LNP059 No Princess For You

Nach einer urlaubsbedingten Pause von einer Woche fassen wir die vergangene Zeit zusammen und haben uns wegen der erdrückenden Last von Negativmeldungen Verstärkung in Form von Frank Rieger geholt. Wir lecken die Wunden und fragen uns am Ende, wie es weitergehen kann und wird.

Dauer: 01:44:07

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Intro

Zu Gast ist Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs.

Leistungsschutzrecht

Den Bundesrat passierte das Leistungsschutzrecht sang- und klanglos.

Bestandsdatenauskunft

Die Anonymität im Internet ist jetzt endgültig passé.

Ägypten-Trojaner, Germany-Edition

Das BKA berichtet von “zahlreichen Bewerbungen” als Staatstrojaner-Programmierer, will aber zunächst zeitnah bei Gamma International ein fertiges Produkt einkaufen und dieses einsetzen, bis eigene Kompetenz aufgebaut ist.

De-Mail per Gesetz sicher

Der seit 2011 nicht genutzte “sichere Geschäftsverkehr für jedermann” erfordert die Absenkung von Sicherheitsstandards in allerlei Gesetzen.

Volumen-Drossel auch bei DSL

Auch im Festnetz soll es nun bald mit den Flatrates vorbei sein.

State of the Netzbewegung

In Anbetracht der Niederlagen der vergangenen Woche wird von vielen der Untergang der Netzbewegung besungen.

30 Gedanken zu “LNP059 No Princess For You

  1. Ich fand diese Sendung überhaupt nicht deprimierend. Es ist schön zu wissen, dass andere Leute sich über dieselben Sachen ärgern wie man selbst.

    Das die SPD sich vor der Wahl nicht mit Friede Springer anlegt war mir (wegen Steinbrück) eigentlich klar. Wer von (wirtschaftsnahen) Politikern will hier schon gern den Wulff machen.

    deMail ist wieder ein Prunkstück der Realsatiere. Darauf kann man selber nicht kommen.

    Die Telekom war immer ein Beispiel der Neoliberalen für einer gelungene Privatisierung von Staatseigentum. Mit etwas Glück übertreiben sie es mit dem Melken der Nutzer, so dass einigen ein Licht aufgeht …

  2. Ich bin mir sicher, dass es jetzt nicht mehr lange dauern kann bis der Markt alles zum Guten regelt, gleich nachdem die Bundesregierung ihre bisherigen Fehler in der Netzpolitik eingestanden hat.

  3. Habt ihr nun etwas gegen das LSR oder gegen die Implementierung? Ihr habt argumentier, dass dadurch Innovationen/Geschädtsmodelle ins Stocken kommen. Aber sehen wir es doch mal anders: Wenn online das gesamte Inhaltsverzeichnis einer Zeitung öffentlich wäre (wie bei ct) und nicht nur die Titelseite einsehbar, wie es beim Kiosk ist, würde man denn immer noch Zeitungen kaufen oder würde man das, was einen interessiert woanders kostenlos suchen?
    Wenn man einen RSS-Feed hat, dann ist aufgrund der Definition zu erkennen, dass man diesen maschinell auslesen kann. Wenn allerdings eine Zeitung Artikel für ihre Leser kostenlos (indem man Werbung hat) zum Lesen bereitstellt, dann ist m.E. eine klare Absicht zu erkennen, dass diese Inhalte nicht für Maschinen gedacht sind. Eine Benutzung der robots.txt ist meines Wissens nicht im deutschen Rechtssystem verankert. Wieso sollten also Aggregator-Zecken die Informationen saugen dürfen und damit neue Inhalte erstellen dürden, ohne dafür zu bezahlen?
    Weil das Internet doch achso frei ist?

    • Ach, du nötigst mich zu nicht-ironischen Einwürfen.

      Im ersten Teil verstehe ich das Argument nicht. Am Kiosk oder spätestens im Zeitungsladen kann ich auch die Zeitschrift aufschlagen und das Inhaltsverzeichnis lesen, und Zeitungen haben ebenfalls eine Inhaltsangabe. Wenn du darauf hinaus willst, dass man manchmal etwas mitnimmt, das gibt es im Internet auch, wenn ich nämlich ein Onlineangebot konsumiere ohne zuerst in irgendeiner Form die Relevanz der Informationen für mich festgestellt zu haben. Das wird übrigens abnehmen, wenn es mehr Paywalls gibt. Am Zeitungsstand eines Supermarktes oder Kaufhauses kann ich sogar Artikel lesen, ohne sie zu bezahlen. Wohingegen alle Nutzer (die keine Werbeblocker verwenden) beim Lesen eines Artikels immerhin noch Bannerwerbung gezeigt bekommen können. Dass das Indizieren der Inhalte im Internet also irgendwie zu einer stärkeren Verringerung von Einnahmen führen soll, gegenüber dem Indizieren der Inhalte in Printprodukten sehe ich nicht.

      Zum zweiten Teil, wenn der Sachverhalt so wäre, wie du ihn darstellst, gäbe es überhaupt kein Problem. Denn Google und die meisten anderen Aggregatoren halten sich bekanntermaßen an den Robots Exclusion Standard. Die Verlage könnten sie also ohne weiteres ausschließen, wenn sie tatsächlich keinn Interesse an der Verarbeitung ihrer Inhalte durch Aggregatoren haben. In Wirklichkeit haben sie dieses Interesse natürlich doch, weil Aggregatoren ihnen Traffic bringen. Und ich bin mir nicht mal sicher, ob der Robots Exclusion Standard nicht doch im deutschen Rechtssystem “verankert” ist, denn in der Rechtsprechung wird robots.txt und die dadurch geäußerte Intention glaube ich schon in Betracht gezogen. Aber wenn es damit ein Problem gäbe, dann bräuchte es kein Leistungsschutzrecht sondern ein Gesetz zur Regelung der Verbindlichkeit des Robots Exclusion Standard.

      • Das Problem ist eben, dass die Robots.txt nicht rechtsverbindlich ist,
        siehe: http://www.zeit.de/digital/internet/2012-09/leistungsschutz-robots/komplettansicht
        Es gibt zudem ein paar Dinge, die die Zeitungen daran kritisieren, siehe http://www.bdzv.de/recht-und-politik/leistungsschutzrecht-verlage/news-leistungsschutzrecht/artikel/detail/leistungsschutzrecht_und_robotstxt/
        Eine EU-weite Regelung über einen neuen Standard, der deshalb notwendig wird, ist langwierig. Wieso sollte ein nationales Gesetz zum Standard-Zwang besser sein als ein Leistungsschutzrecht, wobei es schon andere LSRe gibt? Das ist doch der Punkt, den man auch richtig erklären sollte und nicht rumjammern, dass man das Internet kaputtmachen würde und dass das gegen den Informationsaustausch wäre und überhaupt nicht ins 21. Jahrhundert passe…

        • Dass die mögliche rechtliche Unverbindlichkeit der “robots.txt” ein Problem ist, würde ich durchaus bestreiten. Eine Notwendigkeit zur Regulierung besteht meines Erachtens frühstens, wenn Aggregatoren sich nicht an die robots.txt halten. Und zwar wirklich kommerzielle Anbieter und nicht private Bots. Mit Ausnahme der Erwähnung von “[v]iele kleinere Robots” wird in dem verlinkten Text aber gar nicht behauptet, dass die großen Aggregatoren sich nicht an die robots.txt halten. Vielmehr wird beklagt, dass der Standard unkomfortabel sei. (Meine persönliche Lieblingsklage, es ist schlecht für SEO.)

          Inwiefern ein Leistungsschutzrecht Probleme mit dem Robots Exclusion Standard lösen soll, ist mir auch unklar. Mit Ausnahme vielleicht, dass die Seite aus dem Index geworfen wird und sich das Problem auf diesem Wege löst. Wie soll das sonst funktionieren, weil man mit den Verlagen verhandeln muss und die dann zur Abwechslung die Bedingungen stellen können oder wie?

          Führt mich zum letzten Punkt, wenn die Verlage ihre Inhalte für so wertvoll halten, dann können sie auch ganz ohne Leistungsschutzrecht mit Aggregatoren verhandeln und ihnen das Angebot unterbreiten, ihre Inhalte kommerziell zu nutzen und sie andernfalls per robots.txt ausschließen, wenn es nicht zu einer Zusammenarbeit kommt. Wenn man aber ins Geschäft kommt, kann man sicherlich auch Alternativen zur robots.txt finden, die den Bedürfnissen der Verlage eher entgegen kommen.

  4. Schöner Podcast, wobei ihr am Ende ein wenig ins Faseln gekommen seid.

    Zu dem Text von John F. Nebel: Bei Punkt 5 dürft ihr euch gerne angesprochen fühlen. Junge Menschen mehr für Netzpolitik zu interessieren, und dabei nicht auf Facebook präsent zu sein passt einfach nicht zusammen. Scheinbar besteht das Internet für viele junge Leute nur noch aus Facebook, oder es dient als Hauptnachrichtenquelle und Kommunikationsmittel, siehe dazu auch die Diskussion bei Wrint 159 (http://www.wrint.de/2013/03/20/wr159-realitatsabgleich-qualitatssicherungsgremiumsvorsitz). Da verschenkt man viele neue Hörer und Mitstreiter, indem man sie kategorisch als Facebook-Pöbel diskreditiert und sich gleichzeitig in seinem ADN oder früher Twitter-Elitarismus suhlt.

    Sorry wenn das ein bisschen kritisch daher kommt, aber ihr macht einen Superjob, nur nutzt auch die Möglichkeiten anderer Netzwerke wie FB und Youtube , um mehr Leuten Netzpolitik nahezubringen.

    • … auf den letzten Chaos-Camps waren nach meiner Einschätzung immer sehr viele Jung-Hacker.
      Hatte auch nicht den Eindruck, dass diese unpolitisch sind.
      Was so in den einzelnen Kreisen abgeht kann ich jedoch nicht beurteilen.

  5. Pingback: Mit der CDU keine Privatsphäre im Internet » CDU Watch

  6. Pingback: Bestandsdatenauskunft – “Unsere Passwörter gehören uns!” | weezerle

  7. Insgesamt eine sehr schöne Sendung, danke dafür. Was die Kritik an der Piratenpartei angeht, möchte ich (als Pirat) sagen, dass ich diese für sehr wichtig halte. Leider sehe ich bei Euch auch einen Fehler, soweit Ihr in das “Piraten sind alle unfähig und zerstritten” – Mem einiger Organe der Springerpresse mit einsteigt. Genau damit wurden wir doch vor einer breiten Masse der Bevölkerung demontiert, genau das war deren Strategie – und sie ging auf. Die Wirklichkeit ist – wie meistens – doch deutlich komplexer, und Ihr wisst das. Das Problem ist, ebenfalls wie meistens – dass sich einige mit zu viel Geld und Tagesfreizeit selbstdarstellend in den Fokus der medialen Öffentlichkeit hieven und keinen Event auslassen. Genau auf diese Typen passen Eure Kritiken. Einer hat sich in seinem Blog sogar mal damit gebrüstet, in der NRW-Wahlkampfparty als einziger neben Bernd Schlömer gestanden zu haben, also ein ganz wichtiger (den Namen erspare ich uns hier mal, er liest bestimmt mit). Dieses Verhalten brauchen wir in unserer Partei tatsächlich nicht. Das sind zumeist typische pseudo-berlinophile New-Economy-Hipster-Sch***, die irgendwo menschlich zu kurz gekommen sind, aber leider immer zu viel Zeit und Geld haben, daher deren mediale Strahlkraft. Und genau diese Typen versauen durch ihre Egomanie ein großartiges Projekt. Man sollte aber nicht davon ausgehen, dass diese Zusammenklick-Blogger, welche über hundertfünfzich Auslandsaufenthalte, zehn vertragssicher beherrschte Fremdsprachen, und Business Relations nach Shanghai – im Alter von zwölf – versteht sich, ständig als “Social Media Senior Consultants” auf Xing um Arbeit buhlende angebliche Betreiber von Groß-Hosting-Zentren irgendetwas mit dem Kern unserer Parteiphilosophie zu tun haben. Solche Typen gehören maximal in die FDP und nerven uns nur mit ihrem Twitter-Getrolle (einfach nicht überbewerten). Aber eben genau diese geben der Presse ihr gefundenes Fressen. Auch die Vergleiche mit den Grünen damals sind auch in Teilen von der Journaille inszeniert, also dass wir erst einmal erwachsen und dementsprechend “realistisch” werden müssten, um uns als realitätsferne Träumer zu diffamieren. In Wahrheit haben wir wenig gemein mit irgendwelchen Ideologien und sehen uns als Mitmachpartei, stets in engem Verhältnis zu Bürgern vor Ort und nicht zuletzt auch zur Wissenschaft. Es zählen also Fakten (und Visionen), was Menschen selbst betrifft, also dich und mich, nicht Ideologien. Nur ist eine offene, dem Bürger zugewandte und realitätsbezogene Politik eben genau das, was die meisten Profiteure des korrupten Systems am meisten fürchten und daher bis aufs Messer bekämpfen. Ja, unsere Pressearbeit war und ist immer wieder nicht gut, um hier höflich zu bleiben. Auch organisatorisch ist noch viel zu tun. Noch lange flogen wir “unterm Radar”, wie Christopher Lauer damals bei Anne Will so süffisant – und völlig korrekt – ins Feld führte. Nun ist das lange vorbei. Aber mit rund 35000 Mitgliedern werden wir wohl noch mit etwa hundert freidrehenden Maulhelden auf Twitter fertig werden, viel mehr sind es nämlich nicht, die anderen sind nämlich durchaus liebenswerte Menschen, gerade vor Ort, wo auf regionaler Ebene in den Kreisen, aber auch in den Landtagen teils großartiges geleistet wird. Es ist eben schwer, dieses in/trotz einer bewusst selektiven Berichterstattung zu kommunizieren, ARD und ZDF sowie Springer und Bertelsmann haben immer noch die Deutungshoheit in der Republik. In einem einigermaßen demokratischen und gerechten Staat würde es auch keine Haushaltsabgabe oder einen politisch besetzten Rundfunkrat geben, nur zum Beispiel, die Liste der potentiellen Gegner ist anscheinend unendlich lang und verortet sich direkt in den Medienanstalten. Die wissen ganz genau, dass in letzter Konsequenz, wenn man unsere am Menschen orientierte Philosophie zu Ende denkt, ein Systemwechsel bevorsteht, bei dem die heutigen Protagonisten ein Schattendasein fristen werden. Genau davor haben diese Besitzstandswahrer Angst, wir nicht. Wir haben genug mitzuteilen, aber unsere Leute sind manchmal noch zu wenig energisch, was das angeht. Da muss sich tatsächlich gewaltig etwas ändern, um unsere Inhalte mal richtig nach vorne zu bringen. Ihr macht das großartig, und hin und wieder einen Tritt in den Allerwertesten können wir schon gebrauchen! Aber man sollte auch aufpassen, die zarten Pflänzchen nicht zu zertreten, wo die Arbeit immer an einzelnen hängt, die sich da gerade ein Bein ausreißen, wo niemand in den Massenmedien ein Interesse daran hat. Was ist schon Lokalpolitik? Was sind schon Landtage, interessiert offenbar niemanden. Hier in NRW und NDS geht es durchaus zur Sache, ob es Springer nun gefällt oder nicht, wir lassen uns nicht entmutigen. Und es gibt hier so viele nette Piraten, die an einem Strang ziehen, entgegen der medial inszenierten Meinung. Das passt aber wohl nicht in das gewollte Bild.

      • Nein, lieber Tim, das wollte ich damit nicht sagen, wie kommst Du darauf? Ich kritisierte doch selbst diese Egomanenblase, die wir nicht brauchen, und sagte doch selbst, für wie wichtig ich Eure Kritiken halte. Da machst Du es Dir IMHO etwas zu einfach, wenn du den Artikel gar nicht gelesen hast, Zitat: “TL;DR: Die anderen sind schuld.” und anderseits auf so etwas kommst. Mich treibt doch selbst jedes mal die Wut um, wenn wieder jemand ohne jeglichen A**** in der Hose sich in den Medien vorführen lässt. Glaube mir, dass das immer wieder sehr schmerzhaft ist, weshalb ich mit Kritiken in den eigenen Reihen nicht sparsam bin (aber ich würde auch nicht behaupten, es besser zu können). Das geht aber aus dem Beitrag auch hervor, dachte ich jedenfalls, aber ich bin kein Journalist, wenn du das meinst. Es geht nur um meine ehrliche Meinung. Da steht nichts zwischen den Zeilen, in meinem Beitrag, keine Doppelzüngigkeit usw. Ich meine das so, wie ich es geschrieben habe. Und wenn ich Kritik äußere, bedeutet das nicht, dass ich meine Person davon ausnehmen würde.
        Du kommst doch selbst ursprünglich beinahe vom Land und dürftest wissen wie schwer es ist, hier etwas zu organisieren. Es gibt nicht einmal einen funktionierenden ÖPNV. Meistens gibt es auch nur einen Piraten auf mehrere Kleinstädte. Dass da nicht jedes Mal per Großaktion die mediale Rakete steigt, ist doch klar. Aber ohne Hoffnung geht es eben auch nicht.
        Im Kern ging es mir darum, dass diese Blase aus Egomanen mit Tagesfreizeit nicht wirklich repräsentativ ist. Aber für die Presse ist das jedes Mal ein gefundenes Fressen, wenn auf Twitter etwas rundgeht. Dessen sollten sich diese Leute auch bewusst sein, ist es auch, aber man wird sie eben nicht los. Da hat man einfach keinen Hebel dafür, diese verhinderten FDP-Karrieristen ins Nirvana zu schießen. Und jetzt, wenn sie merken, dass es ohne echte Arbeit nicht geht, demontieren sie ihre eigene Partei aus Trotz von innen heraus. Aber irgendwann wird ihnen das Spielzeug langweilig werden. Für meinen Teil strebe ich weder ein Amt noch sonstwas an, bin auf keiner Liste, sollte man wissen, mir geht es um die Sache. Bin in die Partei eingetreten, weil ich es als vielleicht letzte Chance gesehen habe, etwas zum Guten zu wenden, einem Leben in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit!
        Sicher habe auch ich Fehler gemacht, diskutiere gerne darüber und “tue Buße”, soweit das irgendwem hilfreich ist. Aber es mangelt eben auch an dieser Kritik, an eben solchen Gesprächen über wesentliche Dinge, wenn man fernab der Schmelztiegel dieser Welt zumeist als Einzelkämpfer versucht, etwas zu bewegen. Es ist kein gewollter Zustand und auch kein mangelnes Bewusstsein darüber, denn es frustet. Trotzdem kann jeder seinen kleinen Beitrag vor Ort leisten, zur Not auch in der Provinz und per pedes, und genau das passiert.

      • Ein Versuch: Das ganze Problem hat IMO etwas mit einer gewissen Unsensibilität für die Außenwahrnehmung, insbes. bzgl. des Vorstandes zu tun. Denn innerhalb einer basisdemokratischen Partei hat der Vorstand inhaltlich wenig zu melden, was gut so ist. Uns ist das sonnenklar. Die Wahrnehmung von außen ist jedoch eine ganz andere, da man sich längst an ein Diktat von Parteispitzen gewöhnt hat, wie das z. B. bei der Einberufung von Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat der Fall war; das Präsidium hat entschieden, die Meute hat später abgenickt. Daran hat sich der Wähler gewöhnt und erwartet es demzufolge nicht anders. Also wird der “Parteispitze” eine entsprechend gewichtige Rolle zugeschrieben, die sie bei den Piraten faktisch nicht hat. Allerdings sollte sich jeder Pirat im klaren darüber sein, dass die Leute von Gewohntem ausgehen, was zu einem entsprechend verantwortungsvollen Umgang mit diesen Rollen führen sollte. Dass die Presse wider besseren Wissens dieses instrumentalisieren würde, war von Anfang an klar. Das ist meine These bisher, dass manche diesen Perspektivenwechsel nicht geschafft haben, warum auch immer.
        Umso erschreckender wäre demzufolge die Annahme einer Gefangenheit in einer Blase unter Verlust der Perspektive derer, die man vertreten möchte. Denn genau das würde dem Anspruch der Piratenpartei, näher am Bürger zu sein, zuwiderlaufen.

        Dann wären wir in diesem Punkt nämlich wie alle anderen. Korrigiert mich bitte, wenn ich da noch etwas übersehen haben sollte. Verzeiht mir bitte die etwas “naive” Herangehensweise. Das ganze ist mir nicht erst seit heute bewusst, aber manchmal muss man vllt. etwas explizit werden, um außerhalb einer Blase verstanden zu werden ;-)

        Das mit der vergeigten Chance der Profilierung über Kernthemen, insbes. der netzpolitischen, dürfte weniger an den umfangreichen Programmen als an der Kommunikation gelegen haben. Dieses wird auch immer wieder innerhalb der Partei falsch dargestellt. Nichts hindert uns, trotz eines Vollprogramms, das eh niemand liest, die entsprechenden Statements zu unseren Kernbereichen abzugeben, ohne dabei unsere Werte mit Breitenwirkung auszuklammern.

        Vllt. handelte es sich in Teilen um eine Überreaktion auf die ständigen Vorwürfe, wir hätten kein Programm, was schon damals nicht stimmte.

        Sogar die Leute auf der Straße haben uns das im Wahlkampf ständig an den Kopf geknallt, weil sie den Medien-“Berichten” glaubten. Die verdutzten Gesichter hättet Ihr sehen sollen, als wir das Programm verteilten, das wir angeblich nicht hatten. In NRW gingen die daher noch weg wie warme Semmeln. Von Netzpolitik wollten die auch nichts hören, haben sich dann abgewandt, ist also noch nicht so ganz angekommen, das Thema, muss ich leider aus eigener Praxiserfahrung so sagen. Aber mehr Profil und Hang zur Revolution hätten sich schon einige gewünscht. Daher die Resignation mancher, die uns jetzt nicht wählen, weil wir nicht offensiv genug sind.

  8. Das Problem der Telekom bei der Drosselung wird eher beim IPTV liegen. Wenn man jeden Tag nur eine Stunde ARD HD (9 mbit/s) schaut, würde man 125 GB im Monat verbrauchen und die müssten das Fernsehen kurz nach Monatsmitte abschalten. Ich glaube also nicht, dass die Telekom ihren eigenen IPTV Traffic mit reinrechnen wird.

    Die Fernsehsender die die Telekom einspeist laufen also weiter und die von Anderen funktionieren nach 75gb nicht mehr (watchever, itunes, lovefilm). Die Telekom bietet auch eigene Zusatz-Pakete an wie z.B. “liga total” oder “Film” die sicherlich auch weiterlaufen werden.

    Die Telekom würde damit ihre Doppelfunktion (Internet und Inhalte) ausnutzen um ihre eigenen TV Zusatzpakete zu verkaufen und um die der Konkurenz loszuwerden oder schlecht zu machen (ausbremsen). Nach meiner Meinung eine Steilvorlage für eine Klage nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (uwg p4a10 “Mitbewerber gezielt behindern”)

    • Die Telekom berechnet ihren Trafic NATÜRLICH nicht,
      deshalb ist es ja auch eine Verletzung der Netzneutralität.
      Diese Zusammenhänge wurden auch in der Sendung noch einmal kurz aufgeführt.

  9. Ein Aspekt zum LSR kam mir noch etwas zu kurz: Als Konflikt zwischen Springer und Google ist mir der herzlich egal, die koennen sich das beide unabhaengig vom Ausgang leisten. Und wie ihr richtig sagt, wird sich fuer die beiden auch nicht viel aendern (ein Stillhalteabkommen angenommen). Das Problem des LSR sind doch viel mehr seine Kollateralschaeden. Linus sprach zwar die kleinen Verlage an, die sich nicht leisten koennen, erstmal eine Runde rumzuklagen, um ihr Geld einzutreiben.

    Noch wesentlicher scheint es mir auf der anderen Seite zu sein: wir haben doch lange gefeiert, dass das Internet zu einer Demokratisierung fuehrt, weil die Huerden fuer Otto Normalverbraucher gegen Null gehen, seine Meinung potentiell einem weltweiten Publikum darzustellen. Aber schon die Rechtsunsicherheit (und das damit verbundene Kostenrisiko) ist aber ein weiterer Schritt dazu die “Jeder ist ein Sender”-Seite des Internets zurueck zu draengen, weil ich mir die damit verbundenen Risiken zunehmend nur noch leisten kann, wenn ein entsprechender Konzern hinter mir steht (analog zur Argumentation damals zum Jugenmedienschutzstaatsvertrag: Natuerlich kostetet es mich nichts einen Tag in mein html zu schreiben, was in etwa “frei ab 12″ bedeutet. Es kostet mich aber sehr wohl, wenn mich jemand abmahnt, weil er diese Klassifikation anzweifelt und ich weiss nicht, ob ich mir leisten kann, dass meine Einschaetzung auch von einem Gericht bestaetigt wird).

  10. Thema DE-Mail:

    Heißt die Änderung an den Verordnungen (bzw Sozialgesetzbuch), dass die Entschlüsselung der Mail nur soweit legal ist, soweit sie genutzt wird, um die Mail auf Viren zu prüfen.

    Das heißt, wird ne DE-Mail abgeschnorchelt, fällt das nicht unter die Änderung der Vorschriften und somit wäre die Kommunikation zwischen Staat und Bürger evtl wieder fahrlässiger Geheimnisverrat.

    Das ließe ja lustige Klageideen aufkommen – oder? Ich mein so ganz pauschal, da wir damit automatisch jede DE-Mail-Kommunikation anzweifeln können.

  11. 384kbps sind die Bandbreite vom “Dorf-DSL” (Rückfallbandbreite vom 1Mbit bei hoher Dämpfung) und leider nicht der Upload bei ner 1Mbit-DSL – der is noch geringer: 128kbps.

    384k is auf jeden Fall zu wenig. Da geht nich mal vernünftig n Stream drüber.

  12. Vlt. solltet Ihr mal abchecken was die Regionalprovider so anbieten, anstatt immer nur über die Großen zu meckern. Beim MäcDreckWürgerKing erwartet Ihr doch auch kein “lecker Fresschen”? ;-)
    Lebe hier am Stadtrand von HH in ‘ner Mietwohnung der größten Wohnungsbaugesellschaft dieser Stadt. Diese hat ‘ne Kooperation mit ‘nem Anbieter aus Norderstedt. Liegt Faser bis in den Keller. Die letzten Meter QuasiVDSL, kostet 30 Taler pro Monat, 100Down, laut Werbung 20 Up, geschaltet wird 30 bis 40Up. Einfach nur GEIL!1!! :) Kein Knebelvertrag, kein Volumen, keine Drosselung. Im Ruhrpott gibt’s NetCologne, um München herum M-Net, usw. Schaut nicht immer nur auf Berlin und Umgebung. Wäre vlt. mal ‘nen Schwerpunkt wert, wer außer den Großen wo denn was zu erträglichen Preisen anbietet. Ohne TriplePlayKrimsKrams?

    http://quoteinvestigator.com/2012/01/24/future-has-arrived/

  13. Pingback: Der Tag – 04.04.2013 | nevermo.re

  14. Pingback: „Achso Netzpolitik – ich dachte schon, es wäre was ernstes“¹ | JUNG.GRÜN.DIGITAL

  15. Linus sagt zur BDA, dass (auch) dynamische IP Adressen seit 2008 per Definition/Urteil nicht mehr Verkehrs- sondern Bestandsdaten seien. Der verlinkte Zeitartikel endet aber mit einem Update:
    “Die letzten beiden Absätze wurden nachträglich geändert. Dynamische IPs waren in der ersten Version fälschlich als Bestandsdaten bezeichnet worden.”

    Ich denke das Urteil auf den Linus sich bezieht ist hier zu finden: http://tlmd.in/u/313

    Zitat der Telemedicus Redaktion:
    “1) Die Information, welcher Kunde zu einer bestimmten Zeit eine bestimmte IP-Adresse genutzt hat, zählt zu den Bestandsdaten i.S. der §§ 3 Nr. 3, 111 Abs. 1 TKG.

    2) Ein Auskunftsanspruch der Staatsanwaltschaft ergibt sich somit aus den §§ 161, 163 StPO iVm § 113 TKG. Es liegt kein Fall der richterlichen Anordnung nach § 100 g StPO vor.”

    Richtig?

  16. Hallo ihr Lieben,
    das war mal wieder ein tolle Sendung.
    Wenn auch nicht besonders positiv; habe ich aber dennoch eine Menge gelernt.
    Auch Frank hat viele tolle Infos beigetragen.

    Mein Herz erblüht jedes mal,
    wenn ich den Satz höre “Guten Morgen Linus …”

    Danke dafür.

    Ich versuch im kleinen, die Erkenntnisse in die Welt hinaus zu tagen
    und erlebe, wie wenig die Leute auf solche Dinge reagieren.
    Aber es wird immer besser.

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