LNP408 Führung in der Wurstfabrik

Flyerservice Hahn — Wahlhelfer und Wahlbeobachtung in Berlin — Bundestagswahl 2021 — ID Wallet — Frag den Staat und Frontex — Kein Congress 2021

Die Bundestagswahl ist durch und wir berichten von der Berliner Wahlfront, an der sich Tim und Linus als Wahlhelfer und -beoabachter betätigt haben und von allerlei Gutem und einigem Chaos berichten dürfen. Wir preisen den Flyerservice Hahn, der korrekt abgeliefert hat und blicken ein weiteres Mal auf die nächste Digitalpeinlichkeit der ausgehenden Bundesregierung namens "ID Wallet". Am Schluss noch schlechte Nachrichten: auch in diesem Jahr wird es keinen Chaos Communication Congress als Präsenzveranstaltung geben.

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Linus Neumann
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Tim Pritlove

Für diese Episode von Logbuch:Netzpolitik liegt auch ein vollständiges Transkript mit Zeitmarken und Sprecheridentifikation vor.

Bitte beachten: das Transkript wurde automatisiert erzeugt und wurde nicht nachträglich gegengelesen oder korrigiert. Dieser Prozess ist nicht sonderlich genau und das Ergebnis enthält daher mit Sicherheit eine Reihe von Fehlern. Im Zweifel gilt immer das in der Sendung aufgezeichnete gesprochene Wort. Formate: HTML, WEBVTT.


Transkript
Tim Pritlove
Guten Morgen Linus.
Linus Neumann
Guten Morgen Tim.
Tim Pritlove
Sag mal, jetzt so nach der Wahl, hättest du nicht ein paar politische Schönheitstipps für mich.
Linus Neumann
Ja, die sind doch alle auf dem Flyer. Hast du den nicht bekommen?
Tim Pritlove
Logbuchnetzpolitik Nummer 408 vom 4. Oktober 221. Der, Nationalfeiertag liegt hinter uns und auch die Wahl, die weiß ich nicht äh. Auch so ein Nationalfeiertag war, auf eine bestimmte Art und Weise vielleicht auch nicht. Äh würde ich sagen, werden wir auf jeden Fall heute nochmal äh drüber reden.
Linus Neumann
Ja und äh du möchtest bestimmt auch nochmal wieder einen HTTP Fehlercode kurz berichten, oder?
Tim Pritlove
Ja, weil wir ja äh die Nummer 408 am Start haben und ihr wisst ja, euer kleiner Exkurs. Und das ist eigentlich auch was sehr schönes. Ich äh bin ja auch ein großer Freund vom äh Time-out oder auch Tim Out, wie manche Leute sagen. Und 408 request time out dass äh passiert, wenn wenn der Server die Hoffnung in dich verliert irgendwie, wenn irgendwie nix mehr passiert und die Beziehung so ein bisschen abeppt und äh dann dich auf und drop dich.
Linus Neumann
Deine deine Anfrage ist nicht mehr vollständig geworden, ne?
Tim Pritlove
Ja oder kommt nicht mehr und so weiter, das geht dann irgendwie so hin und her und dann die. Ist jetzt mal äh wird nicht weiter beantwortet so. Und irgendwie passt es ganz gut in die Zeit, habe ich so den Eindruck, weil da gab's dann irgendwie noch so einen anderen Request, der auch irgendwie nicht so die richtige Antwort bekam.
Linus Neumann
85 haben nicht die Antwort bekommen, ja? Eine also eine Aktion des Zentrums für politische Schönheit, die äh mal wieder, ihresgleichen sucht, was haben die getan? Die haben eine Webseite gebaut und haben dort eine ein fiktives Unternehmen, präsentiert und zwar den Flyerservice Hahn. Der Flyerservice Hahn hat es äh hat tatsächlich insgesamt fünfundachtzig AfD, verbänden, ja? Ähm. Den den Auftrag abgerungen, Flyer zu verkaufen, äh zu verteilen. Diese Flyer summierten sich in der Summe auf, Fünf Millionen Flyer, äh die laut Angaben des ZPS insgesamt ein Gewicht von 72 Tonnen haben und die haben, quasi von all diesen Ortsverbänden diese Flyer sich dann zusenden lassen aus der Druckerei zum Verteilen, und äh haben die dann einfach nicht verteilt. Was äh ja schon schon. Ziemlich, ziemlich mutig ist. Ähm vielleicht muss man dazu noch sagen, so üblicherweise ähm haben es Parteien nicht unbedingt nötig Flyer, Verteiler zu engagieren und diese zu bezahlen, weil das Fußvolk der Partei. So etwas ja dann selber macht und freiwillig macht, ne? Dafür hast du ja Parteimitglieder, damit die äh Beiträge zahlen, damit du da deine Infrastruktur für die Partei unterhalten kannst. Und damit ihr am, damit die äh in der die Wahlplakate aufhängen. Damit die Flyer verteilen und irgendwie die Werbetrommel für dich rühren. Aber die AfD hat da offenbar äh ja insgesamt, immer nicht so eine so eine so eine Mitwirkungs ähm Motivation, die haben ja eher so eine Meckermotivation und insofern haben sich hier offenbar diese Leute dazu entschieden, eine externes Unternehmen zu beauftragen, Ich finde die Aktion, also ich meine, die ist halt schon. Echt mutig, weil da glaube ich auf jeden Fall so einige und ich bin ja jetzt wieder kein Anwalt, ne, aber ich glaube, das darf man nicht.
Tim Pritlove
Könnte sein. Kann Spuren von Illegalität enthalten.
Linus Neumann
Weil also die haben ja da dieses Unternehmen äh das gab es eben gar nicht, ne. Also es ist irgendwie.
Tim Pritlove
Vortäuschung von irgendwas.
Linus Neumann
Genau, aber wahrscheinlich wär's jetzt auch nicht unbedingt besser gewesen, wenn's das Unternehmen gegeben hätte, weil am Ende haben sie ja hier Aufträge. Also Angebote gemacht und Aufträge erhalten in im Rahmen sagen wir mal in einer ganz normalen, geschäftlichen Tätigkeit, die sie da vorgetäuscht haben und in diesem Fall eben ja vorsätzlich vorgetäuscht haben, mit dem Ziel, diese ähm. Diese Flyer niemals auszuteilen. Und das ist, denke ich, schon, wenn man das jetzt juristisch betrachtet, glaube ich, sind da so Sachen wie Betrug und Vorsatz ähm durchaus ähm. Nennenswerte Kategorien, ja. Gleichzeitig ähm, kommt dann wahrscheinlich auch noch Sachbeschädigung hinzu, weil sie diese Flyer ja jetzt auch nicht zurückgegeben haben, ne, sondern weiß nicht, haben die ja letzte Woche irgendwann einen Container aufgestellt und die Leute dadrin baden lassen.
Tim Pritlove
Oh Mann ey.
Linus Neumann
Also ich bin ich und ich ich was ich mich wirklich frage ist, also diese ZPS-Aktionen haben ja immer. Hm, also, was, was die halt besser machen als alle anderen Kommunikationsgerät Gruppen ist, dass die ja quasi so 'n zweiten und 'n dritten Akt noch drin haben, ja? Der noch kommen wird. Und jetzt ist halt die Frage, was macht die AfD jetzt damit, ja? Sagen die okay, fuck it, wir klagen die in Grund und Boden, übersehen die mit Strafanzeigen und zivilrechtlichen Klagen, was was auf jeden Fall eine Möglichkeit ist, ja? Gleichzeitig hast du ja dann auf jeden Fall noch jahrelange Bericht, Gerichtsprozesse, ja, die die stattfinden, wo jedes Mal dann berichtet wird. Das ZPS hat die Flyer von der AfD weggeworfen, ne. Ähm das heißt, es könnte natürlich sein, dass die AfD versteht, okay für die paar tausend Euro Schaden, die wir da jetzt hatten, äh können, könnten wir uns jetzt jahrelang zum Gespür der Leute machen, Es kann aber auch sein, dass die AfD auf die Dummheit ihrer Wähler zählen kann ähm und dann sagt, na hier, das ist eine Wahlmanipulation und ein Angriff und das sind hier äh Verfassungsfeinde und hast du nicht äh gesehen. Und daraus halt tatsächlich noch ein ähm, zumindest politisches Kapital ziehen könnte. Wie würdest du das denn sehen?
Tim Pritlove
Also ist beides möglich. Ich weiß ja jetzt nicht, was das ZBS noch so im äh Köcher hat, so, ne? Kann durchaus sein. Ich meine, in diesem tollen politischen Schönheitstipps-Video, was sie dazu veröffentlicht haben, was wenn ihr das nicht gesehen habt, die euch unbedingt anschauen solltet, weil also allein dafür ist es schon äh hat sich die Sache schon gelohnt. So äh ging das ja sogar soweit, dass es dass sie's ja sogar, also sie haben ja auch beschrieben, wie sie das überhaupt geschafft haben, ja, also wie einfach es in gewisser Hinsicht war, der der AfD äh sich da als Geschäftspartner aufzudrängen was, im Kern will ich das mal kurz zusammenfassen darf. Du musst die einfach nur loben und preisen irgendwie und geil finden öffentlich so und dann dann, dann, dann denken die sich sofort ab und geben dir irgendwie ihr ganzes Geld. Also sind auch echt ganz schön ganz schön doof drauf, Ähm und die haben's ja dann sogar geschafft, so Leute auch dann so in den inneren Kreis einzuschleusen. Also das Video deutet das zumindest an und zeigt und so weiter, ne. Äh kann natürlich auch sehr wohl sein, dass in dem Zuge auch noch Informationen gewonnen werden konnten von der die AfD jetzt auch nicht unbedingt möchte, dass sie noch weiter an die Öffentlichkeit gezogen wird. Also ist schwierig. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das alles von der Kunstfreiheit gedeckt ist, aber was mich betrifft, äh passt das irgendwie alles soweit erstmal.
Linus Neumann
Was sehr, also man sollte, das muss man sich wirklich auch alles auf der Zunge zergehen lassen, auf dieser Webseite gibt es auch so ein schönes Testimonials, ne. Das sagen unsere Kunden. Irgendwie so gemäß Auftrag hätten 10.000 Flyer in der Woche vom 6.9. bis 19 verteilt werden müssen. Dies ist nicht geschehen. Ich habe am Montag, den 1309., wieder 10.000 Flyer zur Verteilung in Neu-Isenburg bei der Spedition angeliefert. Ich ich kann nur sagen, dass ich von Kreisverbänden gehört habe, dass ihre Firma unter der angegebenen Adresse keine Räumlichkeiten hat und AfD D-Flyer an der einen Adresse eingeliefert wurden, die dann von einem Herrn im Sportwagen abgeholt wurden, Wir haben jetzt zum Beispiel auch irgendwie sowas Flyer zur Verteilung in Schleswig-Holstein, haben die sich erstmal nach Mainz liefern lassen.
Tim Pritlove
Ist doch schön teuer ist.
Linus Neumann
Also äh ja, wo wirklich sehr schön und man kann also genau dieses Video sollte man sich auf jeden Fall anschauen. Und ähm, also klar sammeln die jetzt Geld. Das ist also die brauchen jetzt auch Geld, weil die garantiert äh also rechtliche Probleme haben, ne.
Tim Pritlove
Aber da gibt's dann sehr schöne äh dafür, ne. Also ähm so Feuerzeuge vom Flyerservice Hahn oder passender Aufkleber. Das Ding ist halt auch innerhalb kürzester Zeit auch schon so zu einem seinem eigenen Mehm geworden, der, FC St. Pauli hat's ja nicht nehmen lassen bei seinem Heimspiel gegen ausgerechnet Dresden irgendwie hat er Bandenwerbung mit der FC Sankt Pauli grüßt Flasche Service Hahn zu werben. Wirklich großartig.
Linus Neumann
Ist wirklich, also das das ist auch so unglaublich geil, ja. Also das ist, naja, also in Flyerservice, Hahnshirt, will man schon haben, ja, oder ein Käppi, äh und na ja, alles nicht, alles nicht günstig, klar, ne? Äh es gibt auch noch ähm. Also wer 1tausend Euro spendet, äh kriegt den Perk Weihnachten mit Höcke, Äh da war kann man, also darf man ja nicht vergessen, das Zentrum für politische Schönheit ist ja immer noch Nachbarin von Bernd Höcke. Und die haben immer noch, diesen Holocaust-Mahn mal nachbaut, bei dem vor der Haustür gestellt, ne? Das sind einfach Dinge, die laufen weiter so, ne? Das ist jetzt schon Jahre her, aber der Mietvertrag ist da so günstig, in Bornhagen oder was, ja? Ähm.
Tim Pritlove
Die kriegen die da nicht rausgeklaut.
Linus Neumann
Die Versuche des Vermieters, die da rauszuklagen sind halt an Inkompetenz gescheitert, in der wievielten Instanz, ja, so dass die dann paar hundert Euro halt weiterhin diese Hütte haben. Jetzt weiß ich allerdings nicht, also. Weihnachten mit Höcke ist halt so eine Sache, ne? Also ich meine ich kann mir auch vorstellen, dass das halt ne. Also ich sag mal würde ich nicht, würde ich nicht, würde ich mir nicht jetzt für 'n romantisches Weihnachtswochenende zu zweit auswählen, sondern da würde ich vielleicht eher mit der, mit dem größeren Freundeskreis anreisen und, und zur Sicherheit ein paar Hunde dabei haben oder so, ne, weil das ist ja so eine Fackelträger äh so ein Fackelträgerdorf, da muss man vielleicht ein bisschen vorsichtig sein. Aber äh ja sehr. Schön. Also dass das äh so diese den Mut aufzubringen, ja, das durchzuziehen finde ich halt echt äh. Einfach nur einfach nur geil. Ja, tolle, tolle Aktion. Wahrscheinlich, wahrscheinlich die. Coolste äh politische Aktion, seit sehr langem. Ja, also mir fällt lange nichts mehr ein. Jetzt kann natürlich auch, okay, jetzt geht's natürlich los so, ja, war das jetzt, ist es irgendwie, ne? Wurde diese Partei jetzt ihrer ähm. Ihrer Wahlwerbung beraubt und hat die, wo die deswegen nicht gewählt, nee, das denke ich nicht. Also, dass, äh, ich mein, wer jemals wegen eines Flyers gewählt hat oder nicht gewählt hat, äh, ja, müsste schon ziemlich dumm sein, aber gut, jetzt, AfD.
Tim Pritlove
Da werde ich mir jetzt nicht so sicher. Also das das das ist schon so ein Instrument der der Empörungskultur, die dieser Laden betreibt, ne? Das ist jetzt sicherlich, hängt nicht alles da dran. Viel ist das, was über die Medien abstrahlen und das hat sicherlich nochmal eine sehr viel größere Wirkung, aber man unterschätzt auch schnell diese Mobilisierung über Kanäle, die wir ähm sagen wir mal auch mit so einer intellektuellen Brille oft so ein bisschen übersehen. Es ist so ein bisschen wie mit diesen Wochenzeitungen. Meine, du schmeißt die auch gleich weg, ja.
Linus Neumann
Nee, ich ich haue den Typen kaputt, wenn der die mir im Briefkasten steckt. Der ist ein großes Schild dran, dass ich.
Tim Pritlove
Keine Gewaltandrohungen aller Öffentlichkeit auf jeden Fall äh sagen wir mal so ähm dies äh, du denkst dir jetzt nicht so, oh Eine Zeitung, mal schauen, was da Interessantes drinstehen könnte. So und man entsorgt halt auch gemeinhin auch den ganzen anderen Spam, der eben über diese Kanäle äh so kommt, weil es sich halt eigentlich im Wesentlichen immer um Werbung handelt. So Aber warum gibt es denn diese Wochenzeitung dann überhaupt noch, wenn angeblich alle die wegwerfen? Ne? Und das ist halt das Problem äh generell.
Linus Neumann
Für uns gar nicht mehr. Ich müsste mal gucken, also entweder haben meine wiederholten, nicht Gewalt an Drogen, aber freundlichen Erinnerungen, dass ich diese Zeitung nicht haben möchte, gewirkt, dass der dass die bei uns im Haus nicht mehr verteilt wird.
Tim Pritlove
Ja gut, aber ich meine, das ist halt. Das musst du dann halt auch schon aufbringen, ne? Und bei anderen Leuten verfängt das halt einfach und da wird wird das gelesen. So und es wird Werbung gelesen und es wird Werbung auch geguckt und angeschaut auch im Fernsehen.
Linus Neumann
Und Zeitung lesen.
Tim Pritlove
Ich sage ja nur.
Linus Neumann
Du hast Recht, die wirken. Das, du hast Recht und ich weiß, dass sogar tatsächlich ähm dass ich mal mit äh, mit Einzelhändlerinnen gesprochen habe so in in dem Bereich, in dem ich wohne, ohne dass äh so über Werbemöglichkeiten wir uns da unterhalten, aber das ist jetzt auch über zehn Jahre her, ne? Aber da kamen dann tatsächlich die äh der die Perspektive auf, dass sie sagt, naja, sie hätten vieles probiert und dass das aber wirklich wirkt, in diesem ja kostenlosen Kiezzeitungen, ja? Das, die die machen natürlich auch also deren Angebote sind ja schalte eine Anzeige für was weiß ich, die nächsten drei Ausgaben und äh du bekommst einen redaktionellen Beitrag dazu, ne, dann kommt noch eine kommt eine Journalistin vorbei, macht ein Foto und schreibt einen tollen Text über deinen Laden, ne, also so die arbeiten wir auch mit allen die jetzt, sage ich mal, in äh gemeinhin äh nicht, nicht betrachtet würden oder nicht in Betracht geben. Also Vermischung von redaktionellen Inhalten und Werbung, aber ähm. Ja, da da weiß ich tatsächlich, dass die äh als als einzig wirksame Werbemethode wahrgenommen wurden von den Einzelhändlerinnen.
Tim Pritlove
Ja, das war also eine sehr äh schöne äh Aktion. Nicht ganz so eine schöne Aktion war dann die Wahl in der letzten Woche zumindest, was die Situation in Berlin betrifft, wo sich unsere Hauptstadt mal wieder ähm, seinen Ruf verteidigt hat. Als Zentrum des allgemeinen Chaos und äh Verwaltungstechnischer, negativer Höchstleistung. Du warst ja Wahlhelfer, wie wir denn noch kurzfristig erfahren haben. Ich äh, mich dann ähm an dem Tag noch kurzfristig in den Dienst der Wahlbeobachtung äh gestellt, nachdem ich gemerkt habe, dass ähm bei dem Wahllokal, wo Ich hätte äh wählen sollen, auch irgendwie eine sehr lange Schlange stand. Ich konnte dann Gott sei Dank auf ein anderes Wahllokal ausweichen, weil ich mir zuvor schon, Briefwahlunterlagen habe zuschicken lassen, die aber nicht per Post abgeschickt habe, sondern lediglich diesen Wahlschein dann genommen habe, um dann. Dann kann man nämlich in jedem Wahllokal innerhalb des Wahlbezirks wählen, wie ich dann erfuhr und so muss ich dann eben nicht in dieser langen Schlange stande, aber stand da so und dachte mir so, irgendwas schief, so was kennst du doch gar nicht. Also das waren so zwei, drei Leute irgendwie davor stehen, klar. Dass durch Corona irgendwie da ein bisschen mehr Prozedur da vorne ist. Aber es nahm ja da nicht ab und dann bin ich irgendwie am gegen Abend noch mal dahin gefahren. Die Schlangen wurden halt immer noch länger dachte ich mir so, okay, alles klar, den Prozess, den schaue ich mir jetzt mal genauer an. Ja und zu dem Zeitpunkt und dann sprach sich das ja auch schön rum, dass das jetzt nicht nur äh hier in meinem Wahllokal so war, sondern an ganz vielen Stellen in Berlin eine ganze Menge schief lief, nicht nur, dass äh es dauerte, weil zu wenig Wahlkabinen aufgestellt wurden, sondern es kam dann auch noch so Korken dazu, dass. Keine Wahlzettel mehr verfügbar waren, so die waren dann halt nicht vollständig. Entweder fehlten alle oder es fehlten einige und dann gab's auch mal Wahllokale, wo einfach die falschen ausgegeben wurden, womit dann 70 Prozent aller Stimmen ungültig waren und so. Also es nahmen überhaupt gar kein Ende. Am Ende bei unserem Wahllokal standen sie dann irgendwie noch um 81 Uhr 45 in der in der Schlange. Um 8zehn Uhrdreißig kam irgendwie noch mal eine Bullenwatte vorbei und brachte nochmal ein paar Walzzettel, damit's auch reicht. Es ist wirklich ein totales äh Chaos. Wie ist es denn bei dir gelaufen?
Linus Neumann
Du musst nur ganz kurz sagen, das wird also falsche Wahlzettel haben in Berlin 30.000 Menschen bekommen, wenn ich das richtig gesehen.
Tim Pritlove
30tausend0 oh Gott.
Linus Neumann
30.tausend sind in Wahllokal gekommen, hallo, herzlich willkommen zur Wahl, hier ist ihr Zettel, zack, haste gewählt, gehst du raus, packen die nachher Zelt aus und falsch, ungültig, ne?
Tim Pritlove
Haha. Gearsch.
Linus Neumann
Sorry.
Tim Pritlove
Viele Grüße vom Wahlservice Hahn.
Linus Neumann
Und aber das Krasse ist natürlich, Tim, ähm da haben wir natürlich jetzt auch, haben wir so viel drüber gerätselt, äh. Merkst du das nicht, ne? Und nee, merkst du nicht, glaube ich auch, weil also doch du merkst das, du hast ja eventuell, also wenn du ein bisschen, wäre ich in der Situation gewesen, ich bin mir relativ sicher, die mir zum Beispiel die Direktkandidatinnen meines Bezirkes zu kennen. Ja, also ich weiß, wer hier für für die Grünen, für die Linke, äh, angetreten ist, so, naja, da hätte ich mich wahrscheinlich schon gewundert, wenn die nicht auf dem Zettel stehen für die Bundestagswahl. Wenn wir hier in äh Bezirksverordnetenversammlung oder Abgeordnetenhaus gehen, da hätte ich das schon nicht mehr gewusst, ja. Das waren ja die anderen beiden, Stimmen, die oder die anderen drei Stimmen die Berliner abgeben mussten, das heißt da hätte ich's auch nicht gemerkt. Und jetzt kommt der Punkt, wenn ich's gemerkt hätte, stelle ich mir halt auch die Frage, ich dann in dem Wahllokal wirklich gesagt hätte, Entschuldigung, kann das sein, dass sie den falschen Zettel mir gegeben haben? So weißt du, wenn ich irgendwie um um sechzehn Uhr wählen gehe und denke so, hm, hier sind, das wird ja hier von Profis gemacht, ne. Die werden wir jetzt nicht den falschen Zell ergeben. Ich halte mal lieber die Fresse, bevor mich das ganze Wahllokal auslacht, weil äh weil mir weil ich weil ich nicht wusste, wer hier aufm Zelt stehen soll, ne. Insofern, ja, kann ich mir schon sehr gut vorstellen, dass dass so etwas halt dann. Passiert, ne? Das ist, dass es niemandem auffällt. Äh, wirklich faszinierend, kannst ja, also krass, krasse, krasse Geschichte, darf natürlich nicht passieren. Wer jetzt gefragt, okay, wie war meine Erfahrung? Äh wir erinnern uns, ich hatte ja schon, also ich hatte ja schon so ein komisches Gefühl, weil ich ja, ich wurde ja am 18. September, also ein paar Tage vorher, äh, per E-Mail so E-Mail mit einem angehängten PDF noch verpflichtet als Wahlhelfer zu wirken, ja? Ähm ich meine Rolle war die äh das ist die beste Rolle, die man haben kann, habe ich dann jetzt auch verstanden. Hilfskraftbriefwahl, ja? Hilfskraftbriefwahl ist das, was du möchtest, weil ähm, Du musst nicht irgendwo um um sieben Uhr im Wahllokal sein, ne? Du hast kein äh Menschenkontakt und Hilfskraft bedeutet eben auch, ne, relativ wenig Verantwortung. Äh insofern Hilfskraft Briefwahl ist genau das, was man haben möchte, wenn man zumal wenn man's zum ersten Mal macht. Ähm. Wie war meine Erfahrung? So, da stand drin, sei um 14 Uhr an dieser und jener Schule. Ja gut. Dann bin ich da äh hingeeilt und war schon so ein bisschen äh ich war also drei, vier Minuten zu spät, ne? Und da habe ich so gedacht, oh scheiße peinlich, ey. Jetzt kommst du da unpünktlich an, du kommst als letztes. Es ist schon mal irgendwie, machst du schon mal schlechten Eindruck, ne? Und dann komme ich halt an dieser Schule an, deswegen Kreuzberg, Karl von Osjetzki Schule hieß die, ähm eine relativ große Schule. Ich würde jetzt mal sagen, vom Gebäude her durchaus so wahrscheinlich ein paar tausend Schüler, würde ich ja also, war auf jeden Fall ein großes Schulgebäude, ne. Oh, er kommt da so an, stehen da irgendwie so äh Steht da so einer, wo sich so fünf, sechs Leute um den versammeln? Sagst du, ja hallo, ist hier Wahl oder so? Sagt er, ja muss, musstest du zu der und der Schule? Ich sage, ja, sagte, ja, okay, ein ein Schulhof weiter, geh mal dahinten hin, da wirst du das dann schon sehen. Ja gut, dann gehe ich dahin und, Ist also auf diesem Schulhof stehen so, ich kann jetzt nicht so gut schätzen, aber ich würde mal so sagen, zweihundert Leute, vielleicht auch dreihundert auf diesen Sulo verteilt. Stehen da so ohne erkennbare. Ohne erkennbares Ziel, ja? Und ich dachte erst so, na, ob das jetzt Wähler sind oder die haben schon gewählt und jetzt rauchen die noch eine, ne? Teilweise so Hände in der Tasche und so und dann habe ich so zu allem hin. Ich sage so, hör mal. Was ist das hier, ne? Wartet ihr auf irgendwas oder. Ne, weil was ist deine Rolle hier? Ja, nee, ich bin Wahlhelfer. Ich sollte um vierzehn Uhr da sein. Ich sage, ja, okay, ich auch, ne? Und dann habe ich irgendwie, aber der der war der kam keine Bewegung rein, so passierte nichts, ne. Dann habe ich irgendwann hier von meinem Wal, Lokal für oder von meinem Wahlbezirk, für den ich da ja eingeteilt war. Also ich hatte quasi eine Vorladung für äh, eine Einberufung für was weiß ich dieses, also irgendwie fünf A oder was äh in der äh Karl von Osjetzki Schule, und der Typ hatte mir ja dieser dieser von meinem ursprünglichen Wahldingen da, der hatte ja eine Mail geschrieben, Von dieser Web DE, E-Mail-Adresse und da habe ich äh hat da hatte deine Handynummer drin und da habe ich da mal angerufen und da habe ich gesagt, hör mal, äh Kollege, ne, ich sollte 41 Uhr da sein, ich bin hier deine Hisskraft. So.
Tim Pritlove
Wie sieht's aus?
Linus Neumann
Und jetzt pass auf. Also das war jetzt so, da war's jetzt schon so vierzehn Uhr dreißig, würde ich sagen oder vierzehn Uhr fünfundvierzig, ne? Ja, sagt er, äh ja, also er wäre jetzt äh in dem Raum drin und äh ich sollte mal gucken, ob ich dahin komme. Ähm allerdings, wer er jetzt auch nicht mehr in der Lage mir zu beschreiben, wo der Raum ist, Und ähm ich sollte doch am besten mal gucken an dem einen Eingang da steht so eine Frau mit einem Plan. Und die hätte ihm gesagt, wie er dahin kommt und da soll die eigentlich einfach auch mal hingehen, ja? So, der Mann hatte Recht, ja? Hinter also so auf einem anderen Teil dieses Schulhofes vor einer anderen Tür stand eine Frau, äh die hatte so. Ich würde sagen, so fünf, sechs a drei Blätter, die waren oben aneinander getackert und mit denen konnte die, wo was ist. Die konnte, die hatte quasi so ein Gebäudeplan, ne? Und da konnte die dann, wenn die sagt, dass äh hier ähm. Da hat man dann angestanden, da war so eine Schlange von, sagen wir mal. Also die Schlange war immer so zwischen würde ich sagen 40 und und 60 Personen.
Tim Pritlove
Vor dieser Frau.
Linus Neumann
Vor dieser Frau, ja, aber die wurde ja aber auch relativ zügig abgehandelt, weil jede einzelne Person sagt dir ja nur, was weiß ich vier V. Äh und dann guckte die Frau auf den Plan, den man natürlich auch hätte aushängen können, ja, wo das ist und sagte dann so, ja, gehst du mal da lang und so, ne? Deswegen, also jede Person, wo du da so, ja, ungefähr dreißig Sekunden behandelt, ja? So, Habe ich mich in diese Schlange gestellt. Ich hatte übrigens auch hier äh äh Kathrin Röneke noch getroffen, die auch ähnlich erfreut war über die äh über diese Planlosigkeit, die da äh stattfand. Saßen wir da in. Standen wir da so in der Schlange und dann kam immer wieder mal so Leute diese an der Schlange vorbeiging und sich nach vorne drängelten, ne? Und dann die anderen protestierten dann natürlich auch und sagten so, ey, Entschuldigung, wir stehen hier alle an und die Leute, die sich da vordrängelten, meinten so, ja, tut mir leid, ich bin Wahlhelfer. Und dann alle so, Wir auch ja? Und die diese Leute dachten halt und das so, so blöd, wie da alle standen und planlos, dachten die halt, das dachte ich ja auch, dass dass Wähler sind, ne, dass die Leute anstehen um zu wählen.
Tim Pritlove
Gemeines Wahlvolk.
Linus Neumann
So und das waren aber jetzt halt hunderte Wahlhelfer, die nicht wussten, wo sie hin sollten. So, in einer lösbaren Situation, ne? Du hättest nämlich einfach fucking ausschildern müssen. So, gut, jetzt war ich irgendwann bei dieser Frau dran, ne, die da sehr tapfer ein ineffizienter Prozess, da sind hunderte Menschen, ja. Und die fragen einzeln, ja? Ähm und da äh sagte ich so, ja hier, ich muss zu fünf haste nicht gesehen und dann sagt sie so, ja okay, dann fingen sie da an zu rascheln, guckte erst so und dann ah okay, das ist in dem und im Gebäudeteil und dann sagte sie, ja, pass auf, also das ist hm. Ja, pass auf, geh mal am besten da hinten durch die Tür rein, ne und dann gehst du mal in den ersten Stock und dann musst du einfach nochmal gucken, Das war die Auskunft.
Tim Pritlove
Fast eine halbe Stunde angestanden hast.
Linus Neumann
Für dich eine halbe Stunde angestanden habe. So, es, es waren am Ende wirklich kein Scheiß. Es war fünfzehn Uhr dreißig, als ich letztendlich in meinem in meinem äh Briefwahlbezirk da angekommen bin.
Tim Pritlove
Hm
Linus Neumann
Es war dann noch die Situation, dass als ich in dem ursprünglichen, für den ich geladen war, war dann so eine äh junge Frau, die sagte, ja hör mal, ich bin hier mit meiner Freundin, wir wollten das zusammen machen. Die ist hier in diesem anderen Briefwahlbezirk, ähm wäre das für dich okay zu tauschen, Ne, dann also äh zählt's halt einen anderen Bezirk aus und wir können das zusammen machen. Da habe ich gesagt, ja, ist doch gar kein Thema. Bin halt einfach nochmal, habe dann quasi nochmal Wahllokal gewechselt, ja? Ähm. Da war ich um mit mit fünfzehn Uhr dreißig, anderthalb Stunden Verspätung, aber noch einer der ersten. Da waren. Und du hattest jetzt eine Situation, dass also während ich noch unten stand bei der Frau in der Schlange, ja? Sah ich schon vereinzelt so Leute, über diesen Schulhof laufen, die hatten so einen die hatten den gesunden DIN A4 Blatt irgendwo gefunden, ja? Und hatten hinten drauf mit Buntstift, so mit hellblauem Buntstift, den sie da in der Schule gefunden hatten. So, was weiß ich. 6G drauf geschrieben, was jetzt ihr Wahlbezirk war und liefen dieses Schild hochhaltend mit suchenden Gesicht über diesen Schulhof, um ihre Hilfskräfte zu finden.
Tim Pritlove
Wie so eine Touristengruppe in Rom irgendwie.
Linus Neumann
Aber mit so einem ganz weißt du, mit so einem scheiß Buntstiftchen gemalt, so Wachsmaler, so, ne? Und und lief, wie lange? Und du dachtest so, das kann doch nicht wahr sein. Es kann einfach nicht wahr sein. So dann dann muss ich aber sagen, so okay, fünfzehn Uhr dreißig waren wir da. Jetzt hatte ich großes Glück, einen äh Wahlvorstand zu haben. Äußerst äh kompetent total fitte Leute. Ähm unsere Wahlvorstände hatte das jetzt, glaube ich, auch schon, die machte da zum vierten Mal, weil jetzt aber erste Mal vorstand, die Wahl enorm gut vorbereitet, ihre Schriftführerin und ihre Beisitzerin auch, das waren so richtig also super organisierte Leute, die ähm ne, die Prozesse kurz erklärt haben und dann muss ich auch noch dazu sagen, wirklich, alle Leute, die da waren, ähm fit, intelligente Leute, ja? Nicht irgendwie Handy in der Tasche, sondern die haben alle so gesehen, okay, wie läuft hier der Hase, wie kann ich, Was kann ich schon mal vorbereiten? Äh hier ich habe gerade nichts zu tun. Ich fange schon mal das an oder so, ne. Ähm wirklich äußerst fit, dieser Auszählvorgang war auch wirklich sehr. Ähm sehr interessant. Also du musst es ja erstmal, du kriegst ja die roten Umschläge, da drin ist der Wahlschein und dann der blaue Umschlag. So, jetzt gab es aber natürlich Unterscheidung in, nur Bundestag wählen darf nur Bezirksverordnetenversammlung wählen und so ne also es dürften nicht alle alles wählen wie gesagt wir hatten in Berlin.
Tim Pritlove
Vier Wahlen im Prinzip gleichzeitig.
Linus Neumann
Genau, mit insgesamt sechs Stimmen, ne? Erst- und Zweitstimme Bundestag, dann BVV und AGH, eine von beiden waren auch nochmal zwei Stimmen. Und dann bist du bei fünf und dann hattest du noch äh Volksentscheid deutsche Wohnen enteignen. So und jetzt ähm. Dieser Ausziehprozess ist auch tatsächlich sehr interessant. Ähm. Und zwar ich mache das jetzt mal nur am Beispiel der Bundestagswahl. Also er, erstmal packst du die, packst du die aus, dann musst du die Wahlscheine äh sammeln und die müssen sortiert werden nach wer darf was wählen, weil daraus ergibt sich ja dann am Ende die Gesamtanzahl der möglichen, abgegebenen Stimmen, ne? Halt irgendwie so und so viele Wahlscheine, nur BVV, so und so viele Wahlscheine, alles und so weiter und dann weißt du quasi, okay, so und so viele Stimmen erwarten wir jetzt. Ähm.
Tim Pritlove
Ganz wichtig ist Korrektiv, um am Schluss immer wieder überprüfen zu können, dass man nichts vergessen hat.
Linus Neumann
Ja oder nicht einer zu viel drin war, ne? Das ist tatsächlich äh na ja und dann äh genau, das das mussten wir erstmal alles auspacken und dann ähm. Da musst du auch die roten Umschläge beibehalten, weil am Ende musst du natürlich musst du theoretisch in der Lage sein, die Umschläge nachzuzählen, ob du dir auch wirklich alle aufgemacht hast und so. Ähm oder ob dir da einer, ne, zu viel, das, also es muss alles immer passen. Dann hast du natürlich auch solche Leute, die dann ähm. Hör mal, wie war da ein Fall, die hatte halt den Wahlschein und den ähm. Den die äh die hatte quasi offenbar ihren Wahlschein da reingelegt, hatte den blauen Umschlag schon zu und hatte aber jetzt hier die den Volksentscheid vergessen und hat den aber dann noch offen mit in den Umschlag getan, ne? Und da war dann jetzt zum Beispiel so ein Fall, da das sind dann so Beschlusssachen, da muss dann der Wahlvorstand eben gemeinsam nach Regularien entscheiden, was machst du jetzt mit dieser Stimme, ne? Ist jetzt nur diese Volksentscheidstimme ungültig, oder ist der gesamte Umschlag ungültig, ne. Weil das Problem ist, mit diesen diese, da hat sie jetzt quasi ihre geheim die geheime Wahl ja verwirkt, ne, weil sie den. Zu dem Wahlzettel gelegt hat und du weißt ja nicht, ob in dem ähm Umschlag nicht nochmal so ein Ding drin ist, ne? Und dann hättest du auf einmal mehr gehabt, Und da musst du sowas entscheiden. Dafür gibt's dann quasi auch Anleitungen, ne? Aber da da lag halt dann auch, da es gab, also auf dem Tisch, in diesem Wahllokal, was wir da äh betrieben haben, ne, was ja eigentlich so ein Klassenzimmer war, lagen halt noch mal so, last minute Korrekturen zum, Wahlerlass. So irgendwie so, übrigens, sorry, da steht auf Seite so und so, wenn irgendwas offen drin liegt, müsst ihr so und so werten, Ist aber falsch. Ihr müsst so und so werten, also ging's glaube ich um die Frage, ähm ist in einem solchen Fall alles ungültig oder nur der Teil, der nicht im Umschlag lag, Und da gab's dann noch so Last-Minute-Korrekturen zu den zu den quasi Anweisungen, wie du auszuzählen hast. Also es ist Katastrophe. Na ja. Unser Team total fit. Wir hatten diese äh Umschlagssituation geklärt bis, ich glaube, sechzehn Uhr fünfundvierzig, ne. Es war etwas unter einer Stunde. Wir konnten nochmal nach Hause gehen äh bis achtzehn Uhr. Mussten dann wieder da sein zum Auszählen und dann durften wir erstmal nicht auszählen, weil, Wir mussten warten, weil es hätte ja sein können, dass jetzt nochmal irgendwie so nochmal Stimmen kommen, die die jetzt noch irgendwo zentral eingegangen sind bei der Post am Samstagabend und dann irgendwie noch hierhin geliefert würden oder sowas, da mussten wir noch warten bis 18 Uhr noch was, bis wir anfangen durften. Und äh achtzehn Uhr dreißig oder achtzehn Uhr fünfundvierzig durften wir dann anfangen. Da machst du halt die ganzen Dinge auf und sortierst du die Wahlzettel. Und dann gibt's halt zum Beispiel das erste, was du machst, ist, du nimmst die ganzen Bundestagswahl Stimmen und sortierst die in, Erst- und Zweitstimme gleich oder ungleich.
Tim Pritlove
Ja. Genauso war das bei uns auch. Mhm.
Linus Neumann
Naja, also da gehe ich davon aus, das wird bei dir genauso, also das wird einheitlich so gewesen sein, ne, dann sortierst die nach gleich oder ungleich. Und dann.
Tim Pritlove
Oder nach Leer und nach äh zu klären, ne? Das waren so diese vier Stapel, auf die das erstmal mhm.
Linus Neumann
Und dann ähm. Quasi diese vorstehende ruft dann immer quasi den Parteinamen aus und jeder jede von uns hatte so sagen wir was weiß ich drei, vier Parteien. Für die du dann verantwortlich warst, ne? Dann sagt dir so Grüne und dann hier zack und dann nimmt die das, nimmt diese andere Person das entgegen, die quasi für das Zählen der grünen Stimmen verantwortlich ist, ne? Gab's natürlich auch so ein paar Arschkarten Parteien, ne, so AFD und so, ja, das war dann immer, äh, die wollte keiner, aber einer hat dann, der einer hat sich dann geopfert, immer die AfD zu zählen. Das war zum Glück immer relativ wenig, ja? Äh, insofern hat das auch Vorteile, ne? Und äh genau, dann.
Tim Pritlove
Aber interessantes Konzept, das wurde zum Beispiel bei uns äh nicht so äh mit Ausrufen nicht so gemacht. Wir.
Linus Neumann
Das ist aber das ist tatsächlich also dieses Verfahren muss man schon sagen, das hat das macht so durchaus Sinn. Das mit dem Ausrufen, weil du da halt eine doppelte Korrektur drin hast, ne, dass dass man einmal das sagt und dann nimmst der andere entgegen und das ist auch, das ist der Weg, wie es zu sein hat, ja? Und das macht auch Sinn.
Tim Pritlove
Ja, ich habe dann immer äh paar spitze Kommentare gegeben, die sollen nochmal irgendwie die Zettel. So durchzählen, dass man irgendwie auch alle äh alle Felder sehen kann, wenn sie da irgendwie Entscheidungen fällen. Ähm so beim Beobachten, ne? Ähm das ging mir dann teilweise auch zu hektisch. Ich meine, ist natürlich auch problematisch, ihr wart jetzt in einer besseren Situation, dadurch, dass ihr erst so spät angefangen habt, ne, aber in dem.
Linus Neumann
Nicht irgendeinen laseweisen Kommentator noch dabeihalten.
Tim Pritlove
Sogar noch einen anderen, der alles aufgeschrieben hat. Ähm nee, ich glaube, ich war eher das geringere Problem. Ich wollte da ja auch eher ähm konstruktiv äh das Ganze begleiten. Nee, aber teilweise waren die Leute halt seit sieben Uhr vor Ort. Ja, haben da äh die ganze Zeit diese Leute und kannst du dir vorstellen, wenn da, sozusagen dein ganzes Volk da äh durchrauscht, dann ist da mal wieder irgendwas und dann Corona und Maske und hast nicht gesehen und desinfizieren und irgendwie nur so und so viele Leute rein. Zu wenig Wahlkabinen, Dann diese anstehenden Problematik und dann halt irgendwann, oh jetzt fehlen die Wahlzettel. Der eine ist ja dann sozusagen noch losgefahren zum Bezirksamt, weil die ja selber nichts gebracht haben, Ja, sie haben sich zwar schon frühzeitig beschwert und gesagt, ja hier Wahlzettel, das wird nicht ausreichen, wir haben einfach nicht genug was was was erlaube kam natürlich irgendwie nix, selber noch ins Auto gesetzt, hingefahren. Und äh angestanden, wo ganz viele Leute rumstanden an diesem Bezirksamt und alle irgendwie am Schreien waren und wir brauchen hier irgendwie Wahlzettel dann kam irgendwie noch die Polizei vorbei, die äh auch von irgendjemand beauftragt wurde, jetzt mal hier irgendwo Wahlzettel vorbeizubringen fühlte sich ganz wichtig, wolltest du dich da nur wie vordringen, sondern wir sind hier die Polizei, wir müssen irgendwie Wahlzettel holen, wir wollen hier alle Wahlzettel haben, stellt euch gefälligst hin Mann. Ja, so, ne? Und in diesem ganzen Stress und dann ist achtzehn Uhr, dann stehst du irgendwie da schon elf Stunden und dann nochmal warten, weil die Schlange noch abgearbeitet werden muss. Dann geht's um neunzehn Uhr dreißig irgendwie erst so richtig los und dann musst du irgendwie vier Wahlen auszählen und dann noch die Konzentration hochhalten. Das war natürlich schwierig, weil dann mal irgendwie alle nach Hause ja, manche krank, bla, bla, bla. Also da ist eine gute Bruce, du absolut wichtig. Ist sehr wichtig, dass diese Wahlvorstände das gut äh durchziehen. Bei dir schien's noch ein bisschen, stringenter durchgezogen worden zu sein, alles in allem fand ich's jetzt nicht bedrohlich schlecht. Also es war okay.
Linus Neumann
Also ich muss sagen, die äh also der vielleicht ganz kurz noch Also wie wird dann weiter ausgezählt? Du hast dann quasi jetzt die gleichen Stimmen, ne? Dann fängst du an, die Zweitstimmen auszuzählen. Das heißt, du nimmst den, du nimmst den Stapel mit den ungleichen Stimmen, ne? Und du gehst in einmal durch nach der Zweitstimme und dann nimmst du den gleichen Stapel nochmal und gehst den durch nach der Erststimme, ne? Nach diesem Verfahren. Und ähm. So spielst du dieses Spiel, dann werden immer die Zahlen mit aufgeschrieben und dann guckt die Schriftführerin, ne, ob sie ob die Summen stimmen, ja, also, deckt sich das, ne, die Summe gültiger, ungültiger und sonst was abgegebener Stimmen. Deckt die sich mit der Anzahl der Wahlzettel. Wenn nicht, dann muss er herausfinden wieso und das kann natürlich schiefgehen. Und deswegen nochmal, also unser Team war wirklich würde sagen herausragend und wir waren gegen zweiundzwanzig Uhr fertig mit den ganzen Schnatterer Denken und da habe ich noch als wir quasi schon unsere also als wir da uns darüber Gedanken gemacht haben einzupacken. Habe ich dann noch einen Kumpel aufm Flur getroffen und sagte so, ja, wir sind fertig und er so, ja, wir sind jetzt auch mit dem Bundestag fertig, ne. Also die hatten die Bundestagswahl in der gleichen Zeit ausgezählt, wie wir die gesamte Wahl. Briefe, ja. Gleiche Bedingungen, die hatten halt, äh, ehrlich gesagt, wieso habt ihr denn so lange gebraucht? Seid ihr immer irgendwie eine Inkonsistenz, dann musste das nochmal zählen. Also, da muss man wirklich sagen, da richtig penibele, Leute zu haben ist halt, unabdingbar und ich kann mir sehr gut vorstellen, wenn du da nicht gut vorbereitet bist, wie dir sowas äh schief gehen kann. Jetzt hast du gerade schon gesagt, ähm. Ein Freund von uns äh, Erdgeist, der ist macht das ja auch so, der ist ja schon so Wahlhelfer, veteran. Der macht das, ich weiß nicht, schon schon immer und äh der war jetzt irgendwie in so einem Wahllokal dann hier auch Wahlvorstände und so, ne? Und der sagte halt auch, sechs, sechs Uhr fünfundvierzig da sein. Wahllokal aufbauen, damit das um 8 Uhr öffnen kann und er hat da halt auch schon gesehen, da viel zu wenig Wahlkabinen konnte sich quasi an der Größe des Wahlbezirks schon wusste der quasi schon um um 7 Uhr, dass das. Dieses Wahllokal, was sie da jetzt, nicht in der Lage sein würde, diese Menschen abzufertigen. Erst dann auch noch irgendwie selber mit dem Roller in der Pause Wahlzettel äh holen gefahren. Und also wirklich, da muss man einfach sagen, diese ganze Wurde gerettet von den Wahlhelferinnen ne? Und als wir dann als wir dann da fertig waren, ne, also den Teil, den wir gemacht haben, wirklich dankt unserer Dank unserer bevorstehenden, großartig. Und dann sagen wir. Jo, hi, wir sind jetzt, wir sind fertig, ne? Wir sind durch. Äh, ja. Runterfahren da gibt's auch ein Fahrstuhl. Ah ja super, wo ist denn der Fasching? Du, das weiß ich nicht. So, okay, komm, wir tragen das Scheißchen. Die Urne war übrigens eine Mülltonne, ne? Äh was, also die passte von der Größe her, ne, war war halt eine Mülltonne.
Tim Pritlove
Ja, passt doch auch irgendwie zu Berlin so ein bisschen. Mhm.
Linus Neumann
Ähm und äh naja, dann habe ich mir noch angeschaut, das war natürlich der andere Teil, der mich interessiert hat, wie passieren denn die Schnellmeldungen? Ja, in dieser Schule wurden ja, ich weiß nicht, wie viele Wahlbezirke ausgezählt. Da Briefwahlbezirke und ähm. Die Schnellmeldungen waren halt äh da saßen unten im im Erdgeschoss, gab's so, boah verwandert, neun oder zwölf. So so Tische, an denen jeweils eine Person mit einem Computer saß und die tippten dann, Schnellmeldungsergebnisse ein, ne? Und da da ging dann quasi die Schriftführerin oder eine äh bevollmächtigte Hilfskraft runter und sagte, aha, okay, ah ja, was was äh tippt ihr jetzt hier ein. Ja, wir haben jetzt hier, ne, Wahlbezirk a sechs a, haste nicht gesehen, Mhm, okay, dann sag mal, und dann wurden halt die Stimmen durchgetippt in so ein in so eine Weboberfläche und dann äh war der, war das, war das Ding fertig.
Tim Pritlove
Ach echt, ne, mit der Weppoberfläche wurde das gemacht.
Linus Neumann
Ja, das war äh und zwar.
Tim Pritlove
Bei uns war das telefonisch.
Linus Neumann
Ja, dass also dann hat's wahrscheinlich da dann jemand äh digital eingetippt.
Tim Pritlove
Auch kein Netz. Es gab auch kein Netz in diesem äh Kindergarten.
Linus Neumann
Also du machst halt, also das war ja hier auch so, ne, da so relativ offensichtlich gab es da jetzt ein paar Leute, die zu diesem eintippen befähigt waren. Bevollmächtigt waren, aber eben noch sehr viel mehr, die denen halt ihre Zahlen gesagt haben. Wahrscheinlich hättest du die auch anrufen können, aber entscheidend ist eben, irgendwann muss ja irgendjemand diese Sachen eintippen, ne. Und das haben sie offenbar nicht runterskaliert, bis auf das auf das Einzelne, Wahlbüro, sondern eben auf einer etwas höheren Ebene dann äh angedingst. Deswegen wundert mich nicht, dass ihr jetzt da mit einem mit einem Wahllokal, halt eine telefonische Meldung macht, aber die Person, mit der jeder telefoniert hat, die wird das dann eben in diese Weboberfläche eingetippt haben.
Tim Pritlove
Diese Schnellmeldung ist nur für den Bundestag, muss man mal dazu sagen, nur für die Bundestagswahl.
Linus Neumann
Ja auf jeden Fall dafür ist sie entscheidend, ne. In in Charlottenburg-Wilmersdorf haben sie ja so verkackt, dass sie die Schnellmeldungen geschätzt haben. Geschätzte Wahl, die aber geschätzt. Das ist aber jetzt das vorläufige Ergebnis, ne? Ja, die müssen dann, die chillen die dann jetzt nochmal in Ruhe aus und dann äh werden sie das korrigieren. Werden sie sehen, ob ihre Schätzungen richtig war.
Tim Pritlove
Also dass diese Landeswahlleiterin von Berlin ja noch einen Tag gebraucht hat, bis sie irgendwie zurück zum Rücktritt äh gegangen ist. Das hat mich schon äh wirklich beeindruckt so. Also sie haben auch wirklich am Anfang noch versucht, sich da groß rauszureden und es wird auch alles gar nicht so schlimm. Aber dann wurde der Druck dann doch relativ schnell, weil diesmal ist für dich so dermaßen viel daneben gegangen. Ich meine, es sind Leute, teilweise abgewiesen worden, ja, wir haben hier keine Wahlzettel ja, die Leute wollten einfach nicht länger in der Schlange stehen. Da stehen dann alte Leute, die einfach mit dem Stehen an sich schon mal Probleme haben. Du kannst da irgendwie so Achtzigjährige nicht irgendwie zwei Stunden in so einer Schlange stehen lassen, ja. Gut, die wundern teilweise auch vorgelassen, aber Es sind auch viele Leute abgedreht. Dann gab's halt sowas wie ja äh wir haben jetzt hier also Erststimme haben wir, haben wir nicht, So, aber die anderen kannst du alle wählen, könnt ihr jetzt warten, bis der da ist oder ihr wählt jetzt so und dann haben halt manche Leute gesagt, so keine Zeit mehr irgendwie, bis ich, Billig jetzt lieber so viel wie ich wie wie ich kann. Das ist einfach also das ist einfach.
Linus Neumann
Ja, das ist, also es ist äh tatsächlich eine, Also es ist eine Katastrophe und jetzt können wir auch mal, gut, jetzt haben wir es einmal ein bisschen erzählt, weil Tim zum ersten Mal äh in Deutschland in der Bundestagswahl teilnehmen durfte, weil ich.
Tim Pritlove
Und einer Landtagswahl.
Linus Neumann
Und äh ich zum ersten Mal Wahlhelfer war und wir jetzt beide Mal äh so eine Führung in der Wurstfabrik gemacht haben, aber.
Tim Pritlove
Ja.
Linus Neumann
Ähm und ähm warum diskutieren wir das hier in Lokbuch Netzpolitik nochmal so ausführlich? Weil was jetzt passieren wird, ist. Dass diese Vorkommnisse natürlich genutzt werden, die nächsten Wochen, Jahr, Monate und Jahre von der Lobby für äh digitale Wahlsysteme, ne? Die werden sagen, ey schaut euch das an, was da in Berlin los war. Äh das lag an an Stift und Papier, ja? Und wenn wir das jetzt schön digital gemacht hätten. Dann hätten wir eine.
Tim Pritlove
Werden das nicht nur sagen, die sagen das auch schon.
Linus Neumann
Genau. Und jetzt ist halt der Punkt, den muss man sich, glaube ich, klar machen, diese ganze Angelegenheit. Konnte gerettet werden. Und wurde gerettet, weil es mit den vielen tausend Wahlhelferinnen in Deutschland ähm oder in Berlin. Kompetente Menschen gab, die diesen Prozess verstanden haben und retten konnten. Ja, also. Ding, diese Wahl wurde gerettet von Leuten wie, wir haben ihn ja erwähnt, den Erdgeist und bei dir ist er auch Freundinnen und Freunde in dem in dem äh Wahllokal hoffen und eben auch jetzt in in meinem kleinen Teil, ne, die die äh drei Frauen, die bei uns den Vorstand gemacht haben und die waren jetzt so fünf, sechs andere Leute, die da als Hilfskräfte wirklich eine mitgedacht haben und gut gearbeitet haben, das sind die Menschen, die diesen Wahlprozess gerettet haben, weil sie ihn verstanden haben und ihn retten konnten, Und wenn du das jetzt digital machst, dann hast du das auf einmal nicht mehr. Und dieser Wahlprozess ist doch ziemlich kompliziert. Ja? Und den wenn du jetzt sagst, okay, also wenn das jetzt ein Digitalding wäre, dann wird das nicht einfacher So, es wird, es wird nicht besser dadurch, dass du jetzt, dass du einen Prozess machst, den auf einmal nicht mehr, wenn irgendwo was klemmt, eine, ein Wahlhelfer, äh, ein ehrenamtlicher Wahlhelfer, äh, oder 'ne Wahlvorstehende, kurz mal eben. Im Sinne der Lösung zielorientiert fixen kann, oder ob du halt auf einmal da stehst und sagst, der Drucker funktioniert nicht, ne? Und deswegen, denke ich, ist ist die Leere, die man daraus ziehen muss, ganz klar ähm, dass man eben nicht dieses Verfahren jetzt auch noch digitalisieren möchte. Na, weil das wäre halt wirklich dann, dass der der Richtige der richtige Untergang Ja, dass, dass, das ist, glaube ich, der wirklich der genau falsche Schluss und der wird jetzt äh propagiert werden. Das finde ich sehr äh ja, sehr, sehr besorgniserregend, ehrlich gesagt.
Tim Pritlove
Also auch die Debatte muss man sich auf jeden Fall einstellen. Die kommt ja immer wieder und dann gibt's halt so ich sage mal so, äh diese Modernisierung, ja, wir müssen ja modern sein oder mit der Zeit gehen und es kann ja nicht sein, dass und hätte man das mit dem Internet gemacht und so weiter und dann irgendwie dieser Mythos Wahlbeteiligung alles totaler Unsinn, ne. Also man kann es einfach nicht oft genug wiederholen, dass einfach eine digitale Wahl, nicht nur diese ganzen Sicherheitsfaktoren ausschaltet, die wir benannt haben, also so diese ganzen ja, die es gibt, einfach dadurch, dass Leute, dass du aktiv ähm machen können, aber halt auch die grundsätzlichen Argumente. Nicht überprüfbar, nicht nachzählbar, et cetera, also auch generell verstößt es eben auch gegen unsere Gesetzgebung und und die Verfassung Das ist ja auch vom Verfassungsgericht schon mal festgestellt worden im Rahmen dieser ganzen Wahlcomputerauseinandersetzung vor zehn Jahren. Aber es ist halt auch, Illusion zu glauben, dass die Komplexität einfacher werden würde, wenn man jetzt hier irgendwie Computer aufstellt, ich meine wenn man muss sich ja nur mal anschauen was die Verwaltung für Probleme hat überhaupt irgendwie Computer für den normalen Tagesbetrieb irgendwie, Griff zu behalten. Und dann haben wir hier nun so und so oft über äh besprochen. Ja, was ist, wenn jetzt irgendwie alle Wahlergebnisse erstmal mit mit 3tausend Bitcoin freigekauft werden müssen? Wollen wir das? Also nee und äh von daher bitte vergessen, diese ganzen Sachen. Und wer auch immer mit so einem äh Unsinn äh aufkommt, soll irgendwie LNP hören.
Linus Neumann
Es gibt einen äh noch mal einen ausführlicheren Bericht von Christian Waldhoff beim Verfassungsblock, äh der äh dann auch so das Fazit zieht, so, Also. Es wäre jetzt eigentlich gut, äh wenn es jetzt hier mal eine also wenn hier jetzt mal die Rechtsschutzmöglichkeiten ausgeschöpft würden. Ähm und diese Wahl dann eben auch mal kritisiert wird, nicht weil er das in Frage stellen möchte, weil es auch wahrscheinlich nicht mehr relevant ist, die Wahlfehler, die aufgetreten sind, aber das halt eine Feststellung der Rechts und zugleich der Verfassungswidrigkeit der Vorkommnisse wegen gravierenden Organisationsverschulden der Landeswahlleitung durch das Bundesverfassungsgericht um den Verfassungsgerichtshof von Berlin äh festgestellt würde, weil das eben politischen und rechtlichen Wert hätte, ja? Ähm der eben auch sagt so, dass das also das muss Konsequenzen haben auch rechtlicher Art, damit auch das Vertrauen in diesen Wahlprozess wieder äh hergestellt wird und die äh natürlich kann er das noch sehr viel besser verargumentieren, als wir das jetzt hier kurz mal mit einem kleinen Zitat aus seinem Text tun.
Tim Pritlove
Ich glaube, es war auch der Artikel, als der rauskam. Da war's dann irgendwie vorbei mit der Landeswahlleiterin in Berlin. Also da.
Linus Neumann
Ich habe ja auch schon gesagt, die müssen ja die die Wahl muss ja sowieso annulliert werden, Tim, ne? Weißt wieso? Ich habe dann am Montag im Briefkasten gehabt, meinen Schnelltest. Also am, am Montag nach der Wahl.
Tim Pritlove
Ach so, den sie dir zugeschickt haben für die Wahlauszählung.
Linus Neumann
Ja, das ist ja, den den ich hätte, den hätte ich machen müssen, aber ich bin da quasi ungetestet. Tut mir leid, also.
Tim Pritlove
Ja, gibt auch noch so ein paar andere Aspekte äh der Wahl, äh wo ich ganz froh wäre, wenn die nochmal wiederholt werden würde, aber davon unabhängig ist es einfach auch so, es ist so viel. Falsch gelaufen, auf so vielen Ebenen. Es war nicht eine Sache, sondern es war halt Wahlzettel nicht verfügbar, falsche Wahlzettel, allgemein schlechte Organisationen, Vorbereitungen ähm und auch ein totaler äh Unfähigkeit äh kurzfristig auf diese Situation zu reagieren, ja? Und das ist alles ähm. Schwer vorstellbar. Ne, jetzt ist äh glaube ich die Position der Landeswahlleiterin, wenn ich das richtig sehe, war sogar eine ehrenamtliche Tätigkeit. Da frage ich mich ja wirklich, ähm wie das äh sein kann. Also das ist ähm.
Linus Neumann
Ja, das ist ohne also ich meine das ehrlich gesagt ist mir unerheblich, ob das ehrenamtlich ist oder nicht, entscheidend ist, dass es dass es ordentlich läuft. Aber ich denke, das haben wir jetzt auch äh.
Tim Pritlove
Ausführlich diskutiert.
Linus Neumann
Ausführlich erört hat. Das ist äh diese Prozesse sind simpel genug, dass man sie hinkriegen kann Und ich denke, das ist hier die die entscheidende Botschaft und sie waren glücklicherweise simpel genug, dass sie dann eben von den vielen ehrenamtlichen Wahlhelferinnen gerettet werden konnten, auf viele konventionelle und unkonventionelle Wege und das ist genau auch wiederum die Stärke dieses Prozesses.
Tim Pritlove
Genau, also ihr solltet euch auch mal melden. Ich kann das empfehlen. Ähm das äh ist auf jeden Fall interessant und äh gut, vielleicht ist man da etwas überlastet mal den Tag über, aber was müsst ihr denn sonst mit eurem Sonntag anzufangen, mal ehrlich?
Linus Neumann
Also ich würd's, ich muss sagen, hm, also ich würd's gerne wieder machen, ich hätte ein bisschen Sorge, nicht Hilfskraft äh Briefwahl zu sein, weil das war echt halt ein geiler Job so, morgens um sieben ein Wahllokal aufbauen muss und dann da die ganzen Vögel reinkommen da weiß ich nicht, ob ich den Job so geil fände, da habe ich noch sehr viel mehr Respekt vor vor den Leuten, die das gemacht haben, dann auch irgendwie ach so, genau das, das habe ich eine schöne Geschichte. Es gibt ja dann, also es gab die Frage, wie gehst du halt mit Maskenverweigerern um, ja? Da gab's ja dann auch hier so einige, also in einer Situation, da hat haben sie dann ihr einen ohne Maske nicht reingelassen. Und das ist natürlich das, was woraus diese Querdenker dann da, ähm äh anliegen, ja? Dass sie dann nämlich sagen können, hier sie dürfen nur mit Maulkorb wählen, ne? Und dann haben sie aber auch schon ihr Handy in der Tasche, um da irgendeinen Instagram-Story draus zu machen oder so, ne. Und da hat eine äh Wahlhelferin mir erzählt, ähm die, quasi dann auch so einen Vogel hatten und die hatten sich vorher schon entschieden, haben gesagt, pass auf, wenn hier jemand ohne Maske reinkommt und sich weigert, die anzuziehen, gar kein Problem, dann lassen wir den einfach draußen warten, bis das ganze Wahllokal leer ist ja? Und dann kann diese Person, lass mal einfach alleine durchgehen. Wir sind ja alle geimpft dann setzen wir uns unsere Maske auf, fertigen diese Person ab und dann wenn die wieder raus ist, können wieder alle anderen rein, ja? Und haben sich dann quasi äh, entschieden, diese Person wählen zu lassen. Und äh ihr jeden Wind aus den Segeln zu nehmen, ja? Und dann ist da halt irgendwie so ein Vogel reingekommen, der natürlich dann da, sprechen ein riesiges Drama veranstaltet hat und die hier jetzt müsste alles desinfizieren, Maulkorb und die haben sich halt überhaupt nicht davon beeindrucken lassen. Haben denen dann gesagt, ja, zeigen sie mal bitte ihren Ausweis, dann hat er einen Ausweis gegeben, er so, können sie bitte die Sonnenbrille abnehmen, ne, Sonnenbrille abgenommen in äh irgendwie diesen Typen halt einfach völlig auflaufen lassen, weil der natürlich jetzt das große Drama, spielen wollte und die haben ihm halt einfach allen Wind aus den Segeln genommen, indem sie den Typen einfach am wehlen lassen und ähm so einen schönen Abschluss. Und zwar der Wahlzettel musste quasi zweimal gefaltet werden, damit er durch den Schlitz passt, ja? Und dann kam dieser Typ halt mit einem einmal gefalteten Wahlzettel da raus, und dann haben sie ihm gesagt, sie müssen die Nummer falten. Ich lasse mir von euch nicht sagen, wie ich den Zell zu falten habe. Ging daher zur Urne hat dann festgestellt, dass er den da nicht reinkriegt, ne, weil der Schlitz halt nicht groß genug. Hatte dann nochmal gefaltet und ist dann irgendwie äh hustend und spuckend irgendwie dramatisch äh da raus gegangen und ja, dass die Tochter hat auch ganz schöne. Ganz schöne Erfahrung. Aber ja, also ich würd's wieder machen, aber so ein bisschen ich glaube, so wie das jetzt für mich, wenn ich jetzt erzählen kann, dass es insgesamt recht locker war, lag äh wie gesagt war ein Glückstreffer von Briefwahl und, Team, das hat andere äh sehr viel härter erwischt, die dann da wirklich, Erdgeist zum Beispiel, ne, von sechs Uhr fünfundvierzig bis irgendwie zweiundzwanzig, dreiundzwanzig Uhr auf den Beinen waren, das ist dann schon eine sehr viel härtere Nummer.
Tim Pritlove
Kommen wir zur eigentlichen Wahl, also zur Bundestagswahl. Berlin müssen wir, glaube ich, nicht äh groß drüber sprechen.
Linus Neumann
Ja, also Ergebnis ist ja ganz klar, äh die CDU hat einen klaren Regierungsauftrag bekommen von ihren Wählern. Arme Laschet, ja. Festgestellt. Ich denke da, also da wurde jetzt lange genug drüber diskutiert, was hier jetzt gerade die Situation ist. So. Wir haben, die SPD hat mehr Stimmen bekommen als die CDU und zwar signifikant mehr, dass, irgendwas fast zwei Prozent, das äh kommt auf irgendwie fast eine Millionen Stimmen. Also es ist relativ eindeutig, dass die CDU eine historische und verdiente äh Wahlschlappe eingefahren hat. Und die wahrscheinlichsten Koalitionsvarianten äh sind gerade mit der grünen Partei. Und der FDP ähm sehr zu meiner Überraschung ist. Die Option einer Jamaika-Koalition, also schwarz, grün, gelb ähm noch nicht vom Tisch. Was sich äh durchaus ähm. Bedenklich findet, dass man über so etwas überhaupt noch nachdenken kann in dieser Rolle, aber das ist natürlich dann der FDP zu verdanken. Ähm und, Ja, es ist so, wenn jetzt hier irgendwas mit Anstand gemacht wird, dann wird das im Zweifelsfall eine rot-grün-gelbe äh Koalition, oder halt 'ne GroKo unter Söder, ne? Das ist also ich mein das wär so die andere, die andere Alternative. Ich kann nur sagen, wenn, also wenn die Grünen jetzt. In dieser Situation äh der CDU zur Regierung verhelfen.
Tim Pritlove
Können sie einpacken.
Linus Neumann
Können die einpacken. So, da können die, da braucht man gar nicht weiter drüber zu reden, ne. Dann können die einpacken Und äh da bin ich jetzt mal äh, wie sich wie lange das dauern wird, bis sie das dann auch mal in aller Schärfe sagen. Die SPD äh tritt ja die FDP tritt ja jetzt hier mit äh stolz geschwellter Brust auf und sind eigentlich der kleinste. Kleinste äh Stimmchen in diesem drei, in dieser äh Bande, aber äh haben natürlich irgendwie immer sehr viel, sehr viel Selbstbewusstsein. Ich denke. Ähm für die netzpolitische Ausrichtung der nächsten vier Jahre. Ist es auf jeden Fall kein so schlechtes Zeichen, wenn die Grünen und die FDP äh hier dann, hoffentlich eine äh Rolle spielen werden, weil natürlich die FDP größtenteils ähm sehr gute netzpolitische Positionen hat und äh die Grünen auch größtenteils sehr gute netzpolitische Position haben. Da gibt's immer mal äh, der ein oder anderen Sachfrage vielleicht Abweichungen im Detail, aber grundsätzlich ist das haben die sag ich mal sehr viel bessere Position als CDU äh und SPD. In den letzten Jahren äh gemeinsam oder getrennt voneinander hinbekommen haben. Das heißt, politisch rein netzpolitisch sieht das gerade erstmal noch ganz positiv aus. Ja wenn die FDP in in den Traditionen zum Beispiel von jemand wie Frau Leuthäuser Schnarrenberger oder Gerhard Baum weiterarbeiten möchte.
Tim Pritlove
Ja, also teile ich die, deine Ansicht und äh ich wäre auch sehr überrascht, wenn es äh nicht zu einer Ampel kommt. Ich denke, alles andere, also eine Koalition unter Teilnahme der CDU lässt sich einfach überhaupt nicht vertreten. Also man muss sich ja auch nur anschauen welche Auflösungserscheinung die CDU jetzt seit der Wahl auch schon übergegangen ist, also die darf, Die hat jetzt sagen wir mal so das Glück, was die SPD auch schon mal hatte, dass sie sich mal so komplett neu erfinden darf. Und das äh. Auch was Gutes haben, auch wenn ich ehrlich gesagt damit rechne, dass sie sich natürlich mittelfristig dann etwas rechter äh positionieren werden, ganz klar, ne, so aus der Opposition heraus, da kann man dann mal wieder alles fordern. Ähm das ist dann potentiell, glaube ich, auch eher ein Problem für die AfD. Ähm. Auf dem linken Spektrum muss er auch die linke äh extrem einstecken und ist nur deshalb wieder in der im Bundestag gelandet, weil's ihn mit Acht gelungen ist, drei, Wahlbezirke zu gewinnen, direkt, wenn auch nicht unbedingt die drei, die eigentlich bisher immer als sicher galten in Berlin, da waren's dann nur zwei und weil sie Leipzig noch gewonnen haben, hat's dann gereicht. Insofern ähm hätten wir natürlich mit einer Ampel auch so eine klassische Mitterregierung, ähm die sowohl eine rechte als auch eine linke Opposition hat, wenngleich eben die rechte Opposition natürlich sehr viel stärker äh ist als die Linke, muss man sehen ähm zumindest ist die Opposition auch stark und das wird dann eben auch die äh politische Auseinandersetzung prägen. Was nicht so schön ist, ist, dass natürlich die ganze Wahlrechtsreform äh der letzten Jahre äh misslungen ist, die ja eigentlich vom Verfassungsgericht angemahnt wurde und jetzt kommen ja noch mehr Leute im Bundestag sitzen. Was dazu führte, dass die Verluste bei ähm Union und AFD sich auch nicht so ganz äh stark durchgeschlagen haben, wie sie's vielleicht hätten können, trotz alledem haben die beide weniger Sitze bekommen. Alle anderen haben mehr, ach so außer die äh Linken natürlich, die hatten haben auch äh stark verloren, die sind jetzt nur noch mit neununddreißig äh vertreten und das war vorher waren's neunundsechzig, also da gehen dreißig Leute raus. Das ist natürlich hart Ähm. Ein paar uns äh äh vertrautere Personen der Linken, die wir hier auch schon in der Sendung äh hatten. Martina Renner ist, glaube ich, noch dabei, ne? Und Anke, Dom Schaltbergs, glaube ich, auch dabei, richtig.
Linus Neumann
Ja
Tim Pritlove
Mhm. Insofern nochmal ganz gut. Und der Süd schließliche Schleswiger Villa Verband, stellt auch eine ein Sitz diesmal interessanterweise.
Linus Neumann
Ja, wir also schauen wir uns mal an, wie das jetzt da äh läuft mit den äh mit den. Koalitionsverhandlungen und ja, die Linke wird sich jetzt, ähm endlich äh mal reformieren müssen, immerhin ist ja jetzt äh so ein bisschen klar, dass äh Lafontaine und Wagenknecht äh bereit sind. Da jetzt mal das Ruder aus der Hand zu geben und äh da denke ich, hoffe ich, dass die Partei sich da jetzt äh endgültig mal äh besinnt, ja und eben der äh. Der der Teil der Partei, die wirklich politisch sind, ähm. Sich dann eben auch durchsetzt und da vernünftig formieren kann. Wenn dreißig Leute gehen, das ist natürlich, da macht er auch ähm Anne Roth nochmal drauf aufmerksam, dann gehen ja nochmal von denen gehen ja auch nochmal die Mitarbeiter, ne? Das heißt, das sind äh kannst du nochmal sagen, das sind äh am Ende 90 oder 120 gute Leute, je nachdem wie viele Mitarbeiter dann jeweils dann noch mit noch mitzählst, die eben auch die ganze Arbeit machen, ne.
Tim Pritlove
Aber man muss natürlich auch sehen, die Zeit, wo die Linke noch aus ihrer alten, aus ihrem Volksparteistatus äh im Osten zehren konnte, die sind jetzt weitgehend vorbei. Ja, also bis auf diese.
Linus Neumann
Nee, im Osten ist das äh haben die schon noch äh davon zehren können, dass ungefähr das einzige, von denen sie noch zehren konnten, ne.
Tim Pritlove
Ja, ja gut, aber es ist halt einfach, dass die Leute, die jetzt so Linke gewählt haben, wegen Osten und wegen Protest, Ja, die äh sind dann auch jetzt äh bei der AfD angekommen. Und das nicht zu knapp. Und ich meine, wenn man sich äh die Wahlergebnisse in Sachsen anschaut, da kann einem schon schwummrig werden, ne. Ich meine, Sachsen, äh da haben sie halt einfach alle. Bis auf einen ähm, glaube ich, Wahlbezirk gewonnen direkt die Direktkandidaten, was aber das auch diesen lustigen Effekt hatte. Ich weiß nicht, ob du das mitbekommen hast, dass damit die ganze Liste nicht mehr aktiv wurde. Also dadurch, dass in Sachsen so viele Leute direkt gewählt wurden, kam niemand mehr von der Liste runter und alle Leute, die irgendwie letztes Jahr für Sachsen im Bundestag waren, sind jetzt nicht mehr im Bundestag, weil die halt keinen kein Direktmandat äh angestrebt haben, sondern eben nur über die Liste abgesichert waren, aber dadurch, dass das halt über die äh Direktmandate schon abgefrühstückt wurde im Verhältnis zu ihren Zweitstimmen wurde die Liste gar nicht mehr aktiviert. Also da sind dann auch so ein paar äh rechtslastige äh ähm gleiche rausgefallen, aber es ist natürlich immer noch zu viele. Also wirklich wirr äh die erste Wahl übrigens in Deutschland, glaube ich, seit 49 wohnen, keine Partei mehr als 30 Prozent bekommen hat. Also diese Zersiedlung und Fraktionisierung, ist stark. Es muss nicht unbedingt schlecht sein, aber zumindest ist so diese Zeit der Volksparteien ein bisschen vorbei.
Linus Neumann
Ja, aber er kommen die Zeit der Volksparteien, das wäre jetzt auch schon seit zwanzig Jahren, ja? Äh, die Volksparteien, die Volksparteien, die Volksparteien, also das, lass uns das mal äh vielleicht für einen späteren äh Teil übrig lassen. Ich finde äh die Wahl wird ja jetzt genug äh auseinandergenommen, was da alles für eine Scheiße immer reininterpretiert wird. Ich kann's schon nicht mehr hören, was da nicht der Wählerwille, der Wählerwille, ja äh Armin Laschet erzählt mir einen vom Wählerwillen, ja. Der Wählerwille ist, Armin Laschet, geh bitte. Der Wählerwille, ne.
Tim Pritlove
Darauf kann man sich einigen.
Linus Neumann
Über alles andere, alles andere ist Theorie, ja? Äh Spiel dauert neunzig Minuten, Ball ist rund. So, aber äh.
Tim Pritlove
Und am Ende gewinnt Deutschland.
Linus Neumann
Okay, kommen wir mal, kommen wir mal zu den anderen äh Gewinnen, die Deutschland so eingeheimst hat. Am Ende der letzten Sendung. Haben wir uns die App ID Wallet angeschaut. Und ähm sind beide, sage ich mal, nicht, haben beide nicht die Gelegenheit gehabt, diese App durchzuspielen, ja? Weil wir äh innerhalb kürzester Zeit an einem äh ja, so einem Wartewarterättchen scheiterten, wenn wir versucht haben, die irgendwie äh zu starten. Also die App war nicht, funktional.
Tim Pritlove
Also bei mir ist das Warterädchen dann irgendwann auch weggegangen, aber ich äh kam dann aus anderen Gründen nicht weiter.
Linus Neumann
Ja genau, also das äh die diese App wurde war einfach, äh denke ich, muss man sagen, die war einfach nicht, nicht, nicht funktional. Ähm, Woraufhin sich dann mal. Einige Leute so ganz grundsätzlich mal äh diese App angeschaut haben. Und es ging dann damit los, dass, dass man dann so feststellt, okay, was sind denn hier der der der verantwortliche Name, der die Zonen verwaltet, der hat ja irgendwie so ungefähr einmal alle Ports offen, die es gibt, inklusive seiner Datenbank, äh die Server, auf denen das gehostet wird dieses sowohl Ding sind irgendwie. Bei Hetzner und da ist außerdem noch irgendein Pizzaservice mit drauf, also so so wirklich, richtig. Richtig, richtig peinlich. Und dann haben äh hat sich noch herausgestellt, das war jetzt gar nichts so neu ist, dass äh das macht sie jetzt aber auch nicht nicht äh schlimmer, äh nicht besser. Was diese App ja machen soll, ist, dass du dass du dich ähm. Ausweist gegenüber einer anderen Stelle. Und jetzt muss man vielleicht einmal noch kurz daran erinnern, wir. Haben das ja. Also wir können uns ja äh ausweisen. Wir haben ja die EID Funktion und die schon seit sehr langer Zeit, ja, inzwischen glaube ich, ist das bald soweit, dass das alle Menschen. In Deutschland so neuen Personalausweis haben, müsste also bald soweit sein, weil irgendwann laufen die Alten ja ab. Das heißt, die die Adaptionsrate, Adoptionsrate des neuen Perso müsste eigentlich, schon sehr, sehr hoch sein in Deutschland. Und mit dem kann man, elektronisch äh signieren, mit dem kann man sich ausweisen und das sind funktionierende Verfahren, ja, die. Leider nie ähm angenommen wurden, ja oder die, die quasi keine Verbreitung gefunden haben. Und das scheint ja hier der Grund gewesen zu sein. Dass man ähm. Dass man sich für diese andere App da entschieden hat, die, und das muss man einfach mal ganz klar sagen, von der existierenden, EID oder äh überhaupt E-Person, ein ein aktives Downgrade ist. Ja, also wieder einmal und ich möchte jetzt hier spezifisch, Bezüge zu anderen Verfahren herstellen. Wieder einmal wird. Ein etablierter Sicherheitsstandard, quasi absichtlich geschwächt, um ein neues Verfahren zu etablieren, ja? Und die Frage ist, ob diese absichtliche Schwächung. Notwendig ist oder ähm ob sie einfach aus Inkompetenz kommt. Ja, diejenigen, die sagen, diese Schwächung äh wäre notwendig. Sie gehen davon aus, dass die im Prinzip, ja, das ist ja die, dass sie quasi eine Unweigerlichkeit der Vereinfachung ist. Ja, also wir müssen das einfacher machen, sonst nutzt es ja keiner. Wir haben ja gesehen, sicheren Verfahren sind zu sicher. Das ist so ein bisschen quasi die Argumentation, äh die man da hört. Ähm, Dem würde ich entgegenhalten, wenn ich ein Projekt, bauen möchte für die Zukunft, dann sollte ich zumindest natürlich den aktuellen Stand der Technik schon mal gewissenhaft umsetzen. Was war hier der Fall? Also die die Schwachstelle, die diesem System inne wohnt, ist, du kannst, also, diejenige Person, die sich ausweist, ja, die weist sich ja dann quasi aus und übermittelt quasi sie von der Bundesdruckerei, signierte Daten und sagt, ich bin diese äh ich bin. Oder dies ist ein gültiger Personalausweis, ja, mit folgenden Daten. Jetzt ist aber die Frage, wem gegenüber weißt du dich denn aus? Und da gibt es verschiedene Spielmodi in diesem Protokoll, was die verwenden. Und der eine Modus ist folgender. Das scannt einen QR-Code, Und in diesem QR-Code steht drin, wem gegenüber du dich ausweist und an welchen Endpunkt im Internet diese Daten geschickt werden sollen.
Tim Pritlove
Das steht im QR-Code.
Linus Neumann
Was da aber still im QR-Code, ja. Was da aber nicht drin steht ist irgendein Beweis dafür, dass die, Die Instanz der gegenüber du dich jetzt ausweist auch wirklich diejenige ist, die du möchtest, weil der Endpunkt, den kann ich ja frei bestimmen. Also mit anderen Worten, du kannst dir einen QR-Code machen. In dem drin steht, du bist ähm hell gebraun, ja, oder du bist äh David Hasselhoff.
Tim Pritlove
Oder der Verfassungsschutz.
Linus Neumann
Oder oder äh das Hotel, in dem die Leute einchecken und gibt's als Endpunkt, wo die Daten hingeschickt werden sollen an äh Linus Neumann DE Slash Datensammlung.
Tim Pritlove
Mhm.
Linus Neumann
Und dann, alles was dort ankommt, schickst du dann aber zeitgleich einfach an den richtigen Endpunkt. Ja, also der Angriff in Anführungszeichen wäre, du überklebst äh irgendwo die äh die QR-Codes, ja? Jetzt kann man natürlich argumentieren und so würde ich auch argumentieren, ein solcher Angriff ist ähm nicht, Es ist nicht davon auszugehen, dass ein solcher Angriff in großer Menge stattfindet. Ja, ähm. Der überwiegende äh in der im überwiegenden. Mehrheit der Fälle wird das einfach nicht passieren. Ja, also du müsstest, klar, du kannst jetzt irgendwie äh den, den den QR-Code in irgendein Hotel oder sowas überkleben, ja und vielleicht fällt's auch keinem auf und dann hast du eine Schwachstelle demonstriert, aber das Verfahren wird jetzt daran nicht sterben, ja? Trotzdem. Baut man natürlich kein Verfahren, dass eine offenkundige konzeptionelle Schwäche hat, die, bekannt ist. Da gibt's ja oft Gitthup schon Monate oder Jahre alte Diskussionen zu, die sagen, hier Protokoll hat folgenden Angriffsvektor und dem muss man begegnen. Und da sagen dann die die Entwickler quasi so, ja äh stimmt, aber äh den betrachten wir als nicht relevant. Und so baust du natürlich nicht ein System, wo du sagst, das wird jetzt irgendwie in. Das soll jetzt die äh Zukunft äh für die Bundesrepublik Deutschland sein, ja. Und tja, ich meine. Äh es ist einfach nur peinlich, ne. Dann, dass diese App nicht funktioniert hat, lag ja daran, dass sie äh, also sie haben dann gesagt, dass sie, ist eigentlich ganz lustig, dass sie unter der ähm unter der Last des des hohen Interesses ähm, zusammengebrochen wäre, ja? Und äh ja, das kann man äh so sagen, ne. Jetzt ist halt die, also wenn dein System zusammenbricht unter dem äh unter dem äh Interesse, dann gibt's, zwei Möglichkeiten. Das Interesse ist wirklich richtig groß oder deine Ressourcen sind, Einfach total lächerlich klein. Ähm Henrik. Ähm hat dazu äh getwittert und das finde ich auch sehr schön. Also ID Wallet nochmal zum Mitschreiben, dass ich das richtig verstanden habe. Man nimmt eine staatliche E, die mit einigen kryptographischen Handwerk so designt wurde, dass A für jede Datenfreigabe die anfordernde Partei zweifel zwei identifiziert werden kann und B an keiner Stelle extern verifizierbare Datensätze anfallen, um daraus dann eine sogenannte Identity abzuleiten, die A dadurch entsteht, dass sie von der Bundesdruckerei signiert wird B aus wertvollen signierten Personen bezogenen Daten besteht und C, bei der man nicht mehr sehen kann, wen man sie übermittelt. Also hier eine sehr genau zusammengefasst, was hier gerade geschwächt wurde, ne, gegenüber einem bestehenden System. Und dann abschließend, Das Ganze auf einer Infrastruktur, die es gerade mal geschafft hat, im mittleren vierstelligen Bereich. All dies auszustellen, Insgesamt nicht pro Sekunde, bevor sie zusammenbrach. Ja, den ist er direkt noch außen vor. Ähm. Aber so und dann gehen die hin und, und, und, und, und sagen dann auch noch beschwichtigen dann auch noch und fühlen sich irgendwie cool, dass dass ihr System da äh irgendwie geil wäre, ne? Der Server, auf dem das lief, hat irgendwie FDP, SSH, SMTP, HTTP Pop drei, IMAP, RSH, HTPS, S MTPS Sub Mission, allen möglichen Shit an Ports of My SQL und Postkress, außen freigegeben, ja? Das ist einfach der Server von Digital Endabling Punkt EU.
Tim Pritlove
Ich hab's schon geahnt, dass ich den Namen gelesen habe.
Linus Neumann
So und und und es ist halt einfach nur ein eine absolute Peinlichkeit. Es ist die, also so etwas, zu launchen, ja? Und dann müssen sie nicht mal, einen Tag platt äh einen Tag platt kann dir ja passieren, ja. Äh Herrje, ne, sondern die sind jetzt auf Wochen offline und und müssen quasi sagen, okay, dieses Ding ist komplett gefailt. Stimmt? Und wir werden jetzt nochmal ein paar Monate investieren. Die haben die App sogar aus dem App Store wieder rausgezogen. Ja, das heißt, die haben du, du kannst die gar nicht mehr kriegen. Ja? Also so eine richtige, richtige Bauchlandung. Nicht irgendwie nur so ein bisschen, sondern eine richtige Bauchlandung. Und dann gibt es ähm. Gab's jetzt irgendwie, das ist glaube ich auch so ein bisschen blöd geskettelt gewesen. Gab's irgendwie am äh zweiten Oktober, wenn ich das richtig erinnere oder war das am? Nee, am Ersten, äh am am Freitag. Von der vom BSI BSI irgendwie so eine Veranstaltung zur Identitys. Ich schätze mal, die hatten sich jetzt, sage ich mal, den Rahmen der Veranstaltung etwas anders vorgestellt. Wenn die halt ein paar Tage nach diesem Launch ist und der ist aber halt dann gefailt. Ja? Und dann findest du da Leute, die so ähm äh sinngemäß sagen, also die halt beschwichtigen und die dann so Sätze sagen wie 99 Prozent Sicherheit muss ausreichen, es muss nicht immer 100 Prozent sein und wenn der CCC was findet, ist das ja gut, dann fixen wir das und dann können die weiter gucken. Aber am Ende ist das hier ein ein cooles System. Und zu dieser, zu dieser Haltung muss ich jetzt mal wirklich sagen, die gefällt mir halt, überhaupt nicht. Das, was sie da gelauncht haben, als 99 Prozent sicher zu bezeichnen, ist ein Witz für alles, was 99 Prozent ist und alles, was sicher ist, ja? Ähm das ist einfach, also das war einfach nur äh eine eine absolut peinliche Bauchlandung. Ähm zweitens zu sagen. Also bekannte Schwachstellen, die will man einfach nicht haben, auch und das muss ich wirklich sagen, ja, da da muss ich auch wirklich anmachen. Dieser Angriff mit dem falschen QR-Code, der wird jetzt nicht, so nicht so viel. Passt nicht so große Rolle spielen. Aber mal als Beispiel ähm wenn du bei so einer hoheitlichen App am anderen Ende etwas stehen hast, dann glaubst du das ja auch. Das heißt, hier entstehen ja noch andere Verfahren, der der. Machen kannst, wenn du beispielsweise in der Lage bist, dich mit deiner äh mit deinem Request als sagen wir mal die Polizei Niedersachsen auszugeben, ja? Und am anderen Ende die Leute, die dann quasi ihre Daten absenden. Denken dann, oh ja, krass, hier in der Führerschein-App steht, äh, dass dass der, der Typ geht mir gegenüber Polizist ist. Und dass dass die Menschen natürlich diese Dinge auch nicht verstehen, ja? Wir müssen ja immer auch überlegen, wir veröffentlichen ähm Technologien, geben die hier zur Anwendung, die die Menschen nicht verstehen. Und da muss man natürlich sagen, man setzt äh man sollte natürlich den jede Schwachstelle, die das System hat, egal ob von erhöhter praktischer Relevanz oder theoretischer Natur, die muss man natürlich ausmerzen. Ja. Und Security wird eh nicht in Prozent äh gemessen, sondern das hat auch Christian Köntop, der da äh einen sehr guten äh Twitter-Fread zu hat, den wir auch ähm verlinkt haben. Er sagt eben nicht, ne, Prozente sind schwierig bei Security, ein kompromittiertes System ist ja nicht dreiundvierzig Prozent gehackt, sondern hundert Prozent im Eimer. Ja, das heißt, man muss äh man kann hier gar nicht in Prozenten äh sprechen. Ähm.
Tim Pritlove
Ist nicht viel bei der Impfung. Also vor allem und und was es halt auch noch mit sich bringt, jeder Bericht über, Das konnte äh auf diese Art und Weise kompromittiert werden oder hier kann man den Aussagen nicht trauen, die. Füttern natürlich dann auch das allgemeine Misstrauen gegenüber dieser Technologie und dann ihrer potenziellen Anwendung, die dann dazu führt, dass eben die potentiell segensreichen Anwendungen, die das ja dann auch haben kann, dann am Ende nicht akzeptiert werden. Und von daher muss man eben im ersten Schritt schon mal wirklich maximal safe vorangehen und nicht sagen, ach passt auch hier irgendwie 99 Prozent. Ja, Pi mal Daumen, äh das ist einfach nicht der richtige Ansatz. So geht man IT-Projekte nicht an und schon gar nicht IT-Projekte, die halt wirklich so auf Bundesebene dann äh oder auf europäischer Ebene sogar eine Rolle spielen sollen, wenn nicht sogar weltweit.
Linus Neumann
Und jetzt kommt äh natürlich auch noch dieser äh dieser Aspekt hinzu, auch da, da zitiere ich jetzt auch nochmal hier Christian Köto, der eben auch sagt. Wie dann eben damit umgegangen wird. So, ja, der CCC hat was gefunden, ne? Überleg dir mal bitte, also so sehr ich, an dieser Stelle hier Fabian Lübke und Lilith Wittmann, die sich das angeschaut haben und da eben, diese Schwachstellen niedergeschrieben und veröffentlicht haben, dass sie das getan haben, muss man immer noch mal dazu sagen. Das haben die in ihrer Freizeit getan, ne? Das sind äh irgendwie junge Menschen, die eine neue App kriegen und da einen Tag draufgucken und dann katastrophale Designfehler finden, Das ist nicht, da kannst du nicht sagen, ja, ja, der CCC findet was und wenn der was gefunden hat, ist das super. Vielen Dank CC, ja? Sorry, ich möchte bitte, dass Sachen veröffentlicht werden, die nicht an einem Tag beim ersten drauf. Sofort in katastrophalen Dingen untergehen. Ja und da sagt äh äh twittert äh Christian auch zu, Der CCC ist mein Sicherheitscheck. Nein, ist der nicht. Als ich zuletzt nachgeschaut habe, war der CCC eine Vereinigung von Leuten mit dem Ziel, Spaß am Gerät zu haben Das kann auch dein Gerät sein, aber das ersetzt kein Sicherheitskonzept. Ein Sicherheitskonzept würde erstens ein organisatorisches und inhaltliches Konzept für die Anwendung haben, Zweitens, ein Prozess, der das dann in der Entwicklung umsetzt und testet, drittens, ein eben solches Konzept für den Betrieb. Ähm, dann ein Prozess, der das dann wiederum umsetzt. Und ganz wichtig, einen Plan, der umgesetzt wird, wenn dann doch etwas schief geht. Das ist so selbstverständlich, dass es uns zu einem nächsten Punkt bringt, da kommt dann auch noch drauf, den lasse ich jetzt mal kurz weg, aus, aufgrund der Breite. Ähm du willst weißt du, Wenn da jemand hingeht und sagt, das wird jetzt hier die, das wird die Identitätsverwaltung der Bundesrepublik Deutschland mit mit der Bundesdruckerei an Bord und hasse alles nicht gesehen, ne. Jetzt wird's endlich digital, Tim, jetzt, jetzt bricht dir die die der Digitalismus aus, ja? Ähm, Und dann ist das auf irgendeine Hetzenerbüchs von irgendwelchen von irgendwelchen Amateuren gehostet, die noch nicht mal ihre ihre Datenbanken nur lokal laufen lassen.
Tim Pritlove
Kriegen, echt.
Linus Neumann
So und dann kommen Leute, die ja auch dieser, die ja tatsächlich auch beruflich andere Dinge machen, ja? Und sagen, ach das ist ja interessant. Komm, ich gucke mal kurz drauf, ach.
Tim Pritlove
Vorm ersten Kaffee, so morgen.
Linus Neumann
Kann doch nicht sein, ja, der erste Kaffee schon irgendwie schmeckt nicht mehr, weil er wieder irgendso einen Mister findest, ne. So, das kann doch nicht der Anspruch sein. So, das das ist doch wirklich, das ist doch nur zum Heulen. Und jetzt komme ich mal ein bisschen auf diese. Auf die Metaebene. Und ich glaube, dass hier etwas ganz anderes zu Grunde liegt, warum diese Sachen immer kaputt gehen. Und der Gedanke dazu ist mir so ein bisschen gekommen, als ich hier am Wochenende nochmal vom Deutschlandfunk, Computer und Kommunikation zu D Mail, befragt wurde, ja? Und da habe ich dann nochmal so ein bisschen drüber nachgedacht so, was ist eigentlich, also bei der D-Mail, es ging ja damals. Ähm um E-Government und. Ja, das also die wollten quasi Government ist dann so alles, was Verwaltung ist und Justice ist eben alles, was Justiz ist und die haben gesagt, wir möchten quasi die Prozesse der Justiz. Und die Prozesse der Verwaltung gerne digitalisieren, Und ne, damit man nicht immer, was weiß ich, den Hartz vier Antrag und was weiß ich alles, einen Brief schicken möchte, möchten wir jetzt eine D-Mail haben. So, das war, das war quasi die Zielsetzung der DML. Und. Quasi die Prozesse von Verwaltung und Justiz digitalisieren. Und die Idee, die denen gekommen ist, war zu sagen, geil, wir machen einfach ein E-Mail-System. Ja? Weil wir ja alle wissen, alle die professionell mit Computern arbeiten, dass E-Mail so richtig geil ist.
Tim Pritlove
Ist es überhaupt das solideste System? Ich meine, Alter, das gibt's von Anfang an. Das gibt's immer noch, das muss gut sein.
Linus Neumann
So und äh und jetzt denk mal, also denk mal, äh ähm darüber nach, wie kompliziert. Aber wie auch. Ähm einheitlich die Prozesse einer Verwaltung sind oder die Prozesse äh äh einer Justiz. So, da da kann man. Wenn man möchte, richtige Verfahren zur Digitalisierung bauen Ja, also man kann ja zum Beispiel sagen, okay, ähm ich spinne jetzt nur rum, ne. Das ist also man kann jetzt zum Beispiel sagen, okay, wir machen eine äh Webseite, bei der du diese äh Anträge machen kannst und dann werden die Anträge des Antragsformular ist einfach digital da. Am Ende signierst du das mit deinem Personalausweis und reißt das über unser Verwaltungsportal ein. Da können wir dir eine Handreichung machen, eine digitale äh Erläuterung, wie dieser Antrag auszufüllen ist, was fehlt und so weiter. Und du könntest quasi so einen richtig schönen. Digitalen Prozess machen, der dann nämlich den Vorteil hätte, dass er auf der anderen Seite, nämlich dem empfangenen Amt, die Daten auch strukturiert in der Form senden würde, wie sie die brauchen und dann weiterverarbeiten können. So arbeiten ja digitalisierte Unternehmen, ja, wenn du jetzt also neben mir ein digitales äh Unternehmen wie Amazon Wenn ich dort etwas bestelle, dann übersetzt meine Bestellung direkt bei denen durch, bis hinzu auf einem Tablett von einer Hilfskraft steht, in welches Regal die gehen muss um das Objekt zu nehmen, was ich bestellt habe und in welchen Karton die das packen muss und in welche Kiste das dann kommt, damit das jemand nächsten Tag bei mir vor der Haustür fährt, ja? Das ist ein digitales Unternehmen. Wenn Amazon sagen würde, wir nehmen jetzt auch Bestellungen per D Mail entgegen. Dann wären die nicht in der Lage, diese Leistungen zu erbringen, weil Dieses Übergabeformat halt wieder vollständig undefiniert ist und dann hast du halt einfach nichts zu Ende gebaut. Du hast du hast nichts du hast dich drüber nachgedacht.
Tim Pritlove
Keine Spezifikation, keine API, keine.
Linus Neumann
Du hast keine Spezifikation und diese und dann ist nämlich der, da gibt's diesen, diesen klassischen Ausspruch. Ich weiß nicht mehr genau, von wem der ist, vielleicht auch einfach schon Verfasser unbekannt, Wenn du einen Scheißprozess digitalisierst, dann hast du einen digitalen Scheißprozess. Und das ist genau das mit dem mit was mit der D-Mail eben definiert war, dass da am Ende das Beste, was man mit D-Mail hinkriegen konnte, war. Dass dass dann ein PDF-Anhang ist, den man ausdrucken muss. Das ist ja nicht der Beginn einer digitalen Aktenführung.
Tim Pritlove
Das ist das Ende.
Linus Neumann
Ja? Das ist das Ende einer digitalen Aktenführung, ja. Bitte, bitte denken sie nach, bevor sie diese DML ausdrucken, ja? Und dann musste dich dann musst du dich nicht wundern. Dass die Gerichte das Verfahren nur zögerlich adaptieren, dass äh die Unternehmen das Verfahren nur zögerlich adaptieren, das am Ende nach acht oder zehn Jahren oder was? Äh die Deutsche Telekom sagt, ey nein, packen wir aus, macht das aus! Dieses was wir da als D-Mail-Server betreiben, äh das eitelt nur rum, ja? Wir müssen jetzt, wir müssen das ausschalten So, das ist ja ganz klar, weil hier nicht, sinnvoll mal überlegt wurde, was möchten wir hier eigentlich tun? Und das ist mit dieser Wallet-ID äh AID Wallet ja auch wieder der Punkt, dass man sie nämlich nicht darüber nachgedacht hat, wie kann man das jetzt hier mal anbinden? So, was soll das am Ende überhaupt? Was soll das? Und diese Frage muss man sich vorher stellen. Bevor man zum Beispiel, wie jetzt hier in Deutschland sagt, jetzt machen wir Blockchain-Zeugnis. Die Kinder sitzen ohne Maske in der Schule ähm haben keinen Computer, kein gar nix und äh und verblöden. Und und und jetzt brauchen wir einen Blockchain-Zeugnis, weil wir ja alle wissen, wie dramatisch das Problem ist, dass wir kein Blockchain-Zeugnis haben.
Tim Pritlove
Oder überhaupt kein digitales Zeugnis.
Linus Neumann
Leiden, die Kinder sitzen da in der Schule und sagen, boah ey, ich quäle mich hier durch den ganzen Scheiß und am Ende habe ich so ein unsicheres Zeugnis, was noch nicht mal in der Blockchain ist. Kinder Tim, die kommen doch auch jeden Tag nach Hause und und haben eine Sinnkrise, weil sie kein, kein. Und es wäre.
Tim Pritlove
Ja, ich weiß ja auch gar nicht, wie ich das, wie ich das Zeugnis überhaupt ordentlich verifizieren soll. Also, ich habe da so ein Stück Papier irgendwie, die können mir ja irgendwas erzählen. Ja, wenn ich nicht.
Linus Neumann
Dein Sohn wäre in der 5ten Klasse.
Tim Pritlove
Wenn das nicht mit Bitcoin abgesichert ist, dann dann halte ich das ist doch nix wert. Und.
Linus Neumann
Und und weißt du, wie einfach es wäre, digitale Zeugnisse zu machen, ne? Dann und ich kann's nur nochmal. Nimmst du eine PKI, von mir aus, von der Bundesdruckerei oder von einer äh vom Bildungsminister, von wem auch immer, ja? Und dann signierst du die fucking Zeugnisse. Und dann gibst du den Leuten PDF mit einer eingebetteten Signatur, und dann kann man sich das PDF an aufmachen und dann steht da, dieses PDF wurde signiert von der Bundesrepublik Deutschland höchstpersönlich äh Joachim Gauck oder wer auch immer. Christian Wulf äh äh gratuliert zur Abiturklasse zweitausendneunzehn oder irgend so ein Scheiß, weißt du, das kannst.
Tim Pritlove
Und wie viel genau und wie viel muss und wie viel neue Software muss dafür geschrieben werden? Keine, wie viel neue Spezifikationen müssen dafür durchgesetzt werden. Keine. Ist alles schon da. Es exist, alles schon. Stattdessen wird jetzt wieder irgend so eine Startup Bode, die irgendwie ihnen lang genug in den Kopf reingeredet hat, dass sie um irgendwie die Blockchain Initiative äh der Bundesrepublik Deutschland muss ja jetzt auf Früchte tragen und ist ja viel geiler, wenn das, wenn das Zeugnis in der Block drin steht. Und dann kann ich halt einfach nur sagen, was immer sagen, wenn es um das Thema Blockchain geht. Warum, weswegen, weshalb, wozu? Es ist vollkommen unklar, warum muss wozu braucht es eine Blockchain? Was wird durch eine Blockchain ermöglicht, Nichts.
Linus Neumann
Ich meine, man muss dazu sagen, Tim, Leute, Leute, die Datenbanken so gut verstanden haben, dass sie auf einem Server Postgress und my SGL nach.
Tim Pritlove
Beide gleich.
Linus Neumann
Vorteil von der Blockchain, ja, weil. Nur kurz, wir hatten in der letzten Sendung ja darüber gesprochen, dass es diese eine App gab, die direkt äh auf die Datenbank zugegriffen hat, wo der. Das macht man nicht. Die Datenbank hat lokal zu laufen. Aber okay, lass es. Ich möchte noch kurz hier zum zum Stand der Digitalisierung ein ein kleines Beispiel geben, warum ich ihnen sage so sinnvoll wäre, sich zu überlegen, was haben wir überhaupt für Prozesse, ja. Und wie möchten wir die abbilden? Und jetzt zum Beispiel so ein Antragswesen, da würde ich tatsächlich sagen, äh das würde ich wirklich mit einem Webportal machen, Was äh wo du am Ende, quasi deine Willensbekundung mit der EID signierst und fertig, ne? Da da hast du so richtig krass Digital so. Und dann können Leute, die haben da die gesamten direkt digital vorliegen und können damit arbeiten. Dann kannst du wirklich so ein digitales ähm. Kommunikationswesen bauen, aber das geht halt immer oder also sauber definierte Prozesse bedeuten eben, dass du auch genau weißt, was du am Ende willst. Ja und ähm jetzt habe ich hier von einem Kumpel ein Beispiel bekommen, der hat also der hatte ein Gerichtsverfahren. Und ähm äh hat in dem Rahmen dieses Gerichtsverfahren wurde Akteneinsicht verlangt, ja? Und, Dieser Prozess, den es da gibt, der nennt sich dann E-Hilfsakte, also ganz klassisch, ne, wenn du äh wenn du irgendwie im Rahmen eines äh eines solchen Verfahren bist, äh dann darf dein Anwalt oder deine Anwältin ja Akteneinsicht verlangen, dann gibt's quasi alles, was da irgendwie so an Beweisen und Aussagen und und Beschuldigungen oder was auch immer zusammen formuliert wurde, ist ja dann quasi eine Akte. So und früher war das dann so, dann bist du halt da hingegangen, hast dir die Akte geben lassen, hast dir einmal übern Kopierer gescheucht, ja und äh dann warst du fertig. So, heute wird das digital gemacht. Und hier liegt jetzt dieser Akteneinsicht, eine äh eine äh eine Kommunikation bei. Die sehr äh interessant ist. Ich lese das mal vor. Hinweis zu Akteneinsicht, ihnen wird, Einsicht auf elektronischem Weg in die sogenannte E-Hilfsakte gewährt. Neu angelegte Ehehilfsakten werden seit dem 102220 nicht mehr in der Form ein Band, gleich ein PDF-Dokument erstellt, sondern in der Form ein Dokument gleich ein PDF-Dokument. So, das bedeutet. Früher, vor dem ersten, zweiundzwanzig hast du ein PDF bekommen, da war einfach chronologisch die gesamte Akte drin, Hast du genommen, hast auf drucken gedrückt, ne? Und dann hattest du quasi die Akte von vorne nach hinten, wahrscheinlich einmal durch den Einzugsscanner gescannt und hattest quasi die chronologisch vorliegen. Jetzt bekommst du, EinzelpDFs und so eine Akte kann natürlich aus 20, dreißig, zweihundert, fünfhundert Einzeldokumenten bestehen. Die du jetzt in diesem Fall einzeln bekommst. Und das stellt natürlich die Anwältin und Anwälte vor ein Problem, weil. Sie jetzt potenziell diese ganzen Dateien einzeln drucken müssen. Ja? Und, natürlich auch nicht unbedingt sichergestellt ist, dass sie die dann chronologisch haben Wie es bei der Akte eben der Fall wäre. Und das ist natürlich ein Problem, wenn du sagst, hier sind die 200 Dokumente. Du weißt aber nicht, in welcher du musst sie jetzt erstmal Zeitaufwand bringen, um die äh zu sortieren. Ne? Dann ist das für dich ein Problem. Deswegen ist diesem Hinweis zu Akteneinsicht folgender Text hinzugefügt. Vorsorglich wird mitgeteilt, dass ein Anspruch auf Übermittlung der Elf Elf. In besonderer Form nicht besteht, solange die gewährte Form zur effektiven Verteidigung ausreichend ist. Siehe Bundestagsdrucksache, achtzehnvierundneunzig sechzehn, Seite siebenundfünfzig. Eine Beeinträchtigung der effektiven Verteidigung droht schon deshalb nicht, weil sie die EinzelpDF-Dokumente mittels eines frei verfügbaren PDF-Konverters jederzeit zu einer gesamt Datei zusammenführen können. Also, hier gibt's quasi eine. Vorsorgliche äh Mitteilung, dass du nicht von dieser Staatsanwaltschaft verlangen kannst, dass sie dir ein PDF schicken, weil du kannst ja diese EinzelpDF ähm mit wieder zu einem, großen Zusammenfügen. Und jetzt kommt's, Folgende PDF-Konverter sind unter anderem frei verfügbar. HTTP small PDF Punkt com. Tools Punkt PDF 24 Punkt org. PDF Dot com Schrägstrich DE. I love PDF Dot com Schrägstrich DE und PDF zusammen Fuegen Punkt com. So.
Tim Pritlove
Alter. Was? Bitte geht ab! Oh nein!
Linus Neumann
Und da sagt jetzt die, die Staatsanwaltschaft sagt jetzt quasi den ähm den Anwältinnen.
Tim Pritlove
Doch mal deine geheimen Akten auf irgend so einem Hoschiser hoch. Alter Falter. Oh Gott, ist das traurig. Oh.
Linus Neumann
Und in dieser Welt.
Tim Pritlove
Nein.
Linus Neumann
Kommen wir und sagen mit dem mit dem ist das jetzt gelöst. Ja und oder mit ID Wallet oder sowas, ja? Und jetzt langer langer Rede kurzer Sinn. D Mail, ID Wallet, diese E-Hilfsakte, die Blockchain-Zeugnis, das besondere elektronische Anwaltspostfach und wie die ganzen Fales. Nicht alle heißen, die sind ähm immer so Einzelinitiativen. Die ähm die quasi nicht zu Ende gedacht haben, was da wirklich was sie da wirklich eigentlich digitalisieren wollen. Und da wird quasi ein, ein, ein, ein absolut inherrent analoge Institutionen irgendein digitaler Kanal hingebaut. Ja und das ist, das kann nicht funktionieren.
Tim Pritlove
Das kann nicht funktionieren und vor allem dem Ganzen fehlt einfach eines äh, Du hast es auch schon gesagt, dem Ganzen fehlt einfach eine Strategie. Bevor man irgendeinen dieser Prozesse beginnt, so wie man das in jedem Unternehmen auch machen würde, denkt man sich erstmal darüber nach, okay Was haben wir für Prozesse? Wie wollen wir, dass diese Prozesse eigentlich funktionieren weil sie ja in einer digitalen Welt auf einmal nicht mehr in diesen ganzen Constrates des der manuellen Arbeit festhängt. Das schafft ja eine ganze Menge äh Möglichkeiten, ne? Online-Authentifizierung et cetera, Automatisierung auch generell, dann baut man sich seine Datentypen, da baut man sich seine Strukturen, baut man sich seine seine seine Protokolle äh ab und und schafft einfach Schnittstellen. Und da muss man auch nicht sich von irgend so einer dahergelaufenen Hoschi Bude so eine schnell zusammengetackerte App machen und dann ist die App irgendwie äh die Lösung für alles, sondern man schafft halt einfach APIs und man schafft einfach ein ein ein digitalen Zugang den im Prinzip jede App machen kann. Und wenn ich dann irgendwie meinen äh Auto ummelden will, dann gibt's dafür auch irgendwie passende Apps, die halt einfach gegen die, ähm APIs, der Fahrzeugzulassungsbehörde arbeiten wie alle anderen das auch tun und man kann es in Webseiten einbauen, man kann das automatisieren und so weiter. Aber die Authentifizierung und die Sicherung. Sicherung der Identitäten ist sichergestellt, weil eben einfach ordentliche Standard Prozeduren verwendet werden, um mit einem mit einem Personalausweis das online durchzuführen, ohne dass da nochmal irgendeine neue Sicherheitsschwankungen eingebaut wird, die von irgend so einer komischen Firma abhängt und nur so kann es gehen und nur so kann es eben funktionieren, wenn man den ganzen Staat noch mal von Grund auf digital neu denkt. Und wenn diese neue Regierung jetzt äh es wieder nicht schafft, ein, ein, ein, zu schaffen oder zumindest eine Struktur in der so das digitale einfach so ist, dann wird es halt auch weiterhin nichts werden. Also ich ich Persönlich denke, ohne so ein Digitalministerium, was eine ähnliche Rolle spielt, wie ein Finanzministerium, also was überall mit reinreden darf. Ja, und was einfach mal die ganze Sache für sich genommen, komplett neu plant und das wird auch lange dauern, gar keine Frage. Also jetzt haben wir die die Zeit schon verloren, nur all das, was wir jetzt bisher geschaffen haben. So teuer das gewesen sein mag, so schade das irgendwie ist, dass da Arbeit so viel geleistet wurde, die eigentlich für nichts gut ist, der ganze Scheiß muss weg. Schmeißt eure Blockchain-Zeugnisse ins Feuer, ja, DE-Mail verbrennt es, eure elektronische Hilfsakte, was auch immer ihr euch äh fallen habt lassen, all die, all diese ganzen Sachen schmeißt es einfach alles weg oder ignoriert es zumindest erstmal und baut es neu und dann werden sich die Dinge zusammenfinden. Und das wird nochmal zehn Jahre dauern. Wir werden der Welt noch lange hinterher hüpfen und irgendwie uns von Estland und Georgien vormachen lassen, wie irgendwie ein moderner Staat funktioniert. So, aber dann, besteht, zumindest am Ende die Hoffnung, dass es dann funktioniert und man nicht wieder irgendeine Kacke wegschmeißen muss und man sinnlose Unternehmen durchgefüttert hat, die am Ende überhaupt nichts für die Gemeinheit beitragen.
Linus Neumann
Und hier und jetzt nur halt nur um dir mal kurz zu also wir dürfen ja nicht vergessen, wer hat dieses Ding, wer hat dieses Ding verwurstet, ne, das ist ja, geht eigentlich auf Dorothee Bär zurück und dann irgendwie Andi Scheuer, der ist dann, also ne, ich meine, da kannst du dir auch dann weißt ja schon, warum das nix ist, ne? Aber, Dorothee Bär sagt dann, die Zweifel am Reifegrad der Technik teile ich nicht. Sorry, mit welcher Kompetenz ja und jetzt pass auf. Sie ist froh, wenn wir bei einer Innovation mal vor die Welle kommen. Es ist schon ein seltsamer Vorwurf, dass man zu innovativ sei. Also mal ganz ehrlich, den Vorwurf. Dass ihr zu innovativ seid. Den habt ihr euch, glaube ich, also die einzigen, die den erheben, ne, die sitzen wahrscheinlich bei euch in der Partei, ja? Das kann ich mir vorstellen, dass die diesen Vorwurf erheben. Vor die Welle, ja, äh, äh, man möchte auf der Welle sein, nicht vor der Welle So, das ist so, also ich meine, vor der Welle ist da, wo die halt auch dann über dich hereinbricht und mit irgendwie zwanzig Pods offen und nicht mal 1tausend tausend all dies Last äh abfedern zu können, das ist nicht vor der Welle, Das ist unter der Welle. Das ist ganz tief unten im Wasser. Wohl keine Luft mehr kriegst. Da bist du nicht irgendwie vor der Welle. Das ist wirklich und oder soll ich innovativ. Hör mal.
Tim Pritlove
Steckt im Klärwerk fest, ey.
Linus Neumann
Das ist wirklich eine ein also und man ey das ist tut auch so weh. Weißt du was? Muss man ja auch sehen. So, jetzt hier, jetzt kommen wir als CCC und sagen seit Jahren, ihr baut immer nur Kacke, ihr wollt immer nur kacke, macht das doch mal ordentlich, ne? Dann sagst du denen, hier, da sind Sicherheitslücken drin, dann sagen die, hä, das wissen wir schon. Ja, aber du sagst, ja hat der Geil, warum hat das denn dann gebaut? Das wird doch nicht dafür, dadurch besser, dass eure Entwickler das schon auf Gitter auf als, haben. So, da da muss man doch aufschrecken, wenn man so etwas sieht, ja? Äh und dann nicht sagen, nee, wir müssen hier jetzt vor die Welle kommen, Leute, wir launchen jetzt hier diese diese Wurst, diese Wurst und äh und und und dann dann sind aber alle doof, die gesagt haben, dass das Mist ist. Und äh dass wir den Scheiß jetzt aus dem App-Store rausnehmen müssen. Und das ist aber, weil das zu innovativ war. Ich meine, wie wie verzehrt kannst du denn wahrnehmen, dass du jetzt da sitzt und sagst, oh schade, dass wir zu innovativ waren. Ähm und und der ganze kackt nicht funktioniert hat, weil wir vor der Welle waren, so eine, so eine Peinlichkeit.
Tim Pritlove
Das ist einfach echt.
Linus Neumann
Und, und, und am anderen Ende sitzen dann nämlich am anderen Ende von diesem Ding sitzen, sitzen, ne, in in bei der Polizei und in der Verwaltung irgendwelche. Armen Schweine vor irgendwelchen neunziger Jahre Windows Rechnern und äh und und, und äh benutzen die nach wie vor wie Schreibmaschinen. Und dann wunderst du dich, dass du dieses Land nicht digitalisiert bekommst, ne. Das ist wirklich und das wird halt nicht funktionieren durch, D Mail oder irgendeine ID Wallet oder was du nicht alles für einen äh Scheiß da äh bauen kannst, ja? Zumal. Also ich meine, man darf auch nicht unterschätzen, was dieser ID Walletkram bedeutet, wenn du da irgendwie äh QR-Codes scannen oder zeigen sollst, äh wir haben's in der letzten Sendung nur kurz angemerkt, aber in Anwesenheit einer Polizistin entsperrt man nicht sein Telefon. So, Du weißt ja, dass die das haben wollen.
Tim Pritlove
Mhm.
Linus Neumann
Und das ist wirklich, wirklich halt bitter, aber wie du schon sagtest, so was man hier eigentlich also wenn man dieses Land digitalisieren möchte und seinen riesigen Kropf an, an, an, an Bürokratie und Verwaltung, dann muss man als allererstes den digitalisieren. Und dann muss man sich überlegen, okay, jetzt bin ich ja ganz blöd, was haben wir hier für Ansprüche, was haben wir hier? Ne, was sind die Prozesse, die wir am häufigsten machen? Wie können wir die sinnvoll digital abbilden. Was machen wir da für eine äh User Journey? Wie sichert man das ab mit ganz normalen Technologien, die seit seit Jahrzehnten etabliert sind und funktionieren, ja, für die wir schon einen Vertrauensanker haben, mit unserem ähm. Mit unserem äh äh mit unserer EID und dann bist du fertig. Und das kannste kannst du so richtig schön machen. Das ist überhaupt gar kein Problem, stattdessen sachste, ey wie können wir eine eine Infrastruktur, die Millionen oder Milliarden gekostet hat mit diesen E-IDs, wie können wir da durch eine App ersetzen? Durch eine fucking App, ich ich habe gerade äh ich habe gerade ein neues Telefon, Tim, ne, ich bin jetzt und das ich bin jetzt hier seit Tagen damit beschäftigt meine zweiten Faktoren umzuziehen, So und jetzt soll ich demnächst verliere ich ein Telefon und dann äh kann ich mich auf einmal nicht mehr ausweisen oder was? Das ist doch alles nicht für eine Mark mitgedacht.
Tim Pritlove
Das ist eine totale Katastrophe. Und ähm ja, machen wir uns nichts vor. Es wird noch sehr, sehr, sehr lange dauern. Und man kann nur äh hoffen, dass jetzt irgendwie diese alten Generationen, die einfach auch diesen mentalen Zugang zu diesen Technologien so noch überhaupt nicht gefunden haben, möglichst lange ferngehalten werden jetzt von diesem Regierungsgeschäft, weil es geht einfach so nicht weiter. Es ist einfach, es ist wirklich nicht mehr zu ertragen und wir haben auch überhaupt gar keine Lust mehr dadrüber zu reden, weil es einfach alles so furchtbar schlimm ist. Mein Gott, man freut sich schon über Sachen, das das ist schon peinlich, dass man sich darüber freut.
Linus Neumann
Worüber hast du dich denn gefreut?
Tim Pritlove
Ich habe immer irgendeine Kleinigkeit mal tatsächlich funktioniert. Ähm. Drüber nachdenken, also irgendwas ähm was hatte ich da zuletzt? Ach nee, das war nur jemand anders, hat mir gesagt, dass. Er sein Auto zulass, seine ummelden konnte, irgendwie tatsächlich mit mit Personalausweis all die online und so weiter. Das ging natürlich in Berlin, in Berlin geht's aber natürlich nicht und hier ist immer noch so eher die Situation, dass du froh sein musst, wenn du überhaupt in den nächsten sechs Wochen mal einen Termin kriegst. Für überhaupt irgendwas.
Linus Neumann
Nee, aber ich weiß, du hast Recht, also solche Geschichten hört man. Also da da gibt's Gerüchte, dass es einen äh einen funktionierenden digitalen Prozess zur Ummeldung eines KFZ gäbe. Das habe ich auch schon gehört.
Tim Pritlove
In anderen Bundesländern. Ja, ja, ja.
Linus Neumann
Ja, da muss man äh auf dem ist das auf dem äh auf dem Fahrzeugpapieren so sowas freirubbeln, ne. Da rubbelt man was ab, so ein äh so ein Hologramm, dann ist das da ist das Dokument ungültig und und die Zahl, die da drunter steht, kann man dann zum Abmelden nutzen oder ummelden. Ja, habe ich also da gibt es, da gibt's fantastische Geschichten. Die aber die eher so, ne, so als urbane äh Legenden, ne. Also jeder kennt einen, der von einem erzählt, der dessen ehemaliger Mitbewohner. Kennt, der das schon mal gesehen hat.
Tim Pritlove
Ja, es sind einfach äh digitale Märchen aus tausend und einer Nacht.
Linus Neumann
Okay. Ah, schön. Äh also tolle Wallet-ID. Ähm äh ich habe ich habe die App noch, ja, super. Und es ist wirklich, also es ist katastrophal äh diese diese Kommunikation dann eben sozusagen also jetzt so oh ja wir sind Das war zu innovativ und das ist zusammengebrochen unter der Nachfrage und die Kritik des CCC nehmen wir ernst. So, du, du kannst nicht eine Applaunchen, die von paar Freiwilligen innerhalb von paar Stunden zerpflückt wird, mit mit irgendwie. Eklatanten Lächerlichkeiten. Wo dann auch noch herauskommt, du wusstest von denen, du hast den Mist trotzdem gelauncht und dann setzen sie sich auf irgendein Podium und sagen, boah sind wir geil und innovativ. Das ist wirklich das geht so nicht. Es tut mir leid, Freunde, so nicht. Was übrigens auch nicht geht ist. Frontex, wir haben wir haben ja hier schon ähm ein paar Mal davon berichtet, dass ja frag den Staat ähm. Anfragen an ähm. An Frontex gestellt hat und äh Frontex dann tatsächlich gesagt hat, okay, das kostet jetzt Geld, was ihr hier von uns wolltet und ähm. Äh die haben dann, also Frontex hat 152 Euro äh gefordert von frag den Staat und ähm jetzt, wurde dann von Seiten des Europäischen Parlamentes gesagt, das solle diese Geldforderung fallen lassen. Also Frontex soll das nicht tun, ja? Ähm. Und der haben also äh quasi das Parlament selber hat gesagt, so macht das nicht. Und ähm. Zwar hat das Parlament das äh offiziell gefordert, einmal im, wo ist es?
Tim Pritlove
Und im Juni.
Linus Neumann
Genau, im April und im Juni. Und wir halten auch darüber berichtet, dass sie ursprünglich nämlich äh23.700 Euro haben wollten, dann haben wir gegen geklagt und dann hat das äh europäische Gericht gesagt, okay, Ihr müsst die Forderung auf mehr als die Hälfte reduzieren, also nämlich äh die 23.700 sind überzogen und ungerechtfertigt. Dann haben sie die eben runtergekürzt auf äh zehntausendfünfhundertzwanzig Euro sechsundsiebzig. Dann hat das Europäische Parlament gesagt, mehrmals lastet sein ja, lasst die einfach in Ruhe, weil ähm ihr ähm. Habe quasi einen Chilling-Effekt hier gegen diese äh äh gegen diese äh Initiative von Bürgerinnen und Bürgern, die ja einfach nur etwas von euch gefragt haben, ja? Siebenundachtzig.
Tim Pritlove
Und so, ja genau, darum ging's ja auch.
Linus Neumann
So, 87.000 Bürgerinnen äh und über 40 Menschen Bürgerrechtsorganisationen haben Frontex aufgefordert, diese Einschüchterungsversuche einzu. Frontex ignoriert das aber und ähm jetzt hat sie, tatsächlich äh die letzte Mahnung gesendet und dann haben sie, so ist das ja nun mal, ne, also, Dieses Gerichtsurteil kannst, du kannst das ja vollstrecken lassen, ja? Und ähm sie haben also jetzt gesagt, sie wollen diese zehntausendfünfhundertzwanzig Euro sechsundsiebzig haben. Soll natürlich sagen, Frontex ist eine Agentur, die hat ja Milliarden. Ne? Das heißt, sie haben natürlich überhaupt nicht dieses Geld, also die die brauchen dieses Geld nicht Und die, das sind ja auch virtuelle Kosten für die, aber die Vorder ist natürlich ein, um frag den Staat, die eben nicht Milliarden haben, sondern mit tausenden oder hunderttausenden Euro im Jahr arbeiten müssen. Ähm tausenden oder 100.000 Euro im Jahr arbeiten müssen, um denen halt äh zu schaden Ähm da wird man also jetzt heute noch im Laufe des Tages äh sehen können, weil frag den Staat hat sich dann entschieden, hat gesagt, na, so eine unpersönliche Überweisung wäre ja schade. Also äh fahren wir mal mit dem Bargeld dahin und bringen das in Brüssel im Büro vorbei, das kann man eben auf dem Twitter-Account verfolgen, wie dann frag den Staat, ja, diese diese Strafe, an äh Frontex Auszeit, gibt's schon Bilder von Ahnen mit mit dem Bargeld und äh einem Köfferchen haben sie sich da zusammen fotografiert. Ich glaube, das ist Luisa und Arne sitzen da mit mitm Geldkoffer, den sie jetzt an Frontex übergeben.
Tim Pritlove
Hashtag.
Linus Neumann
Ja, also ist äh äh ich meine, natürlich ist das auch bitter, ja, aber okay. So mal verlierst du auch ein Gerichtsverfahren. Und natürlich ist das auch wieder eine Möglichkeit, äh äh oder ein ein Anlass daran zu erinnern, das fragt den Staat sehr gerne mit Spenden unterstützt werden kann und ja, mal verlierst du auch ein Gerichtsverfahren. Insgesamt und dabei aber nicht vergessen, dass die halt sehr viele Gerichtsverfahren gewinnen. Und hier eine Forderung äh von 23 auf zehn runterzukürzen, ist ja auch schon mal ein Erfolg, ja.
Tim Pritlove
Henriette Litta twittert dazu, du weißt, dass du bei einer einzigartigen NGO arbeitest, wenn du bei der Bank um 10.000 Euro in möglichst kleinen Scheinen fragst.
Linus Neumann
Ja, man kriegt natürlich leider sowas so viel nicht so so schnell in Münzen, ne. Hm, das wäre natürlich noch besser gewesen.
Tim Pritlove
Ja. Na ja.
Linus Neumann
Ähm ja dann das waren glaube ich so die die das war die Nachrichtenlage. Ähm.
Tim Pritlove
Eine gibt's aber noch.
Linus Neumann
Eine gibt's noch. Äh wir haben vor ein paar Tagen dann äh ankündigen müssen. Ich glaube am Freitag haben wir das gemacht.
Tim Pritlove
Also nicht wir, sondern der CCC.
Linus Neumann
Ja genau, der genau, der CC, also in dem Fall wir, der CCC. Ähm. Dass es dieses Jahr keinen Kongress in Leipzig geben wird. Und ähm wir haben da jetzt mal, wir wollen da gar nicht also es gibt da quasi nicht einen konkreten. Sondern einfach eine Reihe an Punkten und die sagen wir mal von der logistischen Leistung so einen Kongress zu machen inklusive der Hürden, die jetzt zum Beispiel äh, und äh Hygieneauflagen angehen, dass wir festgestellt haben, die Bedingungen, die wir, die notwendig zu erfüllen wären, um eine Veranstaltung mit, sagen wir mal, ungefähr zehn.000 Leuten oder 17.000 Leuten oder vielleicht auch nur achttausend Leuten in Leipzig durchführen zu können, würden eben. Den Geist der Veranstaltung nachhaltig zerstören. Du hättest dann eben nicht einen Kongress, sondern du hättest halt den Corona-Kongress mit den langen Warteschleifen, mit Datenerfassung und und anderen Schwierigkeiten, die einfach insgesamt dem größeren Teil des Orga-Teams und das ist ja ein relativ großes Team mit sehr vielen einzelnen Gruppierungen. Äh gesagt hat, so das ist es dann nicht wert, das zu machen. Ähm diesen Aufwand zu treiben, das würde wir hätten am Ende keine keine Sekunde Kongressfeeling, sondern eben eine eine.
Tim Pritlove
Die ganze Zeit nur so einen Affentanz.
Linus Neumann
Genau, die ganze Zeit Affentanz und die ganze Zeit Auflagen und Probleme und äh du würdest diese diese Situation nicht vergessen können. Und das ist eben durchaus etwas anderes als jetzt zum Beispiel bei den Open Air Veranstaltungen im Sommer. Da ist es ja dann streckenweise mal gelungen durch äh Testkonzepte, ne, durch Impfungen und sowas, dass sie dann gesagt haben, okay, hier zack, einmal alle Leute testen und dann gibt's hier zwei Tage Party, alle PCR getestet, dann geht's wieder nach Hause, ne. Das sind ja umsetzbare Konzepte. Weil sie eben auch an der frischen Luft stattfinden und im Sommer und die Leute campen und so weiter. Aber ein Kongress in Leipzig findet eben im Winter statt da müssen die Menschen das Gelände auch täglich wieder verlassen und durch die Stadt reisen und, wie gesagt, es geht dann äh am Ende für jedes einzelne, für jede einzelne Anforderung hätte man eine Lösung finden können, aber im gesamtgefüge. Sind es dann einfach zu viele, als dass es, als dass du sagen könntest, unter diesen Bedingungen können wir einen Kongress machen. Und deswegen wird es also kein, Präsenz Event in Leipzig geben. Es wurde aber schon auch äh vor einigen Monaten angekündigt, dass die Gruppe äh remote Event natürlich äh motiviert ist, ein Angebot zu machen. Und in welcher Form dieses gemacht wird. Und äh ne, was was da vielleicht sich noch realisieren lässt, das wird, denke ich mal, in den nächsten Wochen dann gemeinsam erarbeitet, aber äh nach Leipzig fahren äh wird, wird nicht stattfinden.
Tim Pritlove
Meine, du hast das jetzt vor allem und auch nachvollziehbarer Weise, vor allem aus der Perspektive der, Orga geschildert, ne? Ich meine, der der Kongress ist extrem auf alle Freiwilligen äh angewiesen und selbst ähm wenn man jetzt mal diese Aspekte einer inneren Kernorga Ja, also Leute, die sich, ja, auch alle freiwillig sind, aber die das, viel früher annehmen, sehr viel mehr im Vorfeld arbeiten, auch die Durchführung des Kongresses selbst hängt ja dann auch sehr von den Engeln ab, von Leuten, die sich äh freiwillig melden und auch da kann man überhaupt nicht sagen, wie viele Leute sich überhaupt noch für so ein Event entscheiden würden. Genauso kann man, glaube ich, auch derzeit überhaupt nicht sagen, wie viele Leute überhaupt die Bereitschaft hätten, jetzt ein Indoor-Event, Ende Dezember. Durchzuführen, zumal ja auch, die Coronalage zu dem Zeitpunkt auch so recht nicht äh vorhersehbar ist. Also es ist wirklich eine Vielzahl von aus meiner Sicht sehr nachvollziehbaren Gründen, die es einfach vollkommen unmöglich machen und wir hoffen alle, das Problem nächstes Jahr dann weg ist, aber jetzt kommt es einfach noch zu früh.
Linus Neumann
Und ja, damit das Problem weg ist, äh kann ich nur noch mal daran erinnern, ist es sinnvoll, wenn man sich impfen lässt, wenn man jetzt schon mal langsam auch in Richtung äh Boosterimpfung blickt. Und wenn man vielleicht noch verbleibende Ungeimpfte, auch nochmal sich mit denen darüber unterhält, was denn vielleicht für sie auch sinnvoll wäre. Ich hab mich jetzt in letzter Zeit in der letzten Sendung ja schon ein bisschen oder war das die Vorletzte mal mein Unmut mit den Impfverweigerern zum Ausdruck gebracht habe, äh noch einige Gespräche geführt, einige Hörerinnen haben sich dann auch per Mail gemeldet, ein bisschen diskutiert. Äh die Sache ist halt so, bei aller Liebe, es gibt äußerst äußerst wenige Gründe, sich nicht zu impfen und ähm.
Tim Pritlove
Also es gibt viele Gründe, aber keine Guten.
Linus Neumann
Äußerst wenige äh respektable Gründe, sich nicht zu impfen und, wer die Menschen, die halt über Risiken argumentieren, denen muss man eben auch leider sein, so dann dann schau dir das Risiko einer Infektion an. Und äh selbst wenn, also ich persönlich fand das, Für mich war dieser Moment der Impfung, was weiß ich, so einer der schönsten und wichtigsten meines Lebens in den letzten Jahren, ja? Und dann zu sehen, dass es irgendwelche Menschen gibt, die die dieses, die das schmähen und irgendwie, sage ich mal, in ihrer individuellen. Risikoabwägung tatsächlich denken, dass sie ein. Risikovermeidungsverhalten zeigen würden, wenn sie sich nicht impfen lassen, Da muss man halt ganz einfach sagen, bis auf die wenigen gesundheitlichen Gründe, wo das irgendwie aus irgendwelchen Gründen, mir fällt noch nicht mal einer ein, ne? Wo es angemessen ist, sich nicht zu impfen, ist es immer riskanter, also quasi man geht auf jeden Fall das größere Risiko ein, nicht geimpft zu sein. Und ähm, mit für die Gesellschaft so, ich meine, wir könnten sehr viel besser dastehen. Und es ist ja jetzt leider so, dass die Gelehrten Deutschland dann doch eine relativ unschöne Zeit äh vorhersagen, weil die Impfquote noch nicht ausreichend hoch ist. In den USA habe ich jetzt letztens gesehen. Dort äh sind jetzt irgendwie, weiß ich nicht, wieder ein paar hunderttausend Leute gestorben von den Toten. 97 Prozent ungeimpft. Ja und jetzt das ist jetzt wieder, wenn wir das letzte Mal auch schon drüber gesprochen, diese Prozentverteilung sind immer, hochkomplex, aber wenn du, wenn man, man muss immer gucken, ne, das sind ja abhängige Wahrscheinlichkeiten, wenn du in einer, wenn du. In einer Gesellschaft, sagen wir mal, sechzig Prozent geimpft hast, ja und vierzig ungeimpft, und dann nimmst du die Toten und bei den Toten sind ihm aber siebenundneunzig umgeimpft. Da musst du ja gucken, dass diese Geimpften, die kommen ja noch noch dazu aus einer sehr viel größeren, Grundgesamtheit. Ja, das heißt, dieser der Schutz durch die Impfung vor schweren Verlauf und Tod ist also quasi, ne. Im Zehn- bis Hundertfachen äh Bereich von was das, was das Risiko betrifft, ne. Da muss man irgendwie keine Sekunde drüber nachdenken, ähm sich impfen zu lassen. Und. Das tut mir auch wirklich dann leid für Leute, die äh die die der da ernsthaft sagen, ach geil, ich gehe jetzt in den Winter 21, einer tödlichen Pandemie ungeimpft. Und beschwere mich, was weiß ich, dass ich nicht ins Fußballstadion reinkomme oder was die dann, was diese Leute dann für Sorgen haben, ne.
Tim Pritlove
Tut's mir um die Leute, die äh wirklich einen, ganz anderen Grund haben dann äh Intensivpflege zu brauchen, weil sie gerade einen Unfall haben oder äh sonst irgendeinen Vorfall, aber dann keine Plätze vorfinden, weil alles mit Ungeimpften Vollidioten äh da ist, So und das, das ist irgendwie das, was mich am meisten ärgert. In gewisser Hinsicht könnte man jetzt ja auch schon sagen, so ey, okay, wenn ihr irgendwie nicht in der Lage seid, da äh äh eins plus eins zusammenzuzählen und einfach mal die die absolut. Nicht anzuzweifelnde Faktenlage des letzten anderthalb Jahres wissenschaftlicher Forschung irgendwie nicht nicht verstehen wollt, gut, dann geht ihr irgendwie auf eigenes Risiko, aber leider ist es ja nicht so, sondern ihr gefährdet einfach damit, alle insbesondere die Leute, die wirklich die Unterstützung der Krankenhäuser dringend brauchen, denn das sind alles vermeidbare Fälle. Kostenlos, vermeidbar, problemlos, vermeidbar mit einem Zeitaufwand, der überhaupt nicht der, der, der Erwähnung wert ist und ähm dementsprechend ja macht das jetzt bitte äh ich habe keine Lust mehr darüber zu diskutieren.
Linus Neumann
Ja, es ist wirklich, ja. Muss man leider so sagen. Oh Mann. Tja, und dann könnt ihr auch wieder zum Kongress, nächstes Jahr vielleicht.
Tim Pritlove
Genau vielleicht. Das ist jetzt äh das Ende dieser Sendung.
Linus Neumann
Ist das Ende. Ihr habt äh, Ihr wisst, wie ihr eure Prozesse digitalisieren müsst. Ihr wisst, dass es kein kein Präsenzkongress geben wird. Das heißt nicht, dass es nicht ein Alternativprogramm geben wird. Vielleicht sogar auch irgendwo vor Ort. Ähm. Ihr wisst, warum man trotzdem keine digitalen Wahlen haben möchte. Und äh euer Zeugnis ist in der Blockchain.
Tim Pritlove
Und ihr wisst, nächste Woche werdet ihr wieder von uns hören und dann äh freuen wir uns schon auf euch. Bis dahin sagen wir tschüss und bis bald.
Linus Neumann
Ja und dann äh machen wir nächstes Mal auch wieder ein bisschen Feedback. So, bis dahin, tschau, tschau.

Shownotes

Prolog

Flyerservice Hahn

Wahlhelfer und Wahlbeobachtung in Berlin

Wahlergebnis Bund

ID Wallet

Blockchain-Zeugnis

De-Mail

Frag den Staat und Frontex

Kein Congress 2021

79 Gedanken zu „LNP408 Führung in der Wurstfabrik

  1. Noch ein persönlicher Kommentar zum Thema digitales Wählen und Nachvollziehbarkeit. Ich war Wahlhelfer in Sachsen und habe meinen Sonntag im Wahllokal verbracht. Vereinzelte hatten Personen im Verlaufe des Tages die Richtigkeit/Glaubwürdigkeit der Wahl in Frage gestellt. Einfach das Anmerken der Tatsache, dass ich ehrenamtlich bei dieser Wahl helfe und sie gerne bei der nächsten Wahl auch mitmachen können bzw. sogar wenn sie wirklich darauf bestehen noch vor Ort zum Wahlhelfer ernannt werden und mitzählen könnten, hat diesen Personen jeglichen Wind aus den Segeln genommen.

    • Exakt das kann ich auch berichten. Auch die Einladung, der Auszählung als Beobachter:innen beizuwohnen hat bei der einen Person, die in unserem Wahllokal lauthals von einer reinen Show-Wahl gesprochen hat, zu völliger Überraschung und kleinlautem Rückzug geführt.

      Im übrigen wollte ich einmal als Kontrast zum Chaos berichten, dass es in dem Wahllokal im Hamburger Bezirk Wandsbek, in dem ich Wahlhelfer war, extrem gut organisiert war.

      • Yep, finde ich auch gut und wichtig, dass im Podcast hier noch mal gewarnt wurde, die falsche Schlüsse zu ziehen. Fehler beim klassischen Urnengang können auftreten. Das entscheidende ist, dass sie ohne Expertenwissen und ohne exklusive Privilegien erkannt, allgemeinverständlich nachvollzogen+korrigiert werden können. Das sollte der Maßstab für einen demokratischen Prozess sein. Das entschuldigt natürlich nicht die krasse Dysfunktionalität der Berliner Verwaltung, hoffentlich war das beinahe-Scheitern an der Durchführung von Wahlen ein Weckruf. Die Schnittstelle Landes-/Bezirksebenen funktioniert oft nicht, und eine relevante QM-Instanz gibt es auch nicht. Obendrauf kommt vrmtl. noch ein wenig hauptstädtische Flapsigkeit, ja Arroganz. Nach dem Motto: Am starken Zuzug von Menschen sieht man doch schon, dass wir geil sind. Passt schon.

  2. Long time listener, first time commenting.
    Ich finde es toll, dass mal so ausführlich über das Helfen bei Wahlen gesprochen wurde. Selbst war ich seit meiner Volljährigkeit beinahe bei jeder Wahl Helfer, zuletzt als Wahlvorsteher.
    Noch nie habe ich solche Probleme erlebt, wie ihr das aus Berlin berichtet habt. In meiner (Mittel)Stadt in Bayern gibt es immer eine sehr gründlich vorbereitete Wahl. Bei der Bundestagswahl hatten wir zum Beispiel für etwa 900 Stimmberechtigte genau 1000 Stimmzettel bekommen. Außerdem haben wir Handy erhalten, um für das Wahlamt erreichbar zu sein. Diese melden sich auch gelegentlich und fragen nach dem Rechten.
    Mir scheint es, als wäre es gewollt gewesen, dass bei euch alles so drunter und drüber läuft.
    Was Linus über die Wahlhelfer*innen gesagt hat kann ich so nur bestätigen: Es gibt viele, die das richtig mit Herzblut machen und sehr kompetent sind. Ich kann nur Empfehlen sich selbst mal zu melden!

  3. Endlich auch mal einen Dauerauftrag für das ZPS eingerichtet, war echt überfällig.
    Lande jetzt vermutlich ebenfalls auf irgendwelchen Todeslisten weil die Polizei meine Daten an die AfD weiterreicht.

    • Ich fand es bei der Spende für Flyerservice Hahn auch irritierend, die kompletten Kontaktdaten angeben zu müssen (auch wenn man kein Merchandise bestellt). Hoffentlich passen sie auf die Daten gut auf ;)

  4. de-Mail: Den größten fail fand ich, das man als Bürger zustimmen musste, das von Behörden gesendete Mails an de-Mail-Empfänger als zugestellt galten.
    Behörden konnten also einfach mich per E-Mail anschreiben, und ich war verpflichtet, mein de-Mail-Postfach regelmäßig täglich wegen Fristen aufzurufen. Andererseits waren die meisten Behörden nicht per de-Mail erreichbar, der Kommunikationsweg Bürger -> Amt musste also weiterhin mit Einschreiben erfolgen.
    Das System hatte also nur Nachteile, keine Vorteile.

  5. Ich bin auch seit den Diskussionen um Wahlcomputer Wahlhelfer. Ist hier immer recht entspannt. Wenn genug Leute da sind, macht man einen halben Tag und dann Abends das Zählen.

    Und man lernt Leute aus dem eigenen Viertel kennen, vor allem die älteren Jahrgänge lassen sich das nicht nehmen, wählen zu gehen.

  6. Thema – ID Wallet…
    Was mich auch stört, ist, dass sich die Regierung aus der Verantwortung für die Digitalisierung drückt. Warum hat die Regierung (Helga Braun) diese Führerschein-App über eine dubiose unbekannte Firma verbreitet? Plastik-Führerscheine, Personalausweise, Geldscheine, … sogar Masken-Coupons, werden alle von der Bundesdruckerei erstellt, warum also produziert die Bundesdruckerei nicht die digitalen Äquivalente, indem sie von ihr (oder dem zuständigen Ministerium als Auftraggeber) signierte Apps in die App-Stores hochlädt? Personalausweis, Führerschein, Corona Pass, CovPass Check…. Und nicht dur die Urkunden, sondern auch die Einbindung in Prozesse.

    Wie ihr im Podcast betont habt, ist die Öffentlichkeit technisch nicht in der Lage, gefälschte Apps von staatlichen Apps, die von Dritten veröffentlicht werden, zu unterscheiden – es ist eine Frage des Vertrauens. Die Regierung muss das Vertrauen in ihre eigenen Digitalisierungstechniken gewinnen, und dann würde sich die Sicherheit als Folge der Übernahme von Verantwortung automatisch verbessern.

    • Wir haben in Deutschland bis heute unser Authentifizierungsproblem immer noch nicht gelöst. Jetzt haben endliche alle einen elektronischen Personalausweis (eID) und wir nutzen es nicht. Liegt es wirklich daran, dass man einen eID-Reader braucht? Seit neuestem nicht mehr: macht das Handy mit Ausweisapp2 die auf einmal wundersam auf meinem Iphone aufgetaucht ist.

      Das diletantische Vorgehen bei der HOCHOFFIZIELLEN Führerscheinapp ist nur ein weiteres Beispiel dass Digitalisierung politisch überhaupt nicht gewollt ist. Wenn etwas gewollt wird es gemacht. Siehe Förderung der Lehrer-Dienstgeräte, Zuschüsse für „Alt-Autos“, Zuschüsse für E-Autos. Es ist nicht das Geld das eine Rolle spielt sondern der politische Wille der auch gegenüber der Ministerialverwaltung durchgesetzt werden muss.

  7. Hier einfach mal eine Persönliche Anmerkung zur Impfung. Ausgerechnet bei der Gruppe für die es noch keine Impfstoffzulassung gibt wird ja zur Zeit an entscheidender Stelle die Maskenpflicht abgeschafft (Schulen, auch Grundschulen).
    Eines unserer Kinder ist Epileptiker – Sollte er Auswirkungen einer Corona Infektion spüren, ist die Wahrscheinlichkeit ehr hoch, dass diese auch problematisch werden.
    Da ein Eigenschutz durch gewöhnliche OP Masken, wie sie schon aus Kostengründen im täglichen Schulbetrieb eingesetzt werden bekanntlich nicht möglich ist und nun die Masken Fallen haben wir uns für eine Off Label Impfung im Kinder MVZ vom Virchow-Klinikum (Berlin) entschieden.
    Da unser älterer Sohn ohnehin fast 11 2/3 ist nehmen wir ihn dann gleich mit.
    Die kosten für täglich neue FFP2 Masken für zwei Kinder könnten wir nicht tragen und eine Andere Schutzmöglichkeit fällt durch die längst wieder eingeführte Anwesenheitspflicht ebenfalls weg.
    Ja wir sind schon ein wenig ärgerlich, das wir gewissermaßen zu diesem Schritt gezwungen werden. Auch wenn wir natürlich eher nicht davon ausgehen, dass die Impfung ein erhebliches Risiko für die Kinder darstellt. Sonst würden wir tatsächlich irgendwie versuchen gegen die Abschaffung der Maskenpflicht in den Schulen etwas zu unternehmen – das ist aber mit Sicherheit sehr sehr anstrengend, Zeit und kostenaufwendig, die Zeit arbeitet gegen einen und die Erfolgsaussichten sind Fragwürdig. Von den sozialen Folgen, wenn man sich so unter anderen Eltern umhört, mal ganz abgesehen.
    Ich kann ja mal nächste Woche kommentieren, wie es unseren Kindern so mit der Off-Label Impfung ergangen ist.

    • Kurzer Nachtrag zu den u12 Off-Label Impfungen meiner Kinder.
      Der Epileptiker hat vorsorglich Fiebersaft bekommen und ist am Tag darauf zur sicherheit zu Hause geblieben. Weiter war nichts auffälllig. Das ist natürlich nicht repräsentativ, aber man kann ja nicht nur schlechtes berichten, nicht wahr?

  8. Ach ja und dann auch noch eine Anmerkung aus persönlicher Erfahrung zum Eingangsthema Wahlchaos führt zu Bestrebungen der digitalen Wahl:

    In der tat ist mir erst am Samstag wieder die Aussage „Ich frage mich sowieso warum wir die Wahlen nicht einfach digital machen.“ unter gekommen. Es ist schon sehr schade, dass es sich dabei natürlich nur um eine rhetorische frage handelt. Die Person der ich dann versucht habe die Genialität unserer Wahl und Auszählungsmethodik im Hinblick auf Manipulationssicherheit, Nachvollziehbarkeit und Wahrung des Wahlgeheimnis zu erklären, war nicht gerade überzeugt davon dass eine universelle Datenverarbeitungsmaschine nicht wirklich Nachvollziehbar für die Mehrheit der Bevölkerung dazu gebracht werden kann eine Manipulationssichere und Geheime Wahl zu ermöglichen.
    Sie war aber ohne jemals eine Auszählung oder einen Wahltag in Gänze beobachtet zu haben ebenfalls nicht davon zu überzeugen dass:
    – es sinnlos wäre etwas vorher in die Urne zu Werfen (es wird geprüft, dass die Urne leer ist)
    – es aufgrund des Auszählungsverfahrens sehr mindestens sehr unwahrscheinlich ist, dass sich Personen dazu verabreden können die Stimmen nicht korrekt aus zu zählen
    – es auch auf Grund der gewissermaßen zufälligen Auswahl tausender Wahlhelfer und ebenso eher zufälligen Zusammenstellung der Wahlvorstände sehr unwahrscheinlich ist, dass es ein derartiges Vertrauensverhältnis überhaupt gibt, dass eine solche Verabredung Spieltheoretisch ermöglichen könnte.
    – dass eine derartige Verabredung allein durch anwesende Wahlbeobachter durch auftretende Inkonsistenzen wahrscheinlich bemerkt, aber zumindest ein Überprüfungsbedarf erkannt werden würde
    – Eine Digitale Abstimmung keine Verteilung des Risikos von Irrtümern auf tausende Wahllokale ermöglichen kann – oder eben nur wieder mit Bruch des von Linus ja auch mehrfach erklärten magischen Dreiecks.

    Wir sollten also wirklich in nächster Zeit wieder besonders aufmerksam, gerade im persönlichen Umfeld sein. Denn hier kann man zumindest sehr gut im kleinen Rahmen die Problematik an der Basis bewusst machen.
    Ich bin mir fasst sicher, dass insbesondere mit einer eher progressiven Regierungskoalition wieder Vorschläge zur digitalen Unterstützung und Modernisierung der Wahl auf den Tisch kommen werden.

  9. Ich finds echt schade das und bin auch ein bisschen wütend, dass das in Berlin nicht gut funktioniert hat mit den Wahlen. Ich habe jetzt zum ersten mal bei den Regionalwahlen, und danach den Bundestagswahlen in Hannover geholfen (jaja, auch wegen der Impfkategorie). Das war dann aber tatsächlich ein Erlebnis das mir ein wenig des verlorenen Vertrauens in unser demokratischen Systeme zurückgegeben hat. In der Pandemie hatte da vieles stark gelitten bei mir. Oder ich war vorher einfach sehr naiv.
    Es war einfach toll zu sehen wie man mit 10 zuvor wildfremden Menschen an einem Sonntag den ganzen Wahlbetrieb eines Wahllokals sicher, zuverlässig und nachvollziehbar bewerkstelligen konnte. Bei richtiger Vorbereitung ist das ein unglaublich robustes System.

    Grüße Johannes

  10. Hi, zum Thema Schnellmeldung und wieso die Zahlen nicht vom Vorstand im Wahllokal digitalisiert werden: Ich war bei der BTW zum vierten Mal Wahlhelfer in einen „normalen“ (also nicht Briefwahl-) Wahllokal in einer Stadt mit rund 150.000 Einwohnern (also nicht Berlin). Schnellmeldungen passieren bei uns telefonisch: Man ruft im Rathaus an und wird nacheinander nach verschiedenen Zahlen gefragt. Dort werden die Zahlen dann vermutlich abgetippt. Aber die Schnellmeldungen haben auch eine Prüffunktion, denn man wird direkt auf inkonsistente Zahlen hingewiesen und gebeten, diese Inkonsistenzen zu klären und dann nochmal anzurufen.
    Gerade da es leider nicht in jedem Wahllokal so kompetent abläuft wie anscheinend bei euch, finde ich es gut, diese Prüfinstanz irgendwo im Rathaus zu haben, statt es uns Ehrenamtlichen zu überlassen.

  11. Hi Ihr beiden,
    wunderbarer Rant mal wieder zum digitalen Trauerspiel! Bei all der Tragik danke ich Euch für die Aufklärung und das damit verbundene Amusementpotential!
    Die ganze S-Bahn hält mich jetzt für durchgeknallt…

    Grüße aus München!
    Markus

  12. Wenn du einmal auf der Wahlhelferliste stehst Linus, dann werden sie Dich schon nicht vergessen. Ich hab mich vor ein paar Jahren freiwillig gemeldet und wurde seit dem bei jeder Wahl wieder berufen. Wobei ich dieses Jahr eigentlich ganz gern aufs wahlhelfen unter Seuchenschutzbedingungen verzichtet hätte. Da 3 Stunden (wir waen 10, konnten also den Tag in 3 Schichten a 3h20m aufteilen) mit Maske sitzen war jetzt nichts worauf ich mich gefreut hab. Glücklicherweise haben sich meine Befürchtungen nicht bewahrheitet. Es waren keine Spinner unter den Wählern sondern die Wähler waren ganz im Gegenteil wie hier in Hannover wieder sehr sehr nett. Auch als sie bei der Kommunalwahl 2 Wochen vor der Bundestagswahl teils länger warten mussten. Eine Wählerin hat uns sogar beide Male Kekse (Bahslen, nicht selbstgebacken) mitgebracht. Bringt den Wahlhelfern ruhig was zum Naschen mit wenn ihr wählen geht. Die freuen sich. ;-) Insofern wars angenehm wie immer.

    Bei der Kommunalwahl am 12.09 gabs hier in Hannover allerdings ähnlich lange Schlangen wie in Berlin (siehe https://archive.is/csvkS). Viele Wahllokale konnten nicht pünktlich um 18 Uhr schließen (wir glücklicherweise schon), weil noch Wähler Schlange standen. Mindestens ein Wahllokal konnte erst gegen 19:30 Uhr schließen. Da ist das Hygienekonzept auf die Wirklichkeit geprallt. Ursprünglich waren auch nur 2 Wahl-„Kabinen“ vorgesehen. Was bei 4 Stimmzetteln auf die insgesamt 10 Kreuze gemacht werden mussten zu Stau führte. Außerdem sollte man immer nur 2 Wähler gleichzeitig in den Wahlraum lassen.

    Die Frühschicht hat dann wohl schnell zwei weitere Aufsteller bekommen, so dass wir 4 „Kabinen“ hatten und wir haben das Hygienekonzept bei der Zahl der Wähler im Raum auch etwas großzügiger ausgelegt, weils besser ist wenn auch ein paar im gut belüfteten riesigen Wahlraum warten als im gar nicht belüfteten Treppenhaus. Es war aber wirklich Land unter. Wir hatten einen schönen großen roten Zettel mit Telefonnummern wo wir bei Fragen oder Problemen anrufen sollten, aber da jemand dran zu bekommen war ein Problem.Besonders als wir dem Kurier, der eigentlich schon um 18:30 Unterlagen zur Wahl des Regionspräsidenten hinterhertelefoniert haben, weil der um 21 Uhr immer noch nciht da war. Der war leider in den Wahllokalen aufgehalten worden, die erst um 19:30 Uhr mit der Auszählung beginnen konnten.

    Ich frag mich ja, warum Berlin aus den Problemen in Hannover am 12.09 nichts gelernt und auch nur mit zwei Wahlkabinen pro Wahllokal geplant hat. Denn Hannover selbst hat gelernt und die Bundestagswahl dann gleich mit 3 Wahlkabinen pro Wahllokal geplant. Wir hatten da dann trotz weniger Kabinen (3 statt 4) und 100 Wählern mehr weniger Wartezeiten, weils halt nur noch 2 Stimmzettel (Bundestagswahl+Stichwahl) auszufüllen waren.

    Ach ja, beim Thema falsche Stimmzettel muss ich Linus Loblied auf die Wahlhelfer ein wenig stören. Es ist die Aufgabe der Wahlhelfer vor der Öffnung zu überprüfen, dass man die richtigen Stimmzettel da hat. Sollte natürlich nicht vorkommen, aber das wurde bei der Schulung angesprochen und stand auch auf der Checkliste für den Aufbau.

    Übrigens schon erstaunlich wie unterschiedlich das überall organisiert ist. Bei uns waren die Schnelltests für die Wahlhelfer wie die anderen Materialien für den Aufbau und die Stimmzettel in den Urnen und nicht in der Post. Natürlich genug Stimmzettel für den ganzen Tag. Nachlieferungen waren nicht nötig. Als Wahlvorsteher hab ich Samstags nur einen Umschlag mit Wählerverzeichnis, Niederschriften, Schnellmeldungen und dem Schlüssel für die Urnen abgeholt.

    Aus Securitysicht interessant: Die Schnellmeldungen wurden telefonisch übermittelt und damit da nicht jeder anrufen und erfundene Zahlen durchgeben kann waren auf jeder Schnellmeldung ein Code aufgedruckt, der zuerst durchgegeben und überprüft wurde. Die Formulare waren also quasi signiert.

    • Ach ja, beim Thema falsche Stimmzettel muss ich Linus Loblied auf die Wahlhelfer ein wenig stören. Es ist die Aufgabe der Wahlhelfer vor der Öffnung zu überprüfen, dass man die richtigen Stimmzettel da hat. Sollte natürlich nicht vorkommen, aber das wurde bei der Schulung angesprochen und stand auch auf der Checkliste für den Aufbau.

      Verstehe nicht genau, was du meinst. Das haben wir so gut es möglich war geprüft.

      • Ich bezog mich auf die Wahllokale, die falsche Stimmzettel an die Wähler ausgegeben haben. Das sind eigentlich die Wahlhelfer als letzte Sicherung gedacht falls da was schief gelaufen ist. Sollte auf den Stimmzettelkartons drauf stehen für welche Bezirke die Stimmzettel sind.

      • Ich hätte da vermutlich besser „Es ist die Aufgabe der Wahlhelfer vor der Öffnung der Wahllokale zu überprüfen, dass man die richtigen Stimmzettel da hat.“ schreiben sollen um Missverständnisse zu vermeiden.

        Bei dem Ganzen gehts halt darum, dass der Wähler es schlecht wissen kann ob er die richtigen Stimmzettel bekommen hat. Wie Du im Podcast ja auch ausgeführt hast Linus. Und Fehler können ja passieren wie man diesmal in Berlin gesehen hat. Daher sind die Wahlhelfer als weitere Sicherungsebene für den Fall der Fälle eingeplant.

  13. Hi,
    Eine interessant Sendung, danke. Mir ist bei der Diskussion zu “Digitalisierung richtig machen” und eurem Vorschlag, Bürgerunterschriften sozusagen über Web-Formulare und APIs zusammen mit der EID zu lösen, noch etwas aufgefallen was man vielleicht nochmal betonen sollte:
    Es muss ja auch für “untechnische” Bürgerinnen klar feststellbar sein, welche Bits sie eigentlich digital signieren, und was diese dann bedeuten. Bei normalen Web-Formularen ist aber nicht der Fall.. da muss man erst den HTML-Code anschauen (und schlimmstenfalls noch Javascript im Kopf ausführen) um zu wissen welches “Dokument” man gerade signiert.
    D.h. es braucht auf jeden Fall einen unabhängigen, vertrauenswürdigen “Dokument-Viewer”, der einem die zu signierenden Bits verständlich interpretiert. Und insbesondere kann der nicht von der Website kommen, die mir die Bits zur Unterschrift vorlegt… und dieser Baustein (ich will ihn mal nicht E-Wallet nennen :/) fehlt im alltäglichen Main-Stream-Web eigentlich doch noch oder? (Außer vielleicht man reduziert sich auf PDF) Und es scheitert dann alles wieder daran, so etwas vernünftig, standartisiert umzusetzen und an die Nutzerin zu bringen (die das eigentlich gar nicht haben will).
    Ich bin mir sicher, das ist euch alles klar. Es klang im Podcast nur ein bisschen so, als wären solche Vorgänge schon in der aktuellen Web-Realität lösbar… und das scheint mir aus obigen Gründen nicht so.

  14. Sehr erfreulich zu hören dass es bei Linus und auch bei Kommentierenden so rund lief bei der Stimmenauszählung. Das war leider nicht überall so. Berliner Briefwahllokal mit 1300 Briefen, sowohl Vorsitzender als auch Schriftführer ohne Vorkenntnisse und ein Wahlamt dass kurzfristig der Meinung war es wäre hilfreich den Wahlvorstand mitten im Auszählvorgang nochmal in zwei Wahllokale aufzusplitten. Was nicht ehh schon mangels Erfahrung unrund lief wurde hiermit endgültig komplett neben die Spur gesetzt. Ergebnis: 11h Stress ohne Pause bis früh um 2:00 und erstmal ’ne fette Erkältung. Als „Hilfskraft“ gab es genau Null Informationen vorher, keine Unterlagen, keine Schulung, nix – aber dank der Aufsplittung dann kurz vor Mitternacht noch unverhofft in eine Vorsitzendenrolle. Habe vorher sowohl bei Landtags- also auch Bundestagswahlen in Briefwahllokalen mitgeholfen, aber eine so eine Organisation und daraus folgender – eigentlich komplett unnötiger – Stress für alle Beteiligten ist mir noch nicht untergekommen. Es waren übrigens alle einberufenen WahlherlferInnen vor Ort, an mangelnder Teilnahme lag es nicht.

    Hätte man vor Ort früh morgens noch eine Blitzumfrage zum Thema digitale Wahlen gemacht wäre wohl die große Mehrheit dafür gewesen – das will sich niemand ein weiteres mal antun.

  15. Ich hab mich neulich auch mal gefreut, dass etwas einfach zu funktionieren scheint. Meine Sparkassenberaterin hatte mich persönlich darüber informiert, dass man jetzt neuerdings bei der Sparkasse Kreditkartenzahlungen im Internet (wir erinnern uns an PSD2) statt der Smartphone App nun auch mit FIDO2 Token autorisieren kann.
    Ich war wirklich positiv überrascht, dass ich als Smartphoneabstinenzler jetzt auch wieder Kreditkarten benutzen darf.
    Aber jemand scheint das mitbekommen zu haben, dass da irgendwas scheinbar ordentlich gemacht wurde und musste dringend eingreifen. Also hat der Kartenbetreiber (pluscard) schnell alle Linux-Benutzer durch Prüfung des „User Agent String“ von der Benutzung ihrer FIDO-Token ausgeschlossen mit der Meldung der Browser würde FIDO nicht unterstützen, egal welcher Browser. Weil wie wir alle wissen ist FIDO ja nur „mit Windows (ab Windows 10) und macOS (ab Big Sur) nutzbar“. (https://www.online-zahlen-mit-fido.de/faq.html Bonusdigitalisierungspunkte für den Domainnamen). Und wie erwartet unterstützt der Browser und die Webseite meinen FIDO-Token fehlerfrei wenn ich meinen User Agent String auf „Windows“ fälsche.

    Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass es in Deutschland jemals funktionierende Digitalisierung geben wird. Das passiert erst wenn wir vor den Megacorps kapitulieren und uns Qualityland umbenennen, nur halt nicht so wie wir es gerne hätten.

      • Hab auch mal geschaut:

        TLS_ECDHE_RSA_WITH_AES_256_CBC_SHA (0xc014) ECDH secp384r1 (eq. 7680 bits RSA) FS WEAK 256
        TLS_RSA_WITH_AES_128_CBC_SHA (0x2f) WEAK 128
        TLS_RSA_WITH_AES_256_CBC_SHA (0x35) WEAK 256

        PCI-DSS: Non-compliant

        Sind Die sich sicher, dass Die was mit Kreditkarten machen?

  16. Zu signierten PDFs: Es gibt nicht eine Art ein PDF zu signieren sondern viele, und jeder verwendet eine andere. Ein Land auch gern mehrere. Z.B. wollte ich mal selber mit Python die Signaturen von Österreichischen PDFs prüfen. Österreich hat da einen eigenen Standard (PDF-AS, AS für Amtssignatur), wie es scheint! Gibt keine Python lib die das kann. Gibt nur eine unsägliche Java-Software. Hab es geschafft *manche* Signaturen zu prüfen, aber nicht alle, weil gibt natürlich nicht nur eine Art wie die Signatur da kompliziert eingebettet sein kann sondern mehrere. Die zweite Art hab ich nicht geschafft zu implementieren, auch nach Tagen nicht. Ich *glaub* ich mach alles so wie es in der spec steht, Signaturprüfung faild aber immer für die garantiert validen Dokumente die ich hab. Die Standard-Vorgehensweise ist das PDF auf eine Webseite der Österreichischen Regierung hochzuladen, wo dann die Signaturprüfung durchgeführt wird. Ja toll. Erstens lässt sich das ja nicht automatisieren (ist ja keine API, sondern Webseite) und zweitens kann ich nicht alle Dokumente von Kunden einfach auf eine Regierungs-Webseite hochladen. Sonst geht’s noch? Ich hab’s aufgegeben. Es ist alles ein Horror.

    Die Java Software die es gibt ist eben diese Webseite. Hab versucht in deren Quellcode (ist zumindest open source) hereauszufinden was die anderes macht, aber ist halt typische Java Software. Layers over Layers, Factories etc. Da findest nix. Und wenn man auch Teile findet, dann sind sie weit außernander und dazwischen mehrere Konfigurations-Layer, wodurch man nicht weiß wie das zusammen passt. Also durch’s lesen vom Source der wie mir scheint einzigen Software die PDF-AS auswerten kann konnte ich auch nicht herausfinden wie PDF-AS in allen möglichen Varianten und Versionen(!) funktioniert. Da hätte ich’s lieber gehabt, wenn der Standard so aussieht, dass die Signatur über die ganze PDF Datei geht (geht es nämlich bei keiner eingebetteten Signatur, was womöglich das Problem ist: über welche Bereiche muss ich den Hash berechnen? Und wie hänge ich die Bereiche zusammen? – die Variante die ich geschafft hab zu implementieren ist eben einfacher diesbezüglich (alles vor der Signatur plus alles nach der Signatur)) und in einer zusätzlichen Datei angehängt wird. Aber das kann man Leuten nicht zumuten, weil dann geht die Signaturdatei verloren.

    Versteht mich nicht falsch, ich bin genau eurer Meinung bezüglich Blockchain! Aber leider ist das mit der PDF Signatur nicht so einfach. :(

    • Versteht mich nicht falsch, ich bin genau eurer Meinung bezüglich Blockchain! Aber leider ist das mit der PDF Signatur nicht so einfach. :(

      Das ist korrekt – aber das wäre sehr viel einfacher zu standardisieren als der Bau einer komplett neuen „privaten“ Blockchain, die ja dann von diesen Anbietern „betreiben“ werden muss.

  17. Moin,

    zur Impfthematik zwei Gedanken.

    1. In meinen Diskussionen mit Leuten, die noch nicht geimpft sind, habe ich eine interessante Gruppe ausgemacht, deren Argumentation mich ein wenig an das Trolley-Problem erinnert. Sie würden eine Ansteckung akzeptieren, weil sie eben Schicksal ist. Impfen, auch wenn der potenzielle Schaden geringer ausfällt, ist hingegen keine Option, weil man ja selbst aktiv wird, um sich diesem Schadenspotenzial auszusetzen.
    Bei diesen Menschen habe ich in dem Moment, als sich heraus kristallisierte, dass eben doch eine teilweise Sterilisierung mit der Impfung einher geht (was eine Zeitlang in den Medien verneint wurde), eine gesteigerte Impfbereitschaft beobachtet.

    2. Eine Freundin von mir hat ein gesteigertes Thromboserisiko und lag nach ihrer letzten Impfung vor ein paar Jahren mehrere Wochen auf der Intensivstation und hat dort um ihr Leben gekämpft. Sie ist daher nicht ganz so freudig in Erwartung auf einen Impftermin. Sie ist aber keine Impfgegnerin und hat auch ihren Kindern und irgendwelchen Schrägdenkern in ihrem Bekanntenkreis stets empfohlen, sich impfen zu lassen. Ihre Kinder werden dies tun, sobald sie es dürfen.
    Durch die mediale Debatte und die immer enger gezogenen Stricke für Ungeimpfte sieht sie sich aber jetzt in einer Situation, in der sie von vielen Seiten beschimpft wird und von der Gesellschaft ausgegrenzt wird. Letztlich droht ihr als alleinerziehende Mutter, die eh dauerhaft an der Armutsgrenze schleift, der finanzielle Ruin, weil sie überall, wo sie mit ihren Kindern hin muss, einen PCR-Test bezahlen soll.
    Sie beugt sich nun dem Druck und wird sich impfen lassen. Mit dem Todeskampf nach der letzten Impfung im Hinterkopf. Mit dem Wissen, dass sie von der Gesellschaft sonst fallen gelassen wird. Wie sich ihre Sicht auf diese Gesellschaft in diesem Jahr verändert hat, ist erschreckend aber für mich völlig nachvollziehbar. Sie hat alle ihre Ehrenämter im Sportverein niedergelegt. Dort hat sie gerade eine Silbernadel mit Kranz für ihr Jahrzehntelanges Engagement erhalten. Ich kann mich nicht erinnern, je einen hilfsbereiteren Menschen kennen gelernt zu haben. Aufopferungsvoll bis zur totalen Erschöpfung. Und jetzt? Langsam rückwärts gehend mit ausgestreckten Mittelfingern in den Sonnenuntergang.
    Ja, lasst euch impfen. Aber bitte überlegt auch mal, wie die aktuelle Impfdebatte (deren Ton ja vollständig von der Missgunst gegen „die Impfgegner-Spinner“ geprägt ist) Menschen trifft, die sich mit Zweifeln herumschlagen.

    • Sicherlich, es gibt diese Fälle. Sie sind sehr selten, aber es gibt sie. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass in diesem Fall durch die Ärzte bei Ihr auch eine Unverträglichkeit festgestellt werden könnte, womit das Problem ja aus der Welt wäre (wenngleich sie dann natürlich der Gefahr durch Corona ausgesetzt ist – was auch gerade bei Thrombose-affinen besonders schlimme Folgen haben kann).

      • Tach auch,

        ich liebe ja Eure Sendung zumal ich auch ein ziemlich großes Interesse an der gesellschaftspolitischen Auswirkung der Entwicklung der IT habe. Doch bei der Impfthematik habe ich sehr schmerzlich Euren kritischen Geist vermisst, den Ihr doch auch sonst bei anderen Themen zu recht wirken lasst.

        Auch von mir daher 2 Aspekte, auf die ich gerne hinweisen möchte:

        Es ist gerade diese Diskussionskultur, bei der Menschen ohne Impfung pauschal als Impfgegner, Unvernünftige oder sonstiges bezeichnet werden, zu einer Diskriminierung führen. Tim räumt zwar ein, dass es solche Fälle gibt, wo sich Menschen wegen ihrer Unverträglichkeit nicht impfen lassen können, jedoch sehr selten seien. Doch gerade diese leiden unter diesen Debatten enorm. Und dass es von diesen Menschen nur wenige gibt, darf nicht den Ausschlag geben! Jeder Mensch zählt.

        Aus eigenem Erlebnis heraus führt dies nämlich dazu, dass geimpfte Menschen „müde“ werden, sich auf irgendeine Diskussionen noch irgendwie einzulassen. Im schlimmsten Fall führte es dazu, dass ein Geimpfter offen mir gegenüber seine „Schadensfreude“ erklärte, dass Menschen ohne Impfung nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen dürfen. Diese geschehe ihnen recht. Haben es nicht besser verdient, ohne sich näher mit den konkreten Gründen des Einzelnen auseinandersetzen zu wollen. Hier wird knallhart aus der Position des „Stärkeren“ gehandelt. Der „Schwächere“ (weil wenige) wird dann gar nicht mehr gehört. Letztere findet in einer solchen Debattenkultur auch nur schwer einen Anwalt, der sich für sie einsetzt. (Dieser will ich hier sein).

        Doch die Welt ist weit komplexer, als dass man Millionen von Individuen über einen Kamm scheren könnte. Hier vermisse ich durchaus ein wenig mehr Distanz zu den Pauschalisierern, die gerne alle Menschen ohne Impfung in die gleiche Schublade stecken wollen. Weil insbesondere die Menschen, wie oben erwähnt, haben darunter am meisten zu leiden.

        Tim, du schlägst vor, sich eine Unverträglichkeitsbescheinigung zu holen und gut ist. Ich halte dagegen, dass das Problem mit einer solchen Bescheinigung über eine ärztlich festgestellten Unverträglichkeit gerade nicht gelöst sein wird. Schon mal maskenlos im Supermarkt mit einem Attest zur Maskenbefreiung gewesen? Der soziale Druck auf diese Menschen ist enorm gestiegen. Es reicht ja gerade als Betroffener nicht aus, dass man eine solche Bescheinigung zur Unverträglichkeit mit sich führt, wie es das Maskenbeispiel veranschaulicht.
        Probiere mal z.B. in einen Club zu gehen, bei dem nur 2G gilt? Deine Bescheinigung wird allein schon deshalb nicht anerkannt, weil du keinen QR-Code hast, weil es den nicht gibt! Art. 3 Grundgesetz: Alle Menschen sind gleich. Niemand darf diskriminiert werden. Außer er hat keine Impfung. Kann das sein?

        Mein 2. Aspekt betrifft die Intensivbettenauslastung in Deutschland. Ja, wir haben mit unserem Gesundheitssystem ein riesiges Glück im Vergleich zu Rumänien oder Angola. Doch können sich unsere Restriktionen nicht an den katastrophalen Zuständen im Gesundheitswesen anderer Länder messen lassen, sondern an den hier im Lande vorherrschenden. Und da ist es nunmal Fakt – und das ist in Eurem Podcast leider etwas undifferenziert wiedergegeben worden – dass zu keinem (!) Zeitpunkt die Intensivbettenkapazitäten in den Krankenhäusern erschöpft gewesen waren, geschweige denn, dass wir Fälle einer Triage hatten. Vielmehr wurden ja im Pandemiejahr 2020 noch über 7.000 Intensivbetten abgebaut! Mit dem DIVI-Register (www.intensivregister.de) sind die Zahlen ja auch alle öffentlich (Stichwort: Intensivbetten-Lüge). Hier also eine Diskriminierung von Menschen ohne Impfung mit dem Argument zu rechtfertigen, dass sie u. U. die Intensivbetten für andere Patienten wegnehmen würden, die diese viel dringender bräuchten, ist nicht richtig, weil es ja gerade hierzu – zu keinem Zeitpunkt – kam. Dem Gutachten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (Quelle: Bundesgesundheitsministerium) kann man entnehmen, dass der Anteil der Covid 19-Patienten unter der Gesamtmenge der Krankenhaustage in 2020 unter 2% war. Hier nimmt also keiner dem anderen was weg.

        Und sollte man da nicht auch, wie bei Fastfood-Junkies, (Kette)Rauchern, Alkoholikern, Skifahrer, Freeclimper etc. sagen dürfen: Hey, it´s up to you! Wenn du dich der Gefahr bewußt aussetzen willst, dann mach weiter so? (Ich mache es nicht – ich habe es für mich anders entschieden). Wäre mit einem solchen Argument auch die Diskrimierung anderer Menschen gerechtfertigt, die auf Grund ihres (aus unserer Sicht) unvernünftigen (vermeidbaren) Verhaltens ebenfalls ins Krankenhaus kommen (könnten)?

        Nur mal so ein paar Gedanken zum Sonntag
        Euer Wolf

        • „Atteste für Maskenbefreiung“ sind nicht das, wovon ich gesprochen habe. Während es sehr wenige Menschen gibt, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden könnte, ist die Zahl der Leute, die keine Maske tragen können meiner Auffassung nach bei null.

          Und diesen Unsinn mit „die Intensivstationen waren nie ausgelastet“ brauchst Du hier gar nicht erst anzubringen (natürlich waren sie das) und Deine „Intensivbetten-Lüge“ ist nur in sofern eine, als dass hier aus Schwurblerkreisen Dinge behauptet werden, die so nicht haltbar sind. Die „Betten“ wurden nicht abgebaut – sie konnten einfach durch Mangel an Personal nicht mehr angeboten werden. Ein Ergebnis der Überlastung, Erschöpfung und schlechten Arbeitsbedingungen der Intensivpfleger. Die anderen Zahlenverdrehereien brauchst Du auch nicht erst aufzubringen. Es ist doch immer die gleiche Leier mit den Pandemie-Leugnern.

          Es ist ein ewiges und zunehmend langweilendes „ich ich ich“. Niemand aus der Gruppe ist bereit mal Verantwortung zu übernehmen und dafür zahlt man halt auch irgendwann mal den Preis. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

          • … na machst du dir das jetzt nicht zu einfach? Das geht doch bestimmt besser. Ich bringe offizielle Quellen, und diese werden pauschal als „Schwurblerkreisen Dinge“ und „Zahlenverdrehereien“ abgetan. Dann wird mir noch (indirekt) „Pandemie-Leugner“ unterstellt und verantwortungsloses Verhalten. Ich frage mich echt, woher diese passive Aggressivität kommt („ich, ich, ich“, „[dann] zahlt man halt … den Preis“, „Mein Mitleid hält sich in Grenzen“). Wir sollten den Mut haben, uns den Fakten zu stellen und mit Fakten zu argumentieren, statt mit Pauschalisierungen und Unterstellungen zu agieren.
            Aber ich möchte dich auch zu keiner (weiteren) Stellungnahme nötigen. Meine Intension war eigentlich nur euren Beitrag im Podcast mit ein paar weiteren Aspekten zu bereichern. Mehr nicht.

            Wolf, Genesener und (!) Geimpfter, Risikogruppe, Betroffener, kritischer Linker.

            • Tja, das ist halt leider der „neue Tim“. Den gab es früher so nicht. Der ist bei manchen Themen verbohrt und vernagelt. Und keiner weiß so recht, warum. Da beißt Du auf Granit.

              „ist die Zahl der Leute, die keine Maske tragen können meiner Auffassung nach bei null.“

              Das ist an offensichtlicher Ignoranz nicht zu überbieten. Eine solch hanebüchene, unwissenschaftliche Aussage wäre noch vor 2 Jahren undenkbar gewesen. Schade, schade.

          • „Während es sehr wenige Menschen gibt, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden könnte, ist die Zahl der Leute, die keine Maske tragen können meiner Auffassung nach bei null.“
            Das ist leider unfug. Wenn du einen Epileptiker hast wo du in kürzester Zeit ein notfallmedikament beim Anfal zu verabreichen hast, dann ist der Facharzt nicht besonders angetan davon, dass dieser Mensch eine Maske trägt die einen derartigen Eingriff eifnach unnötig verkompliziert.
            Es gibt Menschen die auch mit einer Brille sehr wenig sehen, aber sich dadurch noch gut orientieren können. Diese Menschen haben qua ihrer Behinderung im durchschnitt ein schlechteres Einkommen und müssten die Kosten für anti Beschlag Sparys zusätzlich zu der Maske tragen. Das Spray schierenfrei zu verwenden ist dann aber auch shcon wieder eine Kunst zu der diese Menschen teilweise nicht in der Lage sind.
            Ich würde beim letzteren Fall zustimmen, dass es kein komplett medizinischer Grund ist, da er sich zumindest teoretisch geselschaftlich lösen lässt. Kenne dan Astmatiker der findet das mit den Masken auch nicht besonders lustig.
            Um so mehr man solche Menschen persönlich kennt regen einen Impfverweigerer und muffel und Maskenmuffel auf.
            Du kannst problelos flasches Handeln kritisieren ohne die Menschen, die eher keine Wahl haben zu negieren. Das ist auch eher Problematisch und unsolidarisch.

            • Das klingt genau nach den vorgeschobenen Gründen, die dazu führen, dass ich ähnlich wie Tim denke, dass es bei Masken so gut wie keine Gründe gibt, warum man die nicht tragen sollte.
              Bei einem epileptischen Anfall gibt man zum Beispiel Benzos erst, wenn sich der Anfall nicht nach ein paar Minuten von selbst erledigt hat.
              Da ist es eher ratsam, ruhig und besonnen zu reagieren und dafür zu sorgen, dass der Betroffene sich nicht irgendwo den Kopf anschlägt oder ähnliches. Und dann hat man genug Zeit, die Maske zu entfernen.

              Und ich will auch mal den Asthmatiker sehen, der sich nicht den Schal bei Minusgraden ganz dicht um den Mund und Hals wickelt.
              Aber bei ner Maske soll das alles nun ein Problem sein?

              Wenn jemand diese Krankheiten hat und auf denen dann eine Mitleidsschiene fahren will, dann empfinde ich das eher als problematisch und unsolidarisch.

    • U.a. wegen genau den Leuten die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können ist es ja gerade so wichtig, dass alle anderen geimpft sind. Bekommen Leute, die nicht geimpft werden können, echt den PCR Test nicht bezahlt?

  18. Auch ein schöner DLF Beitrag, danke. Besonders „… das kann man schon so machen aber dann ist es …“ war ein schöner HöhrerInnen-Service für die Fans. Habe gefeiert.

    Gruß Ben.

  19. Selbstverständlich können die Grünen zur Zeit die Koalition mit der CDU nicht ausschließen. Die brauchen schließlich einen Hebel in den Koalitionsverhandlungen.

  20. Hi, zu all den digitalen Bauchlandungen ist ja wirklich nicht mehr viel hinzuzufügen, allerdings gibt es ja in D durchaus vollständig digitalisierte Prozesse, die funktionieren und auch skalieren: Elster (mit PKI, ePerso, FIDO, Schnittstellen für Steuerberater und halbwegs moderner, barrierearmer Website), LKW Maut (ok, ist jetzt nicht direkt Behörde, aber mittlerweile anscheinend auch vom Bund betrieben), nur um mal zwei Beispiele zu nennen. Ich halte jetzt auch nicht die Luft an, aber irgendwie scheint es ja dann doch auch zu gehen, wenn man denn will.
    Danke und bitte weiter so, LG seb

  21. Hi,
    wieder eine sehr schöne Sendung. Ich hätte aber noch eine Frage zur Briefwahl und zwar: Einen Zettel für die Briefunterlagen musste man unterschreiben und wenn ich mich recht erinnere in den roten Umschlag tun. Wenn ich Linus richtig verstanden habe werden zunächst die roten und blauen Umschläge voneinander getrennt, wird zuvor der rote Umschlag geöffnet und auf Richtigkeit geprüft? Und zweites: wofür genau ist die Unterschrift auf dem einen Papier, wird die Unterschrift abgeglichen oder welchen Zweck erfüllt sie hier?

    Danke, LG cons

    • Um den blauen Umschlag vom roten zu Trennen, muß man selbstverständlich den roten Umschlag erst öffnen. Bevor der blaue aber weitergegeben wird, wird erst anhand der unterschriebenen Wahlbenachrichtigung ein Abgleich mit dem Wählerverzeichnis gemacht (jeder nur einmal und nur wenn er überhaupt drinsteht). Die Unterschrift ist wohl nur dazu, daß der Wähler an Eides statt erklärt, korrekt und selbst gewählt zu haben. Ein Verstoß dagegen würde dadurch rechtlich zur Straftat.

  22. Moin!

    Kleine Korrektur am Rande zum Erststimmenwahlergebnis in den sächsischen Wahlkreisen zur Bundestagswahl: Es ist (zum Glück) noch nicht so, dass die AfD alle bis auf einen gewonnen hat, wie Tim behauptete.
    Von den 16 Wahlbezirken erhielten die Bewerber der AfD in 10 die meisten Stimmen (nicht in Leipzig I (CDU) + II (Die Linke), Vogtlandkreis (CDU), Chemnitz (SPD), Dresden I (CDU), Dresden II – Bautzen II (CDU)). Bei den Zweitstimmen siehts schon düsterer aus. Hier ‚gewann‘ die Ansammlung frustrierter Deutscher 12 von 16.

    Siehe https://wahlen.sachsen.de/bundestagswahl-2021-wahlergebnisse.php

  23. Was tatsächlich ganz gut funktioniert bei mir in Köln ist online einen Termin beim Amt machen für z.B Perso erneuern, Führeschein beantragen etc.

    Du bekommst dann per E-Mail direkt deine Nummer und eine Uhrzeit und wenn du dann 10 Minuten vorher da einschlägst steht deine Nummer bereits auf dem zu kleinen Fernseher und bist auch mit +- 5 min deiner angegebenen Zeit dran.

    Und ich kann bei mir auch direkt online Kennzeichen reservieren und muss dann nicht erstmal eins random bekommen um es prägen zu gehen und danach erst dein KFZ wirklich anmelden.

    Geht aber aus mir nicht bekannten gründen bei nicht allem aber das meiste.

  24. Hallo Linus,

    wieder eine tolle Folge. Ich habe aber eine Anmerkung:

    Du hast zweimal den Provider Hetzner in dieser Folge erwähnt. Beide male im Kontext und als Synonym von Nicht-Professionalität. Ich glaube Deine Perspektive
    zu verstehen (Ich habe die CT Werbung aus den gefühlten 90igern im Kopf) aber bitte mache Dir klar wie schwierig es ist einen GDPR compliant IaaS provider zu finden. Ein umfangreiches Themenfeld, auf welches Ihr zurecht vielfach hinweist.

    Da scheiden dann viele, moderne, tiefere, und vielleicht auch coolere Provider wie amazon, digital ocean und co aus. Es gibt auch keine grosse Liste von europäischen Alternativen. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass man Hetzner durchaus professionell verwenden kann.

    Lieber Grüsse

    Michael

    • Mir ist das auch aufgefallen; als langjährigem Hetzner-Kunden (>15 Jahre) der da in der Vergangenheit auch schon kommerzielle Projekte drauf gefahren hat, stieß es mir auch milde sauer auf.

      Allerdings hab ich’s letztlich dann wohlwollend so interpretiert, dass die Kritik sich in erster Linie daran stört, dass da jemand offenbar einfach nur hemdsärmelig ne einzelne Server-Instanz gemietet hat für ein Projekt, das rein aufgrund der zu erwartenden Last zumindest eine komplette Cluster-Infrastruktur mit irgendeiner Art Load-Balancing über mehrere Server, möglicherweise sogar dynamischem Scaling, erfordert. Selbstverständlich ist es möglich, derartige Infrastrukturen auf professionellem Level auf Hetzner-Hardware aufzubauen – und es ist sogar preislich ziemlich günstig möglich, sofern man das nötige Know-How verfügbar hat. Tatsache ist aber auch, dass Letzteres für viele Firmen halt nicht zutrifft, weswegen viele das zehnfache aufwärts für dieselbe effektive Leistung in Form von Managed Services an AWS und Konsorten zahlen, wenn sie größere Cluster-Deployments benötigen. Daraus ergibt sich dann, dass bei Hetzner der Anteil „einfacher“ Ein-Maschinen-Installationen deutlich höher sein dürfte als bei AWS, und deswegen wiederum kann man zum naiven Vorurteil kommen, dass die reine Tatsache, dass jemand bei Hetzner hostet, schon Ausweis einer simplen, in Anbetracht höherer Lastansprüche letztlich unprofessionellen Serverinfrastruktur sei.

      • dass die Kritik sich in erster Linie daran stört, dass da jemand offenbar einfach nur hemdsärmelig ne einzelne Server-Instanz gemietet hat für ein Projekt, das rein aufgrund der zu erwartenden Last zumindest eine komplette Cluster-Infrastruktur mit irgendeiner Art Load-Balancing über mehrere Server, möglicherweise sogar dynamischem Scaling, erfordert.

        Ja, genau das.
        Ich wollte nicht diesen spezifischen Provider/Hoster schlecht dastehen lassen.

  25. apropos DE-mail: einen minimalen web-basierten formular-prototypen mit client-zertifikaten und zentraler PKI zum verbindlichen versenden von amtlichen dokumenten haben wir doch schon mit ELSTER.

  26. Kaum zu glauben: die AusweisApp existiert genauso wie echte Anwendungsbeispiele. Nach meinem Umzug nach Hessen musste ich mein Auto ummelden. Corona verhinderte aber, dass ich überhaupt einen der knappen Termine bekam.

    „Jaja, da misse se täschlich auf unsere Websaid schaue. Die Lischt is unter dem Menüpunkt Bums, dann Knorke, Unnerpunkt Pups3. Do is dann ä Seidmäp wo sie dann gugge misse nach „total offensichtlich kein Zusammenhang mit dem Thema“.“

    Im Gespräch kam raus, dass ich, wenn ich mein Nummernschild behalten will aber auch über die App das machen könnte. Sofern ich einen entsprechenden Ausweis hätte. Obendrein wäre es dann sogar kostenfrei.

    Ausweis? Check! App runterladen? Check! Anmeldedaten nicht versehentlich weggeschmissen im Jahr zuvor? Check! Das Einrichten der App war noch ok. Das Auslesen des Ausweises geriet zur Glücksache. Da ich oft mit dem Handy veim Einkauf zahle, denke ich nicht, dass es an meiner Hardware lag. Vielleicht erwartet die App auch einen bestimmten Sonnenstand, ausreichend Jungfrauenblut oder die Anwesenheit des BGB in der aktuellen Fassung. Naja, hin und wieder funktionierte es.

    Die Prozedur auf der Website des KfZ-Amtes war ein Graus. Es erwarteten Schmerzen, die man in den frühen 90ern nur ob der Faszination ertragen hätte, dass das überhaupt existiert. Wir hatten jo nüscht.

    Egal. Abbrüche, Felder, die sich spontan leerten, unvollständige Hinweistexte, ein Fachvokabular, das sogar mich, der ich ebenfalls in Verwaltung arbeite (Kranke Kasse), überfordert hat, Boxen, die über den Rand der Seite ragten (am PC wohlgemerkt) usw usf. Nach knapp 80 Minuten hatte war ich am Ziel meiner Träume angekommen. Dann verlangte das Programm die PUK von meinem Fahrzeugbrief/schein.

    Hierbei handelt es sich um die von Linus erwähnte Zahl unter einem Rubbelfeld. Netterweise hatte das Amt in Trier, das beides ausgestellt hatte, diesen Rubbelaufkleber vergessen anzubringen.

    Schreianfall, ein bisschen weinen, Coronawelle abwarten und dann doch mit Termin persönlich zum Amt, wo die üblichen Vergnügen in Form von unausgesprochener Höflichkeit und exzellentem Service auf mich lauerten. Obendrein durfte ich noch 100 Ostmark (aufem Schwarzmarkt) löhnen.

    Tl;dr

    Es gibt Anwendungsmöglichkeiten. Ob diese eine abschließend funktioniert, kann ich leider weder falsi- noch verifizieren.

  27. In Köln konnte ist es auch möglich Fahrzeuge online umzumelden.
    Es hat mich überzeugt, da ich nicht 4 Wochen auf einen freien Termin warten oder einen Anmeldeservice für viel Geld in Anspruch nehmen wollte.
    Zwei Sachen standen mir im Mai jedoch im Weg:
    – Der Support ist quasi nicht vorhanden. Fragt man beim zuständigen Amt nach wie das Ummelden im Detail funktioniert, konnte man nicht beantworten, da lt. Mitarbeiter das Verfahren ja noch sehr neu sei und es wenig benutzt wird. Deswegen könne man dazu nichts sagen.
    – Da ich ein neues Kennzeichen benötigt habe, musste auch eine neue Umweltplakette her. Diese kan man allerdings nicht online beantragen….

    Alles in allem hat aber alles sehr schnell funktioniert und im Autohaus hab ich auch unkompliziert meine Plakette erhalten.
    Ich bin froh, dass man es inzwischen digital nutzen kann, aber erschrocken, dass man damit total allein gelassen wurde.

  28. Sehr gute Analyse von Linus bzgl. der falschen Herangehensweise an die Digitalisierung in der Verwaltung/Regierung. Mich hat es etwas an den Cargo Kult erinnert: Entscheidungsträger ohne richtiges Verständnis für die Materie führen irgendwelche kultartigen Prozesse mit Computern/Technik ein und glauben, das sei dann die Digitalisierung.

    Ich muss aber zugeben, daß es auch mir manchmal schwer fällt, aus den eingetretenen Bahnen herauszukommen. Bei der Softwareentwicklung habe ich schon oft mehrere Versuche gebraucht, um endlich den klaren Gedanken zu fassen und die elegante Lösung zu finden.

  29. Guten Morgen Linus, Guten Morgen Tim,

    ich hätte eine Anregung.

    Einleitung
    Ich habe die Tage mal darüber nachzudenken, wie viele von den Sachen, die ihr mir über die Jahre so angeraten habt, ich wirklich umgesetzt habe. Ich benutze zwar schon etwas länger 2-factor-authentication für mein Emailpostfach und mache online-banking über die Bank eigene App, aber einen Passwortmanager habe ich mir jetzt erst vor kurzem installiert. Verschlüsselte Backups stehen weiterhin oben auf meiner To-Do-Liste. Ich denke, dass es vielen eurer Hörer so geht wie mir: Wir hören euch zwar gerne und regelmäßig, aber oftmals scheitern die Ratschläge am persönlichen Alltag (irgendwas ist immer) und wenn man sie dann umsetzen will, steht man wie ein Ochse vor dem Berg.

    Welchen Passwortmanager nehme ich? Brauche ich für jedes meiner Konten einen zweiten Faktor? Heißt two-factor-authentication für mein Gmail-Konto nicht, dass ich Google meine Handynummer gebe, und will ich das dann überhaupt? Wie mache ich am besten meine Backups? Darf ich die auch dann auf USB-Sticks oder in der Cloud speichern? Und wenn ja, in welcher? Brauche ich einen VPN? Sollte ich immer TOR benutzen? Brauche ich jetzt ein gebrauchtes Pixel-Handy mit GrapheneOS, um Google und Apple zu vermeiden?

    Wenn ich dann nach Lösungen suche, finde ich oft so was wie Nextcloud. Die will ich aber nicht selbst aufsetzen, weil ich nicht aufgrund offener Ports selbst in einer eurer Folgen zum Thema werden möchte. Als Alternative könnte ich dafür Geld ausgeben und sie mir hosten lassen. Aber wenn ich nebenbei noch einen größeren Jitsi-Server für den ganzen Freundeskreis, das E-Mail-Postfach und einen Nextcloud-Server bezahlen müsste, wird unter Umständen teuer. Ganz zu schweigen davon, dass ich mit solchen Lösungen meine Freunde nicht überzeuge, es mir gleich zu tun, wenn ich sie gerade erst dazu bekommen habe Signal zu benutzen.

    Jetzt kann ich das zwar bestimmt irgendwo bei euch im Podcast finden, was eine gute Lösung für das jeweilige Problem ist. Das rauszusuchen, dauert aber natürlich seine Zeit. Und dann läuft das wie nach jeder neuen LNP-Folge, die ich beim Bad putzen gehört habe: ich verschiebe es auf später und mache es letztendlich gar nicht. Und wenn ich es mache, dann fallen mir später, wenn ich beim Bier gefragt werde, warum online-banking im Browser eher nicht so eine geile Idee ist, natürlich nicht so eloquente Argumente ein wie euch.

    Die Anregung

    Das bringt mich zu meiner Anregung. Hättet ihr vielleicht Lust, jetzt nach der Wahl, wo (hoffentlich) weniger netzpolitisches passiert, eine Folge aufzunehmen, die die wichtigsten Themen in Sachen privater IT-Sicherheit und Privatsphäre, und deren Lösung kurz und strukturiert abarbeitet? Wenn es eine solche Folge gäbe, hätte man einen Referenzpunkt, um sich selbst, aber auch Freunde in einer Bar, zu überzeugen mehr in dieser Richtung zu tun. Am besten wäre wahrscheinlich irgendwas zugeschnitten auf die Zielgruppe Windows 10 am Laptop, 200€ Android-Handy ohne aktuelle Updates, mit wenig IT-Kenntnissen, die ihre Handys für Instagram, Tinder, Memes und Pornos benutzt und die das vielleicht auch gerne weiter machen würden (nur eben sicherer und privater). Das Ganze wäre vielleicht auch vor dem aktuellen Hintergrund des Facebook Ausfalls gar nicht so uninteressant oder als Folge für Neujahresvorsätze.

    Um uns faule Hörer zu motivieren, könntet ihr Abschnitte der Folge als Outro benutzen und sie in ein neues Segment / als Teil des Schlussteils einbinden, in dem ihr uns Hörer auffordert, etwas zu tun (Arbeitstitel in meinem Kopf: „die netzpolitische Hausaufgabe“). Meine Hoffnung wäre, dass dieses Segment auch faule Socken, wie mich, motivieren könnte mehr Ratschläge in die Tat umzusetzen. Ich kann aber auch verstehen, wenn das zu viel Arbeit ist, nur um meiner Faulheit entgegenzuwirken.

    So, genug von mir. Bleibt so wie ihr seid und ich freue mich auf die nächsten Folgen!

    PS: Hat wer eine gute Discord-Alternative für DnD Gruppen inkl. Würfelfunktion und Notizen für verschiedene Kampagnen?

  30. Ihr ahnt nicht wieviel Wahrheit in diesem Podcast steckt. Der Bereich eId (Personalausweis mit elektronischer Authentifizierungsfunktion) ist einfach zum Mäusemelken. An wievielen Stellen muss ich mich authentifizieren? Es sind viele. Wir haben ein suuper Authentifizierungs-Instrument und es wird nicht genutzt. Das hat zum guten Teil damit zu tun, dass die Hürden für Unternehmen sehr hoch sind eine Authentifizierung mit der eId machen zu können. Warum verwenden wir nicht was inzwischen ALLE haben? Das ist politischer Wille! Stattdessen wird im bayerischen Landesbereich versucht Authega-Zertifikats-Authentifizierung einzuführen.

    Zum Thema Zertifikate: Die Bundesrepublik und _alle_ Länder versuchen sich seit JahreZEHNTEN um die Einführung einer öffentlichen erreichbaren PKI zu drücken. Stattdessen werden GEHEIM-PKIs eingeführt auf Landesebene (wieder Bayern, da arbeite ich) mit aufwendigen Authentifizierungsmaßnahmen (beglaubigte Personalausweiskopie, Unterschrift der Behördenleitung in blauer Tinte) durchgeführt um dort ein Zertifikat zu bekommen und das kann dann für Verschlüsselung und Signierung von Mails genommen werden, aber NUR gegenüber anderen Behördenpersonen, aber nicht gegenüber den Bürgern. Es fehlt ein Zielvorgabe und der politische Wille Dinge WIRKLICH zu digitalisieren.

    Wollen wir in Deutschland WIRKLICH digital werden? Alles spricht dagegen, wir sind kleinmütig und ohne Visionen geworden.

  31. DE-Mail, aaaaargh, ein totgeborenes Kind. Eine De-Mail-Adresse die aussieht wie eine E-Mailadresse im Internet aber es gibt zwischen beiden Bereichen keine Kommunikation.

    Mit einer Bundes-PKI und angeschlossenen Länder-PKI mit öffentlichen Zertifikaten hätte man sich das KOMPLETT ersparen können.

    Dutzende Millionen zum Fenster rausgeworfen. Aber wir finden 1000 Gründe warum der Bund und die Länder keine PKI machen können. Wir unterzeichnen in Behörden Kassendokumente und anderes Zeug mit lauter kleingeistigen Zwischenlösungen, lokalen und nur behördenintern erreichbar Zertifikaten. Immer wieder werden neue Authentifizierungslösungen neu entwickelt, eine schlechter als die nächste. Warum darf ein Kassenmitarbeiter in einer Behörde sein Auszahlungsanordnung nicht einfach digital mit seinem Ausweis unterschreiben? Ein Krikelkrakel mit dem Kugelschreiber ist die „bessere“ und „einfachere“ Lösung?

    Es ist zum MÄUSEmelken. Wir brauchen einen Willen der politischen Führung in der Bundesrepublik und in den Ländern WIRKLICH digital zu werden?

  32. Ist man eigentlich ein schlechter Mensch/Ableist, wenn man hinter dem Namen „Digital Enabling“ zuerst ein Institut der Behindertenförderung („DRK-Werkstatt für Softwareentwicklung“) vermutet? Und sagen wir mal so: Eure Besprechung der ID Wallet-App hat dieser Fehleinschätzung jetzt nicht unbedingt stärkstmöglich entgegengewirkt….

  33. Ich war jahrelang Wahlhelfer in einem „normalen“ Wahllokal, d.h. mit Kundenkontakt.
    Es war aber entspannt: Wir wurden in zwei Schichten eingeteilt, die erste Hälfte konnte ab 8 Uhr morgens erstmal wieder nach Hause, um ab 13 Uhr zu übernehmen. Aber ab 18 Uhr mussten alle wieder da sein zum Auszählen.

    Ich hab es vor Jahren erlebt, dass eine Person mit Rollstuhl nicht ins Lokal hinein kam. Am Eingang war eine 10cm hohe Stufe, die den Herren dazu zwang, draußen zu wählen. Wir Wahlhelfer mussten mitsamt Wählerregister nach draußen kommen und dort abhaken. Wir gaben dem Herren dann draußen die Möglichkeit, verdeckt zu wählen, und brachten dann den gefalteten Stimmzettel in die Urne.
    Letzteres wurde auch von anderen Wählenden gesehen, und es hat im Nachhinein auch keinen Stress gegeben, soweit ich es mitbekommen habe.
    Also: Macht die Wahllokale bitte Barrierefrei!

    Ansonsten kann ich nur jeder/m empfehlen, sich zum Wahlhelfen zu melden.

  34. Hallo Linus, Hallo Tim,

    Ich möchte noch einen Aspekt zur letzten LNP407 hinzufügen bezüglich Impfverweigerern und “Querdenkern”. Zu dem Thema kann ich ein Gespräch von Zeit Online empfehlen. Das Problem scheint oftmals nämlich weniger die Impfung/Maßnahmen an sich zu sein, sondern eine schon vor der Pandemie aufgestaute Enttäuschung über den Staat und die Gesellschaft.

    https://www.zeit.de/gesellschaft/2021-09/corona-impfung-debatte-warum-denken-sie-das-podcast

    Von diesem Aspekt aus betrachtet wäre es vielleicht sinnvoller Coronathemen eher auszuklammern und zu versuchen auch Impfgegner und “Querdenker” wieder zu integrieren anstatt ihnen mit voller Ablehnung zu begegnen. Wir werden mit Sachargumenten viele nicht überzeugen können, sondern eher mit Verständnis für deren (Lebens-)Situation. Das ist ein extrem mühsamer Weg.

    • … ich würde Coronathemen nicht ausklammern, sondern sie offen ansprechen und den Mut haben, auch hier die andere Seite zu beleuchten. Auch hier täten wir es uns zu einfach, in schwarz-weiß zu denken. Wie in anderen Fällen auch, ist vieles eben grau. Und zur Ausgrenzung und Diskriminierung ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

    • Sehe ich auch so. Das Thema Impfverweigerung ist häufig eine weitere Spielart schräger Verschwurbelung von Machtgefällen und kapitalistischen Unbilden. Anstatt eine plausible Kapitalismuskritik zu formulieren oder zu unterstützen, geht es um Gruselszenarien über Bill Gates. Gefühlte+reale soziale Spannungen und Ungleichheiten werden verkocht zu Herrschaftsgelüsten von Eliten durch Corona-Diktatur oder warum nicht auch QAnon. Das zieht halt besser, als in der Ursachenanalyse bei der Entfremdung des Menschens in der Lohnarbeit zu beginnen.. und irgendwann bei fragwürdigen Macht- und Eigentumsverhältnissen herauszukommen. Da hat doch Keiner mehr Bock, zuzuhören. Es ist wie immer: Linke erklären Benachteiligten, wie der Weg zurück in eine sozial entspanntere Gesellschaft wäre, und die Betroffenen finden das alles viel zu kompliziert und kippen nach rechts weg. Treten lieber nach unten oder träumen vom starken Nationalstaat. Ob sich jemals eine Lösung für das Problem finden wird? Ich denke, würden Politik&Medien denn wirklich mal eine anständig kritische Kapitalismusanalyse durchführen, sähe die Sache schon deutlich anders aus. Solang z.b. rot-rot-grün in Berlin sogar durch eine SPD versucht wird, abzuwürgen und lieber mit der FDP zu koalieren, damit man das Thema Wohnungskonzerne enteignen gaaanz schnell wieder vergessen kann, ist gewisses Frustpotential schon verständlich!

    • Das ist im Grundsatz auch meine Erfahrung. In meiner nahen Verwandschaft habe ich auch Fälle von Impfverweigerern. Dies liegt nicht daran, dass diese Leute die Fakten nicht verstehen, sie kennen sie schlicht und einfach nicht.
      Und so erschreckend das ist, ich kann das voll und ganz nachvollziehen. Im Spiegel stand z. B. diese Woche als Titel etwas mit „Zahl der Impfdurchbrüche steigt“. Und solche Meldungen gibt es in fast allen Bereichen auch in den Öffentlichen und zwar ohne eine Einordnung.
      Die Folge davon ist, dass die Leute überfordert sind. Sie werden in den Medien mit sich widersprechenden Berichten vollgespamt und haben nicht die Zeit diese auseinanderzunehmen. Und sie hören keine tollen Podcasts.
      Den Leuten sind dadurch so verunsichert, dass sie gar nicht mehr daran glauben, dass es überhaupt jemanden gibt, der da Anhnung hat. Und was dann bleibt sind die eigenen, persönlichen Erfahrungen. Z. B. ein Coronafall bei Opa, der harmlos verlief. Und von wegen hochansteckend, der hat mit den Kindern vom selben Löffel gegessen und nichts ist passiert.

      Diese Impfgegner zurückzuholen geht nur über die Medien und die Politik. Die müssten sich alle einig sein und die Fakten erzählen. Ohne Ausnahme.

  35. Hab mit dem normalen Perso und Kartenleser ein polizeiliches Führungszeugnis bestellt und bekommen. EId bei der Bank hat leider nicht geklappt, obwohl es eigentlich angeboten wird.

    Echt schade, dass das keiner nutzt.

  36. Digitalisierung des Wahlaktes – ihr habt durchaus recht, dass das bei vollständiger Umsetzung den Wahlvorgang nicht mehr durch Menschen nachprüf- und nachvollziehbar macht. Aber zur Unterstützung und als zweite (oder dritte, oder vierte) Absicherung einzelner Teilschritte sehe ich mehr Potential als Gefahr. So hatten wir in unserem Wahllokal das Problem, dass die beiden Schriftführer*innen neu waren und 10 Stunden am Stück hochkonzentriert das Wähler*innen-Register führen mussten, unter ständigem Druck des nicht so entspannt verlaufenden Wahltages. Bei der Auszählung hatten wir dann Probleme, die Summe der Stimmabgabenvermerke im Wähler*innen-Register nach der vorgegebenen Methode zu ermitteln. Und es gab ein (problematisches) Delta zu der Summe der abgegebenen Stimmzettel. Die Schriftführer*innen haben sich an einzelne Vorgänge und Personen zu erinnern versucht – mit einem Zeitstempel zu einzelnen Einträgen in einem digitalen Register wäre das einfacher gewesen. Und durch einen zweiten Zählmechanismus neben dem handschriftlichen Vermerk in einem dicken Katalog wäre der Gegencheck möglich gewesen.
    Nach dem recht mühseligen Auszählen haben wir uns mehrfach die Frage gestellt, ob hier nicht eine Erleichterung in Form von Digitalisierung möglich wäre.
    Digitalisierung halt als Unterstützung des Wahlvorstandes – und nicht als vollständiger Ersatz.

  37. Sagt mal, unabhängig von dem konkreten Desaster um die ID Wallet: Was ist konzeptionell von dem Thema SSI in Verbindung mit DLT zu halten? Von Regierungsseite und scheinbar in dem Feld arbeitenden Personen lese ich dazu sehr großspurige Erklärungen, dass es sich dabei um längst erprobte tolle Konzepte handelt. In meinem hemdsärmeligen Verständnis von allen blockchain- bzw. distributed-ledger-nahen Themen hatte ich bisher meistens den Eindruck, dass hier unnötig komplexe Lösungen postuliert werden, um der Technologie dahinter Daseinsberechtigung zu verschaffen. Um ehrlich zu sein verstehe ich aber von dem Thema kaum etwas. Könnt Ihr Euch dem Thema vielleicht mal grundlegender nähern oder auch gerne auf Einführungen für Fachfremde dazu verweisen, falls es so etwas gibt?
    Liebe Grüße und unendlichen Dank für Eure Arbeit, bin immer wieder froh, dass ich durch diesen 20-jährigen „Promi-Hacker“ Fall Anfang 2019 auf einen meiner Lieblingspodcasts gestoßen bin.

  38. Wer gerne mal so ein legendäres digitales Verfahren erleben möchte, kann beim Kraftfahrt-Bundesamt eine Auskunft aus dem Fahreignungsregister abrufen. Geht auch ohne Führerschein und kostet nix. Mit eID ausweisen und man erhält direkt ein digital signiertes PDF mit der Auskunft zurück. Das vom Amt verwendete Zertifikat ist von D-Trust bzw. der Bundesdruckerei ausgestellt.

    Ich muss sagen, ich war ziemlich verblüfft, dass das einfach so klappt wie man es sich vorstellt, als ich das letztens anfragen musste. Glaubt einem nur niemand, wenn man das erzählt x)

  39. Da ich grad zufällig auf den c’t-Artikel gestoßen bin mal ein positives Beispiel. ELFE – Einfache Leistungen für Familien.

    Gefunden in c’t 22/2020, S. 142: Die ELFE und das Bürokratiemonster
    https://www.heise.de/select/ct/2020/22/2021912471436956685

    Und der Artikel zeigt auch gleich warums so schwierig ist. Ein paar kurze Zitat aus dem Artikel:

    ELFE ist anders. Die Anwendung fasst erstens mehrere Anträge zusammen, die bislang an verschiedene Behörden geschickt werden müssen. Zweitens müssen die Eltern nur noch wenige Informationen eintippen und keine Nachweise anhängen. Die Behörden besorgen sich die nötigen Daten dann – wenn die Antragsteller zustimmen – einfach bei anderen Behörden.

    Dicke Bretter waren zu bohren:

    Doch das Vorhaben entpuppte sich als komplex. Nicht weniger als fünf Ministerien mussten zusammenarbeiten: Inneres, Familie, Arbeit, Gesundheit und Justiz. Außerdem waren das Bundeskanzleramt und der Bundesbeauftragte für den Datenschutz beteiligt. Angepasst werden mussten die Personenstandsverordnung, das Einkommensteuergesetz, die Abgabenordnung, das Elternzeitgesetz sowie das Vierte und das Fünfte Buch Sozial­gesetzbuch.

    Und natürlich

    Trotzdem bleiben noch Baustellen: Das Elterngeld ist zwar bundesweit einheitlich geregelt, die Länder bearbeiten die Anträge aber eigenständig – und setzen zum Teil andere Software ein als Bremen. Diese Anwendungen müssen nun ebenfalls noch an das neue Konzept angepasst werden.

    Und es funktioniert nur für Angestellte.

  40. Ich bin zufrieden das mein Land (Argentinien) geschafft hat, ein PKI System für Urkunden zu implementieren. Jetzt kann man viele Bearbeitungen online machen, aber es ist nicht ganz klar ob solche elektronische unterzeichnete Urkunde in andere Länder anerkannt sind.

    Ich habe nicht viele Informationen darüber gefunden, wie man Software entwickelt, die den deutschen elektronischen Ausweis benutzt. Scheinbar kann man ihn nicht benutzen, um z.B. PDFs zu unterzeichnen.

  41. Mal was anderes.
    Seit Jahren höre ich euch. Ihr habt vor Jahren Linux gelobt – da hört man leider nix mehr?!
    Ich bin selber Hartz4-Empfänger – also ist ein iPhone nicht drin – ich muss mit dem Androiden klarkommen. Nutze aber Linux seit gut 15 Jahren.
    Ich würde mir eine Sendung zum Thema Linux mal wieder wünschen!
    Ich weiß ihr wart mal sehr positiv eingestellt zu dem Thema… – vielleicht wollt ihr ja nochmal darauf eingehen? Habe lange nix mehr zum Thema Linux gehört von euch. Würde mich sehr freuen.
    Wenn es gerade nicht passt – vielleicht später.
    Ihr seid die Guten!

  42. Zum Thema ID Wallet: Wieso ist das eine Bauchlandung und peinlich? Ich sehe das anders. Die App war so erfolgreich, dass sie einfach erst mal eine Pause machen musste.

  43. Zum Thema Antragsportale und Verarbeitung von strukturierten Daten am anderen Ende: Diese Infrastruktur gibt es ja zum Teil sogar schon. In BW kann man seinen Wohngeldantrag jetzt vielerorts digital einreichen, über das Seviceportal BW (https://www.service-bw.de/). Ich dachte, ich tue der Sachbearbeiterin mal was Gutes und nutze das, damit sie die seitenweisen Angaben nicht schon wieder abtippen muss. Konnte mich dort dann auch schön mit dem elektronischen Personalausweis ausweisen, bekam dann aber satt der erwarteten Eingabemaske nur ein PDF zum Download, das ich dann (am Besten ausgedruckt, von Hand ausgefüllt und wieder eingescannt) dort wieder hochladen konnte. Alles nur damit die arme Sachbearbeiterin am anderen Ende das dann doch wieder abtippen (und vermutlich noch ausdrucken und anheften) muss. Die Antwort kam dann natürlich per Mail (nicht über das Portal), mit der Bitte alles Weitere doch dann auf diesem Wege nachzureichen.
    Also wieder eine ziemlich ernüchternde Erfahrung mit digitalen Anträgen, die zeigt, das auf der Anderen Seite oft nur das „Format“ E-Mail verarbeitet werden kann und die allenfalls deshalb hoffnungsvoll stimmt, weil mir der Antrag nicht als Word-Dokument zum Download angeboten wurde.

  44. Moin, ich hätte einen Themenwunsch:

    Ich habe gerade gesehen, dass man seinen Public Key mit der Onlinefunktion des Persos signieren kann. Also habe ich diesen mal ausgegraben, Pin gefunden und eingerichtet, signiert. Klasse.
    Da dachte ich mir, wenn das so reibungslos läuft, vielleicht geht ja echt mehr mit der Perso-App. Da ich gerade Dokumente mit einer Behörde austausche, warum nicht auch diese signieren.
    So bin ich auf sign-me.de gestoßen. Cool. PDFs mit dem Perso digital signieren, ein Service der Bundesdruckerei.
    Bis ich dann gesehen habe, dass ich dafür sign-me-Coins (wtf) braucht, die man wiederum bei der REINER Kartengeräte GmbH und Co. KG kaufen muss. Keine Ahnung wer das ist und was sie mit der Bundesdruckerei zu tun hat…
    Woran liegt es denn, dass wir diesen ‚geilen‘ Perso haben, der eigentlich alles könnte, aber es dann doch auf den letzten Metern immer irgendwo scheitert?
    Warum gibt es nicht das ‚Lets Encryt – Ausweisapp2‘
    Vielleicht kennt ihr ja eine Expertin, die mal die eIDAS-Verordnung erklären kann.

    Ciao
    Jan

  45. Kleiner Kommentar zur „Internetbasierten Fahrzeugzulassung“ als einem Highlight der Digitalisierung in Deutschland, die in der Folge kurz erwähnt wurde. Hier wird das Verfahren mit blumigen Worten beschrieben:
    https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/StV/Strassenverkehr/internetbasierte-fahrzeugzulassung.html

    Ich wollte das Verfahren gerne nutzen und hatte auch schon einen Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) mit dem tollen verdeckten Sicherheitscode. Schnell noch den e-Perso freigeschaltet für die Authentifizierung und es kann losgehen.

    Um die Zulassung in Hamburg per Internet durchzuführen, gibt es einen Bereich im Servicebereich:
    https://serviceportal.hamburg.de/HamburgGateway/Service/Entry/IKFZ

    Dort musste ich leider folgendes lesen: „Von der Bearbeitung ausgeschlossen sind Sonderkennzeichen (siehe unten, darunter fällt z.B. auch das E-Kennzeichen)“. Da ich jedoch ein Elektroauto zulassen wollte, frage ich sicherheitshalber nochmal beim Landesbetrieb Verkehr (LBV) Hamburg nach. Antwort:
    „Eine Onlinezulassung mit Zuteilung eines E-Kennzeichens ist nicht möglich. Ebenfalls ist eine Abmeldung mit einem E-Kennzeichen online nicht möglich. Bis dato sind keine Änderungen geplant. Sollte die Zulassung, sowie eine Abmeldung mit E-Kennzeichen möglich sein, werden wir dieses auf unserer Homepage veröffentlichen.“

    Für unsere Zukunft in Form von Elektroautos und übergangsweise Plug-in-Hybride ist das Verfahren also gar nicht nutzbar, so macht man also Digitalisierung in Deutschland *facepalm*…

    Viele Grüße
    Dennis Nedry

  46. Wahlhelfende werden nicht überall gewürfelt. Hier in Hamburg gibt es Wahllokale, die seit Jahren von der gleichen eingeschworenen Truppe ausgezählt werden. Die Leitenden suchen sich ihre weiteren Helferinnen zusammen.

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