Feedback — Papst und AI — Skynet — Internet of Bots — Deepfakes — Meta-AI-Support — Gesetz gegen digitale Gewalt - Polize nutzt Illegale Daten — En-DE-Mail — Deutschland-App
Nach einer terminbedingten Pause klopfen wir wieder für Euch den Nachrichtenteppich aus und konzentrieren uns nach etwas Feedback und Walabgesang um diverse Themen rund um AI, denn hier geben sowohl der Papst als auch Anthropic bemerkenswerte Statements zu ab, während das Netz von AI-Bots überschwemmt wird und Meta die Sicherheit ihrer Systeme jetzt ganz einfach per Chat umgehen lässt. Die Polizei greift bei illegalen Daten zu und die Politik versetzt DE-Mail den finalen Todesstoß. Zum Schluß sinnieren wir noch über das Wohl und Wehe der Deutschland-App. Wir wünschen gute Unterhaltung
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Transkript
Shownotes
Prolog
Wikipedia (de): Fußball-Weltmeisterschaft 2026
Die Endrunde der 23. Fußball-Weltmeisterschaft (englisch FIFA World Cup, spanisch Copa Mundial de la FIFA) soll vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 in Kanada, Mexiko und den USA ausgetragen werden. Die veranstaltenden Staaten wurden am 13. Juni 2018 auf dem FIFA-Kongress in Moskau gewählt.
Feedback
Wal
Logbuch:Netzpolitik: LNP554 Scheißidee, aber wenigstens mal eine andere – Kommentar von Langhaarschneider
Der Wal wurde von den einen Timmy genannt, weil er am Timmelsdorfer Strand lag. Von den anderen würde er Hope genannt, damit Nico Semsrott Recht behält: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie stirbt.
Logbuch:Netzpolitik: LNP554 Scheißidee, aber wenigstens mal eine andere – Kommentar von Florian
Wale schwimmen zum Sterben in flache Gewässer, damit sie dort liegen und atmen können, anstatt zu ertrinken.Der Buckelwaal ist nun sehr wahrscheinlich qualvoll ertrunken.
Logbuch:Netzpolitik: LNP554 Scheißidee, aber wenigstens mal eine andere – Kommentar von Karl
Diese ganze Nummer mit dem Wal zeigt auch eine größere Bildungslücke in Sachen Ökologie in der Gesellschaft. Die Rettung von Individuen hat in der Regel keinen Einfluss auf die Größe einer Population. Die pendelt sich nämlich irgendwo um die Kapazitätsgrenze des Ökosystems ein. Wildtierrettung ist (mit Ausnahme von extrem bedrohten Arten, von denen es nur noch sehr wenige Individuen gibt) also komplett sinnlos. Wenn man den Tieren wirklich helfen will setzt man sich für effektiven Artenschutz ein. Das hat bei den Buckelwalen auch bestens funktioniert, deren Population hat sich in den letzten Jahrzehnten nämlich massiv erholt. Und so ein Buckelwalkadaver ist Nahrungsgrundlage für eine große Zahl an Lebewesen. Einfach liegen lassen ist also auch Artenschutz.
DER SPIEGEL: Obduktion des Buckelwals: SPIEGEL-Reporter berichtet von Insel Anholt
Spielende Kinder, Omas auf Sitzkissen, Männer mit Bier: Die Obduktion des gestrandeten Buckelwals ist für die Dänen nichts Besonderes. Sie wundert das große Interesse der Deutschen, sagt SPIEGEL-Reporter Jonathan Stock.
Feedback: Ablehnung IFG-Antrag
media.frag-den-staat.de: Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) [PDF]
In diesem Schreiben wird auf einen Antrag gemäß dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) Bezug genommen. Der Antrag bezieht sich auf Informationen zu einem vermeintlichen Phishing-Angriff und wird abgelehnt, da er die öffentliche Sicherheit gefährden könnte.
AI
Logbuch:Netzpolitik: LNP554 Scheißidee, aber wenigstens mal eine andere – Kommentar von Hagen
Wenn Ihr betonen wollt, das die KI harmlos ist, dann doch bitte so: Die tut nix, die will doch nur trainieren.
AI: Papst mischt sich ein
Vatican News: Pope Leo’s ‘Magnifica humanitas’: AI must serve humanity not concentrate power
Marking the 135th anniversary of Rerum novarum, Pope Leo XIV releases his first encyclical, entitled ‘Magnifica humanitas: On Safeguarding the Human …
The Holy See: Encyclical Letter of His Holiness Leo XIV Magnifica Humanitas (15 May 2026)
ENCYCLICAL LETTER MAGNIFICA HUMANITAS OF HIS HOLINESS POPE LEO XIV ON SAFEGUARDING THE HUMAN PERSON IN THE TIME OF ARTIFICIAL INTELLIGENCE [ Multimedia ] ___________________________
netzpolitik.org: Wie Papst Leo gegen die Verzweckung des Menschen argumentiert
In seiner Enzyklika erklärt Papst Leo XIV. den Umgang mit KI zur „sozialen Frage“ unserer Zeit. Und auch bei anderen Themen knüpft er an aktuelle netzpolitische Debatten an. Gleichzeitig folgt der Vatikan den eigenen Maximen nicht immer konsequent.
DER SPIEGEL: Wie die Techbranche auf das KI-Manifest von Papst Leo XIV. reagiert
Leo XIV. warnt vor einer zu schnellen, zu rücksichtslosen Entwicklung künstlicher Intelligenz. An seiner Seite: ein Mitgründer von Anthropic. Auch Vertreter anderer KI-Firmen sollen den Papst getroffen haben.
nd-aktuell.de: Wie man ihre Macht bändigt
Meta, Google, Tiktok und Co: Was ist eine sinnvolle linke Position gegenüber den Praktiken der Digitalkonzerne?
heise online: Google: Von der Such- zur Machmaschine
Die Suchmaschine wird zur KI-Plattform: Agenten, Mini-Apps, automatische Recherchen und Buchungen – und noch weniger Gründe, andere Websites zu besuchen.
AI: Anthropic warnt vor Skynet
iX Magazin: Skynet-Szenario: Anthropic warnt vor KI, die sich selbst entwickelt
Die KI-Schmiede Anthropic warnt vor einer „rekursiven Selbstoptimierung“ von KI-Modellen und fordert eine globale Verlangsamung der Entwicklung.
AI: Internet of Bots
CNET: AI Agents Now Generate More Web Traffic Than Humans
Cloudflare CEO Matthew Prince says he didn't expect this milestone until 2027.
Wikipedia (de): Der elektrische Mönch
Der elektrische Mönch – Dirk Gentlys holistische Detektei ist ein Roman des englischen Schriftstellers Douglas Adams, der zuerst 1987 unter dem Originaltitel Dirk Gently’s Holistic Detective Agency erschien. Douglas Adams selbst beschrieb das Buch als „Geister-Horror-Wer-ist-der-Täter-Zeitmaschinen-…
AI: Deepfakes & KI-Kennzeichnung
heise online: YouTube erkennt KI-Inhalte automatisch
YouTubes KI-Kennzeichen sollen durch prominente Platzierungen sichtbarer werden. Außerdem will die Videoplattform KI-Inhalte nun selbst erkennen.
DER SPIEGEL: YouTube: Bald können Sie per Ähnlichkeitserkennung nach Deepfakes von Ihnen suchen lassen
Gibt es auf YouTube KI-Videos mit Ihrem Gesicht? Ein Feature namens Ähnlichkeitserkennung soll fortan nicht mehr nur Internetstars beim Entdecken unliebsamer Clips helfen. Das hat es damit auf sich.
AI: Meta-AI-Support
netzpolitik.org: Hacker bringen Meta-KI dazu, fremde Instagram-Accounts herauszugeben
Der Meta-Konzern hat mit seinem KI-Support eine deftige Sicherheitslücke aufgemacht. Angreifer konnten fremde Instagram-Accounts übernehmen, ohne Zugriff auf die originale Mailadresse des Kontos zu haben.
404 Media: Hackers Simply Asked Meta AI to Give Them Access to High-Profile Instagram Accounts. It Worked
The exploit shows the extreme risk of offloading technical support to AI.
iX Magazin: Skynet-Szenario: Anthropic warnt vor KI, die sich selbst entwickelt
Die KI-Schmiede Anthropic warnt vor einer „rekursiven Selbstoptimierung“ von KI-Modellen und fordert eine globale Verlangsamung der Entwicklung.
heise online: Bots übernehmen Internet früher als gedacht
Laut Cloudflare fragen Bots im Netz mehr HTML-Inhalte an als Menschen. Das sollte eigentlich erst nächstes Jahr passieren.
BleepingComputer: TeamPCP hackers advertise Mistral AI code repos for sale
The TeamPCP hacker group is threatening to leak source code from the Mistral AI project unless a buyer is found for the data.
Gesetz gegen digitale Gewalt
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Gesetz zur Stärkung des zivilrechtlichen und strafrechtlichen Schutzes vor digitaler Gewalt
Gesetz zur Stärkung des zivilrechtlichen und strafrechtlichen Schutzes vor digitaler Gewalt
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Stellungnahmen zum Referentenentwurf eines Gesetzes zur Stärkung des zivilrechtlichen und strafrechtlichen Schutzes vor digitaler Gewalt [PDF]
Die Stellungnahmen dokumentieren die Unterstützung verschiedener Verbände und Organisationen für den Referentenentwurf eines Gesetzes, das den Schutz vor digitaler Gewalt stärken soll. Die Liste umfasst zahlreiche Institutionen, die ihre Zustimmung zur Veröffentlichung der Stellungnahmen gegeben haben.
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Infopapier – Gesetz gegen digitale Gewalt: Auf einen Blick
Infopapier – Gesetz gegen digitale Gewalt: Auf einen Blick
netzpolitik.org: Das fehlt beim Schutz vor digitaler Gewalt
Stalking, Doxing, geleakte Nacktfotos – digitale Gewalt kann Menschen das Leben zur Hölle machen. Während das Justizministerium ein Gesetz entwirft, haben wir zivilgesellschaftliche Organisationen gefragt, was am meisten helfen würde.
Bundesrechtsanwaltskammer: Gute Ziele, aber viele offene Fragen: BRAK kritisiert Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt
Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz will Betroffene digitaler Gewalt zivilrechtlich besserstellen und strafrechtliche Schutzlücken schließen. Die BRAK begrüßt dieses Ziel ausdrücklich – warnt jedoch vor zu weitgehenden Eingriffen, unklar gefassten Strafnormen und zusätzlichen Belastungen für Justiz und Meinungsfreiheit.
Bundesrechtsanwaltskammer: Stellungnahme Nr. 30 Mai 2026 zum Referentenentwurf des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz eines Gesetzes zur Stärkung des zivilrechtlichen und strafrechtlichen Schutzes vor digitaler Gewalt [PDF]
Die Stellungnahme der Bundesrechtsanwaltskammer befasst sich mit dem Referentenentwurf zur Stärkung des Schutzes vor digitaler Gewalt. Sie begrüßt die grundlegenden Ziele des Entwurfs, sieht jedoch Nachbesserungsbedarf in verschiedenen Bereichen, insbesondere hinsichtlich der rechtlichen Rahmenbedingungen und der praktischen Umsetzung.
strafverteidigertag.de: Gemeinsame STELLUNGNAHME der Vereinigung Berliner Strafverteidiger*innen e.V. und der Strafverteidigervereinigung NRW e.V. zum Referentenentwurf des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz „Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung des zivilrechtlichen und strafrechtlichen Schutzes vor digitaler Gewalt" [PDF]
Die Vereinigung Berliner Strafverteidiger*innen e.V. und die Strafverteidigervereinigung NRW e.V. lehnen den Referentenentwurf des BMJV ab, da er verfassungsrechtliche Bedenken aufwirft und die Verteidigungsrechte der Betroffenen schwächt. Der Entwurf schafft ein Auskunftsverfahren, das ohne die Schutzstandards der Strafprozessordnung auskommt und führt neue Straftatbestände ein, die unklar und problematisch sind.
Polizei nutzt illegale Datensammlungen
netzpolitik.org: Deutsche Polizei nutzt offenbar rechtswidrig Databroker
In mindestens zwei Bundesländern hat sich die Polizei Daten von Databrokern beschafft, wie Recherchen von netzpolitik.org und BR erstmals zeigen. Mit solchen Daten könnten sich Handys metergenau orten lassen. Fachleute halten das für illegal, eine Datenschutzbehörde hat sich bereits eingeschaltet.
netzpolitik.org: Wenn Überwachungskapitalismus und Überwachungsstaat zusammenwachsen
Die Werbeindustrie hat den größten Überwachungsapparat der Geschichte geschaffen. Jetzt zeigt unsere neue Recherche: Auch die deutsche Polizei bedient sich daran und unterläuft dabei den Rechtsstaat. So schafft man Unsicherheit im Namen der Sicherheit. Ein Kommentar.
Ende der DE-Mail
media.ccc.de: Bullshit made in Germany
Die technischen Probleme der De-Mail ließen sich juristisch lösen, und auch bei der E-Mail setzen deutsche Provider bald Sicherheitsstand…
Deutschland-App
Der Tagesspiegel: Prototyp schon im April: Regierung beauftragt SAP und Telekom mit Entwicklung der „Bürger-App“
Kindergeld, Wohnsitzanmeldung, Unternehmensgründung: Die sogenannte „Bürger-App“ soll als zentrales Serviceportal staatliche Leistungen bündeln. Mit der Entwicklung wurden SAP und Telekom beauftragt.
Security: Massiver Datendiebstahl in Litauen
Unbekannte haben in Litauen Zugriff auf ein staatliches Register erlangt und über 600.000 Datensätze entwendet. Die Behörden vermuten einen staatlichen Angriff.
Das Titelbild macht mich nervös. Wo sind die Rechnungen von 2022 hin???
Hallo zusammen,
Bzgl.des Themas Individueller/persönlicher/bedürfnisorientierter Software/Tools durch Ki
Wäre diese Entwicklung nicht der Tod der Standardsoftware und die Wiederbelebung der Individualsoftware nur mit weniger professionellen Anbietern und mehr Laien? Und würde das nicht wiederum zu einer babylonischen Format/Schnittstellen Verwirrung führen?
Viele Grüße
Adapter?
Oder man lässt die KI’s sich unterhalten und die bilden im Hintergrund im Chat ein Gremium, beraten über Vor- und Nachteile und verabschieden eigene Standards. SDP (Skynet Datagram Protocol), TCP (Terminator Control Protocol), ..
Im SkyNet-Kapitel sagt Tim bei 0:29:25:
„[D]as ist definitiv eine Diskussion, die geführt werden muss.“
Das sehe ich auch so und es wundert mich, wie wenig ernsthafte Diskussionsbeiträge es bezüglich effektiver KI-Kontrolle auf globaler Ebene gibt. Vor unseren Augen wird eine Technologie entwickelt, die vermutlich 10x krasser ist als Kernspaltung und keinen juckt es wirklich.
Symptomatisch: 2 der 3 bisherigen Kommentare zu dieser Folge auf Mastodon beziehen sich auf das Episoden-Bild. Tolle inhaltliche Auseinandersetzung.
Aber nur meckern hilft ja nicht, deswegen hier mal ein Diskussionsbeitrag in Form eines offenen Antwortbriefs an die Autor:innen des Anthropic-SkyNet-Beitrages:
https://cknoll.github.io/iava-letter-to-anthropic-en.html
tldr: Es braucht eine internationale KI-Kontrollbehörde wie die IAEA und Anthropic könnte sie mit 1e9$ solide grundfinanzieren.
Linus’ Abwertung der Enzyklika des “alten Mannes” Papst zum Thema KI und seine Darstellung der Kirche als „Sekte“ zeugen von einer gewissen Ignoranz. Weltweit gibt es 1,42 Milliarden Katholiken, und in Regionen wie Afrika, Lateinamerika und Teilen Asiens ist die Glaubenspraxis oft sehr ausgeprägt. Sich über Gläubige lustig zu machen, die den Gedanken Ihres religiösen Oberhaupts zu diesem wichtigen Thema Gehör schenken, bedeutet auch, gerade jene Menschen in weniger privilegierten Teilen der Welt ins Lächerliche zu ziehen, die von den negativen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Technologien wie KI besonders stark betroffen sein dürften. Ich finde, auch Bewohner der atheistischen westlichen Bubble können religiösen Menschen mit Respekt begegnen und sie als Dialogpartner ernst nehmen, insbesondere bei einem Thema, das uns alle betrifft.
Zur „AI zerstört alle Jobs der Welt“ Perspektive von Linus:
Mir scheint hier ne Art bias vorzuliegen. Als gäbe es in der Welt nur Jobs am Computer, in der Verwaltung oder im sozialen. Ja, der reiche teil der Welt ist mehr und mehr Richtung Dienstleistung gegangen als Ackerbau industrialisiert wurde oder die Bergbauprodukte woanders eingekauft wurden. Diese und zahlreiche andere Tätigkeitsfelder gibt es nach wie vor und da seh ich absolut nicht wie ein KI unternehmen folgende Bereiche ersetzen soll, denn dazu bräuchte es sehr, sehr teure Maschinen in sehr hoher Anzahl:
Zimmereien, Bäuereien, Bäckereien, Putz und Pflegekräfte, Fenster-, Trocken- oder Straßenbau, Kanalisation, Mülldienst, Forstwirtschaft.. Die Liste geht natürlich noch weiter. Und irgendwie scheint mir die Liste auffällig nah an dem zu sein, was eine menschliche Gesellschaft tatsächlich zum Leben braucht und immer schon gebraucht hat, im Gegensatz zu den Versicherungsvertreterinnen und office whatever scheissegal Dienstleistungen die einen angeblichen „Mehrwert“ generieren.
In kurz: es wird hier der größte Teil der Menschen, Jobs und Zustände auf der Welt in der „Analyse“ vergessen wenn sie nur auf den westlichen reichen Dienstleistungsteil schaut.
Ich denke ja, dass wenn man Toolbuilding der LLMs als Zeichen für Intelligenz interpretiert, sollte man sich nochmal ein Grundlagenwerk zu Software Design Patterns zu Rate ziehen. Aber man kann sich natürlich auch von der Realität verabschieden. Muss jeder selber wissen.
Eure Diskussion über den Zustand der digitalen Verwaltung in Deutschland hat bei mir schmerzhafte Flashbacks ausgelöst. Ich war tatsächlich einer dieser gefühlt fünf unerschrockenen De-Mail-Nutzer in diesem Land. Spoiler: Es war die absolute, rechtsverbindlich zertifizierte Vollkatastrophe.
Man schickte damals eine De-Mail an eine Behörde und durfte danach erst mal fünf Runden das digitale Blockwart-Dasein durchspielen: „Ja, das ist gerade wirklich rechtsverbindlich. Nein, das ist keine normale E-Mail. Nein, da kommt kein Papierdokument nach. Das ist nicht das moderne Äquivalent zu ‚vorab per Fax‘!“ Wenn man dieses formelle Fegefeuer überstanden hatte, ging der eigentliche Systemfehler erst los: De-Mail verpflichtete die Behörde nämlich mitnichten dazu, ihrerseits elektronisch zu antworten. Die logische Konsequenz? Man halbierte zwar den Postlaufweg hinters Amt, durfte dann aber zehn Tage auf die analoge Antwort per Schneckenpost warten. Auf dem gedruckten Brief stand dann ironischerweise das Datum des ursprünglichen De-Mail, sie haben also taggleich geantwortet ,die Antwort aber lieber ausgedruckt, kuvertiert und zur Post getragen.
Wer glaubt, das neue elektronische Bürger- und Organisationenpostfach (eBO) mache alles besser, irrt. Die Diskussion, ob das jetzt wirklich per Brief sein muss, habe ich zwar nur noch in etwa einem Drittel der Fälle, wahrscheinlich weil das eBO über dieselben Kanäle wie das beA bzw. beN ins EGVP einspeist und sich für die Sachbearbeiter dadurch irgendwie „offizieller“ anfühlt. Trotzdem muss man die Behörden immer noch durch unangenehmes, permanentes Nudging dazu zwingen, den digitalen Rückkanal auch zu benutzen.
Meine aktuelle und extrem praktikable Gegenmaßnahme: Ich schicke den Ämtern und Gerichten nach dem zweiten Mal freundlichem „bitte nutzen Sie doch auch den elektronischen Rückkanal“ eingescannte, handschriftliche Dokumente als Antwort. Mit dem freundlichen Kommentar, dass sie von mir ab sofort auch nur noch digital nicht durchsuchbaren Dokumente bekommen, solange ich von ihnen Briefpost erhalte. Und siehe da: Plötzlich und wie durch ein administratives Wunder finden sie auf einmal doch den Knopf, um eine PDF zu verschicken. ♂️
Hi ihr Beiden,
Tim erwähnt bei 1:52 min die endlose Liste an Services in Berlin. Hier in Bonn haben wir das auch: https://www.bonn.de/service-bieten/stadtverwaltung-a-bis-z/termine-reservieren.php
Alleine die Liste an Usecases bei der KfZ-Zulassung ist schon „amtlich“, haha, direkt aus der Wortspielhölle. Da wäre ein kleiner Service-Bot schon hilfreich.
Die Sache mit der Deutschland-App von SAP/Telekom hört sich gefährlich an. War selber als Tester schon in diversen Verwaltungs-Digitalisierungs-Projekten des rosa Riesen und kann eure Vorbehalte nur teilen.
Immer die gleichen Marotten – zu groß, zu kompliziert, alle wichtigen Anforderungen ignoriert, keinen Wissenden z.b. im lfd. Betrieb gefragt – keine neuen Ideen und seeeeeeehr wenig technische Kompetenz bei den Entscheidern, die natürlich völlig beratungsresistent auf ihrer Lösung beharren.
Wie beim orangen Mann in US, alle super gegenüber der Öffentlichkeit, aber nix funktioniert richtig…
Gruß aus dem Bundeshauptdorf
Steve
Meine Befürchtung bei der gegenwärtigen allg. Anwendung von KI ist halt, dass all das Zeug was nochmal neu gemacht werden sollte und viel zu kompliziert geworden ist, jetzt zusätzlich noch zementiert wird. Für ich wäre das all der js-Krempel, aber auch allg. frameworks, die nicht mehr zu durchschauen sind.