ly-wpengine.netdna-ssl.com/wp-content/uploads/2019/05/InverterPieEmail-002.jpg
    Aber das ist ein Bereich, in dem US-Firmen nichts mehr zu melden haben.
    Auch hier eine ähnliche Strategie wie für die Mobilfunkausrüstung beschrieben:
    – nicht unbedingt die Top-Leistung aber doch ziemlich gut
    – jede Menge zusätzliche Funktionen ohne Aufpreis wie Analyse-Portal (Cloud) , Kommunikationsschnittstellen, etc.
    – unschlagbar günstiger Preis

    Und die Buddies von Trump kaufen da fein ein:
    https://www.acwapower.com/news/acwa-power-signs-strategic-agreements-with-two-chinese-entities/

    • Noch mehr Zahlen:

      Marktanteile Huawei an Smartphones:
      2012: 4 %
      2013: 4,8 %
      2014: 5,7 %
      2015: 7,4 %
      2016: 9,5 %
      2017: 10,5 %
      2018: 14,7 %

      https://de.statista.com/statistik/daten/studie/917130/umfrage/marktanteil-von-huawei-smartphones-weltweit/ (Premium)

      Bei der Netzwerktechnik ist Huawei mit 28% Marktanteil im Jahr 2017 weltweit Marktführer:

      https://de.statista.com/statistik/daten/studie/73663/umfrage/marktanteile-der-anbieter-von-netzwerktechnik-im-bereich-mobilfunk-weltweit/

      Konzenrumsatz 2018: 42,8 Mrd USD

      24 % Erlösen sie sie mit Netzwerktechnik
      28 % mit Mobilfunkausrüstung

      Die USA haben sich mit Trup keinen gefallen getan, denn die Politik die er betreibt, wird genau das Gegenteil von dem bewirken was er offensichtlich will. China ist technologisch zu weit um den Prozess noch einmal zu bremsen. Während Europa und Teile Südamerikas sich vielleicht erpressen lassen Huawei links liegen zu lassen, sind die Wachstumsmärkte Asien und Afrika auf die Chinesen als Ausrüster angewiesen.

      BTW: Die Mobilfunknetze in den weniger reichen Ländern ist aufgrund von Exportkontrolle nicht mit der bestmöglichen Verschlüsselung der Mobilfunkstandards aufgebaut. Das könnte sich mit dem neuen Protokoll der 3GPP für 5G ändern.

      • Ich finde dass Trump ein Segen für die Welt ist. Endlich wacht die Welt auf und sieht, dass man aus dem bequemen Sessel aufstehen muss und einiges selbst in die Hand nehmen muss.
        Es gibt in China Internetfirmen die Google, Amazon, Facebook, etc. ebenbürtig sind.
        In Russland ist es ähnlich.
        In der EU? Nix. Vielleicht tut sich jetzt etwas. So meine stille Hoffnung.

      • Skype, ASOS, Spotify, Zalando, Klarna, etc. sind nicht gerade klein und es gibt nun nicht nur eine Hand voll mit Milliarden bewertete Unternehmen im EWR. Die Frage ist allerdings, ob man diese denn wirklich haben will. Denn zum einen ist da eine Menge einfach Spekulation in der Finanzwelt (vegl Realwirtschaft vs. Finanzwirtschaft) und zum anderen (wenn man sich beispielsweise Bird, Lime, Uber und Airbnb ansieht) sind die Gesetzgeber dann doch recht zügig dabei sich zu überlegen ob man die Geschäftsmodelle nicht unterbinden oder erschweren kann. Desweiteren sollte man sich darüber im klaren sein dass das Kapital oft nur in den Firmen ist, weil es keine attraktiveren Anlagen gibt die einer bessere Wette auf die Zukunft ermöglichen. Und wenn der blonde Dorftrottel noch weiter Präsident ist und den Chinesen der Kragen platzt, ist recht schnell Ende mit der Einhörnchenzucht.

        Und schlussendlich hoffe ich persönlich darauf dass die Wirtschaft wie sie jetzt statt findet, recht schnell ein Ende findet. Denn all der übermäßige Konsum zerstört nur weiter den Planeten.

  10. Thema Geheimdienste auf Defensive bürsten:

    Recently, the U.K.’s National Cyber Security Centre (NCSC)—which is a division of the GCHQ, the British equivalent of the National Security Agency (NSA)—disclosed a major vulnerability to Microsoft. The company regards this vulnerability, colloquially known as “BlueKeep” but really just CVE-2019-0708, as serious enough to justify providing patches for out-of-support Windows XP and 2003.

    https://www.lawfareblog.com/gchqs-vulnerabilities-equities-process

    Schönheitsfehler: der exploit war bei den shadowbrokers released worden. Rest vom Artikel ist Spekulation zum vulnerability equities process des GCHQ. Publikation hat pro-NatSec bias.

  11. Huawei:
    Ihr habt das Thema Patente nicht beleuchtet.
    Als ich noch bei einem Finnisch-Indischem Netzwerkausrüster gearbeitet habe was dies ein starkes Thema. Es gibt wohl Patentaustauschabkommen zwischen den Firmen weil keine Firma alle für 5G notwendigen Patente hält.
    Wenn jetzt Huawei die Reissleine zieht und Ihre Patente nicht mehr den anderen zur Verfügung stellt, dann steht hier alles still was 5G angeht.
    Klar wir die Goldlocke dann ein Notstandsgesetz verabschieden, was den Amifirmen erlaubt die Patente weiter zu nutzen. Aber in unserem Rechtssystem wird Nokia und Ericsson ein Problem haben.

  12. Ja, aber gerade wenn Großbritannien nicht austritt, müssen wir die Kasper im Europäischen Parlament die vollen fünf Jahre ertragen. :(

    Das mit den Geheimdiensten muss man als Chance verstehen. Bei der Herstellung von Transparenz war man bei Akten gedruckt auf deutsche Eiche (oder so) als elektrifizierter Hacker bisher außen vor. Mit dem Einstieg ins Hackback kann man jetzt endlich für Transparenz über die geheimdienstlichen Aktivitäten mitsorgen. Es ist praktisch eine staatsbürgerliche Herausforderung das bundesdeutsche APT ausfindig zu machen, bei all seinen Irrfahrten zu begleiten und in der Heimat davon Kunde zu geben.

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