In der heutigen Ausgabe, die wieder im Studio aufgenommen wurde, starten wir mit etwas Feedback auf die letzte Sendung und widmen uns dann den Aufregern der Woche: Bettina Wulff und die Frage der Suchmaschinen-Neutralität, den Umgang mit KiPo als politischer Keule, den Versuchen, Spionagesoftware zu verbieten und den Wiedergänger Leistungsschutzrecht.
Mitwirkende: Linus Neumann,
Tim Pritlove
Dauer: 00:59:19
In der heutigen Ausgabe, die wieder im Studio aufgenommen wurde, starten wir mit etwas Feedback auf die letzte Sendung und widmen uns dann den Aufregern der Woche: Bettina Wulff und die Frage der Suchmaschinen-Neutralität, den Umgang mit KiPo als politischer Keule, den Versuchen, Spionagesoftware zu verbieten und den Wiedergänger Leistungsschutzrecht.
Mitwirkende: Linus Neumann,
Tim Pritlove
Dauer: 00:59:19
1. Nachtrag zur Netzneutralität in LNP036
In den Kommentaren zur letzten Sendung kamen noch einige weitere Verletzungen der Netzneutralität zu Tage.
- heise.de: Breitband killt Netzneutralität
- Exklusiv bei E-Plus: Facebook Zero ohne Surfkosten nutzen
- Datenspuren 2012
2. Bettina Wulff verklagt Google
Bettina Wulff möchte nicht, dass Google seinen Nutzer vorschlägt, nach “Bettina Wullf Prostituierte” zu suchen.
- Amazon: Jenseits des Protokolls*
- Kent Walker, Google: Making Copyright Work Better Online
- Amit Singhal, Google: An update to our search algorithms
3. Legalize it! Über den Umgang mit “Kinderpornografie”
Piratenpartei-Gründer Rick Falkvinge will den Besitz von dokumentiertem Kindesmissbrauch legalisieren.
- Rick Falkvinge: Three reasons possession of child porn must be re-legalized in the coming decade
- Piratenpartei Deutschland übt massive Kritik an Priatenpartei-Gründer Rick Falkvinge: “Es gibt nie einen Grund, Kinderpornografie zu legalisieren”
- Udo Vetter: Soll Kinderpornografie straffrei werden?
- CRE124 mit Scusi: Der Kampf gegen Zensursula
4. US-Provider wollen Warnhinweise einführen
Seit 2011 angekündigt, wollen US-Provider nun ein Warnhinweismodell gegen Urheberrechtsverstöße implementieren.
- Center for Copyright Information
- Cyrus Farivar, ars electronica: ”Six strikes” Internet warning system will come to US this year
- Andre Meister, netzpolitik.org: Hadopi-Bilanz nach zwei Jahren
- CRE172 mit Rop Gonggrijp: Holland und die Hacker
5. Großbritannien will Export von FinSpy regulieren
Wegen der Verwendung von Kryptografie will die britische Regierung der Trojaner-Softare FinFisher Exportbegrenzungen auferlegen.
- Privacy International commences legal action against British government for failure to control exports of surveillance technologies
- Privacy International: Surveillance companies: real responsibility goes beyond the letter of the law
- Andre Meister, netzpolitik.org: Gamma Finspy: Britische Regierung fängt an, den Export von Staatstrojanern zu regulieren
- Open Rights Group Wiki: Crypto wars
6. Aktionstag und Petition gegen das Leistungsschutzrecht
Es gibt eine Petition der Piratenpartei gegen das Leistungsschutzrecht, und am 12. Oktober soll wohl ein Aktionstag stattfinden, von dem Google sogar früher wusste, als die Aktivisten™.

Hi,
Es kam während der Sendung die Frage auf, warum Gamma seinen Sitz in UK hat.
Das hängt damit zusammen, dass es sich um eine Limited (Ltd.) handelt. Eine Ltd. kann man nur mit einer gültigen Postanschrift in UK gründen. Das ist absolut kein Problem, es Dienstleister, die eine solche zur Verfügung stellen. Der Vorteil einer Ltd. gegenüber den deutschen Rechtsformen ist das niedrige Startkapital von 1£. Außerdem glaube ich, dass der Haftungsrahmen ein anderer ist.
Paul
Jo, das stimmt auf jeden Fall.
Allerdings bietet die deutsche Form der haftungsbeschränkten UG glaube ich ähnliche Vorteile für den aufstrebenden Kleinunternehmer.
Allerdings sollten die 25.000€ Einlage bei einer GmbH jetzt auch keine hohe Hürde darstellen.
Insofern würde ich mich fragen, ob es nicht noch andere juristische oder kulturelle Gründe für die Wahl gegeben haben mag – wir reden hier ja nicht von einem Allerwelts-Unternehmen.
Ich weiß es aber wie gesagt (und gehört) nicht.
Ich verstehe nicht wie man Mord als weniger schlimm als eine Vergewaltigung/Kindesmisshandlung einstufen kann. Von einer Vergewaltigung (einem Trauma) kann man sich unter Umständen wieder erholen. Man kann es irgendwie schaffen damit weiterzuleben. Irgendwie. Wenn man tot ist ist man tot. Davon hat sich noch nie irgendwer wieder erholt. Wenn der Tot wirklich sooo viel besser ist als eine Vergewaltigung, warum ist man dann nicht der Meinung, dass man alle Vergewaltigungsopfer erschießen soll? Es wäre ja besser für sie. Schwachsinn.
Eine Vergewaltigung ist das schlimmste was man einen Menschen antun kann *ohne ihn zu töten*.
Es gibt ja auch noch einen weiteren Grund, warum man normaler weiße Vergewaltigungen weniger schlimm als Mord einstuft. Denn wenn es umgekehrt wäre, dann wäre ein Vergewaltiger wirklich dumm sein Opfer nicht auch noch zu töten. Er könnte ja nur gewinnen (keine Zeugen, kleinere Strafe).
Warum ist das überhaupt eine Diskussion?
Oh! Ich muss die Folge noch einmal nachhören. Wenn ich das so gesagt haben sollte, dann habe ich mich mit Sicherheit falsch ausgedrückt (und falls Tim den Eindruck erweckt haben sollte, meint er das sicherlich auch nicht so.)
Nein nein, du hast das nicht gesagt. Ihr habt von dieser Einstellung berichtet, sie nicht vertreten. Weiß nicht mehr genau wie das vorkam, womöglich nur in einen Nebensatz (und hoffentlich nicht nur in meiner Interpretation). Ich muss mich halt immer dazu verbal Übergeben, wenn ich von dieser Einstellung höre.
Es ging nicht um Mord/Vergewaltigung an sich, sondern um die Videos der jeweiligen Taten.
Zu “Bettina Wulff verklagt Google”: Ich denke, dass der Streisand-Effekt hier kühl berechnet war. Die Behauptungen gibt es ja schon etwas länger. Die Klagen kommen jetzt, weil bald das Buch kommt. Mir hat die Ankündigung über die vorzeitige Veröffentlichung des Buches die Augen geöffnet.
Ich bin da kein Experte, aber so Bücher zu drucken kostet bestimmt viel Zeit und man wird sie ja auch nicht Monate lang auf Halde legen. Wenn man die Bücher jetzt massenweise früher veröffentlichen kann, dann war ein eventuelles vorziehen schon mit eingeplant. Ich denke, dass sie die Klage nicht unmittelbar mit der geplanten Buchveröffentlichung einreichen wollten (zu auffällig) und dass sie nicht gedacht haben, dass es so schnell die (geplanten) hohen Wellen schlägt.
Grüße
Poschi
Bezüglich der Kindervergewaltigungsvideos habt ihr nicht zwischen “Besitz” und “Verbreitung” unterschieden, z.B. im Bezug auf die Traumatisierung der Opfer (wenn sie es nochmal zu sehen bekommen oder so ähnlich). Wenn jemand wie Jörg Tauss solche Videos nur besitzt, dann traumatisiert es doch niemanden. Die Verbreitung allerdings ist viel schlimmer und darunter könnten auch Opfer leiden, falls sie irgendwie zufällig auf diese Videos im Internet stoßen. Damit könnte man den Vorschlag von Rick Falkvinge begründen. Das würde auch die Regierungen dazu zwingen, die Server mit den Videos vom Netz zu nehmen statt die Konsumenten oder sonst jemanden mit Strafe zu bedrohen.
Ich denke, das Wort “Kinderpornografie” ist insofern nützlich für die Zensurbefürworter, weil das eine ähnliche Wirkung auf Menschen hat wie das Wort “Pornografie” selbst. Pornografie ist ja etwas, was Jugendliche unter 18 nicht sehen dürfen und deswegen irgendwelche Schilder mit Altersbestätigung vorgeschoben bekommen. Wenn man das jetzt auf “Kinderpornografie” ausweitet, klingt natürlich plausibel, dass man da auch so etwas wie Warnschilder haben muss. Aber was passiert wenn man vom “dokumentierten Kindermissbrauch” spricht? Dann werden solche Videos zu Indizien und man muss plötzlich Serverbetreiben verhaften, dann die Vergewaltiger finden usw. Das ist der Regierung wohl zu anstrengend und man will überhaupt auf was anderes hinaus.
Frau Wulff hat übrigens auch ein Hörbuch aufgenommen und will das Buch verfilmen… Also langsam werde ich neidisch, wie viel man mit Gerüchten verdienen kann… aber naja, ihr Buch verkauft sich angeblich doch nicht so gut…
Wichtige Hinweise, den Unterschied zwischen “Besitz” und “Verbreitung” hätten wir auf jeden Fall noch einmal genauer herausarbeiten sollen. Das ging etwas unter.
Interessant ist aber auch der Hinweis von Psycho-Dad weiter unten, der argumentiert, dass eine Legalisierung des Besitzes auch zu erhöhter Nachfrage (und, damit: Produktionsanreizen) führen könnte.
Autocomplete:
Halbwegs funktioniert ja “Kai Diekmann P”
“Privilegienm” geht auch, aber das Gegenstück nicht – ist das jetzt ein Privileg oder Diffamierung?
Hi,
Frage an Linus: du hast gegen Ende des Podcasts, als es um das LSR ging, von einem Syndrom gesprochen, das auftritt, wenn man eine Sache nicht mehr aufgeben will, weil man schon zu viel hineininvestiert hat, auch wenn es keinen Sinn mehr macht. Leider habe ich den Namen dieses Phänomens nicht verstanden. Wäre nett, wenn du es nochmal hier in die Kommentare posten könntest! Danke
Das ist weniger ein Syndrom, als ein Phänomen, das man in der Wirtschafts- und Sozial- bzw. Organisationspsychologie beobachtet: “Too much invested to quit” (The psychology of the escalation of conflict) ist da so die von allen zitierte Veröffentlichung zu.
Als jemand, der mit einem verurteilten Kinderpornografie-Besitzer befreundet ist (oder war – das klärende Gespräch steht noch aus…), sich aber auch beruflich intensiv mit dem Thema Kinderpornografie beschäftigt hat (z.B. mit der Frage der Legalität von gemalter oder anders “künstlich” hergestellter Kinderpornografie), muss ich hier mal meinen Senf dazu geben, auch wenn ich es ja eigentlich besser wissen müsste…
1. Kinderpornografie <14 Jahre (14-17 Jugendpornografie)
2. Eine Legalisierung des Besitzes würde meiner Meinung nach auf jeden Fall die Nachfrage steigern und somit die Produktion erhöhen. Ein Vergleich mit Drogen ist hier meiner Meinung nach unangebracht, da es bei Drogen ja hauptsächlich um die Beschaffungskriminalität geht, nicht darum die Herstellung zu bekämpfen.
3. Ja, es scheint Personen zu geben, die durch Kinderpornografie pädophile Neigungen unterdrücken können (siehe zeitweise Legalisierung in Tschechien). Allerdings gibt es genauso den Effekt, dass verfügbare Pornografie die Reizschwelle immer weiter heraus schiebt. Dieser Effekt wird in anderen sexuellen Bereichen beobachtet und wird auch für das pädophile Gebiet vermutet.
4. Zu Tauss: Wurde ihm wirklich per Gericht seine seltsame Version von der Recherche als generell glaubwürdig attestiert? Als ich mich näher mit der Piratenpartei beschäftigte und in diesem Zusammenhang auch viele Artikel und Interviews zu/ mit Tauss gelesen habe, konnte ich nur den Kopf schütteln. Seine Version ist für mich so weit von Glaubwürdigkeit entfernt, dass ich die positive Haltung ihm gegenüber nicht verstehen kann.
1-3. sind auf jeden Fall wichtige, wohlüberlegte und valide Hinweise, deshalb kann ich da wenig drauf antworten, außer dass ich wohl zustimme.
Zu 4. kann ich dich zur Pressemitteilung des Landgerichts Karlsruhe weiterleiten, in der geschrieben steht:
Ansonsten habe ich keine besonders positive Haltung gegenüber Tauss, was allerdings hauptsächlich damit zu tun hat, dass man in seiner Umgebung auffällig viel verbrannte Erde findet, und weniger mit dieser Geschichte, in die er sich da maneuvriert hat, und die zugegebenermaßen die eine oder andere Auffälligkeit aufweist.
Das aber zu beurteilen, ist Sache der Gerichte und ein Gericht hat entschieden.
Vielen Dank für den Link! Werde mir das mal zu Gemüte führen.
Ich weiß ja nicht, ob das der richtige Ort ist über Tauss zu diskutieren, aber um das rund zu machen (und die Korinthen los zu werden… ;-) ) dazu dann noch die Bewertung dieser Pressemitteilung durch einen befreundeten Anwalt:
Der entsprechende Passus bezieht sich tatsächlich nur darauf, dass das Gericht keine Einschätzung abgibt. Eben deshalb, weil es für das Urteil nicht relevant ist. Es wurde ihm also nicht (wie im Podcast gesagt) attestiert, dass er nicht aus sexuellen Motiven gehandelt hat. Aber da die Gedanken oder sexuellen Vorlieben privat sind, möchte ich hier dann auch nicht weiter darüber spekulieren.
Zur politischen Dimension des Themas ‘Kindesmissbrauch und seine Dokumentation’ empfehle ich, nochmal den Fall Marc Dutroux anzusehen, der Mitte der 90er Jahre hohe Wellen schlug und in Belgien zu einer Art Staatskrise führte. (Es gibt auch spannende TV-Reportagen darüber. Der Fall ist allerdings nichts für schwache Nerven.)
Könnten zwei Jugendliche, den Betreiber einer Überwachungskamera verklagen?
Zum 2. Thema: Es wird oft vom Suchalgorithmus von google gesprochen, aber geht es hier nicht nur um den Algorithmus wie Suchanfragen vervollständigt werden? Teilweise entsteht in der Diskussion für mich der Eindruck, dass google Suchergebnisse zensiert, wobei es doch lediglich so ist, dass gewisse Suchanfragen nicht vervollständigt werden.
Zum Thema Kinderpornografie und Jugendliche die sich beim Sex filmen.
Das Argument ist nicht so weit hergeholt wie es scheint:
“Sind zwanzig Prozent aller amerikanischen Teenager Sexualverbrecher?”
http://www.heise.de/tp/blogs/6/135353
(Artikel ist von 2009)